Mit ‘Schwulenbewegung’ getaggte Artikel

Asyl für Schwule und Lesben

Samstag, 26. April 2014
AsylfO

Hirscheneck Basel. 26.4.14

(Die Verwaltung in Basel betrachtet diesen “Aufhänger” als widerrechtliche Werbung an der Fassade!)

NGO fordern mehr Schutz für homosexuelle Asylbewerber

Liberty for O. – die Fakten

Bericht von der Aktion am 1. Mai in Basel

Offener Brief der Schwulenorganisationen an BR Sommaruga!

homosexuelle Migranten SRF

Am 1. Mai. 1975 – vor 39 Jahren (!) – zogen Aktivisten der habs
erstmals bei der Demo am 1. Mai mit, um sich für die Anliegen
Nicht-Heterosexueller einzusetzen.

Heute werden weltweit – meist unter religiösen Vorzeichen – Lesben,
Trans-Menschen, Schwule und Bisexuelle verfolgt. In Nigeria gibt es seit
2013 14 Jahre Haft, wenn sich Nicht-Heterosexuelle ihre Zuneigung
öffentlich zeigen. Doch auch persönlich gehetzt zu werden oder von
exorzistischen Praktiken bedroht zu sein, ist für Schweizer Behörden
noch immer kein Asylgrund!

Die habs unterstützt den Protest gegen die drohende Ausschaffung von O.

O. stammt aus dem christlich geprägten Süden Nigerias. Nach seinem
Coming-Out musste er mit seinem Freund seine dörfliche Gemeinschaft, in
der er ein allseits anerkannter Heilpraktiker war, verlassen. Als beide
in der Hauptstadt Lagos nach 4 Jahren wiederentdeckt wurden, ging die
von O.’s Vater – einem lokalen Pfarrer – angeführte Hatz gegen beide
weiter. Über Spanien gelangten sie vor gut drei Jahren in die Schweiz.
Dort war O. beim Bleiberechtkollektiv aktiv.

Die Asylanträge von O. und dessen Freund wurden umgehend abgelehnt. O.’s
Freund wurde ausgeschafft und zurück in Nigeria u.a. nackt auf einem
Anhänger durchs Dorf gefahren und gezwungen zuzugeben, von
Homosexualität “geheilt” zu sein.

O.’s Rekurs wurde vom Bundesamt für Migration (BFM) abgelehnt.
Begründung: er könne in Lagos seine Homosexualität verstecken.

Das erschüttert!

Nicht nur, dass der Europäische Gerichtshof im November 2013 urteilte,
dass von Homosexuellen nicht erwartet werden könne, ihre Homosexualität
im Heimatsland geheim zu halten (EuGH, Urteil in den Rechtssachen
C-199/12, C-200/12, C201/12) [1].

Auch waren Bundesrätin Sommarugas warme Worte, die sie 2012 (unmittelbar
vor ihrem Auftritt zum Thema Menschenrechte an der ZürichPride) an die
habs gerichtet hat, wohl nicht mehr als heisse Luft: “Wie auf
internationaler Ebene ist auch in der Schweiz das Bewusstsein für die
Gemeinschaft der LGBTI in den letzten Jahren gestiegen. Die Asylpraxis
hat sich in die gleiche Richtung entwickelt. Das BFM ist bei der
Gesuchsprüfung von LGBTI in letzter Zeit dazu übergegangen, deren Recht
auf Selbstbestimmung stärker zu gewichten und die frühere Praxis
insoweit anzupassen, als es von einer Person in aller Regel nicht mehr
verlangt, sich im Heimatstaat in einer bestimmten Weise zu verhalten, um
sich einer Verfolgung zu entziehen. Die Behörden legen Wert darauf, bei
der Behandlung der Asylgesuche dieser Personen den menschenrechtlichen
Aspekten Rechnung zu tragen.” (zum ganzen Brief: [2])

[1]http://curia.europa.eu/jcms/upload/docs/application/pdf/2013-11/cp130145de.pdf

[2]http://habs.ch/?news/bundesratin-sommaruga-schreibt-der-habs

Der komplette Brief von Bundesrätin Sommaruga an die habs als pdf:

Petition unterstützen

Das Ende der Toleranz der Schwulen!

Freitag, 21. Februar 2014

Oder: Wer nicht begeistert von der Heterosexualität ist oder spricht, ist gleich ein Heterophober!?

In den letzten zehn Jahren haben sich die öffentlichen „Erscheinungen“ von Homosexuellen und die Berichte über Schwule ziemlich verändert! Nicht nur im Internet. In dieser Zeit sind auch die Bisexuellen vermehrt, und andere „Fetischisten“ laufend, dazugestossen. Eigentlich alles, was bei den Heterosexuallen so „abfällt“, hat sich irgendeiner „Schwulencommunity“ beigeordnet, daher hat sich auch das Wort „queer“ immer mehr eingebürgert. Wir Schwulen sind – mit den Lesben und ihrem Anhang und den „heterosexuellen Abfällen“ – zu einer in der Gesellschaft unübersehbaren Gruppe angewachsen. Das beunruhigt die Mehrheit. Und auch viele Schwule!

Viele Diskussionen werden von Frauen (z. B. Barbara Höfler, NZZaS) angestossen – aber auch wertkonservative Männer melden sich vermehrt zu Wort: 2009 tat dies Philipp Gut in der Weltwoche und in der zeit.de – ihm antwortete Marko Martin. Letztes Jahr Ralf Schuler. Nun Matthias Matussek als aktuelles Beispiel. (1)

Zufällig bin ich in meiner Bibliothek auf einen Essay von Prof. Dr. G. Th. Kempe * gestossen, der aus der Sicht der 1950er Jahre eine Einschätzung der Situation von homophilen Männern gibt und über deren Verhältnis zu den Heterophilen schreibt.

Vergleichen wir es mit dem Dasein verschiedener Völker, dann ist diese Tatsache ebenfalls bekannt, aber mit diesem Wissen hängt die Anerkennung eng zusammen. Jedem Menschen ist das Dasein dieser Gruppe praktisch bekannt, aber anerkannt wird sie im allgemeinen nicht.“

Meines Erachtens besteht kein Zweifel, dass der durchschnittliche Heterophile unserer Zeit zu einer solchen Anerkennung einfach nicht fähig ist, wahrscheinlich nicht fähig sein kann, und das führt oft zu schrecklichen Folgen.“ (2)

Kempe sieht schon 1954, was wir heute aktuell erleben können! Niemand/Niefrau würde heute die Existenzberechtigung von Franzosen oder Engländern in Frage stellen. Anfangs letzten Jahrhunderts aber hatte diese Anerkennungsverweigerung „schreckliche Folgen“, nämlich die Kriege von 1914/18 und 1939/45.

Interessant auch, wie Matussek direkt Bezug auf den Holocaust nimmt: Mittlerweile hat Homophobie dem Antisemitismus als schlimmste ideologische Sünde den Rang streitig gemacht.“ Was seiner intendierten „Selbstaufopferung“ die Kappe aufsetzt! **

Heute können schreckliche Folgen, die speziell unsere Existenz betreffen, in den osteuropäischen, den arabischen und afrikanischen Völkern gesehen werden. Ursache ist aber nicht mehr der Glaube an den Patriotismus, sondern derjenige an eine Religion und den Heterosexualismus. Eine interessante Parallele wird dabei sichtbar. Die Juden waren sozusagen auch Kinder der Nichtjuden – und Homosexuelle sind ja eigentlich die Kinder der Heterosexuellen. Aber zu diesem differenzierten „Bewusstsein“ sind wohl Heterosexuelle wirklich nicht fähig.

Gerade las ich Joachim Bartholomae’s Essay über literarische Aussenseiter (3) und ihr Verhältnis zur Gesellschaft. „Baldwin wusste als Schwarzer wie als Schwuler genau wie Berührungsangst funktioniert – dieses letzte Tabu, das auch heute noch bei heterosexuellen Menschen die Befürchtung auslöst, sich durch Annäherung in Gefahr zu bringen.“ (S. 58)

Er zitiert auch Peter Rehberg: „Heten fragen vorm Sex: wollen wir was trinken? Homos hinterher. Erst Sex, dann saufen. So machen das die Homos. Korrekte Reihenfolge bitteschön beibehalten! Wenn Heten fragen: wollen wir was trinken? Wollen sie nichts als Sex. Heten sind Heuchler, nicht: wollen wir ficken, wollen wir was trinken? Fragen sie. Wenn Homos fragen: Wollen wir was trinken, dann ist der Sex schon rum (da muss man ja nicht fragen). (S. 71)

Diese Diskussionen liessen sich fortsetzen! Doch die „Schwulenbewegung“ ist in Pension gegangen. An ihre Stelle sind die Queers getreten und diese haben schon genug mit all den L G B T I Q Q A P  zu tun. Daher wird sie jetzt von den Heten gehörig aufgeweckt und aufgeschreckt! Das ist auch gut so!

Ich finde, über Homosexualität darf man streiten. Denn überwiegend wird sie von heterosexuell lebenden Männern ausgeübt, mehr noch als von Schwulen. Über die Schwulen sollte man nicht streiten, denn es gibt sie genauso wie die Frauen!

Peter Thommen-64, Schwulenaktivist, Basel

Über die Bedeutung der Identitätsstiftung in den homosexuellen Figuren bei Baldwin

Claudia Roth, Bündnis90/die Grünen. Über Homosexualität darf man nicht streiten

* Er lehrte am Kriminologischen Institut an der Universität Utrecht.

** Über die soziale Situation von Homosexuellen und Juden siehe: Parin, Paul: “The Mark of Oppression”, in: PSYCHE Nr. 3/1985, S. 194-219

(1) Siehe auch die beiden Gegenmeinungen! Stefan Anker und Lucas Wiegelmann

(2) S. 3 im PDF (im Original S. 4/5)

(3) Bartholomae, Joachim: Wie der Keim einer Südfrucht im Norden (Kleist, Kafka und andere Aussenseiter der Literatur), MS Verlag 2012, 80 S.

Thommen, Peter: Die Wurzeln des Spiessertums (> come out 3. Jg. Nr. 23, Juni 1990)

Der Protest des Klerikalismus* vor sei- nem Untergang

Samstag, 28. Dezember 2013

Worte des Schwulenpapstes vom Kleinbasel

Wir männerliebenden Männer sollten uns nicht über jeden Hirtenbrief der katholischen Kirche aufregen. Das taten wir im letzten Jahrhundert schon zur Genüge. Und das „Zentralkomitee für die Homo-Ehe“ beginnt sich auch immer mehr als Führungsriege fürs schwule Leben oder lesbische Leben einzuschätzen. Denn je mehr wir die heterosexuellen Lebensformen annehmen, desto mehr werden wir zur Zielscheibe unserer „Vorbilder“ werden! Diese haben Angst, dass wir ihn ihnen, oder sie in uns „untergehen“ werden.

