Stalinismus und Putinismus, 1934/2014

11. März 2014

Die russische Oktober-Revolution hatte die alten antihomosexuellen Gesetze und die klassische Ehe aufgehoben.

„Die neuen Herrscher im Land nahmen zunächst keine eindeutige Haltung in der Frage der homosexuellen Emanzipation ein. In Russland, Weissrussland und in der Ukraine wurde das zarische Sodomie-Verbot einfach aufgehoben.“ (1)

Die sowjetischen Behörden umwarben die Reformbewegung des Berliner Sexualforschers Magnus Hirschfeld, der sich für die Rechte Homosexueller einsetzte. … Andererseits inszenierten die Bolschewiki Schauprozesse gegen den Klerus, in denen Fälle von „Päderastie“ aufgedeckt und angeprangert wurden.“

Heute dürfen Schwule zwar weitgehend „heiraten“ aber Jugendliche werden auch bei uns wieder strenger geschützt vor Homosexualität, selbst noch vor sich selber.

Entsprechend der anfänglich mit dogmatischer Schärfe betonten freien Moralauffassung des Kommunismus auf dem Gebiet der geschlechtlichen Sittlichkeit (freie Liebe, Kündbarkeit der Ehe, unbegrenzte Zulassung der Schwangerschaftsunterbrechung, Kindererziehung durch den Staat) war die gleichgeschlechtliche Unzucht ohne Qualifikationsmerkmale * in der Sowjet-Union anfangs straflos. Erst im Jahr 1934 wurde die Strafbarkeit der einfachen Homosexualität ohne vorausgegangene Diskussion und ohne Begründung eingeführt.“ (2)

Diese Änderung kann durchaus als Folge des Aufstiegs von Josef Stalin angesehen werden. Stalin war ein Georgier und kam somit aus einer alt-christlichen Kultur. Davon war er um die Jahrhundertwende geprägt!

Aus jener Zeit ist ein Text von Klaus Mann erhalten, der sich als politisch bewusster Schwuler damit auseinandersetzte:

In der Sowjet-Union gibt es neuerdings ein Gesetz, das die Homosexualität unter schwere Strafe stellt. Es klingt überraschend, und man fragt sich, mit welcher Logik und mit welcher Moral eine sozialistische Regierung die Entrechtung und Diffamierung einer bestimmten Menschengruppe rechtfertigt, deren „Verschulden“ in ihrer naturgegebenen Veranlagung besteht: aber es ist so. Übelstände und Skandale in den östlichen Gebieten der Union sollen den Anlass gegeben haben zu der Einführung des beschämenden Paragraphen – gegen den in mitteleuropäischen und westlichen Ländern die Linke seit Jahrzehnten erbittert kämpft.“ (3)

… meine ich nicht nur und nicht vor allem die in der Sowjet-Union immer deutlicher werdende Neigung, in den erotischen Fragen wieder strenger und konservativer zu denken und zu urteilen … „

Ich meine vielmehr jenes Misstrauen und jene Abneigung gegen alles Homoerotische, die in den meisten antifaschistischen und fast allen sozialistischen Kreisen einen starken Grad erreicht haben. Man ist nicht mehr weit davon, die Homosexualität und den Faschismus miteinander zu identifizieren. Hierzu darf nicht länger geschwiegen werden. Wir bekämpfen Rassenvorurteile. Und inzwischen wollen wir das unvernünftigste Vorurteil gegen eine bestimmte geschlechtliche Veranlagung überhand nehmen lassen?“

Dazu kann direkt in die Gegenwart verwiesen werden! Heute werden die Verlängerung des Prostitutionsverbotes und der „Kinderpornografie“ bis zum 18. Lebensjahr bis weit in linke Kreise hinein kritiklos hingenommen! Aus lauter „Besorgtheit“ über neue Medien und Migranten glauben die Leute, sie könnten die Sexualentwicklung von Jugendlichen „aufhalten“! Dabei hätten wir Jahre Zeit gehabt, sie zu informieren und zu begleiten. Und die Ausbeutung mit dem Sex wird bekämpft, damit die Ausbeutung WEGEN dem Sex nicht abgeschafft werden muss! Checksch es?

Woher kommt es denn, dass wir in antifaschistischen Zeitungen die Wortzusammenstellung „Mörder und Päderasten“ beinahe ebenso häufig lesen, wie in den Naziblättern die von den „Volksverrätern und Juden“? Das Wort „Päderast“ als ein Schimpfwort, nur weil es in nationalsozialistischen Verbänden viele geben soll, die junge Männer lieben, statt Frauen!“ (3)

Auch dies kommt mir heute sehr bekannt vor! Während die meisten Kinder von ihren Eltern oder in ihrer Familie misshandelt werden, geilen sich die Medien an „Pädophilen“ auf, die an jeder Ecke lauern sollen…

” … wenn Blätter, die sich mit Vorliebe ‘liberal und aufgeklärt’ nannten, plötzlich anfingen ‘Knabenschänder’ zu schreien, wie eine hysterische Pastorengattin.“ (3)

Und die Schwulen, sowie alle anderen LGBT..s  regen sich über den „Putinismus“ auf, der doch nur mit der russisch-orthodoxen Kirche den Aufputz erledigt, den er früher mit dem KGB durchgeführt hatte. Vom Stalinismus bis heute sind nicht mal hundert Jahre vergangen. Die Politik mit dem Sex, den Homosexuellen und den Kindern bewährt sich von neuem! Die heutigen Linken haben nix gelernt, sorry!

Peter Thommen_64, Schwulenaktivist, Basel

 

* Qualifikationsmerkmale sind zum Beispiel Kontakte unter Zwang, Gewalt, oder als Prostitutionserwerb, oder Überschreitung von Schutzaltersgrenzen

(1) Healey, Dan: Beredtes Schweigen, in: Osteuropa Spektralanalyse, Homosexualität und ihre Feinde, S. 1

(2) Jescheck, Hans-Heinrich, in: Die Behandlung der Homosexualität im ausländischen Strafrecht, in: Homosexualität oder Politik mit dem § 175, roro 943, 1967, S. 96

(3) Mann, Klaus in: Homosexualität und Faschismus, erschienen in: DIE NEUE WELTBÜHNE, Prag 1934

Die Linke und der Sex, klassische Texte, Promedia 2011

Nachtrag: “Denn in der Ukraine, so Putin, hätten Neonazisten, Antisemiten und Russophobe die Oberhand gewonnen. ” (Bericht dlr.de)

Das Ende der Toleranz der Schwulen!

21. Februar 2014

Oder: Wer nicht begeistert von der Heterosexualität ist oder spricht, ist gleich ein Heterophober!?

In den letzten zehn Jahren haben sich die öffentlichen „Erscheinungen“ von Homosexuellen und die Berichte über Schwule ziemlich verändert! Nicht nur im Internet. In dieser Zeit sind auch die Bisexuellen vermehrt, und andere „Fetischisten“ laufend, dazugestossen. Eigentlich alles, was bei den Heterosexuallen so „abfällt“, hat sich irgendeiner „Schwulencommunity“ beigeordnet, daher hat sich auch das Wort „queer“ immer mehr eingebürgert. Wir Schwulen sind – mit den Lesben und ihrem Anhang und den „heterosexuellen Abfällen“ – zu einer in der Gesellschaft unübersehbaren Gruppe angewachsen. Das beunruhigt die Mehrheit. Und auch viele Schwule!

Viele Diskussionen werden von Frauen (z. B. Barbara Höfler, NZZaS) angestossen – aber auch wertkonservative Männer melden sich vermehrt zu Wort: 2009 tat dies Philipp Gut in der Weltwoche und in der zeit.de – ihm antwortete Marko Martin. Letztes Jahr Ralf Schuler. Nun Matthias Matussek als aktuelles Beispiel. (1)

Zufällig bin ich in meiner Bibliothek auf einen Essay von Prof. Dr. G. Th. Kempe * gestossen, der aus der Sicht der 1950er Jahre eine Einschätzung der Situation von homophilen Männern gibt und über deren Verhältnis zu den Heterophilen schreibt.

Vergleichen wir es mit dem Dasein verschiedener Völker, dann ist diese Tatsache ebenfalls bekannt, aber mit diesem Wissen hängt die Anerkennung eng zusammen. Jedem Menschen ist das Dasein dieser Gruppe praktisch bekannt, aber anerkannt wird sie im allgemeinen nicht.“

Meines Erachtens besteht kein Zweifel, dass der durchschnittliche Heterophile unserer Zeit zu einer solchen Anerkennung einfach nicht fähig ist, wahrscheinlich nicht fähig sein kann, und das führt oft zu schrecklichen Folgen.“ (2)

Kempe sieht schon 1954, was wir heute aktuell erleben können! Niemand/Niefrau würde heute die Existenzberechtigung von Franzosen oder Engländern in Frage stellen. Anfangs letzten Jahrhunderts aber hatte diese Anerkennungsverweigerung „schreckliche Folgen“, nämlich die Kriege von 1914/18 und 1939/45.

