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“Spermiquien”

Sonntag, 01. Dezember 2013

Oder wie der Heterror das Denken von Schwulen und Homosexuellen beeinflussen kann. Heute ist wieder Welt-AIDS-Tag und die Aidshilfekampagne läuft wie immer: „ … zum zweiten behandelt diese Kampagne, die einen unvergleichlichen Erfolg aufweist, das Problem des Safer Sex und nicht die schwule Revolution.“ (Ruthmann, 1998)

Reliquien, das lernte ich kürzlich auf Deutschlandradio, sind ,verehrbare’ materielle Gegenstände, die den Gläubigen in einen meta-Zustand versetzen können. Entweder als einzelnes Glied in einer Kette von Traditionen, oder dann als greifbares metaphysisches Erlebnis, an dem teilzunehmen der Glaube oder die Pflicht besteht…

Die Hetero-Ehe partiziert insofern vom Spermiqium, als der Glaube an das genetisch „richtige“ Kind sie ideologisch überhaupt sinnvoll macht! Egal, dass Abraham seiner Sarah nicht fruchtbar beiwohnen konnte, weil sie im Schosse „trocken“ geblieben ist. Also durfte ihre Magd den Urvater in ihrerseits empfangen und ihm den ersten Sohn „schenken“. Dabei muss man/frau verstehen, dass die Magd der Ehefrau sozusagen als vollwertige Stellvertretung in Sexualangelegenheiten der Familie galt. Insofern verstehe ich weder die katholische Kirche, noch die CVP-Initiative, die heute „Familie“ auf „Mann und Ehefrau“ beschränken will. Der Ismael gilt übrigens als Stammvater der Araber…

Die jüngste zu verehrende Reliquie ist übrigens ein Tropfen Blut von Johannes Paul II. Der soll vom Privatsekretär des verstorbenen Papstes auf das Bistum Köln übergekommen sein. Er kann keine Verwandtschaft zum zukünftigen Heiligen gewähren, aber immerhin eine Verehrung für den Verstorbenen. Wie es ja auch in der Eucharistie und im Abendmahl zum Ausdruck kommt. Wir werden Teil eines mystischen Leibes, indem wir entweder das verwandelte Blut, oder einen Schluck Wein oder Traubensaft als Symbol trinken.

Soweit also Hetero-Tradition und Hetero-Ideologie. Zusammengefasst im Ausdruck „Heterror“, den K.E. Erstmals 1990 verwendet hat.

Ich kenne Sperma und seine Bedeutung für den Männersex auch aus eigener Erfahrung! Die ersten Male, bei denen ich im Twen-Alter das Unaussprechliche hinunterschlucken sollte, hätte ich mich fast übergeben. Dann war ich einige Zeit süchtig und lernte die verschiedenen Geschmäcker, wie süsslich, bitter und andere Varianten kennen. Es gibt Leute, die können bis heute nicht darauf verzichten…

Es stellt sich nun die geistreiche Frage: „Wie kann einer auf das Schlucken fremden Spermas verzichten?“

Dazu müssen wir uns an das homosexuelle coming out erinnern, das oftmals sehr mühsam, verklemmt und langwierig gewesen ist. Ebenso orientieren sich Männer, die mit Männern Sex haben (also egal wie sie längerfristig orientiert sind!) am virilen und potenten Mann, von dem sich damit etwas einzuverleiben gilt. Und nun könnt Ihr Euch selber vorstellen, was das in Bezug auf Sperma alles bedeutet!

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mit zunehmendem Bewusstsein und vermehrter Reflexionsmöglichkeit in der Schwulenbewegung, auf das Unaussprechliche nach und nach verzichten konnte. Meine Identität hängt nicht am Sperma, nicht an einer Frau und beides kann auch meine Persönlichkeit grundsätzlich nicht verändern. (Hier ist Gelegenheit, auf ein wichtiges Buch zu diesem Thema hinzuweisen: Phil Langer: Beschädigte Identität)

Aidshilfekampagnen richten sich seit einiger Zeit strategisch und informativ auf die Heteronormativität. Nach dem coming out-Management haben sie sich nun an ein „Risikomanagement“ herangewagt, welches versucht, die Abwehrreflexe von Betroffenen elastisch aufzufangen und den Leuten zu suggerieren, sie könnten tatsächlich „managen“, also Situationen einschätzen, Chancen ausrechnen, etc. Dazu kommt ein starker Druck zum Test. Denn je früher ein Test nach der Infektion gemacht wird, desto aussichtsreicher das Leben mit HIV-AIDS und den immer „besser werdenden“ Medikamenten. „Management“ setzt keine klaren Grenzen und bleibt offen „für alle Betroffenen“.

Die zweite geistreiche Frage: „Wieso müssen Männer sich ohne Kondom anal penetrieren?“

Da schauen wir doch erstmal bei den Heteros!

Wenn der Sex sinnlich ist, ist das was frau ohne Kondom spürt viel intensiver und befriedigender… Aber nur mit dem festen Partner, wenn man genug Vertrauen hat, dass er/sie ausshalb der Beziehung auch nur geschützt verkehrt.“ (weibl, 22, bi)

Kondome beengen mich schon am Schwanz. Daher habe ich gar kein Gefühl von Freiheit damit.“ (männl. 23, bi)

Nach einem gemeinsamen Test ist es ohne Kondome viel geiler und im gegenseitigen Vertrauen das höchste der Gefühle“. (männl. 24, bi)

Also ich steh nicht drauf und werde das wahrscheinlich nie. Ich bin jetzt in einer längeren festen Beziehung und da benutze ich keine.“ (männl. 23, bi)

Die Zitate sind aktuell von 2013, nicht repräsentativ, aber dafür beispielhaft! Die höchsten Gefühle werden also nicht in der Beziehung an sich, sondern im Sex in der Beziehung erlebt. Und dieser Sex sollte möglichst „grenzenlos“ sein – auch zu zweit. Es ist also der Glaube an das alte Versprechen unserer Vorfahren, dass Sex erst in der Ehe erlaubt sei und dann das Paradies sein würde…

Während Heterosexuelle sich nur indirekt über eine Frau (die sie natürlich ficken) eine „Fassaden-Identität“ konstruieren, zeigen die soziologischen Informationen und Umfragedaten, dass diese Fassade zunehmend verwittert und zerfällt. Hohe Scheidungsraten und Enttäuschungen über das erlebte „sexuelle Paradies“ – auch nicht mit Beate-Uhse-Hilfsmitteln – ändern offensichtlich nicht die Tradition und Ideologie des Heterrors. Das traditionelle Homosexualitätsverbot ist vor allem – und war schon immer – für „Heteros“ gedacht und funktionalisiert worden – mit dieser indirekten Identität – schon in der Bibel.

Wen wundert es, dass sich auch Schwule, Homosexuelle und andere Männer unter sich, an diesen Hetero-Normen orientieren? Ich darf nochmals auf Phil Langer und seine Untersuchung hinweisen, die über die entsprechenden Beschädigungen in der Männerpsyche berichtet. Und von den verschiedensten legalen und illegalen Drogen will ich hier gar nicht referieren. Aber die Aidshilfen sollten eigentlich zur Kenntnis nehmen, dass unter solchen Bedingungen ein „Risikomanagement“ sehr schwer oder gar nicht zu „managen“ ist. Aber vielleicht ist ihnen das auch gar nicht so wichtig.

Junge Homos erleben sich vor allem unter dem Familiendruck und anschliessend auf den Parties und im Internet unter dem Konkurrenzdruck, als „männerliebend“. Ein geschützter sozial-familiärer Freiraum ist nicht mehr in Sicht. Es kann unter diesen Bedingungen keine „schwul-normale“ Identität heranwachsen, aber meistens eben nur eine Art „Heteroabklatsch“. Aber die Homo-Ehe, das risikovolle Vertrauen und die Monogamie, die nur wenige „Mönche in ihrem Glauben“ erleben dürfen, schaffen die Verhältnisse, die dann auch heterosexuelle Probleme ergeben…

Es kann auch keine Solidarität als Gruppe mehr entstehen, die eine kollektiv „abgesicherte“ Identität herauszubilden erlaubt. Jeder ist für sich selbst verantwortlich? Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied – und was dergleichen ideologischer Sprüche mehr sind.

Die Identität klebt am Glauben – an Treue, Monogamie und den supergeilen Sex, der dann nur noch mittels Drogen gesteigert werden kann. Da gab es noch Beziehungen? Die spielen doch nur als äussere Form eine Rolle. Die richtige Form verspricht die richtige Geilheit.

Ich bin jetzt über 10 Jahre im Internet und in schwulen Portalen unterwegs. Also in der parallelen Welt von Junghomos, Bisexuellen und Althomos, sowie Altbisexuellen. Da findet man die Geilheiten und Fetische, die wichtiger als alles andere sind.

2013 heisst es zum Weltaidstag: „Eine Schweiz ohne AIDS“. Auch so ein Glaubenssatz. JedeR weiss, dass das unmöglich ist – besonder mit dem bekannten „Risikomanagement“. Aber das Unmögliche war schon immer religiös inspiriert und auf die Glaubensebene geschoben. Jedenfalls wollte ich mit diesem Essay darauf hinweisen, was alles vorgegeben wird und was tot geschwiegen wird.

Denn – wie Sirko Salka in seinem neuen Buch im Untertitel schreibt: „Wieso schwules Leben harte Arbeit ist.“ Sicher nicht stundenlanges Ficken ohne Kondom – um den Mann zu spüren. Oder weil er dann schmerzt, oder gar reissen könnte…

Der Kondom sollte dagegen eine Reliquie sein, die nicht den Glauben an die Spermiquie befördert, sondern das Gehirn rein wäscht vom Heterror. Aber wie oben schon angeführt: Aidshilfen kümmern sich um – äh neustens – das Risikomanagement und eben NICHT um die schwule Revoluton. Amen.

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

P.S. Wer sich jetzt über meine ideologische Auseinandersetzung mit der “Aidsprävention” ärgert und gar schon an “die Tablette statt das Kondom” glaubt (!), der vergisst, dass es noch andere sexuell übertragbare Krankheiten gibt und neue geben wird!

 

Ich erinnere an Siegfried Rudolf Dunde (1953-1993) und an zwei seiner Bücher:

Vater im Himmel – seine Söhne auf Erden. Männer und Religion, roromann 8203, 1986 (als Hg.)

Wenn ich nicht lieben darf, dürfen’s andere auch nicht. Vom Umgang der Männer mit sich und anderen, roromann 8227, 1987 (als Hg.)

Zudem werden Männer nur dann frei sein, mit ihrem Körper, ihrer Lust, ihrer Begeisterung über andere spielerisch und lebendig umzugehen, wenn sie die Fülle von Liebes- und Begehrensmöglichkeiten sehen und sich über diese Fülle freuen. Vielleicht müssen sie dann anderen nicht mehr die Liebe vermiesen oder untersagen, wenn sie ihnen selber (noch) zugänglich ist…“ (S. 10)

Ihm verdanke ich erste Einsichten über die Verhältnisse, unter denen Schwule nicht normal werden können.

