Das L39 wieder offen, täglich ab 20 h

November 23rd, 2016

Am 1. Dezember startete die Bar um 20 h mit Geschäftsführerin Marie und etwa einem Dutzend StammgästINNen. Manfred und Peter kamen auch dazu.

 

l39

Öffnungszeiten: So-Do  20-02 h, Fr + Sa 20-04 h

(öV Tram 2/Wettsteinplatz, sowie weitere Trams Claraplatz (zahlungspflichtige Parkplätze Kirchgasse/Rebgasse/Kartausgasse)

Über die Feiertage geöffnet! 

Es werden noch Barmen gesucht! Melden unter 061 689 15 55

 

„Der Tempel isch wäg!“

Oktober 12th, 2016

Ich sage immer wieder, dass jede Gruppengemeinschaft ihren Versammlungsort braucht. Die Juden die Synagoge, die Christen die Kirche und die Moslems die Moschee.

Auch die Schwulen brauchen einen Ort wo sie sich treffen können. Zum Klönen, zum Feiern, um sich zu ärgern und um damit zu drohen, dass sie an diesen Ort wegen diesem und jenem und dieser und jener nie mehr hingehen werden…

Diesen „täglichen“ (oder zunehmend nächtlichen) Ort gibt es in Basel nicht mehr. Die Öffnungszeiten sind eh immer mehr „nach hinten“ verschoben worden. So konnten die Schwestern erst überall bei Heteros herumschnuppern und wenn ihnen dann doch nichts passte, fanden sie sich endlich in der Gaybar ein. Und mit Gästen, die dreimal im Jahr vorbeischauen, ob’s es noch gibt, kann kein Lokal überleben. Der Ort sieht zurzeit aus wie die letzte Chnelle in einer Banlieue…

Mit Blumendekorationen wie an einer Abdankung liessen sich auch keine Gäste heranlocken, hiess es kürzlich. Doch jetzt ist es wie nach einer Beerdigung.

Das schwule Leben findet nächtens statt, zwischen heterosexueller Arbeit, Datingplattformen und privatem Schlafzimmer. Bemerkenswert ist, dass dies keinen interessiert. Als der Dupf vor 13 Jahren aufgegeben wurde, schuf Ronnette die „Untragbar“ im Keller des Hirscheneck. Aber auch nur Sonntagabends ab 21 Uhr.

Hier ist auch anzumerken, dass Gaytreffpunkte sehr Jugend- und Alten-UNfreundlich geworden sind. Zudem ist mann immer mehr gezwungen worden, in den Lokalen Ohrstöpsel zu tragen oder sich dem Musik-Lärm auszusetzen.

Ein Tagescafé wie es sie in Deutschland gibt, konnte sich in Basel nie halten. Auch nicht Darkrooms, wie seiner kurzerzeit im Keller des Dupf.

Peter Thommen_66, Schwulenaktivist Basel

Die Bar L39 hat ihren schwulen Schnauf wohl ausgehaucht. 1973 vermeldete der Spartacus-Guide aus Basel, dass die „Theres-Bar“ (im Bierkäller, Ochsengasse) ihr Domicil an einen anderen Ort verlegt und unter einem neuen Namen wiedereröffnet habe. In der Ausgabe von 1974 finde ich erstmals ein Inserat vom Elle&Lui an der Rebgasse 39.

Über vierzig Jahre sind Frauen und Männer aus allen „Buchstabenbereichen“ der heutigen Aufzählungen, inkl. der daran „fehlenden“ Hetero/as über die Schwelle dieses Lokals getreten. Viele Lebensschicksale sind sich dort begegnet. Es wurde viel gelacht und auch mal geweint.

Therese Ollari hatte mit Gartentischchen und vielen verschiedenen Stühlen und Hockern angefangen. Sie waren bekannt. Die „Giraffe“, der Freund von Erwin Schaller fuhr eines Tages mit einem Stecken über alle Glasperlen der Leuchter und rief: „Stimmung, Stimmung“ und machte einige damit kaputt… Auch an die „Blauphase“ mit Martin Rosenast und seinen veganen belegten Brötchen kann ich mich erinnern. Schliesslich wurden die „marokkanischen Bögen“ herausgerissen und im hinten anschliessenden Gärtchen haben einige Grillfeste stattgefunden. Die Zeit mit Michel Schwarz bleibt unvergessen. Es gäbe vieles um das Elle et Lui zu erzählen, ein ganzes Buch!

Leider fehlen mir Nachrichten über die endgültigen Entscheidungen über die Zukunft dieses Ortes und ich hoffe, sie baldmöglichst nachtragen zu können… P. Thommen im schwulen Gassenblatt Nr. 15/Sept. 2016

siehe auch meine Kolumne im Cruiser vom Oktober!

Aktuelles Interview mit  Peter Thommen_66  in der Sendung „Schwule Welle“, Radio Dreyeckland, Gruppe Rainbowstars 025.8.16

Strategien der Emanzipation gestern und heute – was bleibt zu tun? – Basiswissen für einfach denkende männerliebende Männer… – Diskriminierung und die Haltung von bisexuellen Männern – Schutzalter 20 in der Schweiz – Vorbilder für Schwule – 30 min. (anschliessend Interview mit Ben von der hp „Jungsfragen“)

Thommen auf gayradio.ch Bern 2008

Es sind sich ja heute nicht mehr alle so sicher, ob ein coming out nötig sei. Lies dazu den „Heteroflüsterer“  Und was die SVP-Homos betrifft, lies dazu die „Homos in der AfD“!

Das schwule Auge!