Interessant auch, wie Matussek direkt Bezug auf den Holocaust nimmt: Mittlerweile hat Homophobie dem Antisemitismus als schlimmste ideologische Sünde den Rang streitig gemacht.“ Was seiner intendierten „Selbstaufopferung“ die Kappe aufsetzt! **

Heute können schreckliche Folgen, die speziell unsere Existenz betreffen, in den osteuropäischen, den arabischen und afrikanischen Völkern gesehen werden. Ursache ist aber nicht mehr der Glaube an den Patriotismus, sondern derjenige an eine Religion und den Heterosexualismus. Eine interessante Parallele wird dabei sichtbar. Die Juden waren sozusagen auch Kinder der Nichtjuden – und Homosexuelle sind ja eigentlich die Kinder der Heterosexuellen. Aber zu diesem differenzierten „Bewusstsein“ sind wohl Heterosexuelle wirklich nicht fähig.

Gerade las ich Joachim Bartholomae’s Essay über literarische Aussenseiter (3) und ihr Verhältnis zur Gesellschaft. „Baldwin wusste als Schwarzer wie als Schwuler genau wie Berührungsangst funktioniert – dieses letzte Tabu, das auch heute noch bei heterosexuellen Menschen die Befürchtung auslöst, sich durch Annäherung in Gefahr zu bringen.“ (S. 58)

Er zitiert auch Peter Rehberg: „Heten fragen vorm Sex: wollen wir was trinken? Homos hinterher. Erst Sex, dann saufen. So machen das die Homos. Korrekte Reihenfolge bitteschön beibehalten! Wenn Heten fragen: wollen wir was trinken? Wollen sie nichts als Sex. Heten sind Heuchler, nicht: wollen wir ficken, wollen wir was trinken? Fragen sie. Wenn Homos fragen: Wollen wir was trinken, dann ist der Sex schon rum (da muss man ja nicht fragen). (S. 71)

Diese Diskussionen liessen sich fortsetzen! Doch die „Schwulenbewegung“ ist in Pension gegangen. An ihre Stelle sind die Queers getreten und diese haben schon genug mit all den L G B T I Q Q A P  zu tun. Daher wird sie jetzt von den Heten gehörig aufgeweckt und aufgeschreckt! Das ist auch gut so!

Ich finde, über Homosexualität darf man streiten. Denn überwiegend wird sie von heterosexuell lebenden Männern ausgeübt, mehr noch als von Schwulen. Über die Schwulen sollte man nicht streiten, denn es gibt sie genauso wie die Frauen!

Peter Thommen-64, Schwulenaktivist, Basel

Über die Bedeutung der Identitätsstiftung in den homosexuellen Figuren bei Baldwin

Claudia Roth, Bündnis90/die Grünen. Über Homosexualität darf man nicht streiten

* Er lehrte am Kriminologischen Institut an der Universität Utrecht.

** Über die soziale Situation von Homosexuellen und Juden siehe: Parin, Paul: “The Mark of Oppression”, in: PSYCHE Nr. 3/1985, S. 194-219

(1) Siehe auch die beiden Gegenmeinungen! Stefan Anker und Lucas Wiegelmann

(2) S. 3 im PDF (im Original S. 4/5)

(3) Bartholomae, Joachim: Wie der Keim einer Südfrucht im Norden (Kleist, Kafka und andere Aussenseiter der Literatur), MS Verlag 2012, 80 S.

Thommen, Peter: Die Wurzeln des Spiessertums (> come out 3. Jg. Nr. 23, Juni 1990)

Warten auf den Odem eines Mannes

01. Januar 2014

… auf dass der Alltag einer grossen Liebe weichen möge!

Der überwiegende Teil des Lebens eines homosexuell empfindenden Mannes besteht aus WARTEN!

Schwule warten auf alles Mögliche: auf einen Spielkameraden der ihnen gefällt, auf den ersten Sex, darauf immer wieder einen Kameraden zu haben, der „eingeweiht“ ist. Auf die Strafe der Eltern, Gottes, der Mitschüler…

Wir warten auf jeden Fall auf die grosse Liebe!

Meist ist uns unbekannt, dass das Warten auf etwas Bestimmtes genau der Grund ist, warum „nichts kommt“! Du wartest im Tram darauf, wann der hübsche Bengel endlich aussteigen wird. Ob der Junge da vorne wohl ins Elle&Lui oder in den Dupf einbiegen wird. Ob der hübsche Mann in der Zeitung oder im Film vielleicht nicht doch schwul ist?

Wir Schwulen sind aufs Warten programmiert. Wir haben nie gelernt, unsere Bedürfnisse anzubringen. Wir hätten es nicht gewagt, einem Banknachbarn in die Hose zu greifen, oder einen Mann aktiv zu verführen… Weil wir Angst haben.

Als Angsthasen sind wir auf die Welt gekommen und da wir unser Schwulsein vor allem als persönliches Problem zu begreifen gelernt haben, werden wir die Angst vor den „andern“ – der Mehrheit – auch alleine nie überwinden.

Wieviel Angst braucht es noch für viele Jungen, die Schwelle einer Schwulenbar oder des Buchladens zu überschreiten. HEUTE noch!

Diese Angst muss anscheinend jedem einzelnen in der Familie und in seiner Umgebung eingeimpft worden sein. Aber auch ältere Schwule haben noch im Rentenalter Angst, man könnte sie diskriminieren, obwohl sie da doch wirklich nichts mehr zu verlieren haben?

Diese gesellschaftlich programmierte Angst verurteilt uns zum ewigen Warten. Wir warten auf einer Klappe, ob irgend einer der Männer sich sexuell interessiert zeigt. Wir warten im Park auf einen interessanten und geilen Mann. Wir warten in der Sauna auf den Sex, den wir doch so nötig haben, weil wir dauernd nur warten, statt organisieren!

Sex soll doch über einem hereinbrechen – und mit ihm die „grosse Liebe“. So etwas selbst anzubahnen, wäre doch ein Verbrechen!

Wir warten stundenlang in einer Bar, drehen regelmässig den Kopf zur Seite, wenn sich die Toilettentür oder die Eingangstür öffnet und schliesst. Wir tanzen im Club wie verrückt und warten darauf, dass der Auserwählte unter den Gästen irgendwie hängenbleibt.

Wir warten während der Arbeitszeit, bis es Abend wird und wir wieder Ausschau halten können. Wir warten, bis endlich der „Richtige“ kommt.

Die Juden warten heute noch auf den Messias. Die Christen haben einen gefunden und ganze 2000 Jahre lang ‘was schönes auf der Welt angerichtet’. Aber auch die warten schon wieder auf dessen „Wiederkunft“. Viele Menschen warten darauf, dass „etwas passiert“. Sie vergessen, oder wollen nicht wahrhaben, dass SIE es sind, die zur Aktivität gefordert sind!

Wenn die Leute vom Isola-Club nichts gewagt hätten, wäre der Dupf* heute noch geschlossen, oder ein Hetero-Lokal. Wenn Werni und Ronny nicht im letzten Augenblick einen Tuntenball ausgerufen hätten, würde der tolle Weihnachtsabend im Keller des Hirscheneck niemals stattgefunden haben.

Und was tut das „schwule Volk“? Es zieht sich zurück und wartet auf das nächste Ereignis! Da kann es warten, bis es rosa wird…

Ich denke, wenn sich die Leute anfangen, selbst zu „verunstalten“, sich umzumodeln, sich einen Arm oder ein Bein abzuschrauben, um es gegen etwas anderes auszutauschen – sich die Klamotten verkehrt herum anzuziehen – , ihr allseitiges Suchtverhalten zu pflegen, dann sind sie nicht mehr von dieser Welt! Dann können wir sie als „tot“ abschreiben.

Ich habe zwischen den letzten Feiertagen Dutzende Menschen und Gesichter gesehen, die das ganze Jahr über nicht existent sind. Einige wollten ihre Beziehungen oder langjährigen Freunde vorzeigen, einige kamen auch nur, um schnell eine Bestandesaufnahme zu machen…

Sie warten anscheinend immer bis Ende Jahr. Allen diesen Wartenden fällt anscheinend nicht auf, dass in den verschidensten Aktivitäten eines bunten und sehr verschiedenen Völkleins von Schwulen ein gemeinsames Zeitverbringen steckt, das die wahre Gelegenheit des unsensationellen Kennenlernens birgt. Aber was ist schon eine Liebe, die leise wächst, gegen das wagnerische Donnergrollen eines grossen, schönen, dunklen Mannes, der fest entschlossen auf uns zu schreitet?!