Das Bekenntnis an den Mann

Sonntag, 19. Mai 2013

Wir dürfen in der heterosexuellen Presse immer wieder davon lesen, dass wir Männer uns „zur Homosexualität bekennen“ würden. Das tönt immer ein wenig nach Religion. Dabei vergessen diese Heterosexuellen, dass sie sich in ihren monotheistischen Religionen dauernd oder ausdrücklich zum Mann – nämlich ihrem Gott und seinen Propheten bekennen…

Das Bekenntnis zum Mann muss irgendwie eine Art Religion darstellen. Auch dasjenige der Frauen zum Mann. Denn die Ehe steht unter dem besonderen Schutz, vom Glauben – bis zum Staat. Zur Mutter bedarf es keines Bekenntnisses, denn sie hat ein reales Verhältnis zu ihrem Kind. Nur über den jeweiligen Vater kann spekuliert werden…

So wie das Vaterschaftsverhältnis von Jesus zu Gott über ein Bekenntnis (durch den Heiligen Geist) ‚im Ohr Marias’ hergestellt wird, so wird auch das Verhältnis von Jesus zu seinem Vater wiederum über ein öffentliches Bekenntnis zu ihm hergestellt.

Zugleich ist das Verhältnis ein „weibliches“, denn der eifersüchtige Gott usurpiert die Bekennenden und lässt keinen Platz für weitere Männer neben ihm. Es ist eine spezifisch kulturelle – eben monotheistische – Moral, denn es gibt Frauen auf unserem Planeten, die ihre Männer selber wählen und sich nicht auf einen beschränken. So wie es auch immer Männer gab, die kulturell geprägt dasselbe umgekehrt taten…

Fünfzig Tage nach Ostern (dem öffentlichen Bekenntnis der Wiedererscheinung Jesu) folgt das öffentliche Bekenntnis des Verhältnisses von Gott zu seinen Jüngern, in symbolischer Form von „Wärme“ unter ihnen, oder als „Flammen über ihnen“. (Zur Zahl 50 siehe unten, Auszug aus Wikipedia!)

Penta (Pfingsten) ist hier also eine „Bekenntniszahl“. Pfingsten ist quasi der Gründungstag der Gemeinschaft von gläubigen Männern (und im Hintergrund dieser Lehre auch Frauen).*

Sosehr usurpieren diese Bekenntnisse von Juden, Christen und Moslems zum „Idealmann“ (Alter Ego) in irgendwelchen ideologischen Wolken (Gläubige/Ungläubige), dass Bekenntnisse zu realen Männern auf Erden sogar verfolgt worden sind. Historisch betrachtet haben eigentlich nur diejenigen Männer gesellschaftliche Probleme gemacht, die sich den Frauen völlig enthalten haben. Denn wer mit Frauen konnte, oder wollte, der hatte eigentlich kein Problem mit dem Sex mit Männern – ja ist eigentlich gar nicht aufgefallen… (2. Sam. 1, 27 – David und Jonathan)

Umgekehrt haben viele Frauen sehr wohl ein Problem mit Nebenmännern ihrer Ehepartner, eher noch als mit Nebenfrauen. (Siehe oben das „weibliche Verhältnis“!) **

Ich denke nun, dass es ziemlich verbreitet ist unter Männern, dass man zwar nur eine Mutter haben kann, aber durchaus – ausser dem Gott – mehrere Männer. Auch für die Frauen spielt es weniger eine Rolle, selber mehr als einen Mann im Leben zu haben…

Es kann also darüber spekuliert werden, wie religiös, oder welche religiöse Dimension die „Homo-Ehe“ ist, oder hat! Die Gemeinschaft der Männer um Jesus bildete jedoch auch eine Art Familie, oder „Lebensgemeinschaft“. Sie wurde an Pfingsten „gesegnet“ und initiiert.

Morton Smith (1915-1991) hat in seinen Veröffentlichungen auf die magischen Rituale in ihren Kreisen hingewiesen. (>Das geheime Markusevangelium)

Jedenfalls ist die orientalische Kultur nicht so fortpflanzungsreduziert, wie sie uns vermittelt wurde und noch wird. Die Männerliebe hatte immer ihren Platz neben der „Frauenliebe“ und ist uns – nach meiner Ansicht – historisch in Form der monotheistischen Religionen überliefert worden.

Vor vielen Jahren hat man mir ein Geburtshoroskop geschenkt. Darin konnte ich lesen, dass ich „zur Bildung religiöser Gemeinschaften neige“. Nun, wenn Männergesellschaft und Männerfreundschaft eine religiöse Dimension haben, dann trifft das wohl zu! (schmunzel!)

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

Frühere Pfingsttexte (2010, 1997)

* Interessante Bemerkung im Lexikon der Symbole. Dort finde ich den Hinweis, dass es am Anfang auch Kreise gab, die Gott als Einheit von Vater und Mutter sehen wollten. „Dass eine solche Meinung selbst heutzutage mitunter gefährlich sein kann, zeigt der frühe Tod Johannes Paul I. kurze Zeit nachdem er behauptet hatte: „Gott ist Vater. Noch mehr ist er Mutter.“ (Bauer/Dümotz/Golowin: Lexikon der Symbole, 1987/Heyne TB 1989, S. 185)

** (Es geht um den unerfahrenen Mann) “Nun verlangt aber auch gar kein vernünftiges und heil gebliebenes Weib solch Nonsens von ihrem Manne. Im Gegenteil wird sie bei der Sicherheit ihres Liebesinstinktes sehr misstrauisch sein gegen einen Mann, von dem sie das annehmen dürfte. Sie wird einen Geschlechtsinvaliden oder einen Narren in ihm wittern und ihn sicher bald zum Hahnrei machen. Ihr Ergeiz ist nämlich, gar nicht die Erste, sondern die Letzte zu sein, die Triumphatrix seines Geschlechtslebens… Während des Mannes Geschlechtsehrgeiz umgekehrt ist, der Erste zu sein, will sie gerade auf der letzten Sprosse seiner Liebesleiter thronen.” (Leo Berg, Das sexuelle Problem, 1901)

Zur Zahlenmagie:

50  Die erste biblische Schöpfungserzählung wird in Gen 2,3 abgeschlossen mit der Wendung ‚da diese geschaffen wurden’, hebr. behibaram, 2-5-2-200-1-40. Das sind dieselben Wort-/Zahlkomponenten wie bei Abraham, nur in anderer Reihenfolge: „Der neue Name Abraham war schon in der Struktur dieses Wortes ‚behibaram’ enthalten, womit die Schöpfung von Himmel und Erde ausgedrückt wird, und zwar schon so, wie er dann zustande kommen sollte. Erst ohne die 5, dann mit der 5, darum mit dieser kleinen He, der erst nur im Keim anwesenden He darin.“

„Der besondere Charakter dieser 5 an dieser Stelle bewirkt nun, dass diese Passage [Gen 2,3] in der Überlieferung gelesen wird als ‚mit der 5 schuf er sie’“ (die Welt). Die irdisch-materielle Welt und Zeit wird aber durch die Zahl 4 (40, 400) ausgedrückt (vgl. die 4 Mondphasen): „Die Zahl Fünf ist dann bereits von anderer Ordnung“, nämlich Zahl des Geistes und des Jenseitigen. Um die 5 hier auszudrücken, bedarf es des ‚Bundes’ als Verbindung der ‚weiblichen’ 4 (Welt, Nacht) mit der ‚männlichen’ 1 (Gott, Sonne). Daraus ergibt sich die für die Bibel zentrale Bedeutung der Zahl 5 sowie dann auch der Zahlen 50 und 500.

fünfzig = Mehr als die 49, => 7² als Zahl der 7-Tage-Schöpfung (die Arche Noah steigt bei der Flut auf 49 Ellen, die Öffnung der Dachluke = 1 Elle führt zur 50 – vgl. Gen 6,16). Josua, der Sohn des Nun (= 50), führt das Volk in das Gelobte Land der Einheit (Num 27,18.23); Jobeljahr (Jubeljahr, Gnadenjahr): Jedes fünfzigste Jahr soll die Freilassung für alle Bewohner des Landes ausgerufen werden (Lev 25,10; vgl. Lk 4,19); ähnlich das Sabbatjahr. Offenbarung der Thora mit den Zehn Geboten und der Erneuerung des Bundes am 50. Tag Schawuot nach dem Auszug aus Ägypten; an Pfingsten (= ’50. Tag’ nach Ostern) wird der Heilige Geist auf die Gläubigen ausgegossen, Beginn der Mission der Apostel (Apg 2). Die erzählte Zeit des öffentlichen Lebens Jesu im Markusevangelium (von Mk 1,15: „die Zeit ist erfüllt“) dauert 7 Wochen mit der Auferstehung am 1. Tag der 8. Woche oder am 50. Tag.

Das Osterei als schwules Symbol

Donnerstag, 28. März 2013

gewidmet René Reinhard, 18.11.1939 – 5.4.2013 *

Während die Heteros seit über zweitausend Jahren von der Fruchtbarkeit schwafeln und die Hühner und Gockel für unfähig betrachten, ihre eigenen Produkte zu verteilen, haben sie auch noch den „sexbesessenen“ Hasen für diese Aufgabe erwählt.

Doch so fruchtbar ist die ganze Angelegenheit gar nicht! Denn Ostereier sind ja „unbefruchtet“, sonst sind sie nicht essbar! Und für Leute, denen die bemalten Eier schon lange auf den Sack gehen, ein Färbetipp: Eier mit Bindfaden umwickeln oder darunter noch Blätter und Gräser beigeben, oder alte abfärbende Krawattenstücke – und diese in einem Sud von Kaffee oder Zwiebelschalen (drum wickeln) kochen.

Aber ich sehe schon, dass Einige sich jetzt den Vogel machen! (lol) Was haben Ostereier mit Schwulen zu tun? Naja, bunt wie ein Regenbogen sind sie meistens schon. Und Eiertütschen findet nicht nur unten statt, sondern mittels verbalen Stössen auch oben durch, was zeigt, wie gemein und wie „eindrücklich“ Schwestern sein können…

Ich habe allerdings kein Hodentrauma, wie man vermuten könnte. Obwohl ich mich an eine Begegnung in einer Klappe erinnern kann, bei welchem der geile Kerl nicht dahin griff, wo ich es gerne gehabt hätte, sondern an meine Eier – und kräftig drückte. Aber in diesem Bereich gibt es noch ganz andere Fetische…

Den Ostereiern wird also die Fortpflanzung vorenthalten, damit sie als „unfruchtbare“ Delikatesse bei Menschen auf den Tisch kommen! So ähnlich wie man/frau es den Schwulen vorwerfen tut – aber das kommt nicht auf den hetero Tisch. Weder Hühner noch Hähne beschweren sich. Fürs wirt-schaftliche Eierlegen braucht es zwar einen Gockel, aber er soll die Hühner nicht besteigen. Allein die Vorstellung der Hühner, was der durch einen Drahtzaun von ihnen getrennte Gockel mit ihnen alles anstellen würde, ist schon wieder sehr „schwulenfreundlich“.