Bürgerliche Homosexuelle – vor allem die Junghomos – glauben, wenn sie die heterosexuellen Vorgaben möglichst korrekt übernehmen, könnten die Kirche und die Frauen „ja nichts“ mehr gegen sie haben. Also der Fehlschluss: Wenn die äussere Form stimmt, kann jeder Inhalt „Akzeptanz“ erwarten! Deshalb ist ihre Empörung ja auch so gross. Da haben sie sich doch so grosse Mühe gegeben…

Halt! Haben wir uns nicht auch immer grosse Mühe gegeben, der Mutter und der Familie zu Gefallen und zu Diensten zu stehen? Und trotzdem waren, sind und bleiben wir immer der Kuckuck im Nest des heterosexuellen Vogelpaares! ;)

 

Weil der „Hirtenbrief“ zum 10. Dezember 2013 des Bischofs Vitus Huonder in Chur die gängigsten, aber am wenigsten diskutierten Vorurteile und Fehleinschätzungen zusammengewürfelt hat, möchte ich auf die „tiefen Unwahrheiten“ und Theorien dieses Klerikers eintreten.

Also liebe warmen Brüder und „Schwestern“! (1)

Aus Verantwortung gegenüber der vergangenen Schwulenbewegung und Neugier auf eine selbstbestimmte Zukunft, sollten wir mehr Alternativen für uns, und diese breiter diskutieren und ausprobieren! Die Schwulenbewegung hatte sich von Staat und Kirche emanzipiert. (2)

„Natürlich“ gibt es für die Kirche nur eine akzeptable Form der Sexualität. Von dieser Einstellung wird sie auch nie herunter kommen. Da ändern auch die jahrzehnte-alten HuK-Gruppen und schwulen Theologen nichts daran.

Vitus Huonder hat zwar ins Fremdwörterbuch geschaut und die Erklärung von „gender“ (3) gefunden. Allerdings hat er sich nur teilweise darin bedient, denn „auf der Ebene der öffentlichen Darstellung (bedeutet es) die soziale Geschlechtsrolle“

Wenn Kleriker öffentlich oder in der Kirche auftreten, dann haben sie heutzutage einen transvestitischen Habitus. Selber fordern sie aber geschlechtseindeutige Kleidung im Namen des Herrn. Während sich die Kleidung der Männer und Frauen früher nur wenig unterschieden haben und Männer noch bis in geschichtliche Zeiten Röcke trugen, so hält die „mater ecclesiae“ (Mutter Kirche) bis heute daran fest. Während sie also in männlichen Zusammenhängen und Ritualen auftreten, zeigen sie gleichzeitig ein weibliches Kostüm-Bild. Die Kirche muss ja auch Mutter spielen, damit die heterosexuellen Männer von ihr ideologisch „gut genährt“ werden und sie ihrerseits „begehren“.

Mir geht es darum, den Klerikern zu zeigen, dass auch sie eine Gender-Kultur betreiben!

„El Schaddaj“ ist ein uralter Name, mit dem Gott sich Abraham offenbart hatte. Er bedeutet zugleich: Gewalt und Mutterbrüste. Er weist auf matriarchale Spuren hin. Die Gläubigen benehmen sich auch folgsam, weibisch und unkritisch gegenüber dem Obermacho im Himmel. Sie „spielen“ also Frau gegenüber dem „stärksten Mann“. Das hat mit der sozialen Rolle von Männern im religiösen Bereich zu tun.

Bischof Huonder verschweigt in seinem Text auch, dass es verschiedene Schöpfungsmythen in der Bibel gibt. Während er von Bipolarität schwadroniert, finden sich in der Bibel noch ganz andere Verhältnisse und Zusammenhänge beschrieben. Lilith gilt in der jüdisch-feministischen Theologie als eine Frau, die sich nicht Gottes, sondern Adams Herrschaft entzieht und im Gegensatz zu Eva, sogar resistent gegen den Teufel ist. In einer anderen Version brachte Lilith als erste Frau Adams, Gott dazu, ihr seinen heiligen Namen zu verraten. Dass die Bibel eine Auswahl genehmer Schriften ist, wird spätestens klar, wenn wir Einblick in die jüdischen Schriften erhalten, die vom Christentum konsequent ignoriert werden.

Huonders biologischer Bipolaritäts-Appell findet spätestens da seine Grenzen, wo Eva angeblich aus der Rippe Adams gebildet wird. Wahrscheinlich war es sogar umgekehrt. Ganz zu schweigen, dass es da mit den X und Y-Chromosomen schwierig wird.

Die Zerstörung von Ehe und Familie hat nichts mit „Gender-Studies“ zu tun. Das gab es schon in altbiblischen Zeiten, in denen es unfruchtbare Frauen gab, die dann ihre Mägde oder die Sklavin für den biologischen Fortbestand einsetzten. (1. Mose 16, 3-4 – „Wort des Herrn“!) Dabei wurden zwar keine Geschlechter, sehr wohl aber die „Gebärmütter“ vertauscht. Das übersieht Bischof Huonder geflissentlich…

Der Bischof übersieht auch völlig, dass alle die künstlichen Reproduktionsformen ursprünglich für heterosexuelle Paare erfunden worden sind, die unbedingt sich biologisch fortpflanzen wollten. Dies jetzt den lesbischen und schwulen Paaren vorzuwerfen ist perfid!

Huonder fällt voll in die bürgerliche Sicht des Gleich-Begriffes. Die Bedeutung bezieht sich nicht auf das „gleich Sein“, sondern auf das „gleichwertig Sein“ des jeweils „anderen“ Mannes oder der „anderen“ Frau. Wenn denn beide gleichwertig sind, bedarf es auch keiner besonderen Belohnung für Mutterschaft und Kindererziehung mehr. Wenn der Staat für die Wirtschaft (!) die Produktion neuer Arbeitskräfte fördern und belohnen will, tut er das nicht wegen des „Mutterseins“, sondern wegen der Aufzucht solcher Arbeitskräfte. Wo ist da übrigens der finanzielle Beitrag der Kirche?

Nicht der „Genderismus“ schadet dem Manne, sondern die Macht, die er inne hat. Es ist aber folgerichtig, dass mit der Emanzipation der Frau ihre ausschliessliche Opferrolle verlorengeht und sie in entsprechenden Frauschaftsstrukturen immer mehr auch zur Täterin werden wird. Das war schon in der Bibel so.

Der Schaden für ein Kind ergibt sich nicht aus „Genderismus“, sondern aus der Machtstruktur einer Familie, besonders der unnatürlichen Kleinfamilie, die ein Produkt der Industrialisierung ist. Wir können froh sei, dass der Staat Ersatzstrukturen aufgebaut hat, in welchen Kinder aus den Fingern unfähiger Eltern herauskommen und sie mit anderen vergleichen können. Alles was er gleichgeschlechtlichen Paaren anhängen will, gibt es schon lange in den zerrütteten Verhältnissen heterosexueller Paare und Familien, oder durch wirtschaftliche oder kriegerische Verhältnisse.

Wenn sich der Klerikalismus in die Ecke gedrängt fühlt, dann beklagt er sich lauthals über die „totalitären Züge“ der Anderen. Seine eigene sieht er natürlich nicht – auch diejenigen Menschen nicht, die er seit Jahrhunderten selber bisher ausgegrenzt hat, als Ketzer, Sodomiter und Häretiker…

Wir erleben das heute aktuell am Islamismus. So wie nur ein Gott sein kann, so kann nur eine Ideologie herrschen oder frauschen – und die Glücklichen sind immer diejenigen, die grad die Oberhand haben und die meisten Gläubigen hinter sich wähnen – dank ihrem Gott.

Die weltlichen juristischen Sanktionen kennen in der Gleichwertigkeit der Menschen keine Sondergesetze für die Kirche und die Gläubigen, die selber Sondergesetze für Abweichler geschaffen hat.

Bischof Huonder vergisst auch, dass Maria den Jesus „durchs Ohr – also mit dem Wort“ vom heiligen Geist empfangen hat. Das entspricht einem Gender und gar nicht so der bischöflich verteidigten Biologie.

„Das Wort ward Fleisch“. Auch in der Abendmahlsfeier vertritt die katholische Kirche immer noch die Version, dass sich das Brot und der Wein in reales Fleisch und Blut von Jesus verwandeln würden.

Den Begriff „Genderismus“ gibt es gar nicht in der wisschenschaftlichen Diskussion. Den Begriff Klerikalismus aber in der Ideologie-Diskussion schon. Sehr schnell werden dabei auch deren Kampfmittel eingesetzt und Gender als „Ismus“ verunglimpft. Nur weil die traditionellen Ansichten um neue erweitert werden – und nicht ausgegrenzt.

Wenn es darum geht Beziehungen zwischen Kirche und Jesus zu „erklären“ greifen die Kleriker selber zum Gender („eheliche Liebe“) und zu symbolischen Vergleichen wie „Braut und Bräutigam“ bei Gott und den Gläubigen. Ich habe gelernt, das Nonnen massenweise mit Jesus „verheiratet“ werden, indem sie einen Ehering tragen und einen symbolischen Harem um Jesus bilden. Aber auch Mönche werden mit Jesus „verheiratet“, tragen einen Ehering und „der Vollzug der Ehe“(!), der soll dann symbolisch erst am Todestag erfolgen…

Letztlich, wenn Gott das Ebenbild des Menschen, also Mann und Frau, darstellen soll, ist das auch ein Gender in der Doppelgeschlechtlichkeit.

Im Kampf um die biologische Familie habe ich oben schon erwähnt, dass es da mit Ersatzmüttern und Ersatzvätern auch nicht so streng biologisch genommen wird. Oftmals werden Ersatzmütter „verwendet“ (Bei der anfangs unfruchtbaren Sarah hatte die ägyptische Magd Hagar die Fortpflanzung übernehmen müssen).

Wie oft wurde und wird der Satz von Huonder umgedreht! „dass dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst.“ > Indem dort, wo (noch) nicht geglaubt wird, erst gar keine Würde des Menschen anerkannt wird! AMEN

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist und 1. Schwulenpapst des Kleinbasels

 

 

* Klerikalismus (von Klerus) bezeichnet das Bestreben, der Geistlichkeit einer Religion mehr Einfluss in einem Staat zu verschaffen (im Gegensatz zu Laizismus), oder das Bestreben, der Geistlichkeit innerhalb einer Religion im Vergleich zu den Laien mehr Gewicht zu geben. (Wikipedia)

 

1) Martin Dannecker auf einer Schwulendemo in Münster, 1972: „Brüder und Schwestern warm oder nicht, Kapitalismus bekämpfen ist unsere Pflicht!“

2) Die vergangene Schwulenbewegung der 70er bis 90er

3) Pschyrembel Wörterbuch Sexualität, de Gruyter 2003, S. 168 (gender)

 

 

Heterosexualität – der reine Sexismus!

