Das schwule Auge!

28. April 2016

Ich habe in der ersten Ausgabe der Buchreihe „mein schwules Auge“ einen interessanten Briefwechsel zwischen den HerausgeberInneN und einem Fotografen gefunden (Nr. 1/2003, S. 4-9). Er dreht sich darum, ob es eine besondere „schwule“ Sicht auf den Mann gäbe. Es ist eine alte Diskussion, die sich früher vor allem um antike und „historische“ Kunstwerke gedreht hat.

Grundsätzlich sieht jede/r MenschIn anders, was die Aussenwelt betrifft. Interessant sind jeweils auch die Sichtweisen von Frauen…

(Eingeladener) Fotograf: Und so stellte sich mir zum Thema ‘schwule Kunst’ sogleich die Frage: Braucht man zum Konzertverständnis schwuler Cellisten auch ‘schwule Cellos’ und ‘schwule Ohren’? Oder beim Fotografieren nackter Männer einen ‘schwulen Kodakfilm’? Das „heimliche Auge“ (andere ältere Buchreihe desselben Verlages, pt) hat dem gegenüber doch eine sehr tiefsinnige Bedeutung.

Spontan kommt mir in den Sinn, dass Marienbildnisse ja auch nicht katholisch sein müssen, oder von Katholiken erstellt! Aber der Blick darauf ist unterschiedlich, ob jemand gläubig ist oder nicht!

(Fotograf) Die Akteure in meinen Fotos, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, die agieren, sind doch überwiegend Heteros. Die einfache Reduzierung auf eine ‘schwule Betrachtung’ führt zur völligen Auflösung der Konzeption, die Attraktivität und das Selbstverständnis eines Menschen allen zugänglich zu machen… Ein Hetero-Mann, dem derartige Fotos gefallen, müsste ja ebenfalls ein schwules Auge haben?

Nun, die meisten bildlich dargestellten ‘Models’ sind Heteromänner, die sich einem schwulen Auge darstellen und wissen meistens nicht genau, wofür ihr Abbild gebraucht wurde/wird. Der entscheidende Unterschied ist eben nur für Heteros wichtig, nicht aber für Schwule. Ich erinnere an Herlinde Koelbl (*1939), die als Frau 1984 den allgemeinen Durchbruch für die „Männerfotografie“ schaffte, mit ihrem schwarz-weissen Band. Vorher war das eine allgemeine „schwule Domäne“ gewesen. Weil sie eine Frau ist, waren die Fotos „unverdächtiger“.

Solche Fragen plagen eigentlich nur Heteros. Homosexuelle Männer haben sich selten um sowas gekümmert. Sie geniessen auch ohne genaue Angabe der Orientierung oder des „Auges“! Wir kommen der Sache näher: Die Rezeption ist eine unterschiedliche, während die Darstellung eine „unbeschränkte“ ist.

Der Fotograf schwadroniert von einem „unerträglichen Sprachgewäsch“, wenn es um schwule Kunst gehe. Und so wird aus dem Bild einer Liebesszene zweier schwuler Männer ein schwules Bild.

So einen Schluss zu ziehen ist aber unzulässig, wie Kathrin Geyh nachweist in ihrem Buch: Das Helle braucht das Dunkle, U-Verlg. Konstanz 2011, 175 S. Das einzig beschreibbare an einem Bild ist eine Assoziation mit Homosexualität, von Schwul noch gar keine Rede. Bei letzterem müssten die Dargestellten befragt werden. Allerdings vergleicht sie die Bilder des Films „Brokeback Mountain“ mit biblischen Ikonen und weist darauf hin, dass in dem Film die Natürlichkeit der Heterosexualität in den Lebensbereich der ‘unnatürlichen’ Stadt verweist und die Unnatürlichkeit der Homosexualität in die ‘natürliche’ Natur…

Es kann nicht die Rede sein von einem „schwulen Auge“, das von einem Körper zu sezieren sei, wie der Fotograf meint.

Aus der Antwort des Herausgebers: Ich stehe zwar sexuell auf Männer, bin aber doch heterosexuell sozialisiert und ordne mich auch nicht dem schwulen Mainstream zu, habe überwiegend heterosexuelle Freunde und sehe meine Sexualität nur als einen Teil meiner Persönlichkeit und definiere mich auch nicht ausschliesslich über sie.

Da sind wir beim Zitat von: „Ich bin ein ganz normaler Mann, habe aber da irgendwo so eine komische Sexualität“. (Ort gerade nicht zur Hand, pt)

Hier muss ich anmerken, dass es eine allgemeine Tendenz ist, sich „vom schwulen Mainstream“ zu distanzieren. Vom heterosexuellen Mainstream distanzieren sich im Vergleich nur wenige Hetero/as. Überhaupt ist interessant, wie sich die Distanzierung zwischen beiden Möglichkeiten immer wieder ähnlich begründen lässt! Auch von Männern, die behaupten, bisexuell zu sein und nur „den Menschen“ attraktiv zu finden…

Herausgeber: Ich möchte vor allem etwas Unterhaltsames machen, was schön anzuschauen ist, und es kann jeder sein schwules Auge aufmachen, jeder kann unabhängig von seiner Sexualität einen Beitrag machen, wenn er gut ist. Sicherlich gibt es einen „typischen“ Blick, der von schwulen Erfahrungen geprägt ist. Das Buch soll für Leute sein, die Männer erotisch finde und das werden Schwule, Bisexuelle und auch Frauen sein.

Die HerausgeberIn ist ihrerseits über den folgenden Satz des Fotografen gestolpert: „Ein Heteromann, dem derartige Fotos gefallen, müsste ja ebenfalls ein ‘schwules Auge’ haben.

Sie antwortet ihm: Ja, das hat er auch, wenn ihm die Bilder mit (s)einem erotischen Blick gefallen. Der Punkt ist doch nicht die -zuweisung, sondern die Abgrenzung, oder? Erotisches Begehren zwischen zwei Männern ist schwul. Das glaubt sie, das muss aber nicht so sein! Es kann nur für kurze Momente, für Fantasien.. bei einem sonst sich als Hetero verstehenden Mann auftauchen… Also kann auch ein Hetero ein schwules Auge haben, so wie ich als Lesbe ein Hetero-Auge habe… Und überhaupt kann der Mensch doch viele Augen haben oder? Hier denkt sie heterA-weiblich, zeigt sich ein Bestreben, alle Verschiedenheiten unter einen Mainstream zu versammeln.

Gerade finde ich beim surfen eine Bemerkung zu Prince und seiner Ikone: Da erinnert sich einer an eine Begegnung mit Prince, dessen sexuelle Masken alle Geschlechter und Schwarze wie Weisse verunsichern konnte, und: „Wie ein Blick in dessen Augen ihn für zwei Sekunden zu einem Schwulen machte: Aber ich war nicht der Unterliegende, ich war der Dominierende, verwechselt das nicht! I d’haved fucked the shit out of that motherfucker. That troublet me tough, man.“ (Perlentaucher, über Harper’s Beitrag vom 25.4.16)

Sie meint auch noch, dass das schwule Auge auch die Frau mit ihrem heterosexuellen Blick auf attraktive Männer nicht ausschliessen sollte.

