arbeiten und ficken

01. Mai 2012

Ich bin immer wieder erstaunt, wie man Heterosexuellen die Zusammenhänge zwischen Arbeit und Sexualität erklären muss. Bei einem Schwulen haben sie den Fick viel schneller im Kopf als bei den Forderungen nach wirtschaftlichen Leistungen für ihre Familien. Da geht es doch „nur“ um Kinderzulagen, Betreuungsgelder, Familienvergünstigungen, etc. Seltsam, dass die „übrige Sexualität“ – auch Heteros sind nicht dauernd mit Fortpflanzung beschäftigt – einfach in ihrer Familie „verschwindet“.

Das ist bei vielen Homosexuellen leider auch so. Ich muss mich jetzt hüten, Verallgemeinerungen vorzunehmen, greife bei dem Thema aber trotzdem zu einigen Beispielen. Erst „ficken sie sich durch die Szene“ und wenn der Fick gross/geil genug ist, wollen sie dann gleich heiraten. Und dann verschwinden die ganzen Erfahrungen und Fähigkeiten (!) auch gleich mit in der individuellen Homo-Ehe. In Internetportalen suchen sie „nur nach Kontakten mit Freunden“, wünschen „keine sexuelle Anmache“. Dass jemand mit Partner vielleicht nicht mehr auf Klappen und in Parks cruisen geht, mag ich noch verstehen. Vor allem am Anfang einer Beziehung. Aber einfach seine Sinnlichkeit für den Rest des Lebens nicht mehr zu pflegen und einfach wegzustecken, ist meiner Ansicht nach ungesund. Nun, wie schrieb kürzlich einer auf gayromeo: „Ich habe einen Freund, aber über die Webcam ist keine Untreue!“

Wie das so geht mit dem „heterosexuellen“ Appetitholen auswärts und „zuhause essen“ können wir anhand der sehr häufigen sexuellen Übergriffe und Anmachen von Frauen am heterosexuellen Arbeitsplatz nur erahnen. Man könnte hier ein ganzes Kapitel aufmachen! (Die ach so verachtete „Homo-Szene“ mit ihrer Eindeutigkeit ist eine echte Alternative – und der Sex erst noch gratis!) Aber dass es einen Zusammenhang gibt, zwischen der monogamen Sexualität, die Frauen so gern fordern und der dann auswärts verströmten männlichen Sinnlichkeit, sehen nicht mal linke Frauen ein! Ich muss mich hüten, denen ihre Sexualität zu erklären, aber um ein paar Bemerkungen dazu, komme ich, wie bei den Schwulen, nicht herum!

Im 2011 erschienenen Buch „Die Linke und die Sexualität“ greifen die HerausgeberInnen auf historische Sexualforderungen von Revolutionären zurück!

„Die ursprünglich polygame Veranlagung ist zu stark im Menschen, als dass sie durch äußere und innere Gewalt gänzlich unterdrückt werden könnte (…). In der kommenden Zeit stürmischer, revolutionärer Entwicklung wird dieser Prozess sicher noch eine Beschleunigung und Intensivierung erfahren. Und in der von wirtschaftlichen Kämpfen befreiten glücklicheren Zukunft des Sozialismus wird die wilde Vermischung und Polygamie in allen Formen das Sexualleben des Menschen beherrschen.“   Elfriede Friedländer, Sexualethik des Kommunismus, 1920

Das sind keine Forderungen für die aktuellen Mai-Märsche überall auf der Welt! Dabei hat die russische Revolution die Familie abgeschafft, die Homosexualität entkriminalisiert und nicht nur das Eigentum am Kapital, sondern auch das sexuelle Eigentum an Frauen/anderen Menschen abgeschafft. Mann lese das bitte mehr als einmal durch!

Wir Schwule waren bis in die 70er Jahre „krankhafte Wesen“, psychisch gestört und angeblich unnütz für die Fortpflanzung. Doch weder haben die Heterosexuellen dafür eine Krankenrente bezahlt, noch haben sie zur Kenntnis genommen, dass sehr viele ihrer eigenen Männer sowohl an homosexuellen Kontakten beteiligt waren und sind, als auch nicht, dass viele Homosexuellen sich in Familien versteckten, um ihrer Repression zu entgehen, oder ihre Arbeit nicht zu verlieren. Das krasseste Beispiel war das schweizerische Militär. Bis 1991 wurden offen Schwule im Allgemeinen nicht akzeptiert. Sie durften aber einen Militärpflichtersatz dafür zahlen, dass sie politisch „nicht richtig fickten“. Obgleich es noch nicht so lange her ist, dass die Diskriminierung am Arbeitsplatz versteckt und offen systematisch betrieben worden ist. Jedenfalls die Rechnung für die Ersatzsteuer war bei mir immer vor allen anderen Steuerrechnungen im Briefkasten…

Für Heterosexuelle war es bis in die ausgehenden 60er unmöglich, als unverheiratetes Paar eine Wohnung zu bekommen. Und generell ist es bei den Heteros so eingerichtet, dass Mann entweder eine Freundin oder eine Frau (zum ficken) hat, oder eine Nutte besucht. Beides kostet und für beides muss Mann arbeiten…

Noch heute ist es für viele junge Nordafrikaner unmöglich, mit Frauen Sex zu haben, ohne verheiratet zu sein, oder eine Nutte zu besuchen. Aber Arbeit gibt es bekanntlich da nur für Wenige. Und ein besonderes Kapitel könnte man hier wieder aufmachen, was die Betreuung von Migranten aus jener Gegend betrifft.   (Eine Konfrontation habe ich kürzlich wieder selber erlebt in meinem Buchladen, und das hat mit dem unterschiedlichen Verständnis von Kultur und Wirtschaft tun. Als offen Schwuler war ich da eh auf der schwächeren Seite)

Wundern wir uns darüber, dass die homosexuelle Prostitution bis 1991 generell verboten war. Also auch über das beliebte „Jugendschutzalter“ – von damals 20 Jahren – hinaus? Mann könnte hier wieder ganze Kapitel aufmachen über die Rolle der Prostitution in den kapitalistischen Wirtschaftsstrukturen, insbesondere der „fortpflanzungsverhütenden“ homosexuellen Prostitution. Und worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen Billigstarbeit und Billigstprostitution? Der ältere Mann bekommt zunehmend keine „qualifizierte“ Arbeit mehr und die ältere Frau senkt zunehmend ihren Tarif. Und die Wirtschaft findet immer Ausreden, um die Frauen weniger zu bezahlen als die Männer… (Es gibt in der BL-Mittelalter-Geschichtsforschung Zeugnisse über Frauen, die sich in Männerkleider warfen, um auf dem Arbeitsmarkt mehr Geld zu verdienen!)