April 28th, 2016

Ich habe in der ersten Ausgabe der Buchreihe „mein schwules Auge“ einen interessanten Briefwechsel zwischen den HerausgeberInneN und einem Fotografen gefunden (Nr. 1/2003, S. 4-9). Er dreht sich darum, ob es eine besondere „schwule“ Sicht auf den Mann gäbe. Es ist eine alte Diskussion, die sich früher vor allem um antike und „historische“ Kunstwerke gedreht hat.

Grundsätzlich sieht jede/r MenschIn anders, was die Aussenwelt betrifft. Interessant sind jeweils auch die Sichtweisen von Frauen…

(Eingeladener) Fotograf: Und so stellte sich mir zum Thema ’schwule Kunst‘ sogleich die Frage: Braucht man zum Konzertverständnis schwuler Cellisten auch ’schwule Cellos‘ und ’schwule Ohren‘? Oder beim Fotografieren nackter Männer einen ’schwulen Kodakfilm‘? Das „heimliche Auge“ (andere ältere Buchreihe desselben Verlages, pt) hat dem gegenüber doch eine sehr tiefsinnige Bedeutung.

Spontan kommt mir in den Sinn, dass Marienbildnisse ja auch nicht katholisch sein müssen, oder von Katholiken erstellt! Aber der Blick darauf ist unterschiedlich, ob jemand gläubig ist oder nicht!

(Fotograf) Die Akteure in meinen Fotos, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, die agieren, sind doch überwiegend Heteros. Die einfache Reduzierung auf eine ’schwule Betrachtung‘ führt zur völligen Auflösung der Konzeption, die Attraktivität und das Selbstverständnis eines Menschen allen zugänglich zu machen… Ein Hetero-Mann, dem derartige Fotos gefallen, müsste ja ebenfalls ein schwules Auge haben?

Nun, die meisten bildlich dargestellten ‚Models‘ sind Heteromänner, die sich einem schwulen Auge darstellen und wissen meistens nicht genau, wofür ihr Abbild gebraucht wurde/wird. Der entscheidende Unterschied ist eben nur für Heteros wichtig, nicht aber für Schwule. Ich erinnere an Herlinde Koelbl (*1939), die als Frau 1984 den allgemeinen Durchbruch für die „Männerfotografie“ schaffte, mit ihrem schwarz-weissen Band. Vorher war das eine allgemeine „schwule Domäne“ gewesen. Weil sie eine Frau ist, waren die Fotos „unverdächtiger“.

Solche Fragen plagen eigentlich nur Heteros. Homosexuelle Männer haben sich selten um sowas gekümmert. Sie geniessen auch ohne genaue Angabe der Orientierung oder des „Auges“! Wir kommen der Sache näher: Die Rezeption ist eine unterschiedliche, während die Darstellung eine „unbeschränkte“ ist.

Der Fotograf schwadroniert von einem „unerträglichen Sprachgewäsch“, wenn es um schwule Kunst gehe. Und so wird aus dem Bild einer Liebesszene zweier schwuler Männer ein schwules Bild.

So einen Schluss zu ziehen ist aber unzulässig, wie Kathrin Geyh nachweist in ihrem Buch: Das Helle braucht das Dunkle, U-Verlg. Konstanz 2011, 175 S. Das einzig beschreibbare an einem Bild ist eine Assoziation mit Homosexualität, von Schwul noch gar keine Rede. Bei letzterem müssten die Dargestellten befragt werden. Allerdings vergleicht sie die Bilder des Films „Brokeback Mountain“ mit biblischen Ikonen und weist darauf hin, dass in dem Film die Natürlichkeit der Heterosexualität in den Lebensbereich der ‚unnatürlichen‘ Stadt verweist und die Unnatürlichkeit der Homosexualität in die ’natürliche‘ Natur…

Es kann nicht die Rede sein von einem „schwulen Auge“, das von einem Körper zu sezieren sei, wie der Fotograf meint.

Aus der Antwort des Herausgebers: Ich stehe zwar sexuell auf Männer, bin aber doch heterosexuell sozialisiert und ordne mich auch nicht dem schwulen Mainstream zu, habe überwiegend heterosexuelle Freunde und sehe meine Sexualität nur als einen Teil meiner Persönlichkeit und definiere mich auch nicht ausschliesslich über sie.

Da sind wir beim Zitat von: „Ich bin ein ganz normaler Mann, habe aber da irgendwo so eine komische Sexualität“. (Ort gerade nicht zur Hand, pt)

Hier muss ich anmerken, dass es eine allgemeine Tendenz ist, sich „vom schwulen Mainstream“ zu distanzieren. Vom heterosexuellen Mainstream distanzieren sich im Vergleich nur wenige Hetero/as. Überhaupt ist interessant, wie sich die Distanzierung zwischen beiden Möglichkeiten immer wieder ähnlich begründen lässt! Auch von Männern, die behaupten, bisexuell zu sein und nur „den Menschen“ attraktiv zu finden…

Herausgeber: Ich möchte vor allem etwas Unterhaltsames machen, was schön anzuschauen ist, und es kann jeder sein schwules Auge aufmachen, jeder kann unabhängig von seiner Sexualität einen Beitrag machen, wenn er gut ist. Sicherlich gibt es einen „typischen“ Blick, der von schwulen Erfahrungen geprägt ist. Das Buch soll für Leute sein, die Männer erotisch finde und das werden Schwule, Bisexuelle und auch Frauen sein.

Die HerausgeberIn ist ihrerseits über den folgenden Satz des Fotografen gestolpert: „Ein Heteromann, dem derartige Fotos gefallen, müsste ja ebenfalls ein ’schwules Auge‘ haben.