Die dünne Schale des Eies, zwischen innen und aussen, symbolisiert für mich auch die Nähe von Männersex und Fortpflanzung. Mit anderen Worten: Die Homophobie ist ein zerbrechlicher Schutz vor der Neugier aufs andere Ufer, jenseits der Fortpflanzung. So frönen denn viele menschliche Gockel der ho-mosexuellen Lust, ohne dass es die Hühner bemerken, oder überhaupt zur Kenntnis nehmen wollen.

So dünn wie die Schale ist auch die Maske der Junghomos gegenüber der Familie und der Gesellschaft. Jederzeit kann sie einbrechen und ihr schwules Gedankenparadies zerdeppern. Bei vielen Junghomos kleben Reste davon noch hinter ihren Ohren, die ihnen den Selbsthass und die Homophobie in Erinnerung behalten, denen sie ungefragt immer wieder begegnen müssen.

Auch die sogenannte „Toleranz“ ist nur so dünn wie Eierschalen, denn sie hat strenge politische Altersgrenzen. Wie schnell wollen Mütter, PolitikerInnen und Staatsanwältinnen einen Schwulen „für immer wegsperren“, während es normal ist, dass junge Mädchen von erwachsenen Männern „eingeführt“ wer-den – oder junge Knaben von erwachsenen Frauen. Da träumen die letzteren schon mal öffentlich in Leserbriefen zu Berichten über „Sexualtäterinnen“ davon, dass sie „es“ schon immer mit ihrer Lehrerin, Nachbarin, etc. gewollt hätten. Ich wage nicht, mir vorzustellen, wenn Schwule in aller Öffentlichkeit ebenso von Lehrern, Erziehern, Sozialarbeitern träumen, mit denen sie in ihrer Jugend so gerne…

Hingegen ist es „normal“, wenn Eltern, Schule und andere Gruppen die schwulen Eierschalen eines Junghomos unabsichtlich oder auch absichtlich eindrücken, bis der ganze Inhalt ausgelaufen ist. Die MoralistInnen entscheiden schliesslich, wer das Opfer zu sein hat, unbekümmert darum, ob der Kontakt „einvernehmlich“ war oder nicht. Meistens ist eben schon die Homosexualität an sich „der Missbrauch“. Dieser Umstand ist immer von Anfang an abzu-fragen, bevor Schuldzuweisungen aufgehäuft werden.

Der neue Feminismus bekämpft den Penis und vergöttert die Jungfrau Vagina. Sie ist heilig und kann bereits über Leben und Tod – auch von Schwulen ent-scheiden, denn wir haben ihm die Abtreibung überantwortet. In Indien werden Mädchen durch Ultraschalluntersuchungen festgestellt und anschliessend ab-getrieben. Nicht zuletzt auch unter dem Druck von Schwiegermüttern. Was hat das mit Schwulen zu tun?

Bevor ich darauf eingehe, möchte ich daran erinnern, dass es auch im weib-lichen Körper Eier hat, die befruchtet werden können.

Und nun zu Jonathan Tolins, einem Theaterautor aus den USA. Er schrieb das Stück „Der letzte der Golds“, 1993 uraufgeführt am Booth Theatre in New York. Später aufgeführt in der Komödie Basel. 1994 adaptiert als Hörspiel für SRF von Claude Pierre Salmony.

Die Geschichte handelt in einer fiktiven Zeit, in der die sexuelle Orientierung genetisch ablesbar ist. Dean Hamer hatte 1993 angeblich ein „Schwulen-gen“ (XQ28) gefunden. Tolins führte dessen Theorie in ein konkretes Drama über. Darin erwartet die Schwester eines Schwulen einen homosexuellen Sohn. Die Diskussion führte darum, ob er abgetrieben werden sollte oder nicht. Ich war Zeuge der Publikumsdiskussion, die nach der Aufführung angesetzt worden war. Es wurde behauptet, das zentrale Thema sei gar nicht die Homosexualität, sondern die Abtreibung. Man könnte mir jetzt wie immer unterstellen, ich sei „frauenfeindlich“. Aber es fällt schon immer wieder auf, wie soziale Stress-Situationen beschrieben werden, wenn Frauen „beteiligt“ sind, oder wie deren Verantwortlichkeit „entschärft“ wird.

Der jüdische Autor beschreibt eine kulturell doppelt „gebundene“ Situation. Einerseits wird man nur jüdisch durch eine jüdische Mutter, andererseits zieht diese Kultur die Männer vor. Einerseits hat die „Mutter“ einen schwulen Bruder und andererseits soll sie einen „unfruchtbaren“ Sohn austragen. Sie steht also in einem familiären UND kulturellen Dilemma! Soll die jüdische Mutter ihren Bruder für eine Abtreibung um Verzeihung bitten? Oder ihre Familie für einen schwulen Sohn?

„Die Eltern und Rob drängen Suzanne zur Abtreibung. Suzannes schwuler Bruder David kann es nicht fassen, dass seine bis dahin so liberalen Ver-wandten so denken. Er kämpft um das Leben seines ungeborenen Neffen. Schließlich überzeugt er Suzanne, das Kind auszutragen. Aber unter dem Druck ihres Mannes und ihrer Eltern entschließt sie sich doch zur Abtreibung – viel zu spät: Sie wird nie wieder ein Kind bekommen können. „ (aus dem Inhalt)

Und einmal mehr geht es „heterofriendly“ ab: „Entscheidend ist dabei nicht immer die Homosexualität an sich, sondern die Bedeutung, welche die einzelne Mutter der gesellschaftlichen Meinung und Erwartung beimisst.“ (Claudia Mül-ler: Mein Sohn liebt Männer, 2008, S. 98)

Peter Thommen_63, Buchhändler, Schwulenaktivist, Basel

Gästebuch

 

* er hätte geschmunzelt über diese Ostereier…

Öffentliche Heucheleien über Sex zwi- schen Männern!

Samstag, 26. Januar 2013

Den Schwulen entgleitet die öffentliche Selbstdarstellung und Diskussion immer mehr! Und die homo- und heterosexuellen Männer sind nur daran interessiert, ihre Bedürfnisse ungestört – wenn auch heimlich leben zu können.

Dass aber immer mehr Frauen den öffentlichen Diskurs über die Sexualität zwischen Männern befrauschen ist für mich als Schwulen unakzeptabel! Ich würde mir nicht anmassen, über die Sexualität von Frauen, oder zwischen Frauen öffentlich zu mutmassen, oder diese gar öffentlich zu definieren.

Nichtsdestotrotz verfügen Frauen nicht nur über die Sexualität und Orientierung ihrer Söhne, indem sie wegschauen und ignorieren, wenn diese sich nicht an Frauen ausrichtet, sie befrauschen auch ihre Ehemänner und die Schwulen mit ihrer Moral. Die öffentliche Moral ist tendenziell eine weibliche und das Patriarchat steht letztlich auf dem Matriarchat. Das ist aus diversen kulturhistorischen Berichten erkennbar. Aber auch in den Jugendbüchern von AutorINNEN für homosexuelle Knaben und junge Männer. Der Penis fehlt auffällig in den erwähnten Texten! Frauen stellen sich schwule Kinder und Jugendliche sowohl ohne Penis, als auch ohne sexuelle Betätigung damit vor! Oder haben eben gerade überhaupt keine Vorstellung davon!

Dazu passt die Ignoranz in den öffentlichen Medien über die gehäuften Selbstmorde und Mobbingerlebnisse von schwulen Kindern und Jugendlichen in den USA. Denn das passt nicht in den „pädophilen“, hetera-politisch-korrekten Blick. (Sophinette Becker über Pädophilie)

Frau kann sich nicht vorstellen, was sie damit bei schwulen Kindern und Jugendlichen mit feministisch-politischer Korrektheit anrichtet. Männer sind potenzielle Missbraucher und Vergewaltiger und des Knaben Lustobjekt ist ein verdammenswertes Glied! Und mit sowas sollen sich die jungen Schwulen identifizieren? Und wir sollen glauben, dass Mütter es „doch immer nur gut mit uns meinen“!?

Viele Frauen und Lesben ignorieren vorwiegend die historisch unterschiedliche Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Sie sehen Knaben als gefährdete „Mädchen“ und glauben, diese ebenso vor Penissen und Männern „schützen“ zu müssen. Keine der Anklägerinnen von sexuellem Missbrauch hat sich bis heute für eine wirksame Prävention eingesetzt. Weder bei Mädchen, noch bei Knaben! Denn dann müssten sie sich mit deren Sexualität auseinandersetzen, wie das schon Sigmund Freud versucht hatte. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese Politik dazu dient, die Machtverhältnisse zu ändern, aber nicht auf Gleichwertigkeit, sondern auf Umkehr derselben hin.

Ich muss feststellen, dass 20 Jahre verplempert wurden, um Jugendlichen keine Selbstbestimmung und Verhandlungsfähigkeit in der Sexualität beizubringen. Das wollte wohl auch keineR!

Das zeigt sich schon daran, dass nicht mehr der Nachweis einer Handlung oder Tat wichtig ist, sondern allein schon der Verdacht auf sexuellen Missbrauch genügt, um sogenannte „Täter für immer wegzusperren“ Dass dabei „irrtümlich“ auch einige Existenzen zu Grunde gehen, wird als „Kollateralschaden“ achselzuckend hingenommen. Was Männer mit Waffen anrichten, richten Frauen also mit der Sexualität an…

Was an heterosexuellem Missbrauch an Schwulen und den homosexuellen Bedürfnissen von Männern, von Kindheit bis in die Ehen angerichtet wird, ist kein Thema. Dass es „pädophile“ Frauen und Täterinnen gibt, ist politisch-feministisch inkorrekt und wird tabuisiert. Dabei wird verhindert, dass das heterosexuelle System angegriffen wird, das sowohl Frauen als auch Männern die „TäterInnen“-Schaft und die Opfer-Innen-Schaft ermöglicht. Und damit eine Politik der gegenseitigen Destruktion und des heterosexuellen Spiels/Krieges um Macht und Einfluss in Familie und Gesellschaft.

Mein Zorn entzündet sich an der Interpretation der männlichen Prostitution durch Frauen und zum anderen an der Interpretation von HomoSEXualität durch bisexuelle und hetera Frauen.