HABS am 1. Mai 1979, Rittergasse (klick > A5)

Es wird also nicht nur im Bett oder sonst wo gefickt/Macht ausgeübt, sondern auch auf Baustellen und in den Firmenetagen. Das war den Pionieren der Sexualreform vor hundert Jahren durchaus bewusst (Wilhelm Reich u.A.)! Auch dass sich die Situation in der Arbeit und im Sozialleben auf die Familie und bis auf die Kinder auswirkt – und natürlich auch auf den Fick im Ehebett. Aber darüber wird nicht geredet…

Für die katholische Kirche sind Schwule „objektiv ungeordnet“. Statt sich darüber zu wundern oder sich zu empören, lohnt es sich, in die Bibel zu schauen. Mann solle nicht beim Mann liegen wie bei einem Weibe. Das unterminiert die Geschlechterordnung. Nicht nur im Islam, wie es immer scheinen möchte! Was die Linke als „Klassengesellschaft“ propagiert, ist bereits der wirtschaftliche Überbau. Denn die Urklassengesellschaft besteht aus dem Ficker und der Gefickten. Interessanterweise können nur die Männer beide Rollen spielen. Frauen werden das zunehmend, beim Erklimmen der wirtschaftlichen Hierarchie, darin symbolisch auch ausüben. Und natürlich gab es in allen Kulturen Möglichkeiten, die Rollen auch umzukehren, nicht nur im Matriarchat. Dieses übrigens steht unter dem Patriarchat. Das eine lebt nicht ohne das andere…

Hier sollte auch die Erkenntnis der „bewegten“ Schwulen langsam heranreifen, dass Frauen niemals generell unsere Verbündeten sein können. Schwule stören die heterosexelle Rollenverteilung, sie konkurrenzieren um die Männer – nicht nur um andere Schwule, wie das fälschlicherweise immer behauptete wird! Sie stören damit auch die Macht der Frauen, nicht nur die Seilschaften der Männer. Und auch gewisse Männer können die Rollen „vertauschen und in Begierde entbrennen“, um ihre Ziele zu erreichen. Denn schon die Bibel mutete jedem Mann das Laster des Sex mit einem anderen zu, darum wurde es auch mit dem Tode bestraft.

Es gäbe noch vieles dazu zu schreiben. Vielleicht an einem nächsten Ersten Mai! Jedenfalls ist das Thema noch völlig unbeackert.

Zumindest von den „lifegestylten“ Junghomos sind wohl keine weiterführenden Erkenntnisse zu erwarten. Und ihren Konsumismus wollen sie sich natürlich nicht „erklären“ lassen! ;)

Peter Thommen_62, Buchhändler und Schwulenaktivist, Basel

PS. Über ein Dutzend Referenten der SP werden in einem email vorgestellt mit ihren Referaten zum 1. Mai. Nirgendwo nur das Wörtchen Sex. Dabei gehört sexuelle Befriedigung genauso zum Leben und zur Arbeit wie alles andere! (ich leite die email gerne an Interessenten weiter!)

Zum Ersten Mai, 1996-1998

Erster Mai 2011

Mein Hetero! — warum hast du mich verlassen?

06. April 2012

KeineR sollte hier eine theologische Abhandlung erwarten. Aber im Rahmen von geschlechtspezifischem Verhalten unter Männern, gibt es noch viel zu entdecken. Und so wie Frauen die Welt anders sehen – und die Männer, so haben auch Schwule einen „anderen Blick“ auf die sexuell zweigeteilte Welt. Dabei geht es nicht immer nur um die gängigen Vorstellungen von „Homosexualität“, die wir in den letzten Jahrzehnten entwickeln konnten – trotz heftigem Widerstand der Mehrheit von hetero-gläubigen Frauen und Männern.

Es ist zwar allgemein bekannt, dass Frauen einen „fraulichen“ Umgang untereinander pflegen – in allen Kulturen. Wie der männliche Umgang unter Männern war und ist, muss erst hinter vielen Klischees und Geschichten hervorgeholt werden. Dabei ist zwar das sexuelle Verhältnis „überwichtig“ für die Einordnung in die hetero Sichtweise, aber für die Betrachtung von Männerbeziehungen eigentlich eher von minderem Rang. Besonders was die Penetration betrifft, die immer als die Messlatte von „richtiger Sexualität“ genommen wird.

Leider müssen wir auf ein wichtiges Element erzählerischer Technik aus vorgeschichtlicher Zeit verzichten: Wir können die geschilderten Personen und ihre Beweggründe nicht mehr befragen. Aber das konnten auch die ersten Aufschreiber talmudischer und evangelischer Geschichten schon nicht mehr, während uns deren Inhalt quasi noch immer als „Glaubenstatsachen“ serviert werden.

„Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (1), schrie Jesus, noch am Kreuz, bevor er das Bewusstsein aufgab. Dieser Satz wird in der Bibel auch noch andernorts zitiert oder verwendet.

Aber was sagt er einem Schwulen, der an die Männer glauben möchte und sich doch so verlassen unter den homophoben Heteros vorkommt? Für viele Jungs ist der Hetero das grosse „göttliche“ Vorbild. Je unmännlicher er sich vorkommt, desto grösser sein Glaube an die Heterosexualität. Für viele Jungs ist der Frauensex kein Problem, aber sie machen den Sex mit Männern zu einem. Andere Jungs wiederum blenden diesen Teil der Heterosexualität einfach aus.