Sie antwortet ihm: Ja, das hat er auch, wenn ihm die Bilder mit (s)einem erotischen Blick gefallen. Der Punkt ist doch nicht die -zuweisung, sondern die Abgrenzung, oder? Erotisches Begehren zwischen zwei Männern ist schwul. Das glaubt sie, das muss aber nicht so sein! Es kann nur für kurze Momente, für Fantasien.. bei einem sonst sich als Hetero verstehenden Mann auftauchen… Also kann auch ein Hetero ein schwules Auge haben, so wie ich als Lesbe ein Hetero-Auge habe… Und überhaupt kann der Mensch doch viele Augen haben oder? Hier denkt sie heterA-weiblich, zeigt sich ein Bestreben, alle Verschiedenheiten unter einen Mainstream zu versammeln.

Gerade finde ich beim surfen eine Bemerkung zu Prince und seiner Ikone: Da erinnert sich einer an eine Begegnung mit Prince, dessen sexuelle Masken alle Geschlechter und Schwarze wie Weisse verunsichern konnte, und: „Wie ein Blick in dessen Augen ihn für zwei Sekunden zu einem Schwulen machte: Aber ich war nicht der Unterliegende, ich war der Dominierende, verwechselt das nicht! I d’haved fucked the shit out of that motherfucker. That troublet me tough, man.“ (Perlentaucher, über Harper’s Beitrag vom 25.4.16)

Sie meint auch noch, dass das schwule Auge auch die Frau mit ihrem heterosexuellen Blick auf attraktive Männer nicht ausschliessen sollte.

Leider versteht der Fotograf nichts von sinnlichen Parallelen oder Übertragungen. Er nimmt es „mechanisch“: Die Vielfalt von Emotionen und erotischen Spannungen ist so komplex, dass ich eine Einteilung in sexuelle Kategorien als sehr ungeeignet empfinde. Das wäre etwa so, als würde man Kochrezepte ausschliesslich nach den Farben der Zutaten entwickeln… Ein erotisches Begehren zweier Männer ist sicherlich schwul – aber reduziert sich die Betrachtung und Gefälligkeit eines (wenn auch erotischen) Bildes – bei allem Respekt – nur auf erotisches Begehren? Eine Frage mit sehr weitreichenden Antwortmöglichkeiten.

Weiter unten: Wenn Behinderte neue und eigene Massstäbe für Sportveranstaltungen schaffen, ist das eine ganz klare und erforderliche Sache. Wenn jedoch Schwule eigene Massstäbe für Kunstschaffen und Kunstverständnis erfinden, führt das zur freiwilligen Ausgrenzung und geistigen Selbstbehinderung.

Wir sind an einem zentralen Punkt angelangt: Wer grenzt wen aus? Dazu gibt es noch immer die geniale Antwort, die Giovanni Dall’Orto schon 1994* gegeben hat: Wir ‚Ghettoisierten‘ grenzen niemanden aus, wir lassen Heteros ebenso herein. Wir gehen auch an die Orte der Heteros. Es sind aber genau diese, die nie unsere Orte frequentieren würden, weil sie Angst haben, man würde sie „hier“ sehen und sie würden dann ebenso ausgegrenzt! (Sinngemäss)

Zum Schluss passt der neue Film von Andrè Téchiné: Quand on a 17 ans! Zwei Aussenseiter verschiedener Art im Gymnasium. Schon eine der ersten Szenen zeigt ihren Status in aller Härte: Im Sportunterricht sind sie die letzten, die in die Mannschaften gewählt werden. Thomas ist afrikanischer oder maghrebinischer Herkunft, etwas verstockt, etwas aggressiv, aber auch unverkennbar liebesbedürftig. Damien ist schwul und bis über beide Ohren verknallt in diesen hübschen Jungen. Jedes Wort, jeder Blick Damiens bringt Thomas zur Weißglut, sie prügeln sich, beleidigen sich, jede noch so schmerzhafte Nähe ist besser als gar keine Berührung. Um die Schläge besser aushalten zu können, lernt Damien boxen…

Als Drama in drei Trimestern erzählt Techiné seine Geschichte der jugendlichen Liebe und des erotischen Erwachens, mit einem feinem Gespür für die emotionalen Konfusionen, für die Sinnlichkeit und all die Schlichen, mit denen junge Menschen vom Leben kosten, wie bitter es auch schmecken mag. Mit großer Eleganz und Delikatesse zeigt er verstohlene Blicke, gestohlene Berührungen und die vor Verlangen berstenden Körper. (Thekla Dannenberg auf perlentaucher.de)

Wir zerstören alles, wenn wir über Feinheiten hinwegputzen. Wir sollten achtsam auf Verschiedenheiten sein, denn nur dann erlangen wir all die Feinheiten, die ein erfülltes Leben bieten kann. 

Wir sollten die grundsätzlichen Widersprüche, die sich aus der Hinwendung zum eigenen Geschlecht ergeben nicht ausblenden oder von anderen „Nebenwidersprüchen“ zudecken lassen. 

Peter Thommen_66, Schwulenaktivist, Basel

* Babilonia Nr. 120, März, S. 59-61, italienisch > giovannidallorto.com

 Über die schwule Scham, vom Zaunfink

über Brokeback Mountain

Karfreitag und Ostern: Überleben wir die Homosexualität um heterosexuell zu werden?

