Mit ‘Religion’ getaggte Artikel

Das Bekenntnis an den Mann

Sonntag, 19. Mai 2013

Wir dürfen in der heterosexuellen Presse immer wieder davon lesen, dass wir Männer uns „zur Homosexualität bekennen“ würden. Das tönt immer ein wenig nach Religion. Dabei vergessen diese Heterosexuellen, dass sie sich in ihren monotheistischen Religionen dauernd oder ausdrücklich zum Mann – nämlich ihrem Gott und seinen Propheten bekennen…

Das Bekenntnis zum Mann muss irgendwie eine Art Religion darstellen. Auch dasjenige der Frauen zum Mann. Denn die Ehe steht unter dem besonderen Schutz, vom Glauben – bis zum Staat. Zur Mutter bedarf es keines Bekenntnisses, denn sie hat ein reales Verhältnis zu ihrem Kind. Nur über den jeweiligen Vater kann spekuliert werden…

So wie das Vaterschaftsverhältnis von Jesus zu Gott über ein Bekenntnis (durch den Heiligen Geist) ‚im Ohr Marias’ hergestellt wird, so wird auch das Verhältnis von Jesus zu seinem Vater wiederum über ein öffentliches Bekenntnis zu ihm hergestellt.

Zugleich ist das Verhältnis ein „weibliches“, denn der eifersüchtige Gott usurpiert die Bekennenden und lässt keinen Platz für weitere Männer neben ihm. Es ist eine spezifisch kulturelle – eben monotheistische – Moral, denn es gibt Frauen auf unserem Planeten, die ihre Männer selber wählen und sich nicht auf einen beschränken. So wie es auch immer Männer gab, die kulturell geprägt dasselbe umgekehrt taten…

Fünfzig Tage nach Ostern (dem öffentlichen Bekenntnis der Wiedererscheinung Jesu) folgt das öffentliche Bekenntnis des Verhältnisses von Gott zu seinen Jüngern, in symbolischer Form von „Wärme“ unter ihnen, oder als „Flammen über ihnen“. (Zur Zahl 50 siehe unten, Auszug aus Wikipedia!)

Penta (Pfingsten) ist hier also eine „Bekenntniszahl“. Pfingsten ist quasi der Gründungstag der Gemeinschaft von gläubigen Männern (und im Hintergrund dieser Lehre auch Frauen).*

Sosehr usurpieren diese Bekenntnisse von Juden, Christen und Moslems zum „Idealmann“ (Alter Ego) in irgendwelchen ideologischen Wolken (Gläubige/Ungläubige), dass Bekenntnisse zu realen Männern auf Erden sogar verfolgt worden sind. Historisch betrachtet haben eigentlich nur diejenigen Männer gesellschaftliche Probleme gemacht, die sich den Frauen völlig enthalten haben. Denn wer mit Frauen konnte, oder wollte, der hatte eigentlich kein Problem mit dem Sex mit Männern – ja ist eigentlich gar nicht aufgefallen… (2. Sam. 1, 27 – David und Jonathan)

Umgekehrt haben viele Frauen sehr wohl ein Problem mit Nebenmännern ihrer Ehepartner, eher noch als mit Nebenfrauen. (Siehe oben das „weibliche Verhältnis“!)

Ich denke nun, dass es ziemlich verbreitet ist unter Männern, dass man zwar nur eine Mutter haben kann, aber durchaus – ausser dem Gott – mehrere Männer. Auch für die Frauen spielt es weniger eine Rolle, selber mehr als einen Mann im Leben zu haben…

Es kann also darüber spekuliert werden, wie religiös, oder welche religiöse Dimension die „Homo-Ehe“ ist, oder hat! Die Gemeinschaft der Männer um Jesus bildete jedoch auch eine Art Familie, oder „Lebensgemeinschaft“. Sie wurde an Pfingsten „gesegnet“ und initiiert.

Morton Smith (1915-1991) hat in seinen Veröffentlichungen auf die magischen Rituale in ihren Kreisen hingewiesen. (>Das geheime Markusevangelium)

Jedenfalls ist die orientalische Kultur nicht so fortpflanzungsreduziert, wie sie uns vermittelt wurde und noch wird. Die Männerliebe hatte immer ihren Platz neben der „Frauenliebe“ und ist uns – nach meiner Ansicht – historisch in Form der monotheistischen Religionen überliefert worden.

Vor vielen Jahren hat man mir ein Geburtshoroskop geschenkt. Darin konnte ich lesen, dass ich „zur Bildung religiöser Gemeinschaften neige“. Nun, wenn Männergesellschaft und Männerfreundschaft eine religiöse Dimension haben, dann trifft das wohl zu! (schmunzel!)

