enttäuscht von der Schwulenbewegung!

18. Juli 2014

Die Schwulenbewegung (1) war – in der Folge der Studentenbewegungen – angetreten, um die bürgerlichen Widersprüche in Strafgesetzbuch und Gesellschaft aufzudecken. Die traditionell „unsichtbare“ Vereinigung der „Homophilen“ hielt sich bisher streng an das Gesetz und die bürgerliche Moral! Aber schliesslich geschahen in jenen Jahren einige spektakuläre Morde an Schwulen, die das Thema in die Medien und in die Öffentlichkeit brachten. Dies wiederum erforderte „unsere Stellungnahme“!

Doch wofür oder wogegen haben sich bewegte Schwule engagiert? Das scheint heute in einem „Meer“ von „queeren“ Aktivisten bereits nicht mehr bekannt zu sein!

Ehemalige politisch Aktive sind entweder in Pension, oder in eine eingetragene Partnerschaft „gegangen“, oder träumen vor ihrem Ableben noch von einer „Eheöffnung“! Gar nicht zu übersehen sind die neuen Junghomos von links bis rechts, die nicht warten können, dieses hetero Klischee als Hintertür für eine – wie auch immer geartete – „gesellschaftliche Toleranz“ politisch missbrauchen zu können. (2)

Ich glaube nicht daran, dass sich die „Hetero-Ehe“ an die künftigen wirtschaftlichen Bedingungen anpassen lässt. Eine „Eingetragene Partnerschaft“ allerdings schon. Was den Schutz der Kinder betrifft, so ist die Familie genau der Platz, in dem sie in den meisten Fällen Schaden nehmen. Das vergessen vor allem viele Schwulen. Sie vergessen ihre eigene Biografie. Aber die mainstream Politik besteht darin, solche Familien auf Kosten des „Kindeswohls“ und trotz vieler Widersprüche, um jeden Preis aufrecht zu erhalten. Weil das vor allem eine Glaubensfrage ist. Ich fürchte, dass „Homosexuelle“ dies den Hetero/as nachmachen!

Ich hoffe auch sehr, dass vielen Männerliebenden klar geworden ist, dass es in einer „globalisierten“ wirtschaftlichen Entwicklung nicht mehr nur darum gehen kann, mit einem Mann von irgendwoher zusammenwohnen und damit dem „bösen Milieu für immer entfliehen“ zu können! Aber das scheint noch nicht in Frage gestellt zu werden…

Mich bekümmert, dass die historischen Fakten der letzten Jahrzehnte einfach verdrängt und nicht aufgearbeitet werden: Homosexuelle haben – wie Juden auch – vielfach in politischen (/heterosexuellen) Kämpfen mitgemacht, in der Hoffnung, letztlich für sich selber einen besseren Platz abzubekommen. Doch dies ist selten wirklich erfolgt.

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Ein italienisches Männermodemagazin hatte 1981 die “Vorausschau”!

Vor allem darum, weil die gesellschaftlichen Widersprüche, an denen alle leiden, stetig weiterwachsen – und immer schneller.

Die Gesetzesgeschichte

Vor dem Inkrafttreten des eigenössischen StrGB 1942, gab es die einzelnen kantonalen Gesetzbücher! (3) (Siehe eine Liste bei Hirschfeld, S. 848 f!) Witzig ist die Tatsache, dass es Parlamentarier gab, die allen Ernstes die Masturbation auch bestrafen wollten. Aber davon hat man dann doch abgesehen.

Das erste schweizerische Strafgesetzbuch (4) (Als „das von 1937“ bezeichnet) galt offiziell von 1942 bis 1992, also ganze 50 Jahre! Alle glaubten daran, auch das Bundesgericht, denn es schützte den politischen Widerspruch zur Verfassung: Heteros sind gleicher als Andere, sie hatten Selbstbestimmung ab 16 Jahre, die Homosexuellen erst ab 20 Jahre! Zudem war die gleichgeschlechtliche Prostitution bis ans Lebensende verboten. (5) Der Gesetzestext enthielt zudem eine Ungenauigkeit in der Formulierung: „wer eine gleichgeschlechtliche Person … verführt“. Hier die Diskussion darum, wie oft denn hintereinander diese Person „verführt“ werden konnte…

In den revidierten Artikeln (hier 187), die schliesslich 1992 in Kraft getreten sind, taten sich schnell neue Widersprüche auf. Bald wurden die „Verjährungsfristen“ verlängert – bis zur Unverjährbarkeit. Nach 50 Jahren Erfahrung hatten Justiz und die Fachleute kurze Verjährungsfristen empfohlen. Aber Aufklärung und Prävention waren an einem kleinen Ort geblieben. Wenn, dann wurde und wird aus verschiedensten Kreisen – vor allem aus der „Familie“ gegen Öffentlichkeitsarbeit an Schulen opponiert. Leider ist der „Tatort“ mit der grössten Gefahr eben diese Familie, die das aber nicht wahrhaben will! (6)

Die Geschichte des Schutzalters (7)

Die Bestimmung des „Schutzalters“ hat eine eigene kleine Geschichte. Verschiedene Kantone hatten früher ein tieferes als die 16 Jahre – oder gar keines. (Drum schnellten in den 40er Jahren die Strafverfahren erst in die Höhe!) (Hier finden sich noch Äusserungen aus der Vernehmlassung betreffend die Revision von 1992!)

Die Expertenkommission hatte 14 Jahre vorgeschlagen. Mindestens eine Kommission für Rechtsfragen des Parlamentes hatte sich auf 15 einigen können. Noch war auch die „Jugendliebe“ in der Diskussion, so dass der Vorschlag für die 3 Jahre Unterschied über das Schutzalter hinweg Gnade vor Parlament und in der Abstimmung gefunden hat. Immerhin meldete sich die HACH noch 1991 zum Thema Altersgrenze (Basler AZ, 20. Juni 1991) und eine „Initiative lesbisch schwule Jugend Schweiz“ äusserte sich begeistert.

Die Geschichte geht weiter!

Seit 1. Juli 2014 ist schon wieder eine Änderung in Kraft. KeineR fragte nach den aktuellen ökonomischen Bedingungen der Jugendlichen, MigrantINNen oder ZuwanderInnen/er. Keine Diskussion über den Leistungs- und Konsumdruck, unter dem sie stehen…

Bezahlsex“ ist jetzt von 16-18 auch verboten! Mit dem moralischen Kreuzzug gegen „sexuelle Ausbeutung“ werden sie nun „geschützt“ bis zum 18. Geburtstag.

(Derweil wurde – realistischerweise – in Bolivien das Gesetz im Parlament nach der Realität geändert und Kinder können nun ab 10 Jahre selbständig arbeiten, wie kürzlich berichtet wurde! Ganz gegen „internationale Vorschriften“!)

In der Schweiz wurde verschiedentlich der Vorschlag gemacht, das aktive Stimm- und Wahlrecht von 18 auf 16 Jahre zu senken (> googeln!). Sogar Bundesrat Didier Burkhalter findet das gut. (Hier die Diskussion im Kanton Luzern)

Interessant, dass im Sexualbereich diese Überlegungen dann nicht gelten! André Weissen, Arzt und CVP-Grossrat in Basel, wies am 26.01.2009 in der BaZ ausdrücklich darauf hin, dass 16jährige durchaus „urteilsfähig“ seien!

Die Tendenz, für Alkohol-Konsum und Fahrberechtigungen, das „Schutzalter“ zu senken, ist nicht zu übersehen. Die Kinder nehmen sich ja die Erwachsenen zum Vorbild!

Die Geschichte des Gesetzes zur Pornografie

Auch bei der rechtlichen Behandlung der Pornografie sind Änderungen vorgenommen worden: Zur „harten“ Pornografie zählen jetzt auch Darstellungen bis zum 18. Lebensjahr – neben Tieren und Gewalt. Weggefallen sind die „menschlichen Ausscheidungen“ (Dies hat das Schwulenbüro Pink Cross schon seit längerer Zeit gefordert und dies macht die Schweiz EU-kompatibel.) Die ParlamentarierInnen, die das damals „zur Wahrung der Würde der Frau“ gefordert und bekommen hatten, haben sich nicht mehr gemeldet.

In der Pornografie hat sich aber ein neuer Widerspruch aufgetan: 16jährige dürfen zwar mit Erwachsenen Sex haben, aber der Zugang zu diesen Darstellungen ist ihnen verboten.

