“… einfach zuviel der Information über die Homosexualität!”

26. Dezember 2011

Ich stand gestern anlässlich des Tuntenballs vor dem Hirscheneck und beobachtete die ankommenden Tunten, die Kostüme und Frauen. Immer mehr Heteros und Heteropärchen nehmen daran teil. Bei gewissen Männern ist der Tuntenball schon zu einer Art „Initiationsritus“ geworden, und das ist auch gut so! :P

Es gab natürlich auch Gelegenheiten zur Diskussion. Und da ist mir eine Bemerkung aufgefallen, die nur selten ausgesprochen wird: „Hilfe, das ist mir jetzt zuviel der Informationen…“

Es ist mir wieder einmal bewusst geworden, wie sehr sich Heteros um das Thema Homosexualität herumdrücken und sich davon fernhalten! Sie glauben immer, es betrifft sie nie im Leben! Kommt dann ein Schwuler und befasst sich ernsthaft ihnen gegenüber damit, sind sie völlig überfordert…

Das Missliche daran ist, dass so viele homosexuell aktive Männer und offen Schwule darauf Rücksicht nehmen, ja sogar ihre Gesellschaftspolitik daran anpassen. Das Dumme daran ist nur, dass sie dadurch nichts, oder nur sehr wenig ändern in der Gesellschaft! Wir lassen uns zu oft zurückdrängen mit der Begründung: Ach, ich habe nichts gegen Schwule, aber es interessiert mich auch nicht!

Natürlich erwarten Heteros aber, dass wir Homosexuellen uns für ihre Fickpartnerinnen interessieren. Wir lesen darüber sogar im Sportteil der Zeitungen. Nur bei den Börsenkursen kann schwul noch sicher sein, nichts darüber lesen zu müssen! :P

Aber selbstverständlich haben Heteros und Heteras dann immer genug Zeit, wenn sie über einen Schwulen herziehen, oder ihn verdächtigen können! Und viele von ihnen haben dann “plötzlich” grosse Probleme, wenn es um ein coming out geht, oder jemand zwangs-ge outet wird… Sowas kann IHNEN ja nie im Leben passieren. Und in ihrer Familie gibts das eh nicht…    Peter Thommen_61

Gerontophilie…

22. Oktober 2011

Heterosexuelle Männer und Frauen erwarten im Allgemeinen, dass Schwule erwachsene Männer bis ins hohe Alter lieben sollen. Dabei wird ihnen  gerade dies verunmöglicht zu erlernen in Kindheit und Jugend – wegen der “Pädophilie”!

Aber nicht mal einen Kindergarten- oder Schulschatz können wir unbeschwert kennenlernen. Während es kein Problem ist, uns von Kindsbeinen an zuzumuten, uns mit erwachsenen Frauen rumzuplagen, die sich um sämtliche körperlichen Bedürfnisse kümmern wollen, bis ins hohe Alter!  Peter Thommen

Homofeindlichkeit & Rastafari-Ideologie

04. September 2011

Anlässlich des 30. Todestages von Bob Marley im Sommer dieses Jahres, schrieb David Signer (Ethnologe) einen Essay über Reggae und die in der Musik transportierten Lebensvorstellungen, die heute in Jamaica als eigene Kultur verteidigt werden. (NZZamSonntag, 14. August 2011, S. 67) Gleich am Anfang fragt der Autor sich: “Aber was hat es eigentlich mit der Rasta-Botschaft auf sich? Taugt das prophetisch-revolutionäre Pathos für eine Gesellschaftskritik?” “Als Vordenker der Rastafari-Religion gilt der jamaicanische Publizist Marcus Garvey, der 1927 die Vision eines schwarzen Gottes hatte, der zum König gekrönt würde. Drei Jahre später bestieg Haile Selassie I.  den äthiopischen Thron.” Äthiopien war das älteste eigenständige Land in Nordafrika mit einer ältesten urchristlichen Kirchenkultur. Ras Tafari Mekonnen lautete der bürgerliche Name dieses neuen Kaisers und er war die Hoffnung der Äthiopier und für Bob Marley und seine Musikgemeinde wurde er zum neuen schwarzer Messias, den sie nach einem Besuch in Jamaica (ehem. brit. Kolonie) wie einen Gott verehrten. Einige Rastas siedelten auch in dem afrikanischen Land, das zwar seit 1931 eine Verfassung hatte, aber absolutistisch regiert wurde. Ein paar hundert Verehrer, auch aus Schweden, Japan und den USA, lebten mehr schlecht als recht auf ein paar Hektaren Land, das ihnen zugeteilt worden war. Sie wurden von den Einheimischen aber abgelehnt.

gays haben mehr farben als rastas !

“Während in den siebziger Jahren Hunderttausende in dem Land hungerten, feierte der Kaiser den Geburtstag seines Hündchens Lulu.” “Das alles ficht die Rastas jedoch nicht an, in ihrer Vergötterung des “Königs der Könige”, genauso wenig wie der umgekehrte Rassismus, der wichtiger Bestandteil der Rasta-Ideologie ist.” Die Rasta-Ideologie gründet auf archaischen gesellschaftlichen Vorstellungen und auf den historischen Erfahrungen der Schwarzen mit dem Kolonialismus der Weissen. Da gibt es Slogans, die jeder Rechtsextreme für sein “Volk” auch unterschreiben würde (Afrika den Afrikanern – Europa den Europäern), merkt David Signer an. Und: “Man fragt sich, wie die weissen Rastas mit dieser Ideologie umgehen.” Während Bob Marley nachgewiesenermassen ständig sexuell untreu gewesen ist, halten sich die Rastas an biblischen Werten fest, wie so oft in anderen “Bewegungen” und Glaubensgemeinschaften” auch. “Jamaicanische Sänger sind besessen von “batty men” (Schwulen) und “chi-chi gals” (Lesben). Der bekannteste Anti-Homosexuellen Song “Chi-chi man” wurde während der Wahlen von 2001 von einer früheren Regierungspartei (JLP) als Hymne öffentlich verwendet.” Wenn ich bedenke, dass das Musikbusiness mit sehr vielen Schwulen durchsetzt ist, dann frage ich mich auch, wie die das so einfach hinnehmen und totschweigen können, wenn sie Konzerte organisieren, oder Musik vertreiben! Nun, wir sehen ja, die “weissen” Rastas tuns auch, und die schwulen Rechtsradikalen haben auch kein Problem. Hier die bekannten Namen schwulenfeindlicher Rasta-Sänger: Bjuju Banton (er fordert in “Boom By Boom” dazu auf, die “Schwuchteln” umzulegen) – “Zündet sie an!”, schlägt Bounty Killer vor. Der Sänger Beenie Man sieht für Lesben den Tod durch den Strick vor: “Hang chi-chi gal wid a long piece of rope.” In der Schweiz versuchte es Capleton immer wieder mit Auftritten, die aber wegen seiner homofeindlichen “Batty man Tunes” bekämpft wurden. Man mag die Musik mögen oder nicht, David Signer bemerkt am Schluss: “… aber von der ganzen Rasta-”Befreiungsbewegung” bleibt bei genauer Betrachtung unter dem Strich nicht viel mehr als Nonsens.” Der Kaiser Ras Tafari Mekonnen ist schon längst tot. Jamaica seit 1962 ein unabhängiger karibischer Inselstaat im Commonwealth of Nations und das Kiffen hat offensichtlich weder eine “rassische” noch eine politische “Befreiung” gebracht. Und zu guter Letzt der Grund, warum in der Bibel Homosexualität (Schwule im heutigen Sinne gab es damals noch gar nicht) verboten ist: Wegen des Analverkehrs, der die Gefickten kulturell zur Frau machen soll. Dabei wusste der biblische Gott offenbar nichts von der Prostata des Mannes, die beim Analverkehr stimuliert wird und die Erektion anregen kann. Vielleicht hatte er genauso Pech mit seiner Schöpfung, wie die Jamaicaner mit ihrem Messias! Peter Thommen, Schwulenaktivist (61) Basel

Jamaican Gays and Lesbians Stopmurdermusic Hängt die Schwulen! (Uganda) Berichte auf d.radio Wissen

Lesben sind übrigens auch betroffen, auch wenn sie weniger in den Medien genannt werden! Hier eine Literaturliste über Bücher von Claudia Schoppmann

die katholische kirche schlägt zurück

19. Juli 2011

Die aktuelle endgültige Beurteilung der Homosexualität lautet nach katholischem Verständnis “objektiv ungeordnet”. Diese zwei Wörter bezeichnen die verfahrene ideologische Situation dieser Kirche. Ihre Definition ist nicht objektiv, sondern subjektiv. Aber im Verständnis eines sogenannten “Pluralis majestatis”, mit dem diese Kirche davon aus geht, dass ihre Sicht auch die Sicht aller Anderen sei, versucht sie, sowohl die Definitionsmacht, als auch ihre Ordnungsmacht zu verteidigen. Denn die sexuelle Ordnung dieser Religion ist identisch mit der Fortpflanzung. Abgesehen von der Beurteilung der Tötung ungeborenen Lebens und der völlig “jenseitigen” Beurteilung von AIDS, gibt es noch ganz andere Irrtümer in dieser Glaubenslehre!