Gewalt gegen Schwule ist immer auch Gewalt gegen Männer. Oft wird vergessen, dass immer wieder auch normale hetero Männer für schwul gehalten werden, was immer von den Fantasien und Zuschreibungen „normaler Täter“ abhängt und nicht von den von ihnen beschuldigten und verachteten Opfern…

Auch im Christentum ist die Gewalt ein göttliches Mittel, um die Ordnung der Geschlechter und ihrer Rollen zu garantieren. Abraham wurde von Gott „versucht“, indem er Gehorsam übte und seinen Sohn Isaak dafür opfern sollte. (1. Mose, 22) Das Opferfest hat bei den Moslems noch heute eine grosse Bedeutung und deswegen werden jährlich unzählige Schafe geschlachtet…

Interessant ist übrigens die Geschichte von Abrahams Knecht, der ihm einen Schwur „unter der Hüfte“ leisten musste. (1. Mose, 24) Das Ding das da unten hing oder stand (?) bekommt eine ungeheure Bedeutung für die beiden, denn es ging dabei um die Fortpflanzung der Ur-Familie nach dem Tod des Urvaters…

Nicht nur Frauen und Mütter tun alles für den Penis des Mannes und den Macker, der daran hängt. Und sie entwickeln meistens Gewaltfantasien, wenn es um (richtigen) Sex zwischen Männern geht. Wiederum aber ist Gewalt, die nicht „sexualisiert“ ist, für viele Feministinnen normal unter Jungs und Männern. Ich aber meine, dass Gewalt durch ehrliche Erotisierung zwischen Männern abgebaut werden könnte. Viele Männer können sich gar nicht näher als 15 Zentimeter kommen, ohne mit Gewalt zu reagieren. Der heutige Umgang von Jungs miteinander zeigt diese kumpelhafte Verklemmtheit mit Handschlag und Handdrehung, oder die polternde Schulterschlägerei anstelle ehrlicher Umarmung!

Peter I. Schwulenpapst vom Kleinbasel! ;-)

Das hat alles nichts mit der heutigen Auffassung von Homosexualität zu tun. Das alles aber verhindert die freie Entfaltung von Homophilie und auch von Sexualität zwischen Männern. Die Schwulenbewegung hat für alle Männer gekämpft und auch darum, dass jeder Mann seine Sicht, seine Erfahrung und seine Freude an anderen Männern haben kann. Sehr zum gesellschaftlich verhohlenen Unmut der Frauen!

Ich nehme die Geschichte von Gilgamesch und Enkidu als Beispiel für den freien Umgang mit einer Männerbeziehung in vorhistorischer Zeit. Vor ca. 5500 Jahren wurde der Kampf der Zivilisation mit der Natur in eine Männergeschichte gekleidet, die als Episode innerhalb eines „heterosexuellen“ Epos, auf Tontafeln überlebt hat. So sensationell war sie. Als nämlich Gilgamesch gegen Enkidu kämpfte, „erkannten“ sie einander und verliebten sich. In der Folge nahm der Vertreter der Natur, zur rechten Seite des Vertreters der Zivilisation auf dem Thron Platz. Diese Formulierung erinnert wiederum an die Rolle von Jesus, der auch „zur Rechten“ des Vaters auf einem Thron sitzen sollte – vielleicht als Preis für die Aufgabe seiner Erdverbundenheit mittels gewaltsamem Tod? (Die Erde ist übrigens weiblich)

Mich bewegt die Tatsache der „normalen Gewalt“ zwischen Männern sowohl als Schwuler, wie auch als Mann. Denn ich lasse mich nicht einfach ausgrenzen. Weder zu den Frauen, noch zu den Kindern. Gleichzeitig erfahre ich Verdächtigungen und Schuldzuweisungen als „Gewalttäter“, der ich nun wirklich nicht zwangsläufig sein muss. Und – obwohl Christus der Halbgott oder Prophet von Zöllnern und Huren gewesen ist, meine Heteros haben mich immer verlassen, sobald sie um die erotische Dimension meiner Empfindung gewusst haben. (Natürlich von einigen Freunden mit Köpfchen mal abgesehen!)

Als ich selber in der Schule die Zielscheibe männlicher Aggressionen war, die sich vor allem auf dem Schulweg zeigte, hatte mein Vater keine heterosexuellere Empfehlung als: „Du musst Dich halt wehren“ parat. Nur: Wie konnte ich mich mit anderen Jungs prügeln, wenn ich denn lieber an ihren Schwanz gegriffen hätte?

Dies wurde bei mir kürzlich erneut aktualisiert, als sich über gaynet ein alter Schulkollege aus der Jugendzeit meldete, der den Kontakt zu mir suchte. Er habe eine Familie und zwei Kinder, aber in letzter Zeit hätten sich bei ihm so Gefühle entwickelt für Männer, für die er jetzt meine Hilfe suchte. Er ist zwar in all den Wochen seither nie wirklich bei mir aufgetaucht. Aber was zum Teufel kommt er jetzt zu mir, wo ich nie etwas mit alten Männern anfangen konnte?  Damals hätte ich wohl noch so gern mit einem Gleichaltrigen Sex gehabt. Aber damals war er eben homofeindlich und hetero. Ich fühlte mich damals auch schon verlassen!