Wenn Jugendliche von 16-18 nun untereinander Sex haben und dies festhalten, dann ist dies zwar für Erwachsene verboten, aber unter Gleichaltrigen erlaubt. Die galante Lösung:

8) Minderjährige von mehr als 16 Jahren bleiben straflos, wenn sie voneinander einvernehmlich Gegenstände oder Vorführungen im Sinne von Absatz 1 herstellen, diese besitzen oder konsumieren.“

Die Minderjährigen dürfen damit immerhin nicht handeln. Mich laust der Affe! Und die Strafverfolger halten sich die lästigen Jugendstrafverfahren vom Hals.

Das Recht um die Sexualität von Jugendlichen ab 16 Jahren wird Satz um Satz verlängert, um die auftretenden Widersprüche zu überkleistern. Und Schritt um Schritt gibt das Parlament nach und keineR ergreift natürlich mehr das Referendum!

Wir haben jetzt Selbstbestimmung ab 16 Jahren, aber mit Einschränkungen: Was zu tun erlaubt ist, darf nicht dargestellt werden bis 18. Und weil die Jugendlichen trotzdem appsen und filmen, dürfen sie dies zwischen 16 und 18 unter „gleichaltrigen“ besitzen und herumreichen…

Wir haben eine harte, eine „Jugend-“ und eine weiche Pornografie. Ich bin gespannt, welches der nächste Widerspruch sein wird, der geöffnet wird!

Die Schwulenbewegung war angetreten, genau diese Widersprüche zu benennen und sie zu bekämpfen und das erwarte ich auch noch heute von politischen, oder politisierten Schwulen! Aber das Schwulenbüro Schweiz hat sich längst davon abgekoppelt und favorisiert andere „Rechte“ wie öffnung der Ehe für Homosexuelle und es ist zunehmend damit beschäftigt, die Rechte weiterer sexueller Minderheiten einzufordern – und das auch mit zu finanzieren!

Ich frage mich schon lange, wieso die Homosexuellen auch noch für andere sexuelle Minderheiten verantwortlich sein sollen. Dafür sind die Heterosexuellen zuständig, die sie ja auch produzieren. Aber mit denen wollen diese nichts zu tun haben. Schon bei den Homosexuellen wären die Heten zuständig gewesen, aber sie haben sich erfolgreich davor gedrückt.

Peter Thommen_64, Schwulenaktivist, Basel

siehe auch swissgay.info Nr. 2/2014

1 Kein Mann, der Homosexualität praktiziert, muss bei einer „Bewegung“ sein. Die homosexuelle Praktik ist eh’ viel mehr verbreitet unter Männern, die sich nicht als „Homosexuelle“ betrachten. Und so wie in den USA sich erst etwas geändert hatte, als Aktivisten nicht mehr im Anzug, mit hochgehaltenen Tafeln, vor dem Regierungsgebäude im Kreis herum geschritten, sondern in der Christopher Street gegen eine Razzia hervorgetreten sind, genauso hat sich in der Schweiz das (politische) Strafrecht erst richtig geändert, nachdem Schwule auf die Strasse gegangen sind! Danach mussten ParlamentarierInnen und darauf die Abstimmenden Farbe bekennen!

2 siehe auch einen kritischen Einwurf von lesbischer Seite!

3 Vor dem Inkrafttreten des StrG von 1942-1992 kannten die französisch sprechenden Kantone, der Tessin und Basel-Stadt diese Schutzalter gar nicht

4 (Chronologie)

5 „Dem sogenannten ‘Strichungen’ muss allerdings die Gewerbsmässigkeit nachgewiesen werden, d.h. Also dass er keinem täglichen Beruf nach geht und seinen Lebensunterhalt aus dem Erlös seiner nächtlichen Abenteuer bestreitet.“ (Der Kreis 9’1964, S. 11 und 12)

Aus diesem Grunde fragte die Polizei bei Kontrollen jeweils nach dem Arbeitgeber! Da haben wir ab den 70er Jahren einfach die Angabe verweigert!

Und weil es schwierig ist, so etwas nachzuweisen, hat man die „Jugendprostitution“ heute einfach grad ganz verboten!

6Jeden Tag werden in Deutschland mehr als 500 Kinder von Erwachsenen aus ihrem familiären Umfeld misshandelt. Fast jeden Tag wird ein Kind durch körperliche Gewalt getötet. Und erschreckend hoch ist die Zahl der Opfer, die später selbst zu Tätern werden.“ Wobei die Rolle der TäterINNEN meistens heruntergespielt wird!

7 Meines wissens hat nur Frau Bundesrätin Kopp als Beamte jemals in der Öffentichkeit von der „sexuellen Selbstbestimmung“ Jugendlicher gesprochen! (TV SRF)

siehe auch Kapitalismus pink, taz

siehe auch Jens Dobler: Wie öffentliche Moral gemacht wird, am Beispiel des deutschen Schwulenparagrafen

Diese Seite als PDF

Beat Kraushaar zu diesem Thema

Und Steven Milvertons Kommentar auf ihn

Siehe auch Porträt in der tageswoche.ch

Nationalrat HIRNLAPPEN

12. Juni 2014

Wir sollten nicht immer wieder Toni Bortoluzzi wie einen Eber durch die Medien jagen. Was er in der Schule und im Leben nicht gelernt hat, das wird er nie mehr aufholen können! Bei “Bildungsdirektor” Oskar Freysinger ist das genauso! Peter Thommen

Toni Bortoluzzi und Aids, 2007

P.S. Wer sich über “exotische Schwule” aufregt, sollte sich mal überlegen, wie idiotisch heterosexuelle Männer daherkommen können: An der Fasnacht, als Burschenschaften, Krieger, Tonsur der Mönche… Zurzeit kleiden sich die Fans ziemlich skurril für die Weltmeisterschaften in Brasilien…

Darüber gibt’s das Buch “Kerlekulte”

Glaube und Wissen

09. Juni 2014

Pfingsten ist einer der wichtigsten Gedenktage der christlichen Religionen. Ein Tag für Glaubensbewusste. Nicht für Historiker oder Politiker.

Niemand muss glauben – aber wir sollten einiges wissen. Wir sollten vor allem zur Kenntnis nehmen, dass das Christentum niemals für 2000 Jahre vorgesehen war! Der Weltuntergang wurde bei den ersten Gläubigen als unmittelbar bevorstehend erwartet. Interessante sozio-historische Fakten habe ich bei Raphael Lenné in seinem Buch „Das Urphänomen Angst“ (1975) gefunden. Besonders das Kapitel „Frühchristentum als Angstkatalysator“ (S. 67-82) hat mich beeindruckt:

Ich kann nur am Rande bemerken, dass die Persönlichkeit nicht als Ideal betrachtet wurde. Ferner ist eine persönliche Tat meist rein negativer Art in Form eines Verzichtes; die kultischen Gebote sind ebenso zahlreich wie kleinlich. So lebt der Mensch unter der permanenten Angst vor potenziellen Übertretungen des Gesetze. Um der primitiven Angst vor einem gewaltigen, bisweilen launischen Gott zu entgehen, nimmt der Mensch komplexere, subtilere Ängste auf sich. Wir haben also eine Welt der Angst und der Busse vor uns, die auch noch mit göttlicher Ungerechtigkeit und damit verbunden mit der Aufforderung zur menschlichen Resignation überbeladen ist. (S. 70)

Dieser Anspruch Gottes auf die totale menschliche Unterwerfung und die Möglichkeit des Terrorisierens kennzeichnen ausreichend die psychische Situation des alttestamentlichen Juden. (S.71)

Den Juden winkt übrigens kein Paradies im Jenseits wie bei Christen und Moslems. Aber es gibt trotzdem einige Vorstellungen von etwas ähnlichem, die überliefert worden sind. Juden waren darauf ausgerichtet, im Diesseits von ihren guten Taten zu profitieren, oder für schlechte bestraft zu werden.

Das Urchristentum ist immer mehr weggekommen vom Weltuntergang und hat die Hoffnung auf das Reich Gottes nach und nach mit anderen Ängsten unterlegt. Paulus – der Konvertit vom Saulus – hat das ausgezeichnet theologisch begründet. Die Mormonen (Heilige der letzten Tage) und Zeugen Jehovas sind noch die letzten, die nach Weltuntergangs-Terminen in den Schriften suchen…

Ähnliches bewegt die afrikanischen Flüchtlinge, die übers Mittelmeer paddeln. Sie wissen praktisch nichts von Europa und den Verhältnissen hier, aber sie wollen weg, weil sie an irgendein Glück glauben, das sie hier finden würden. Vieles wurde ihnen erzählt, vieles haben sie von ferne gesehen…

Neuestens gibt es Leute, die an die Gitter der früheren Andachtsstätte auf der Mittleren Brücke in Basel ein Malschloss einklicken – sogar noch mit ihrem und ihres Freundes Namen darauf eingraviert. Der Schlüssel landet im Flussbett. Nun wird der Glaube ihre Beziehung steuern. Er darf nicht unterschätzt werden!