Einige entwickeln zwar schon Aktivitäten, aber sie suchen eigentlich nur die Anerkennung im bürgerlichen Kuchen (z.B. Theater), wo man sich zwar sieht, aber ausser Kultur nichts am Hut hat. Man geht da auch mit seinem Lover hin. Und wenn das dann öfters geschieht, dann fühlt man sich anscheinend von dieser Art High Society in seiner so lange ersehnten Beziehungskiste bestätigt. Wenn man dann wieder alleine ist, was wir ja nicht hoffen wollen, dann können wir schon mal wieder in die Niederungen des Milieus abtauchen…

Vielleicht liegt im alltäglichen erkennen von Bez(iehungs)ugspersonen eine bessere Chance für deren Beurteilung, als im hochgeschwappten Gefühl sensationeller Liebe? (Und bis die da wieder von ihren rosa Wölklein herunterfallen, vergehen mindestens Wochen, wenn nicht Monate! Und damit hat sich’s dann auch meistens!)

Vielleicht liegt auch im alltäglichen und gemeinsamen Bewältigen des Lebens und seiner Probleme etwas unsensationell Angstmachendes: Die schleichende Erkenntnis, dass es eigentlich der Zeit egal ist, wie sie zerrinnt. Aber wenn Du einmal dreissig bist, dann erschaust Du die Zeitlache auf dem Boden Deines Lebens… und es ergreift Dich das Fürchten!

Peter Thommen, geschrieben im zarten Alter von 45 Jahren (Thommens Senf, 4. Jg. Nr. 1, 6. Januar 1995)

* Lokale aus den 90ern

Der Protest des Klerikalismus* vor sei- nem Untergang

28. Dezember 2013

Worte des Schwulenpapstes vom Kleinbasel

Wir männerliebenden Männer sollten uns nicht über jeden Hirtenbrief der katholischen Kirche aufregen. Das taten wir im letzten Jahrhundert schon zur Genüge. Und das „Zentralkomitee für die Homo-Ehe“ beginnt sich auch immer mehr als Führungsriege fürs schwule Leben oder lesbische Leben einzuschätzen. Denn je mehr wir die heterosexuellen Lebensformen annehmen, desto mehr werden wir zur Zielscheibe unserer „Vorbilder“ werden! Diese haben Angst, dass wir ihn ihnen, oder sie in uns „untergehen“ werden.

Bürgerliche Homosexuelle – vor allem die Junghomos – glauben, wenn sie die heterosexuellen Vorgaben möglichst korrekt übernehmen, könnten die Kirche und die Frauen „ja nichts“ mehr gegen sie haben. Also der Fehlschluss: Wenn die äussere Form stimmt, kann jeder Inhalt „Akzeptanz“ erwarten! Deshalb ist ihre Empörung ja auch so gross. Da haben sie sich doch so grosse Mühe gegeben…

Halt! Haben wir uns nicht auch immer grosse Mühe gegeben, der Mutter und der Familie zu Gefallen und zu Diensten zu stehen? Und trotzdem waren, sind und bleiben wir immer der Kuckuck im Nest des heterosexuellen Vogelpaares! ;)

 

Weil der „Hirtenbrief“ zum 10. Dezember 2013 des Bischofs Vitus Huonder in Chur die gängigsten, aber am wenigsten diskutierten Vorurteile und Fehleinschätzungen zusammengewürfelt hat, möchte ich auf die „tiefen Unwahrheiten“ und Theorien dieses Klerikers eintreten.

Also liebe warmen Brüder und „Schwestern“! (1)

Aus Verantwortung gegenüber der vergangenen Schwulenbewegung und Neugier auf eine selbstbestimmte Zukunft, sollten wir mehr Alternativen für uns, und diese breiter diskutieren und ausprobieren! Die Schwulenbewegung hatte sich von Staat und Kirche emanzipiert. (2)

„Natürlich“ gibt es für die Kirche nur eine akzeptable Form der Sexualität. Von dieser Einstellung wird sie auch nie herunter kommen. Da ändern auch die jahrzehnte-alten HuK-Gruppen und schwulen Theologen nichts daran.

Vitus Huonder hat zwar ins Fremdwörterbuch geschaut und die Erklärung von „gender“ (3) gefunden. Allerdings hat er sich nur teilweise darin bedient, denn „auf der Ebene der öffentlichen Darstellung (bedeutet es) die soziale Geschlechtsrolle“

Wenn Kleriker öffentlich oder in der Kirche auftreten, dann haben sie heutzutage einen transvestitischen Habitus. Selber fordern sie aber geschlechtseindeutige Kleidung im Namen des Herrn. Während sich die Kleidung der Männer und Frauen früher nur wenig unterschieden haben und Männer noch bis in geschichtliche Zeiten Röcke trugen, so hält die „mater ecclesiae“ (Mutter Kirche) bis heute daran fest. Während sie also in männlichen Zusammenhängen und Ritualen auftreten, zeigen sie gleichzeitig ein weibliches Kostüm-Bild. Die Kirche muss ja auch Mutter spielen, damit die heterosexuellen Männer von ihr ideologisch „gut genährt“ werden und sie ihrerseits „begehren“.

Mir geht es darum, den Klerikern zu zeigen, dass auch sie eine Gender-Kultur betreiben!

„El Schaddaj“ ist ein uralter Name, mit dem Gott sich Abraham offenbart hatte. Er bedeutet zugleich: Gewalt und Mutterbrüste. Er weist auf matriarchale Spuren hin. Die Gläubigen benehmen sich auch folgsam, weibisch und unkritisch gegenüber dem Obermacho im Himmel. Sie „spielen“ also Frau gegenüber dem „stärksten Mann“. Das hat mit der sozialen Rolle von Männern im religiösen Bereich zu tun.

Bischof Huonder verschweigt in seinem Text auch, dass es verschiedene Schöpfungsmythen in der Bibel gibt. Während er von Bipolarität schwadroniert, finden sich in der Bibel noch ganz andere Verhältnisse und Zusammenhänge beschrieben. Lilith gilt in der jüdisch-feministischen Theologie als eine Frau, die sich nicht Gottes, sondern Adams Herrschaft entzieht und im Gegensatz zu Eva, sogar resistent gegen den Teufel ist. In einer anderen Version brachte Lilith als erste Frau Adams, Gott dazu, ihr seinen heiligen Namen zu verraten. Dass die Bibel eine Auswahl genehmer Schriften ist, wird spätestens klar, wenn wir Einblick in die jüdischen Schriften erhalten, die vom Christentum konsequent ignoriert werden.

Huonders biologischer Bipolaritäts-Appell findet spätestens da seine Grenzen, wo Eva angeblich aus der Rippe Adams gebildet wird. Wahrscheinlich war es sogar umgekehrt. Ganz zu schweigen, dass es da mit den X und Y-Chromosomen schwierig wird.

Die Zerstörung von Ehe und Familie hat nichts mit „Gender-Studies“ zu tun. Das gab es schon in altbiblischen Zeiten, in denen es unfruchtbare Frauen gab, die dann ihre Mägde oder die Sklavin für den biologischen Fortbestand einsetzten. (1. Mose 16, 3-4 – „Wort des Herrn“!) Dabei wurden zwar keine Geschlechter, sehr wohl aber die „Gebärmütter“ vertauscht. Das übersieht Bischof Huonder geflissentlich…

Der Bischof übersieht auch völlig, dass alle die künstlichen Reproduktionsformen ursprünglich für heterosexuelle Paare erfunden worden sind, die unbedingt sich biologisch fortpflanzen wollten. Dies jetzt den lesbischen und schwulen Paaren vorzuwerfen ist perfid!

Huonder fällt voll in die bürgerliche Sicht des Gleich-Begriffes. Die Bedeutung bezieht sich nicht auf das „gleich Sein“, sondern auf das „gleichwertig Sein“ des jeweils „anderen“ Mannes oder der „anderen“ Frau. Wenn denn beide gleichwertig sind, bedarf es auch keiner besonderen Belohnung für Mutterschaft und Kindererziehung mehr. Wenn der Staat für die Wirtschaft (!) die Produktion neuer Arbeitskräfte fördern und belohnen will, tut er das nicht wegen des „Mutterseins“, sondern wegen der Aufzucht solcher Arbeitskräfte. Wo ist da übrigens der finanzielle Beitrag der Kirche?