Leider versteht der Fotograf nichts von sinnlichen Parallelen oder Übertragungen. Er nimmt es „mechanisch“: Die Vielfalt von Emotionen und erotischen Spannungen ist so komplex, dass ich eine Einteilung in sexuelle Kategorien als sehr ungeeignet empfinde. Das wäre etwa so, als würde man Kochrezepte ausschliesslich nach den Farben der Zutaten entwickeln… Ein erotisches Begehren zweier Männer ist sicherlich schwul – aber reduziert sich die Betrachtung und Gefälligkeit eines (wenn auch erotischen) Bildes – bei allem Respekt – nur auf erotisches Begehren? Eine Frage mit sehr weitreichenden Antwortmöglichkeiten.

Weiter unten: Wenn Behinderte neue und eigene Massstäbe für Sportveranstaltungen schaffen, ist das eine ganz klare und erforderliche Sache. Wenn jedoch Schwule eigene Massstäbe für Kunstschaffen und Kunstverständnis erfinden, führt das zur freiwilligen Ausgrenzung und geistigen Selbstbehinderung.

Wir sind an einem zentralen Punkt angelangt: Wer grenzt wen aus? Dazu gibt es noch immer die geniale Antwort, die Giovanni Dall’Orto schon 1994* gegeben hat: Wir ‘Ghettoisierten’ grenzen niemanden aus, wir lassen Heteros ebenso herein. Wir gehen auch an die Orte der Heteros. Es sind aber genau diese, die nie unsere Orte frequentieren würden, weil sie Angst haben, man würde sie „hier“ sehen und sie würden dann ebenso ausgegrenzt! (Sinngemäss)

Zum Schluss passt der neue Film von Andrè Téchiné: Quand on a 17 ans! Zwei Aussenseiter verschiedener Art im Gymnasium. Schon eine der ersten Szenen zeigt ihren Status in aller Härte: Im Sportunterricht sind sie die letzten, die in die Mannschaften gewählt werden. Thomas ist afrikanischer oder maghrebinischer Herkunft, etwas verstockt, etwas aggressiv, aber auch unverkennbar liebesbedürftig. Damien ist schwul und bis über beide Ohren verknallt in diesen hübschen Jungen. Jedes Wort, jeder Blick Damiens bringt Thomas zur Weißglut, sie prügeln sich, beleidigen sich, jede noch so schmerzhafte Nähe ist besser als gar keine Berührung. Um die Schläge besser aushalten zu können, lernt Damien boxen…

Als Drama in drei Trimestern erzählt Techiné seine Geschichte der jugendlichen Liebe und des erotischen Erwachens, mit einem feinem Gespür für die emotionalen Konfusionen, für die Sinnlichkeit und all die Schlichen, mit denen junge Menschen vom Leben kosten, wie bitter es auch schmecken mag. Mit großer Eleganz und Delikatesse zeigt er verstohlene Blicke, gestohlene Berührungen und die vor Verlangen berstenden Körper. (Thekla Dannenberg auf perlentaucher.de)

Wir zerstören alles, wenn wir über Feinheiten hinwegputzen. Wir sollten achtsam auf Verschiedenheiten sein, denn nur dann erlangen wir all die Feinheiten, die ein erfülltes Leben bieten kann. 

Wir sollten die grundsätzlichen Widersprüche, die sich aus der Hinwendung zum eigenen Geschlecht ergeben nicht ausblenden oder von anderen “Nebenwidersprüchen” zudecken lassen. 

Peter Thommen_66, Schwulenaktivist, Basel

* Babilonia Nr. 120, März, S. 59-61, italienisch > giovannidallorto.com

 Über die schwule Scham, vom Zaunfink

über Brokeback Mountain

Karfreitag und Ostern: Überleben wir die Homosexualität um heterosexuell zu werden?

28. März 2016

Vor fast 25 Jahren schrieb ich in meinem Blatt „Thommens Senf“ eine erste „Osterpredigt“ (1) Mir haben von klein auf schon immer die „Gleichnisse“ und Bilder aus den biblischen Erzählungen gefallen. Diese Ikonen (eine Art zusammenfassende Abbilder) sind eine späte Form von Hieroglyphen der Altägypter und sprechen für sich und bilden zugleich eine Sprache/Aussage. Sie sind für die orthodoxen (ehemals oströmischen) Kirchen sehr wichtig und bilden eine Grundlage des „gläubigen Verständnisses“ in einer damals ziemlich bilderlosen Gesellschaft. Im Islam ist es wichtig, den Koran in der hocharabischen Version laut zu deklamieren (vorsagen), um dem Gott am nächsten zu kommen. So wie die Kirchen mit ihren Bildfenstern, nutzen wir auch am Computer „Icons“ um komplexere Befehle oder Zusammenhänge auszudrücken oder auszuführen. (Im Cruisermagazin vom April 2016 habe ich versucht, über verschiedene, für Schwule (2) wichtige Icons zu schreiben.)

Im Jahr 1993 war es für mich klar: Wir sterben an Karfreitag als Heterosexuelle, um homosexuell an Ostern aufzuerstehen! Jesus ist eine Ikone geworden, die, je nach Interpretation, sich gegen gesellschaftliche, ordnungspolitische oder religiöse Gesetze aufgelehnt hat. In zweitausend Jahren Kulturgeschichte haben wir es schon lange nicht mehr mit historischen Fakten oder Zeugnissen aus erster Hand zu tun. Es hat Jahrhunderte gedauert, bis Männerliebende selber sich äussern konnten, oder Homosexuelle in den Medien (Telearena 1978!). Jahrhunderte, bis überhaupt religiöse Texte in der Sprache von „Gläubigen“, oder Verehrungskulte (Gottesdienste/Messen) nicht mehr in Hochlatein abgehalten wurden.

Im Cruisermagazin vom März 2016 (S. 26) habe ich darauf hingewiesen, dass Homosexuelle sehr heterogene Sexualwesen sind und dabei – vor allem im sexuellen Erlebnisbereich – ganz einfach gestrickt, wenig differenziert und hier meine ich auch stark von den herrschenden und frauschenden Machtverhältnissen geprägt (> zahllose Fetische!). Da erweisen sich Bildsprache und Bilder als wirkungsvollere Informationsträger als alle hochintellelen Vorträge. In diesem Spannungsbereich bewege ich mich also als „Bildsteller“. Nun also zu meiner ersten Predigt (3).