Peter Thommen_64, Schwulenaktivist, Basel

Penta – 50 – Pfingsten, 2012

Der „Pädophilismus“ der Gesellschaft *

21. Mai 2014

Unsere heterrorsexuelle Gesellschaft hat ein grundsätzliches Prolem mit Kindern und Jugendlichen und deren Sexualerziehung. (Darüber gibt es Literatur!)

Der heutige hysterische Umgang mit der Sexualität von Kindern und Jugendlichen (Pädosexualität) ** hat eine bemerkenswerte Parallele zur Zeit vor hundert Jahren, als Sigmund Freud erkannte, dass diese auch ein Sexualleben haben. In der gleichen Zeit war klar geworden, dass Frauen in grossem Masse unwissend waren und Objekte sexueller Übergriffe geworden sind. Heutzutage ist klar geworden, dass Kinder – vor allem Mädchen, aber auch Knaben – sexuellen Übergriffen ausgesetzt sind und dass Frauen wiederum unwissend tun, oder Mitwisserinnen in der Familie sind! Da sie keinen Penis haben, werden sie ideologisch als Täterinnen einfach ausgeschlossen oder totgeschwiegen – ihre mehr oder mindere Mitbeteiligung ist aber erheblich.

Um auf die komplexen „familiären und ausserfamiliären Verhältnisse“ aufmerksam zu werden, müssen wir sowohl vom feministischen Vorwurf der „Tätersicht“, als auch von der sexistischen „Opfersicht“ los kommen! Beide Sichtweisen versuchen, die wahren Verhältnisse in der Familie und der weiteren Institutionen in der Gesellschaft zu verschleiern, um sie nicht verändern zu müssen! Verändern sollen sich immer nur „die Männer“.

Es gibt heute einen tief sitzenden Pädophilen-Komplex gegenüber den Kindern, der sich bis ins Erwachsenen-Alter hinein zieht.

Zum einen über die Sprache und darin den Bezeichnungen. Meist mit einem beseitzanzeigenden Fürwort: „Mein Kind.“ Auch wenn gar kein familiärer Bezug besteht. Als Schwuler fällt mir auf, wie Erwachsene gegenseitig auch von „Baby“ sprechen, wenn es um Sexualität geht. Dabei geht es nicht darum, sich fortzupflanzen, sondern sich einen Baby-Status zu geben. Wir kennen vielleicht noch die Bezeichnungen: „Lehrtocher, Serviertochter, Saaltochter“. Daraus wird klar, welchen Status diese Frauen in der gesellschaftlichen Hierarchie eingenommen haben und noch immer einnehmen. Auch Schwule, Bisexuelle und Lesben übernehmen das oft unhinterfragt. Ich empfinde es als unqualifiziert, wenn Erwachsene sich gegenseitig mit Verkleinerungsformen von Namen ansprechen, oder mit „Schätzli, Schnuggi“. Vermutlich macht diejenige Person sich quasi „zur Schnecke“, indem sie die andere so anspricht und sich in ihr spiegelt.

Zum anderen über die archaisch-tiefenpsychologische Ebene. Wir haben „vergessen“, dass Kinder in dunklen Vorzeiten als Abwehrzauber für Erwachsene gedient haben, in dem sie mannigfaltig geopfert wurden. (1) Das bis heute bekannteste „Kinderopfer“ ist Abrahams Sohn Isaak. Dieser Mythos markiert den Wendepunkt und Abschied vom Menschenopfer in dieser Kulturepoche.

Selbstverständlich mussten diese Kinder, oder auch die „Jungfrauen“ sexuell unberührt, also „unschuldig“ sein, um wirksam werden zu können!

Der Pädophilismus zeigt sich heute noch am Verhältnis zu den Frauen, die in vielfältiger Weise „kindlich“ sein sollten, und kindliche Rollen spielen gegenüber Männern. Daher mussten Frauen auch im Strafrecht geschützt werden. Doch je mehr Frauen in „männliche“ Tätigkeiten eintreten, so werden auch sie zu Täterinnen. Es ist zu vermuten, dass Quotenfrauen an der Tatsache scheitern, dass Frauen dies merken oder ahnen und entsprechend zurückhaltend sind.

Im heterosexuellen Familienkomplex ist aber auch ein Schamgefühl wirksam, das bei einigen Eltern wirkt, die verdrängen möchten, wie „sexuell“ sie waren, als sie ein Kind zeugten. Dr. Jeanne Stephani-Cherbuliez formuliert eine beispielhafte Antwort von Eltern in Bezug auf die Informationspflicht gegenüber ihren Kindern schon 1947 wie folgt (Scham und falsche Scham): „Ich weiss nicht warum, aber ich kann es einfach nicht“ (2)

Kindheit und Jugend sind historisch-kulturelle Konstrukte und relativ „neueren Datums“. In früheren Zeiten wurden Kinder und Jugendliche wie „kleine Erwachsene“ behandelt. Angesichts der Übergriffe heute, hat sich also nicht viel geändert! Auch daran, dass mit Kindern und Jugendlichen über sexuelle Dinge leider immer weniger unverkrampft kommuniziert werden kann. Aber eigentlich sollten emanzipationsbemühte Frauen wissen, dass dies sehr wichtig wäre. Und als emanzpierter Schwuler weiss ich, dass durch Kommunikation auch eine unbewusste Distanz zum Problem erreicht wird, woraus folgt, dass die Vernunft die Szene steuern kann.

Leider sind militante Kinderschützerinnen und Kinderschützer aber nicht in der Lage, die Erfahrungen der Frauen- und Schwulenbewegung aufzunehmen und für den Kinderschutz auszuwerten. Sie widersetzen sich jeglicher Prävention. Das erscheint mir als Schwuler paradox: Hinten werden „unschuldige“ Opfer produziert, mit denen vorne die „bösen Täter“(und Täterinnen) dann „für immer weggesperrt“ werden sollen. Dies aufzulösen wäre die Aufgabe der Politik und der Wissenschaften. Es stellt sich die gleiche Frage wie bei der Homophobie: Wem nützt das alles?

Peter Thommen_64, Schwulenaktivist, Basel

 

* Pädophilie und pädophil sind zuerst im heterosexuellen (und) familiären Kontext zu sehen, denn darin sollen ja Kinder geliebt und aufgezogen werden. Das ergibt heute den Hauptwiderspruch, dass erwachsene Männer und Frauen von ausserhalb der Familie auch so bezeichnet werden – aber nur wenn es um sexuelle Kontakte mit Kindern geht. Aber die Familie ist heilig und unkritisierbar!

Ich bin vom freudianischen „Ödipuskomplex“ abgekommen und bezeichne die sexuelle Familiensituation als „heterosexuellen Familienkomplex“ (Text in Arbeit). Die Kinder werden von den Eltern sexualisiert. Dann stimmt das auch wieder mit den Übergriffen. Eltern lernen nirgendwo, zu ihren Kindern eine fühlbare Distanz aufzubauen. Das müssen nur diejenigen lernen, die „mit Kindern arbeiten“. (Jetzt in der Verfassung!)

Das sexuelle Verhältnis von Erwachsenen zu Kindern wird allgemein den Vätern/Männern zugeschoben. Die Gründe bleiben dahingestellt. Daher nenne ich die aktuellen Diskussionen „Pädophilismus“, in Anlehnung an den Feminismus und Maskulinismus…

Aufgrund meiner klinischen Erfahrungen und der Gesamtschau der internationalen Untersuchungen, die mir bekannt sind, gehe ich von einem Täterinnen-Anteil von 20-35 % aus.“ (3sat/Arzt) „Das Ausmass der Gewalt von Männern und Frauen ist das gleiche.“ / „Drei bis fünf Prozent der Opfer werden von Professionellen überhaupt erkannt.“  (Frau auf der Beratungsstelle)

Mehr als 200’000 Kinder werden pro Jahr Opfer von Gewalt durch Erwachsene. (Tsokas/Guddat: Deutschland misshandelt seine Kinder, Droemer 2014, 255 S.