März 28th, 2016

Vor fast 25 Jahren schrieb ich in meinem Blatt „Thommens Senf“ eine erste „Osterpredigt“ (1) Mir haben von klein auf schon immer die „Gleichnisse“ und Bilder aus den biblischen Erzählungen gefallen. Diese Ikonen (eine Art zusammenfassende Abbilder) sind eine späte Form von Hieroglyphen der Altägypter und sprechen für sich und bilden zugleich eine Sprache/Aussage. Sie sind für die orthodoxen (ehemals oströmischen) Kirchen sehr wichtig und bilden eine Grundlage des „gläubigen Verständnisses“ in einer damals ziemlich bilderlosen Gesellschaft. Im Islam ist es wichtig, den Koran in der hocharabischen Version laut zu deklamieren (vorsagen), um dem Gott am nächsten zu kommen. So wie die Kirchen mit ihren Bildfenstern, nutzen wir auch am Computer „Icons“ um komplexere Befehle oder Zusammenhänge auszudrücken oder auszuführen. (Im Cruisermagazin vom April 2016 habe ich versucht, über verschiedene, für Schwule (2) wichtige Icons zu schreiben.)

Im Jahr 1993 war es für mich klar: Wir sterben an Karfreitag als Heterosexuelle, um homosexuell an Ostern aufzuerstehen! Jesus ist eine Ikone geworden, die, je nach Interpretation, sich gegen gesellschaftliche, ordnungspolitische oder religiöse Gesetze aufgelehnt hat. In zweitausend Jahren Kulturgeschichte haben wir es schon lange nicht mehr mit historischen Fakten oder Zeugnissen aus erster Hand zu tun. Es hat Jahrhunderte gedauert, bis Männerliebende selber sich äussern konnten, oder Homosexuelle in den Medien (Telearena 1978!). Jahrhunderte, bis überhaupt religiöse Texte in der Sprache von „Gläubigen“, oder Verehrungskulte (Gottesdienste/Messen) nicht mehr in Hochlatein abgehalten wurden.

Im Cruisermagazin vom März 2016 (S. 26) habe ich darauf hingewiesen, dass Homosexuelle sehr heterogene Sexualwesen sind und dabei – vor allem im sexuellen Erlebnisbereich – ganz einfach gestrickt, wenig differenziert und hier meine ich auch stark von den herrschenden und frauschenden Machtverhältnissen geprägt (> zahllose Fetische!). Da erweisen sich Bildsprache und Bilder als wirkungsvollere Informationsträger als alle hochintellelen Vorträge. In diesem Spannungsbereich bewege ich mich also als „Bildsteller“. Nun also zu meiner ersten Predigt (3).

Das Osterritual gilt als das höchste christliche Fest um Männer. Logisch dass Männerliebende das nicht ignorieren können. Da wo sich alles – auch die Frauen – um Männer dreht, werden nicht nur Gläubige davon betroffen. In unserer Gegenwart dreht sich ja alles um Frauen! Da bleibt also doch noch Raum für einen „schwulen Blick“ auf das Ritual, die Vorgänge und Deutungsmöglichkeiten (Icons). Der Freitag als Tag der Strafe für das „nicht ausschliesslich heterosexuell sein wollen“ (4). Ohne dieses gewaltsame „coming out“ in der Öffentlichkeit wäre eine Auferstehung in der christlichen Ideologie undenkbar!

Freitag – ein Tag der Selbsterkenntnis, statt des Verrats. Gleichzeitig wird Dein Normalleben zerstört . Du hängst am Kreuz der Vorurteile (und auch der heimlichen Wünsche der Normalos). Es hat aber Mitschwule/sich erbarmende Hetis, die Dich bald vom Kreuz herunter holen (weil sie sich davon anrühren lassen werden).

Eingewickelt in weisse Linnen der Zuwendung, in der (mütterlichen) Grabhöhle kommst Du dem Tag der Auferstehung näher. Plötzlich erscheinst Du Deinen Freunden wieder: Als Schwuler, als Individuum, als bunter Schmetterling (frei vom Cocon). Sie werden Deine Wunden betasten und nicht glauben wollen, dass Du schwul bist! Andere, die auf Distanz zu Dir gehen, können Dich nicht begreifen/erfassen. Du kannst sie ruhig gehen lassen. Du bist auch ein Angenommener ohne dieselben!“

Wenn ich sehe, wie viel Kraft es zu einem coming out braucht, wie finster vorher alles gesehen wird von Homosexuellen, wie fest sie sich an ihre „heterosexuelle Unschuld“ klammern, dann fühle ich Karfreitag. Der totale Anspruch an die eigenen Kräfte. Der Becher geht nicht vorbei. Ein solches coming out ist ein Reifeprozess wie eine beendete Verliebtheit oder eine lange Beziehung. Und das was viele fast wie einen „Tod“ erleben, ist erst eine Fühligkeit, die uns bei unserem Tod helfen wird. Und auch der Tod ist eine Bedingung für das, was Auferstehung genannt wird. Wir wissen genausowenig, was nach dem Tode kommt, wie wir je wussten, was nach dem coming out kommen würde, oder woher wir gekommen sind.“ (5)

Interessant auch eine Nachbemerkung von damals: „Zum Judaskuss: Dass der Akt der Befreiung/Enthüllung in einer alltäglichen, unauffälligen (und typisch orientalischen) Handlung enthalten ist, zeigt uns, dass nur die Sichtweise der Umgebung das ganze zum Drama hochstilisiert. Die Küssenden haben ja kein Problem. Judas tut es für die „Hofschranzen der Mächtigen“ (30 Silberlinge) und Jesus „tut es dem obersten Gott zu Gefallen“. (Aber haben sie es auch je für sich beide getan?) (1)

Wir Schwulen sind zwar durch Heterosexualität in diese Welt gekommen, aber uns wurde auch bestimmt, ein „neues Verhältnis“ mit den Menschen einzugehen, das diese vor uns anscheinend noch nicht kannten. Wir kennen unsere übergeordnete Bestimmung auch nicht und wehren uns verzweifelt gegen unser Anderssein. Wir werden von der übergeordneten Heterosexualität verstossen, die sich den Anschein der totalitären Absolutheit gibt. Wir sind gezwungen, unsere herkömmliche Biografie aufzugeben, oder die wirkliche Biografie zu verleugnen. Ob dieser Leistung kräht aber kein Hahn! Und gar mancher Hetero wird zum Judas eines Schwulen in dieser Gesellschaft.“ (5)

