Elf Projekte und 94’000 Franken für „Buchstaben“-Gruppen – im Rahmen des Gleichstellungsgesetzes. Niemensch weiss mehr, wie lange wir darauf warten mussten.
Am 21. Oktober 1982 überwies der Grosse Rat BS eine Kleine Anfrage von Fritz Witschi (POB*) an den Regierungsrat.
„Vor mehr als eineinhalb Jahren (also etwa Sommer 1981/ein Jahr nach der GAY80) habe ich den Regierungsrat angefragt, ob es möglich sei, den Homosexuellen Arbeitsruppen Basel bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für ein Begegnungszentrum behilflich zu sein (Ersatz für die Räumlichkeiten in der Katakombe). Ich dachte dabei auch an Räumlichkeiten in einer staatlichen Liegenschaft.
In seiner Antwort erklärte seinerzeit der Regierungsrat, dass ihm dies nicht möglich sei. Die HABS solle sich als Mietinteressent anmelden.
„Es sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass die HABS mit ihrem Kulturprogramm wie Ausstellungen, Filme, Theaterabende, Autorenlesungen usw. Weit über Basel hinaus positives Echo hatte.“ (Regierungsrat Nr. 5586)
Der Grosse Rat überwies am 23.05.1985 den Anzug Erwin Ott (POB) und Konsorten an den Regierungsrat. …
„Denn nicht alle sozial Tätigen sind bereit und fähig, mit diesem Problemkreis umgehen zu können und zu wollen.“
Es gibt auch die HABS und die LIBS, die auch Information anbieten. Diese werden staatlicherseits als Selbsthilfeorganisationen bezeichnet, aber als solche nicht unterstützt.
Der Regierungsrat soll prüfen und berichten:
1. Diese Organisationen sollen für ihre Arbeit auch finanziell unterstützt werden.
2. An den staatlichen Stellen sollen auch offen homosexuell Empfindende und Lebende BeraterInnen angestellt werden.
3. Ein zu gleichen Teilen von homo- und heterosexuellen Betreuern geführter Treffpunkt, wo sich Jugendliche und Heranwachsende über die Probleme unterhalten können, ist zu verwirklichen.
4. Auf telefonische Möglichkeiten soll hingewiesen werden.
Aus der Antwort des Regierungsrates: „… kann darauf hingewiesen werden, dass der Staat bereits Leistungen zugunsten der Homosexuellen erbringt. Zu erwähnen ist etwa der Beitrag aus dem Lotteriefonds zugunsten der Ausstellung über die Schwulengeschichte, die Zurverfügungstellung von Räumlichkeiten durch die Basler Freizeitaktion an Habs-Jugendgruppen oder den Beitrag an die AIDS-Hilfe. Jedoch würde es dem Stand der Erkenntnis und der aktuellen Situation in unserer Gesellschaft widersprechen, wenn der Staat selber Sonderinstitutionen für Homosexuelle schaffen würde. Ein solches Vorgehen würde zudem eine neue Etikettierung der Homosexualität schaffen und die Homosexuellen in ein Ghetto verweisen.“
Gestützt auf den Bericht beantragt der RR den Anzug als erledigt abzuschreiben. (Peter Facklam, LDP) (RR-Beschluss vom 10.06.1987, RR 6488)
Aus der Kritik von Erwin Ott: „Erfreulich ist, dass eine Mehrheit der Ratsmitglieder diese „sinnigen Argumente des RR durchschaut haben und sich auch in einer namentlichen Abstimmung öffentlich für die Jugend mit ihren sexuellen Fragen und Problemen eingesetzt hat. Nur die „sinnige Partei“ war geschlossen dagegen.“ (PochZeitung 22.06.1985, siehe da ganzen Text)
Am 4.11.1987 Schrieb Erwin Ott einen halbseitigen Text in der BaZ: Beratung für homosexuelle Jugendliche dringend nötig.
Iso Ambühl schrieb in der Sonntagszeitung vom 15.04.1990: Homo-Probleme auf der langen Bank. Und die Trägerschaft „Uffwärts“ vermute, RR Facklam habe Angst, die Berater könnten jugendliche Ratsuchende negativ beeinflussen.
«Uffwärts» für Homosexuelle. Unter diesem Titel schrieben Jacqueline Frossard (damals lic. Phil. I und Peter Thommen, Sozialarbeiter, ihre Erfahrungen als Beitrag zu Gast im Forum der BaZ vom 9.05.1990
Weiteres im Dossier Uffwärts, Schwulenarchiv Schweiz und Arcados Archiv
Peter Thommen_75, Basel
* POB, Progressive Organisationen Basel

Demo am 7.05.1990 auf dem Marktplatz
Hannes Bertschi (BaZ-Redaktor): Basel homosexuell 1988
Siehe auch come out 24, 7-8, 1990