** Ich kann mich erinnern, dass Ernest Bornemann vor einem Vortrag in Zürich gesagt hat, er referiere nicht über Pädophilie, aber über Kindersexualität. Das war auch sein spezielles Forschungsgebiet, weswegen er später auch als „Pädophiler“ denunziert worden ist. In Anbetracht der Tatsache, dass er quasi ein Schüler von Freud und dessen Theorien war, eine komplette Fehleinschätzung.

1) siehe Nigel Davies: Opfertod und Menschenopfer. Glaube, Liebe und Verzweiflung in der Geschichte der Menschheit. Econ 1981 (später auch als Taschenbuch) Beide nur antiquarisch.

2) Dr. Jeanne Stephani-Cherbuliez. Dem Geschlecht sein Recht. Gedanken einer Mutter und Ärztin über sexuelle Aufklärung und Erziehung, Müller Rüschlikon, 1947 (vergriffen)

Thommen über die öffentliche Pädophiliediskussion (2011)

Thommen über die “Perversion eines Begriffs”, Senf 11/1995

 

Frauen als Täterinnen

David Signer: Der zärtliche Missbrauch. Rund ein Fünftel aller sexuellen Übergriffe auf Mädchen und Buben werden von Frauen begangen, nicht selten unter dem Deckmantel der Fürsorglichkeit. NZZaS 21.8.2011, S. 77

20min. 37-jährige Frau missbraucht 14-jährigen Schüler,   Hier das Urteil der ersten Instanz 2014

Alexander Markus Homes: Von der Mutter missbraucht. Frauen und die sexuelle Lust am Kind, 460 S. Pabst 2005

Homes, Alexander: Ein Heimkind packt aus, Patmos 1996 (Nonnen, Priester)

Homes, Alexander: Prügel vom lieben Gott, päd.extra buchverlag, 1981/82 (Nonnen)

Frauen als Täterinnen. Sexueller Missbrauch an Mädchen und Jungen (Michelle Elliott, Hg.), 337 S. Donna Vita 1995

 

allgemeiner

Claudia Heyne: Täterinnen. Offene und versteckte Aggression von Frauen, 360 S. Heyne TB 77212, 1996/Kreuz 1993

Wendy Lower: Hitlers Helferinnen, 336 S. Hanser 2014, ca. CHF 34.-

 

Asyl für Schwule und Lesben

26. April 2014
AsylfO

Hirscheneck Basel. 26.4.14

(Die Verwaltung in Basel betrachtet diesen “Aufhänger” als widerrechtliche Werbung an der Fassade!)

NGO fordern mehr Schutz für homosexuelle Asylbewerber

Liberty for O. – die Fakten

Bericht von der Aktion am 1. Mai in Basel

Offener Brief der Schwulenorganisationen an BR Sommaruga!

homosexuelle Migranten SRF

Am 1. Mai. 1975 – vor 39 Jahren (!) – zogen Aktivisten der habs
erstmals bei der Demo am 1. Mai mit, um sich für die Anliegen
Nicht-Heterosexueller einzusetzen.

Heute werden weltweit – meist unter religiösen Vorzeichen – Lesben,
Trans-Menschen, Schwule und Bisexuelle verfolgt. In Nigeria gibt es seit
2013 14 Jahre Haft, wenn sich Nicht-Heterosexuelle ihre Zuneigung
öffentlich zeigen. Doch auch persönlich gehetzt zu werden oder von
exorzistischen Praktiken bedroht zu sein, ist für Schweizer Behörden
noch immer kein Asylgrund!

Die habs unterstützt den Protest gegen die drohende Ausschaffung von O.

O. stammt aus dem christlich geprägten Süden Nigerias. Nach seinem
Coming-Out musste er mit seinem Freund seine dörfliche Gemeinschaft, in
der er ein allseits anerkannter Heilpraktiker war, verlassen. Als beide
in der Hauptstadt Lagos nach 4 Jahren wiederentdeckt wurden, ging die
von O.’s Vater – einem lokalen Pfarrer – angeführte Hatz gegen beide
weiter. Über Spanien gelangten sie vor gut drei Jahren in die Schweiz.
Dort war O. beim Bleiberechtkollektiv aktiv.

Die Asylanträge von O. und dessen Freund wurden umgehend abgelehnt. O.’s
Freund wurde ausgeschafft und zurück in Nigeria u.a. nackt auf einem
Anhänger durchs Dorf gefahren und gezwungen zuzugeben, von
Homosexualität “geheilt” zu sein.

O.’s Rekurs wurde vom Bundesamt für Migration (BFM) abgelehnt.
Begründung: er könne in Lagos seine Homosexualität verstecken.

Das erschüttert!

Nicht nur, dass der Europäische Gerichtshof im November 2013 urteilte,
dass von Homosexuellen nicht erwartet werden könne, ihre Homosexualität
im Heimatsland geheim zu halten (EuGH, Urteil in den Rechtssachen
C-199/12, C-200/12, C201/12) [1].

Auch waren Bundesrätin Sommarugas warme Worte, die sie 2012 (unmittelbar
vor ihrem Auftritt zum Thema Menschenrechte an der ZürichPride) an die
habs gerichtet hat, wohl nicht mehr als heisse Luft: “Wie auf
internationaler Ebene ist auch in der Schweiz das Bewusstsein für die
Gemeinschaft der LGBTI in den letzten Jahren gestiegen. Die Asylpraxis
hat sich in die gleiche Richtung entwickelt. Das BFM ist bei der
Gesuchsprüfung von LGBTI in letzter Zeit dazu übergegangen, deren Recht
auf Selbstbestimmung stärker zu gewichten und die frühere Praxis
insoweit anzupassen, als es von einer Person in aller Regel nicht mehr
verlangt, sich im Heimatstaat in einer bestimmten Weise zu verhalten, um
sich einer Verfolgung zu entziehen. Die Behörden legen Wert darauf, bei
der Behandlung der Asylgesuche dieser Personen den menschenrechtlichen
Aspekten Rechnung zu tragen.” (zum ganzen Brief: [2])

[1]http://curia.europa.eu/jcms/upload/docs/application/pdf/2013-11/cp130145de.pdf

[2]http://habs.ch/?news/bundesratin-sommaruga-schreibt-der-habs

Der komplette Brief von Bundesrätin Sommaruga an die habs als pdf:

Petition unterstützen

Stalinismus und Putinismus, 1934/2014

11. März 2014

Die russische Oktober-Revolution hatte die alten antihomosexuellen Gesetze und die klassische Ehe aufgehoben.

„Die neuen Herrscher im Land nahmen zunächst keine eindeutige Haltung in der Frage der homosexuellen Emanzipation ein. In Russland, Weissrussland und in der Ukraine wurde das zarische Sodomie-Verbot einfach aufgehoben.“ (1)

Die sowjetischen Behörden umwarben die Reformbewegung des Berliner Sexualforschers Magnus Hirschfeld, der sich für die Rechte Homosexueller einsetzte. … Andererseits inszenierten die Bolschewiki Schauprozesse gegen den Klerus, in denen Fälle von „Päderastie“ aufgedeckt und angeprangert wurden.“

Heute dürfen Schwule zwar weitgehend „heiraten“ aber Jugendliche werden auch bei uns wieder strenger geschützt vor Homosexualität, selbst noch vor sich selber.

Entsprechend der anfänglich mit dogmatischer Schärfe betonten freien Moralauffassung des Kommunismus auf dem Gebiet der geschlechtlichen Sittlichkeit (freie Liebe, Kündbarkeit der Ehe, unbegrenzte Zulassung der Schwangerschaftsunterbrechung, Kindererziehung durch den Staat) war die gleichgeschlechtliche Unzucht ohne Qualifikationsmerkmale * in der Sowjet-Union anfangs straflos. Erst im Jahr 1934 wurde die Strafbarkeit der einfachen Homosexualität ohne vorausgegangene Diskussion und ohne Begründung eingeführt.“ (2)

Diese Änderung kann durchaus als Folge des Aufstiegs von Josef Stalin angesehen werden. Stalin war ein Georgier und kam somit aus einer alt-christlichen Kultur. Davon war er um die Jahrhundertwende geprägt!