Heute ist alles ganz anders! Es gibt keinen Karfreitag mehr, coming outs werden nicht mehr gebraucht! LondonJames (Lifestyleberater und Dating-Experte) zur Öffnung der Ehe für alle: „ … heisst es in den Akten schlicht und einfach: verheiratet. Dann braucht es weder ein Coming out am Arbeitsplatz oder sonst wo. Man(n) wird nicht blossgestellt. (6)

Der oben „ikonosierte“ Akt der Individuation verkommt zum blossen Akt auf dem Standesamt! Und heraus kommt? Eine Homo-Ehe! Shereen El Feki schreibt hingegen von nordafrikanischen Männerliebenden und zitiert Hassen: „Ich kenne die tunesische Gesellschaft. Wir werden garantiert nie die Schwulenehe fordern, weil die meisten von uns den klassischen Rahmen einer Beziehung, die Ehe, ablehnen; daran denken wir nicht.“  (7)

Die jungen Männer in der orientalischen Gesellschaft wollen „nur“ ein normales Leben führen und nicht mehr diskriminiert werden. In dieser „schweigenden oder verschwiegenen“ Kultur ist ein coming out/eine Individuation gar nicht möglich. Die meisten führen eine hetero Ehe, ja müssen sie führen, falls sie genügend Geld verdienen können.

Wie wir sehen gibt es Ausnahmen, die früher politisch und heute religiös motiviert werden. Statt ans Kreuz genagelt zu werden, sprengt man sich in die Luft – für den grössten aller Männer, oder der Ikone, die die grösste Autorität auf sich versammelt…

Das Gemeinsame liegt eben im Widerspruch! In den Fussballstadien wird Männerfussball gespielt und spielen sich formal „Männerorgien“ ab. Draussen vor aber herrschen die Gesetze der Männlichkeit: Gewalt und Vergewaltigung. So, wie sie es alle in dieser Kultur gelernt haben. Wer homophobe Lieder singt im Stadion, der bestätigt auch gleich das, was er mit Liedern weit von sich weist!

Christliche Ostern, das ist für mich die Sehnsucht des Mannes nach dem Mann. In einer total heterrorisierten Gesellschaft. Es lohnt sich, darüber zu meditieren und Icons zu formulieren!

Peter Thommen_66, Schwulenaktivist, Basel

 

1)  Damals „für Schwule und Lesben“, in der 14. Ausgabe des 2. Jahrganges vom 9. April 1993. Es ging – und geht bis heute – aber nur um Schwule.

2)  Schwule sind für mich Männer, die nicht einfach nur mit anderen Männern Sex haben, oder sie lieben, sondern sich auch mal Gedanken darüber machen!

3)  Ein Text, der meist mündlich vorgetragen wird und auf einen bestimmten Zweck hin verfasst worden ist.

4)  Man/frau beachte, dass es NICHT nur um das „ausschliesslich homosexuell sein wollen“ geht!

5)  Thommens Senf, 3. Jg. Nr. 13, 1. Apr. 1994/online ThS 22.03.2008

6)  GH *1985, irgendwo im Internet

7)  El Feki, Shereen: Sex und die Zitadelle. Liebesleben in der sich wandelnden Welt, Hanser 2013, S. 340

„Werft Euer Geld in die Öffnung der Ehe!“

Januar 4th, 2016

Das ist durchaus im doppeldeutigen Sinne gemeint! Verschiedenste ’nebensexuelle‘ Organisationen legen sich unter Federführung der Schwulen und der Lesben für die „Bodigung“ der CVP-Initiative gegen eine „Heiratsstrafe“ ins Zeug. (Abstimmung am 28. Februar 2016)

Um diese Initiative ‚abzuwenden‘ wird fleissig Geld gesammelt. Und es ist interessant, wer wieder aus den Löchern kriecht, wie damals bei der politischen Arbeit für das „Gesetz zur eingetragenen Partnerschaft“! Warum sind sie denn in den letzten Jahrzehnten wieder verschwunden? Warum? Und warum sind gewisse „nicht heterosexuell“ Lebende nicht mehr zufrieden mit der Alternative zur heterosexuellen Ehe? Warum wollen überhaupt denn nicht-heterosexuell Lebende „heterosexuell leben“?

Interessant ist doch, wie die Homosexualität seit Jahrzehnten von heterosexuell Lebenden immer schön „mitgenutzt“ wird. Wenn aber Homosexuelle die Heterosexualität mitnutzen wollen, ist das für Viele Heten eine „Herabwürdigung“!?

CVP15Ehe

Meine Interpretation welche hinter dem „Liebe ist Liebe“ steht! Aber auch ich empfehle: NEIN am 28.2.2016

Ich habe schon mal geschrieben, dass wohl keineR je einen zivilrechtlich heterosexuell orientierten Ehevertrag genau gelesen hat! Sicher auch nicht alle Heterosexuellen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die stimmberechtigte BürgerInnenschaft zugunsten einer neuen Minderheit unter den Minderheiten auf die ‚Abschaffung der Heiratsstrafe‘ verzichten möchte. Denn die Minderheit der gleichgeschlechtlichen Ehen wird nicht einfach „untergehen“ unter den traditionellen Ehen, wie sich diverse ‚Schwestern‘ erträumen… Mit nur „einem Federstrich“ sind die Rechte, die mann/frau uns damals hartnäckig verweigert hat auch heute nicht zu kriegen.