Als Schwuler kann ich nur staunend zuschauen, wie arme junge und heterosexuelle Männer aus Osteuropa mittels Homosexualität Geld bei heterosexuell lebenden Männern verdienen, die Freundinnen, Ehefrau und Familie haben. Politisch korrekt: Diese (schwulen, hetero lebenden) Männer beuten, diese (hetero) Jungen aus. KeineR fragt sich, was da unmittelbar mit der Homosexualität als solches geschieht. Die Homosexualität wird von heterosexuellen Männern ökonomisch ausgebeutet. Aber hinter diesen Männern stehen einerseits auch junge Frauen, die vom Einkommen der Callboys profitieren und andererseits die Ehefrauen, die davon überzeugt sind, dass Männer ihre sexuellen Bedürfnisse grundsätzlich nur auf Frauen richten können – oder auf andere Fachfrauen des Rotlichtgewerbes. Dass die Callboys (aktiv und passiv) wohl einen anderen Service anbieten, den Frauen nicht liefern können, fragt sich keineR! Auch nicht woher es kommt, dass verheiratete und hetero lebende Männer ihre natürlichen homosexuellen Bedürfnisse in Ghettos entsorgen müssen – nur nicht daheim in der Familie!

Die ganzheitlichere Sexualität dieser Männer ist eine Gefahr für die Frauen und ihre Kinder, Jugendlichen und Freunde und Ehemänner. (Das Vorurteil in der Schlagzeile: „schwule Prostitution“) Für viele Frauen ist klar, dass Männer weibliche Bedürfnisse „niemals völlig“ befriedigen können. Aber dass Frauen ebenfalls die Lust der Männer niemals völlig befriedigen können, steht ausserhalb von allem für sie Denkbaren.

Auch in der Schwulenpolitik ist eine zunehmend schärfer werdende Heuchelei feststellbar. Einerseits geht es darum, gegenüber Heterosexuellen, Frauen und Männern zu beteuern: „Es geht um Liebe“ bei der Homosexualität. Davon zeugt auch, dass im Text des Gesetzes über die Eingetragene Partnerschaft das Wort Sex völlig fehlt! Wie der Penis im Kinder- und Jugendbuch.

Andererseits wird in der Prävention nur die Praktik der analen Penetration thematisiert, als wenn Männer und Schwule so blöd wären, immer nur zu ficken. Männer müssen weder ficken noch gefickt werden, sie dürfen. Das ist mit Frauen ganz anders…

Einerseits finden wir im Kinder- und Jugendbuchbereich vor allem Liebe, Schmusen, knuddeln und umarmen vor. Andererseits wird Jungs klar gemacht, dass Masturbation kein richtiger Sex ist und dass sie sich beim Fickenlassen gefährden, missbraucht zu werden – wie die Mädchen, die sie ja selber auch missbrauchen könnten. Von Eigenkompetenz, oder gar eigenen Wünschen kann keine Rede sein…

(1)

So wie das homosexuelle Begehren existiert, existiert neben der Pädophilie auch die Gerontophilie. Aber die „gibt es politisch-korrekt nicht“. Mir fehlen da gewisse Begriffe, für eine angebliche Ausgewogenheit, die ich nicht erkennen kann. Es gibt nicht nur Männer, die herrschen, sondern auch Frauen, die frauschen.

Und es gibt neben der Penetranz auch die Vaginanz. Und tragischerweise sind Frauen nicht am Penis, sondern am Phallos interessiert. Aber Männer zwar an der Vagina, aber nicht an der Venus! So verstehe ich Ganzheitlichkeit. Nicht nur einen fragmentierenden Heterror, der sich auch im Feminismus wiederfindet!  Napoléons Strafgesetz hiess: “Code Pénal” – einen Code Vaginal gibt es nicht.  Aber immerhin hat er die männliche Homosexualität in seinem europäischen Regierungsbereich entkriminalisiert.

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

 

Zu Emckes Buch ein ausführlicherer Text auf arcados.ch

(1)  Ich finde es tragisch, dass Carolin Emcke (in ihrem Buch „Wie wir begehren“, S.Fischer 2012) zwar formuliert, dass lesbisches Begehren NICHT kein Begehren sei, sondern – neben der vaginalen Bereitschaft gegenüber dem Mann – überhaupt ein weibliches Begehren, das nicht sichtbar (gemacht) wird, aber dass sie das homosexuelle Begehren bei Männern nicht auch entsprechend einordnen kann. In ihren Auslassungen über männliche Homosexualität ist weder von Analverkehr, noch von der Prostata die Rede. Besonders wichtig, wenn sie über Diskriminierung bei Arabern im Gazastreifen schreibt. * Doch beides gehört nun mal zum medizinischen Verständnis und zur kulturellen Einordnung! Tabuisieren und totschweigen ist Heuchelei!

Es gibt Knaben, die haben NICHT kein Begehren, sondern eben ein Begehren nach Männern, auch neben der Bereitschaft für Frauen! Aber das ist für Frau Emcke wiederum so unwichtig, wie ihr lesbisches Begehren es für die Heterosexualität ist. Und es gibt nicht nur Männer, die Knaben missbrauchen, sondern auch Knaben, die Männer ficken wollen! Doch das trauen sich viele Schwule nicht öffentlich auszusprechen! Damit nimmt man/Frau uns aber einfach einen Teil unserer sexuellen Biografie weg! Entsorgt in der Schublade „Missbrauch“!

*) Interessanterweise finde ich auf der hp von Emcke dann ein Video mit Diskussionsfetzen über Analverkehr. Und der jüdische Glaubensvertreter erzählt sinnigerweise, dass Mann und Frau im Bett zu Dritt – nämlich mit Gott seien… (> Streitraum: Religion und Sexualität)   Dass da der Schwule (schwule Sex) in die Quere kommt, lässt sich zwingend daraus folgern!

Carolin Emcke: Wie wir begehren, S.Fischer 2012

Interview mit Emcke in SRF, Reflexe 3.4.12 30′

Wer sich darüber aufregt, dass Jungs gerne mit Männern ficken würden, der/die sollte sich mal fragen, wozu denn Jungs und Mädchen im Teeniealter schon miteinander die Fortpflanzung üben sollen, denn sie machen ja auch „erwachsene“ Sexualität, die „ihnen nicht entspricht“. Kinder waren nie dazu da, Kinder zu machen! Es ist egal ob Kinder miteinander ficken. Oder Erwachsene. Es sollte möglichst politisch korrekt sein. Aber das Machtgefälle lässt sich eben nur innerhalb des eigenen Geschlechtes relativieren oder umkehren und ausserhalb heterosexueller Normen! Das versucht auch Emcke zu schreiben, aber sie benennt es nicht!  ;)

Zum Thema Mütter:

Mütter und Homosexualität, eine lustige Kolumne

Über eine “feministisch korrigierte” Studie in Südafrika, betreffend sexuell motivierte Gewalt

Braun:  Ein aufschlussreiches Interview mit einer Mutter (PDF)

Alexander Markus Homes: Von der Mutter missbraucht. Frauen und die sexuelle Lust am Kind, 2005, 458 S. (nicht zu verwechseln mit der US-Schriftstellerin A.M. Homes!)

- Prügel vom lieben Gott. Eine Heimbiografie, 141 S. NA 2012,  ISBN 978-3-86569-023-4

NDR: Von der Mutter missbraucht, Beitrag 45 min.

Louis Schützenhöfer: In aller Liebe. Wie Mütter ihre Kinder unglücklich machen, Ueberreuter 2004, 176 S.

Christiane Olivier: Jokastes Kinder. Die Psyche der Frau im Schatten der Mutter, Claassen 1987, Paris 1980 (später TB bei dtv, sh. PDF Inhaltsverzeichnis)

Renate Juras: 41 und 14, edition a, 2011

der ewige abgesang auf “die szene”

Montag, 22. Oktober 2012

Er erinnert mich an einen Kommentar in einer der alten deutschen “Zeitschriften für Freunde” (Der Weg, Die Freunde), in welchem diese gedruckten Blätter sich darüber beklagen, dass der rege Austausch übers Gedruckte und die zahlreichen Leserbriefe sich in den 60er Jahren reduzierte, weil durch die teilweise Entschärfung des § 175 (BRD) sich jetzt Clubs und Lokale bildeten, worin homosexuell “Veranlagte” sich real treffen und Bekanntschaft machen konnten. Der Abgesang also der “gedruckten Szene”. Noch lange Jahre war es in Deutschland üblich, “Szenelokale” nur auf Empfehlung, oder mittels Prüfung durch das heute verschwundene Guckloch, betreten zu können.

Als ich 1970 die Basler Szene kennenlernte, war der Eintritt in den Homo-Club Isola im Gerbergässlein nur auf Empfehlung eines Mitglieds möglich. Glücklicherweise war ich da schon im Februar 20 Jahre alt geworden und hatte also das offizielle schweizer Schutzalter verlassen. Doch was bot sich mir sonst in Basel? Es gab diverse Klappen, Parks und das St. Margrethen-Luft-und-Sonnenbad mit der Abteilung nur für Männer… Die internationale Zeitschrift “Der Kreis” aus Zürich – wichtiges Bindeglied in Kriegszeiten – hatte sein Erscheinen eingestellt. Geblieben waren die von ihm geförderten und empfohlenen “privaten Clubs” in den Städten der Deutschschweiz. Darin fanden “bombige” Feste statt, wie Frühlingsball und Herbstball, sowie besinnliche Weihnachtsfeiern für “Einsame”… Der Kreis war nie öffentlich verkauft worden, wegen des Vorwurfs der “homosexuellen Propaganda” – und vor allem wegen des Jugendschutzes!

Aus den verbliebenen ehemaligen Kreis-Mitstreitern und jüngerem Nachwuchs entstand ein neues Blatt und später der Club “Hey” in Zürich. Der ursprüngliche nichtöffentliche “Conti-Club” war in der Presse aufgeflogen, weil sich – nach etlichen Verbrechen an Schwulen und Verstösse von Homosexuellen gegen das höhere Schutzalter (16-20) die Aufmerksamkeit der Medien darauf richtete. In der Schweiz war es der § 194, der uns rechtlich bis 1992 diskriminierte – mit aktiver Unterstützung bis zum Bundesgericht. 1974 hatte die Schweiz die Europäische Menschenrechtskonvention unterzeichnet, aber nicht das 12. Protokoll gegen Diskriminierungen. (Damals standen das Jesuitenverbot und das Schächtverbot noch in der Verfassung, aber auch Strafprozessordnungen von Kantonen waren nicht EMR-konform) Ein unterschiedliches “Schutzalter” für Homosexuelle hätte dieses Protokoll nicht mehr zugelassen.

Ähnlich wie heute in verschiedenen Oststaaten, wehrten sich unsere Vorkämpfer gegen Vorwürfe wie “Jugendverführung, Propaganda für Homosexualität, homosexuelle Prostitution” (Totalverbot!) und sexuelle Darstellungen waren höchstens privat und in künstlerisch anerkannter Darstellung möglich.

Diese Szene änderte sich, als in der Nachfolge von Stonewall 1969 auch in Zürich Homosexuelle auf die Strasse gingen und sich selber sichtbar machten. Mit der Organisierung von Vorträgen und der Suche nach, nicht kommerziell ausgerichteten, Treff- und Unterhaltungslokalen brachten sie die herkömmlichen “bürgerlichen” Homosexuellen in Zugzwang.