Aus jener Zeit ist ein Text von Klaus Mann erhalten, der sich als politisch bewusster Schwuler damit auseinandersetzte:

In der Sowjet-Union gibt es neuerdings ein Gesetz, das die Homosexualität unter schwere Strafe stellt. Es klingt überraschend, und man fragt sich, mit welcher Logik und mit welcher Moral eine sozialistische Regierung die Entrechtung und Diffamierung einer bestimmten Menschengruppe rechtfertigt, deren „Verschulden“ in ihrer naturgegebenen Veranlagung besteht: aber es ist so. Übelstände und Skandale in den östlichen Gebieten der Union sollen den Anlass gegeben haben zu der Einführung des beschämenden Paragraphen – gegen den in mitteleuropäischen und westlichen Ländern die Linke seit Jahrzehnten erbittert kämpft.“ (3)

… meine ich nicht nur und nicht vor allem die in der Sowjet-Union immer deutlicher werdende Neigung, in den erotischen Fragen wieder strenger und konservativer zu denken und zu urteilen … „

Ich meine vielmehr jenes Misstrauen und jene Abneigung gegen alles Homoerotische, die in den meisten antifaschistischen und fast allen sozialistischen Kreisen einen starken Grad erreicht haben. Man ist nicht mehr weit davon, die Homosexualität und den Faschismus miteinander zu identifizieren. Hierzu darf nicht länger geschwiegen werden. Wir bekämpfen Rassenvorurteile. Und inzwischen wollen wir das unvernünftigste Vorurteil gegen eine bestimmte geschlechtliche Veranlagung überhand nehmen lassen?“

Dazu kann direkt in die Gegenwart verwiesen werden! Heute werden die Verlängerung des Prostitutionsverbotes und der „Kinderpornografie“ bis zum 18. Lebensjahr bis weit in linke Kreise hinein kritiklos hingenommen! Aus lauter „Besorgtheit“ über neue Medien und Migranten glauben die Leute, sie könnten die Sexualentwicklung von Jugendlichen „aufhalten“! Dabei hätten wir Jahre Zeit gehabt, sie zu informieren und zu begleiten. Und die Ausbeutung mit dem Sex wird bekämpft, damit die Ausbeutung WEGEN dem Sex nicht abgeschafft werden muss! Checksch es?

Woher kommt es denn, dass wir in antifaschistischen Zeitungen die Wortzusammenstellung „Mörder und Päderasten“ beinahe ebenso häufig lesen, wie in den Naziblättern die von den „Volksverrätern und Juden“? Das Wort „Päderast“ als ein Schimpfwort, nur weil es in nationalsozialistischen Verbänden viele geben soll, die junge Männer lieben, statt Frauen!“ (3)

Auch dies kommt mir heute sehr bekannt vor! Während die meisten Kinder von ihren Eltern oder in ihrer Familie misshandelt werden, geilen sich die Medien an „Pädophilen“ auf, die an jeder Ecke lauern sollen…

” … wenn Blätter, die sich mit Vorliebe ‘liberal und aufgeklärt’ nannten, plötzlich anfingen ‘Knabenschänder’ zu schreien, wie eine hysterische Pastorengattin.“ (3)

Und die Schwulen, sowie alle anderen LGBT..s  regen sich über den „Putinismus“ auf, der doch nur mit der russisch-orthodoxen Kirche den Aufputz erledigt, den er früher mit dem KGB durchgeführt hatte. Vom Stalinismus bis heute sind nicht mal hundert Jahre vergangen. Die Politik mit dem Sex, den Homosexuellen und den Kindern bewährt sich von neuem! Die heutigen Linken haben nix gelernt, sorry!

Peter Thommen_64, Schwulenaktivist, Basel

 

* Qualifikationsmerkmale sind zum Beispiel Kontakte unter Zwang, Gewalt, oder als Prostitutionserwerb, oder Überschreitung von Schutzaltersgrenzen

(1) Healey, Dan: Beredtes Schweigen, in: Osteuropa Spektralanalyse, Homosexualität und ihre Feinde, S. 1

(2) Jescheck, Hans-Heinrich, in: Die Behandlung der Homosexualität im ausländischen Strafrecht, in: Homosexualität oder Politik mit dem § 175, roro 943, 1967, S. 96

(3) Mann, Klaus in: Homosexualität und Faschismus, erschienen in: DIE NEUE WELTBÜHNE, Prag 1934

Ulrike Lunacek: Homosexualität in Russland

Die Linke und der Sex, klassische Texte, Promedia 2011

Nachtrag: “Denn in der Ukraine, so Putin, hätten Neonazisten, Antisemiten und Russophobe die Oberhand gewonnen. ” (Bericht dlr.de)

Das Ende der Toleranz der Schwulen!

21. Februar 2014

Oder: Wer nicht begeistert von der Heterosexualität ist oder spricht, ist gleich ein Heterophober!?

In den letzten zehn Jahren haben sich die öffentlichen „Erscheinungen“ von Homosexuellen und die Berichte über Schwule ziemlich verändert! Nicht nur im Internet. In dieser Zeit sind auch die Bisexuellen vermehrt, und andere „Fetischisten“ laufend, dazugestossen. Eigentlich alles, was bei den Heterosexuallen so „abfällt“, hat sich irgendeiner „Schwulencommunity“ beigeordnet, daher hat sich auch das Wort „queer“ immer mehr eingebürgert. Wir Schwulen sind – mit den Lesben und ihrem Anhang und den „heterosexuellen Abfällen“ – zu einer in der Gesellschaft unübersehbaren Gruppe angewachsen. Das beunruhigt die Mehrheit. Und auch viele Schwule!

Viele Diskussionen werden von Frauen (z. B. Barbara Höfler, NZZaS) angestossen – aber auch wertkonservative Männer melden sich vermehrt zu Wort: 2009 tat dies Philipp Gut in der Weltwoche und in der zeit.de – ihm antwortete Marko Martin. Letztes Jahr Ralf Schuler. Nun Matthias Matussek als aktuelles Beispiel. (1)

Zufällig bin ich in meiner Bibliothek auf einen Essay von Prof. Dr. G. Th. Kempe * gestossen, der aus der Sicht der 1950er Jahre eine Einschätzung der Situation von homophilen Männern gibt und über deren Verhältnis zu den Heterophilen schreibt.

Vergleichen wir es mit dem Dasein verschiedener Völker, dann ist diese Tatsache ebenfalls bekannt, aber mit diesem Wissen hängt die Anerkennung eng zusammen. Jedem Menschen ist das Dasein dieser Gruppe praktisch bekannt, aber anerkannt wird sie im allgemeinen nicht.“

Meines Erachtens besteht kein Zweifel, dass der durchschnittliche Heterophile unserer Zeit zu einer solchen Anerkennung einfach nicht fähig ist, wahrscheinlich nicht fähig sein kann, und das führt oft zu schrecklichen Folgen.“ (2)

Kempe sieht schon 1954, was wir heute aktuell erleben können! Niemand/Niefrau würde heute die Existenzberechtigung von Franzosen oder Engländern in Frage stellen. Anfangs letzten Jahrhunderts aber hatte diese Anerkennungsverweigerung „schreckliche Folgen“, nämlich die Kriege von 1914/18 und 1939/45.

Interessant auch, wie Matussek direkt Bezug auf den Holocaust nimmt: Mittlerweile hat Homophobie dem Antisemitismus als schlimmste ideologische Sünde den Rang streitig gemacht.“ Was seiner intendierten „Selbstaufopferung“ die Kappe aufsetzt! **

Heute können schreckliche Folgen, die speziell unsere Existenz betreffen, in den osteuropäischen, den arabischen und afrikanischen Völkern gesehen werden. Ursache ist aber nicht mehr der Glaube an den Patriotismus, sondern derjenige an eine Religion und den Heterosexualismus. Eine interessante Parallele wird dabei sichtbar. Die Juden waren sozusagen auch Kinder der Nichtjuden – und Homosexuelle sind ja eigentlich die Kinder der Heterosexuellen. Aber zu diesem differenzierten „Bewusstsein“ sind wohl Heterosexuelle wirklich nicht fähig.

Gerade las ich Joachim Bartholomae’s Essay über literarische Aussenseiter (3) und ihr Verhältnis zur Gesellschaft. „Baldwin wusste als Schwarzer wie als Schwuler genau wie Berührungsangst funktioniert – dieses letzte Tabu, das auch heute noch bei heterosexuellen Menschen die Befürchtung auslöst, sich durch Annäherung in Gefahr zu bringen.“ (S. 58)

Er zitiert auch Peter Rehberg: „Heten fragen vorm Sex: wollen wir was trinken? Homos hinterher. Erst Sex, dann saufen. So machen das die Homos. Korrekte Reihenfolge bitteschön beibehalten! Wenn Heten fragen: wollen wir was trinken? Wollen sie nichts als Sex. Heten sind Heuchler, nicht: wollen wir ficken, wollen wir was trinken? Fragen sie. Wenn Homos fragen: Wollen wir was trinken, dann ist der Sex schon rum (da muss man ja nicht fragen). (S. 71)

Diese Diskussionen liessen sich fortsetzen! Doch die „Schwulenbewegung“ ist in Pension gegangen. An ihre Stelle sind die Queers getreten und diese haben schon genug mit all den L G B T I Q Q A P  zu tun. Daher wird sie jetzt von den Heten gehörig aufgeweckt und aufgeschreckt! Das ist auch gut so!