Über das ‚Versteckspiel‘ der Lesben habe ich in den „Ärgernissen im 2015“ geschrieben. Aber es gibt auch Männer und Schwule, die ihre Beziehung nicht ans Licht der Öffentlichkeit zerren möchten. Ich erinnere mich an ein Gespräch vor einigen Jahren mit Markus, tätig in einer Liegenschaftsverwaltung in der Ostschweiz, der seine glg Doppel-Mietpartnerschaften darauf aufmerksam machen musste, dass im Mietvertrag der Zivilstand „eingetragene Partnerschaft“ vermerkt werden muss. Auf sein Schreiben erhielt er aufgebrachte Antworten, wie: Das ginge niemanden etwas an!

Dabei wird der dritte Zivilstand vom Heimatort über den Arbeitgeber bis ins öffentliche (einsehbare) Zivilstandsregister, das auch in Zeitungen nachgeführt wird, publiziert. Auch in Arbeitsverträgen wird er erwähnt. Diskretion zwecklos!

Die beliebten Sprüche über Schwule werden genauso wenig plötzlich verschwinden wie die Witzzeichnungen von der Alten mit dem Wallholz hinter der Türe, wenn der Ehemann spät heimkommt…

Kommen wir zum Geld zurück: Seit fünfundzwanzig Jahren ist die Schwulenbewegung tot und es regieren die „Homo-Lobbyisten“. Diese glauben fest an die Marktgesetze und daran, dass mit Geld die Meinung der StimmbürgerInnen beeinflusst werden könne – wie durch die SVP! Deren schwule Kandidaten haben sich in Medien für Homosexuelle bei den Wahlen ja auch breit gemacht.

Aber kein Geld wird je die gesellschaftliche Öffentlichkeitsarbeit – die nicht stattgefunden hat – auch mangels Finanzen – ersetzen können. Weder der Markt noch das Geld wird es „schon richten“! Vor allem nicht durch die immer noch ängstlich vorgeschützte Diskretion einer gleichgeschlechtlichen Beziehung gegenüber der Nachbarschaft/Öffentlichkeit.

Eines hat sich in den letzten Jahren erwiesen: Dass mit dem homosexuellen Bedürfnis von Schwulen und „anders Begehrenden“ sehr viel Geld zu machen ist. Davon haben Wenige profitieren können. Und diese werden ihr erwirtschaftetes Kapital bestimmt nicht in den Rachen einer Ehe-Öffnung werfen!

Mein Vater hat mir einmal gesagt, dass in früheren Zeiten die Leute gar nicht genug Geld gehabt hätten, um ihre Zivilstandsänderungen jeweils zu feiern. So hätte mann Verlobung, Geburt und Taufe in einem Aufwisch mit der Heirat in der Kirche gefeiert. Die „Öffnung der Ehe“ wird, so bin ich überzeugt, wiederum nur Wenigen, die genug Geld haben, etwas bringen. Damit ist die Entsolidarisierung und Kommerzialisierung in der Homosexualität quasi vollendet. Auch schwule Migranten werden – genauso wie ihre heterosexuellen KollegInnen – im Billiglohnbereich keine Familie durchbringen können, ausser sie „machen eine gute Partie“! 😉

Ich habe über die Sicht von Frauen und Lesben nichts geschrieben. Ihre Situation ist anders und soll von ihnen selbst reflektiert werden.

Ich stelle hier meine Ansicht aus meinen Lebenserfahrungen zur Diskussion. Wer andere Meinungen (die sind eh meistens „gefressen“!) vertritt, kann sie dazu stellen! Er muss aber auch meine Ansicht ertragen!    

Peter Thommen_66, Schwulenaktivist, Basel

P.S.  Ich habe mich damals für das Gesetz über die Eingetragene Partnerschaft engagiert. Ich habe damals JA gestimmt. Ich werde auch dieses Mal stimmen gehen, gegen die CVP-Initiative.

Was die Gegner der Initiative argumentieren, auch mit dem Geld! 😉 (Bericht in der NZZ 19.01.2016)

Schwul ist nur, wer sich bückt. Überlegungen

Die Ärgernisse des Jahres 2015

Dezember 1st, 2015

Nachdem Toni Bortoluzzi (SVP, nicht mehr zur Wahl angetreten) bereits 2014 über die Schwulen befand, sie hätten einen „Hirnlappen, der verkehrt herum läuft“, stach Hans Fehr (SVP)* 2015 nach, mit dem Vorschlag, das Alter von Flüchtlings-Kindern mit „Penismessungen“ zu bestimmen.

Einige MitGlieder dieser Partei haben sehr wohl verkehrt herumlaufende Hirnlappen! (Man sollte sie „ausschaffen“!)

Das erste Ärgernis bildete eine Arena im Februar 2015, in welcher über die „Homo-Ehe“ diskutiert worden ist. Darin diskutierten Schwule erst in zweiter Reihe mit. Da legte sich von rechts Verena Herzog (NR TG, SVP) ins Zeug , sowie der Mediensprecher Gracia des Bistums Chur (Huonder) und von links Jaqueline Fehr (NR ZH, SP). Wobei Leonard an ihrer Seite als „bürglicher Homo“ recht schwach wirkte.

Mir missfällt grundsätzlich, wenn ÜBER Schwule diskutiert wird und nicht MIT ihnen! Und es gibt ein falsches Bild, wenn nur über weibliche Romantik diskutiert wird und nicht auch über die wahren Gründe der Schwulendiskriminierung, besonders im Zusammenhang mit der katholischen Kirche. Das ist auseinanderzuhalten und nicht zu vermischen! Frauen werden anders diskriminiert als Männer und einer Mutter wird schwerlicher ein Kind das sie geboren hat, weggenommen als einem Vater.