In Basel suchten Schwule nach Alternativen zum Club und zur öffentlichen Cruising-Szene der Parks und Toiletten. Die Homosexuellen Arbeitsgruppen Basel stellten an die Stadt Forderungen nach einem Lokal. 1992 schliesslich wurde das “Schwulen- und Lesbenzentrum” eröffnet. Mit Mitteln aus der legendären Ausstellung “Männergeschichten” 1988 in der Kaserne und einem Zuschuss vom Staat.

Soweit ein rudimentärer Überblick über die frühe Entstehung und Entwicklung von homosexuellen Szenen im letzten Jahrhundert, der gewöhnlichen Schwulen Zugang bot. Daneben wuchsen und gedeihten auch private Zirkel und “schwule Seilschaften” über die es weitestgehend keine Aufzeichnungen gibt. Höchstens noch erzählte Geschichten und Gerüchte.

Das wäre der Bereich und Bewegungsraum welchen sich ein heutiger Gay unter “Szene” vorstellt. Das da wären, die Clubs, Bars, Saunen, Parties und die “schwulen Badestrände” im Sommer, sowie die öffentlichen Toiletten als Spezialszene. Nicht zu vergessen die Ferienreisen und der Besuch anderer Städte…

Es ist normal, dass  durch die Veränderungen der Wirtschaft, der Einkommen, der Transportmittel und der politisch-juristischen Situation, sowie der Migration diese SzeneN sich dauernd ändern. Früher innerhalb von Jahrzehnten, heute innerhalb von Jahren! Ist es denn sinnvoll darauf immer “Abgesänge” zu halten?

Vielleicht ist bei der Darstellung aufgefallen, dass privates Leben zu zweit nicht so im Vordergrund steht, obwohl die Sehnsucht nach einem Freund und der ewig währenden Liebe mit ihm früher noch stärker war als vielleicht heute. Begüterte Homosexuelle hatten immer viel mehr Möglichkeiten in Szenen zu gehen, oder sich “einen Freund zu halten”. Aber das ist mir heute nicht von Belang. Trotzdem wird der Abschied von der allgemein bekannten “Szene” immer wie ein Verschwinden eines Paradieses zelebriert.

Jeder Fussballverein hat ein Stadion oder ein Vereinslokal, in welchem er sich darstellen kann und wo Heterosexuelle auch ihre PartnerInnen finden können. Jeder grössere Häuserblock enthält Kids, die sich in der Nachbarschaft, in einem Hauseingang treffen und mit verschiedenen Absichten und Interessen eine unbemerkte Szene bilden, von der keineR Notiz nimmt, solange sie nicht auffällt. Als die Italiener kamen um hier zu arbeiten, die Portugiesen und die Spanier, bildeten auch sie Szenen. Zum Zweck der Heimatverbundenheit und der Pflege von Gebräuchen. Sogar Vereine von Zuzügern aus anderen Kantonen waren bei der frühen innerschweizerischen Mobilität im letzten Jahrhundert entstanden. Letztlich hat auch jeder Kriminelle und jeder Gläubige irgendeine Szene, die er beeinflusst oder der er sich anschliesst. Nicht nur im Sport.

Letztlich, wer sich “der Szene” verweigert, oder ihr fern bleibt, bildet einfach eine eigene Szene. Aber da er in seinem eigenen Heim oder Bekanntenkreis zuhause ist, empfindet er es nicht als solche. Vielen Homo-Ehen ist das auch nicht bewusst. Ein Teil macht Einladungen oder gibt Parties – auch Sextreffs zu Dritt oder Viert (swingen), oder geht auf gemeinsame Reisen. Ich meine jetzt nicht nur den Fickstrand auf Gran Canaria.

Wir selbst kommen aus unserer Familienszene, aus der wir uns notgedrungen loslösen mussten, weil da keine Aussichten auf Schwulitäten waren. Das ist auch gut so, weil sich in festgefahrenen Lebensgemeinschaften/Verwandt- schaften aufgrund der Nähe und Machtverhältnisse eben auch sexuelle “Übertretungen” ergeben und Missverständnisse einschleichen können. (zB wenn es unter Brüdern abgeht.)

In dem Buch “Gemischte Gefühle” der Autoren Braun/Martin (rowohlt 60853, 2000) wird genau beschrieben, dass es auch eine “Heteroszene” gibt, mit ihren ebenfalls dunklen Flecken. Ich erinnere an die sexuellen Belästigungen zwischen Männern und Frauen (oder auch mal umgekehrt!) am Arbeitsplatz, in Vereinen, an Anlässen, in Verkehrsmitteln…

Da lob ich mir hingegen eine klar homoSEXuelle Szene, in der alle darin Wandelnden wissen sollten, was sie wollen und welche Möglichkeiten sich bieten. Zwar muss da auch für verschiedene Dienstleistungen bezahlt werden, wie Gastronomie, Gesundheit, körperliche Reinigung und Entspannung, Unterhaltung und Information. Aber – im Gegensatz zu heterosexuellen Szenen – für die persönliche sexuelle Begegnung noch nicht so konsequent! Und seien wir mal ehrlich und offen. So eine Beziehung, oder ein Freund kostet oft auch eine Stange Geld, die sich nicht jeder leisten kann! Auch wenn es die gross Liebe, oder die langjährige Beziehung sein sollte.

Schlussfolgerung: Wer sich irgendwelchen Szenen entzieht, oder ihnen entflieht, landet ganz normal in einer neuen! Und wenn es nur seine neue “schöne” Wohnung ist! Und darin haben sich bereits Internetportale per Computer etabliert. Da ist es herzig, immer wieder zu lesen, der eine oder andere sei „kein Szenegänger“. ;)

Ich finde es wichtig, noch etwas anzufügen. Für viele, die in jungen Jahren die Szene genossen oder darin konsumiert haben, kommt einmal der Tag und das Alter, in welchem keiner mehr für sie schaut und ihnen dient. Dann wäre es an der Zeit, mit Anderen zusammen bedürfnis-angepasste Szenen zu schaffen, in denen sich auch Ältere Schwule noch wohlfühlen können. Seien sie Single oder befreundet, oder auch nach einem Verlust des Partners. Daher braucht es eine Infrastruktur, die sich nicht am Kommerz orientiert, sondern am Zusammen- sein. Doch schwierig wird es, wenn die Leute dann ihren Konsumismus und ihre hohen Erwartungen nicht mehr ablegen können. Und schwierig ist es, wenn keiner uns zeigt, dass Männer/Schwule auch bis ins Alter vergnügt und interessiert sein können, ohne verbandelt oder vermögend zu sein.

Ab 30 bist Du vielleicht raus aus der Jugendszene, aber ein schwules Leben kann mit 40 – etwas anders – durchaus weitergeführt, oder neu angefangen werden. Aber bitte nicht als ewige Wiederholung aus der Jugendzeit, sondern als Weiterentwicklung eines Lebens oder Zusammenlebens mit Anderen. Was übrigens auch bei den Heteros ein Problem ist, wenn sie mal eine Familie „gegründet“ haben. Nur wird nicht darüber geredet.

Peter Thommen_62, Schwulenaktivist, Basel

 

P.S. Der ganze Drogenkonsum von Männern jeglicher Orientierung wird seine “krankhaften” Folgen haben, und die Szenen der barebacker und HIV-posiviten können wir auch nicht einfach der Medizin und den Heteros überlassen! Für Arbeit und Arbeitsgruppen – auch eine gemeinschaftliche Szene – wird es immer etwas zu tun geben. Statt gemeinsam einsamen, oder einsam gemein sein zu Anderen

Zu diesem Text ist eine ausführliche Reaktion eingetroffen, die ich Euch in sieben Seiten PDF anfügen möchte!

Thomas Henschel, “Szene-Updates”  (bitte die Autorenrechte auch auf diesem Blog beachten!)

Frauen und schwänze

Montag, 17. September 2012

Ich kann völlig verstehen, wenn sich Frauen darüber nerven, dass Männer an ihrem Hosenschlitz herummachen, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Oder sich körperlich aufdrängen. Das möchte keineR. Abgesehen von der verheimlichten Homosexualität, die manchmal zu so verklemmten Mitteln greifen muss, um nicht an die Frau, sondern endlich an einen anderen Mann zu kommen!

Nun, viele Erektionen haben auch organische Ursachen und sind gar nicht auf andere Personen bezogen. Aber das wissen die wenigsten von uns allen. Vor allem die Kinder und Jugendlichen nicht, die damit allein gelassen werden und im schlimmsten Fall ein schlechtes Gewissen dafür entwickeln…

Aber darauf will ich gar nicht hinaus. Ich finde nur, ich sollte das vorausschicken, wenn ich auf ein zufälliges Erlebnis kommen möchte, das so selten eigentlich gar nicht ist.

Wir stehen vor dem Hirscheneck an einem lauen Sonntagabend, bei Bier und guter Laune. Schwule, Heteros und Frauen. Ich weiss gar nicht mehr genau, was alles vorher geredet wurde. Ein Wort gab das andere und schliesslich ging es plötzlich um Schwänze – ein, zwei Sätze nur. Natürlich auch um die grossen! Ich bemerkte, dass es nicht nur Vergnügen bereitet, einen solchen zu haben. Ich wiederhole: „zu haben“! Schliesslich hätte ich auch schon einige gehabt…

An dem Tisch waren auch zwei Frauen. Na und? Fand ich eben auch. „Hehe es sind schliesslich Frauen am Tisch!“ Ich will jetzt nicht schildern, was mir dann alles durch meinen schwulen Kopf geschwirrt ist.

Aber wieso wollen Frauen weder zufällig, noch situationsgerecht über Schwänze reden? Sie gebären welche und vor dem Gebären brauchen sie welche…

Ach, ich erinnere mich wieder: Schwule seien doch alle so schwanzfixiert! Aber mit den Körbchengrössen, oder gar den Titten hat keineR ein Problem! Na also, fuhr es mir durch Kopf und Mund: „Wieso interessieren sich ausgerechnet Heterofrauen nicht für Schwänze?“

Ich habe in den letzten Jahren fast nur mit Hetero-Männern Sex gehabt. „Ja und wissen denn ihre Partnerinnen überhaupt davon?“

Das geht die doch gar nichts an. Wozu sollen Frauen um etwas wissen, was sie eh nicht selber bieten können! Einen Schwanz – und sei es nur zum Vergleichen. Ganz zu schweigen von anderen Lustbarkeiten…

Zitat aus einem zufälligen Text: „Auch in meinem Bekanntenkreis habe ich einige Möchtegern-Tolerante. Aber wenn ich mal über meine Bedürfnisse sprechen möchte, bekomme ich regelmässig den Satz zu hören: „Ich akzeptiere deine Homosexualität, aber können wir nicht über etwas anderes sprechen!“ (Christian in Spot25-Nachrichten Nr. 2, S. 3-4, 1997)

Grundsätzlich fängt das Schweigen über die „Schwanzfixiertheit“ von Jungen bereits bei den Müttern an! Es geht weiter über die Freundinnen bis zu den Ehefrauen. Logisch, dass auch sonst in der Gesellschaft kein Gesprächsraum für „so was“ vorhanden ist! Auch nicht spontan und auch nicht zufällig! Einfach NICHT!