Das Osterritual gilt als das höchste christliche Fest um Männer. Logisch dass Männerliebende das nicht ignorieren können. Da wo sich alles – auch die Frauen – um Männer dreht, werden nicht nur Gläubige davon betroffen. In unserer Gegenwart dreht sich ja alles um Frauen! Da bleibt also doch noch Raum für einen „schwulen Blick“ auf das Ritual, die Vorgänge und Deutungsmöglichkeiten (Icons). Der Freitag als Tag der Strafe für das „nicht ausschliesslich heterosexuell sein wollen“ (4). Ohne dieses gewaltsame „coming out“ in der Öffentlichkeit wäre eine Auferstehung in der christlichen Ideologie undenkbar!

Freitag – ein Tag der Selbsterkenntnis, statt des Verrats. Gleichzeitig wird Dein Normalleben zerstört . Du hängst am Kreuz der Vorurteile (und auch der heimlichen Wünsche der Normalos). Es hat aber Mitschwule/sich erbarmende Hetis, die Dich bald vom Kreuz herunter holen (weil sie sich davon anrühren lassen werden).

Eingewickelt in weisse Linnen der Zuwendung, in der (mütterlichen) Grabhöhle kommst Du dem Tag der Auferstehung näher. Plötzlich erscheinst Du Deinen Freunden wieder: Als Schwuler, als Individuum, als bunter Schmetterling (frei vom Cocon). Sie werden Deine Wunden betasten und nicht glauben wollen, dass Du schwul bist! Andere, die auf Distanz zu Dir gehen, können Dich nicht begreifen/erfassen. Du kannst sie ruhig gehen lassen. Du bist auch ein Angenommener ohne dieselben!“

Wenn ich sehe, wie viel Kraft es zu einem coming out braucht, wie finster vorher alles gesehen wird von Homosexuellen, wie fest sie sich an ihre „heterosexuelle Unschuld“ klammern, dann fühle ich Karfreitag. Der totale Anspruch an die eigenen Kräfte. Der Becher geht nicht vorbei. Ein solches coming out ist ein Reifeprozess wie eine beendete Verliebtheit oder eine lange Beziehung. Und das was viele fast wie einen „Tod“ erleben, ist erst eine Fühligkeit, die uns bei unserem Tod helfen wird. Und auch der Tod ist eine Bedingung für das, was Auferstehung genannt wird. Wir wissen genausowenig, was nach dem Tode kommt, wie wir je wussten, was nach dem coming out kommen würde, oder woher wir gekommen sind.“ (5)

Interessant auch eine Nachbemerkung von damals: „Zum Judaskuss: Dass der Akt der Befreiung/Enthüllung in einer alltäglichen, unauffälligen (und typisch orientalischen) Handlung enthalten ist, zeigt uns, dass nur die Sichtweise der Umgebung das ganze zum Drama hochstilisiert. Die Küssenden haben ja kein Problem. Judas tut es für die “Hofschranzen der Mächtigen” (30 Silberlinge) und Jesus “tut es dem obersten Gott zu Gefallen”. (Aber haben sie es auch je für sich beide getan?) (1)

Wir Schwulen sind zwar durch Heterosexualität in diese Welt gekommen, aber uns wurde auch bestimmt, ein „neues Verhältnis“ mit den Menschen einzugehen, das diese vor uns anscheinend noch nicht kannten. Wir kennen unsere übergeordnete Bestimmung auch nicht und wehren uns verzweifelt gegen unser Anderssein. Wir werden von der übergeordneten Heterosexualität verstossen, die sich den Anschein der totalitären Absolutheit gibt. Wir sind gezwungen, unsere herkömmliche Biografie aufzugeben, oder die wirkliche Biografie zu verleugnen. Ob dieser Leistung kräht aber kein Hahn! Und gar mancher Hetero wird zum Judas eines Schwulen in dieser Gesellschaft.“ (5)

Heute ist alles ganz anders! Es gibt keinen Karfreitag mehr, coming outs werden nicht mehr gebraucht! LondonJames (Lifestyleberater und Dating-Experte) zur Öffnung der Ehe für alle: „ … heisst es in den Akten schlicht und einfach: verheiratet. Dann braucht es weder ein Coming out am Arbeitsplatz oder sonst wo. Man(n) wird nicht blossgestellt. (6)

Der oben „ikonosierte“ Akt der Individuation verkommt zum blossen Akt auf dem Standesamt! Und heraus kommt? Eine Homo-Ehe! Shereen El Feki schreibt hingegen von nordafrikanischen Männerliebenden und zitiert Hassen: „Ich kenne die tunesische Gesellschaft. Wir werden garantiert nie die Schwulenehe fordern, weil die meisten von uns den klassischen Rahmen einer Beziehung, die Ehe, ablehnen; daran denken wir nicht.“  (7)

Die jungen Männer in der orientalischen Gesellschaft wollen „nur“ ein normales Leben führen und nicht mehr diskriminiert werden. In dieser „schweigenden oder verschwiegenen“ Kultur ist ein coming out/eine Individuation gar nicht möglich. Die meisten führen eine hetero Ehe, ja müssen sie führen, falls sie genügend Geld verdienen können.

Wie wir sehen gibt es Ausnahmen, die früher politisch und heute religiös motiviert werden. Statt ans Kreuz genagelt zu werden, sprengt man sich in die Luft – für den grössten aller Männer, oder der Ikone, die die grösste Autorität auf sich versammelt…

Das Gemeinsame liegt eben im Widerspruch! In den Fussballstadien wird Männerfussball gespielt und spielen sich formal „Männerorgien“ ab. Draussen vor aber herrschen die Gesetze der Männlichkeit: Gewalt und Vergewaltigung. So, wie sie es alle in dieser Kultur gelernt haben. Wer homophobe Lieder singt im Stadion, der bestätigt auch gleich das, was er mit Liedern weit von sich weist!

Christliche Ostern, das ist für mich die Sehnsucht des Mannes nach dem Mann. In einer total heterrorisierten Gesellschaft. Es lohnt sich, darüber zu meditieren und Icons zu formulieren!

Peter Thommen_66, Schwulenaktivist, Basel

 

1)  Damals „für Schwule und Lesben“, in der 14. Ausgabe des 2. Jahrganges vom 9. April 1993. Es ging – und geht bis heute – aber nur um Schwule.

2)  Schwule sind für mich Männer, die nicht einfach nur mit anderen Männern Sex haben, oder sie lieben, sondern sich auch mal Gedanken darüber machen!

3)  Ein Text, der meist mündlich vorgetragen wird und auf einen bestimmten Zweck hin verfasst worden ist.

4)  Man/frau beachte, dass es NICHT nur um das „ausschliesslich homosexuell sein wollen“ geht!

5)  Thommens Senf, 3. Jg. Nr. 13, 1. Apr. 1994/online ThS 22.03.2008

6)  GH *1985, irgendwo im Internet

7)  El Feki, Shereen: Sex und die Zitadelle. Liebesleben in der sich wandelnden Welt, Hanser 2013, S. 340

“Werft Euer Geld in die Öffnung der Ehe!”