Nicht der „Genderismus“ schadet dem Manne, sondern die Macht, die er inne hat. Es ist aber folgerichtig, dass mit der Emanzipation der Frau ihre ausschliessliche Opferrolle verlorengeht und sie in entsprechenden Frauschaftsstrukturen immer mehr auch zur Täterin werden wird. Das war schon in der Bibel so.

Der Schaden für ein Kind ergibt sich nicht aus „Genderismus“, sondern aus der Machtstruktur einer Familie, besonders der unnatürlichen Kleinfamilie, die ein Produkt der Industrialisierung ist. Wir können froh sei, dass der Staat Ersatzstrukturen aufgebaut hat, in welchen Kinder aus den Fingern unfähiger Eltern herauskommen und sie mit anderen vergleichen können. Alles was er gleichgeschlechtlichen Paaren anhängen will, gibt es schon lange in den zerrütteten Verhältnissen heterosexueller Paare und Familien, oder durch wirtschaftliche oder kriegerische Verhältnisse.

Wenn sich der Klerikalismus in die Ecke gedrängt fühlt, dann beklagt er sich lauthals über die „totalitären Züge“ der Anderen. Seine eigene sieht er natürlich nicht – auch diejenigen Menschen nicht, die er seit Jahrhunderten selber bisher ausgegrenzt hat, als Ketzer, Sodomiter und Häretiker…

Wir erleben das heute aktuell am Islamismus. So wie nur ein Gott sein kann, so kann nur eine Ideologie herrschen oder frauschen – und die Glücklichen sind immer diejenigen, die grad die Oberhand haben und die meisten Gläubigen hinter sich wähnen – dank ihrem Gott.

Die weltlichen juristischen Sanktionen kennen in der Gleichwertigkeit der Menschen keine Sondergesetze für die Kirche und die Gläubigen, die selber Sondergesetze für Abweichler geschaffen hat.

Bischof Huonder vergisst auch, dass Maria den Jesus „durchs Ohr – also mit dem Wort“ vom heiligen Geist empfangen hat. Das entspricht einem Gender und gar nicht so der bischöflich verteidigten Biologie.

„Das Wort ward Fleisch“. Auch in der Abendmahlsfeier vertritt die katholische Kirche immer noch die Version, dass sich das Brot und der Wein in reales Fleisch und Blut von Jesus verwandeln würden.

Den Begriff „Genderismus“ gibt es gar nicht in der wisschenschaftlichen Diskussion. Den Begriff Klerikalismus aber in der Ideologie-Diskussion schon. Sehr schnell werden dabei auch deren Kampfmittel eingesetzt und Gender als „Ismus“ verunglimpft. Nur weil die traditionellen Ansichten um neue erweitert werden – und nicht ausgegrenzt.

Wenn es darum geht Beziehungen zwischen Kirche und Jesus zu „erklären“ greifen die Kleriker selber zum Gender („eheliche Liebe“) und zu symbolischen Vergleichen wie „Braut und Bräutigam“ bei Gott und den Gläubigen. Ich habe gelernt, das Nonnen massenweise mit Jesus „verheiratet“ werden, indem sie einen Ehering tragen und einen symbolischen Harem um Jesus bilden. Aber auch Mönche werden mit Jesus „verheiratet“, tragen einen Ehering und „der Vollzug der Ehe“(!), der soll dann symbolisch erst am Todestag erfolgen…

Letztlich, wenn Gott das Ebenbild des Menschen, also Mann und Frau, darstellen soll, ist das auch ein Gender in der Doppelgeschlechtlichkeit.

Im Kampf um die biologische Familie habe ich oben schon erwähnt, dass es da mit Ersatzmüttern und Ersatzvätern auch nicht so streng biologisch genommen wird. Oftmals werden Ersatzmütter „verwendet“ (Bei der anfangs unfruchtbaren Sarah hatte die ägyptische Magd Hagar die Fortpflanzung übernehmen müssen).

Wie oft wurde und wird der Satz von Huonder umgedreht! „dass dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst.“ > Indem dort, wo (noch) nicht geglaubt wird, erst gar keine Würde des Menschen anerkannt wird! AMEN

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist und 1. Schwulenpapst des Kleinbasels

 

 

* Klerikalismus (von Klerus) bezeichnet das Bestreben, der Geistlichkeit einer Religion mehr Einfluss in einem Staat zu verschaffen (im Gegensatz zu Laizismus), oder das Bestreben, der Geistlichkeit innerhalb einer Religion im Vergleich zu den Laien mehr Gewicht zu geben. (Wikipedia)

 

1) Martin Dannecker auf einer Schwulendemo in Münster, 1972: „Brüder und Schwestern warm oder nicht, Kapitalismus bekämpfen ist unsere Pflicht!“

2) Die vergangene Schwulenbewegung der 70er bis 90er

3) Pschyrembel Wörterbuch Sexualität, de Gruyter 2003, S. 168 (gender)

 

 

Wie Magier zu Königen gemacht werden!

06. Dezember 2013

„Nach den Drei Königen suchen wir in der Bibel umsonst. Es ist von „Magiern“ die Rede, die Jesus besucht haben. Das sind Sternkundige im Sinne von Astronomen und Astrologen.“ (1)

und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.“ (2)

Es ist seltsam, wie Pfarrer sich über Tatsachen hinwegsetzen, um der Theo-/Ideo-logie gerecht zu werden! Hürlimann geht einfach über zum Weihnachtsoratiorium von Bach und zitiert aus dessen Text: „Im Blick auf die Armut der Eltern schenkten die Könige Gold, Zur Entfernung des Gestanks aus dem Stall Weihrauch, für allfällige Wunden des Kindes Myrrhe.“ (1) Nun schreibt er völlig selbstverständlich nur noch von den Königen. So einfach ist das auf der Kanzel.

Die ersten Bibelübersetzungen in die deutsche Sprache fanden natürlich in einer Zeit von Königreichen statt, in der die Untertanen- und Obrigkeits-Ordnung völlig selbstverständ-lich war. Aber muss mann das in die heutige Zeit „herübernehmen“? Ideologisch interessant ist die historisch rückwärts korrigierende Methode, den späteren „König der Juden“ (Pilatus), schon als Kind nur von ihm ebenbürtigen anderen Königen anbeten oder huldigen zu lassen. Selbstverständlich ist das Gold der Weisen in Form von fertigen Kronen „zu Füssen von Mutter und Kind“ gelegt worden, womit sie dann ihren Lebensunterhalt bezahlen konnten? (1)

Wer hat jemals schon in der Geschichte von Königen gehört, die ohne Harem und Tross einsam durch die Wüste wandern? Sogar die Königin von Saba, die früher schon bei Salomo aufgetaucht war, kam nicht alleine…

Pfr. Christoph Hürlimann verabschiedet sich am Schluss mit dem Hinweis auf das „grosse Herz der drei Könige“, das er uns allen wünscht, um in unseren Mitmenschen Jesus zu entdecken. Bin ich denn in einer katholischen Predigt – oder was?

 

Bei dieser Gelegenheit kann ich auch mal darauf hinweisen, dass die Frauen im Königsverständnis schon immer auch eine wichtige Rolle gespielt haben, denn nur wer sie als Königstochter heiratete, konnte in den Märchen ein richtiger König werden! ;)

Es ist eine typisch hetero-pädophile Rolle, die den kleinen Mädchen die „Prinzessin“ zuschreibt. Die zukünftige Frau soll über ein Rollenbild „diszipliniert“ werden. Erst ist sie die Prinzessin für den Vater und gleicht so ihr sexuelles Defizit gegenüber ihrer Mutter in der Familie damit aus. Dann gibt es ja keine Prinzen in heterosexuellen Familien, denn die haben das ja schon, was kleine Mädchen von Geburt an nicht haben…  (Ich nenne das den „heterosexuellen Familienkomplex“)

In den letzten Jahren nun haben auch Jungs und junge Männer zu „königlichen“ Accessoires gegriffen. Ihre „aufgestellten Haare“ sollen ein „Krönchen“ darstellen. Damit wird die heterosexuelle, familiäre Hierarchie nun auch bei den Männern eingeführt. Ganz zu schweigen von der Unart, die Körperhaare – wie die Frauen – zu rasieren. Es findet also eine Verweiblichung von Söhnen unter der Krone des Vaters statt! Denn der „heterosexuelle Familienkomplex“ muss unter allen Umständen aufrecht erhalten werden! Und Frauen dürfen den Männern nicht zu „schwul“ rüberkommen! ;)

Solche Probleme hatten die Magier, die nach Bethlehem pilgerten nicht wirklich. Aber die Familie von heute versucht mit einer Art Magie ihre tieferliegenden Komplexe zu pflegen. Denn sie ist unnatürlich – weil zu klein! Das zeigt sich besonders an Weihnachten, anlässlich derer sie Schwule und Lesben zu heterosozialem Gehorsam zwingt. (Aus diesem Grunde findet seit 24 Jahren der Tuntenball am Weihnachtstag im Keller des Hirscheneck statt!)