Nun, mein Vater war zwar homophob, aber er gestand mir durchaus eine “Variante” von Männlichkeit zu. Ich verlor sehr schnell das Bewusstsein (es übermannte mich), wenn ich geimpft wurde oder viel eigenes Blut sah. Er tröstete mich damit, dass es dem besten Metzger auch so gehen könne, wenn er sein eigenes Blut sehe…

Peter Thommen_62, Schwulenaktivist, Basel

1) „Eli, Eli lama asabthani?“ (u.a. Markus 15, 34)

Hier habe ich noch eine interessante Betrachtung gefunden (siehe weiter unten auf der verlinkten Seite 2.3). Sie bestätigt meine Vermutung, dass das heterosexuelle System (die Ordnung Gottes/Oberhetero) auf einem schlauen Diskriminierungssystem beruhen, das sich entlang des Penetrationsverbotes und der Penetrationspflicht (zur Fortpflanzung) etabliert hat. Frauen sind darin zur Passivität verurteilt und spielen die Rolle, zwischen den Männern Konkurrenz um sie zu erzeugen und aufrechtzuerhalten. Dabei sind sie über dieses – sie zwar selber diskriminierende – System indirekt an der Macht beteiligt. Woraus sich eine klare Gegensätzlichkeit zu Homosexuellen ableiten lässt, die dieses ausgeklügelte archaische Landwirtschafts-, Erb-, Macht- und Politsystem durch unerwünschte “Gefühle” unterminieren könnten. Denn mit den Gefühlen – egal ob wahr oder vorgespielt – “politisieren” ja bereits die Frauen – auch gegen andere Frauen!  PT

Eine der ersten, die “theologisches Verständnis” zur Situation von Homosexuellen beitrugen war Else Kähler (1917-2011), mit einer Exegese (PDF 2 MB) zweier neutestamentlicher Stellen, in Bovet, Th: Probleme der Homophilie, Huber 1965

Eine Tucke führte uns Tunten und Trash vor

21. März 2012

„The worst case“ war der Titel der öffentlichen Veranstaltung in der Kaserne – im Rahmen der Zischbar eine spezielle „schwule“ Ausgabe. Nach anderthalb Stunden war dann für mich auch der worst case eingetroffen und ich verliess verärgert die Veranstaltung. Doch alles von vorne…

Diese Veranstaltung ist angekündigt worden als Präsentation von schlechter schwuler Kunst. „Bizarre Ratgeber, grässliche Musik, menschenfeindliche Weltanschauungen, frauenfeindliche Esoterik, misslungene Grosskunst. Nichts ist ihnen heilig ausser dem Leitsatz: Das Gegenteil von Gut ist gut gemeint.“

Doch Trash kann auch so schlecht sein, dass er schon wieder gut ist!

Eingangs präsentierte der bequem auf einem Sofa sich räkelnde Storm Bilder aus der vergangenen Epoche der Knaben und schönen Geister des Griechentums. (Monté Verità)  Eine Zeit der „schmachtenden“ Schwulen wie Stefan George und Andere.

Oscar Wilde brachte er uns nahe mit dem umstrittenen Werk „Teleny“. Allerdings ist das Machwerk an der vorletzten Jahrhundertwende zu verorten und sagt leider nichts über Oscar Wilde allgemein aus. Aber es ist bewundernswert, wie sich die gesellschaftliche Pornografie damit einen literarischen Erguss geleistet hat, der bis heute nachwirkt. Es hätte dazu bemerkt werden sollen, dass die schriftliche Pornografie von heute leider in hundert Jahren nicht weiter gekommen ist – Teleny also eine Pionier-Arbeit war. Hier konnte man immerhin auch über sich selbst lachen…

Das witzigste des Abends waren die von bekannten Filmen abgewandelten Pornofilmtitel, wovon er 100 im Schnellauf präsentierte. Aber auch harmlose Szenenbeispiele aus schwulen Pornos wie Stiefellecken, oder Gayracula mit Werwolf waren erheiternd.

Sehr witzig war auch der Ausschnitt aus Rosa von Praunheims Film „die Bettwurst“, worin ein offensichtlich tuntiger Mann einer Frau seine Liebe erklärt, halb auf dem Bett und halb auf ihr liegend…

Doch wo hat das Schenkelklopfen seine Grenzen? Wir hörten uns Zitate aus dem Lebensbericht eines ex-Gays an, worin er immerhin übermittelte, dass die erste Frau, mit der er dann Sex hatte, ihn inständig bat: „Mach mir ein Kind! Mach mir ein Kind!“

Interessant war die Passage aus diesem Buch, worin Schwule als kindlich und lustig und Beiträger von Unterhaltung für die Allgemeinheit seien. Dafür waren sie ja immer gut genug. Etwas später führte er eine Filmsequenz aus einer US-TV-Show vor, in welcher drei Neger* herumschwuchtelten und sich vor einem weissen Moderator präsentierten…

Hier fiel mir der Groschen, denn auch Neger waren mal dazu da, den Weissen dienstbar und unterhaltbar zu sein. Doch leider übersah Strömer die parallele Symbolik. Hier könnte ich schreiben: „Er gluckste nur dazu“. Er strebte aber schon zum nächsten Höhepunkt. Aus einem Filmwettbewerb in Berlin präsentierte er uns einen Videoausschnitt, worin Schwule erklären, was sie über Lesbensex wissen. Drei Beispiele von dummen Schwuchteln, die sich Sex ohne Schwanz nicht vorstellen können, allenfalls Dildos benutzen und bis zum Bekenntnis, dass Lesben vor allem zärtlich seien, viel rumkuschelten und sich einfach schrecklich lieb hätten. (Was sehr viele Lesben gegenüber den Schwulen und Heteros ja auch oft darzustellen bemüht sind!)

Nun wurde mir die Sache zu schräg. „ … menschenfeindliche Weltanschauungen, frauenfeindliche Esoterik, misslungene Grosskunst. Nichts ist ihnen heilig ausser dem Leitsatz: Das Gegenteil von Gut ist gut gemeint.“

Ok. Ich mag auch über Schwule lachen, auch über mich selbst. Und sicher wären gefilmte Äusserungen von Lesben über schwulen Sex auch interessant gewesen. Es musste halt nicht sein. Doch vorführen (demütigen) lasse ich uns nicht. Nicht vor uns selber, nicht vor Lesben und nicht vor Heteros. Zufällig war ich grad am lesen eines Buches, das Susann Sitzler in der BaZ vom 10.2.2012 besprochen hatte: Dawison: „Motherfucker“. Eine Kulturgeschichte dieses offenbar für Heterosexuelle in den USA zentralen Schimpfwortes. Mit vielen Bezügen zu Musik, Literatur und Filmen bis in die Gegenwart. Darin legt der Autor dar, wie verschiedene soziale Gruppen damit umgingen und es wieder und wieder-verwendeten. Es wurde erst nur unter Schwarzen geführt, dann auch gegenüber Weissen gebraucht, drang später ins weisse Vokabular ein und richtete sich auch von da wieder gegen die Schwarzen.