04. Januar 2016

Das ist durchaus im doppeldeutigen Sinne gemeint! Verschiedenste ‘nebensexuelle’ Organisationen legen sich unter Federführung der Schwulen und der Lesben für die „Bodigung“ der CVP-Initiative gegen eine „Heiratsstrafe“ ins Zeug. (Abstimmung am 28. Februar 2016)

Um diese Initiative ‘abzuwenden’ wird fleissig Geld gesammelt. Und es ist interessant, wer wieder aus den Löchern kriecht, wie damals bei der politischen Arbeit für das „Gesetz zur eingetragenen Partnerschaft“! Warum sind sie denn in den letzten Jahrzehnten wieder verschwunden? Warum? Und warum sind gewisse „nicht heterosexuell“ Lebende nicht mehr zufrieden mit der Alternative zur heterosexuellen Ehe? Warum wollen überhaupt denn nicht-heterosexuell Lebende „heterosexuell leben“?

Interessant ist doch, wie die Homosexualität seit Jahrzehnten von heterosexuell Lebenden immer schön „mitgenutzt“ wird. Wenn aber Homosexuelle die Heterosexualität mitnutzen wollen, ist das für Viele Heten eine „Herabwürdigung“!?

CVP15Ehe

Meine Interpretation welche hinter dem “Liebe ist Liebe” steht! Aber auch ich empfehle: NEIN am 28.2.2016

Ich habe schon mal geschrieben, dass wohl keineR je einen zivilrechtlich heterosexuell orientierten Ehevertrag genau gelesen hat! Sicher auch nicht alle Heterosexuellen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die stimmberechtigte BürgerInnenschaft zugunsten einer neuen Minderheit unter den Minderheiten auf die ‘Abschaffung der Heiratsstrafe’ verzichten möchte. Denn die Minderheit der gleichgeschlechtlichen Ehen wird nicht einfach „untergehen“ unter den traditionellen Ehen, wie sich diverse ‘Schwestern’ erträumen… Mit nur „einem Federstrich“ sind die Rechte, die mann/frau uns damals hartnäckig verweigert hat auch heute nicht zu kriegen.

Über das ‘Versteckspiel’ der Lesben habe ich in den „Ärgernissen im 2015“ geschrieben. Aber es gibt auch Männer und Schwule, die ihre Beziehung nicht ans Licht der Öffentlichkeit zerren möchten. Ich erinnere mich an ein Gespräch vor einigen Jahren mit Markus, tätig in einer Liegenschaftsverwaltung in der Ostschweiz, der seine glg Doppel-Mietpartnerschaften darauf aufmerksam machen musste, dass im Mietvertrag der Zivilstand „eingetragene Partnerschaft“ vermerkt werden muss. Auf sein Schreiben erhielt er aufgebrachte Antworten, wie: Das ginge niemanden etwas an!

Dabei wird der dritte Zivilstand vom Heimatort über den Arbeitgeber bis ins öffentliche (einsehbare) Zivilstandsregister, das auch in Zeitungen nachgeführt wird, publiziert. Auch in Arbeitsverträgen wird er erwähnt. Diskretion zwecklos!

Die beliebten Sprüche über Schwule werden genauso wenig plötzlich verschwinden wie die Witzzeichnungen von der Alten mit dem Wallholz hinter der Türe, wenn der Ehemann spät heimkommt…

Kommen wir zum Geld zurück: Seit fünfundzwanzig Jahren ist die Schwulenbewegung tot und es regieren die „Homo-Lobbyisten“. Diese glauben fest an die Marktgesetze und daran, dass mit Geld die Meinung der StimmbürgerInnen beeinflusst werden könne – wie durch die SVP! Deren schwule Kandidaten haben sich in Medien für Homosexuelle bei den Wahlen ja auch breit gemacht.

Aber kein Geld wird je die gesellschaftliche Öffentlichkeitsarbeit – die nicht stattgefunden hat – auch mangels Finanzen – ersetzen können. Weder der Markt noch das Geld wird es „schon richten“! Vor allem nicht durch die immer noch ängstlich vorgeschützte Diskretion einer gleichgeschlechtlichen Beziehung gegenüber der Nachbarschaft/Öffentlichkeit.

Eines hat sich in den letzten Jahren erwiesen: Dass mit dem homosexuellen Bedürfnis von Schwulen und „anders Begehrenden“ sehr viel Geld zu machen ist. Davon haben Wenige profitieren können. Und diese werden ihr erwirtschaftetes Kapital bestimmt nicht in den Rachen einer Ehe-Öffnung werfen!

Mein Vater hat mir einmal gesagt, dass in früheren Zeiten die Leute gar nicht genug Geld gehabt hätten, um ihre Zivilstandsänderungen jeweils zu feiern. So hätte mann Verlobung, Geburt und Taufe in einem Aufwisch mit der Heirat in der Kirche gefeiert. Die „Öffnung der Ehe“ wird, so bin ich überzeugt, wiederum nur Wenigen, die genug Geld haben, etwas bringen. Damit ist die Entsolidarisierung und Kommerzialisierung in der Homosexualität quasi vollendet. Auch schwule Migranten werden – genauso wie ihre heterosexuellen KollegInnen – im Billiglohnbereich keine Familie durchbringen können, ausser sie „machen eine gute Partie“! ;)

Ich habe über die Sicht von Frauen und Lesben nichts geschrieben. Ihre Situation ist anders und soll von ihnen selbst reflektiert werden.

Ich stelle hier meine Ansicht aus meinen Lebenserfahrungen zur Diskussion. Wer andere Meinungen (die sind eh meistens „gefressen“!) vertritt, kann sie dazu stellen! Er muss aber auch meine Ansicht ertragen!    

Peter Thommen_66, Schwulenaktivist, Basel

P.S.  Ich habe mich damals für das Gesetz über die Eingetragene Partnerschaft engagiert. Ich habe damals JA gestimmt. Ich werde auch dieses Mal stimmen gehen, gegen die CVP-Initiative.

Was die Gegner der Initiative argumentieren, auch mit dem Geld! ;) (Bericht in der NZZ 19.01.2016)

Schwul ist nur, wer sich bückt. Überlegungen

Die Ärgernisse des Jahres 2015

01. Dezember 2015

Nachdem Toni Bortoluzzi (SVP, nicht mehr zur Wahl angetreten) bereits 2014 über die Schwulen befand, sie hätten einen „Hirnlappen, der verkehrt herum läuft“, stach Hans Fehr (SVP)* 2015 nach, mit dem Vorschlag, das Alter von Flüchtlings-Kindern mit „Penismessungen“ zu bestimmen.

Einige MitGlieder dieser Partei haben sehr wohl verkehrt herumlaufende Hirnlappen! (Man sollte sie “ausschaffen”!)