Sind wir also schon wieder hinter die Telearena von 1978 zurückgefallen, in welcher historisch ERSTmals öffentlich MIT Schwulen (leider nicht auch mit Lesben) diskutiert worden ist?

Ich muss auch feststellen, dass die jüngeren Schwulen gar nicht mehr wissen, weswegen sie diskriminiert werden – nur noch, dass sie nicht diskriminiert werden dürften.

Bischof Huonder hat im Sommer sich schön hinter einem Bibelzitat versteckt, um die wahre Gottferne des schwulen Aktes nur anzudeuten! Und die Schwestern von PinkCross haben mit ihren Flügeln wie wild geflattert und in Aufregung gemacht. Das Thema der analen Penetration kam aber nirgendwo auf den Tisch der öffentlichen Diskussion! Und das im 21. Jahrhundert!! (siehe auch: swissgay.info Nr. 4, vom September 2015!)

Zuletzt ist die politische Dummheit von Homosexuellen zu kritisieren, die doch tatsächlich glaubten, einen Bischof wegen eines Bibel-Zitates vor Gericht bringen zu können! Der weiss eben schon, wie er sich aus der Schusslinie nimmt! Und die Schwulen haben ihn gar nicht öffentlich in die Diskussion genommen! Schämt Euch!

Ende September war ich an einer Diskussion der Grün-Liberalen Partei, Sektion Basel über die Öffnung der Ehe. Nebst mässigem Aufmarsch waren doch immerhin eine Handvoll Homosexuelle auch anwesend. Aber was ich mir da anhören musste, war einfach ärgerlich! Eine Frau reklamierte die „Öffnung der Ehe“ deswegen, weil sie sich für eine Universitätsstelle beworben hatte und als Zivilstand „Eingetragene Partnerschaft“ angeben musste. Dadurch fühlte sie sich „diskriminiert“ Sie hätte lieber gleich „verheiratet“ angegeben. Bei den Frauen ist das so eine Sache. Sie kamen zu den Männern und wollten Hilfe bei der Kampagne für diesen „dritten Zivilstand“. Und nachdem wir ihn hatten (Dank Ruth Metzler, CVP, BR 1999-2003), „verschwanden“ sie einfach wieder aus der Öffentlichkeit. Vergessen werde ich auch nicht, die Reklamationen von Seiten von Lesben, als die neuen Steuerformulare in Basel mit der Angabe des neuen Zivilstandes ausgestattet worden waren. Frau fühlte sich „diskriminiert“. Man könnte auch noch ans SchleZ erinnern und die damalige Diskussion um die Aids-Präventionsplakate, die Lesben nicht aufgehängt haben wollten.

Ihr seht, die Diskussionen mit den Frauen stehen noch immer an. Es gab an der Telearena 1978 keine Zeit und in all den Jahren nachher auch nicht! Und es scheint auch kein Bedarf vorzuliegen! Mir scheint aber – nach diversen Diskussion in meinem Umfeld – dass Frauen weder die Gründe der Schwulendiskriminierung, noch die Gründe für ihre eigene Diskriminiung (als penetrierte Menschen) erkennen können oder wollen. Diskussion darüber ist ihnen meist peinlich! Es soll alles unter dem Nebel von „wir sind doch alle Menschen“ verschwinden. Das ist politisch inakzeptabel!

Mir scheint auch, dass die Aids-Prävention sich in diese Richtung entwickelt hat. Es wird nicht über die Notwendigkeit der analen Penetration diskutiert, sondern „durchgetestet“ und wo irgend nur möglich, die kondomlose Variante möglich und akzeptabel gemacht. Gerade nach der Aidskatastrophe der Achtziger mit Ebola-Ausmassen, die offenbar bereits vergessen ist, kann ich als Schwuler diese Politiken noch einmal NICHT akzeptieren.

Da ist eine arabisch-moslemische Feministin etwas genauer in der Unterscheidung zu den Männern: „Lesbische Frauen werden im Übrigen milder behandelt. Über sie wird keine Todesstrafe verhängt, aber auch ihnen droht die Strafe durch auspeitschen.“ (Dr. Elham Manea, Politologin, forscht im islamischen Recht, in Genderfragen und Islamismus in Pink Mail Nr. 4, 2015, S. 24)

„Weibliche Homosexuelle sind nicht nur psychologisch von den männlichen verschieden: die Dimension gesellschaftlicher Diskriminierung ist bei ihnen ebenfalls nicht mit jener gleichzusetzen, der homosexuelle Männer ausgesetzt sind.“   (Paul Parin: „The Mark of Oppression“, Psyche Heft 3/1985, S. 198)

 

Peter Thommen_65, Schwulenaktivist, Basel

*  „Für Fehr (SVP) gibt es auch keinen Grund, Schwule und Lesben vor Diskriminierung zu schützen. «Wer heute Homosexuelle öffentlich beleidigt, wird doch sowieso sofort als ‹Spinner› qualifiziert und nicht mehr ernst genommen.» Die Bevölkerung entscheide  selber, wann es zu Diskriminierung kommt und würde diese auch sofort bekämpfen. «Dafür brauchen wir doch keine Gesetze».  (20min 12.3.15)

Die bzbasel schreibt als einziges Medium, worum es eigentlich bei der Schwulendiskriminierung geht!  Ausgabe vom 24.12.15

Wegen Pause des Tuntenballs: Erinnerungen an den von 1992

P.S. Das schwule Gassenblatt vom Dezember ist hier zu lesen

 

Nachtrag

Mit einem Beitrag von Fanny Jiménez in der Sonntagszeitung vom 15.11.2015 „erlebte das Schwulen-Gen XQ28“ eine Neuauflage. Die „Wissenschaftsjournalistin“ konnte der SoZ eine längst überholte Theorie verkaufen. Sie ist inzwischen 20 Jahre alt und nie in Gebrauch gekommen. Diese genetischen Untersuchungen sind immer zu eng begrenzt, um als repräsentativ gelten zu können. Im Übrigen sind die „homosexuellen Aktivitäten“ viel grösser als nur diese „Orientierung“ und sehr viele heterosexuell Orientierte nutzen diese Variante gerne „mit“.

