Es ist nicht verboten, gegen die „Öffnung der Ehe“ zu sein!

Es sind mir aggressive Reaktionen auf Ablehnungen einer Öffnung der Ehe zu Ohren und Augen gekommen. Fast schon gar „hate speeches“. Ich verstehe aggressive Reaktionen auf Verbreitung von Unwahrheiten oder „hässige“ Vorurteile. Aber die dummen Argumente von Gegnern sollten wir nicht zu ernst nehmen. Die wird es immer – und immer weniger – geben. Wie schon bei den gängigen anderen Vorurteilen.

Weniger aggressiv reagieren Schwule und Männer, die mit Männern Sex haben auf „Theorien“ über häufiger wechselnde Geschlechtsverkehrspartner, die ja auch als Vorurteile von Seiten von homosexuellen Frauen vorgebracht werden. Wie wenn dann ein schlechtes Gewissen sich breit machen würde. Genauso wie beim P-Wort nimmt sich keineR die Mühe, dahinter zu gucken, oder sich Überlegungen zu machen. (Promi-Verteidiger Valentin Landmann: „Ich verteidige nie die Tat, aber den Menschen!“ 2017)

Nachdem jetzt längere Zeit in der Öffentlichkeit von „der Liebe“ geschwafelt worden ist – auch um den (Männer-) Sex zu verdecken, wird argumentiert, es könne ja keineR vernünftigerweise gegen diese Liebe sein! Das ist bei homosexuellen Frauen das zentrale Argument, da ihre Sexualität ja primär keinen Anstoss erregt und keine militante Entwertung bewirkt, wie die Tatsache, dass einer – auch nur im Kopf der Anderen – einen anderen Mann „zur Frau macht“, indem er bei ihm wie „bei einer Frau liegt“. Der deutsche Bundesgerichtshof entschied 1957: „… dass die Lesbierin nicht in dem gleichen Masse ausschliesslich gleichgeschlechtlich eingestellt ist, wie der homosexuelle Mann, so dass für die Lesbierin der ‚Umschlag zum anderen Geschlecht‘ leichter möglich ist.“ (1)

Ist also „die Liebe“ der kleinste gemeinsame Nenner, den homosexuelle Menschen gemeinsam haben, auch gemeinsam mit anderen Minderheiten, oder gemeinsam mit der Mehrheit? Integriert diese Liebe uns letztlich wieder in diese Heteronormativität? Das tut sie auch nicht bei Menschen anderer Hautfarbe, möchte ich zu bedenken geben!

Die Liebe zwischen Männern war nie verboten! Sie war in der Vergangenheit auch schon mal Kult in Literatur und Kunst. Letztlich lieben die Männer in monotheistischen Religionen ja auch einen – sehr alten – Mann als Gott. Und dieser Gott ist so eifersüchtig, dass er keinen Anderen neben sich duldet! Aber das wird verdrängt. Auch verdrängt wird in der katholischen Kirche, dass nicht nur Nonnen mit Jesus verheiratet werden, sondern auch Mönche. Der Vollzug wir einfach bis nach dem Tod aufgeschoben! Darum sollte sich Giuseppe Gracia genauer überlegen, was er aus seiner Ideologie in die Öffentlichkeit entlässt: „Ehe für alle ist Ehe für keinen!“ (Blick 7.7.2017)

Ich vermisse auch bei Schwulen, dass sich da welche mal um die Geschichte der Ehe kümmern! Erwin Ott (*1952), seinerzeit (1984-1992) mal Grossrat bei der POB in Basel, hat 2016 eine „aufklärende Streitschrift über die Ehe für alle“ verfasst und publiziert. (Vertrieb ARCADOS) Dabei stellt er die wichtige Frage: „Wenn man das Glück einer Ehe mit allen teilt, vermehrt es sich dann oder wird das Eheglück aller besudelt?“

Für mich ist die Ehe keine Option. Aber soll ich sie deswegen Anderen verwehren?

Peter Thommen_67, Schwulenaktivist, Basel

Nachtrag zur Diskussion in der offenen kirche elisabethen: ehe für alle – familie für alle

„«Kinder ertragen alles, nur Lügen nicht». Diese kämen in homosexuellen Beziehungen und besonders in Beziehungen zwischen zwei Männern vermehrt vor. Schwulenpartnerschaften würden sich stark von Beziehungen zwischen Mann und Frau unterscheiden und würden oft auch nicht so lang halten. Deshalb könne er sich mit dem Konzept «Regenbogenfamilie» nicht hundertprozentig anfreunden.“ (Aus Olivia Meiers Bericht in der bzbasel)

Da ist ein Missverständnis geschehen! Die Lügen kommen in heterosexuellen Familien vor, wenn Kinder nicht über ihre Abweichung reden können!  – Wie lange schwule Partnerschaften halten – darüber wurde nicht geredet! Da ist ein Vorurteil reingeschlüpft! 😉  Das hat nichts mit der Regenbogenfamilie zu tun. Mein Vorschlag war eine erweiterte Eing. Partnerschaft. P. Th.

 

1) Das Bundesverfassungsgericht KRH zur Frage, warum der § 175 StGB nicht für homosexuelle Frauen gelte, 10.05.1957/BVG 6, 389 / Es muss auch ein Übersetzungsfehler aus dem lateinischen Codex Criminalis Karls des Grossen in die deutsche Sprache beachtet werden)

Die ARENA Diskussion im Feb 2015    SRF Homo-Ehe

Die heilige Familie und die Wurzeln der Ehe – für Schwule
(Peter Thommen, SWB Nr. 5’1997, S. 4)

 

Edvard Alexander Westermarck, 1862-1939, (The History of Human Marriage, London 1891): dt. Die Geschichte der menschlichen Ehe, Berlin 1902, 589 S. (Univ. Bibliotheken, es gibt auch neuere Nachdrucke)

Inhalt: Ursprung der Ehe – Eine menschliche Paarungssaison in der Urzeit – Das Alter der Ehe-Einrichtungen – Kritik der Promiskuitätslehre – Ehe und Ehelosigkeit – Werbung (um einen Partner, PT) und Verwandtes – Anziehungsmittel – Die Freiheit der Wahl – die geschlechtliche Zuchtwahl bei den Tieren – bei den Menschen – Das Ähnlichkeitsgesetz – Verbot der Verwandtenehe – Raub-Ehe und Kauf-Ehe – Der Niedergang der Kaufehe und das Heiratsgesetz – Hochzeitszeremonien undVermählungsbräuche – Die Formen der Ehe – Dauer – Rückblick – Register

 

1981 fand ich erstmals eine Visualisierung in einer italienischen Modezeitschrift! 😉

»Ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß. / So siehst du in meinen schönsten Träumen aus. / Ganz verliebt schaust du mich strahlend an. / Es gibt nichts mehr, was uns beide trennen kann.«  Roy Black, 1968

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