Und natürlich soll der Glaube an alles auch erhalten werden. Keine Rede von einer Männerrunde im angeblichen Stall, die das Neugeborene besucht haben soll. Und der arme Josef, der schon seine Frau verlassen wollte, musste der Stimme Gottes den Vortritt lassen, weil der sie als heiliger Geist übers Ohr geschwängert hatte.

“als … Maria mit Joseph verlobt war,  fand es sich (!). ehe sie zusammengekommen waren, dass sie vom heiligen Geiste schwanger war. Weil indessen Joseph, ihr Mann, rechtschaffen war und sie [doch] nicht in Schande bringen wollte, gedachte er, sie heimlich zu entlassen. Doch als er dies im Sinn hatte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum, der sprach: Joseph, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria, dein Weib, zu dir zu nehmen, denn was in ihr gezeugt ist, das ist vom heiligen Geiste. (Matth 1, 18-20, Zürcher Bibel)

Ich wünsche Euch erholsame Feiertage und dass Ihr mal über das alles nachdenkt, statt für die Sissy-Filme im Fernsehen Eure Taschentücher zu missbrauchen! :P

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

 

(1) ref. Pfr. Christoph Hürlimann, im Kirchenboten vom Dezember 2013. Er zitiert in seinem Text aus dem Matthäusevangelium (Kapitel 25) und erwähnt auch hier den Titel „König“ statt „Herrn“. Er scheint eine ausgesprochene Freude am Königtum zu haben.

(2) Matth. 2.11 (Luther, 1912)

“Spermiquien”

01. Dezember 2013

Oder wie der Heterror das Denken von Schwulen und Homosexuellen beeinflussen kann. Heute ist wieder Welt-AIDS-Tag und die Aidshilfekampagne läuft wie immer: „ … zum zweiten behandelt diese Kampagne, die einen unvergleichlichen Erfolg aufweist, das Problem des Safer Sex und nicht die schwule Revolution.“ (Ruthmann, 1998)

Reliquien, das lernte ich kürzlich auf Deutschlandradio, sind ,verehrbare’ materielle Gegenstände, die den Gläubigen in einen meta-Zustand versetzen können. Entweder als einzelnes Glied in einer Kette von Traditionen, oder dann als greifbares metaphysisches Erlebnis, an dem teilzunehmen der Glaube oder die Pflicht besteht…

Die Hetero-Ehe partiziert insofern vom Spermiqium, als der Glaube an das genetisch „richtige“ Kind sie ideologisch überhaupt sinnvoll macht! Egal, dass Abraham seiner Sarah nicht fruchtbar beiwohnen konnte, weil sie im Schosse „trocken“ geblieben ist. Also durfte ihre Magd den Urvater in ihrerseits empfangen und ihm den ersten Sohn „schenken“. Dabei muss man/frau verstehen, dass die Magd der Ehefrau sozusagen als vollwertige Stellvertretung in Sexualangelegenheiten der Familie galt. Insofern verstehe ich weder die katholische Kirche, noch die CVP-Initiative, die heute „Familie“ auf „Mann und Ehefrau“ beschränken will. Der Ismael gilt übrigens als Stammvater der Araber…

Die jüngste zu verehrende Reliquie ist übrigens ein Tropfen Blut von Johannes Paul II. Der soll vom Privatsekretär des verstorbenen Papstes auf das Bistum Köln übergekommen sein. Er kann keine Verwandtschaft zum zukünftigen Heiligen gewähren, aber immerhin eine Verehrung für den Verstorbenen. Wie es ja auch in der Eucharistie und im Abendmahl zum Ausdruck kommt. Wir werden Teil eines mystischen Leibes, indem wir entweder das verwandelte Blut, oder einen Schluck Wein oder Traubensaft als Symbol trinken.

Soweit also Hetero-Tradition und Hetero-Ideologie. Zusammengefasst im Ausdruck „Heterror“, den K.E. Erstmals 1990 verwendet hat.

Ich kenne Sperma und seine Bedeutung für den Männersex auch aus eigener Erfahrung! Die ersten Male, bei denen ich im Twen-Alter das Unaussprechliche hinunterschlucken sollte, hätte ich mich fast übergeben. Dann war ich einige Zeit süchtig und lernte die verschiedenen Geschmäcker, wie süsslich, bitter und andere Varianten kennen. Es gibt Leute, die können bis heute nicht darauf verzichten…

Es stellt sich nun die geistreiche Frage: „Wie kann einer auf das Schlucken fremden Spermas verzichten?“

Dazu müssen wir uns an das homosexuelle coming out erinnern, das oftmals sehr mühsam, verklemmt und langwierig gewesen ist. Ebenso orientieren sich Männer, die mit Männern Sex haben (also egal wie sie längerfristig orientiert sind!) am virilen und potenten Mann, von dem sich damit etwas einzuverleiben gilt. Und nun könnt Ihr Euch selber vorstellen, was das in Bezug auf Sperma alles bedeutet!

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mit zunehmendem Bewusstsein und vermehrter Reflexionsmöglichkeit in der Schwulenbewegung, auf das Unaussprechliche nach und nach verzichten konnte. Meine Identität hängt nicht am Sperma, nicht an einer Frau und beides kann auch meine Persönlichkeit grundsätzlich nicht verändern. (Hier ist Gelegenheit, auf ein wichtiges Buch zu diesem Thema hinzuweisen: Phil Langer: Beschädigte Identität)

Aidshilfekampagnen richten sich seit einiger Zeit strategisch und informativ auf die Heteronormativität. Nach dem coming out-Management haben sie sich nun an ein „Risikomanagement“ herangewagt, welches versucht, die Abwehrreflexe von Betroffenen elastisch aufzufangen und den Leuten zu suggerieren, sie könnten tatsächlich „managen“, also Situationen einschätzen, Chancen ausrechnen, etc. Dazu kommt ein starker Druck zum Test. Denn je früher ein Test nach der Infektion gemacht wird, desto aussichtsreicher das Leben mit HIV-AIDS und den immer „besser werdenden“ Medikamenten. „Management“ setzt keine klaren Grenzen und bleibt offen „für alle Betroffenen“.

Die zweite geistreiche Frage: „Wieso müssen Männer sich ohne Kondom anal penetrieren?“

Da schauen wir doch erstmal bei den Heteros!

Wenn der Sex sinnlich ist, ist das was frau ohne Kondom spürt viel intensiver und befriedigender… Aber nur mit dem festen Partner, wenn man genug Vertrauen hat, dass er/sie ausshalb der Beziehung auch nur geschützt verkehrt.“ (weibl, 22, bi)

Kondome beengen mich schon am Schwanz. Daher habe ich gar kein Gefühl von Freiheit damit.“ (männl. 23, bi)

Nach einem gemeinsamen Test ist es ohne Kondome viel geiler und im gegenseitigen Vertrauen das höchste der Gefühle“. (männl. 24, bi)

Also ich steh nicht drauf und werde das wahrscheinlich nie. Ich bin jetzt in einer längeren festen Beziehung und da benutze ich keine.“ (männl. 23, bi)

Die Zitate sind aktuell von 2013, nicht repräsentativ, aber dafür beispielhaft! Die höchsten Gefühle werden also nicht in der Beziehung an sich, sondern im Sex in der Beziehung erlebt. Und dieser Sex sollte möglichst „grenzenlos“ sein – auch zu zweit. Es ist also der Glaube an das alte Versprechen unserer Vorfahren, dass Sex erst in der Ehe erlaubt sei und dann das Paradies sein würde…

Während Heterosexuelle sich nur indirekt über eine Frau (die sie natürlich ficken) eine „Fassaden-Identität“ konstruieren, zeigen die soziologischen Informationen und Umfragedaten, dass diese Fassade zunehmend verwittert und zerfällt. Hohe Scheidungsraten und Enttäuschungen über das erlebte „sexuelle Paradies“ – auch nicht mit Beate-Uhse-Hilfsmitteln – ändern offensichtlich nicht die Tradition und Ideologie des Heterrors. Das traditionelle Homosexualitätsverbot ist vor allem – und war schon immer – für „Heteros“ gedacht und funktionalisiert worden – mit dieser indirekten Identität – schon in der Bibel.