Ein typisches Beispiel im Sexualbereich stellt die Geschichte um Onan und seine angebliche Selbstbefriedigung dar. Die Tatsache, dass verschiedentlich behauptet wird, Onan sei auch wegen Kindestötung verurteilt worden, weist daraufhin, wie rudimentär die damalige Kultur um die Fortpflanzungs-zusammenhänge wusste und im Namen ihres “allwissenden” Gottes urteilte. Es war gar noch nicht bekannt, dass der Anteil der Frau mit ihrem Eierstock ein sehr wesentlicher ist. Mann dachte sich, die Spermien seien bereits die Kinder, die nur noch in das Nest im Körper einer Frau gelegt werden müssten…

Im Angedenken daran, dass diese Kirche sich Jahrhunderte lang eingebildet hat, die Erde sei das Zentrum der Welt und nicht die Sonne, sollten wir alle objektiv daran zweifeln, ob ihr Glaubensgebäude bis in die Ewigkeit Gültigkeit behalten wird. Ganz abgesehen davon, dass die Menschen Jahrtausende vor Abraham und Jesus sich schon fortgepflanzt haben und glücklich gewesen sind, ohne die “objektive Ordnung” dieser Kirche, die übrigens von Fischern am See Genezareth wesentlich initiiert worden ist.

Ich will hier nicht aufzählen, wie viele Menschen unter der katholischen Sexualmoral gelitten haben, oder wegen ihr gescheitert sind. Jedenfalls ist die wissenschaftliche und objektive Erkenntnis so erdrückend und international geworden, dass – nicht nur diese katholische Kirche – in den ideologischen Notstand gerutscht ist. Verzweifelt versuchen ihre Repräsentanten nun, zurückzuschlagen und sich selber als diskriminierte Opfer darzustellen, um von ihrer Verantwortung für die Gesellschaft abzulenken.

Meiner Ansicht nach bringt es nichts, mit der katholischen Kirche zu streiten. Vielmehr bin ich der Meinung – wie ich das einleitend schon dargelegt habe -, dass es darum geht, noch viel mehr Leuten die Aufklärung über die ideologischen Gründe nahezubringen. So kann jedeR selber beurteilen – ohne des Lateinischen mächtig sein zu müssen – was von der neusten Strategie der katholischen Kirche zu halten ist.

Diese Strategie ist die Folge der “Errungenschaft” der Homo-Ehe, die international von bürgerlichen Schwulen “erkämpft” werden will. Es ist die Folge des “Gleichseinwollens” mit den Heteros, die die meisten Kräfte in die heterosexuellen Lebensformen abzieht, wo diese dann in ähnlichem Masse verbürgerlicht und gesellschaftlich wirkungslos werden, wie – eben bei Heteros üblich: Blut und Boden-Denken, Clanwirtschaft, politisch konservativ und ausgrenzend alles, was nicht so ist wie man selber ist…

Ich mag jedem seine Schwulenehe gönnen. Aber ich lasse mich nicht in einen kollektiven Kampf gegen eine weltweite Ideologie und Institution einspannen, während die Kultur von Menschen, die homosexuell glücklich werden wollen, seit Jahren am Boden liegt. Während Männer ihr Leben und ihren Charakter, sowie ihre individuelle Persönlichkeit dekonstruieren oder gar zerstören – sogar mit Hilfe von AIDS.

Ganz zu schweigen von all den Hetero- und Bisexuellen, die feige ihren Mund halten und trotzdem ihr Sexualleben mit homosexuellen Handlungen “anreichern” wollen – “ein bisschen bi schadet nie”. Klar, wenn die gesellschaftliche und politische Verantwortung dafür keiner übernehmen will und muss. Das sollen dann die Schwulen erledigen, mit denen diese Männer “im normalen Leben ja eigentlich nichts zu tun” haben…

Was soll ich mich aufregen, wenn ich in den Augen der Religiösen ein armer Sünder bin? Ich werfe das denen auch nicht vor. Ich weise nur darauf hin, dass es nicht um “Gleichheit” geht, sondern um die allgemeine und säkulare Gleichwertigkeit – wie bei den Frauen auch schon immer! Der Rückzug von Ideologien in ihre eigenen Subkulturen hat begonnen. Sie fühlen immer mehr selber, wie es solchen ergeht, die schwul sind, eine andere Hautfarbe haben, oder eine andere Sprache…

Die schwulen Medien – ob gedruckt oder virtuell – führen uns den ideologischen Unsinn verschiedenster Prälaten und Bischöfe täglich genüsslich vor und profitieren wirtschaftlich in ihren Medien von dieser Hetze. Dabei bleiben unsere wichtigsten und lebenswichtigen Anliegen einfach liegen. Denn wenn es um unsere ureigensten psychischen und sozialen Interessen geht, will keiner damit das grosse Geld machen.

Eine klare Sicht über die aktuellen Macht- und Interessenverhältnisse zeigt sich dann, wenn bei all den Missbrauchsdiskussionen – die schon längst für ebendiese Verhältnisse missbraucht werden -, erwähnt wird, dass sich offenbar nur Wenige über die Selbstmordversuche und Selbstmorde junger und jüngster Schwuler – oder auch Bisexueller – aufregen. Denn diese Tragödien finden wegen des herrschenden und frauschenden Heterrors statt. Und Missbrauch jeglicher Art (nicht nur des sexuellen!) findet nur unter bestimmten Umständen statt, die familiär und gesellschaftlich verantwortet werden müssen! Auch wenn es ums Wegwerfen des eigenen Lebens geht.

Führe ich die beiden Themen aber zusammen, dann heisst es (zB aus der Zentrale der SPSchweiz) nur, man solle das eine nicht gegen das andere ausspielen. Damit ist politisch klar, wie die Verhältnisse sind: Die Opfer sind (hier auch ideologisch) definiert – und verantwortlich sind “die Anderen” als Täter auch. Basta! Wer seine gesellschaftliche Mitverantwortung an der misslichen Situation Jugendlicher – seien sie Opfer irgendwelcher Verhältnisse – aber nicht erkennen kann, hat meiner Ansicht nach politisch versagt. Da helfen keine verlängerten Verjährungsfristen, keine “schärferen Gesetze” und schon gar nicht das “Wegschliessen für immer”.

Peter Thommen_61, Schwulenaktivist, Basel.

siehe auch:  eswirdbesser?? (Ostern 2011)

Toleranz ist wenn man/frau fragt – statt verteufelt!

12. Juli 2011

In Abwandlung eines älteren Buchtitels überlasse ich das Forum hier einer aktuellen Pressemitteilung von Pink Cross:

“Die Basler Schulbehörden wollen einen stufengerechten Sexualunterricht mit Einsatz von Anschauungsmaterial, der als Modell für andere Kantone gelten soll. Auf nationaler Ebene regt sich dagegen erbitterter Widerstand konservativer Kreise. Wir von der Dachorganisation der Schweizer Schwulen Pink Cross wehren uns gegen den unterschwelligen Vorwurf, der beabsichtigte Sexualunterricht wäre Propaganda für gleichgeschlechtliche Lebensformen.

Vordergründig geht es um die Frage, wer die Kinder aufklären darf und soll. Letztlich wird aber wieder ein konservatives Familien- und Weltbild propagiert und es soll verhindert werden, dass Schwule und Lesben und allgemein die verschiedenen heutigen Lebens- und Familienformen in der Schule dargestellt werden dürfen.

Die Gegner haben vermehrt auch Lesben und Schwule im Schussfeld, die nach ihrer Ansicht in der Schule wieder unsichtbar gemacht werden sollen. So lautet eine der zentralen Forderungen:

“Im Rahmen des Sexualkunde- Unterrichts an der Volksschule darf keinerlei Beeinflussung auf Kinder und Jugendliche bezüglich sexueller Orientierung ausgeübt werden.” 

Lesben und Schwule können und sollen nicht „herangezüchtet“ werden. Unser Ziel ist vielmehr, dass Jugendliche, welche für das gleiche Geschlecht empfinden, sich nicht mehr vor den MitschülerInnen und den LehrerInnen schämen müssen, sondern in ihrem Anderssein geliebt und akzeptiert werden. Wir wollen nur, dass Jugendliche, welche nicht wie die Mehrheit empfinden, nicht mehr den Ausweg im Selbstmord suchen, weil sie Angst davor haben, als „Schwule Sau“ oder „lesbische Schlampe“ ausgelacht und „in die Ecke gestellt“ zu werden.

Wir verlangen deshalb, dass unabhängig vom Sexualunterricht, fächerübergreifend nicht nur heterosexuelle Beziehungen, sondern auch gleichgeschlechtliche Paare vorkommen, z.B. dass die Deutschlehrerin mal einen Aufsatz mit dem Titel „unsere schwulen Nachbarn“ schreiben lässt und in der Klasse diskutiert oder in den berühmten Dreisatz-Rechnungen auch mal ein Lesbenhaushalt vorkommt. Auch halten wir es für wichtig, dass gleichgeschlechtlich liebende Menschen und ihre heterosexuellen Angehörigen, z.B. Eltern in die Schulen kommen können, um über ihr Leben zu erzählen.”

Bern, Pinkcross, A. Rosselet, Uwe Splittdorf

Bücher für die Schule

 

Kommentar Peter Thommen: Die Leugnung eines auch nur annähernden sexuellen Bewusstseins in der Kindheit und Jugend von Schwulen (Pädophiliegefahr!) ist Teil der Gesamtstrategie gegen die Information von Kindern über homosexuelle Lebensweise!

Im Gegensatz zu Kinder- und Jugendbuchtexten kann in den Sexualinformationen die sexuelle Dimension menschlicher Beziehungen nicht mehr geleugnet werden.