Das erste Ärgernis bildete eine Arena im Februar 2015, in welcher über die „Homo-Ehe“ diskutiert worden ist. Darin diskutierten Schwule erst in zweiter Reihe mit. Da legte sich von rechts Verena Herzog (NR TG, SVP) ins Zeug , sowie der Mediensprecher Gracia des Bistums Chur (Huonder) und von links Jaqueline Fehr (NR ZH, SP). Wobei Leonard an ihrer Seite als „bürglicher Homo“ recht schwach wirkte.

Mir missfällt grundsätzlich, wenn ÜBER Schwule diskutiert wird und nicht MIT ihnen! Und es gibt ein falsches Bild, wenn nur über weibliche Romantik diskutiert wird und nicht auch über die wahren Gründe der Schwulendiskriminierung, besonders im Zusammenhang mit der katholischen Kirche. Das ist auseinanderzuhalten und nicht zu vermischen! Frauen werden anders diskriminiert als Männer und einer Mutter wird schwerlicher ein Kind das sie geboren hat, weggenommen als einem Vater.

Sind wir also schon wieder hinter die Telearena von 1978 zurückgefallen, in welcher historisch ERSTmals öffentlich MIT Schwulen (leider nicht auch mit Lesben) diskutiert worden ist?

Ich muss auch feststellen, dass die jüngeren Schwulen gar nicht mehr wissen, weswegen sie diskriminiert werden – nur noch, dass sie nicht diskriminiert werden dürften.

Bischof Huonder hat im Sommer sich schön hinter einem Bibelzitat versteckt, um die wahre Gottferne des schwulen Aktes nur anzudeuten! Und die Schwestern von PinkCross haben mit ihren Flügeln wie wild geflattert und in Aufregung gemacht. Das Thema der analen Penetration kam aber nirgendwo auf den Tisch der öffentlichen Diskussion! Und das im 21. Jahrhundert!! (siehe auch: swissgay.info Nr. 4, vom September 2015!)

Zuletzt ist die politische Dummheit von Homosexuellen zu kritisieren, die doch tatsächlich glaubten, einen Bischof wegen eines Bibel-Zitates vor Gericht bringen zu können! Der weiss eben schon, wie er sich aus der Schusslinie nimmt! Und die Schwulen haben ihn gar nicht öffentlich in die Diskussion genommen! Schämt Euch!

Ende September war ich an einer Diskussion der Grün-Liberalen Partei, Sektion Basel über die Öffnung der Ehe. Nebst mässigem Aufmarsch waren doch immerhin eine Handvoll Homosexuelle auch anwesend. Aber was ich mir da anhören musste, war einfach ärgerlich! Eine Frau reklamierte die „Öffnung der Ehe“ deswegen, weil sie sich für eine Universitätsstelle beworben hatte und als Zivilstand „Eingetragene Partnerschaft“ angeben musste. Dadurch fühlte sie sich „diskriminiert“ Sie hätte lieber gleich „verheiratet“ angegeben. Bei den Frauen ist das so eine Sache. Sie kamen zu den Männern und wollten Hilfe bei der Kampagne für diesen „dritten Zivilstand“. Und nachdem wir ihn hatten (Dank Ruth Metzler, CVP, BR 1999-2003), „verschwanden“ sie einfach wieder aus der Öffentlichkeit. Vergessen werde ich auch nicht, die Reklamationen von Seiten von Lesben, als die neuen Steuerformulare in Basel mit der Angabe des neuen Zivilstandes ausgestattet worden waren. Frau fühlte sich „diskriminiert“. Man könnte auch noch ans SchleZ erinnern und die damalige Diskussion um die Aids-Präventionsplakate, die Lesben nicht aufgehängt haben wollten.

Ihr seht, die Diskussionen mit den Frauen stehen noch immer an. Es gab an der Telearena 1978 keine Zeit und in all den Jahren nachher auch nicht! Und es scheint auch kein Bedarf vorzuliegen! Mir scheint aber – nach diversen Diskussion in meinem Umfeld – dass Frauen weder die Gründe der Schwulendiskriminierung, noch die Gründe für ihre eigene Diskriminiung (als penetrierte Menschen) erkennen können oder wollen. Diskussion darüber ist ihnen meist peinlich! Es soll alles unter dem Nebel von „wir sind doch alle Menschen“ verschwinden. Das ist politisch inakzeptabel!

Mir scheint auch, dass die Aids-Prävention sich in diese Richtung entwickelt hat. Es wird nicht über die Notwendigkeit der analen Penetration diskutiert, sondern „durchgetestet“ und wo irgend nur möglich, die kondomlose Variante möglich und akzeptabel gemacht. Gerade nach der Aidskatastrophe der Achtziger mit Ebola-Ausmassen, die offenbar bereits vergessen ist, kann ich als Schwuler diese Politiken noch einmal NICHT akzeptieren.

Da ist eine arabisch-moslemische Feministin etwas genauer in der Unterscheidung zu den Männern: „Lesbische Frauen werden im Übrigen milder behandelt. Über sie wird keine Todesstrafe verhängt, aber auch ihnen droht die Strafe durch auspeitschen.“ (Dr. Elham Manea, Politologin, forscht im islamischen Recht, in Genderfragen und Islamismus in Pink Mail Nr. 4, 2015, S. 24)

“Weibliche Homosexuelle sind nicht nur psychologisch von den männlichen verschieden: die Dimension gesellschaftlicher Diskriminierung ist bei ihnen ebenfalls nicht mit jener gleichzusetzen, der homosexuelle Männer ausgesetzt sind.”   (Paul Parin: “The Mark of Oppression”, Psyche Heft 3/1985, S. 198)

 

Peter Thommen_65, Schwulenaktivist, Basel

*  ”Für Fehr (SVP) gibt es auch keinen Grund, Schwule und Lesben vor Diskriminierung zu schützen. «Wer heute Homosexuelle öffentlich beleidigt, wird doch sowieso sofort als ‹Spinner› qualifiziert und nicht mehr ernst genommen.» Die Bevölkerung entscheide  selber, wann es zu Diskriminierung kommt und würde diese auch sofort bekämpfen. «Dafür brauchen wir doch keine Gesetze».  (20min 12.3.15)

Die bzbasel schreibt als einziges Medium, worum es eigentlich bei der Schwulendiskriminierung geht!  Ausgabe vom 24.12.15

Wegen Pause des Tuntenballs: Erinnerungen an den von 1992

P.S. Das schwule Gassenblatt vom Dezember ist hier zu lesen

 

Nachtrag

Mit einem Beitrag von Fanny Jiménez in der Sonntagszeitung vom 15.11.2015 „erlebte das Schwulen-Gen XQ28“ eine Neuauflage. Die „Wissenschaftsjournalistin“ konnte der SoZ eine längst überholte Theorie verkaufen. Sie ist inzwischen 20 Jahre alt und nie in Gebrauch gekommen. Diese genetischen Untersuchungen sind immer zu eng begrenzt, um als repräsentativ gelten zu können. Im Übrigen sind die „homosexuellen Aktivitäten“ viel grösser als nur diese „Orientierung“ und sehr viele heterosexuell Orientierte nutzen diese Variante gerne „mit“.