Interessierte mögen besser folgende Untersuchung lesen: Bell/Weinberg: Der Kinsey Institut Report über weibliche und männliche Homosexualität, dt bei Bertelsmann 1978, 540 S. Oder diejenige von Dannecker und Reiche aus 1974: Der gewöhnliche Homosexuelle.

Siehe auch: Welche Mehrheit darfs denn sein?

 

coming out Tag 2015 Basel

Oktober 8th, 2015
anywayBSco15

Die älteste und die jüngsten Schwestern! 😉

Leider wissen die Jüngsten nicht mehr, weswegen sie diskriminiert werden. Nur: Dass sie nicht diskriminiert werden dürfen…

Roman Heggli (24) im Interview der bz Basel  10.10.15

Es ist schon auffällig, wie in den Medien jede heterosexuelle Bett- und Scheidungsgeschichte bis hinter die sieben Berge verbreitet wird, nur zwischen den Männern – das interessiert angeblich absolut nicht.

Ehe für alle …

Oktober 1st, 2015
glpehe15

BaZ 1.10.2015 Bericht über die Ehe-Diskussion bei der GLP-Basel

Die Ehe versucht, ungleiches gleichwertig zu machen. Daher nimmt die Frau den Namen des Mannes an. Auch wird die Penetration sanktioniert… 😉

Es kann jedeR selber urteilen, ob das gelingt oder nicht!

„Pädophilie“ als staatliches Hilfsmittel!

Juli 3rd, 2015
Penis-Check2015

Hans Fehr (68), SVP wird in 20min vom 3. Juli 2015 zitiert.

Wann endlich operiert die Politik  die Hirnlappen der SVP- Führer-Persönlichkeiten? Aussenpolitik mit: „das Meer zu machen“ und „Penis-Check“!

Homophobie – was ist das genau?

April 26th, 2015

Nicht alle Leute, die gegen Homosexualität und gegen Schwule an rennen, sind wirklich homophob. Es gibt andere gute Gründe, vor allem die derjenigen Leute, die Verachtung empfinden und glauben, uns wie Minderwertige bekämpfen zu müssen.

Dabei ist das wesentliche Element der Homophoben ihr GLAUBE! Der Glaube ist der Grund, warum diese sich nicht mehr in der Gesellschaft spiegeln, sehen und sich relativieren können!

Es gibt übrigens sehr viele Erscheinungweisen von Antihomosexualismus in den Medien, die im Zusammenhang mit Juden, Schwarzen und anderen Minderheiten UNDENKBAR wären, aber mit den Schwulen (vor allem) wieder NEU denk- und aktivierbar sind!

Die Frontseite des Kirchenboten zum Thema „Trauung gleichgeschlechtlicher Paare“ hat mich verärgert und traurig gestimmt. M. schreibt, dass es vor rund 20 Jahren mutig war, Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare in unsere Kirchenordnungen aufzunehmen.

Ich fand das damals gar nicht mutig, sondern schwach. Mutig wäre es, wenn wir als reformierte Kirche Gottes Wort die Bibel mit ihren Aussagen als verbindlich betrachten würden. Segnungsfeiern und eingetragene Partnerschaft sind als Etappenziel schon längst erreicht. Jetzt geht es um die Ehe, morgen dann um das Recht auf Adoption von Kindern und übermorgen werden Firmen wohl boykottiert, die nicht mindestens einen Quotenanteil von 30% an schwul-lesbischen Mitarbeitern nachweisen können.“ A. A. Pfarrer

Hier wird drastisch sichtbar und „erfahrbar“, wie ein Mensch sogar seine Ängste über die Verhältnismässigkeit hinaus mobilisieren kann. Gleichermassen könnte er mit Farbigen – oder wieder mit jüdischen Menschen – argumentieren.

Diese Homophobie ist allgemein verbreitet und lässt sich auch immer wieder mobilisieren. Wir Schwulen und auch die Lesben haben ein grosses Interesse, alle Minderheiten im Auge zu behalten. Denn überall da, wo keineR seinen Mund auftut, glauben solche „Gläubigen“, es sei wieder alles erlaubt: „Man wird doch noch sagen dürfen…“

Was mich am allermeisten ärgert, ist die Tatsache, dass immer wieder Schwule glauben, sie müssten den Mehrheiten gegenüber brav und ruhig bleiben, um diese nicht zu brüskieren. Denn nur dann würden wir endlich akzeptiert. Meine – und anderer Minderheiten – Erfahrung ist, dass genau dann es immer „Wichtigeres“ als Schwule und Lesben gibt und keine Gründe bestehen, sich mit uns auseinanderzusetzen, geschweige zu akzeptieren, dass es uns auch gibt! Und wenig wissende und geschulte Schwule „verwandeln“ sich dann auch in so einen Pfarrer A.A. – ohne dass sie es merken!

Und das genau ist das Ziel von Gläubigen – sie haben uns dann auch indirekt in ihrem Glaubenszirkel mit drin! Es kommt dann so eine Atmosphäre auf wie: Nicht dem Schuldigen muss bewiesen werden, sondern er muss seine eigene Unschuld beweisen! 😉

Peter Thommen_65