Sexualität ist nach bürgerlicher Vorstellung für die Erwachsenen reserviert, sonst würden sich Kinder und Jugendliche  ja nicht mehr von ihnen unterscheiden! ;)

Das Bundesverwaltungsgericht und die Homosexualität

15. Mai 2011

Anfang dieses Jahres wurde das Asylgesuch eines homosexuellen Iraners vom Bundesverwaltungsgericht in SG zurückgewiesen. Er wurde zur Rückreise in sein Land “verurteilt”. (Das BVGer ist die höchste Instanz für Verwaltungsentscheidungen unter dem Bundesgericht) Dem Asylsuchenden wird der Besitz von 75 g Heroin zur Last gelegt. (Entscheid) (Übersicht der Rechtslage in diesem Asylverfahren bei humanrights.ch)

Ich möchte mich hier auf den “Umgang des Bundesverwaltungsgerichtes” mit der Homosexualität konzentrieren. Sie ist historisch im Strafrecht zu verorten und dort nur als Handlung zwischen Männern oder zwischen Frauen. Dies mag auch ein wesentlicher Grund sein, warum das “Schutzalter” für diese Handlungen von 1942 an bis in die 80er Jahre* bei 20 und nicht wie bei heterosexuellen Handlungen bei 16 lag und dies offenbar vom Bundesgericht in Lausanne auch gestützt wurde (sh. unten: BGE 70 IV 166 und BGE 85 IV 223). Aber spätestens bei der Ratifizierung (1974) der Europäischen Menschenrechtskonvention hätte die Rechtsprechung eigentlich angeglichen werden sollen (auch in der BRD, und in Österreich bis heute übrigens!). Aber genauso wie sich die Wirtschaft seit Jahrzehnten nicht um den Verfassungsartikel kümmert, der die gleiche Lohnzahlung für gleiche Arbeit bei Männern und Frauen verlangt, so ist die praktizierte Politik mit Rechtsgütern, dem politischen Opportunismus ausgeliefert. Dabei fällt mir auch die “Instandstellungspauschale” nach Verlassen einer Wohnung ein, die von den Vermietern über Jahrzehnte eingefordert worden ist, bis jemand mal soweit ging, das Bundesgericht anzurufen (1981). Dieses entschied dann eine Rückzahlung bis auf 5 Jahre zurück…

Es ist hier die Gelegenheit, Schwulen und auch Lesben übrigens, in Erinnerung zu rufen, dass erreichte Rechtsstände weiterhin verteidigt, oder gar ausgebaut werden müssen – mit politischen Mitteln notabene! Dabei geht es nicht nur um die Angleichung des Adoptionsrechtes und anderer zivilrechtlicher Ansprüche. Was das sogenannte Schutzalter betrifft, so wurden durch das neue Strafgesetz ab 1942 einige kantonale Schutzalter dabei erhöht**! Auch das sei zur Erinnerung aller “Schutzbeflissenen” hier wieder in Erinnerung gerufen!

Doch kehren wir zur aktuellen “Gleichbehandlung von Homosexualität” durch Gerichte zurück. In die Verfassung (2000) ist die Schutzwürdigkeit einer sogenannten “homosexuellen Orientierung” nicht gerutscht. Zu nahe war das Strafgesetz, von dem natürlich auch Heterosexuelle betroffen sind. Wir Schwulen vergessen immer wieder, dass schon in der Bibel (Lauritzen: Religiöse Wurzeln des Tabus der Homosexualität, Frühlingserwachen 1983/engl. 1974) von den Männern und Frauen die Rede ist, welche “den natürlichen Geschlechtsverkehr verlassen haben”…

Wir sollten also nicht nur lernen, dass heutzutage die Mehrheit der homosexuellen Akte von Menschen “begangen” werden, die nicht homosexuell orientiert sind, sondern in heterosexuellen Ehen leben, oder sich selbst als “heterosexuell” definieren. Wir sollten auch realisieren, dass die Ideologie des “Heterrors” vor allem auch diese “vor Abweichungen schützen muss”! Das ist der Schwulenbewegung und den Einzelnen viel zu wenig klar. Das geht mir selbst genauso, wenn ich erst jetzt die detaillierte rechtliche Entwicklung genauer betrachte! (siehe unten BGE 88 IV 65)

Es ist interessant, wo das relativ neue Bundesverwaltungsgericht in Sankt Gallen in dieser Thematik steckt. Man könnte annehmen, dass die gesellschaftlichen Veränderungen auch in diesen Amtsstuben angekommen sein müssten. Als ich den Entscheid-Text las (siehe Link oben!) bin ich allerdings über folgende Formulierung gestolpert:

“In der Praxis wird Homosexualität von den Behörden im Alltag demnach geduldet, wenn sie nicht in einer möglicherweise Anstoss erregenden Art öffentlich zur Schau gestellt wird.” (Begründung Punkt 8, Antonio Imoberdorf, vorsitzender Richter, Daniel Grimm, Gerichtsschreiber)

Bei einer solchen Formulierung kann wohl nicht von einer “homosexuellen Orientierung” als bekannter und akzeptierter Begrifflichkeit bei dem Gericht ausgegangen werden.

Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie denn eine Heterosexualität in einer möglicherweise Anstoss erregenden Art öffentlich zur Schau gestellt werden könnte…  (vielleicht die Prinzen-Hochzeit in England!)

Abgesehen von der Praxis- und Rechtsferne des Bundesverwaltungsgerichtes in Bezug auf den Iran, stellt nun Axel Schubert von der HABS richtig fest: “Sich dauerhaft zu verleugnen, wird nicht nur als erniedrigende Behandlung ganz real erfahren, es macht auch krank. Doch Verleugnung zu fordern, zeugt von der Unkenntnis des Gerichts, wie sich Diskriminierung aufgrund eines unveräusserlichen Teils der eigenen Identität anfühlt.” (PrMit HABS vom 16.02.2011, PDF)  (siehe unten BGE 88 IV 65)

Handkehrum muss ich nun an die Burka und ähnliche Kleidungsstücke denken, die bei Frauen doch als wesentliches Element, entweder der weiblichen Identität, oder grad des Gegenteils davon rechtlich verstanden werden kann! Aber diese sind natürlich – rechtlich gesehen – Gegenstände, die frau einfach überziehen oder wegnehmen kann. Desgleichen gilt auch für die Homosexualität, wenn sie eben nicht als sexuelle Identität verstanden wird, sondern nur als eine – mehr oder weniger strafbare, “Alltagshandlung”, oder eben “temporäre Verkleidung”.

Aber so wie Frauen ihre Würde mittels eines Kleidungsstückes erlangen oder verlieren können, so können auch Heterosexuelle ihre Homosexualität erleben oder Abstand davon nehmen. Der Vergleich hinkt natürlich, weil das eine materiell-sichtbar ist, und das Andere sich nicht mal an einer äusserlichen einzelnen Handlung festmachen lässt.

Daher denke ich, dass wir uns weiterhin mit dem Kampf um Erweiterung der sexuellen Handlungsfreiheit begnügen müssen, auch wenn das Gesetz zur ePartnerschaft nahe legt, dass es auch eine fest zu verortende homosexuelle Orientierung geben müsste. Aber dieses Gesetz können auch Menschen unterzeichnen, die keine homosexuelle Orientierung haben. Genauso wie bei der “heterosexuellen” Ehe! Rechtsverbindlich kann eben immer nur die äussere Form sein. Das vergessen auch viele heterosexuelle PartnerInnen homosexuell aktiver Menschen. Da sind ihnen wohl Schwule einen Schritt voraus! ;)

Peter Thommen_61, Schwulenaktivist, Basel

* Politische Opportunität liess dann die kantonalen Gerichte, schon vor Einführung der Revision 1992, dann von Anklageerhebungen absehen, wenn die Beteiligten alle 16 Jahre oder älter waren.

* *Das allgemeine Schutzalter liegt zwischen 12 und 16 Jahren, einige Kantone kannten es gar nicht, andere nannten “Mannbarkeit”. (Schüle, Hannes: Die Entstehung des Homosexualitäts-Artikels…, 1983)

Siehe auch: “Dass die Ihre Organisation besonders interessierenden Bestimmungen des Art. 194 StGB revisionsbedürftig sind, liegt auf der Hand. Art und Umfang der Revision hängen entscheidend von den Ergebnissen des Vernehmlassungsverfahrens und den Beratungen im Parlament ab. Im Falle des Referendums wird das Volk zu entscheiden haben.” (Aus dem Brief des Eidg. Justiz- und Polizeidepartementes vom 26. November 1980 an die Schweizerische Organisation der Homophilen, Zürich – Dr. B. Schneider, Generalsekretär)

Neuester BGE * betreffend die Ehrenrührigkeit der Zuschreibung/Ver-leumdung von Homosexualität: “Dem Beschwerdeführer ist beizupflichten, dass es nicht per se ehrenrührig ist, einen Menschen als homosexuell zu bezeichnen, da Homosexualität weder unsittlich noch unethisch ist. Zugleich ist aber festzuhalten, dass auch bei einer solchen Äusserung eine Ehrverletzung gemäss Art. 173 ff. StGB nicht immer ausgeschlossen werden kann. Davon geht ebenso die Vorinstanz aus. Ihres Erachtens kommt es für die Beantwortung der Frage, ob die Äusserung, jemand sei homosexuell, ehrverletzend sei, auf das soziale Umfeld des Betroffenen und der Adressaten der Äusserung an.”  …   “Ebenso beinhaltet die Aussage, dass ein Jugendleiter homosexuell sei, nicht, dass er pädosexuelle Neigungen habe.” (BGE 6B_983/2010, 19. April 2011, Strafrechtliche Abteilung)

Bei der anhaltenden Pädo-Hysterie ist das eine typische Beurteilung aus dem Elfenbeinturm! P. Th. (*auch Suche beim BGer unter Homosexualität, April 2011 möglich)

2011 “Die Stadt Moskau war vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg im vergangenen Jahr zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil sie Homosexuellen Kundgebungen verboten hatte. In diesem Jahr berief sich die Stadtverwaltung auf internationale Konventionen zum Kinderschutz. Es bestehe die Gefahr, dass Kinder beim Anblick von Homosexuellen traumatisiert würden, zitierte Schwulenverbandschef Nikolai Alexejew aus dem Schreiben der Behörde. Er will dennoch für diesen Samstag eine Kundgebung für die Rechte von Schwulen und Lesben organisieren. (dpa)

2011 Vorwürfe wegen “Pädophilie” gegen Politiker in Irland

 

 

oben zitierte Bundesgerichts-Entscheide: BGE 70 IV 166 (29.9.44): “Ganz abgesehen davon ist widernatürliche Unzucht sittlich verwerflich, auch wenn sie nicht strafbar ist.” (Zitat auf S. 166, Entscheid ab S. 163)

BGE 85 IV 223: “Das Gesetz fasst die widernatürliche Unzucht als etwas grundsätzlich anderes auf als den Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau; es erachtet die Gefahren, die für einen jungen Menschen mit der widernatürlichen Unzucht verbunden sind, in gewissem Sinne als grösser und hat entsprechend das Schutzalter höher angesetzt.”