Wen wundert es, dass sich auch Schwule, Homosexuelle und andere Männer unter sich, an diesen Hetero-Normen orientieren? Ich darf nochmals auf Phil Langer und seine Untersuchung hinweisen, die über die entsprechenden Beschädigungen in der Männerpsyche berichtet. Und von den verschiedensten legalen und illegalen Drogen will ich hier gar nicht referieren. Aber die Aidshilfen sollten eigentlich zur Kenntnis nehmen, dass unter solchen Bedingungen ein „Risikomanagement“ sehr schwer oder gar nicht zu „managen“ ist. Aber vielleicht ist ihnen das auch gar nicht so wichtig.

Junge Homos erleben sich vor allem unter dem Familiendruck und anschliessend auf den Parties und im Internet unter dem Konkurrenzdruck, als „männerliebend“. Ein geschützter sozial-familiärer Freiraum ist nicht mehr in Sicht. Es kann unter diesen Bedingungen keine „schwul-normale“ Identität heranwachsen, aber meistens eben nur eine Art „Heteroabklatsch“. Aber die Homo-Ehe, das risikovolle Vertrauen und die Monogamie, die nur wenige „Mönche in ihrem Glauben“ erleben dürfen, schaffen die Verhältnisse, die dann auch heterosexuelle Probleme ergeben…

Es kann auch keine Solidarität als Gruppe mehr entstehen, die eine kollektiv „abgesicherte“ Identität herauszubilden erlaubt. Jeder ist für sich selbst verantwortlich? Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied – und was dergleichen ideologischer Sprüche mehr sind.

Die Identität klebt am Glauben – an Treue, Monogamie und den supergeilen Sex, der dann nur noch mittels Drogen gesteigert werden kann. Da gab es noch Beziehungen? Die spielen doch nur als äussere Form eine Rolle. Die richtige Form verspricht die richtige Geilheit.

Ich bin jetzt über 10 Jahre im Internet und in schwulen Portalen unterwegs. Also in der parallelen Welt von Junghomos, Bisexuellen und Althomos, sowie Altbisexuellen. Da findet man die Geilheiten und Fetische, die wichtiger als alles andere sind.

2013 heisst es zum Weltaidstag: „Eine Schweiz ohne AIDS“. Auch so ein Glaubenssatz. JedeR weiss, dass das unmöglich ist – besonder mit dem bekannten „Risikomanagement“. Aber das Unmögliche war schon immer religiös inspiriert und auf die Glaubensebene geschoben. Jedenfalls wollte ich mit diesem Essay darauf hinweisen, was alles vorgegeben wird und was tot geschwiegen wird.

Denn – wie Sirko Salka in seinem neuen Buch im Untertitel schreibt: „Wieso schwules Leben harte Arbeit ist.“ Sicher nicht stundenlanges Ficken ohne Kondom – um den Mann zu spüren. Oder weil er dann schmerzt, oder gar reissen könnte…

Der Kondom sollte dagegen eine Reliquie sein, die nicht den Glauben an die Spermiquie befördert, sondern das Gehirn rein wäscht vom Heterror. Aber wie oben schon angeführt: Aidshilfen kümmern sich um – äh neustens – das Risikomanagement und eben NICHT um die schwule Revoluton. Amen.

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

P.S. Wer sich jetzt über meine ideologische Auseinandersetzung mit der “Aidsprävention” ärgert und gar schon an “die Tablette statt das Kondom” glaubt (!), der vergisst, dass es noch andere sexuell übertragbare Krankheiten gibt und neue geben wird!

 

Ich erinnere an Siegfried Rudolf Dunde (1953-1993) und an zwei seiner Bücher:

Vater im Himmel – seine Söhne auf Erden. Männer und Religion, roromann 8203, 1986 (als Hg.)

Wenn ich nicht lieben darf, dürfen’s andere auch nicht. Vom Umgang der Männer mit sich und anderen, roromann 8227, 1987 (als Hg.)

Zudem werden Männer nur dann frei sein, mit ihrem Körper, ihrer Lust, ihrer Begeisterung über andere spielerisch und lebendig umzugehen, wenn sie die Fülle von Liebes- und Begehrensmöglichkeiten sehen und sich über diese Fülle freuen. Vielleicht müssen sie dann anderen nicht mehr die Liebe vermiesen oder untersagen, wenn sie ihnen selber (noch) zugänglich ist…“ (S. 10)

Ihm verdanke ich erste Einsichten über die Verhältnisse, unter denen Schwule nicht normal werden können.

Heterosexualität – der reine Sexismus!

29. Oktober 2013

Aus langer Tradition gibt/gab es immer 95 % Heterosexuelle und „vielleicht höchstens“ 3-5 % Homosexuelle – beiderlei Geschlechts. Und obwohl Kinsey schon nach dem 2. Weltkrieg sehr viel mehr homosexuelle Aktivitäten abfragen konnte, wir das bis heute als unveränderbar aufrecht erhalten. Doch  Kinsey fragte nicht nach der Orientierung, sondern nach den Aktivitäten. Dabei ist er auf einen „sehr hohen“ Anteil gekommen, sodass viele Heteros meinten, dieser Kinsey müsse doch selber schwul sein – derweil sie unbekümmert „Lesbenpornos“ als zusätzliches Vergnügen konsumierten…

Seit über vierzig Jahren hat sich eine Homosexuellenbewegung (beiderlei Geschlechter) etabliert, die sich organisiert und rechtlich abgesichert hat. Dabei sind die „Schwulen“ immer mehr zur Minderheit geworden. Aber was sind „Schwule“ eigentlich? Keiner weiss das mehr so recht! Die Gruppen und Vereine sind zunehmend ein Teil des Mainstreams und des Warenmarktes geworden, der Ferienindustrie und der Immobilien…

Doch neben den selbständigen Formationen der Lesben haben sich in den letzten zwanzig Jahren neue Gruppen und Grüppchen gebildet, die von der „reinen Heterosexualität“ quasi „abgefallen“ sind. Und bemerkenswerterweise hat die Heterosexualität davon bis heute keine Notiz genommen! Wozu auch? Sie steht ja da mit felsenfesten 95 %!

Unter der „Verwaltung“ der Homosexuellenbewegungen und der Schwulen, die ja meistens sich selber finanzieren und ohne grosse staatliche Unterstützung auskommen müssen, obwohl sie ja eigentlich „leibliche Kinder“ der Heterosexuellen sind, hat sich nun ein interessanter „Abfall“ der Heterosexualität angesammelt. (Für die politische Korrektheit: Abfall kommt von abgefallen!)

Das sind nun also – neben den Schwulen und Lesben – noch die Bisexuellen, die Trans*was-auch-immer, Intersexuelle (und Hermaphroditen), des weiteren die Queers* , die Questionning (1) und die Asexuellen. Und ganz aktuell nun auch noch die Pansexuellen (2), wie ich mir habe erklären lassen. Somit sieht die „Familie des Abfalls“ – in Abkürzungen – zur Zeit wie folgt aus: LGBTIQQAP.

Das erinnert mich an die berühmte Formel des „Schwulen-Gens“ XQ28 oder so ähnlich! Nun sind wir also von einer ursprünglichen „Krankheit“ bei einer immer länger gewordenen „Formel“ gelandet. So etwas habe ich mir aber nie unter „Schwulenemanzipation“ vorgestellt. Auch nicht die Schwulen-Ehe. Und ich denke ganz politisch unkorrekt, dass ich als Schwuler mit allen anderen eigentlich nichts am Hut habe. Und was die Bisexuellen (was immer das auch für sie selber bedeutet) betrifft, so ist wohl der kleinste gemeinsame Nenner die Sexualität miteinander. Damit hat sich’s aber schon.Wir Schwulen hätten da also von denen noch sehr viel zugut – denn wir sind AUCH für sie auf die Strasse gegangen!

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

 

1) Das sind diejenigen, die selbst nicht wissen, wohin sie gehören!