Ich habe mir am vorausgehenden Freitag wieder mal den Film „Katzenball“  (V. Minder) über lesbische Biografien, von den 40gern des letzten Jahrhunderts bis 2005, angeschaut. Übrigens sehr empfehlenswert und angeboten von der HABS, im Neuen Kino!

Ich erinnerte mich plötzlich an die emotionalen Worte von Heidi, die sinngemäss etwa sagte, dass eben nicht nur Gewalt und offene Diskriminierung einer Lesbe die Sprache verschlagen. Es sind auch die vielen kleinen Momente, in denen sie überlegt, soll ich etwas sagen, soll ich identisch sein, soll ich zu meinen Bedürfnissen stehen, oder nehme ich ständig Rücksicht auf alle andern?

Nun bin ich halt nicht bekannt als jemand, der sich dem Schweigen beugt. Und daher überlegte ich nicht lange herum, sondern tat so, wie Heidi im Film indirekt empfohlen hatte. In der Konsequenz dann war ich hetero-, respektive frauenfeindlich; und „natürlich“ kam von Frauenseite kein Spruch, oder gar ein Beitrag. Nein.

„Hehe, es sind Frauen am Tisch!“

Peter Thommen_62, Buchhändler und Schwulenaktivist, Basel

zur hp von Katzenball (2005)

Während die Mösendebatte bis zur Ohnmacht geführt wird, werden Schwanzdebatten einfach ignoriert! ;)

Homofeindlichkeit & Rastafari-Ideologie

Sonntag, 04. September 2011

Anlässlich des 30. Todestages von Bob Marley im Sommer dieses Jahres, schrieb David Signer (Ethnologe) einen Essay über Reggae und die in der Musik transportierten Lebensvorstellungen, die heute in Jamaica als eigene Kultur verteidigt werden. (NZZamSonntag, 14. August 2011, S. 67) Gleich am Anfang fragt der Autor sich: “Aber was hat es eigentlich mit der Rasta-Botschaft auf sich? Taugt das prophetisch-revolutionäre Pathos für eine Gesellschaftskritik?” “Als Vordenker der Rastafari-Religion gilt der jamaicanische Publizist Marcus Garvey, der 1927 die Vision eines schwarzen Gottes hatte, der zum König gekrönt würde. Drei Jahre später bestieg Haile Selassie I.  den äthiopischen Thron.” Äthiopien war das älteste eigenständige Land in Nordafrika mit einer ältesten urchristlichen Kirchenkultur. Ras Tafari Mekonnen lautete der bürgerliche Name dieses neuen Kaisers und er war die Hoffnung der Äthiopier und für Bob Marley und seine Musikgemeinde wurde er zum neuen schwarzer Messias, den sie nach einem Besuch in Jamaica (ehem. brit. Kolonie) wie einen Gott verehrten. Einige Rastas siedelten auch in dem afrikanischen Land, das zwar seit 1931 eine Verfassung hatte, aber absolutistisch regiert wurde. Ein paar hundert Verehrer, auch aus Schweden, Japan und den USA, lebten mehr schlecht als recht auf ein paar Hektaren Land, das ihnen zugeteilt worden war. Sie wurden von den Einheimischen aber abgelehnt.

“Während in den siebziger Jahren Hunderttausende in dem Land hungerten, feierte der Kaiser den Geburtstag seines Hündchens Lulu.” “Das alles ficht die Rastas jedoch nicht an, in ihrer Vergötterung des “Königs der Könige”, genauso wenig wie der umgekehrte Rassismus, der wichtiger Bestandteil der Rasta-Ideologie ist.” Die Rasta-Ideologie gründet auf archaischen gesellschaftlichen Vorstellungen und auf den historischen Erfahrungen der Schwarzen mit dem Kolonialismus der Weissen. Da gibt es Slogans, die jeder Rechtsextreme für sein “Volk” auch unterschreiben würde (Afrika den Afrikanern – Europa den Europäern), merkt David Signer an. Und: “Man fragt sich, wie die weissen Rastas mit dieser Ideologie umgehen.” Während Bob Marley nachgewiesenermassen ständig sexuell untreu gewesen ist, halten sich die Rastas an biblischen Werten fest, wie so oft in anderen “Bewegungen” und Glaubensgemeinschaften” auch. “Jamaicanische Sänger sind besessen von “batty men” (Schwulen) und “chi-chi gals” (Lesben). Der bekannteste Anti-Homosexuellen Song “Chi-chi man” wurde während der Wahlen von 2001 von einer früheren Regierungspartei (JLP) als Hymne öffentlich verwendet.” Wenn ich bedenke, dass das Musikbusiness mit sehr vielen Schwulen durchsetzt ist, dann frage ich mich auch, wie die das so einfach hinnehmen und totschweigen können, wenn sie Konzerte organisieren, oder Musik vertreiben! Nun, wir sehen ja, die “weissen” Rastas tuns auch, und die schwulen Rechtsradikalen haben auch kein Problem. Hier die bekannten Namen schwulenfeindlicher Rasta-Sänger: Bjuju Banton (er fordert in “Boom By Boom” dazu auf, die “Schwuchteln” umzulegen) – “Zündet sie an!”, schlägt Bounty Killer vor. Der Sänger Beenie Man sieht für Lesben den Tod durch den Strick vor: “Hang chi-chi gal wid a long piece of rope.” In der Schweiz versuchte es Capleton immer wieder mit Auftritten, die aber wegen seiner homofeindlichen “Batty man Tunes” bekämpft wurden. Man mag die Musik mögen oder nicht, David Signer bemerkt am Schluss: “… aber von der ganzen Rasta-”Befreiungsbewegung” bleibt bei genauer Betrachtung unter dem Strich nicht viel mehr als Nonsens.” Der Kaiser Ras Tafari Mekonnen ist schon längst tot. Jamaica seit 1962 ein unabhängiger karibischer Inselstaat im Commonwealth of Nations und das Kiffen hat offensichtlich weder eine “rassische” noch eine politische “Befreiung” gebracht. Und zu guter Letzt der Grund, warum in der Bibel Homosexualität (Schwule im heutigen Sinne gab es damals noch gar nicht) verboten ist: Wegen des Analverkehrs, der die Gefickten kulturell zur Frau machen soll. Dabei wusste der biblische Gott offenbar nichts von der Prostata des Mannes, die beim Analverkehr stimuliert wird und die Erektion anregen kann. Vielleicht hatte er genauso Pech mit seiner Schöpfung, wie die Jamaicaner mit ihrem Messias! Peter Thommen, Schwulenaktivist (61) Basel

Jamaican Gays and Lesbians Stopmurdermusic Hängt die Schwulen! (Uganda) Berichte auf d.radio Wissen

Woran Bob Marley glaubte (Rastafari-Religion)  Ein Skript von Deutschlandradio Kultur vom  7.5.2011

Lesben sind übrigens auch betroffen, auch wenn sie weniger in den Medien genannt werden! Hier eine Literaturliste über Bücher von Claudia Schoppmann

Internationaler Frauentag und Schwule?

Dienstag, 08. März 2011

An diesem Tag geht es um die Rechte der Frauen und das ist auch gut so. Am internationalen Schwulentag geht es schon lange nicht mehr um die Rechte der Homosexualität. Schon gar nicht in einer bürgerlichen Gesellschaft. Und schon gar nicht gegenüber Frauen. Leider.

Rechte bedeuten auch Verantwortung. Aber nur zu oft scheuhen Frauen diese Verantwortung und verzichten stillschweigen auf Rechte. Das tun Männer mit der Homosexualität genauso!

Weniger Rechte heisst auch weniger Verantwortung. Da sollen bei den Frauen ihre Männer her und bei den Schwulen ist dann plötzlich keiner mehr da, weil sich eben alle Beteiligten aus dieser Verantwortung für die gemeinsamen Rechte hinausstehlen…

Es stimmt, dass auch heterosexuelle Männer sich aus der Verantwortung stehlen. ZB mit dem Geld für den Unterhalt des anderen Teils ihrer Familie. Es stimmt aber auch, dass heterosexuelle Männer oft auch unter dem Existenzminimum leben müssen, gerade deswegen. Und es gibt fast nur Frauen, die wegen der homosexuellen Bedürfnisse ihrer Ehemänner, die gemeinsame Familie hinschmeissen und sich für ihre „Enttäuschung“ dann bezahlen lassen, von einem „Schwulen“. Die meisten Männer entfliehen in eine gut gesicherte schwule Parallelwelt, wie andere mit den Prostituierten – damit ihre Frauen “dies nicht tun”!

Zurück zum Wort „Ent-Täuschung“. Womit, oder weswegen haben sie sich täuschen lassen? Die meisten Mütter merken, wenn ihre Söhne homosexuelle Bedürfnisse haben und nach Männern Ausschau halten. So viele Tussis, die zu dumm sind, gibt es einfach nicht. Aber darüber bewahren sie Stillschweigen. Damit es „das in ihrer Familie“ nicht geben soll.

Kürzlich hat mich eine sechzigjährige Frau angerufen, die ihren gleichaltrigen Ehemann bei homosexueller Pornografie (legaler!) im Internet „ertappt“ hat. Wo hat die Ehefrau in all den Jahren nur hingeschaut bei ihrem Mann? Und wie hat der Ehemann in all den Jahren nur seine homosexuellen Bedürfnisse weggesteckt?

Wir merken in der ganzen öffentlichen „Pädophilie“-Diskussion auch, wie Frauen ihre (auch männlichen) Kinder schützen wollen. Das ist wohl eine löbliche Absicht, aber für die gesellschaftliche Wirklichkeit untauglich. Während ihre (männlichen, und auch etliche weibliche) Kinder selber pornografische Photos ins Internet stellen, sollen die bösen Männer, die sich das anschauen, „für immer weggeschlossen“ werden.

Dabei zeigt sich immer mehr in chats und auf Profilen, dass sich sehr viele erwachsene Männer und auch Frauen, niemals aus ihrer kindlichen Sexualität heraus entwickelt haben, oder haben können – sie sind einfach nur den Jahren nach älter, oder erwachsen geworden. Warum?

Die Entwicklung einer verantwortlichen Diskussion über den Körper und die sexuellen Bedürfnisse findet in der Normalfamilie weder zwischen den Ehepartnern, noch mit den Kindern statt. Es wäre eine zu grosse Verantwortung – für die Eltern und auch für die Kinder! Das überlässt Frau lieber der Polizei im Internet…

Das Totschweigen der Homosexualität von Kindern und Ehemännern ist erdrückend. So hat es niemals eine „Bisexuellen-Bewegung“ gegeben. Nur Diskussions- und Beratungsrunden in homosexuellen Gruppen und im Internet. Gut, manche Bisexuellen suchen sich Partner für einen Dreier mit ihrer Freundin oder Ehefrau. Ähnlich dem amerikanischen „Swingen“ – also Sex immer nur zwischen zwei Ehepaaren. Löblich? Ich denke, die Frauen sind noch nie so erzogen worden, um sowas überhaupt „durchzuspielen“. Schon die bürgerliche Ehe kommt noch nicht ohne die vielen – heute internationalen – Fachfrauen aus dem Rotlichmilieu aus!