Von der Selbstunterdrückung und gegenseitiger sich „Vorführung“ bis zu gegenseitiger Unterdrückung. Und genau an diesem Punkt droht Störmers Präsentation schnell abzugleiten. Ich merkte, dass es ihm weder um Geschichte, noch Kultur, noch um Zeitgeist ging, sondern nur um den reinen Unterhaltungswert des Schenkelklopfens oder Tittenschaukelns, um es etwas gröber zu umschreiben…

Politisch könnte man es mit der Pädophilendarstellung vergleichen – was bei Störmer ja mit den Jünglingen von Monte Verità schon anklang. Von 1942 bis 1992 war das Schutzalter in der Schweiz aber bis 20 Jahre. Zwischen Männern war das für viele verhängnisvoll, zwischen Frauen interessierte das keineN – denn was passiert schon zwischen Frauen? (Die Frage stellten sich 200 Jahre früher schon englische Richter und sprachen zwei Frauen frei!)

Und so wie die Tucke vorne schlechte Kunst zur Unterhaltung präsentierte, ohne Ansehen der Geschichte, so trägt man und frau heute auch den Schwulen ihre „pädophile Vergangenheit“ nach, ohne jemals die Frage ernsthaft zu stellen: Wer entschädigt alle die Täter, die in 50 Jahren bestraft wurden (Was übrigens vom Bundesgericht noch gedeckt wurde!) , während heterosexuelle Männer sich selbstverständlich ein Schutzalter gegenüber Mädchen von 16 Jahren herausnahmen?

Ganz absichtlich vermische ich hier zwei verschiedene Paar Stiefel. Doch das eine ist ohne das Andere nicht zu denken! Selbstdiskriminierung, Vorführung, Vorurteile und „mangelnde Geschichtskenntnisse ergeben eine gesellschaftspolitische Suppe, die letztlich die Schwulen zu Negern macht - die wiederum nicht von den Heterosexuellen ausgelöffelt werden muss.

Mein Urteil: „Das Gegenteil von gut, ist gut gemeint“  Der gebotene Trash war zwar schlecht genug, aber die Präsentation hat das ganze verkackt.

Ich hatte so irgendwie das Gefühl bekommen, man und frau gehen am Ende der „Vorstellung“ nachhause mit der Befriedigung: Was bin ich doch für einE normaler HomosexuelleR! Hat das die Schwulenbewegung gewollt?

Peter Thommen_62

 

P.S. Der Titel hat übrigens auch zwei Bedeutungen! ;)

 

* (Anführungszeichen werden nicht konsequent an bestimmten Wörtern gesetzt, da klar sein muss, dass die Ausdrücke mehrdeutig verstanden werden können)

Susann Sitzler, über das Buch Motherfucker (PDF 1,2 MB)

therapiebedürftig, jede Generation…

04. März 2012

Schwulenhass, Antisemitismus, Rassismus und Faschismus sind für jede Generation neu therapiebedürftig, weil sich die Einstellung in der heterosexuellen Familie immer wieder neu bilden kann, wie die aktuelle Glosse in der Weltwoche zeigt!

Auch Schwule und Lesben tragen mit Steuern und sozialer Arbeit seit Generationen dazu bei, die Mängel heterosexueller Familien auszubügeln. Warum sollen sie nicht selbst eine Familie bilden?

Ausserdem werden heterosexuelle Paare nie darüber befragt, ob sie auch homosexuelle Kinder erziehen können! Ganz zu schweigen von den Kindern und Jugendlichen die sich wegen Mobbing durch das heterosexuelle Umfeld neuestens umbringen. Aber das ist kein Thema in der heterosexuellen Presse, weil es nicht in die “pädophilen Vorstellungen” von Leuten wie Frenkel passt! Leider teilen auch viele Lesben diese heterosexuellen Vorstellungen über schwule Männer. Und heterosexuelle Männer haben eben andere Fantasien von “Lesbensex”…

Im übrigen schlüpft die Fantasie des Beni Frenkel genau jenen Linien entlang, die ich immer wieder thematisiere, die aber die Schwulenbewegung aus Feigheit einfach nur ignoriert:  Schwule sind sexuelle Wesen, einfach dadurch, dass sie Männer sind. Heterosexuelle haben ihr Familienleben “entsexualisiert”:  Vater werden, schwanger sein, Mutter werden, Kinder haben. Die Sprache verrät es! Sex und sogar Zärtlichkeiten zwischen den Eltern werden ins Schlafzimmer verbannt, oder dann die Kinder einfach mit ins Bett genommen, worüber sich offenbar niemannd und niefrau öffentlich aufregen tut. Höchstens darüber, dass das weit verbreitete Rotlichtmilieu nicht in die Nähe von Schulen und Wohnquartieren kommen darf…

Peter Thommen_62

Ausriss Weltwoche 3.3.12 (mit klick darauf und der Browserlupe vergrössern!)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich möchte Bernie Frenkel folgendes Kinderbuch empfehlen   eberhard die schwule sau  (1998)

«Brokeback Mountain» als “biblischer” Sündenfall

27. Februar 2012

Viele haben den Film gesehen und wurden darin bestätigt, dass Liebe und Sex zwischen Männern sehr schön sein kann, dass sie aber in unserer Kultur keine Chance, respektive keinen Platz hat…

Doch in dem Film wird nicht nur die Sexualität überspielt, der Regisseur Ang Lee spielte auch mit den Urkonflikten aus der Bibel. Dies gesehen und beschrieben hat Kathrin Geyh, eine junge Filmemacherin. Studium der Kommunikationswissenschaften und Arbeit bei Amalia-Film.de

(hier der ganze Text auf   arcados.ch)

Siehe auch: Thommen, hallo “bisexueller” Boy! 