BGE 88 IV 65: “An der bisherigen Rechtsprechung ist daher festzuhalten. Von ihr abzuweichen, besteht umso weniger Anlass, als die Gefahr, dass Jugendliche in das Treiben Homosexueller hineingezogen werden, seit Erlass des Gesetzes zugenommen hat.”

(Die BGE wurden zitiert aus: HAZinfo, März 1975)

Anmerkung: Es ist hier ausschliesslich von Tätern und auf diese bezogen von männlichen Jugendlichen die Rede, sonst ginge es ja nicht um Homosexualität! Für die weibliche Variante interessierte sich keineR¨;)

Muttertag – Sohnesmütter

07. Mai 2011

durch die rosa Brille geguckt! ;)

Mütter und ihre Söhne, statt Söhne und ihre Mütter!

Kürzlich traf ich einen jungen Mann gegen die 30ig, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Mir fiel auf, dass er ziemlich abgemagert ist und auch ein wenig „verschrumpelt“. Nach zwei drei Worten gestand er mir, dass seine Mutter vor drei Monaten gestorben sei. Ich weiss aus seiner Biografie, dass er vor Jahren eine „Klemmschwester“ war…

Bei dieser Gelegenheit und dem Nachdenken darüber wurde mir wieder einmal bewusst, wie sehr wir auf Täter und Väter fixiert sind und an den Frauen, Müttern und Täterinnen vorbeischauen. Sie sind kulturell der Opfer-Rolle zugeteilt. Wann immer ein Mann einer Frau etwas antut, „tut er es, weil er ein Mann ist“. Wann immer eine Frau einem Mann etwas antut, hat sie vorher „bestimmt Probleme gehabt“. Wann immer ein Sohn leidet und nicht von seiner Mutter los kommt, fällt die Definition über ihn: Er ist ein „Muttersöhnchen“.

Als Schwuler habe ich gelernt, dass Frauen und Mütter erstmal „nichts tun“ und doch sehr tatkräftig im Leben von Kindern mitwirken. Aber fürs Nichtstun kann keine bestraft werden. Die meisten Mütter merken es, wenn ihre Söhne sich homosexuell orientieren. Aber sie sagen nichts. Viele Frauen glauben, was nicht gesagt wird, ist nicht existent. Vielleicht gemäss ihrer Fremddefinition durch die Männer. Frauen waren ja immer nur „mitgemeint“ mit den männlichen Bezeichnungen…

Während es durchaus auch Frauen gibt, die – vor allem als Alleinerziehende – ihre Unterwäsche und Dessous in der Wohnung herumliegen lassen, damit ihr Sohn „nicht schwul wird“, gibt es auch nicht wenige Frauen, die ihre Söhne mehr oder weniger als Liebhaber missbrauchen. Ganz sanft und natürlich ohne offensichtlich sexuelle Bedeutung.

Sigmund Freud hat die Theorie aufgestellt, dass in der heterosexuellen Familie, die Söhne ihre Mütter, und die Töchter ihre Väter begehren würden. Die vereinzelt bekannt gewordenen Fakten und die grosse Diskussion um den „sexuellen Missbrauch“ herum, hat sichtbar gemacht, dass Freud entweder irrte, oder ver-wirrte! Wenn Väter ihre Töchter sexuell missbrauchen, dann können das auch Mütter mit ihren Söhnen tun. Nur weil sie keinen Penis haben (über den ja immer noch weitgehend „richtiger Sex“ definiert wird), schliesst das eine mögliche Täterschaft nicht aus. Ja eigentlich müssten wir das Strafgesetz um-schreiben, weil es eigentlich immer nur von Tätern handelt, aber selten auch von Täterinnen…

In der heterosexuellen Familie werden also die Kinder gegengeschlechtlich sexualisiert. So wird die Heterosexualität auch in zukünftige Generationen weiter tradiert. Dass da Mütter mit schwulen Söhnen Probleme damit haben, statt – wie vielfach behauptet Verständnis – liegt doch auf der Hand. Ein Bekannter von mir erzählte mir kürzlich, dass er in Griechenland beobachtet habe, dass Mütter den Kopf ihrer kleinen Söhne meistens an die Schamgegend nehmen, um sie wirksam zu trösten. Diese gewöhnen sich dann auch an „den Geruch“. Wenn es übertrieben ist, enthält es sicher doch einen Kern Wahrheit.

Ich will jetzt keine Beispiele von Muttersöhnchen aufführen, sondern mal die übliche Betrachtungsweise umkehren! Heterosexuelle Mütter wollen von den Söhnen, die sie geboren haben, auch geliebt, ja begehrt werden. Sonst gibt es grosse Enttäuschungen. Bestraft wird nicht mit einem Penis, sondern mit Liebesentzug. Das schlechte Gewissen beim Sohn wird unmerklich aufgebaut. Die Vorwürfe sind selten offen ausgesprochen, sie werden dem Opfer „signalisiert“. Die nonverbale Kommunikation zwischen Männern und Frauen ist DAS grosse Problem der Heterosexuellen. Also kann es auch gegenüber Söhnen aktiv-wirksam eingesetzt werden!

Eine Mutter kann ihren Sohn auch durch Gewährenlassen abhängig machen. Nicht sexuell. Aber bei Geldangelegenheiten, Gefühlsbedürfnissen und Drogensucht als aktueller Faktor. Wir erinnern uns vielleicht noch der bösen Stiefmutter aus den Märchen. Aber in diesen Fällen war die Manipulation wohl so stark, dass sie niemannd mehr übersehen konnte!

Der Psychiater Fritz Morgenthaler (1919-1984) hat eine interessante Theorie über die sexuelle Orientierung vorgelegt: Danach spielt das Bewusstsein der Trennung vom mütterlichen Körper, das erst einige Zeit nach der Geburt entsteht, die entscheidende Rolle. Die einen finden sich damit ab und suchen immer wieder einen mütterlichen Körper, die anderen entwickeln Autonomie und „verschaffen sich ihre Lustgefühle selbst. Diese Säuglinge belegen die eigene Person, das eigene Geschlecht mit sexuellen Gefühlen.“ (zit. n. Braun/Martin: Gemischte Gefühle. Ein Lesebuch zur sexuellen Orientierung, Rowohlt TB 2000, S. 21-22)

In einem psycho-historischen Text habe ich einmal gelesen, dass in früheren Zeiten den Müttern die Söhne ab dem 7. Lebensjahr weggenommen worden sind, „damit sie richtige Männer werden konnten.“ In der islamischen Kultur werden Jungen zwischen 7 und 14 Jahren beschnitten. Die Beschneidung der Mädchen wird übrigens von Frauen/Müttern ausgeführt. Diese ist vorislamischer Herkunft und darf als symbolische Herrschaft/Frauschaft über die kommenden Generationen verstanden werden.

In einem Film über die Geschlechtsanpassung eines Partners in einer homosexuellen Beziehung im Iran, erfuhr ich folgendes Erstaunliches. Nachdem also der Sohn einer Mutter operativ zu einer Frau geworden war, änderte diese ihr Verhältnis zur „neuen Tochter“ völlig. Sie konnte nun Mutter-Tochter-Gespräche mit ihm führen, da sie ihn ja nicht mehr an eine andere Frau hergeben müsse. Das sei bei Söhnen nicht möglich. Allerdings zog sich dann der schwule Partner zurück, weil er ja das gewünschte Geschlechtsorgan nicht mehr vorfinden konnte. Für Schwule eine logische Konsequenz. Für den iranischen Staat aber, der das ganze noch finanziert, um die Mann-Frau-Konstellation zwingend herzustellen, völlig uninteressant.

(Interessant für mich war, dass Mütter im Iran, ihr Verhältnis eher distanziert halten zu ihren Söhnen, im Gegensatz zu den unsrigen. Und natürlich wird ein Mann nicht so schnell zur “Tochter” mit einer körperlichen Operation.)

Für das heterosexuelle Spiel braucht es die entsprechenden Körperformen. Das muss genügen… So können wir vielleicht erahnen, dass homosexuelle Beziehungen (anders als Kontakte und flüchtige Erlebnisse) wohl anders aufgebaut werden als die heterosexuellen Beziehungen.

Und wir sollten nicht nur ein besonderes Auge darauf haben, was Väter „antun“. Auch was Frauen und Mütter unterlassen oder verschweigen, kann ähnlich verheerend sein.

Peter Thommen, Schwulenaktivist, Basel (61)

 

Erster Mai – die Schwulen bleiben unter sich

01. Mai 2011

… oder verschwinden unter den Heteros

Wir hätten auch heute noch gute Gründe, an den 1. Mai-Demos teilzunehmen, denn auch heute noch sind wir auf eine soziale Schweiz angewiesen. Auch Schwule kommen als Arbeitskonkurrenten in die Schweiz – und Schwule verlieren nun mal die Arbeitsstelle schneller als Familienväter. Verpartnerte Schwule sind verpflichtet, ihrem „Ehemann“ in finanziellen Notlagen beizustehen, nicht nur die Ehefrauen.