Mütter beschäftigen sich doch lieber mit ihren Söhnen als mit ihren Töchtern. Und die Väter sind meistens homophob und ihre Ehefrauen tun fast gar nix dagegen – schon gar nicht in für Schwule lebensbedrohenden Migrantenfamilien.

Ja. Alle Verantwortung liegt wieder mal bei den Frauen? Als Schwuler muss ich mich aber immer wieder fragen: Wieso schaffen es Frauen – auch mit ihren Ehemännern zusammen, oder gar mit anderen Frauen zusammen – nicht, ihre Töchter und Söhne zu verantwortlichen Beziehungspartnern heranzuziehen? Sie erziehen Söhne so, dass die Töchter anderer Frauen wieder unter denen leiden müssen. Und sie erziehen ihre Töchter nicht so, dass die Söhne anderer Frauen wenigstens dann bei ihnen Respekt vor dem weiblichen Geschlecht erlernen…

Gerade gestern habe ich mir von einer heterosexuellen Frau sagen lassen, dass es doch für Frauen nichts Schöneres gäbe, als in einem Manne aufzugehen – aber doch eigentlich er in ihr! ;)

Mitten in meinem schwulen Buchladen. Danke! Das war grad noch vor dem internationalen Tag der Frau! ;)

Seit dreissig Jahren steht in der Verfassung ein Satz, der zwingend schliessen lässt, dass Männer und Frauen den gleichen Lohn für gleiche Arbeit erhalten sollen. Doch viel aktueller werden Frauenquoten in der oberen Wirtschaftshierarchie öffentlich diskutiert. Und heftig wird diskutiert, den jungen Frauen (natürlich wegen der Ausländerinnen!) zwischen 16 und 18 Jahren ja bald zu verbieten, für ihre Liebesdienste nur einen Centime von jemandem zu nehmen… (Dabei geht schlichtweg vergessen, dass viele Jungs ihre erwachenden homosexuellen Bedürfnisse gerne mit Geld kaschieren, um es vor sich selber nicht „aus Lust“ zu tun!) Die blöden sind immer die Freier…

In der Diskussion um den Frauentag geht es auch immer wieder um die Gewalt gegen Frauen. Danke – es gibt auch homophobe Gewalt gegen Männer. Auch von Seiten der Frauen. Nur ist dann dies die Gewalt des Schweigens, die auch sehr oft bei sexuellen Übergriffen in heterosexuellen Familien (und auf die Töchter) eine grosse Rolle spielt, aber nicht in gleichem Masse bestraft werden kann. Dabei ist nichts traumatisierender für Opfer, als wenn die Mütter ihre Kinder im Stich lassen!

Gewalt hat etwas mit Eigentumsverhältnissen zu tun. Gerade auch da, wo Frauen von den homosexuellen Bedürfnissen ihrer Männer ent-täuscht werden. Die meisten geben dann das „Familieneigentum“ – eben meist gegen Bezahlung – auf. Aber nicht das Eigentum an den Kindern. Das tun übrigens auch heterosexuelle Männer bei echten homosexuellen Bedürfnissen ihrer Frauen (nicht). Während die „lesbischen Spiele“ von Frauen eher von beiden Geschlechtern als Unterhaltung konsumiert werden. Aber niemals umgekehrt.

Das ganze heterosexuelle System ist überlebt und bringt unter uns Alle sehr viel Leid! Während unwidersprochen behauptet werden kann, andere Kulturen mit anderen Verhältnissen würden ebendies tun. Doch keine Frau und Mutter und kein Mann und Vater möchte es ändern.

Und schleichend frisst sich die Heterrorsexualität auch in die schwulen Beziehungen und Verhältnisse hinein. Wir haben uns doch schon bisher mit diesen Verhältnissen herumgeplagt. Müssen wir sie unbedingt auch noch im schwulen Bett haben?  Peter Thommen61, Schwulenaktivist, Basel

 

Der Schwule muss wieder weg!

Samstag, 01. Januar 2011

Etwas Theorie: Er muss weg, weil er stört. Nämlich heterosexuelle, feministische, und bisexuelle Vorstellungen und Lebenskonzepte. Diese sind mit dem heterosexuellen Mann als Sexualpartner für Frauen entworfen. “Schwule (eigenständige) Lebenskonzepte” sind zwar auch mit dem Mann als Sexualpartner gedacht, lassen sich aber nicht nach vor-herrschenden/frauschenden Vorstellungen gestalten.

Die Homosexualität kann heute nicht mehr geleugnet werden, aber entweder “sollte” sie sich in eingetragene Partnerschaften zurückziehen, oder in irgendwelche Subkulturen, wo sie niemannden/niefrauden stören kann. Sie darf vor allem die heterosexuellen Ehen – und jetzt natürlich auch die „eingetragenen Partnerschaften“ nicht stören. Das war wohl ein Hintergedanke der heterosexuellen PolitikerInnen…

Allerdings wird dabei vergessen, dass die Subkulturen auch von hetero- und bisexuellen Männern aufgesucht werden – mit ihren homosexuellen Bedürfnissen!

Hier vollziehen Junghomos eine verhängnisvolle Logik. Sie glauben, wenn “sie sich niemandem aufdrängen” würden, wäre das Problem der Diskriminierung gelöst. Sie übersehen die Tatsache, dass Homosexualität schon immer ein Teil der Heterosexualität war – einfach nur ausgeblendet. Gerade weil die Heterosexualität eigentlich weiss, dass es sie “in Reinheit” gar nie gab, versuchen die Bisexuellen und die “notorischen” Heterosexuellen, dieses Phantombild immer wieder herzustellen: Durch Ausgrenzung und Diskriminierung der homosexuellen Aktivitäten (auch derjenigen der eigenen Heteros), sowie durch militanten oder mobbingartigen Kampf gegen die “notorischen Homosexuellen”, die – meist als “Schwule” – diese Sexualität zum Lebensmittelpunkt machen wollen. Dies ist eine verhängnisvolle Strategie, an der sich Junghomos und auch Schwule auf keinen Fall beteiligen dürfen!

“Die Homosexualität” ist zwar in der Gesellschaft angekommen, aber “das Schwule” als etwas eigenständiges soll wieder verschwinden. Sehr schön lässt sich das an der Ehediskussion ablesen. Die Schweiz hat eine – durch Volksabstimmung legitimierte – “Eingetragene Partnerschaft” für gleichgeschlechtliche Paare. Spanien und andere Länder haben einfach die “heterosexuelle Ehe” für Gleichgeschlechtliche geöffnet…

Eine “Oeffnung der Ehe für einen gleichgeschlechtlichen Partner“ heterosexueller Paare wurde meines Wissens noch nirgendwo ernsthaft diskutiert. Und bei uns war auch immer klar, dass es eingetragene Partnerschaften mit mehr als zwei Männern, oder gar Frauen gar nicht gibt. Es war immer alles so klar!

Die einzige Möglichkeit, diese Zweierkiste aufzubrechen besteht logischerweise darin, ein Kind zu adoptieren, oder für Frauen, eines zu gebären. Aber dann vermischt sich das Heterosexuelle wieder mit dem Homosexuellen und das sollte doch durch die eP gerade verhindert werden! Schlagenderweise wird dann mit den Kindern argumentiert, die doch mit beiden Geschlechtern aufwachsen müssten. Dass viele Heterosexuelle dies – wegen mannigfaltiger Eheprobleme – gar nicht schaffen, steht natürlich nicht zur Diskussion. Ich denke hier auch explizit an das Recht eines Kindes, als Sexualwesen akzeptiert zu werden, auch wenn es medizinisch transsexuelliert und nicht “eindeutig zugewiesen” werden kann. Von der sexuellen Orientierung will ich erst gar nicht anfangen. Immerhin weise ich auf die monotheistischen Religionen hin, die darauf bestehen, dass es “ausschliessliche” Männer und Frauen gibt und die dies auch mit entsprechenden Kleidervorschriften zementieren wollen. Dieses duale System beherrscht also die kulturelle und individuelle Weiterentwicklung der Menschheit völlig.

Wäre es “konservativ”, wenn wir wieder zu alten Zuständen zurückkehren würden? Shere Hite (USA) erwähnt da eine “alte Form” der Familie:

 

“Selbst die Verteidigung der Heterosexualität (als die “einzige” natürliche Form von Sexualität), als die Basis der Familie, kann aufgrund historischer Tatsachen hinterfragt werden. Die frühesten “Familien” waren keine “heterosexuellen” Kleinfamilien, wie wir sie kennen, sondern schlossen Mutter, Schwestern, Brüder, Tanten Onkel usw. in einer losen Gruppe zusammen. Es gab keinen “Vater”, und die Beziehungen zwischen Mutter und Kind waren keineswegs so elementar, wie wir heute annehmen; Tatsache ist, dass Kinder, Mütter und Schwestern oftmals nicht wussten, wem welches Kind gehörte… Das frühe Indogermanisch verfügte über kein Wort für “Vater” und jahrhundertelang war es nicht bekannt, dass Geschlechtsverkehr die Ursache für Schwangerschaft ist. Während dieser Jahrhunderte war die Grossfamilie eine überlebensfähige soziale Einrichtung…” (Shere Hite: Das sexuelle Erleben des Mannes (2), 1978/1991, S. 290)

Die Eheideologie, mit der wir uns heue abmühen, ist gar noch nicht so alt und schon gar nicht seit Adam und Eva “eingeführt” worden. Und das Allgemeinwissen über die verschiedenen Sexualkulturen und ihre Geschichte auf der Erde ist praktisch null…

Ich hatte einen jungen Mann heute im Chat, der von seinem ersten spontanen Sex mit einem Mann berichtete (es war ein blowjob gewesen). Er war eigentlich sehr zufrieden damit und meinte zwischendurch: “Das geilste daran ist – ich bin gar nicht schwul!”

Peter Thommen, Schwulenaktivist, Basel

Wie sehr sich heterosexuelles mit homosexuellem Leben mischt, ist auch aus dem neuen Buch von Helga Boschitz zu erfahren, über das späte coming out von Männern und Frauen.

Stefan Niggemeier vertieft das Thema noch am Beispiel eines Artikels von Gut in der Weltwoche!Vor allem die Kommentare sind ein Studium in Politikwissenschaft! ;)

die heiligenbilder ehrlichkeit und treue

Dienstag, 25. Mai 2010

Schon lange wollte ich darüber etwas schreiben. Kürzlich hatte ich wieder eine dieser typischen Diskussionen! ;)   Worum ging es? Um monogame Beziehungen und Treue…

Langsam komme ich meinen Reaktionen auf die Schliche! Und ich lerne, zu verstehen, warum es Leute gibt, die sich so gerne an diese Begriffe halten. Vorerst reagiere ich immer ablehnend und zurückweisend. Dies wiederum verstehen Andere nicht, weil sie ja „ihre Argumente“ auch einbringen möchten. Verständlich.