2) Dass mit dem neuen P nicht die Pädophilen oder gar Pädosexuellen gemeint sein können, habe ich sofort begriffen. Aber wenn man das Wort Pan*… betrachtet, dann könnte man auch diese da drin noch mitnehmen! :P

P.S. Die Gerontophilen werden natürlich vergessen, denn das ist dann – politisch korrekt – „Vergewaltigung von alten Senioren“ oder so…

Es gibt auch sexuelle Menschenrechte (DGSS)

Der „Pädophilie“-Vorwurf bewährt sich in der Politik gegen Schwule und Männer

05. Oktober 2013

Ein weiterer Beitrag zur ideologischen Auseinandersetzung. Die Revision des Sexualstrafrechts von 1942 (Gültigkeitsbeginn) brachte die Senkung des „Schutzalters“ für Schwule auf das Niveau der Heterosexuellen – von 16 Jahren. Und es war für einige Schwulenaktivisten klar, dass das Vielen nicht passen würde! Allerdings hat nur Bundesrätin Elisabeth Kopp (FDP) jemals öffentlich von der sexuellen Selbstbestimmung gesprochen!

Schon 1991 habe ich die ersten politischen und “medialen „Angriffe auf die Pädophilen“ kommentiert und auf die mangelnde Diskussion von Seiten der Schwulen(-politiker) hingewiesen. Doch diese zogen es vor, ihre Schwänze einzuziehen und „Frauenversteher“ zu mimen. Wie die meisten Heteros!

Wie ich schon mehrmals anmerkte, war die Fachkommission damals für ein Alter von 14 und die Rechtskomission des NR für 15. Das sexuelle Bewusstsein von Jungs von heute ist mindestens bei 12 angelangt und sinkt weiter. Nur Frauen glauben daran, dass es höher sei, oder eben sein müsse. Sie stecken ihre Söhne in die Tasche zusammen mit ihren Töchtern und betreiben eine sexistische Politik. Pädophile Frauen gibt es nicht und heterosexuellen Missbrauch an homosexuellen Kindern auch nicht. Und wo kein Penis ist, ist auch kein Paragraph… Somit scheint für sie alles aufgeräumt. Es bleibt nur noch, die TätER laufend wegzuschliessen „für immer“ und der Emanzipation von Mädchen und Frauen steht nix mehr im Weg.

Wenn ich den Diskussionen in den Medien so folge, scheint mir das in etwa die vorfrauschende Logik zu sein. Dabei fällt mir zusehends auf, dass die „Sexualdiskussion“ mit gleicher Systematik bei uns geführt wird, wie die Religionsdiskussion im Islam – nämlich zum politischen Missbrauch – gegen bestimmte Menschen und Menschengruppen, die vor allem Männer sind.

Aus: Hodges/Hutter: Das unerhörte Schweigen der Schwulen, VrW 1977 (M.Müller, Zch)

Aus: Hodges/Hutter: Das unerhörte Schweigen der Schwulen, VrW 1977 (M.Müller, Zch)

Unerwartet, aber natürlich mit Grund, ist die „Pädophilen“-Diskussion in der Endphase der deutschen Wahlen „so richtig“ angelaufen! Dabei frauschten vor allem Verdächtigungen und „heute politisch unkorrekte“ Stellungenahmen aus jener Zeit vor.

Schon die Diskussion um Kinderadoption in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften hat dies klar angekündigt! Aber die Lesben wollten keine schlafenden Wölfinnen wecken, weil ihnen an Kindern mehr liegt, um sich als vollwertige Frau zu beweisen, als den schwulen Männern. Aber letztere bringen eben auch welche aus ihren ex-hetera Beziehungen mit – aber in der Männerfamilie sollen sie dann plötzlich nicht mehr hinein passen – wie Hetero/as zu argumentieren pflegen.

Der Schutz der Kinder geht immer auch auf Kosten von Kindern, besonders von schwulen. Dafür muss jedes klitschige Argument herhalten und ein schlechtes Image, was am besten mit „Pädophilen“ gepflegt wird! Sexuelle Übergriffe sind in jedem Falle zu unterlassen. Und statt diese mit der „Traumatophilie“ * und nachträglichem hervor therapieren anzuklagen, sowie Appelle zu lancieren, wie: “Schützet die Opfer und nicht die Täter” – sollte vermehrt auf Prävention gesetzt werden. Erst wird totgeschwiegen und dann sollen die armen Kinder einvernommen werden…

Oh meine Göttin! Hat sich je eine für die homosexuellen „Opfer“ heterosexueller Mütter, Freundinnen oder Ehefrauen interessiert? Beim Bruch einer heterosexuellen Ehe ist „natürlicherweise“ immer der homosexuelle Partner „schuldig“. Denn damit wird suggeriert, dass allein schon „die Homosexualität“ ein Missbrauch sei! Dieser Sexismus muss aufhören! Und dazu taugt das „Frauenverstehen“ überhaupt nichts. Mann sollte Frauen verstehen lernen und sich mit ihnen auseinandersetzen! (1) Das Gedöns von den „toleranten Frauen“ ist eine Nebelkerze!

Wer macht sich überhaupt Gedanken über ein Männerbild, das zusehends gesellschaftspolitisch vorfrauscht und die Gehirne von Knaben, ahem Kindern kolonisiert? Kombiniert mit Frauen als die guten Vorbilder, vom Kindergarten bis in die letzten Primarklassen… Männer einfach abwesend, oder weggesperrt für immer!

Den traditionellen Seximus einfach umzukehren, ist – mit Verlaub gesagt –  nur „dämlich“! Die ausschliessliche Opferrolle der Frau findet mit ihrer Emanzipation ein natürliches Ende! (2)

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

 

P.S. In der Verfassung steht die Gleichwertigkeit der Geschlechter. Auch wenn darin nichts von Homosexuellen zu finden ist! :P

* Traumatophilie. Gefunden bei Sandor Ferenczi, schon 1911! Zur Nosologie der männlichen Homosexualität (Homoerotik) Hierbei diagnostizierte Ferenczi eine schicksalshafte Lebens-Einstellung der von ihm therapierten homosexuellen Männer – vorwiegend ist der weibliche, invertierte Typ gemeint! (Siehe auch Anmerkung 2!)

(1) “Auf der politischen Ebene sind wir diesen dusseligen Satz von der Frau als dem friedlichen Geschlecht glücklicherweise endlich los, aber auf der Alltagsebene sind wir diese Überschrift immer noch nicht los. Gerade worauf Du, Christine eben abhebst, zeigt ja, dass Gewaltzuarbeit unter der vernebelnden Wahrnehmung der Harmonie entstehen kann. Harmonie erweist sich jedoch hier als kräftige Nahrung für eine Gewaltspirale. Verrückt, aber wahr, Gewaltzuarbeit kann durch Konfliktvermeidung erfolgen. Und das, denke ich, ist in allen Beziehungs- und Lebensformen möglich, sich selbst, eine oder einen in die Harmonie-Gewaltspirale zu bringen.” (Albrecht-Heide/Holzkamp: Lebensformen und Sexualität, 1998, S. 25) 

(2) Die Arbeiten von Carol Hagemann-White und Margrit Brückner über heterosexuelle Gewaltbeziehungen zeigen, Frauen unterwerfen sich, um Misshandlungen vorzubeugen. Die Gewaltbeziehungen waren am Anfang der Beziehung weniger gewalttätig. Trotzdem haben Frauen diese Grenzüberschreitungen zugelassen. Sie haben sich nicht gewehrt, haben den Konflikt gescheut, haben nicht riskiert, dass die Beziehung auseinander geht. Sie haben sich so verhalten, wie es die heterosexuelle Geschlechterordnung vorschreibt. Um des lieben Friedens willen schweigen Frauen, machen Frauen mit, passen Frauen sich an. Und das ist es ja, was wir meinen, wenn wir behaupten, Frauen stellen die Strukturen, unter denen sie leiden, – hier Heterozentrismus – im alltäglichen Handeln selbst mit her. Und auch gleichgeschlechtliche Beziehungen sind von der heterozentristischen Norm beeinflusst. So muss Gewalt in lesbischen und schwulen Beziehungen auch im Kontext (des) Heterozentrismus wahrgenommen und analysiert werden.” (Albrecht-Heide/Holzkamp: Lebensformen und Sexualität, 1998, S. 24-25)

Zu den “Pädophilie”-Vorwürfen gegenüber Ralf König!

IndiaNürnb82

Es ist völlig schwachsinnig aus der Darstellung einer Diskussion in der Beethovenhalle von 1982 “politisch unkorrekte” Vorwürfe zu konstruieren!