Dienstag, 29. Oktober 2013

Aus langer Tradition gibt/gab es immer 95 % Heterosexuelle und „vielleicht höchstens“ 3-5 % Homosexuelle – beiderlei Geschlechts. Und obwohl Kinsey schon nach dem 2. Weltkrieg sehr viel mehr homosexuelle Aktivitäten abfragen konnte, wir das bis heute als unveränderbar aufrecht erhalten. Doch  Kinsey fragte nicht nach der Orientierung, sondern nach den Aktivitäten. Dabei ist er auf einen „sehr hohen“ Anteil gekommen, sodass viele Heteros meinten, dieser Kinsey müsse doch selber schwul sein – derweil sie unbekümmert „Lesbenpornos“ als zusätzliches Vergnügen konsumierten…

Seit über vierzig Jahren hat sich eine Homosexuellenbewegung (beiderlei Geschlechter) etabliert, die sich organisiert und rechtlich abgesichert hat. Dabei sind die „Schwulen“ immer mehr zur Minderheit geworden. Aber was sind „Schwule“ eigentlich? Keiner weiss das mehr so recht! Die Gruppen und Vereine sind zunehmend ein Teil des Mainstreams und des Warenmarktes geworden, der Ferienindustrie und der Immobilien…

Doch neben den selbständigen Formationen der Lesben haben sich in den letzten zwanzig Jahren neue Gruppen und Grüppchen gebildet, die von der „reinen Heterosexualität“ quasi „abgefallen“ sind. Und bemerkenswerterweise hat die Heterosexualität davon bis heute keine Notiz genommen! Wozu auch? Sie steht ja da mit felsenfesten 95 %!

Unter der „Verwaltung“ der Homosexuellenbewegungen und der Schwulen, die ja meistens sich selber finanzieren und ohne grosse staatliche Unterstützung auskommen müssen, obwohl sie ja eigentlich „leibliche Kinder“ der Heterosexuellen sind, hat sich nun ein interessanter „Abfall“ der Heterosexualität angesammelt. (Für die politische Korrektheit: Abfall kommt von abgefallen!)

Das sind nun also – neben den Schwulen und Lesben – noch die Bisexuellen, die Trans*was-auch-immer, Intersexuelle (und Hermaphroditen), des weiteren die Queers* , die Questionning (1) und die Asexuellen. Und ganz aktuell nun auch noch die Pansexuellen (2), wie ich mir habe erklären lassen. Somit sieht die „Familie des Abfalls“ – in Abkürzungen – zur Zeit wie folgt aus: LGBTIQQAP.

Das erinnert mich an die berühmte Formel des „Schwulen-Gens“ XQ28 oder so ähnlich! Nun sind wir also von einer ursprünglichen „Krankheit“ bei einer immer länger gewordenen „Formel“ gelandet. So etwas habe ich mir aber nie unter „Schwulenemanzipation“ vorgestellt. Auch nicht die Schwulen-Ehe. Und ich denke ganz politisch unkorrekt, dass ich als Schwuler mit allen anderen eigentlich nichts am Hut habe. Und was die Bisexuellen (was immer das auch für sie selber bedeutet) betrifft, so ist wohl der kleinste gemeinsame Nenner die Sexualität miteinander. Damit hat sich’s aber schon.Wir Schwulen hätten da also von denen noch sehr viel zugut – denn wir sind AUCH für sie auf die Strasse gegangen!

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

 

1) Das sind diejenigen, die selbst nicht wissen, wohin sie gehören!

2) Dass mit dem neuen P nicht die Pädophilen oder gar Pädosexuellen gemeint sein können, habe ich sofort begriffen. Aber wenn man das Wort Pan*… betrachtet, dann könnte man auch diese da drin noch mitnehmen! :P

P.S. Die Gerontophilen werden natürlich vergessen, denn das ist dann – politisch korrekt – „Vergewaltigung von alten Senioren“ oder so…

Es gibt auch sexuelle Menschenrechte (DGSS)

Kinder dürfen SO und “anders” lieben!

Freitag, 22. Februar 2013

Udo Rauchfleisch ist ein ausgewiesener Fachmann im Bereich sexueller Orientierung und Psychotherapie. Seine Bücher sind Marksteine in der Diskussion um die Entpathologisierung von Homosexualität. Aber auch zur Transsexualität trägt er wichtige Informationen bei.

Ich selbst bin schwuler Buchhändler und ein Kind der neueren Schwulenbewegung. Es ist für mich wichtig, Fachliteratur in gesellschaftliche Zusammenhänge zu setzen und sie auch zu kritisieren. Weniger vom Fachlichen her, als vielmehr von den gesellschaftspolitischen Wirkungsmöglicheiten ausgehend. Ich bin daher mit meiner ersten Kritik auf gaybasel.ch beim Autor auf Erstaunen gestossen.

Es gibt zwei grundlegende Prinzipien sich mit Homosexualität zu befassen. Das eine sind Fachleute, die über das Thema und die daran Beteiligten* schreiben oder referieren und das andere ist das direkte Gespräch mit ihnen. Fachleute wie Rauchfleisch haben geholfen, das Thema aus der Krankheits-Ecke herauszuholen und die Schwulenbewegung hat es fertiggebracht, dasselbe aus den Toiletten auf die Strasse und in die Medien zu holen. Das reicht aber überhaupt noch nicht aus! Wir sind heute an dem Punkt, an welchem es klar werden muss, dass Homosexualität nicht allein eine „Orientierung“, „ein Fetisch“, oder eine „sexuelle Praktik“ einer vernachlässigbaren Minderheit ist. Denn damit sind Schwule das Stigma noch nicht los!

Ich bin 1950 geboren und somit in einer Zeit, in welcher „die homosexuelle Phase“ ganz normal der Kindheit und Jugend zugestanden worden ist, indem man/frau hoffte, diese sei eine „vorübergehende“. Die strafrechtliche Verfolgung und die gesellschaftliche Verfemung setzten ein, wenn diese „Phase“ definitiv bis ins Erwachsenenalter beibehalten wurde. Dann begann sie zu „stören“. Das frühere „Schutzalter“ von 20 Jahren – von 1942-1992 – brachte dies auch kriminalpolitisch zum Ausdruck! (Jungs und Mädchen durften damals schon ab 16 Jahren miteinander!)

Der erste Schritt bestand also darin, die homosexuellen Erfahrungen der Heranwachsenden zu entkriminalisieren und dieses Schutzalter für Sexualität allgemein und für alle Beteiligten, also die einverständliche „Jugendsexualität“, auf 16 Jahre herabzusetzen. Doch wir haben nicht damit gerechnet, dass sich die Politik und Justiz noch längere Zeit für den „politisch korrekten“ (hetero) Sex engagieren würde! Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass der Jugendschutz nach wie vor ein wichtiges Anliegen in weiten Kreisen der „korrekten“ Bevölkerung ist, während das Alter der sexuellen Aktivitäten stetig sinkt! Gleichzeitig sind die Grenzen zwischen den hetero und homosexuellen Aktivitäten ebenfalls gefallen und können nicht nur mit Orientierung und Identität verbunden werden!

„Es gibt viele heterosexuell orientierte Menschen, die ebenfalls homosexuelle Bedürfnisse haben und diese unter ebenso schwierigen Bedingungen befriedigen müssen, wie Schwulis. Es geht eben nicht nur darum, dass heterosexuell lebende Menschen sich plötzlich in einen des gleichen Geschlechts „verlieben“ können. Sie können gelegentlich, oder regelmässig, mit dem gleichen Geschlecht auch Sex machen. Und nach über zehn Jahren Internet behaupte ich, dass dies mindestens ein Drittel der Männer auch tut.“ (Th.)

„Aber was nützt einer Mutter der Begriff der „Kern-Geschlechtsidentität“, wenn sie Angst hat, ihr Sohn werde anal vergewaltigt? Diese Angstbilder vermeidet er geflissentlich. Frauen haben keine Prostata und kennen die anale Lust nicht aus dieser Erfahrung!“ (Th.)

Mit dem Titel „Mein Kind liebt anders“ wird für Eltern niemals klar werden, dass es auch eine Homosexualität „jenseits“ einer „Fixierung“ darauf gibt und dass das Kind die Freiheit haben sollte, sie auch „neben seiner heterosexuellen oder bisexuellen Orientierung“ zu nutzen. Es gibt sehr viele Schwule, die öfters und regelmässig sexuelle Erfahrungen mit Heterosexuellen machen, diskret und anonym natürlich. Und der bekannteste Spruch der Bisexuellen lautet: „Ich bin verheiratet.“ Oder „Ich habe eine Freundin.“ – „und das soll sich auch nicht ändern.“

Mit der Einschränkung der Homosexualität auf eine „Orientierung“ und deren Fixierung auf ein ganzes Leben, wie bei der Heterosexualität, werden gesellschaftliche Tatsachen ignoriert. Ganz zu schweigen davon, dass es viele hetero orientierte Männer gibt, die sich tatsächlich nach 20 bis 30 Jahren „umorientieren“, aber damit nicht plötzlich zu „Schwulen“ werden.

Ich möchte dem Autor die Anregung geben, die Joachim Braun und Beate Martin schon im Jahr 2000 im Rowohlt Verlag umgesetzt hatten, mit ihrem Buch „Gemischte Gefühle“. Darin bekommen Heterosexuelle vorgesetzt, dass sie selber auch ein „coming out“ haben, eine „Szene“ und eine „Orientierung“. Und nicht wenige homosexuell Orientierte können oder wollen sich auch fortpflanzen…

Nun, inzwischen haben wir ein Gesetz über die „eingetragene Partnerschaft“, Forderungen nach Adoptionsmöglichkeiten wie bei der Hetero-Ehe und sind an einem öffentlich wahrnehmbaren Punkt angelangt, der die faktische Durchmischung von Heterosexualität und Homosexualität aufhebt und sie jeweils in eine Ausschliesslichkeit zwingt, die jenseits aller empirischen Daten ist! Naiv ist, der sich nichts dabei denkt…

„Im Allgemeinen haben Frauen mit Homosexualität wesentlich weniger Probleme als Männer.“ (Rauchfleisch)

Es gibt keine realen Befunde, die das erhärten würden, nur Äusserungen. So manche Frau gibt sich „tolerant“, wenn es aber um ihren Ehemann oder ihren Sohn geht, sieht alles wieder anders aus. Das habe ich an einigen Beispielen, die ich hier nicht referieren kann, schon sehr eindrücklich erlebt!

„Die Ergebnisse dieser Untersuchung verdeutlichen, dass die Formen, in denen sich die mütterliche Einstellung ausdrückt, dem Einfluss eines gesellschaftlichen Stigmas unterliegen. … Entscheidend ist dabei nicht immer die Homosexualität an sich, sondern die Bedeutung, welche die einzelne Mutter der gesellschaftlichen Meinung und Erwartung beimisst.“ (1)

Dies der Befund von Claudia Müller in ihrer nichtrepräsentativen Arbeit „Mein Sohn liebt Männer“, eine qualitative Studie über einige Mütter. Nicht zuletzt habe ich die Erfahrung gemacht, dass sehr viele Jungs es nicht wagen, mit ihren Müttern über Sexualität zu reden und sich – gemäss einer vergangenen Studie – 30 % der Bisexuellen eher das Leben nehmen würden, als mit ihren Frauen über ihre homosexuellen Bedürfnisse zu sprechen.