Zeitgeist und Homosexualität

23. Februar 2012

Die meisten “Normalen”, Homosexuellen und Schwulen glauben selbst, dass es nur wenige davon gäbe. Dabei hängt Homosexualität überhaupt nicht von der entsprechenden sexuellen Hauptorientierung ab. Es wird wohl mehr Homosex zwischen Männern gemacht, als nur unter Schwulen.

Die meisten vergessen auch, dass es soviele homosexuelle Männer für die ganze Pornoproduktion gar nicht gibt. Es sind zum grossen Teil heterosexuell orientierte, die das nebenbei und nicht nur fürs Geld machen…

Daher gehe ich davon aus, dass es weit mehr “Betroffene” gibt, als wir wahrhaben wollen. Aber das hatte schon Kinsey in den 40er Jahren des 20. Jh. festgestellt. Es können nur mehr geworden sein! ;)

Wir haben es erlebt, dass der Faschismus der 30er Jahre die Homosexualität vereinnahmt hatte, so sehr, dass es um Leben und Tod ging, sowohl in der Ideologie der Faschisten, als auch in der Lebensrealität der Betroffenen. Damals wusste man einfach zu wenig darüber.

Heute haben wir die Chance, die Homosexualität nicht nur verdeckt, oder im Geheimen zu leben, wie es die meisten Nicht-Orientierten bis heute tun müssen, sondern sie für ALLE Männer individuell zu integrieren. Verpassen wir diese Chance im neuen Jahrhundert, kann es nur wieder in einer Katastrophe enden!  Schon heute ist wieder sehr viel Körperlichkeit unter Männern in Form von Gewalt wiederzufinden…

Der Artikel unten als PDF, geschrieben für die Zeitschrift LUST  Winter 2011/12

Zeitgeist Homosexualität, 2011  PDF (1 MB)

“… einfach zuviel der Information über die Homosexualität!”

26. Dezember 2011

Ich stand gestern anlässlich des Tuntenballs vor dem Hirscheneck und beobachtete die ankommenden Tunten, die Kostüme und Frauen. Immer mehr Heteros und Heteropärchen nehmen daran teil. Bei gewissen Männern ist der Tuntenball schon zu einer Art „Initiationsritus“ geworden, und das ist auch gut so! :P

Es gab natürlich auch Gelegenheiten zur Diskussion. Und da ist mir eine Bemerkung aufgefallen, die nur selten ausgesprochen wird: „Hilfe, das ist mir jetzt zuviel der Informationen…“

Es ist mir wieder einmal bewusst geworden, wie sehr sich Heteros um das Thema Homosexualität herumdrücken und sich davon fernhalten! Sie glauben immer, es betrifft sie nie im Leben! Kommt dann ein Schwuler und befasst sich ernsthaft ihnen gegenüber damit, sind sie völlig überfordert…

Das Missliche daran ist, dass so viele homosexuell aktive Männer und offen Schwule darauf Rücksicht nehmen, ja sogar ihre Gesellschaftspolitik daran anpassen. Das Dumme daran ist nur, dass sie dadurch nichts, oder nur sehr wenig ändern in der Gesellschaft! Wir lassen uns zu oft zurückdrängen mit der Begründung: Ach, ich habe nichts gegen Schwule, aber es interessiert mich auch nicht!

Natürlich erwarten Heteros aber, dass wir Homosexuellen uns für ihre Fickpartnerinnen interessieren. Wir lesen darüber sogar im Sportteil der Zeitungen. Nur bei den Börsenkursen kann schwul noch sicher sein, nichts darüber lesen zu müssen! :P

Aber selbstverständlich haben Heteros und Heteras dann immer genug Zeit, wenn sie über einen Schwulen herziehen, oder ihn verdächtigen können! Und viele von ihnen haben dann “plötzlich” grosse Probleme, wenn es um ein coming out geht, oder jemand zwangs-ge outet wird… Sowas kann IHNEN ja nie im Leben passieren. Und in ihrer Familie gibts das eh nicht…    Peter Thommen_61

Gerontophilie…

22. Oktober 2011

Heterosexuelle Männer und Frauen erwarten im Allgemeinen, dass Schwule erwachsene Männer bis ins hohe Alter lieben sollen. Dabei wird ihnen  gerade dies verunmöglicht zu erlernen in Kindheit und Jugend – wegen der “Pädophilie”!

Aber nicht mal einen Kindergarten- oder Schulschatz können wir unbeschwert kennenlernen. Während es kein Problem ist, uns von Kindsbeinen an zuzumuten, uns mit erwachsenen Frauen rumzuplagen, die sich um sämtliche körperlichen Bedürfnisse kümmern wollen, bis ins hohe Alter!  Peter Thommen

Homofeindlichkeit & Rastafari-Ideologie

04. September 2011

Anlässlich des 30. Todestages von Bob Marley im Sommer dieses Jahres, schrieb David Signer (Ethnologe) einen Essay über Reggae und die in der Musik transportierten Lebensvorstellungen, die heute in Jamaica als eigene Kultur verteidigt werden. (NZZamSonntag, 14. August 2011, S. 67) Gleich am Anfang fragt der Autor sich: “Aber was hat es eigentlich mit der Rasta-Botschaft auf sich? Taugt das prophetisch-revolutionäre Pathos für eine Gesellschaftskritik?” “Als Vordenker der Rastafari-Religion gilt der jamaicanische Publizist Marcus Garvey, der 1927 die Vision eines schwarzen Gottes hatte, der zum König gekrönt würde. Drei Jahre später bestieg Haile Selassie I.  den äthiopischen Thron.” Äthiopien war das älteste eigenständige Land in Nordafrika mit einer ältesten urchristlichen Kirchenkultur. Ras Tafari Mekonnen lautete der bürgerliche Name dieses neuen Kaisers und er war die Hoffnung der Äthiopier und für Bob Marley und seine Musikgemeinde wurde er zum neuen schwarzer Messias, den sie nach einem Besuch in Jamaica (ehem. brit. Kolonie) wie einen Gott verehrten. Einige Rastas siedelten auch in dem afrikanischen Land, das zwar seit 1931 eine Verfassung hatte, aber absolutistisch regiert wurde. Ein paar hundert Verehrer, auch aus Schweden, Japan und den USA, lebten mehr schlecht als recht auf ein paar Hektaren Land, das ihnen zugeteilt worden war. Sie wurden von den Einheimischen aber abgelehnt.

gays haben mehr farben als rastas !