Ich finde, über Homosexualität darf man streiten. Denn überwiegend wird sie von heterosexuell lebenden Männern ausgeübt, mehr noch als von Schwulen. Über die Schwulen sollte man nicht streiten, denn es gibt sie genauso wie die Frauen!

Peter Thommen-64, Schwulenaktivist, Basel

Über die Bedeutung der Identitätsstiftung in den homosexuellen Figuren bei Baldwin

Claudia Roth, Bündnis90/die Grünen. Über Homosexualität darf man nicht streiten

* Er lehrte am Kriminologischen Institut an der Universität Utrecht.

** Über die soziale Situation von Homosexuellen und Juden siehe: Parin, Paul: “The Mark of Oppression”, in: PSYCHE Nr. 3/1985, S. 194-219

(1) Siehe auch die beiden Gegenmeinungen! Stefan Anker und Lucas Wiegelmann

(2) S. 3 im PDF (im Original S. 4/5)

(3) Bartholomae, Joachim: Wie der Keim einer Südfrucht im Norden (Kleist, Kafka und andere Aussenseiter der Literatur), MS Verlag 2012, 80 S.

Thommen, Peter: Die Wurzeln des Spiessertums (> come out 3. Jg. Nr. 23, Juni 1990)

Warten auf den Odem eines Mannes

01. Januar 2014

… auf dass der Alltag einer grossen Liebe weichen möge!

Der überwiegende Teil des Lebens eines homosexuell empfindenden Mannes besteht aus WARTEN!

Schwule warten auf alles Mögliche: auf einen Spielkameraden der ihnen gefällt, auf den ersten Sex, darauf immer wieder einen Kameraden zu haben, der „eingeweiht“ ist. Auf die Strafe der Eltern, Gottes, der Mitschüler…

Wir warten auf jeden Fall auf die grosse Liebe!

Meist ist uns unbekannt, dass das Warten auf etwas Bestimmtes genau der Grund ist, warum „nichts kommt“! Du wartest im Tram darauf, wann der hübsche Bengel endlich aussteigen wird. Ob der Junge da vorne wohl ins Elle&Lui oder in den Dupf einbiegen wird. Ob der hübsche Mann in der Zeitung oder im Film vielleicht nicht doch schwul ist?

Wir Schwulen sind aufs Warten programmiert. Wir haben nie gelernt, unsere Bedürfnisse anzubringen. Wir hätten es nicht gewagt, einem Banknachbarn in die Hose zu greifen, oder einen Mann aktiv zu verführen… Weil wir Angst haben.

Als Angsthasen sind wir auf die Welt gekommen und da wir unser Schwulsein vor allem als persönliches Problem zu begreifen gelernt haben, werden wir die Angst vor den „andern“ – der Mehrheit – auch alleine nie überwinden.

Wieviel Angst braucht es noch für viele Jungen, die Schwelle einer Schwulenbar oder des Buchladens zu überschreiten. HEUTE noch!

Diese Angst muss anscheinend jedem einzelnen in der Familie und in seiner Umgebung eingeimpft worden sein. Aber auch ältere Schwule haben noch im Rentenalter Angst, man könnte sie diskriminieren, obwohl sie da doch wirklich nichts mehr zu verlieren haben?

Diese gesellschaftlich programmierte Angst verurteilt uns zum ewigen Warten. Wir warten auf einer Klappe, ob irgend einer der Männer sich sexuell interessiert zeigt. Wir warten im Park auf einen interessanten und geilen Mann. Wir warten in der Sauna auf den Sex, den wir doch so nötig haben, weil wir dauernd nur warten, statt organisieren!

Sex soll doch über einem hereinbrechen – und mit ihm die „grosse Liebe“. So etwas selbst anzubahnen, wäre doch ein Verbrechen!

Wir warten stundenlang in einer Bar, drehen regelmässig den Kopf zur Seite, wenn sich die Toilettentür oder die Eingangstür öffnet und schliesst. Wir tanzen im Club wie verrückt und warten darauf, dass der Auserwählte unter den Gästen irgendwie hängenbleibt.

Wir warten während der Arbeitszeit, bis es Abend wird und wir wieder Ausschau halten können. Wir warten, bis endlich der „Richtige“ kommt.

Die Juden warten heute noch auf den Messias. Die Christen haben einen gefunden und ganze 2000 Jahre lang ‘was schönes auf der Welt angerichtet’. Aber auch die warten schon wieder auf dessen „Wiederkunft“. Viele Menschen warten darauf, dass „etwas passiert“. Sie vergessen, oder wollen nicht wahrhaben, dass SIE es sind, die zur Aktivität gefordert sind!

Wenn die Leute vom Isola-Club nichts gewagt hätten, wäre der Dupf* heute noch geschlossen, oder ein Hetero-Lokal. Wenn Werni und Ronny nicht im letzten Augenblick einen Tuntenball ausgerufen hätten, würde der tolle Weihnachtsabend im Keller des Hirscheneck niemals stattgefunden haben.

Und was tut das „schwule Volk“? Es zieht sich zurück und wartet auf das nächste Ereignis! Da kann es warten, bis es rosa wird…

Ich denke, wenn sich die Leute anfangen, selbst zu „verunstalten“, sich umzumodeln, sich einen Arm oder ein Bein abzuschrauben, um es gegen etwas anderes auszutauschen – sich die Klamotten verkehrt herum anzuziehen – , ihr allseitiges Suchtverhalten zu pflegen, dann sind sie nicht mehr von dieser Welt! Dann können wir sie als „tot“ abschreiben.

Ich habe zwischen den letzten Feiertagen Dutzende Menschen und Gesichter gesehen, die das ganze Jahr über nicht existent sind. Einige wollten ihre Beziehungen oder langjährigen Freunde vorzeigen, einige kamen auch nur, um schnell eine Bestandesaufnahme zu machen…

Sie warten anscheinend immer bis Ende Jahr. Allen diesen Wartenden fällt anscheinend nicht auf, dass in den verschidensten Aktivitäten eines bunten und sehr verschiedenen Völkleins von Schwulen ein gemeinsames Zeitverbringen steckt, das die wahre Gelegenheit des unsensationellen Kennenlernens birgt. Aber was ist schon eine Liebe, die leise wächst, gegen das wagnerische Donnergrollen eines grossen, schönen, dunklen Mannes, der fest entschlossen auf uns zu schreitet?!

Einige entwickeln zwar schon Aktivitäten, aber sie suchen eigentlich nur die Anerkennung im bürgerlichen Kuchen (z.B. Theater), wo man sich zwar sieht, aber ausser Kultur nichts am Hut hat. Man geht da auch mit seinem Lover hin. Und wenn das dann öfters geschieht, dann fühlt man sich anscheinend von dieser Art High Society in seiner so lange ersehnten Beziehungskiste bestätigt. Wenn man dann wieder alleine ist, was wir ja nicht hoffen wollen, dann können wir schon mal wieder in die Niederungen des Milieus abtauchen…

Vielleicht liegt im alltäglichen erkennen von Bez(iehungs)ugspersonen eine bessere Chance für deren Beurteilung, als im hochgeschwappten Gefühl sensationeller Liebe? (Und bis die da wieder von ihren rosa Wölklein herunterfallen, vergehen mindestens Wochen, wenn nicht Monate! Und damit hat sich’s dann auch meistens!)

Vielleicht liegt auch im alltäglichen und gemeinsamen Bewältigen des Lebens und seiner Probleme etwas unsensationell Angstmachendes: Die schleichende Erkenntnis, dass es eigentlich der Zeit egal ist, wie sie zerrinnt. Aber wenn Du einmal dreissig bist, dann erschaust Du die Zeitlache auf dem Boden Deines Lebens… und es ergreift Dich das Fürchten!