Interessierte mögen besser folgende Untersuchung lesen: Bell/Weinberg: Der Kinsey Institut Report über weibliche und männliche Homosexualität, dt bei Bertelsmann 1978, 540 S. Oder diejenige von Dannecker und Reiche aus 1974: Der gewöhnliche Homosexuelle.

Siehe auch: Welche Mehrheit darfs denn sein?

 

coming out Tag 2015 Basel

08. Oktober 2015
anywayBSco15

Die älteste und die jüngsten Schwestern! ;)

Leider wissen die Jüngsten nicht mehr, weswegen sie diskriminiert werden. Nur: Dass sie nicht diskriminiert werden dürfen…

Roman Heggli (24) im Interview der bz Basel  10.10.15

Es ist schon auffällig, wie in den Medien jede heterosexuelle Bett- und Scheidungsgeschichte bis hinter die sieben Berge verbreitet wird, nur zwischen den Männern – das interessiert angeblich absolut nicht.

Ehe für alle …

01. Oktober 2015
glpehe15

BaZ 1.10.2015 Bericht über die Ehe-Diskussion bei der GLP-Basel

Die Ehe versucht, ungleiches gleichwertig zu machen. Daher nimmt die Frau den Namen des Mannes an. Auch wird die Penetration sanktioniert… ;)

Es kann jedeR selber urteilen, ob das gelingt oder nicht!

“Pädophilie” als staatliches Hilfsmittel!

03. Juli 2015
Penis-Check2015

Hans Fehr (68), SVP wird in 20min vom 3. Juli 2015 zitiert.

Wann endlich operiert die Politik  die Hirnlappen der SVP- Führer-Persönlichkeiten? Aussenpolitik mit: “das Meer zu machen” und “Penis-Check”!

Homophobie – was ist das genau?

26. April 2015

Nicht alle Leute, die gegen Homosexualität und gegen Schwule an rennen, sind wirklich homophob. Es gibt andere gute Gründe, vor allem die derjenigen Leute, die Verachtung empfinden und glauben, uns wie Minderwertige bekämpfen zu müssen.

Dabei ist das wesentliche Element der Homophoben ihr GLAUBE! Der Glaube ist der Grund, warum diese sich nicht mehr in der Gesellschaft spiegeln, sehen und sich relativieren können!

Es gibt übrigens sehr viele Erscheinungweisen von Antihomosexualismus in den Medien, die im Zusammenhang mit Juden, Schwarzen und anderen Minderheiten UNDENKBAR wären, aber mit den Schwulen (vor allem) wieder NEU denk- und aktivierbar sind!

Die Frontseite des Kirchenboten zum Thema „Trauung gleichgeschlechtlicher Paare“ hat mich verärgert und traurig gestimmt. M. schreibt, dass es vor rund 20 Jahren mutig war, Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare in unsere Kirchenordnungen aufzunehmen.

Ich fand das damals gar nicht mutig, sondern schwach. Mutig wäre es, wenn wir als reformierte Kirche Gottes Wort die Bibel mit ihren Aussagen als verbindlich betrachten würden. Segnungsfeiern und eingetragene Partnerschaft sind als Etappenziel schon längst erreicht. Jetzt geht es um die Ehe, morgen dann um das Recht auf Adoption von Kindern und übermorgen werden Firmen wohl boykottiert, die nicht mindestens einen Quotenanteil von 30% an schwul-lesbischen Mitarbeitern nachweisen können.“ A. A. Pfarrer

Hier wird drastisch sichtbar und „erfahrbar“, wie ein Mensch sogar seine Ängste über die Verhältnismässigkeit hinaus mobilisieren kann. Gleichermassen könnte er mit Farbigen – oder wieder mit jüdischen Menschen – argumentieren.

Diese Homophobie ist allgemein verbreitet und lässt sich auch immer wieder mobilisieren. Wir Schwulen und auch die Lesben haben ein grosses Interesse, alle Minderheiten im Auge zu behalten. Denn überall da, wo keineR seinen Mund auftut, glauben solche „Gläubigen“, es sei wieder alles erlaubt: „Man wird doch noch sagen dürfen…“

Was mich am allermeisten ärgert, ist die Tatsache, dass immer wieder Schwule glauben, sie müssten den Mehrheiten gegenüber brav und ruhig bleiben, um diese nicht zu brüskieren. Denn nur dann würden wir endlich akzeptiert. Meine – und anderer Minderheiten – Erfahrung ist, dass genau dann es immer „Wichtigeres“ als Schwule und Lesben gibt und keine Gründe bestehen, sich mit uns auseinanderzusetzen, geschweige zu akzeptieren, dass es uns auch gibt! Und wenig wissende und geschulte Schwule „verwandeln“ sich dann auch in so einen Pfarrer A.A. – ohne dass sie es merken!

Und das genau ist das Ziel von Gläubigen – sie haben uns dann auch indirekt in ihrem Glaubenszirkel mit drin! Es kommt dann so eine Atmosphäre auf wie: Nicht dem Schuldigen muss bewiesen werden, sondern er muss seine eigene Unschuld beweisen! ;)

Peter Thommen_65

Schwule heilen!

25. Dezember 2014

Gerade um Weihnachten herum können wir dieses Wort am besten verwenden. Wenn der „Heiland“ kommen soll, dann soll derjenige kommen, der alles wieder „ganz“ macht. Daher sollten wir das Wort in richtigem Sinne verwenden: Schwule wachsen so fragil und mangelhaft auf, dass sie der Heilung, also des Ganzwerdens bedürfen!

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich auch an „Reparativtherapien“, bei denen mir letztlich klar geworden ist, dass sie für Schwule durchaus einen Sinn machen können! Natürlich geht es nicht darum, sie von Homosexualität zu „heilen“, oder sie zu einer Heterosexualität zur „reparieren“. Aber es geht darum, eine Heilung zum ganzen Schwulen und eine Reparatur von der Beschädigung als Nur-Heterosexueller zu erreichen. Dies gilt natürlich auch für Bisexuelle und Heterosexuelle.

Auch unter Fortpflanzungs-Sicht wird der nur hetero Mann von der Mutter alleine ja nicht zum ganzen Mann gemacht. Aber bedarf ihrer lebenslang und sucht daher immer nach einer Frau, die ihn „ganz“ machen soll. Das könnte man die „heterosexuelle Gefangenschaft“ nennen. Das was als „Ganzheit“ begriffen wird, weil für die Fortpflanzung absolut notwendig, wird uns als Natürlichkeit und in hervorragender Absolutheit dargestellt. Nun aber „pflanzt“ sich der Mensch nicht andauernd „fort“, wie wir heute alle wissen. Die Arbeit ist genauso wichtig. Denn ohne Arbeit ist die erfolgreiche Fortpflanzung und Aufzucht von Kindern nicht möglich. Wir leben nicht mehr im Paradiesesgarten. Und in dieser alten Geschichte wurde ja auch nicht fortgepflanzt, sondern gearbeitet, erschaffen. Dies wird immer einfach vergessen. (Mir geht es hier nicht um Tatsachen, sondern um kulturelle Träume, die unhinterfragt propagiert werden!)