Nach Jahrzehnten der Erfahrung mit Schwulen und Heteros, sowie mit dem ach so hmhm Milieu, bin immer noch nicht bereit, Heiligenbilder an die Wand zu nageln. Andererseits sind viele Jungs dabei, sich an heterosexuelle Vorbilder zu halten, aber über die praktischen Konsequenzen dieser „Heiligen-Heterovorbilder“ nicht nachzudenken. Sie sehen jeweils auch nur an die Fassaden dieser Vorbilder, aber nicht durch sie hindurch. Dazu später mehr.

Ich gehe – übrigens schon sehr lange und seit den Anfängen der Schwulenbewegung – von praktizierbaren Verhaltensweisen aus. Mir ist wichtig, was für ALLE praktikabel und anwendbar wäre – und nicht, was Heilige und Mönche als Ideal propagieren! Alex Comfort, ein Engländer, schrieb mal ein Buch über eine „menschenfreundiche Sexualmoral“. Das war noch in den 70ern, der Zeit der menschen-feindlichen Religionsmoral.

In den Jahrzehnten vom Aufbruch bis zu Aids, wie auch in den Jahren des Internets habe ich eines von Männern und über die Homosexualität ganz klar gelernt: Die meisten wollen nicht schwul sein, aber Sex mit Männern haben. Viele haben ein niedriges Bildungsniveau – so 9. Schuljahr plus evtl. noch Lehre/Ausbildung. Aber dann stehen sie still. Wie viele Heteros auch, übrigens! Damit aber kann keineR einem „heiligen“ Vorbild nachleben – egal ob hetero oder homo!

Vielleicht denkst Du jetzt: Ach mann muss einfach Glück haben! Tja, wer baut sein ganzes Leben auf einem Glücksmoment auf??

Für eine hetero-orientierte, hetero-ideale, monogame Dauerbeziehung (Beim „Dauerfreund“ muss ich immer an einen Dauerkaffeefilter denken!) braucht es mehr als diese Grundlage! Gut, ich habe mich weitergebildet. In einem Sozialberuf. Anschliessend habe ich mich weiter-informiert. Dabei habe ich hinter Fassaden schauen können und ich habe – vor allem anhand der Sozialinstitutionen, gemerkt, dass diese Fassaden nur verlässlich funktionieren, wenn es „dazu noch“ Beratungsstellen, Einrichtungen, Hilfe, Renten, etc. gibt. Von alleine funktioniert diese Heterogesellschaft auch nicht. Und erst recht nicht die ach so vereinzelten und privaten Homosexuellen für welche „die Anderen ja nichts angeht“, was sie tun, oder wie sie orientiert sind. Das zeigt sich dann an den praktischen Lebensproblemen für homosexuelle Paare. Die werden einfach nur „heterosexuell verwaltet“, weil das Andere geht ja niemanden was an. Dafür gibt es bei den Heteros aber vieles für deren Kinder, was ja auch eine sexuelle Orientierung ausmacht, aber alle etwas angeht! ;)

Quentin Crisp, die grosse alte Tunte aus dem Vereinigten Königreich, die zuletzt in NY lebte und in einem Song von Sting verewigt wurde („An Englishman in NY“), redete in ihrer Biographie klar von den „Tatsachen des Lebens“. Und genau davon möchte ich auch immer wieder reden und schreiben. Nicht von den Aussenministern, den Präsidenten von Parlamenten, oder den Popstars, den Künstlern, Bischöfen, Päpsten und Genies! Da setz ich mich bewusst als „Schwulenpapst“ darüber.

Wir haben nun also ein heterosexuell orientiertes Gesetz über die eingetragene Partnerschaft „Gleichgeschlechtlicher“. Auch wieder so ein Wortmonstrum! Ich erinnere daran, dass in dem Gesetz nirgendwo ein Wort wie Sex oder homosexuell vorkommt. Auch schreibt es keine sexuelle Treue vor! Es hält sich also immerhin an eine Tatsache des Lebens! ;)

Ich bin nicht grundsätzlich gegen die eP, halte es aber für falsch, sein schwules Privatleben damit zu beginnen. Es sollte diese Möglichkeit für uns geben, in unserer Lebensmitte uns für eine Perspektive entscheiden zu können – sozial und materiell.

„Ehrlich und treu“ also wollen die vielen Junghomos sein – und es sogar auch versprechen. Die Absicht ist löblich. Aber was ist der tiefere Grund? Ich habe in Diskussionen mit Jungs viel Aggression erfahren, weil ich an diesen Begriffen „herumgezerrt“ habe. Letztlich ist mir klar geworden, dass vor allem das gesucht wird, was man selber nie in der Jugend erfahren hat, oder erfahren konnte. Will heissen: Nur wenige Jungs können in ihren Familien wirklich ehrlich sein und von ihrer Orientierung erzählen. Denn, würden sie dies einlösen, wäre ihnen ihre Familie, oder ihre Bezugspersonen nicht mehr treu! Tatsachen des Lebens! Diese Tatsache aber muss verdrängt werden und geleugnet. Denn im Grund wollten sie ja an ihre Familie glauben… Daraus hervor wächst ein Schuldbewusstsein, das völlig verkehrt und falsch ist!

Für Menschen, die nie eine Familie gehabt haben, mag es auch etwas Vielversprechendes sein, jemanden Treuen neben sich zu wissen. Und da mann nie eine Familie wie „die Anderen“ gehabt hat, möchte man es vielleicht jetzt mit einer homosexuellen „treuen und ehrlichen Beziehung“ versuchen. Aber wie in der Familie oben, schliessen sich allzu grosse Nähe und konsequente Ehrlichkeit und Treue meistens aus (Ausnahmen gibt’s eben nicht für alle!). Dazu mehr unten!

Wenn wir schon an Pfingsten sind, dann möchte ich erwähnen, dass gerade Jesus seinen Jüngern vorsagte, dass diese ihre Familien verlassen und ihr Hab und Gut zurücklassen würden, um ihm nachzufolgen. Jesus räumte auch auf mit der Vorstellung, dass wir unseren Eltern und anderen Vorfahren dankbar sein sollten für unser Leben. Er sagte einfach: Niemand kommt zum Vater, denn durch mich (Joh. 14,6). Durch den Glauben an einen „Freund“ also, wurde das Himmelreich „verdient“! Sehr un-heterosexuelle Tatsachen des Glaubens!

Wir müssen aus unseren Lebenszusammenhängen heraus erst stark werden können, um zu lernen, auch immer mehr ehrlich zu sein. Es nützt nichts, dies als Heiligenbild an die Wand zu nageln, oder in Profilen und auf Foren wie eine weisse Fahne (der Ergebenheit) voran zu tragen. Was ich sehe, so sind die meisten, die Ehrlichkeit in der Beziehung erwarten, dann gegen aussen und die Welt nicht mehr so ehrlich. Dafür wächst dann der Zwang in der Beziehung. Es geht nicht darum, einander zu betrügen, sondern einander auch ein Eigenleben zu lassen, um nicht in einer Beziehung zu verdorren. Keiner muss alles über den Anderen wissen, sonst hat man sich ja auch nichts zu erzählen. Aber wenn auch ein „unbekannter Raum/Bereich“ vorhanden ist, dann ist „die Beziehung“ wenigstens anders als die mit den eigenen Familienmitgliedern gelebte, über die man sehr viel weiss. Aber auch diese sagen einander nicht alles ehrlich, sonst würde diese Klein-Familie als Organisation auseinander fallen! Eine zwiespältige Praxis also, diese Ehrlichkeit. Tatsache des Lebens ist: Wir müssen lernen, sie umsichtig zu verwalten.

Viele vergessen beim Begriff der Treue, dass er auch Abhängigkeit bedeuten kann. Vor allem wenn es um sexuelle Handlungen geht, die man dann nur noch mit einer Person ausführen soll… Du erinnerst Dich sicher noch an Deine Kindheit und Jugend, wo Deine Sexualität völlig von Dir allein abhängig war. Du hattest vielleicht längere Zeit niemanden, mit dem Du Lust erleben konntest. Dann war vielleicht das erste Erlebnis so überwältigend, dass Du quasi gleich „lebenslang“ darauf abfahren wolltest. Damit hast Du auch erkannt, wie zentral die sexuellen Erlebnisse – besonders für junge Männer – sind. Und wie bei der Ernährung auch, ist es bei emotionalen und sexuellen Erlebnissen wichtig, Abwechslung und “Relation” zu haben und zu erkennen, dass nicht ein einziger Mensch alle Deine Bedürfnisse lebenslang befriedigen kann. Mütter tun dies ja auch nicht! Das wäre eine Selbstüberschätzung und gegenüber den Anderen eine Anmassung. Ich meine jetzt nicht die anfängliche Treue, die in der “Uebereilung der Gefühle” (alter Ausdruck für Verliebtheit) keinen Platz mehr lässt. Da ist die sexuelle Treue noch kein Thema. Erst da, wo mann wieder auf die eigenen Beine kommen soll! ;)

Männer, die in einer grösseren Familie aufgewachsen sind, haben auch ihre Lieblingscousins und Lieblingsonkels gehabt, die sie sich quasi selber gewählt hatten. Ohne es zu merken, haben sie ihren Horizont erweitert und das Fehlende ausserhalb der eigenen Kernfamilie gefunden. Dies fehlt völlig in der modernen Kleinfamilie. Gerade die Homosexuellen können unter sich ideale Familien bilden (oder Gemeinschaft), die sich nicht nach Enttäuschungen in Beziehungen richtet, sondern nach den guten und lockeren Kontakten, die man gerne hat. So pickt man sich wie ein Hahn (ahem), die nötigen Körner zusammen, die man im Leben braucht. Dazu können auch ehemalige Geliebte, oder ehemalige „Superficker“ gezählt werden. Und es muss nicht immer Sex sein…

Dazu braucht es die Erkenntnis, dass nicht jeder Kontakt anschliessend in den Abfallkübel geworfen werden kann, denn Erfahrungen – gute und schlechte – schleppen wir als Rucksack mit uns durchs Leben. Auch in jede neue Beziehung hinein!

In den Auffassungen von Treue und Ehrlichkeit, sollten wir nicht in Fundamentalismus verfallen, sondern auch diese „Ideale“ nach praktischen und sozialverträglichen Gesichtspunkten „verwalten“.

So entstehen also Denkmuster von Moral und Gesetzen. Ich sehe viele, die an irgendwelchen Idealen scheitern und sich an ihrem Erreichenwollen verzehren, oder kaputt gehen. Indessen gäbe es Möglichkeiten, es anders zu versuchen, einfachere Strukturen zu leben und AUCH glücklich zu werden – ohne den Richtigen, den „verheissenen Messias“, den Allesproblemlöser. So wie wir Menschen es ja auch tun, seit Tausenden von Jahren neben den Religionen – aber auf eigene Verantwortung! ;)

Peter Thommen60, Schwulenaktivist, Basel