Peter Thommen, geschrieben im zarten Alter von 45 Jahren (Thommens Senf, 4. Jg. Nr. 1, 6. Januar 1995)

* Lokale aus den 90ern

Der Protest des Klerikalismus* vor sei- nem Untergang

28. Dezember 2013

Worte des Schwulenpapstes vom Kleinbasel

Wir männerliebenden Männer sollten uns nicht über jeden Hirtenbrief der katholischen Kirche aufregen. Das taten wir im letzten Jahrhundert schon zur Genüge. Und das „Zentralkomitee für die Homo-Ehe“ beginnt sich auch immer mehr als Führungsriege fürs schwule Leben oder lesbische Leben einzuschätzen. Denn je mehr wir die heterosexuellen Lebensformen annehmen, desto mehr werden wir zur Zielscheibe unserer „Vorbilder“ werden! Diese haben Angst, dass wir ihn ihnen, oder sie in uns „untergehen“ werden.

Bürgerliche Homosexuelle – vor allem die Junghomos – glauben, wenn sie die heterosexuellen Vorgaben möglichst korrekt übernehmen, könnten die Kirche und die Frauen „ja nichts“ mehr gegen sie haben. Also der Fehlschluss: Wenn die äussere Form stimmt, kann jeder Inhalt „Akzeptanz“ erwarten! Deshalb ist ihre Empörung ja auch so gross. Da haben sie sich doch so grosse Mühe gegeben…

Halt! Haben wir uns nicht auch immer grosse Mühe gegeben, der Mutter und der Familie zu Gefallen und zu Diensten zu stehen? Und trotzdem waren, sind und bleiben wir immer der Kuckuck im Nest des heterosexuellen Vogelpaares! ;)

 

Weil der „Hirtenbrief“ zum 10. Dezember 2013 des Bischofs Vitus Huonder in Chur die gängigsten, aber am wenigsten diskutierten Vorurteile und Fehleinschätzungen zusammengewürfelt hat, möchte ich auf die „tiefen Unwahrheiten“ und Theorien dieses Klerikers eintreten.

Also liebe warmen Brüder und „Schwestern“! (1)

Aus Verantwortung gegenüber der vergangenen Schwulenbewegung und Neugier auf eine selbstbestimmte Zukunft, sollten wir mehr Alternativen für uns, und diese breiter diskutieren und ausprobieren! Die Schwulenbewegung hatte sich von Staat und Kirche emanzipiert. (2)

„Natürlich“ gibt es für die Kirche nur eine akzeptable Form der Sexualität. Von dieser Einstellung wird sie auch nie herunter kommen. Da ändern auch die jahrzehnte-alten HuK-Gruppen und schwulen Theologen nichts daran.

Vitus Huonder hat zwar ins Fremdwörterbuch geschaut und die Erklärung von „gender“ (3) gefunden. Allerdings hat er sich nur teilweise darin bedient, denn „auf der Ebene der öffentlichen Darstellung (bedeutet es) die soziale Geschlechtsrolle“

Wenn Kleriker öffentlich oder in der Kirche auftreten, dann haben sie heutzutage einen transvestitischen Habitus. Selber fordern sie aber geschlechtseindeutige Kleidung im Namen des Herrn. Während sich die Kleidung der Männer und Frauen früher nur wenig unterschieden haben und Männer noch bis in geschichtliche Zeiten Röcke trugen, so hält die „mater ecclesiae“ (Mutter Kirche) bis heute daran fest. Während sie also in männlichen Zusammenhängen und Ritualen auftreten, zeigen sie gleichzeitig ein weibliches Kostüm-Bild. Die Kirche muss ja auch Mutter spielen, damit die heterosexuellen Männer von ihr ideologisch „gut genährt“ werden und sie ihrerseits „begehren“.

Mir geht es darum, den Klerikern zu zeigen, dass auch sie eine Gender-Kultur betreiben!

„El Schaddaj“ ist ein uralter Name, mit dem Gott sich Abraham offenbart hatte. Er bedeutet zugleich: Gewalt und Mutterbrüste. Er weist auf matriarchale Spuren hin. Die Gläubigen benehmen sich auch folgsam, weibisch und unkritisch gegenüber dem Obermacho im Himmel. Sie „spielen“ also Frau gegenüber dem „stärksten Mann“. Das hat mit der sozialen Rolle von Männern im religiösen Bereich zu tun.

Bischof Huonder verschweigt in seinem Text auch, dass es verschiedene Schöpfungsmythen in der Bibel gibt. Während er von Bipolarität schwadroniert, finden sich in der Bibel noch ganz andere Verhältnisse und Zusammenhänge beschrieben. Lilith gilt in der jüdisch-feministischen Theologie als eine Frau, die sich nicht Gottes, sondern Adams Herrschaft entzieht und im Gegensatz zu Eva, sogar resistent gegen den Teufel ist. In einer anderen Version brachte Lilith als erste Frau Adams, Gott dazu, ihr seinen heiligen Namen zu verraten. Dass die Bibel eine Auswahl genehmer Schriften ist, wird spätestens klar, wenn wir Einblick in die jüdischen Schriften erhalten, die vom Christentum konsequent ignoriert werden.

Huonders biologischer Bipolaritäts-Appell findet spätestens da seine Grenzen, wo Eva angeblich aus der Rippe Adams gebildet wird. Wahrscheinlich war es sogar umgekehrt. Ganz zu schweigen, dass es da mit den X und Y-Chromosomen schwierig wird.

Die Zerstörung von Ehe und Familie hat nichts mit „Gender-Studies“ zu tun. Das gab es schon in altbiblischen Zeiten, in denen es unfruchtbare Frauen gab, die dann ihre Mägde oder die Sklavin für den biologischen Fortbestand einsetzten. (1. Mose 16, 3-4 – „Wort des Herrn“!) Dabei wurden zwar keine Geschlechter, sehr wohl aber die „Gebärmütter“ vertauscht. Das übersieht Bischof Huonder geflissentlich…

Der Bischof übersieht auch völlig, dass alle die künstlichen Reproduktionsformen ursprünglich für heterosexuelle Paare erfunden worden sind, die unbedingt sich biologisch fortpflanzen wollten. Dies jetzt den lesbischen und schwulen Paaren vorzuwerfen ist perfid!

Huonder fällt voll in die bürgerliche Sicht des Gleich-Begriffes. Die Bedeutung bezieht sich nicht auf das „gleich Sein“, sondern auf das „gleichwertig Sein“ des jeweils „anderen“ Mannes oder der „anderen“ Frau. Wenn denn beide gleichwertig sind, bedarf es auch keiner besonderen Belohnung für Mutterschaft und Kindererziehung mehr. Wenn der Staat für die Wirtschaft (!) die Produktion neuer Arbeitskräfte fördern und belohnen will, tut er das nicht wegen des „Mutterseins“, sondern wegen der Aufzucht solcher Arbeitskräfte. Wo ist da übrigens der finanzielle Beitrag der Kirche?

Nicht der „Genderismus“ schadet dem Manne, sondern die Macht, die er inne hat. Es ist aber folgerichtig, dass mit der Emanzipation der Frau ihre ausschliessliche Opferrolle verlorengeht und sie in entsprechenden Frauschaftsstrukturen immer mehr auch zur Täterin werden wird. Das war schon in der Bibel so.

Der Schaden für ein Kind ergibt sich nicht aus „Genderismus“, sondern aus der Machtstruktur einer Familie, besonders der unnatürlichen Kleinfamilie, die ein Produkt der Industrialisierung ist. Wir können froh sei, dass der Staat Ersatzstrukturen aufgebaut hat, in welchen Kinder aus den Fingern unfähiger Eltern herauskommen und sie mit anderen vergleichen können. Alles was er gleichgeschlechtlichen Paaren anhängen will, gibt es schon lange in den zerrütteten Verhältnissen heterosexueller Paare und Familien, oder durch wirtschaftliche oder kriegerische Verhältnisse.

Wenn sich der Klerikalismus in die Ecke gedrängt fühlt, dann beklagt er sich lauthals über die „totalitären Züge“ der Anderen. Seine eigene sieht er natürlich nicht – auch diejenigen Menschen nicht, die er seit Jahrhunderten selber bisher ausgegrenzt hat, als Ketzer, Sodomiter und Häretiker…

Wir erleben das heute aktuell am Islamismus. So wie nur ein Gott sein kann, so kann nur eine Ideologie herrschen oder frauschen – und die Glücklichen sind immer diejenigen, die grad die Oberhand haben und die meisten Gläubigen hinter sich wähnen – dank ihrem Gott.

Die weltlichen juristischen Sanktionen kennen in der Gleichwertigkeit der Menschen keine Sondergesetze für die Kirche und die Gläubigen, die selber Sondergesetze für Abweichler geschaffen hat.

Bischof Huonder vergisst auch, dass Maria den Jesus „durchs Ohr – also mit dem Wort“ vom heiligen Geist empfangen hat. Das entspricht einem Gender und gar nicht so der bischöflich verteidigten Biologie.