Nehmen wir also die „Homosexualität“ aus der „Orientierung“ heraus und stellen sie ALLEN Männern zur Bedürfnisbefriedigung zur Verfügung, dann enthält dies erheblichen gesellschaftspolitischen Sprengstoff. Von der Reaktion von Frauen ganz zu schweigen. Ich habe einige kulturgeschichtliche Werke zur Sexualität gelesen und dabei gelernt, dass es immer das Bestreben der Gesellschaft war, erstens die Frauen zu „versorgen“, denn früher gab es für Unverheiratete, ledige Mütter und Geschiedene oft nur niedrige Arbeit, schlechte Bezahlung, oder die Prostitution, und zweitens die Männer unter „die Haube“ ** zu bringen, damit sie sexuell versorgt und keine Gefahr mehr für andere Frauen seien…

So erscheint mir die „Schwulen-Ehe“ historisch den gleichen politischen Weg zu nehmen, obwohl eigentlich alle wissen, dass diese Ideologie im Leben für die Allgemeinheit nichts taugt! Und schon sind PolitikerInnen daran, die MigrantINNen-Prostitution zu instrumentalisieren und die sexuelle Freiheit ab 16 Jahren für beide Geschlechter weiter einzuschränken. Dabei werden die aktuellen wirtschaftlichen Probleme galant unter den Tisch gewischt!   Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

P.S. Eine detaillierte Rezension von Rauchfleischs Buch auf arcados.ch

 

* Ich schreibe hier absichtlich nicht „Betroffenen“

** kann übrigens auch in Zusammenhang mit der Kopfbedeckung von Muslimas gesehen werden! Wir hatten auch solche Traditionen.

1)  Claudia Müller (Pädagogin): Mein Sohn liebt Männer, 2008, eine qualitative Studie über 5 Mütter)

Öffentliche Heucheleien über Sex zwi- schen Männern!

Samstag, 26. Januar 2013

Den Schwulen entgleitet die öffentliche Selbstdarstellung und Diskussion immer mehr! Und die homo- und heterosexuellen Männer sind nur daran interessiert, ihre Bedürfnisse ungestört – wenn auch heimlich leben zu können.

Dass aber immer mehr Frauen den öffentlichen Diskurs über die Sexualität zwischen Männern befrauschen ist für mich als Schwulen unakzeptabel! Ich würde mir nicht anmassen, über die Sexualität von Frauen, oder zwischen Frauen öffentlich zu mutmassen, oder diese gar öffentlich zu definieren.

Nichtsdestotrotz verfügen Frauen nicht nur über die Sexualität und Orientierung ihrer Söhne, indem sie wegschauen und ignorieren, wenn diese sich nicht an Frauen ausrichtet, sie befrauschen auch ihre Ehemänner und die Schwulen mit ihrer Moral. Die öffentliche Moral ist tendenziell eine weibliche und das Patriarchat steht letztlich auf dem Matriarchat. Das ist aus diversen kulturhistorischen Berichten erkennbar. Aber auch in den Jugendbüchern von AutorINNEN für homosexuelle Knaben und junge Männer. Der Penis fehlt auffällig in den erwähnten Texten! Frauen stellen sich schwule Kinder und Jugendliche sowohl ohne Penis, als auch ohne sexuelle Betätigung damit vor! Oder haben eben gerade überhaupt keine Vorstellung davon!

Dazu passt die Ignoranz in den öffentlichen Medien über die gehäuften Selbstmorde und Mobbingerlebnisse von schwulen Kindern und Jugendlichen in den USA. Denn das passt nicht in den „pädophilen“, hetera-politisch-korrekten Blick. (Sophinette Becker über Pädophilie)

Frau kann sich nicht vorstellen, was sie damit bei schwulen Kindern und Jugendlichen mit feministisch-politischer Korrektheit anrichtet. Männer sind potenzielle Missbraucher und Vergewaltiger und des Knaben Lustobjekt ist ein verdammenswertes Glied! Und mit sowas sollen sich die jungen Schwulen identifizieren? Und wir sollen glauben, dass Mütter es „doch immer nur gut mit uns meinen“!?

Viele Frauen und Lesben ignorieren vorwiegend die historisch unterschiedliche Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Sie sehen Knaben als gefährdete „Mädchen“ und glauben, diese ebenso vor Penissen und Männern „schützen“ zu müssen. Keine der Anklägerinnen von sexuellem Missbrauch hat sich bis heute für eine wirksame Prävention eingesetzt. Weder bei Mädchen, noch bei Knaben! Denn dann müssten sie sich mit deren Sexualität auseinandersetzen, wie das schon Sigmund Freud versucht hatte. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese Politik dazu dient, die Machtverhältnisse zu ändern, aber nicht auf Gleichwertigkeit, sondern auf Umkehr derselben hin.

Ich muss feststellen, dass 20 Jahre verplempert wurden, um Jugendlichen keine Selbstbestimmung und Verhandlungsfähigkeit in der Sexualität beizubringen. Das wollte wohl auch keineR!

Das zeigt sich schon daran, dass nicht mehr der Nachweis einer Handlung oder Tat wichtig ist, sondern allein schon der Verdacht auf sexuellen Missbrauch genügt, um sogenannte „Täter für immer wegzusperren“ Dass dabei „irrtümlich“ auch einige Existenzen zu Grunde gehen, wird als „Kollateralschaden“ achselzuckend hingenommen. Was Männer mit Waffen anrichten, richten Frauen also mit der Sexualität an…

Was an heterosexuellem Missbrauch an Schwulen und den homosexuellen Bedürfnissen von Männern, von Kindheit bis in die Ehen angerichtet wird, ist kein Thema. Dass es „pädophile“ Frauen und Täterinnen gibt, ist politisch-feministisch inkorrekt und wird tabuisiert. Dabei wird verhindert, dass das heterosexuelle System angegriffen wird, das sowohl Frauen als auch Männern die „TäterInnen“-Schaft und die Opfer-Innen-Schaft ermöglicht. Und damit eine Politik der gegenseitigen Destruktion und des heterosexuellen Spiels/Krieges um Macht und Einfluss in Familie und Gesellschaft.

Mein Zorn entzündet sich an der Interpretation der männlichen Prostitution durch Frauen und zum anderen an der Interpretation von HomoSEXualität durch bisexuelle und hetera Frauen.

Als Schwuler kann ich nur staunend zuschauen, wie arme junge und heterosexuelle Männer aus Osteuropa mittels Homosexualität Geld bei heterosexuell lebenden Männern verdienen, die Freundinnen, Ehefrau und Familie haben. Politisch korrekt: Diese (schwulen, hetero lebenden) Männer beuten, diese (hetero) Jungen aus. KeineR fragt sich, was da unmittelbar mit der Homosexualität als solches geschieht. Die Homosexualität wird von heterosexuellen Männern ökonomisch ausgebeutet. Aber hinter diesen Männern stehen einerseits auch junge Frauen, die vom Einkommen der Callboys profitieren und andererseits die Ehefrauen, die davon überzeugt sind, dass Männer ihre sexuellen Bedürfnisse grundsätzlich nur auf Frauen richten können – oder auf andere Fachfrauen des Rotlichtgewerbes. Dass die Callboys (aktiv und passiv) wohl einen anderen Service anbieten, den Frauen nicht liefern können, fragt sich keineR! Auch nicht woher es kommt, dass verheiratete und hetero lebende Männer ihre natürlichen homosexuellen Bedürfnisse in Ghettos entsorgen müssen – nur nicht daheim in der Familie!

Die ganzheitlichere Sexualität dieser Männer ist eine Gefahr für die Frauen und ihre Kinder, Jugendlichen und Freunde und Ehemänner. (Das Vorurteil in der Schlagzeile: „schwule Prostitution“) Für viele Frauen ist klar, dass Männer weibliche Bedürfnisse „niemals völlig“ befriedigen können. Aber dass Frauen ebenfalls die Lust der Männer niemals völlig befriedigen können, steht ausserhalb von allem für sie Denkbaren.

Auch in der Schwulenpolitik ist eine zunehmend schärfer werdende Heuchelei feststellbar. Einerseits geht es darum, gegenüber Heterosexuellen, Frauen und Männern zu beteuern: „Es geht um Liebe“ bei der Homosexualität. Davon zeugt auch, dass im Text des Gesetzes über die Eingetragene Partnerschaft das Wort Sex völlig fehlt! Wie der Penis im Kinder- und Jugendbuch.

Andererseits wird in der Prävention nur die Praktik der analen Penetration thematisiert, als wenn Männer und Schwule so blöd wären, immer nur zu ficken. Männer müssen weder ficken noch gefickt werden, sie dürfen. Das ist mit Frauen ganz anders…

Einerseits finden wir im Kinder- und Jugendbuchbereich vor allem Liebe, Schmusen, knuddeln und umarmen vor. Andererseits wird Jungs klar gemacht, dass Masturbation kein richtiger Sex ist und dass sie sich beim Fickenlassen gefährden, missbraucht zu werden – wie die Mädchen, die sie ja selber auch missbrauchen könnten. Von Eigenkompetenz, oder gar eigenen Wünschen kann keine Rede sein…

(1)

So wie das homosexuelle Begehren existiert, existiert neben der Pädophilie auch die Gerontophilie. Aber die „gibt es politisch-korrekt nicht“. Mir fehlen da gewisse Begriffe, für eine angebliche Ausgewogenheit, die ich nicht erkennen kann. Es gibt nicht nur Männer, die herrschen, sondern auch Frauen, die frauschen.

Und es gibt neben der Penetranz auch die Vaginanz. Und tragischerweise sind Frauen nicht am Penis, sondern am Phallos interessiert. Aber Männer zwar an der Vagina, aber nicht an der Venus! So verstehe ich Ganzheitlichkeit. Nicht nur einen fragmentierenden Heterror, der sich auch im Feminismus wiederfindet!  Napoléons Strafgesetz hiess: “Code Pénal” – einen Code Vaginal gibt es nicht.  Aber immerhin hat er die männliche Homosexualität in seinem europäischen Regierungsbereich entkriminalisiert.

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

 

Zu Emckes Buch ein ausführlicherer Text auf arcados.ch

(1)  Ich finde es tragisch, dass Carolin Emcke (in ihrem Buch „Wie wir begehren“, S.Fischer 2012) zwar formuliert, dass lesbisches Begehren NICHT kein Begehren sei, sondern – neben der vaginalen Bereitschaft gegenüber dem Mann – überhaupt ein weibliches Begehren, das nicht sichtbar (gemacht) wird, aber dass sie das homosexuelle Begehren bei Männern nicht auch entsprechend einordnen kann. In ihren Auslassungen über männliche Homosexualität ist weder von Analverkehr, noch von der Prostata die Rede. Besonders wichtig, wenn sie über Diskriminierung bei Arabern im Gazastreifen schreibt. * Doch beides gehört nun mal zum medizinischen Verständnis und zur kulturellen Einordnung! Tabuisieren und totschweigen ist Heuchelei!