Schwulsein „ist heute kein Problem mehr“, aber schwul leben schon noch! > „Bitte nicht auf meinem Sofa!“

„Es ist kein Zufall, dass sich die Schwulen der Arbeiterbewegung anschliessen. Wer könnte sich eine Homosexuellen-Delegation an einer Arbeitgeber-Konferenz vorstellen, obwohl es sicher viele schwule Unternehmer gibt? Nur die Arbeiterbewegung ist fähig und willens, die heutige Gesellschaft in Richtung Demokratie und Freiheit zu verändern. Nur die unten sind, ohne Zweitvilla und Aktienpaket, sind bereit, für die Veränderung einzustehen. Die Homosexuellen haben sich in die richtige Reihe eingefügt.“ (Martin Herter in der Basler AZ vom 15. Mai 1979, in der Titelkolumne)

Ich weiss wirklich nicht, was Martin Herter zu einer Gruppe wie der gay SVP gesagt haben könnte. Und „network.ch“ gab es damals noch nicht. Aber für diese Diskussion weise ich auf das historische Gespräch „zwar schwul – aber ein guter Freisinniger!“ (PDF) von 1973 hin!

Die Schwulen haben jeden Tag 1. Mai, wenn sie ins „öffentliche“ Internet gehen und mit Passwörtern und Nicknamen in eingegrenzten Portalen (wie diskret das auch immer sei!) für ihre sexuellen Bedürfnisse auftreten!

Worin besteht nun die Sexualität in Freiheit, die durchaus auch als Arbeitsleistung betrachtet werden kann? Arbeit an sich und an Anderen – zur Beförderung von Glück und Befriedigung – nicht nur in einem materiell geprägten Leben.

Es besteht für Schwule die Freiheit, an öffentlichen Orten – wenn auch nicht für Heteros sichtbar – geduldet, Sex-Kontakte haben zu können. Im Internet frei zu surfen und zu kontakten – solange alle Beteiligten 16 Jahre oder mehr alt sind. Die Freiheit, Fetische aller Art zu haben, Drogen konsumieren zu können und sich sexuelle Hilfsmittel, Darstellungen und kulturelle Werke kaufen zu können. Tom of Finland mit seinen Riesenschwänzen zum Beispiel. ABER, die Homosexualität und ihre Kultur findet nicht mitten in der heterosexuellen Gesellschaft – und als Teil von ihr statt!

Obwohl der grösste Teil „homo-sexueller“ Aktivitäten von Männern betrieben wird, die sich nicht als schwul verstehen, oder sonst völlig in hetero Lebensweisen aufgehen – ausser der „kleinen schwulen Abwechslung“, ist Schwulsein und schwule Kultur offiziell etwas „nur für diese Minderheit“.

Wenn ich jemandem grundlegende Zusammenhänge über Homosexualität erzähle, dann kann es vorkommen, dass der oder die Nachbarn schon mal bemerken: „Ich weiss nicht, ob das mich überhaupt interessiert“. Wenn ich natürlich einem 15jährigen Jungen einen Blowjob mache, dann aber interessiert das die Leute schon – bis ins Detail, was ich denn da gemacht habe! Vierzehnjährige Sexualpartnerinnen sind dagegen für sie völlig selbstverständlich!  ;)

Sexuelle Mitbestimmung und Selbstbestimmung war vor und während der Revision des Sexualstrafrechts das zentrale Thema unter Schwulen, die das Licht der Öffentlichkeit nicht scheuten. Wir sind nämlich alle „pädophil“ gewesen, solange unsere Partner nicht 20 Jahre alt waren! Das haben schon wieder viele vergessen. (1)

Doch davon ist heute nichts mehr übrig geblieben. Die Freiheit ist wohl im Internet – nicht in der Gesellschaft. Von einer umgekehrten Wirkung – wie in Nordafrika zB – ist mir nichts bekannt. Im Gegenteil: Das Internet muss zensiert und von der Polizei kontrolliert werden!

Seit 2003 haben wir die Möglichkeit, uns zu verpartnern. Zwar nicht gleich wie die Heteros, aber das kümmert viele Schwule nicht, denn sie (vor allem die Jungen) geben oft auf ihren Profilen an, sie seien „verlobt“ oder „verheiratet“ – manchmal auch nur „in einer Beziehung mit…“

Wenn wir mal ganz rosarot hinter dieses Pseudo-Eheinstitut für Homosexuelle blicken, dann erkennen wir die Absicht der Heteros – hinter der Freude der Homos: Um den Preis der bürgerlichen „Gleichheit“ – aber ohne Gleichwertigkeit sind die Schwulen als Konkurrenz für Heteros quasi „ausgeschieden“. Entweder ist Mann verheiratet, oder verpartnert. Konkurrenz (wie aus der wilden Zeit vorher!) entsteht dadurch niemanndem/niefraudem mehr. Mischformen sind undenkbar! (Da ständen Göttinnen von den Toten auf!)

Eine zusätzliche „Lebensform“ ist eigentlich nicht entstanden. Nicht mal im Hinblick auf mehrere Partner, die sich vertraglich ja auch binden könnten, um zusammen zu leben und zu wirtschaften, statt Kinder aufzuziehen

Die Kinder-Diskussion – nicht die Lebensformen von Kind an – wird durch die „Regenbogenfamilien“ erneut belebt. Damit auferstehen aber auch wieder alte Vorurteile gegenüber Schwulen aus dem letzten und sogar vorletzten Jahrhundert! (weniger gegenüber Lesben!) Nicht die Frage nach der Herkunft der Homosexualität seit frühester Jugend und Kindheit wird gestellt, sondern diejenige nach den Auswirkungen von Homosexualität (nicht Heterosexualität) auf Kinder und Jugendliche. (**)

Daneben läuft ganz separat eine Kampagne um die selbstmordgefährdeten homosexuellen SchülerInnen und jungen Männer – mitten unter den Heteros/as. Gegen Selbsttötung, Mobbing und Verzweiflung homosexueller Kinder und Jugendlicher  gibt es keinen „Marche rose“ und keine Unterschriftensammlung für ein Erziehungsverbot für heterosexuelle Eltern oder Pädagogen! (Zwangsheteronormalität) :P

Prostitution ist auch eine Form von Arbeit, denn Arbeit ist „Notwendiges zu tun“. Aber schon bei der Haus- und Familienarbeit gibt es Unterschiede in der Bezahlung, im Vergleich zur offiziellen Arbeit ausserhalb…

Es ist sinnvoll, sich daran zu erinnern, dass die Prostitution zwischen Männern (womit die meist Heterosexuellen und hetero lebenden Männer immer „abgedeckt“ waren, ab 1942 verboten wurde – mit moralischer Begründung. Aber schon damals war doch klar, dass junge Männer, die „Taschengeld“ (Theres Ollari, 1988) brauchten, sich dieses „damit“ viel leichter verdienen konnten. Der Kanton Basel-Stadt sah keine Strafen dafür vor. Seine Definition lautete klar – bei Jungs und Mädchen: „Abhalten von der Arbeit“.

Neuestens soll die Prostitution von Migrantinnen – wegen Ausbeutung durch Männer – zwischen 16 und 18 Jahren wieder verboten werden. Während 1942 die hetero Männer straflos geblieben sind, sollen sie heute kriminalisiert werden, denn die Bestrafung der Migrantinnen erscheint wohl allen unsinnig. Aber Strafe muss irgendwie sein. Es genügt nicht, wenn schweizerische Rechtspolitik die Migranten in die Nothilfe drängt, oder sogar in den Untergrund. Auch Angesichts der immer noch nicht verwirklichten Lohngleichzahlung bei Männern und Frauen, sind solche Anliegen einfach nur schwachsinnig, auch wenn sie von Politikerinnen kommen!

Natürlich werden auch junge Männer oder Migranten davon erfasst. Das Gesetz gilt ja für alle gleich! Damit rekriminalisiert man/frau erneut die männliche Homosexualität. Und allein unter Frauen „kommt so was ja nicht vor“!

Und ganz neu könnten wir Schwulen heute bei den Heten kompetent mitreden. Denn nach feministischer Sichtweise, „produziert die (männliche) Nachfrage das Angebot“. Also bei den Schwulen produziert auch die männliche Nachfrage ein Angebot – auch aus aller Welt. Allerdings wird jetzt auch bei den Schwulen sichtbar, dass die Einrichtung der „Schwulenehe“ wohl dazu beiträgt die „fehlende Befriedigung“ vermehrt durch diskrete Dienstleistung ausserhalb abzudecken.

Und für mich ist ganz klar: Diese weibliche Argumentation unterschlägt nun wirklich fassbodentief die Tatsache, dass die Ehe und die Verpartnerung eben längst nicht alle sexuellen Bedürfnisse in einer vertraglichen Beziehung befriedigen können. Es ist reine Selbstüberschätzung der weiblichen Partnerinnen und homosexuellen Partner. Mann und Frau blicke in andere Kulturen mit anderen Beziehungsformen und zu anderen Zeiten!

Der Sinn der Ehe soll darin bestehen, dass die Arbeit in dieser „Wirtschaftsgemeinschaft“ durch Lustbefriedigung „bezahlt“ werden soll. Während die „unlustige Arbeit“ ausserhalb und im Anstellungsverhältnis mit Geld bezahlt wird. Nun gibt es grosse Unterschiede in beider Bezahlung und der „freie Markt des Sex“ gleicht diese wieder aus. Und so wie es für die jungen Männer früher moralisch eine Schande war, sich für sexuelle Dienste an anderen Männern „herzugeben“, so trifft es heute wiederum Männer – aber umgekehrt – die die sexuellen Dienste von Migrantinnen (aus was für Gründen beide sich finden, bleibe mal dahin gestellt!) in Anspruch nehmen.