„Das Wort ward Fleisch“. Auch in der Abendmahlsfeier vertritt die katholische Kirche immer noch die Version, dass sich das Brot und der Wein in reales Fleisch und Blut von Jesus verwandeln würden.

Den Begriff „Genderismus“ gibt es gar nicht in der wisschenschaftlichen Diskussion. Den Begriff Klerikalismus aber in der Ideologie-Diskussion schon. Sehr schnell werden dabei auch deren Kampfmittel eingesetzt und Gender als „Ismus“ verunglimpft. Nur weil die traditionellen Ansichten um neue erweitert werden – und nicht ausgegrenzt.

Wenn es darum geht Beziehungen zwischen Kirche und Jesus zu „erklären“ greifen die Kleriker selber zum Gender („eheliche Liebe“) und zu symbolischen Vergleichen wie „Braut und Bräutigam“ bei Gott und den Gläubigen. Ich habe gelernt, das Nonnen massenweise mit Jesus „verheiratet“ werden, indem sie einen Ehering tragen und einen symbolischen Harem um Jesus bilden. Aber auch Mönche werden mit Jesus „verheiratet“, tragen einen Ehering und „der Vollzug der Ehe“(!), der soll dann symbolisch erst am Todestag erfolgen…

Letztlich, wenn Gott das Ebenbild des Menschen, also Mann und Frau, darstellen soll, ist das auch ein Gender in der Doppelgeschlechtlichkeit.

Im Kampf um die biologische Familie habe ich oben schon erwähnt, dass es da mit Ersatzmüttern und Ersatzvätern auch nicht so streng biologisch genommen wird. Oftmals werden Ersatzmütter „verwendet“ (Bei der anfangs unfruchtbaren Sarah hatte die ägyptische Magd Hagar die Fortpflanzung übernehmen müssen).

Wie oft wurde und wird der Satz von Huonder umgedreht! „dass dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst.“ > Indem dort, wo (noch) nicht geglaubt wird, erst gar keine Würde des Menschen anerkannt wird! AMEN

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist und 1. Schwulenpapst des Kleinbasels

 

 

* Klerikalismus (von Klerus) bezeichnet das Bestreben, der Geistlichkeit einer Religion mehr Einfluss in einem Staat zu verschaffen (im Gegensatz zu Laizismus), oder das Bestreben, der Geistlichkeit innerhalb einer Religion im Vergleich zu den Laien mehr Gewicht zu geben. (Wikipedia)

 

1) Martin Dannecker auf einer Schwulendemo in Münster, 1972: „Brüder und Schwestern warm oder nicht, Kapitalismus bekämpfen ist unsere Pflicht!“

2) Die vergangene Schwulenbewegung der 70er bis 90er

3) Pschyrembel Wörterbuch Sexualität, de Gruyter 2003, S. 168 (gender)

 

 

Wie Magier zu Königen gemacht werden!

06. Dezember 2013

„Nach den Drei Königen suchen wir in der Bibel umsonst. Es ist von „Magiern“ die Rede, die Jesus besucht haben. Das sind Sternkundige im Sinne von Astronomen und Astrologen.“ (1)

und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.“ (2)

Es ist seltsam, wie Pfarrer sich über Tatsachen hinwegsetzen, um der Theo-/Ideo-logie gerecht zu werden! Hürlimann geht einfach über zum Weihnachtsoratiorium von Bach und zitiert aus dessen Text: „Im Blick auf die Armut der Eltern schenkten die Könige Gold, Zur Entfernung des Gestanks aus dem Stall Weihrauch, für allfällige Wunden des Kindes Myrrhe.“ (1) Nun schreibt er völlig selbstverständlich nur noch von den Königen. So einfach ist das auf der Kanzel.

Die ersten Bibelübersetzungen in die deutsche Sprache fanden natürlich in einer Zeit von Königreichen statt, in der die Untertanen- und Obrigkeits-Ordnung völlig selbstverständ-lich war. Aber muss mann das in die heutige Zeit „herübernehmen“? Ideologisch interessant ist die historisch rückwärts korrigierende Methode, den späteren „König der Juden“ (Pilatus), schon als Kind nur von ihm ebenbürtigen anderen Königen anbeten oder huldigen zu lassen. Selbstverständlich ist das Gold der Weisen in Form von fertigen Kronen „zu Füssen von Mutter und Kind“ gelegt worden, womit sie dann ihren Lebensunterhalt bezahlen konnten? (1)

Wer hat jemals schon in der Geschichte von Königen gehört, die ohne Harem und Tross einsam durch die Wüste wandern? Sogar die Königin von Saba, die früher schon bei Salomo aufgetaucht war, kam nicht alleine…

Pfr. Christoph Hürlimann verabschiedet sich am Schluss mit dem Hinweis auf das „grosse Herz der drei Könige“, das er uns allen wünscht, um in unseren Mitmenschen Jesus zu entdecken. Bin ich denn in einer katholischen Predigt – oder was?

 

Bei dieser Gelegenheit kann ich auch mal darauf hinweisen, dass die Frauen im Königsverständnis schon immer auch eine wichtige Rolle gespielt haben, denn nur wer sie als Königstochter heiratete, konnte in den Märchen ein richtiger König werden! ;)

Es ist eine typisch hetero-pädophile Rolle, die den kleinen Mädchen die „Prinzessin“ zuschreibt. Die zukünftige Frau soll über ein Rollenbild „diszipliniert“ werden. Erst ist sie die Prinzessin für den Vater und gleicht so ihr sexuelles Defizit gegenüber ihrer Mutter in der Familie damit aus. Dann gibt es ja keine Prinzen in heterosexuellen Familien, denn die haben das ja schon, was kleine Mädchen von Geburt an nicht haben…  (Ich nenne das den „heterosexuellen Familienkomplex“)

In den letzten Jahren nun haben auch Jungs und junge Männer zu „königlichen“ Accessoires gegriffen. Ihre „aufgestellten Haare“ sollen ein „Krönchen“ darstellen. Damit wird die heterosexuelle, familiäre Hierarchie nun auch bei den Männern eingeführt. Ganz zu schweigen von der Unart, die Körperhaare – wie die Frauen – zu rasieren. Es findet also eine Verweiblichung von Söhnen unter der Krone des Vaters statt! Denn der „heterosexuelle Familienkomplex“ muss unter allen Umständen aufrecht erhalten werden! Und Frauen dürfen den Männern nicht zu „schwul“ rüberkommen! ;)

Solche Probleme hatten die Magier, die nach Bethlehem pilgerten nicht wirklich. Aber die Familie von heute versucht mit einer Art Magie ihre tieferliegenden Komplexe zu pflegen. Denn sie ist unnatürlich – weil zu klein! Das zeigt sich besonders an Weihnachten, anlässlich derer sie Schwule und Lesben zu heterosozialem Gehorsam zwingt. (Aus diesem Grunde findet seit 24 Jahren der Tuntenball am Weihnachtstag im Keller des Hirscheneck statt!)

Und natürlich soll der Glaube an alles auch erhalten werden. Keine Rede von einer Männerrunde im angeblichen Stall, die das Neugeborene besucht haben soll. Und der arme Josef, der schon seine Frau verlassen wollte, musste der Stimme Gottes den Vortritt lassen, weil der sie als heiliger Geist übers Ohr geschwängert hatte.

“als … Maria mit Joseph verlobt war,  fand es sich (!). ehe sie zusammengekommen waren, dass sie vom heiligen Geiste schwanger war. Weil indessen Joseph, ihr Mann, rechtschaffen war und sie [doch] nicht in Schande bringen wollte, gedachte er, sie heimlich zu entlassen. Doch als er dies im Sinn hatte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum, der sprach: Joseph, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria, dein Weib, zu dir zu nehmen, denn was in ihr gezeugt ist, das ist vom heiligen Geiste. (Matth 1, 18-20, Zürcher Bibel)

Ich wünsche Euch erholsame Feiertage und dass Ihr mal über das alles nachdenkt, statt für die Sissy-Filme im Fernsehen Eure Taschentücher zu missbrauchen! :P

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

 

(1) ref. Pfr. Christoph Hürlimann, im Kirchenboten vom Dezember 2013. Er zitiert in seinem Text aus dem Matthäusevangelium (Kapitel 25) und erwähnt auch hier den Titel „König“ statt „Herrn“. Er scheint eine ausgesprochene Freude am Königtum zu haben.

(2) Matth. 2.11 (Luther, 1912)