Es gibt Knaben, die haben NICHT kein Begehren, sondern eben ein Begehren nach Männern, auch neben der Bereitschaft für Frauen! Aber das ist für Frau Emcke wiederum so unwichtig, wie ihr lesbisches Begehren es für die Heterosexualität ist. Und es gibt nicht nur Männer, die Knaben missbrauchen, sondern auch Knaben, die Männer ficken wollen! Doch das trauen sich viele Schwule nicht öffentlich auszusprechen! Damit nimmt man/Frau uns aber einfach einen Teil unserer sexuellen Biografie weg! Entsorgt in der Schublade „Missbrauch“!

*) Interessanterweise finde ich auf der hp von Emcke dann ein Video mit Diskussionsfetzen über Analverkehr. Und der jüdische Glaubensvertreter erzählt sinnigerweise, dass Mann und Frau im Bett zu Dritt – nämlich mit Gott seien… (> Streitraum: Religion und Sexualität)   Dass da der Schwule (schwule Sex) in die Quere kommt, lässt sich zwingend daraus folgern!

Carolin Emcke: Wie wir begehren, S.Fischer 2012

Interview mit Emcke in SRF, Reflexe 3.4.12 30′

Wer sich darüber aufregt, dass Jungs gerne mit Männern ficken würden, der/die sollte sich mal fragen, wozu denn Jungs und Mädchen im Teeniealter schon miteinander die Fortpflanzung üben sollen, denn sie machen ja auch „erwachsene“ Sexualität, die „ihnen nicht entspricht“. Kinder waren nie dazu da, Kinder zu machen! Es ist egal ob Kinder miteinander ficken. Oder Erwachsene. Es sollte möglichst politisch korrekt sein. Aber das Machtgefälle lässt sich eben nur innerhalb des eigenen Geschlechtes relativieren oder umkehren und ausserhalb heterosexueller Normen! Das versucht auch Emcke zu schreiben, aber sie benennt es nicht!  ;)

Zum Thema Mütter:

Mütter und Homosexualität, eine lustige Kolumne

Über eine “feministisch korrigierte” Studie in Südafrika, betreffend sexuell motivierte Gewalt

Braun:  Ein aufschlussreiches Interview mit einer Mutter (PDF)

Alexander Markus Homes: Von der Mutter missbraucht. Frauen und die sexuelle Lust am Kind, 2005, 458 S. (nicht zu verwechseln mit der US-Schriftstellerin A.M. Homes!)

- Prügel vom lieben Gott. Eine Heimbiografie, 141 S. NA 2012,  ISBN 978-3-86569-023-4

NDR: Von der Mutter missbraucht, Beitrag 45 min.

Louis Schützenhöfer: In aller Liebe. Wie Mütter ihre Kinder unglücklich machen, Ueberreuter 2004, 176 S.

Christiane Olivier: Jokastes Kinder. Die Psyche der Frau im Schatten der Mutter, Claassen 1987, Paris 1980 (später TB bei dtv, sh. PDF Inhaltsverzeichnis)

Renate Juras: 41 und 14, edition a, 2011

“schwule Prostitution” ?

Dienstag, 20. November 2012

Das Buch „Männer kaufen“ von Oliver Demont zieht durch die bürgerliche Presse, die sich genüsslich oder moralisierend daran delektiert. Wobei tunlichst verschwiegen wird, was die Prostitution unter Männern – die mit „homosexuell“ bezeichnet werden muss – in der Gesellschaft des Heterrors für eine Funktion hat. Mit der Bezeichnung „schwule Prostitution“ wird nämlich so vieles ausgeklammert, was diese Form der Prostitution aber beinhaltet.

Susann Sitzler, die sich schon mit dem Buch „Motherfucker“, von Dawson befasst hat, versuchte, sich auch diesem Thema anzunähern (Basler Zeitung vom 18. November 2012). Ich wundere mich immer wieder, wie wagemutig Frauen sich mit der männlichen Homosexualität befassen – das gilt vor allem für Vorträge und „Selbstvertiefungs-Arbeiten“ an Schulen.

Es frauscht das Vorurteil, dass Frauen Homosexuellen gegenüber „toleranter“ seien, als die Männer. Wenn ich aber bedenke, dass viel mehr Homosexualität unter Männern praktiziert wird als unter Schwulen überhaupt, dann wundert mich das nicht mehr – mit den Männern. Mich wundert auch nicht, dass die Toleranz der Frauen da plötzlich aufhört, wo es um ihre Ehemänner oder Söhne geht…

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass bürgerliche Männer gerne totschweigen, was sie hintenherum so treiben und dass bürgerliche Frauen auch gerne totschweigen, wenn sie Männer heiraten, die homosexuelle Bedürfnisse haben – verharmlosend als „Neigungen“ apostrophiert, oder Söhne besitzen (!) die den Männern nachschauen, egal ob Kind oder Jugendlicher.

Während in der Heterosexualität die Täter-Opferinnen-Symmetrie schnell klar „auszumachen“ ist, wird das „unter Tätern allein“ schon etwas schwieriger. Die schweizer Justiz hat das Problem 1942 „elegant zu lösen versucht“: Mit einem höheren Schutzalter bei der Homosexualität der Männer (bis 20 statt nur bis 16 wie bei den Heteros/as). Von Frauen als Täterinnen unter Frauen war keine Rede. Das war unvorstellbar. Die gleiche Lösung liegt auch jetzt wieder Frau Sommaruga vor: Für Prostitution soll das „Schutzalter“ generell wieder bis 18 Jahre gelten – und bestraft werden sollen nur Männer…  (Was damals wie heute gegen die Verfassung verstösst/verstossen würde!)

Ich erinnere mich gerade an Henriette Kuhrts Interview mit Roy F. Baumeister (Zitat): „Männer gehen mehr Risiken ein als Frauen“ (NZZaS, 18. November 2012, S. 77) und über das Weinen: „Tränen sind in einer engen Beziehung sehr hilfreich, aber in der Öffentlichkeit sind sie ein Problem. Politiker, die öffentlich weinen, beschädigen ihre Karriere.“

Kuhrt verschweigt aber geflissentlich, dass es viele Frauen gibt, die sich keine solchen Tränen-Männer wünschen! Erstens sind die Tränen für die Mutter vorbehalten und nicht auch gegenüber den Vätern erwünscht. Und zweitens muss es für die intime Beziehung mindestens eine andere Technik der Macht und Beeinflussung geben, als für die öffentliche Politik. Ob Frauen öffentlich auch weinen würden, stelle ich mal dahin. Jedenfalls wäre die Wirkung eine völlig andere als bei Männern…

Zu meiner Verärgerung besteht heute eine Tendenz, „politisch korrekt“ antibürgerliche und subversive Verhaltensweisen, oder sogar Sexualbedürfnisse „zurechtzurücken“ bis sie „passen“ – nach dem Motto: Wir sind doch alle nur Menschen – statt ehrlich bemüht Widersprüche offenzulegen wie das die Schwulenbewegung vor 40 Jahren noch überzeugend getan hat.

Leider dürfen wir weder von Henriette Kuhrt, noch von Susann Sitzler erwarten, dass sie einen Blick durch die rosa Brille werfen. Eher sind wir Männer angehalten, auch mal den Standpunkt der Frauen einzunehmen, egal ob wir schwul oder hetero, oder beides zusammen sind. Aber ich schwöre, es gibt eher eine „eheliche Prostitution“ als eine „schwule“…

Peter Thommen_62, Schwulenaktivist, Basel

P.S. siehe auch Claudius Babst: Sexualität im Leben… (in Medien), NZ 1983 – als Anregung zum Thema!

P.S. vom 26.11.2012: Der Passus über die 2. Runde Regierungsratswahlen in Basel wurde entfernt.

P.S. Zum Buch von Demont:  Ich habe heute darin gelesen, aber nichts neues erfahren, was nicht schon in vergangenen Jahren und auch aus anderen Teilen der Welt geschildert wurde. Neu sind die einfachere Reisemöglichkeit in andere Länder und die zentralen Kommunikations-möglichkeiten der neuen Elektronik.

Man kann das Buch kaufen wegen der Fotos von Walter Pfeiffer. Man kann das Buch kaufen wegen der grafischen Gestaltung. Wegen des textlichen Inhalts muss keineR dieses Buch kaufen…

Ich bin immer wieder beeindruckt, wie selbstverständlich die darin geschilderten Verhältnisse der jungen Männer akzeptiert werden, wenn es nicht um Sex als Erwerb geht. Sei es in einer Lehre, auf wechselnden Jobs, oder in wechselnden Familien- oder Beziehungsverhältnissen. Da schreit kein Huhn und kein Hahn! Erinnern möchte ich nur an die sogenannten “Verdingkinder”, für die man/frau sich aus heutiger Distanz ja problemlos entschuldigen kann. Andere mögen in Büchern von Jeremias Gotthelf weiterlesen…

Aber weibliche und männliche Medienleute, PolitikerInnen und GesetzeshüterInnen sind ausgezeichnet im Ausblenden der realen gesellschaftlichen Verhältnisse. Der Heterror diskriminiert die Homosexualität, produziert  ”TäterInnen” und “OpferInnen”, die je nach Ansicht oder Regie ihre Rollen wechseln können. Der gleiche Heterror beutet dazu noch Freier und Escorts/Stricher gemeinsam aus – also beide, wiederum in wechselnden Rollen. Mit Vorschriften und Kontrollen und Mitleid mal mit den Einen oder den Anderen…

Nur über die wirtschaftlichen Verhältnisse wird einfach geschwiegen. Da muss dann das Sexualstrafrecht herhalten und sich von der Politik ficken lassen. Was das Strafrecht wiederum unbenommen an die Betroffenen weitergibt. Wie es sich im hierarchischen und monetär bestimmenden Markt so richtig gehört. Der mediale Aufschrei macht betroffen, doch ausser Gesetzen ändert sich nie irgendetwas. Auch nicht die zunehmende fehlende Selbstbestimmung der Beteiligten.