Ich möchte es nicht versäumen, ausdrücklich anzumerken, dass es immer Jungs gab, die auch ohne Bezahlung einen grossen Altersunterschied überbrücken konnten, aus Lust und aus Liebe. Das zeigt sich auch übers Internet. Aber das war und ist natürlich den Gesetzgebenden entweder völlig wurscht, oder naiverweise unbekannt. Ob das zwischen Heterosexuellen auch in dem Masse gilt, lasse ich auch mal dahingestellt!

Die Rekriminalisierung der Prostitution – eben auch bei Schwulen – ist ein weiterer Schritt im juristischen Zerbrechen der Einheit von Materie. Also ab 16 Jahre sexuelle Selbstbestimmung (damals von Elisabeth Kopp öffentlich ausgesprochen) in allem. Erneut werden sich Gerichte darüber beugen, den MigrantINNen Status definieren und moralisieren. Dabei sind die Gründe wirtschaftlicher Natur. Denn für „ehrliche“ Arbeit und Krieg sind Kinder immer noch nicht zu schade – weltweit!

Ich möchte den 1. Mai schliessen mit Wilhelm Reich. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Sexualität, auch für diesen Forscher, idealerweise im Begriff „Liebe“ mit eingeschlossen ist.

„Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens. Sie sollten es auch beherrschen.“ Wilhelm Reich, 1897-1957

 

Peter Thommen, Schwulenaktivist, Basel (61)

(ältere Thommens Senf zum 1. Mai hier , 1998-1996, auch Herter vollständig, 1979)

 

** Michi Rüegg im Cruiser:  ”Schlimm, dass wir unsere gotteslästernen Partnerschaften registrieren dürfen, jetzt fällt es uns auch noch ein, Kinder adoptieren zu wollen. Da hört nun jeder Spass auf. Denn, wenn der Pullermann in den Popo flutscht, ist Satan nicht weit, das weiss jeder anständige Christenmensch. Und in einem solchen Umfeld soll kein Nachwuchs aufwachsen, und überhaupt, denken die, wir wollen ja bloss eigene Kinder, damit wir sie bequemer missbrauchen können.” (Zitat aus: Gottes freie Natur, eine Wanderung für Atheisten) Ein Essay über den Bibelwanderweg in Zürich (Cruiser Mai 2011, S. 36)

————————————————-

(1) Schmutz Marcel und Peter Thommen: Die Unzuchtsparagraphen 191 und 194 im schweizerischen StGB (von 1942), ARCADOS Verlag 1980, 30 S.(ISBN 3-85522-001-8)

Schüle Hannes: Die Entstehung des HomosexualitätsArtikels im Schweizer Strafrecht 1894-1942 im zeitgenössischen Umfeld von Sitte, Moral und Gesellschaft, Selbstverlag 1983, 60 S.

(zwei äusserst spannend geschriebene historische Darstellungen, deren Argumente und politische Einschätzungen – schon wieder – sehr interessant und aktuell sind! PT – e-book-Ausgabe in Vorbereitung)

schwul – aber ein guter Linker? 1. Teil

29. April 2011

Selbstbestimmung statt Normen. Schwules „Positionspapier“ der Jungsozialisten/GaynossINNen zur sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität. Das Papier wurde an der Delegiertenversammlung vom 13. November 2010 diskutiert.

Die Gaynossinnen stellen fest, dass viele Forderungen der Schwulenbewegung und der historischen bürgerlichen Homo-Organisationen umgesetzt wurden und schreiben:

„Die heutigen Diskriminierungen sind unterschwellig und versteckt: Lesbische Frauen werden oft doppelt diskriminiert.“

beim Nachdenken

Diese „doppelte“ Diskriminierung von Lesben ist gesellschaftspolitisch zumindest schräg, wenn nicht historisch falsch. Diese Formulierung postuliert einen diskriminatorischen „Mehrwert“ gegenüber den Homosexuellen, der nicht auszumachen ist, aber viele Homosexuelle offenbar beeindrucken kann. Damit wird wohl die Feststellung folgender Tatsache ausgebügelt:

„So reduzieren Medien die gesamte queere* Bewegung in der Berichterstattung regelmässig auf „Schwule“.

Aber eines nach dem anderen:

Erstmal ist historisch-kulturell belegt, dass homosexuelle Männer und Frauen schlicht anders diskriminiert wurden und werden. Damit wird schon die „doppelte Diskriminierung“ hinfällig, weil sie mit derjenigen der Männer nicht vergleichbar ist. Die soziale Diskriminierung beruht auf konkreten körperlichen Merkmalen und geschlechtlichen Handlungen, die ebenfalls nicht zwischen Männern und Frauen so einfach verglichen werden können.

Die Diskriminierung beruht auf dem Mann als Mass aller menschlichen Dinge. Diesem folgt politisch-logischerweise ein sozialer Minderwert der Frauen. Doch dieser Minderwert wird ihnen nicht durch Handlungen zugeschrieben, wie bei der männlichen Homosexualität, sondern schon von Geburt an. Und keine Frau kann durch irgendwelche Handlungen eine andere Frau in ihrem sozialen Wert als Geschlechtswesen noch mehr herabsetzen – zur „doppelten Frau“ machen. Dies ist wohl nur spekulativ möglich.

Geschlechtshistorisch kann ein Mann durchaus einen anderen Mann durch Analverkehr auf den sozialen Wert einer Frau „herabsetzen“. Und wohlgemerkt: Der aktive Penetrierer bleibt ein Mann, während der passive – logischerweise zur Frau wird. So etwas findet zwischen Frauen nicht statt.

„Linkspolitisch“ muss erkannt werden, dass die Urklassengesellschaft in Penetrierer und Penetrierte eingeteilt war. Dies unabhängig vom biologischen Geschlecht. Wobei nur den Männern ein Rollenwechsel möglich war, denn Frauen bleiben Frauen, auch wenn sie sexuelle Kontakte untereinander haben.

Und hier komme ich zur „doppelten“ Diskriminierung der Männer: Eine Frau, die penetriert wird, bleibt eine Frau und steigt höchstens durch die Fruchtbarkeit zur Mutter auf. Männer können also – auf der aktiven Seite – Männer bleiben. (Worauf viele Heteros und Bisexuelle auch Acht geben!) Nach der traditionellen Moral aber „werfen“ passive Männer in der Homosexualität „ihre Männlichkeit weg“, die sie ja eigentlich behalten könnten – mit anderen homosexueller Handlungen. Hier ist eine – wenigstens – moralisch verstärkte Diskriminierung gegenüber passiven Homosexuellen zu finden.

Ältestes Beispiel aus der Bibel: 3. Mose 18,22: Du sollst nicht beim Knaben liegen wie beim Weibe; denn es ist ein Greuel. (Weil damit der Passive zum Weib gemacht wird. Die Bibel bestraft übrigens auch den Aktiven! PT)

Diese „organisch-funktionelle Begründung von Diskriminierung“ findet sich auch in vielen Köpfen von Frauen! Wiederum ein Beispiel:

(Aus einem Interview mit einer Mutter)

„Wie geht es Ihnen denn mit schwuler Sexualität?

(nachdenklich) Ich weiss, es ist absurd, aber bei Heterosexuellen stört mich Analverkehr nicht – bei Homosexuellen stösst er mich ab.

Warum?

Weil der passive Teil der Beziehung irgendwie degradiert wird; aber ein Mann, der sich degradieren lässt (zögert) … ist in meinen Augen unmännlich.

Könnte es sein, dass Sie fürchten, dass Ihr Sohn unmännlich und dann für sie nicht mehr attraktiv ist?

Ist es schlimm, wenn ich Ja sage?“

(Braun, Joachim: Schwul und dann, Querverlag, 2006, S. 38-39)

(Historischer Hinweis: Bis in die 80er Jahre hinein galt ein gleichgeschlechtliches Schutzalter bis zum vollendeten 20. Altersjahr (für Heteros 16). Damals waren die Homosexuellen generell die „Pädophilen“, welche die Söhne ehrbarer Mütter zu entmännlichen drohten. Woraus folgt, dass es eben Mütter waren, die vor allem Angst um ihre Söhne hatten. Viele Väter stützten diese Moral, auch solche, die selber homosexuelle Erfahrungen in ihrer Jugend gemacht hatten. Solche Probleme** gab es bei Lesben nie – darum auch keine „Pädophilie“!)

Die diskutierte Diskriminierung ist schlicht „anders“ und kann niemals in ein Mengenverhältnis wie „doppelt“ gefasst werden. Dies zeigt auch das heutige Sexualverständnis vom „Lesbenporno“. Während die aktive Betätigung zweier Frauen miteinander von „heterosexuellen“ Männern weit herum als anregende Sexualphantasie konsumiert wird (wobei der Ausschluss des Mannes aus der Inszenierung vom Konsumenten ignoriert wird, weil es (übrigens meist heterosexuelle) „Frauen“ sind, die das „spielen“), sehen sich im Vergleich nur wenige Lesben und Frauen „Schwulenpornos“ an – aber es gibt immerhin welche.  ;)

Dass – wie im obigen Interview – Frauen selber die Penetrationsdiskriminierung an andere Männer und Söhne weitergeben, finde ich sexualpolitisch äusserst aufschlussreich.

Die Diskriminierung von Homosexualität läuft also primär über den Penis (und nicht über die Klitoris), der so schnell den sozialen Status verändern kann. Er ist es auch, der in den letzten paar hundert Jahren die speziellen Homo-Paragraphen bestimmte („Code Penale“), während die Sexualität unter Frauen durchaus als ein Teil ihrer „Frauenkultur“ von den Männern hingenommen, oder einfach „übersehen wurde“. Dies aber im Rahmen der allgemeinen Ignoranz gegenüber Frauensexualität! Zwar total, aber nicht doppelt! (***)

Der aktuelle „Täter“-Begriff klammert sich denn auch juristisch, kriminologisch und politisch-korrekt immer noch an diesen Penis, obwohl die Frauen als Täterinnen längst verschiedentlich aufgeholt haben. (Auch “Unterlassungen” können verantwortbar und strafbar werden!)