Die Fortpflanzung mussten die Menschen ausserhalb bewerkstelligen und auch erst lernen. Und um dies anzuregen, war sie mit Lust verbunden. Der „Preis“ war die Mühsal der Arbeit. Doch vorerst blieb die Lust den Männern vorbehalten! Bis vor hundert Jahren wurde den Frauen keine Lust zugestanden. Das störte die Fortpflanzung und leugnet noch heute die allgemeine und körperliche Lust von Kindern, die ja gerade das Produkt davon sind! Also nicht nur der Lust des Mannes!

Interessant an der Diskussion um die Sexualinformationen an Kindern ist die Einstellung von Eltern, die ein persönliches Recht darauf beanspruchen, was eh die wenigsten einlösen – und besonders von Müttern, die soweit gehen, dass die allgemeine Lust der Kinder solange wie möglich „unter Kontrolle der Mutter“ bleiben soll. Kürzlich hat eine solche in einer Zeitung von „der Intimität mit der Mutter“ schwadroniert, die solange wie möglich nicht „aufgebrochen“ werden soll…

In der gleichgeschlechtlichen Kombination mit Töchtern kann ich mir so etwas vielleicht noch vorstellen. Aber was diese Intimität mit ihren Söhnen soll, die möglichst lange, nämlich bis zur Partnerinnenwahl aufrechterhalten werden solle, das ist nicht einsichtig.

Ich frage mich schon lange, woraus die Gewalt gegen Frauen gespiesen wird. Die Schwulen mussten sich – zwangsläufig – mit der Gewalt gegen deren Formen von Weiblichkeit auseinandersetzen, um sie wenigstens ein wenig steuern, oder um sie sogar überleben zu können. Eine Diskussion darum mit den Frauen hat so recht eigentlich nie stattgefunden. Dieses Tabu hält sich trotz „Schwulenfreundinnen“ hartnäckig bis heute. Ja, in der Genderdiskussion wurde schon kritisiert, wie Tunten die Weiblichkeit verhöhnen würden…

Meine Eindrücke von allen Seiten lassen mich vermuten, dass durch das stete nicht Loslassen von Seiten von Müttern, Freundinnen und Ehefrauen, die Männer nicht heil oder ganz werden können. Die ewige Abhängigkeit von ihnen in zentralen Lebensbedürfnissen im Sex, muss zu gewaltsamen Abtrennungen, zur Revolten führen. Gleichzeitig wird das „schlechte Gewissen“ aufgebaut, das diese Befreiung verurteilen und verhindern soll. „Verschleierte Abhängigkeiten“ hat das mal eine Frau genannt, ohne direkten Bezug hierauf zu nehmen. (1)

Die Intimität, die gewisse Mütter wünschen, mit ihren Kindern und Söhnen, zeigt auch die Abhängigkeit von Frauen von ihren Kindern an. Aber wann sollen sie denn selbständig werden und auf eigene Füsse kommen – wie die Schwulen? Ist es nicht so, dass Mütter nicht mehr eigenständig und auf eigene Füsse kommen wollen? Und woher nehmen sie sich dieses Recht auf die Söhne, was sie als Naturrecht für sich beanspruchen? Am Punkt, an welchem die Mütter von ihren Söhnen (vor allem) geliebt werden wollen, bauen sich bei Schwulen einige Probleme auf. Denn noch deutlicher als die heterosexuell Ausgerichteten, wollen diese mit der Homosexualität auch weg von der Frau als der Leitfigur ihres Lebens! Bei den „Schwulenfreundinnen“ ist die Grenze nämlich dann erreicht, wenn der Schwule auch der Ehemann oder der Sohn ist!

Vergessen sind die Zimmermänner und Handwerksburschen, die auf Wanderschaft gehen mussten und sich von Müttern und Familien trennten! Auch schon bald vergessen ist die Schwulengruppe der 80er Jahre, die den Mann von seiner Frauenabhängigkeit befreien und ihn in der Männergruppe heilen wollte. Die Junghomos von heute werden mit den üblichen „heterosexuellen“ Ängsten beladen und in den Konsum gezwungen, um Aussicht auf einen anderen Mann zu haben. Speziell geschulte Psychotherapeuten und Coachinghelfer sollen die Probleme aus den bürgerlichen Widersprüchen individuell lösen helfen. Gegen gutes Geld natürlich.

Wenn das Geld im Kasten klingt, die arme schwule Seele in Therapie und Luxusferien entspringt. Frei nach Martin Luther. Amen

Peter Thommen_64, Schwulenaktivist, Basel

Über Konversions-”Therapien”

1) Hedda Herwig: „Sanft und verschleiert ist die Gewalt“, Rowohlt 1992. Herwig weist auf  S. 40 auf Verschleierungstaktiken von zwei Frauen gleichzeitig hin. Die erste ist Alice Miller, in einem Bezug auf das Verhältnis von Franz Kafka zu seinem Vater, sowie Kafkas Mutter, die einen Brief an den Vater an dessen Sohn zurückschickt und sich weigert, die Botin zu spielen. Seilschaften, die wohl erst noch aufgedeckt werden müssen.

Wie Millers Sohn kürzlich enthüllt hat, war Alice selber privat weitgehend fern von den Prinzipien, die sie nach aussen vertreten hat!

P. S. Was die Sexualität von Kindern betrifft, sollen mir keine Heteros/as was vormachen!  Und die Erwachsenen machen da voll mit – beim Spielen…

Schon Kinder können wissen, wie fabelhaft  sie werden können! :P

von der Homophobie zum Anti-Homosex-ualismus

12. November 2014

Die vergangenen Jahrzehnte waren geprägt von Unwissenheit und Homophobie. Doch heute stehen uns so viele Informationen über Sexualität zur Verfügung, dass keineR mehr Unwissenheit vorheucheln kann. Wir können übrigens auch nicht alles auf Homophobie (also Angst vor Homosexualität) zurückführen.

Die neuesten Aktionen „gegen die Homosexualität“ sind motiviert von aktivem Anti-Homosexualismus. Das heisst, dass wie beim Antisemitismus, die alten Argumente weniger wichtig sind als die Beweggründe! Es geht gegen die „Homo-Ehe“ und die „Rettung der Familie“. Mit anderen Worten: Es darf keine Alternative zur heterosexuellen Familie geben, weil diese ist heilig, nichts darf über ihr stehen!

Doch diese Ehe- oder Familienform ist relativ jung in der Geschichte. Sie ist auch stark geprägt von den Entwicklungsform des Kapitalismus. Sie passt sich auch immer wieder an, aus purer Notwendigkeit. Aber wo kommen wir hin, wenn die anderen Formen die gleichen Wünsche und Hoffnungen bieten wie die Tradition?