Ich betrachte es als ein Menschenrecht, seinen Körper zu verkaufen, ob Kopf, Hände oder Schwanz. Auch ein “Schutzalter” von 30 Jahren ändert nichts an den ökonomischen Gründen. Aber nur moralischer Schutz ist politisch durchsetzbar. Die ökonomischen Verhältnisse sind nicht zu ändern! So stiehlt sich bürgerlich/feministische Politik aus der politischen Verantwortung! (Zusatz 10.1.13)

Es gibt persische und türkische Sprichwörter, die besagen, wie vorteilhaft es ist, der Geliebte eines grossen Herrn zu sein. Eins, das in freier Übersetzung lautet:

“Es gibt persische und türkische Sprichwörter, die besagen, wie vorteilhaft es ist, der Geliebte
eines Grossen zu sein, eins, das in freier Übersetzung lautet: „Das meiste erreicht ein Mann mit seinem Gesäss, entweder indem er sich darauf setzt und arbeitet, oder indem er es einem grossen Herrn zur Verfügung stellt.“ (Hirschfeld, 1914)

Peter Thommen_62, und alt geworden ohne Stricher  5.12.2012

P.S. in eigener Sache: Seit längerer Zeit mache ich den Arbeits-Strich vor der Rente, wie so viele Andere auch. Also neben dem Laden eine “unselbständige Erwerbstätigkeit” mit Billiglohn…

Verbot der “Kinderprostitution” bis 18!

LanzParl13

der ewige abgesang auf “die szene”

Montag, 22. Oktober 2012

Er erinnert mich an einen Kommentar in einer der alten deutschen “Zeitschriften für Freunde” (Der Weg, Die Freunde), in welchem diese gedruckten Blätter sich darüber beklagen, dass der rege Austausch übers Gedruckte und die zahlreichen Leserbriefe sich in den 60er Jahren reduzierte, weil durch die teilweise Entschärfung des § 175 (BRD) sich jetzt Clubs und Lokale bildeten, worin homosexuell “Veranlagte” sich real treffen und Bekanntschaft machen konnten. Der Abgesang also der “gedruckten Szene”. Noch lange Jahre war es in Deutschland üblich, “Szenelokale” nur auf Empfehlung, oder mittels Prüfung durch das heute verschwundene Guckloch, betreten zu können.

Als ich 1970 die Basler Szene kennenlernte, war der Eintritt in den Homo-Club Isola im Gerbergässlein nur auf Empfehlung eines Mitglieds möglich. Glücklicherweise war ich da schon im Februar 20 Jahre alt geworden und hatte also das offizielle schweizer Schutzalter verlassen. Doch was bot sich mir sonst in Basel? Es gab diverse Klappen, Parks und das St. Margrethen-Luft-und-Sonnenbad mit der Abteilung nur für Männer… Die internationale Zeitschrift “Der Kreis” aus Zürich – wichtiges Bindeglied in Kriegszeiten – hatte sein Erscheinen eingestellt. Geblieben waren die von ihm geförderten und empfohlenen “privaten Clubs” in den Städten der Deutschschweiz. Darin fanden “bombige” Feste statt, wie Frühlingsball und Herbstball, sowie besinnliche Weihnachtsfeiern für “Einsame”… Der Kreis war nie öffentlich verkauft worden, wegen des Vorwurfs der “homosexuellen Propaganda” – und vor allem wegen des Jugendschutzes!

Aus den verbliebenen ehemaligen Kreis-Mitstreitern und jüngerem Nachwuchs entstand ein neues Blatt und später der Club “Hey” in Zürich. Der ursprüngliche nichtöffentliche “Conti-Club” war in der Presse aufgeflogen, weil sich – nach etlichen Verbrechen an Schwulen und Verstösse von Homosexuellen gegen das höhere Schutzalter (16-20) die Aufmerksamkeit der Medien darauf richtete. In der Schweiz war es der § 194, der uns rechtlich bis 1992 diskriminierte – mit aktiver Unterstützung bis zum Bundesgericht. 1974 hatte die Schweiz die Europäische Menschenrechtskonvention unterzeichnet, aber nicht das 12. Protokoll gegen Diskriminierungen. (Damals standen das Jesuitenverbot und das Schächtverbot noch in der Verfassung, aber auch Strafprozessordnungen von Kantonen waren nicht EMR-konform) Ein unterschiedliches “Schutzalter” für Homosexuelle hätte dieses Protokoll nicht mehr zugelassen.

Ähnlich wie heute in verschiedenen Oststaaten, wehrten sich unsere Vorkämpfer gegen Vorwürfe wie “Jugendverführung, Propaganda für Homosexualität, homosexuelle Prostitution” (Totalverbot!) und sexuelle Darstellungen waren höchstens privat und in künstlerisch anerkannter Darstellung möglich.

Diese Szene änderte sich, als in der Nachfolge von Stonewall 1969 auch in Zürich Homosexuelle auf die Strasse gingen und sich selber sichtbar machten. Mit der Organisierung von Vorträgen und der Suche nach, nicht kommerziell ausgerichteten, Treff- und Unterhaltungslokalen brachten sie die herkömmlichen “bürgerlichen” Homosexuellen in Zugzwang.

In Basel suchten Schwule nach Alternativen zum Club und zur öffentlichen Cruising-Szene der Parks und Toiletten. Die Homosexuellen Arbeitsgruppen Basel stellten an die Stadt Forderungen nach einem Lokal. 1992 schliesslich wurde das “Schwulen- und Lesbenzentrum” eröffnet. Mit Mitteln aus der legendären Ausstellung “Männergeschichten” 1988 in der Kaserne und einem Zuschuss vom Staat.

Soweit ein rudimentärer Überblick über die frühe Entstehung und Entwicklung von homosexuellen Szenen im letzten Jahrhundert, der gewöhnlichen Schwulen Zugang bot. Daneben wuchsen und gedeihten auch private Zirkel und “schwule Seilschaften” über die es weitestgehend keine Aufzeichnungen gibt. Höchstens noch erzählte Geschichten und Gerüchte.

Das wäre der Bereich und Bewegungsraum welchen sich ein heutiger Gay unter “Szene” vorstellt. Das da wären, die Clubs, Bars, Saunen, Parties und die “schwulen Badestrände” im Sommer, sowie die öffentlichen Toiletten als Spezialszene. Nicht zu vergessen die Ferienreisen und der Besuch anderer Städte…

Es ist normal, dass  durch die Veränderungen der Wirtschaft, der Einkommen, der Transportmittel und der politisch-juristischen Situation, sowie der Migration diese SzeneN sich dauernd ändern. Früher innerhalb von Jahrzehnten, heute innerhalb von Jahren! Ist es denn sinnvoll darauf immer “Abgesänge” zu halten?

Vielleicht ist bei der Darstellung aufgefallen, dass privates Leben zu zweit nicht so im Vordergrund steht, obwohl die Sehnsucht nach einem Freund und der ewig währenden Liebe mit ihm früher noch stärker war als vielleicht heute. Begüterte Homosexuelle hatten immer viel mehr Möglichkeiten in Szenen zu gehen, oder sich “einen Freund zu halten”. Aber das ist mir heute nicht von Belang. Trotzdem wird der Abschied von der allgemein bekannten “Szene” immer wie ein Verschwinden eines Paradieses zelebriert.

Jeder Fussballverein hat ein Stadion oder ein Vereinslokal, in welchem er sich darstellen kann und wo Heterosexuelle auch ihre PartnerInnen finden können. Jeder grössere Häuserblock enthält Kids, die sich in der Nachbarschaft, in einem Hauseingang treffen und mit verschiedenen Absichten und Interessen eine unbemerkte Szene bilden, von der keineR Notiz nimmt, solange sie nicht auffällt. Als die Italiener kamen um hier zu arbeiten, die Portugiesen und die Spanier, bildeten auch sie Szenen. Zum Zweck der Heimatverbundenheit und der Pflege von Gebräuchen. Sogar Vereine von Zuzügern aus anderen Kantonen waren bei der frühen innerschweizerischen Mobilität im letzten Jahrhundert entstanden. Letztlich hat auch jeder Kriminelle und jeder Gläubige irgendeine Szene, die er beeinflusst oder der er sich anschliesst. Nicht nur im Sport.

Letztlich, wer sich “der Szene” verweigert, oder ihr fern bleibt, bildet einfach eine eigene Szene. Aber da er in seinem eigenen Heim oder Bekanntenkreis zuhause ist, empfindet er es nicht als solche. Vielen Homo-Ehen ist das auch nicht bewusst. Ein Teil macht Einladungen oder gibt Parties – auch Sextreffs zu Dritt oder Viert (swingen), oder geht auf gemeinsame Reisen. Ich meine jetzt nicht nur den Fickstrand auf Gran Canaria.

Wir selbst kommen aus unserer Familienszene, aus der wir uns notgedrungen loslösen mussten, weil da keine Aussichten auf Schwulitäten waren. Das ist auch gut so, weil sich in festgefahrenen Lebensgemeinschaften/Verwandt- schaften aufgrund der Nähe und Machtverhältnisse eben auch sexuelle “Übertretungen” ergeben und Missverständnisse einschleichen können. (zB wenn es unter Brüdern abgeht.)

In dem Buch “Gemischte Gefühle” der Autoren Braun/Martin (rowohlt 60853, 2000) wird genau beschrieben, dass es auch eine “Heteroszene” gibt, mit ihren ebenfalls dunklen Flecken. Ich erinnere an die sexuellen Belästigungen zwischen Männern und Frauen (oder auch mal umgekehrt!) am Arbeitsplatz, in Vereinen, an Anlässen, in Verkehrsmitteln…

Da lob ich mir hingegen eine klar homoSEXuelle Szene, in der alle darin Wandelnden wissen sollten, was sie wollen und welche Möglichkeiten sich bieten. Zwar muss da auch für verschiedene Dienstleistungen bezahlt werden, wie Gastronomie, Gesundheit, körperliche Reinigung und Entspannung, Unterhaltung und Information. Aber – im Gegensatz zu heterosexuellen Szenen – für die persönliche sexuelle Begegnung noch nicht so konsequent! Und seien wir mal ehrlich und offen. So eine Beziehung, oder ein Freund kostet oft auch eine Stange Geld, die sich nicht jeder leisten kann! Auch wenn es die gross Liebe, oder die langjährige Beziehung sein sollte.

Schlussfolgerung: Wer sich irgendwelchen Szenen entzieht, oder ihnen entflieht, landet ganz normal in einer neuen! Und wenn es nur seine neue “schöne” Wohnung ist! Und darin haben sich bereits Internetportale per Computer etabliert. Da ist es herzig, immer wieder zu lesen, der eine oder andere sei „kein Szenegänger“. ;)

Ich finde es wichtig, noch etwas anzufügen. Für viele, die in jungen Jahren die Szene genossen oder darin konsumiert haben, kommt einmal der Tag und das Alter, in welchem keiner mehr für sie schaut und ihnen dient. Dann wäre es an der Zeit, mit Anderen zusammen bedürfnis-angepasste Szenen zu schaffen, in denen sich auch Ältere Schwule noch wohlfühlen können. Seien sie Single oder befreundet, oder auch nach einem Verlust des Partners. Daher braucht es eine Infrastruktur, die sich nicht am Kommerz orientiert, sondern am Zusammen- sein. Doch schwierig wird es, wenn die Leute dann ihren Konsumismus und ihre hohen Erwartungen nicht mehr ablegen können. Und schwierig ist es, wenn keiner uns zeigt, dass Männer/Schwule auch bis ins Alter vergnügt und interessiert sein können, ohne verbandelt oder vermögend zu sein.