“Während in den siebziger Jahren Hunderttausende in dem Land hungerten, feierte der Kaiser den Geburtstag seines Hündchens Lulu.” “Das alles ficht die Rastas jedoch nicht an, in ihrer Vergötterung des “Königs der Könige”, genauso wenig wie der umgekehrte Rassismus, der wichtiger Bestandteil der Rasta-Ideologie ist.” Die Rasta-Ideologie gründet auf archaischen gesellschaftlichen Vorstellungen und auf den historischen Erfahrungen der Schwarzen mit dem Kolonialismus der Weissen. Da gibt es Slogans, die jeder Rechtsextreme für sein “Volk” auch unterschreiben würde (Afrika den Afrikanern – Europa den Europäern), merkt David Signer an. Und: “Man fragt sich, wie die weissen Rastas mit dieser Ideologie umgehen.” Während Bob Marley nachgewiesenermassen ständig sexuell untreu gewesen ist, halten sich die Rastas an biblischen Werten fest, wie so oft in anderen “Bewegungen” und Glaubensgemeinschaften” auch. “Jamaicanische Sänger sind besessen von “batty men” (Schwulen) und “chi-chi gals” (Lesben). Der bekannteste Anti-Homosexuellen Song “Chi-chi man” wurde während der Wahlen von 2001 von einer früheren Regierungspartei (JLP) als Hymne öffentlich verwendet.” Wenn ich bedenke, dass das Musikbusiness mit sehr vielen Schwulen durchsetzt ist, dann frage ich mich auch, wie die das so einfach hinnehmen und totschweigen können, wenn sie Konzerte organisieren, oder Musik vertreiben! Nun, wir sehen ja, die “weissen” Rastas tuns auch, und die schwulen Rechtsradikalen haben auch kein Problem. Hier die bekannten Namen schwulenfeindlicher Rasta-Sänger: Bjuju Banton (er fordert in “Boom By Boom” dazu auf, die “Schwuchteln” umzulegen) – “Zündet sie an!”, schlägt Bounty Killer vor. Der Sänger Beenie Man sieht für Lesben den Tod durch den Strick vor: “Hang chi-chi gal wid a long piece of rope.” In der Schweiz versuchte es Capleton immer wieder mit Auftritten, die aber wegen seiner homofeindlichen “Batty man Tunes” bekämpft wurden. Man mag die Musik mögen oder nicht, David Signer bemerkt am Schluss: “… aber von der ganzen Rasta-”Befreiungsbewegung” bleibt bei genauer Betrachtung unter dem Strich nicht viel mehr als Nonsens.” Der Kaiser Ras Tafari Mekonnen ist schon längst tot. Jamaica seit 1962 ein unabhängiger karibischer Inselstaat im Commonwealth of Nations und das Kiffen hat offensichtlich weder eine “rassische” noch eine politische “Befreiung” gebracht. Und zu guter Letzt der Grund, warum in der Bibel Homosexualität (Schwule im heutigen Sinne gab es damals noch gar nicht) verboten ist: Wegen des Analverkehrs, der die Gefickten kulturell zur Frau machen soll. Dabei wusste der biblische Gott offenbar nichts von der Prostata des Mannes, die beim Analverkehr stimuliert wird und die Erektion anregen kann. Vielleicht hatte er genauso Pech mit seiner Schöpfung, wie die Jamaicaner mit ihrem Messias! Peter Thommen, Schwulenaktivist (61) Basel

Jamaican Gays and Lesbians Stopmurdermusic Hängt die Schwulen! (Uganda) Berichte auf d.radio Wissen

Woran Bob Marley glaubte (Rastafari-Religion)  Ein Skript von Deutschlandradio Kultur vom  7.5.2011

Lesben sind übrigens auch betroffen, auch wenn sie weniger in den Medien genannt werden! Hier eine Literaturliste über Bücher von Claudia Schoppmann

die katholische kirche schlägt zurück

19. Juli 2011

Die aktuelle endgültige Beurteilung der Homosexualität lautet nach katholischem Verständnis “objektiv ungeordnet”. Diese zwei Wörter bezeichnen die verfahrene ideologische Situation dieser Kirche. Ihre Definition ist nicht objektiv, sondern subjektiv. Aber im Verständnis eines sogenannten “Pluralis majestatis”, mit dem diese Kirche davon aus geht, dass ihre Sicht auch die Sicht aller Anderen sei, versucht sie, sowohl die Definitionsmacht, als auch ihre Ordnungsmacht zu verteidigen. Denn die sexuelle Ordnung dieser Religion ist identisch mit der Fortpflanzung. Abgesehen von der Beurteilung der Tötung ungeborenen Lebens und der völlig “jenseitigen” Beurteilung von AIDS, gibt es noch ganz andere Irrtümer in dieser Glaubenslehre!