Ich bin der Meinung, dass die Homosexellen sich die Last der Tradition nicht auch noch aufbürden sollten. Die eingetragene Partnerschaft als gleichberechtigter Zivilstand sollte ausreichen! Mit ihr behalten wir auch die Selbstverantwortung und die Selbstgestaltung in unseren Händen! Die eP könnte man auch erweitern auf mehr als nur 2 Personen. Und statt hochtechnisierten Fortpflanzungsmethoden liessen sich Erweiterungsmöglichkeiten per Adoption oder „Einpartnerung“ finden.

Dass die BaZ ohne Kommentar der Redaktion einem Evangeliban als „Pfarrer“ eine ganze Spalte überlässt sagt auch etwas aus! Ich habe nichts gegen Leserbriefe und „Freie Meinungsäusserung“ in Blochers Print. Allerdings erwarte ich von einer Zeitungsredaktion, dass sie sich nicht hinter Schweigen versteckt, wenn sie Raum für „Altlasten“ über Homosexualität zur Verfügung stellt!

Und nochmals: Die alten Leiern sind gar nicht so wichtig. Wichtiger ist doch, dass sie wieder aufgewärmt an „seriösem Platz“ erscheinen dürfen…

Nebst den formalen Fehlern über die Jugendgruppe „Anyway“ finden sich in Reinhard Möllers Text Scheinargumente und Fehlinterpretationen nach dem Muster der „Taliban“. Die meisten Vergewaltigungen finden wohl in der heiligen Ehe statt, ohne dass sie abgeschafft würde!

Schon Gisela Bleibtreu-Ehrenberg hat 1978 davor gewarnt, dass nach all der Emanzipation in Zukunft immer noch der „Kinderschutz“ für die Manipulation der Gesellschaft herhalten müsse!

Es bildete sich bald eine neue Derivation heraus (Homosexualität als stete Kindergefährdung), die das Fortbestehen der Ächtung ‘vernunftgemäss’ erscheinen liess.“ (Tabu Homosexualität 1978, S. 405/406)

Damit wird hartnäckig festgehalten, dass Homosexualität keine „natürlichen“ Wurzeln in der Kindheit und Jugend haben kann! (Die Diskussion wird mit „Pädophilie“ sehr schnell verhindert!)

Reinhard Möller missbraucht die Sexualinformationen über „Tatsachen des Lebens“ (Quentin Crisp) für die Forderung nach Öffnung von Schulen für die (seine) „jüdisch-christlichen“ GLAUBENS-Anliegen! Wahrscheinlich würde er sich sogar gegen jüdisch-moslemische Glaubens-Anliegen genauso wehren! (Aber dafür ist die BaZ-Redaktion wohl zu dumm, um das zu merken.)

Der Trick der Anti-Homosexualitäts-Prediger liegt in einer falschen Umkehr der Tatsache, dass nicht Mehrheiten diskriminiert werden, sondern Minderheiten. Als wenn sich Weisse beschweren müssten, sie würden von Schwarzen diskriminiert. Wenn Reinhard Möller sowas gedanklich nicht schafft, ist er ganz sicher nicht ein studierter Pfarrer! :P

Peter M. Linz, Vizepräsident der SVP Schwarzbubenland und Mitglied der AUNS, stösst – verständlicherweise – ins gleiche Horn! In dieser Partei wird die Mehrheit der Inländer auch von der Minderheit der Ausländer „diskriminiert“!

Er glaubt, „die Unfruchtbarkeit gleichgeschlechtlicher Beziehungen soll durch medizinisch unterstützte Fortpflanzung künstlich aufgehoben werden.“ Er vergisst dabei nur, dass die Techniken ausgerechnet für Heterosexuelle entwickelt worden sind, die von Natur aus unfruchtbar sind und glauben, ein „natürliches Recht“ auf Fruchtbarkeit und „eigene“ Kinder zu haben! Und in der Bundesverfassung übrigens sind alle Menschen gleichWERTIG ohne Bezug auf ihre Sexualität!

Es geht seit einiger Zeit für uns also nicht mehr darum, Unwissende, homophobe, oder störrische Gläubige aufzuklären, sondern darum, durchaus Wissende mit dem Missbrauch von falschen Argumenten zu ihren politischen Zwecken zu konfrontieren! Die verstorbene Schwulenbewegung kann nichts mehr tun. Obs die Junghomos merken?

Peter Thommen_64, Schwulenaktivist, Basel

P.S. Der ref. Kirchenrat des Kantons Basel-Stadt hat sich distanziert, desgleichen auch Pfr. Frank Lorenz von der Offenen Kirche!

Reaktionen sind erbeten auf  thommen@arcados.com

für Bibelforscher ;)

Gabriele Kuby: Die globale sexuelle Revolution

Mit anderen Worten gesagt:

Bernhard Pörksen: ”Na, ich glaube, man muss es schon ernst nehmen, aber weniger im Sinne der Medienmacher. Denn es geht ja darum, dass RussiaToday auf Deutsch ja eigentlich das Schüren von Medienverdrossenheit als journalistisches Programm verkauft. Und das ist ein durchaus hochinteressanter Versuch, weil hier – dahinter steht ja der Kreml – staatlich gelenkte Öffentlichkeit den Schulterschluss mit der Gegenöffentlichkeit, der Medienverdrossenen gegen Öffentlichkeit sucht. Also es ist die Inszenierung von Staatsöffentlichkeit als Gegenöffentlichkeit und die Entdeckung von aktueller Medienverdrossenheit als publizistische Marktlücke. Und das macht RT Deutsch, das ja sonst journalistisch wenigen Ansprüchen nur zu genügen vermag, durchaus dann interessant als Zeitindiz, als Symptom. ”(Deutschlandfunk)

Die Entdeckung von Unduldsamkeit gegenüber den Schwulen und der Verdrossenheit von Heteros als agitatorische Marktlücke! ;)

Nicht die Homosexualität ist schuldig geworden an den Nationalsozialisten, nicht die Homosexualität trägt die Schuld für den Missbrauch von Menschen. Es waren die Nationalsozialisten, die Homosexuelle für ihre Politik missbraucht haben, nach innen zum Gehorsam, nach aussen als Projektionsfläche für das gemeine Volk.

Es ist die Religion, die die Homosexualität für ihre Politik missbraucht – nach innen zum Gehorsam irgendwelchen Führern gegenüber. Nach aussen zur Projektion, um von den Machtverhältnissen abzulenken.

Denn Religion ist eine Ideologie, mit der Menschen geistig missbraucht werden können. Der sexuelle Bereich ist mit dabei. Drum wird quasi jetzt das Pferd von hinten (!) aufgezäumt.

Männerliebe war nie ein Problem, nur die Lust mit der Prostata. Amen