Ich habe in den Urteilsstatistiken von 1942 – in die 80er Jahre recherchiert und darin viele Männer gefunden, die sich strafbar gemacht haben. Während es nur einzelne Frauen gab, die damals so offensichtlich gegen die auch für sie geltenden Gesetze (Schutzalter 20, glg. Prostitutionsverbot) verstossen haben, dass sie verurteilt wurden. Es ist für mich hinfällig, darüber zu streiten, ob jetzt die absolute Aufmerksamkeit gegenüber den Männern, oder die Ignoranz gegenüber den Frauen als „doppelt“ zu gelten habe. Die Diskriminierung ist historisch-kulturell-organisch anders und qualitativ nicht vergleichbar – schon gar nicht quantitativ.

Ein letztes Beispiel soll die von mir postulierte Verschiedenheit illustrieren. Vor vielen Jahren meldete ich mich bei der Polizei in Basel wegen verschiedener Übergriffe im Schwulenpark. Meine Vis-à-vis für die Beschwerde war zufällig eine Frau. Sie nahm meine Informationen entgegen und bemerkte am Schluss: „Wieso haltet ihr Männer euch eigentlich in einem öffentlichen Park auf? Ich gehe ja mit meiner Freundin auch in den Isola-Club.“

Bis heute wurde dieser „öffentlichkeitswirksame“ Unterschied im Bewegungsraum zwischen uns Schwulen und Lesben nie politisch diskutiert. Es ist selbstverständlich, dass Frauen sich intimer berühren, küssen und miteinander umgehen können im öffentlichen Raum, als die Männer. Die bewegen sich zwar selbstverständlicher in der Öffentlichkeit, werden aber sämtlicher liebevollen Kontakte sofort wirksam beraubt. Und daher ist die kritisierte Fokussierung auf Männer in den Medien auch verständlich. Denn diese werden nicht von geschlechtslosen Wesen betrieben.

Und gerade weil die Diskussion und die gegenseitige Anerkennung von Verschiedenheit in Bewegung und Handlungen nie unter uns diskutiert und kommuniziert wurde, sind wir heute immer wieder mit Begriffstutzigkeiten und historischen Fehleinschätzungen in der politischen Auseinandersetzung konfrontiert. Ich denke, das Interesse fehlte und fehlt auch heute auf beiden Seiten. Man könnte diese Ignoranz auch  „homosexuellen Sexismus“ nennen.

Peter Thommen61, Schwulenaktivist, Basel

* Der Begriff queer soll neuestens alles enthalten, was als „nicht-ausschliesslich-heterosexuell“ definiert wird, letztlich auch die Schwulen. Siehe dazu auch meinen Aufsatz:  “Eine community frisst die Schwulen auf!”

** Den Begriff „Entfraulichung“ gab es nie!

***  “Um 1900 werden in den meisten Kantonen der deutschsprachigen Schweiz homosexuelle Handlungen bestraft, wobei grosse Unterschiede in der Intensität der Verfolgung und in der Strafbeimessung zu finden sind. Nur auf Antrag strafen die Kantone FR, GR und NE. Straffrei sind sexuelle Beziehungen zwischen Personen des gleichen Geschlechts in GE, TI, VD, VS und ab 1919 in Basel-Stadt. Nur homosexuelle Handlungen bei Männern strafen: BL, GL, SO, NE. (Schüle, Hannes: Die Entstehung des Homosexualitätsartikels… Selbstverlag 1983, S. 10)

(Der 2. Teil der Kritik wird sich mit den Positionen zur „Bisexualität“ befassen.)

Nachtrag: (Michel Foucault, Klammer-Ergänzungen von mir) „Der Körper des Mannes war dem (anderen) Mann auf viel drastischere Weise verboten. Wenn es stimmt, dass das Leben unter Männern nur in bestimmten Perioden und seit dem 19. Jahrhundert nicht allein toleriert, sondern (darüber auch) strengstens verfügt (worden ist), nämlich während der Kriege und in den Gefangenenlagern. Da waren Soldaten und junge Offiziere, die Monate und Jahre zusammen verbrachten. Während des Ersten Weltkrieges lebten die Männer vollständig zusammen, fast aufeinander; und das bedeutete für sie schon etwas, insofern der Tod gegenwärtig war, und die Bereitschaft sich füreinander zu opfern und Dienste zu erweisen, durch ein Spiel um Leben und Tod sanktioniert war. Was weiss man denn, abgesehen von ein paar Floskeln über Kameradschaft und Blutsbrüderschaft und von ein paar zersplitterten Zeugnissen, schon über jene Gefühlstornados und inneren Stürme, die es in manchen Augenblicken da vielleicht gegeben hat? Und man kann sich fragen, was die Leute diese absurden und grotesken Kriege, diese infernalischen Massaker trotz allem hat durchstehen lassen… ein Gewebe von Gefühlen, zweifellos. Ich möchte nicht behaupten, dass sie deshalb weiterkämpften, weil sie ineinander verliebt waren. Doch Ehre,  Mut, sein Gesicht nicht verlieren dürfen, sich opfern, mit und vor den Kameraden aus dem Schützengraben kommen – all das setzte ein Raster sehr intensiver Gefühle voraus. Es geht hier nicht darum, zu sagen: „Aha, da haben wir also die Homosexualität“. Diese Art von Geschwätz ist mir zuwider. Bestimmt liegt hier aber eine, wenngleich nicht die einzige Voraussetzung, die jenes infernalische Leben ermöglichte, in dem die Typen wochenlang in Morast, Kadavern und Scheisse herumwateten, fast vor Hunger starben und am Morgen des Angriffs völlig weggetreten waren.“ (Foucault, Von der Freundschaft als Lebensweise, in: Von der Freundschaft. Michel Foucault im Gespräch, Merve o.J. S. 85-93)

Siehe auch: “zwar schwul – aber ein guter Freisinniger! PDF  (Linke und Schwule 1973), “zwar schwul – aber ein guter SVP-ler” (Schwule bei den Rechten 2010)

Ostern 2011 – “eswirdbesser” ??

24. April 2011

Eine schwulenpolitische Osterpredigt – von Peter Thommen

Die Religionen sind daran, politisch abzudanken. Sie bäumen sich dagegen auf und suchen sich Leute für ihre Feindbilder, um diese dann wie ein Lamm zu opfern. Egal ob es die Lämmer beim moslemischen Opferfest sind, oder der Wein und das Brot, oder die Oblate. Alles voller Blut und Symbolik. Der Lammbraten zum Osterfest.

Letztlich verwandelt sich das Symbolische oft wieder zurück ins Reale und viele Menschen müssen (von wenigen Führern) „geopfert“ werden für eine Idee (nicht ein Ideal!). Faschismus jeglicher Art kämpft immer bis zum eigenen Untergang. Dabei sollen immer viele für die eigenen Privilegien geopfert werden, wie wir das in Nordafrika aktuell erleben.

Es besteht eine kulturpolitische und sehr symbolträchtige Einigkeit der drei monotheistischen Religionen darin, dass Homosexualität (also anale Penetration) eine Todsünde sei. So ist es in ihren Schriften festgehalten, es wird nur verschieden interpretiert. Es geht dabei immer um Mächtige und Ohn-Mächtige. Also das klassische heterosexuelle Spiel von Ficker und Gefickten (Geopferten). Der Rollenwechsel der Männer muss dabei ausgeschlossen werden, denn sie dürfen die Opfersituation nicht selber erleben, um weiterhin Täter bleiben zu können.

Aber auch ausserhalb der Religionen und innerhalb der Gesellschaftspolitik spielt dieses Spiel der Spiele (nicht das Schach!) eine grosse Rolle. In den religiösen Auseinandersetzungen werden die Wurzeln mit Sand zugedeckt. Sand der auch in die Augen verstreut wird. Umso mehr geht es in der aktuellen Debatte um die Adoptionsmöglichkeit durch Schwule vor allem darum, dass diese Männer eine Gefahr für Kinder darstellen. Bei Lesben kommt das weniger zum Zuge. Sie stehen auch weniger unter dem hintergründigen „Pädophilie“-Verdacht. Lesben gehören im Allgemeinen zur Gruppe der Opfer (= Kinder und Frauen). Dieser Sexismus wird von ihnen auch nicht aufgedeckt.

Die Schwulen sollen selber schauen, wo sie bleiben. Und diese Schwulen sind auch nicht bereit, sich dieser femi-sexistischen Diskussion zu stellen. Sie zeigen lieber auch auf  „Pädophile“, um aus der medialen Schusslinie zu kommen. Etwa ähnlich der Situation vor 50 Jahren, als die homosexuelle Prostitution verboten war. Was unter den Frauen/Lesben lief, interessierte niemann-den. Aber die Männer duckten sich unter dieser Ungleichbehandlung im Strafgesetz, die auch vom Bundesgericht noch gedeckt worden ist.

Wenn es um Ungerechtigkeiten gegenüber Schwulen geht, dann wird meistens beklagt, dieselben würden sich zu sehr in ihrer Opferrolle gefallen. Aber gerade das Schweigen über all die Verletzungen zwingt uns in diese Opferrolle hinein. Wiederum – würden wir davon Zeugnis ablegen, wären wir nicht mehr die klassischen Täter und „Pädophilen“, die heute schon wieder kollektiv vor-verurteilt werden. Mit Schwulen und Pädophilen kann man reden. Mit TäterINNEN und Tätern nicht. Es ist aber ganz praktisch, diese Grenze zu verwischen, das erspart das Nachdenken über Sexismus. Und das ist ja so üblich „beim Volk“ und im allgemeinen Mainstream.