Ab 30 bist Du vielleicht raus aus der Jugendszene, aber ein schwules Leben kann mit 40 – etwas anders – durchaus weitergeführt, oder neu angefangen werden. Aber bitte nicht als ewige Wiederholung aus der Jugendzeit, sondern als Weiterentwicklung eines Lebens oder Zusammenlebens mit Anderen. Was übrigens auch bei den Heteros ein Problem ist, wenn sie mal eine Familie „gegründet“ haben. Nur wird nicht darüber geredet.

Peter Thommen_62, Schwulenaktivist, Basel

 

P.S. Der ganze Drogenkonsum von Männern jeglicher Orientierung wird seine “krankhaften” Folgen haben, und die Szenen der barebacker und HIV-posiviten können wir auch nicht einfach der Medizin und den Heteros überlassen! Für Arbeit und Arbeitsgruppen – auch eine gemeinschaftliche Szene – wird es immer etwas zu tun geben. Statt gemeinsam einsamen, oder einsam gemein sein zu Anderen

Zu diesem Text ist eine ausführliche Reaktion eingetroffen, die ich Euch in sieben Seiten PDF anfügen möchte!

Thomas Henschel, “Szene-Updates”  (bitte die Autorenrechte auch auf diesem Blog beachten!)

Ein grosser Tag?

Donnerstag, 20. September 2012

Eine Polemik aus den Erfahrungen der Vergangenheit in die Zukunft 

Anfangs dieser Woche hatte ein junger Mann sein „coming out“. Dabei erklärte er, dass er „es“ eigentlich schon seit seinem 16. Lebensjahr „gewusst“ habe.

Dass er für sein Identitätsbewusstsein noch einige Jahre zugewartet hat, während seine heterosexuellen Kollegen längst „erste Erfahrungen“ gesammelt haben, ist für unsere Gesellschaft „einfach nur normal“ halt. Schwule brauchen etwas länger?

Da hatte ich 1970 schon ungeheures Glück, weil das Schutzalter damals bei 20 Jahren war und es – wie bei gegenwärtig gültigem Gesetz von 1992 – keine Toleranzgrenze von drei Jahren um das Schutzalter 16 herum gab. Ich war gerade 20 geworden.

Doch während die heterosexuellen Jungs schon früher als mit 16 Jahren „herumprobieren“, gibt es seit einigen Jahren auch da strafrechtliche Eingriffe ins Sexualleben Jugendlicher. Hinterher wird das als „Missbrauch“ definiert und auch sanktioniert. Dabei spielt die Presse – vor allem vor irgendeiner Anklageerhebung – eine selbstbewusste vor-verurteilende „öffentlich-rechtliche“ Rolle!

Es wird wieder mehr Wert darauf gelegt, dass Jugendliche „warten“ sollten, statt ihre sexuelle Selbstverantwortung zu üben. Die einzige Politikerin seit Jahrzehnten, die nicht vom Schutzalter, sondern von der sexuellen Selbstbestimmung öffentlich (in einem Interview) sprach, war Frau Bundesrätin Elisabeth Kopp (FDP) gewesen! Das war Anfang der 80er Jahre.

Die „vorberatende Expertenkommission“ hatte damals 14 Jahre, und der Gesamtbundesrat in seiner Stellungnahme 15 Jahre vorgeschlagen. Die vielen Vernehmlassungsantworten, die in Bern bis 1983 eingegangen waren, sind übrigens in einer Bundesdrucksache* gesammelt worden: Die Antworten von Fachleuten, Juristen, Staatsanwaltschaften und Richtern liegen im Vergleich zur heutigen „politischen Korrektheit“ völlig daneben. Und doch waren alle diese Leute, inklusive Bundesrat nie irgendwie der „Pädophilie“ verdächtigt worden. Und es wäre Scheinheiligkeit im Quadrat, dies heute rückwirkend noch zu tun…

Doch in den letzten Jahren sind „Verjährungsfristen“ gedehnt, neue Straftatbestände im Bereich der Pornografie und der „sexuellen Handlungen mit Kindern“ („Wegschliessen für immer!“) und neue strafprozessuale Handlungen auch für Beteiligte unter 16 Jahren eingeführt worden. Dabei sollen alle immer mehr geschützt werden. Doch was hat das Gesetz zum Schutz der Frauen ihnen je wirklich gebracht? Meiner Kenntnis nach haben die Pille, die neuen Arbeitsmöglichkeiten, Weiterbildung und staatliche Unterstützungen, wie Alimentenbevorschussung, für Frauen mehr gebracht als alle gut meinenden Gesetze.

Kürzlich hat Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) neue Gesetzesänderungen angekündigt (Lanzarote-Konvention, ER), mit denen Jugendliche vor sexueller Ausbeutung durch Prostitution von 16-18 Jahren geschützt werden sollen. Während sexuelle Kontakte unter 16 Jahren allgemein bekannt strafbar sind, ergibt sich eine Re-Kriminalisierung mit hohem Erpressungspotenzial, wie das Schwule von 1942 bis Ende der 80er Jahre erlebt haben. So zweideutig wie Prostitution letztlich definiert werden kann, so zweideutig werden auch arbeitsrechtliche Vorschriften in Familienbetrieben mit Kindern und Jugendlichen interpretiert. Das gilt nicht nur für Bauernbetriebe, sondern auch für Franchising-Läden! Aber da gibt’s halt keinen Sex, nur Arbeit.

Der weitere Vorschlag von Simonetta Sommaruga betrifft die sexuellen Darstellungen. Sie sollen neu bis 18 Jahre als Kinderpornografie gelten. Zum Schutz vor Ausbeutung. Ganz ignoriert werden die Selbst-Darstellungen Jugendlicher mit Webcam und in Internetforen. In einer Zeit, in der fast jeder „Kack“ abgebildet und mitgeteilt werden muss, ist das eine sehr fundamentalistische Sicht der Dinge! Von Selbstbestimmung kann keine Rede sein. Wie weit die “Jugendliteratur” und Tagebücher – für bis zu 18jährige – der Pornozensur zum Opfer fallen wird, bleibe dahingestellt Ganz zu schweigen von der Ausweitung der Zensur im Internet. Ich mag mich an ein Jugendbuch erinnern, woraus ich in meinem Abend-Blatt als Werbung zitiert hatte. Die Staatsanwaltschaft (in meiner damaligen Adressliste!) meldete sich telefonisch, woher ich den Text hätte. Aus einem regulären Taschenbuch. (Die Neuauflage erschien dann bei Gmünder…)

Kommen wir zurück auf den grossen Tag! Ich habe bereits geschildert, dass Jugendliche mit den homosexuellen Erfahrungen und Identitäten um Jahre verspätet daran sind. Was keineN kümmert. Und nun soll die Darstellung und Selbstdarstellung der lustvollen Sexualität von Jugendlichen von 16-18 Jahren so schlimm werden wie die Kinderpornografie. Das sind doch schöne Aussichten auf ein schwules Leben, wenn Sexualität – eingeschränkt durch das Prostitutionsverbot – zwar gelebt werden darf (wohl eher geduldet!), aber deren Abbildung schwer kriminalisiert wird. Wir sind bald wieder bei einem Strafrecht der katholischen Kirche, die „keinen Sex vor der Ehe“ propagiert. Die Homosexualität sitzt nun in der heterosexuellen Falle zum Schutz vor allem der Mädchen und wird „gleichbehandelt“. Das wollten wir doch – oder?

Aber da sitzt noch so ein Pferdefuss in der ganzen Vorlage. Getreu dem „Vorbild“ in Schweden, sollen zwar die Männer, die Prostituierte aufsuchen (also hier erstmal begrenzt auf Jugendliche von 16-18 Jahren) sich strafbar machen. Aber die Frauen, die – aus welchen Gründen auch immer – die Prostitution anbieten, sollen straflos bleiben. Dazu kann ich nur die Verfassung zitieren, die jeden Bürger/Bürgerin vor dem Gesetz gleich stellen soll!

Wer bei der homosexuellen Prostitution bestraft werden soll, wird natürlich nicht erwähnt. Das ist bei Frauen kein Thema. Auch nicht, wenn mal ab und an eine vornehme Dame, egal welchen Zivilstands, sich eine andere Dame gegen Bares gönnt! Und so was wird es ja wohl nicht geben…

Da ist es gerade praktisch, dass schwule Jungs erst mit 18 Jahren oder noch später ihr coming out haben. Da sparen sie sich viele Unannehmlichkeiten mit den Behörden, Gerichten und der Polizei! Und die Schwulenbewegung muss „umdenken“ und die ganzen safersex Kampagnen und Informationen neu ausrichten!?

Das wollten wir doch – oder?

Peter Thommen_62, Buchhändler, Sozialarbeiter, Schwulenaktivist

P.S. Siehe auch die Links hier im Blog unter “Jugendprostitution”!

Dazu passend ein Kurzfilm “The Closet” - eine Kindheitserinnerung  (gefunden bei typisch-schwul.com)

* Ergebnisse des Vernehmlassungsverfahrens – Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben, gegen die Sittlichkeit und gegen die Familie, 1983, 752 S. A 20416 / A 20796

Die ganzen privaten Stellungnahmen ans BAJ, vom „Weissen Kreuz“ bis zu den Schwulenorganisationen liegen mir in meinem Archiv als Kopien aus dem Justizdepartement vor!

 

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Nachtrag/Leserreaktion: Es gilt ein erstes Missverständnis zu beheben, das in meiner Polemik aufscheinen kann: Natürlich kann ein Junge in jedem Alter sein coming out machen. Nur steht die Frage an, ob es – angesichts der vorgesehenen Kriminalisierung von Bildern und Texten, die Sex und Kontakte von 16-18 zur Darstellung bringen oder thematisieren, überhaupt dann noch Sinn macht, diese Altersgruppe zu informieren, oder ihr Literatur zur Verfügung zu halten! (Dazu muss man nicht Buchhändler sein!)

Anmerkungen

1. Ich erwähnte oben das Buch von Todd Brown. Das knallrosa Tagebuch, welches im “Sexverlag” Gmünder neu aufgelegt wurde! (Ursprünglich bei DromerKnaur?)

2. Ich habe an anderem Ort das Buch von Will Davis: Meine Sicht der Dinge, besprochen. Dieses ist auf Deutsch nicht ohne Grund bei Gmünder erschienen. Die Englisch-Ausgabe erschien jedoch nicht in einem “Sexverlag”!

3. Ich erinnere an die Broschüre “selbstverständlich” (Pink Cross, 2005), in welchem Szoltan eine Sexszene auf einem Bahnhofsklo beschreibt (S.15), deretwegen PolitikerInnen aufgeschreckt wurden! Wie ich mich erinnere, durfte sie nicht mehr an Schulen (PDF) aufgelegt werden! Allerdings erhielt sie dann vom Bundesrat ein OK. (Schulen sind aber Kantonssache!)