Ralf König hat lediglich die Stellungnahme von Teilnehmern erwähnt, die an der gesamten Diskussion (siehe den ganzen Comic!) teilgenommen haben! Wobei darin klar wird, wo er selber steht! Wer den Comic gelesen hat, der rauft sich das Haar, wenn nun Heteros/as – rückwärtsgewandt (sic!) – sich auch noch in diese “Diskussion”,  einschalten! Das hat uns gerade noch gefehlt…  Peter Thommen_63

Tino Henn vom Männer Oktober 2013 schreibt Klartext zur “Pädophilen”-Denunziation und kritisiert Alice Schwarzer als “Fachfrau” in der Sache noch dazu! ”Schwule sind sexuell nicht an Kindern interessiert.” Das kann man so sehen. Allerdings verfällt er seinerseits in politische Korrektheit, indem er unterschlägt, dass Kinder durchaus am Sex Erwachsener interessiert sind. Nicht unbedingt MIT ihnen. (aber innerhalb des gleichen Geschlechts wohl schon.) Allerdings sollte Frau Mutter ihnen auch früh genug beibringen, dass das verboten ist, statt sie nur – hinterher – davor zu “schützen”!

 

BRD Wie die Befürworter einer Beibehaltung des § 175 während der Vorbereitungen der Strafrechtsänderungsentwürfe regelmässig nicht ohne Häme prophezeiten, verschwand nach seiner Streichung die soziale Ächtung der Homosexuellen keineswegs. Im Gegenteil: Es bildete sich bald eine neue Derivation (uns aktuell bekannt aus der Finanzindustrie! grins PT 2011) heraus (Homosexualität als stete Kindergefährdung), die das Fortbestehen der Ächtung ‘vernunftgemäss’ erscheinen liess. Und da das Beharrungsvermögen des menschlichen Geistes enorm ist, darf man durchaus mit der künftigen ‘Entdeckung’ noch weiterer Derivationen rechnen, mit deren Hilfe das Vorurteil seine fernere Daseinsberechtigung ‘beweist’. (Gisela Bleibtreu-Ehrenberg in: Homosexualität. Die Geschichte eines Vorurteils, roro 3814, 1981, Schlusswort: Was könnte man tun? S. 405-407)

2013  Russland.  In Begleitschreiben zum Entwurf verweist der Autor auf das berüchtigte Gesetz zum Verbot der ‘Propaganda von nichttraditionellen sexuellen Beziehungen’ unter Minderjährigen: “Wenn man diesem Gesetz folgt, dann ist eine solche Propaganda nicht nur in den Medien verboten sondern auch in Familien … Wenn man davon ausgeht, dann erzeugt der sexuelle Kontakt eines Elternteils mit einer Person des gleichen Geschlechts einen solchen Schaden in der Psyche des eigenen Kindes, der nicht mit Verwaltungsvorschriften allein erfasst werden kann, denn die Mutter oder der Vater sind ein Verhaltensvorbild für das Kind.” Deswegen sollen die neuen Normen in das Familiengesetzbuch eingebracht werden. (Quelle: quarteera e.V./in queerdenker, 1894.ch)

 

Der Heterror im Umgang mit Homosexualität besteht darin, homosexuelle Jungs nur halb ernst zu nehmen und sie vor erwachsenen Verführern zu bewahren, sowie die erwachsenen Schwulen von ihnen fernzuhalten mit Drohungen von „Pädophilie“!”

Damit lernen wir, den heterosexuellen Missbrauch in der Jugend zu vergessen und uns damit abzufinden, dass wir nicht “alt” werden können!! Es fehlt uns die Verbindung der Generationen, die für Heterosexuelle selbstverständlich und wichtig ist.

Daraus werden alle Manöver wie Adoptionsverbot und “Schutz vor Ausbeutung” bis 18 Jahre verständlich. Aus diesem Grund hat die Schwulenbewegung auch das frühere Schutzalter von 20 auf der Strasse bekämpft! Es hat gerade mal 20 Jahre gehalten…   P.Th.

 

Ein anschauliches Beispiel verhohlener Schwulenfeindlichkeit: BILD und Claus Jacobi, kommentiert von Stefan Niggemeier

queerpredigt 03

05. Oktober 2013

In der Geschichte von Adam und Eva – oder je nach Lesart auch: Adam und Steve, oder Alma und Eve – begehen Menschen ihre erste Sünde = Ungehorsam gegen das Himmelsmonster. Wenn wir uns die kulturellen Bilder in dieser Geschichte vergegenwärtigen, dann war das ein bemerkenswertes Drama. Ich versuche, das ganze etwas queer zu sehen.

Eva wurde angeblich aus der Rippe von Adam erschaffen, sie war also genuin männlich. Ursprünglich also ein gleichgeschlechtliches Paar! Was denn Evas „Fraulichkeit“ ausgemacht hat, wird nicht erwähnt.

Das corpus delicti war ein Apfel, ein männliches Symbol. Eva oder Evo hat also Adam mit dem Symbol eines Mannes verführt, indem sie ihm einen Mann (und damit gleichgeschlechtliches Begehren = ‘Freund, Kamerad’) vorgaukelte. Zudem symbolisiert die Szene die Verführung zum Logos, zum Denken, was mythologisch nicht Sache von Frauen war, sondern den Männern zugeteilt.

Wieso die Schlange im Deutschen weiblich ist, kommt von wohl von den ihr kulturell zugeschriebenen Eigenschaften her. In anderen Sprachen ist „sie“ nämlich männlich (le serpent) – und auch ein männliches Symbol! Allgemein gesehen ist das ganze Szenenbild „männlich“. Man könnte annehmen, dass es die kindlich-homosexuelle Vorstellung von „den Geschlechtern“ ist. (> Psychoanalyse) (Lilith war übrigens auch eine Frau Adams)

Homosexualität und Glaube

30. September 2013

Ich bin jetzt 63 Jahre alt und habe mich heute für die AHV-Rente ab 64 angemeldet. Das ist bei prekären Arbeitsverhältnissen auch schon ab 63 möglich.

Ich bin aufgewachsen in einer nicht frömmelnden Familie. Meine Mutter gab immer etwas an die Heilsarmee, hielt aber nichts von Tischgebeten und Kirchenbesuchen. Sie hatte in eine religiöse Familie hineingeheiratet, war aber damals von der Schwiegermutter von “Bibelstunden freigesprochen” worden. Wir haben die wichtigen Feiertage gefeiert und sind an Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen gegangen…

Als sich mein Vater nach Scheidung und Tod meiner Mutter wieder verheiratet hatte, bin ich wirklich fast vom Stuhl gefallen, als beim Mittagessen das Tischgebet verkündet wurde…

Ich habe mich in meiner Jugend konfirmieren lassen und so ziemlich mit Religionen auseinandergesetzt – inklusive Mormonen und Zeugen Jehovas – und bin eigentlich immer etwas auf Abstand geblieben. Nach dem Motto von Karl May: Bleibe was Du bist und respektiere die anderen Religionen und Zeremonien…

Das hat sich natürlich mit meiner Homosexualität gründlich geändert! Statt zu einem alten Mann in einem Himmel zu beten, habe ich die Liebe und den Sex zum Mann entwickelt. Ich habe erkannt, dass die monotheistischen Religionen in etwa die Männerliebe/Homosexualität im Weltall “tief gefroren” und zu einer Religion vereist haben…

Also wozu soll glauben? Ich habe gelernt an mich und meine Orientierung zu glauben und die anderen Gläubigen als “Glaubensverwandte” zu verstehen! ;)

Ausserdem finde ich Religion ein wichtiges Kulturgut, das nicht bekämpft, sondern neu betrachtet werden sollte. Vor allem im historischen Zusammenhang.

Was Gläubige mit ihrem Glauben so erleben, kann ich nicht verstehen, denn es findet innerhalb ihres Glaubens statt. So ähnlich wie in einer Beziehungstherapie, unter Anleitung eines Therapeuten. Homosexuelle Glaubensgemeinschaften mit pietistischer Ausrichtung bereiten mir Unbehagen.

Ich habe in meinem Leben gelernt, Zufälle zu akzeptieren und nicht alles erklären zu können oder zu wollen. Es ist mir aber durchaus ein Bedürfnis, eine Religion in ihren historischen und kulturellen Zusammenhängen zu sehen und erkennen zu können.

Ich frage mich nur, wie können wir uns von alten Vorstellungen und Ritualen trennen und sinnvolle neue finden.  ZB anstelle von Gebeten und Sündenvergebungen. Was kann an Stelle von Eifern und Gehorchen treten? Wie können wir einer Gemeinschaft von Schwulen, oder mit Schwulen, Raum zur Entfaltung geben?

Wie können religiöse Glaubensvorstellungen im Zusammenhang mit realisierten Vorstellungen im Sex mit anderen Männern verarbeitet werden?

Dafür habe ich leider in hergebrachten kirchlichen und auch homosexuellen, religiös motivierten Kreisen, noch nicht viel überzeugendes gefunden. Amen.

Peter Thommen

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