Die meisten sexuellen Übergriffe auf Kinder (nebst den vielen anderen Gewalttaten gegen sie) finden in der heiligen heterosexuellen Familie statt. Da ist es ganz praktisch, den Feind ausserhalb und bei irgendwelchen „Pädophilen“ zu finden. Die meisten gewalttätigen Übergriffe auf Jungs und Schwule finden in der heterosexuell geprägten und genormten Gesellschaft statt, da ja Männer aus der Familie hinaus gehen müssen und nicht einfach daheim behalten werden können, wie unschuldige Töchter. Aber auch Jungs werden in einer moralisch begründeten und sozial gefährlichen sexuellen Unschuld gehalten, so dass sie sehr schnell auch unter Übergriffen leiden können – auch von Müttern und Frauen.

Verantwortlich dafür sind aber die Eltern und Familien, die diese Kinder in der sexuellen Unschuld (auf)„bewahren“ wollen, bis dann Mami oder Pappi mal fragen, ob einer nicht eine Freundin habe. Von der pädagogischen Zwangsheterosexualisierung will ich hier gar nicht anfangen.

Unsere Gesellschaft ist ver-geilt auf irgendwelche Opfer. Religiöse, sexuelle oder soziale. Sie will die Verantwortung für die Prävention nie übernehmen, oder gar verantworten. Doch das hatten wir schon bei AIDS.

Die heterosexuellen Verletzungen zeigen sich bis in die letzten Lebensjahre eines Schwulen, oder zwangsheterosexualisierten Ehemannes. Davon nimmt keineR Kenntnis. Weil damit kann keineR grosse Politik machen, wie mit Unverjährbarkeits-Initiativen und Berufsverboten. Eigentlich müsste es heterosexuellen Eltern verboten werden, schwule Kinder zu erziehen. Aber – ach, ich habe wieder ganz vergessen, dass es homosexuelle Kinder gar nicht geben kann. Und daher braucht es auch keine Prävention und keine Hilfe für schwule Jungs und lesbische Mädels. So einfach ist das. Und wer das missachtet, ist ganz einfach einE PädophileR.

So funktioniert das heterosexuelle Spiel weiterhin und es stellt sich die berechtigte Frage, ob es dann wirklich besser werden soll!

Frauen sind längst aus der Opferrolle entwachsen und selber zu Täterinnen geworden. Und auch Männer sind ihrer Täter-Rolle entwachsen und selber zu Opfern geworden. Die Tatsache, dies zu verleugnen, lässt auf ein grosses Potenzial an Sexismus in unserer Gesellschaft schliessen! Ein Sexismus der auch tief in die Angehörigen – hier – des männlichen  Geschlechtes, und ganz kollektiv, hinein schneidet. Ohne Mitleid der Frauen und Mütter!

Die Welt leidet unter unverarbeiteten, historisch-tief-vergessenen Problemen. Die Religionen sind offensichtlich unfähig. Bei (sexuellen) Übergriffen in der Verwaltungshierarchie, wie auch zwischen den Glaubensrichtungen. Einig sind sie sich vor allem gegen Schwule. Und sie können offensichtlich auch gesellschaftliche Minderheiten-Probleme nicht lösen, weil sie die Menschen nicht in ihrem eigenen Interesse daran arbeiten lassen wollen, sie aber zum beten aufrufen. Es steht dafür aber kein Kommunikationssatellit am Himmel. Obwohl die drei monotheistischen Religionen immer ganz genau wissen wollen, was denn „der Herr dazu“ zu sagen habe.

Sexuelle und soziale Fremdbestimmung muss durch Eigenverantwortung, Bildung und Kultivierung abgelöst werden. Da reicht es nicht mit einer blossen Einbürgerung durch ein staatliches Partnerschaftsgesetz. Oder durch angeblichen strafrechtlichen Schutz. Und die homosexuellen Männer und auch die Frauen müssen sich dem Gespräch stellen, das die tieferen Motive der Heterosexuellen herausbringen kann. Und nicht nur immer auf die Vernunft spekulieren. Aber wir Schwulen wissen ganz genau, dass die heterosexuelle Familie keine vor allem vernünftige, sondern eine religiös idealisierte und gefühlsbetonte Einrichtung ist. Aber damit ist heute kein Staat (Familie als Grundlage des Staates) mehr zu machen. Auch nicht, wenn Frauen daran beteiligt sind.

Und wie ich sehe, wird zurzeit eine Schwulenpolitik des geringsten Widerstands und auf kosten eigener Leute gemacht. Völlig unbesehen darüber, wie Schwule in Vorurteile und strafrechtliche Massnahmen hineinverwickelt werden können! Oft ist die Tatsache der homosexuellen Orientierung schon „der Missbrauch“/die todeswürdige „Sünde“, egal um welche Alterskategorie es sich handelt.

Ich will keine zwangsheterosexualisierten Jungs haben, eben auch keine mit „straight action“ oder „Heterolikeness“. Ich will aber auch keine Kollektiverdächtigungen aufgebaut haben, wie Berufsverbote und Videokameras. Ich will starke Jungs haben, die „wissen was sie wollen“, in Abstimmung mit ihren Sexualpartnern, mit den Müttern und Heteros (“Ich habe nichts gegen Schwule, solange die mich nicht anfassen!” Karsamstag 2011) in der Gesellschaft.

Einer Gesellschaft, deren kaschierte „Pädophilie“ schon an Wörtern wie „mein Mädchen“, „mein Girlie“, „mein Kind“, „meine Tochter“, “ich fick’ dich Baby” (!)* und anderen Bezeichnungen der Männer für erwachsene Frauen erkennbar wird. Auch am besitzanzeigenden Adjektiv („mein Sohn!“ bei den Müttern).

Dann kann es garantiert besser werden. Auch für die heterosexuellen Jungs und Männer, die ja unter den Verdächtigungen genauso zu leiden haben und davon betroffen sind, wie die als Feindbilder aufgebauten „Pädophilen“ und Schwulen. Für Lesben sehe ich vorläufig noch keine solchen Feindbilder. Aber das kann ja noch kommen!

 

In anderen Ländern wird der „sexuelle Kultur-Kampf“ viel offener geführt. (10.07.01) „Traurige Meldung aus Rom: Die rechtsextreme Partei „Forza Nuova“ beschimpft weiterhin gezielt die italienische Schwulenbewegung. Jetzt diffamiert sie Schwule mit einer gross angelegten Plakataktion: „Hinter einem Homosexuellen steckt ein Pädophiler – stoppt den Gay Pride!“ (Wobei die Siegessäule politischkorrekt so formuliert, als richte sich das auch gegen Lesben, die sind aber nirgendwo erwähnt! PT)

(10.7.01) Das slowakische Parlament verabschiedete ein neues Arbeitsgesetz, sowie neue Regelungen über den staatlichen und öffentlichen Dienst. Danach bleibt Homosexuellen im öffentlichen Dienst die Arbeit mit Kindern untersagt. (siegessaeule.de)

Das war vor 10 Jahren schon. Die „Pädophilisierung“ der Schwulen geht systematisch weiter!

(31.8.09) Wedad Lootah, FamilienreferentIN am Gericht in Dubai erklärt ihre Einstellung zur Homosexualität. „Homosexualität zerstört die Männlichkeit.“ – „Wenn Frauen kommen und sich beschweren, dass ihre Männer nur Analverkehr wollen, schaue ich mir die Geschichte des Mannes genauer an. Meistens komme ich darauf, dass er vorher mit Männern Verkehr hatte.“ (Profil, Wien)

Dass Männer vor der Ehe nur mit Prostituierten gegen Geld – oder gar nicht – heterosexuellen Verkehr haben dürfen, unterschlägt diese FRAU bewusst! Auch die orientalische Art, Knaben unter 15 als Ersatz zu nehmen… Zudem hat sie eine sehr beschränkte ANalsicht von Homosexualität – eben unter heterror-sexuellen Bedingungen!

 

Ich unterstütze die Kampagne „eswirdbesser“, weil ich homosexuelle Jungs unterstützen möchte. Denn wir haben eine gemeinsame Biografie! Und natürlich auch Mädels. Aber ich verabscheue Wörter wie: „Kinderschänder“, „Kindesmissbrauch“ und „Pädophilie“ (bewusst in Anführungszeichen gesetzt). Die schwulen Jungs sind zwar nicht „meine Kinder“, aber ich will nicht, dass sie heterosexuell missbraucht werden und „in Schande“ aufwachsen müssen!

An diesem Punkt – und darauf will ich schon lange hinaus – misstraue ich Organisationen wie „Marche Blanche“ und Unterschriftenaktionen „gegen Pädophile“, für ein Berufsverbot und „das Wegschliessen für immer“. Es müssten nämlich sehr viele heterosexuelle Frauen, Kinder, Jugendliche und Männer dran glauben, wenn wir die Informationen von homosexuellen Kindern über Mobbing, körperliche Angriffe, Morddrohungen und die erhöhte Selbstmordgefährdung wirklich ernst nehmen würden! Urbi et orbi! Amen.

Peter Thommen, Schwulenpapst, Basel (61)

P.S. Ich unterstütze alle Bestrebungen, die das heterosexuelle System ändern wollen und nicht einfach nur diejenigen, die “Opfer schützen” und “Täter für immer wegschliessen” wollen. Das sollte nicht schwierig zu verstehen sein.

Nachtrag aus Österreich. Robert Waloch, (HELDinHAFT) (PDF) hat sich kürzlich Gedanken darüber gemacht, wie sich eine heterosexuelle Öffentlichkeit an einem Prozess gegen Kachelmann delektieren tut, und wie österreichische Medien nur widerstrebend eine “Missbraucherin in Haft” setzen wollen.

* Humphrey Bogart hat in dem Film “Casablanca” gesagt “Ich schau Dir in die Augen, Kleines” („Here’s looking at you, kid“)  - und NICHT: Schau mir in die Augen….