Ein typisches Beispiel im Sexualbereich stellt die Geschichte um Onan und seine angebliche Selbstbefriedigung dar. Die Tatsache, dass verschiedentlich behauptet wird, Onan sei auch wegen Kindestötung verurteilt worden, weist daraufhin, wie rudimentär die damalige Kultur um die Fortpflanzungs-zusammenhänge wusste und im Namen ihres “allwissenden” Gottes urteilte. Es war gar noch nicht bekannt, dass der Anteil der Frau mit ihrem Eierstock ein sehr wesentlicher ist. Mann dachte sich, die Spermien seien bereits die Kinder, die nur noch in das Nest im Körper einer Frau gelegt werden müssten…

Im Angedenken daran, dass diese Kirche sich Jahrhunderte lang eingebildet hat, die Erde sei das Zentrum der Welt und nicht die Sonne, sollten wir alle objektiv daran zweifeln, ob ihr Glaubensgebäude bis in die Ewigkeit Gültigkeit behalten wird. Ganz abgesehen davon, dass die Menschen Jahrtausende vor Abraham und Jesus sich schon fortgepflanzt haben und glücklich gewesen sind, ohne die “objektive Ordnung” dieser Kirche, die übrigens von Fischern am See Genezareth wesentlich initiiert worden ist.

Ich will hier nicht aufzählen, wie viele Menschen unter der katholischen Sexualmoral gelitten haben, oder wegen ihr gescheitert sind. Jedenfalls ist die wissenschaftliche und objektive Erkenntnis so erdrückend und international geworden, dass – nicht nur diese katholische Kirche – in den ideologischen Notstand gerutscht ist. Verzweifelt versuchen ihre Repräsentanten nun, zurückzuschlagen und sich selber als diskriminierte Opfer darzustellen, um von ihrer Verantwortung für die Gesellschaft abzulenken.

Meiner Ansicht nach bringt es nichts, mit der katholischen Kirche zu streiten. Vielmehr bin ich der Meinung – wie ich das einleitend schon dargelegt habe -, dass es darum geht, noch viel mehr Leuten die Aufklärung über die ideologischen Gründe nahezubringen. So kann jedeR selber beurteilen – ohne des Lateinischen mächtig sein zu müssen – was von der neusten Strategie der katholischen Kirche zu halten ist.

Diese Strategie ist die Folge der “Errungenschaft” der Homo-Ehe, die international von bürgerlichen Schwulen “erkämpft” werden will. Es ist die Folge des “Gleichseinwollens” mit den Heteros, die die meisten Kräfte in die heterosexuellen Lebensformen abzieht, wo diese dann in ähnlichem Masse verbürgerlicht und gesellschaftlich wirkungslos werden, wie – eben bei Heteros üblich: Blut und Boden-Denken, Clanwirtschaft, politisch konservativ und ausgrenzend alles, was nicht so ist wie man selber ist…

Ich mag jedem seine Schwulenehe gönnen. Aber ich lasse mich nicht in einen kollektiven Kampf gegen eine weltweite Ideologie und Institution einspannen, während die Kultur von Menschen, die homosexuell glücklich werden wollen, seit Jahren am Boden liegt. Während Männer ihr Leben und ihren Charakter, sowie ihre individuelle Persönlichkeit dekonstruieren oder gar zerstören – sogar mit Hilfe von AIDS.

Ganz zu schweigen von all den Hetero- und Bisexuellen, die feige ihren Mund halten und trotzdem ihr Sexualleben mit homosexuellen Handlungen “anreichern” wollen – “ein bisschen bi schadet nie”. Klar, wenn die gesellschaftliche und politische Verantwortung dafür keiner übernehmen will und muss. Das sollen dann die Schwulen erledigen, mit denen diese Männer “im normalen Leben ja eigentlich nichts zu tun” haben…

Was soll ich mich aufregen, wenn ich in den Augen der Religiösen ein armer Sünder bin? Ich werfe das denen auch nicht vor. Ich weise nur darauf hin, dass es nicht um “Gleichheit” geht, sondern um die allgemeine und säkulare Gleichwertigkeit – wie bei den Frauen auch schon immer! Der Rückzug von Ideologien in ihre eigenen Subkulturen hat begonnen. Sie fühlen immer mehr selber, wie es solchen ergeht, die schwul sind, eine andere Hautfarbe haben, oder eine andere Sprache…

Die schwulen Medien – ob gedruckt oder virtuell – führen uns den ideologischen Unsinn verschiedenster Prälaten und Bischöfe täglich genüsslich vor und profitieren wirtschaftlich in ihren Medien von dieser Hetze. Dabei bleiben unsere wichtigsten und lebenswichtigen Anliegen einfach liegen. Denn wenn es um unsere ureigensten psychischen und sozialen Interessen geht, will keiner damit das grosse Geld machen.

Eine klare Sicht über die aktuellen Macht- und Interessenverhältnisse zeigt sich dann, wenn bei all den Missbrauchsdiskussionen – die schon längst für ebendiese Verhältnisse missbraucht werden -, erwähnt wird, dass sich offenbar nur Wenige über die Selbstmordversuche und Selbstmorde junger und jüngster Schwuler – oder auch Bisexueller – aufregen. Denn diese Tragödien finden wegen des herrschenden und frauschenden Heterrors statt. Und Missbrauch jeglicher Art (nicht nur des sexuellen!) findet nur unter bestimmten Umständen statt, die familiär und gesellschaftlich verantwortet werden müssen! Auch wenn es ums Wegwerfen des eigenen Lebens geht.

Führe ich die beiden Themen aber zusammen, dann heisst es (zB aus der Zentrale der SPSchweiz) nur, man solle das eine nicht gegen das andere ausspielen. Damit ist politisch klar, wie die Verhältnisse sind: Die Opfer sind (hier auch ideologisch) definiert – und verantwortlich sind “die Anderen” als Täter auch. Basta! Wer seine gesellschaftliche Mitverantwortung an der misslichen Situation Jugendlicher – seien sie Opfer irgendwelcher Verhältnisse – aber nicht erkennen kann, hat meiner Ansicht nach politisch versagt. Da helfen keine verlängerten Verjährungsfristen, keine “schärferen Gesetze” und schon gar nicht das “Wegschliessen für immer”.

Peter Thommen_61, Schwulenaktivist, Basel.

siehe auch:  eswirdbesser?? (Ostern 2011)