Bundesrat rehabilitiert Coming-out Broschüre (31.8.2005). Professionell gemacht, Inhalt und Aufmachung für die Zielgruppe geeignet. Dies ist die offizielle Beurteilung des Bundesrats zur Coming-out-Broschüre «selbstverständlich» für schwule junge Männer, die PINK CROSS in Zusammenarbeit mit der AHS herausgegeben hat.

«selbstverständlich», die Broschüre für junge schwule Männer vor- und während des Coming-outs, war im Frühling unter Beschuss geraten, weil vornehmlich evangelikale Politiker sie als pornographisches Machwerk zur Verführung Jugendlicher darstellten. In der bundesrätlichen Antwort auf zwei parlamentarische Anfragen erhalten die schweizerische Schwulenorganisation PINK CROSS und die Aids-Hilfe Schweiz nun die Bestätigung, dass die Broschüre zweckmässig ist und Homosexualität ausgewogen darstellt. 

Das Thema “Kinder- und Jugendliteratur für homosexuelle Jugendliche” wird nächstens von mir in einem Essay aufgelegt werden. 

arbeiten und ficken

Dienstag, 01. Mai 2012

Ich bin immer wieder erstaunt, wie man Heterosexuellen die Zusammenhänge zwischen Arbeit und Sexualität erklären muss. Bei einem Schwulen haben sie den Fick viel schneller im Kopf als bei den Forderungen nach wirtschaftlichen Leistungen für ihre Familien. Da geht es doch „nur“ um Kinderzulagen, Betreuungsgelder, Familienvergünstigungen, etc. Seltsam, dass die „übrige Sexualität“ – auch Heteros sind nicht dauernd mit Fortpflanzung beschäftigt – einfach in ihrer Familie „verschwindet“.

Das ist bei vielen Homosexuellen leider auch so. Ich muss mich jetzt hüten, Verallgemeinerungen vorzunehmen, greife bei dem Thema aber trotzdem zu einigen Beispielen. Erst „ficken sie sich durch die Szene“ und wenn der Fick gross/geil genug ist, wollen sie dann gleich heiraten. Und dann verschwinden die ganzen Erfahrungen und Fähigkeiten (!) auch gleich mit in der individuellen Homo-Ehe. In Internetportalen suchen sie „nur nach Kontakten mit Freunden“, wünschen „keine sexuelle Anmache“. Dass jemand mit Partner vielleicht nicht mehr auf Klappen und in Parks cruisen geht, mag ich noch verstehen. Vor allem am Anfang einer Beziehung. Aber einfach seine Sinnlichkeit für den Rest des Lebens nicht mehr zu pflegen und einfach wegzustecken, ist meiner Ansicht nach ungesund. Nun, wie schrieb kürzlich einer auf gayromeo: „Ich habe einen Freund, aber über die Webcam ist keine Untreue!“

Wie das so geht mit dem „heterosexuellen“ Appetitholen auswärts und „zuhause essen“ können wir anhand der sehr häufigen sexuellen Übergriffe und Anmachen von Frauen am heterosexuellen Arbeitsplatz nur erahnen. Man könnte hier ein ganzes Kapitel aufmachen! (Die ach so verachtete „Homo-Szene“ mit ihrer Eindeutigkeit ist eine echte Alternative – und der Sex erst noch gratis!) Aber dass es einen Zusammenhang gibt, zwischen der monogamen Sexualität, die Frauen so gern fordern und der dann auswärts verströmten männlichen Sinnlichkeit, sehen nicht mal linke Frauen ein! Ich muss mich hüten, denen ihre Sexualität zu erklären, aber um ein paar Bemerkungen dazu, komme ich, wie bei den Schwulen, nicht herum!

Im 2011 erschienenen Buch „Die Linke und die Sexualität“ greifen die HerausgeberInnen auf historische Sexualforderungen von Revolutionären zurück!

„Die ursprünglich polygame Veranlagung ist zu stark im Menschen, als dass sie durch äußere und innere Gewalt gänzlich unterdrückt werden könnte (…). In der kommenden Zeit stürmischer, revolutionärer Entwicklung wird dieser Prozess sicher noch eine Beschleunigung und Intensivierung erfahren. Und in der von wirtschaftlichen Kämpfen befreiten glücklicheren Zukunft des Sozialismus wird die wilde Vermischung und Polygamie in allen Formen das Sexualleben des Menschen beherrschen.“   Elfriede Friedländer, Sexualethik des Kommunismus, 1920

Das sind keine Forderungen für die aktuellen Mai-Märsche überall auf der Welt! Dabei hat die russische Revolution die Familie abgeschafft, die Homosexualität entkriminalisiert und nicht nur das Eigentum am Kapital, sondern auch das sexuelle Eigentum an Frauen/anderen Menschen abgeschafft. Mann lese das bitte mehr als einmal durch!

Wir Schwule waren bis in die 70er Jahre „krankhafte Wesen“, psychisch gestört und angeblich unnütz für die Fortpflanzung. Doch weder haben die Heterosexuellen dafür eine Krankenrente bezahlt, noch haben sie zur Kenntnis genommen, dass sehr viele ihrer eigenen Männer sowohl an homosexuellen Kontakten beteiligt waren und sind, als auch nicht, dass viele Homosexuellen sich in Familien versteckten, um ihrer Repression zu entgehen, oder ihre Arbeit nicht zu verlieren. Das krasseste Beispiel war das schweizerische Militär. Bis 1991 wurden offen Schwule im Allgemeinen nicht akzeptiert. Sie durften aber einen Militärpflichtersatz dafür zahlen, dass sie politisch „nicht richtig fickten“. Obgleich es noch nicht so lange her ist, dass die Diskriminierung am Arbeitsplatz versteckt und offen systematisch betrieben worden ist. Jedenfalls die Rechnung für die Ersatzsteuer war bei mir immer vor allen anderen Steuerrechnungen im Briefkasten…

Für Heterosexuelle war es bis in die ausgehenden 60er unmöglich, als unverheiratetes Paar eine Wohnung zu bekommen. Und generell ist es bei den Heteros so eingerichtet, dass Mann entweder eine Freundin oder eine Frau (zum ficken) hat, oder eine Nutte besucht. Beides kostet und für beides muss Mann arbeiten…

Noch heute ist es für viele junge Nordafrikaner unmöglich, mit Frauen Sex zu haben, ohne verheiratet zu sein, oder eine Nutte zu besuchen. Aber Arbeit gibt es bekanntlich da nur für Wenige. Und ein besonderes Kapitel könnte man hier wieder aufmachen, was die Betreuung von Migranten aus jener Gegend betrifft.   (Eine Konfrontation habe ich kürzlich wieder selber erlebt in meinem Buchladen, und das hat mit dem unterschiedlichen Verständnis von Kultur und Wirtschaft tun. Als offen Schwuler war ich da eh auf der schwächeren Seite)

Wundern wir uns darüber, dass die homosexuelle Prostitution bis 1991 generell verboten war. Also auch über das beliebte „Jugendschutzalter“ – von damals 20 Jahren – hinaus? Mann könnte hier wieder ganze Kapitel aufmachen über die Rolle der Prostitution in den kapitalistischen Wirtschaftsstrukturen, insbesondere der „fortpflanzungsverhütenden“ homosexuellen Prostitution. Und worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen Billigstarbeit und Billigstprostitution? Der ältere Mann bekommt zunehmend keine „qualifizierte“ Arbeit mehr und die ältere Frau senkt zunehmend ihren Tarif. Und die Wirtschaft findet immer Ausreden, um die Frauen weniger zu bezahlen als die Männer… (Es gibt in der BL-Mittelalter-Geschichtsforschung Zeugnisse über Frauen, die sich in Männerkleider warfen, um auf dem Arbeitsmarkt mehr Geld zu verdienen!)

HABS am 1. Mai 1979, Rittergasse (klick > A5)

Es wird also nicht nur im Bett oder sonst wo gefickt/Macht ausgeübt, sondern auch auf Baustellen und in den Firmenetagen. Das war den Pionieren der Sexualreform vor hundert Jahren durchaus bewusst (Wilhelm Reich u.A.)! Auch dass sich die Situation in der Arbeit und im Sozialleben auf die Familie und bis auf die Kinder auswirkt – und natürlich auch auf den Fick im Ehebett. Aber darüber wird nicht geredet…

Für die katholische Kirche sind Schwule „objektiv ungeordnet“. Statt sich darüber zu wundern oder sich zu empören, lohnt es sich, in die Bibel zu schauen. Mann solle nicht beim Mann liegen wie bei einem Weibe. Das unterminiert die Geschlechterordnung. Nicht nur im Islam, wie es immer scheinen möchte! Was die Linke als „Klassengesellschaft“ propagiert, ist bereits der wirtschaftliche Überbau. Denn die Urklassengesellschaft besteht aus dem Ficker und der Gefickten. Interessanterweise können nur die Männer beide Rollen spielen. Frauen werden das zunehmend, beim Erklimmen der wirtschaftlichen Hierarchie, darin symbolisch auch ausüben. Und natürlich gab es in allen Kulturen Möglichkeiten, die Rollen auch umzukehren, nicht nur im Matriarchat. Dieses übrigens steht unter dem Patriarchat. Das eine lebt nicht ohne das andere…

Hier sollte auch die Erkenntnis der „bewegten“ Schwulen langsam heranreifen, dass Frauen niemals generell unsere Verbündeten sein können. Schwule stören die heterosexelle Rollenverteilung, sie konkurrenzieren um die Männer – nicht nur um andere Schwule, wie das fälschlicherweise immer behauptete wird! Sie stören damit auch die Macht der Frauen, nicht nur die Seilschaften der Männer. Und auch gewisse Männer können die Rollen „vertauschen und in Begierde entbrennen“, um ihre Ziele zu erreichen. Denn schon die Bibel mutete jedem Mann das Laster des Sex mit einem anderen zu, darum wurde es auch mit dem Tode bestraft.

Es gäbe noch vieles dazu zu schreiben. Vielleicht an einem nächsten Ersten Mai! Jedenfalls ist das Thema noch völlig unbeackert.

Zumindest von den „lifegestylten“ Junghomos sind wohl keine weiterführenden Erkenntnisse zu erwarten. Und ihren Konsumismus wollen sie sich natürlich nicht „erklären“ lassen! ;)

Peter Thommen_62, Buchhändler und Schwulenaktivist, Basel

PS. Über ein Dutzend Referenten der SP werden in einem email vorgestellt mit ihren Referaten zum 1. Mai. Nirgendwo nur das Wörtchen Sex. Dabei gehört sexuelle Befriedigung genauso zum Leben und zur Arbeit wie alles andere! (ich leite die email gerne an Interessenten weiter!)

Zum Ersten Mai, 1996-1998

Erster Mai 2011