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

Frühere Pfingsttexte (2010, 1997)

* Interessante Bemerkung im Lexikon der Symbole. Dort finde ich den Hinweis, dass es am Anfang auch Kreise gab, die Gott als Einheit von Vater und Mutter sehen wollten. „Dass eine solche Meinung selbst heutzutage mitunter gefährlich sein kann, zeigt der frühe Tod Johannes Paul I. kurze Zeit nachdem er behauptet hatte: „Gott ist Vater. Noch mehr ist er Mutter.“ (Bauer/Dümotz/Golowin: Lexikon der Symbole, 1987/Heyne TB 1989, S. 185)

Zur Zahlenmagie:

50  Die erste biblische Schöpfungserzählung wird in Gen 2,3 abgeschlossen mit der Wendung ‚da diese geschaffen wurden’, hebr. behibaram, 2-5-2-200-1-40. Das sind dieselben Wort-/Zahlkomponenten wie bei Abraham, nur in anderer Reihenfolge: „Der neue Name Abraham war schon in der Struktur dieses Wortes ‚behibaram’ enthalten, womit die Schöpfung von Himmel und Erde ausgedrückt wird, und zwar schon so, wie er dann zustande kommen sollte. Erst ohne die 5, dann mit der 5, darum mit dieser kleinen He, der erst nur im Keim anwesenden He darin.“

„Der besondere Charakter dieser 5 an dieser Stelle bewirkt nun, dass diese Passage [Gen 2,3] in der Überlieferung gelesen wird als ‚mit der 5 schuf er sie’“ (die Welt). Die irdisch-materielle Welt und Zeit wird aber durch die Zahl 4 (40, 400) ausgedrückt (vgl. die 4 Mondphasen): „Die Zahl Fünf ist dann bereits von anderer Ordnung“, nämlich Zahl des Geistes und des Jenseitigen. Um die 5 hier auszudrücken, bedarf es des ‚Bundes’ als Verbindung der ‚weiblichen’ 4 (Welt, Nacht) mit der ‚männlichen’ 1 (Gott, Sonne). Daraus ergibt sich die für die Bibel zentrale Bedeutung der Zahl 5 sowie dann auch der Zahlen 50 und 500.

fünfzig: Überstieg über die 49 = 7² als Zahl der 7-Tage-Schöpfung (die Arche Noah steigt bei der Flut auf 49 Ellen, die Öffnung der Dachluke = 1 Elle führt zur 50 – vgl. Gen 6,16). Josua, der Sohn des Nun (= 50), führt das Volk in das Gelobte Land der Einheit (Num 27,18.23); Jobeljahr (Jubeljahr, Gnadenjahr): Jedes fünfzigste Jahr soll die Freilassung für alle Bewohner des Landes ausgerufen werden (Lev 25,10; vgl. Lk 4,19); ähnlich das Sabbatjahr. Offenbarung der Thora mit den Zehn Geboten und der Erneuerung des Bundes am 50. Tag Schawuot nach dem Auszug aus Ägypten; an Pfingsten (= ’50. Tag’ nach Ostern) wird der Heilige Geist auf die Gläubigen ausgegossen, Beginn der Mission der Apostel (Apg 2). Die erzählte Zeit des öffentlichen Lebens Jesu im Markusevangelium (von Mk 1,15: „die Zeit ist erfüllt“) dauert 7 Wochen mit der Auferstehung am 1. Tag der 8. Woche oder am 50. Tag.

queerpredigt 02

Dienstag, 04. Dezember 2012

In unserer christlichen Kultur kennen wir den Begriff: „Wie in Abrahams Schoss…“

Er ist Symbol für Ruhe und Geborgenheit. Wenn wir davon ausgehen, dass dieser Schoss in einer Männergesellschaft seine Symbolik für die Männer gehabt hat – und davon gehe ich aus – dann bedeutet dies, dass der Mann seine Geborgenheit und Ruhe im männlichen Schoss finden soll, denn im weiblichen ist/war er zum Stress und zur Produktion verurteilt.

Vielleicht findet er da auch sein Spielzeug, mit dem er richtig spielen kann und soll und wo er sich auch vergleichen kann. Und aus der Ruhe des männlichen Schosses könnte er sich dann auch gezielt um die Bedürfnisse der Frauen kümmern, die nicht eigentlich im weiblichen Schosse zu suchen sind! Amen

«Brokeback Mountain» als “biblischer” Sündenfall

Montag, 27. Februar 2012

Viele haben den Film gesehen und wurden darin bestätigt, dass Liebe und Sex zwischen Männern sehr schön sein kann, dass sie aber in unserer Kultur keine Chance, respektive keinen Platz hat…

Doch in dem Film wird nicht nur die Sexualität überspielt, der Regisseur Ang Lee spielte auch mit den Urkonflikten aus der Bibel. Dies gesehen und beschrieben hat Kathrin Geyh, eine junge Filmemacherin. Studium der Kommunikationswissenschaften und Arbeit bei Amalia-Film.de

(hier der ganze Text auf   arcados.ch)

Siehe auch: Thommen, hallo “bisexueller” Boy! 

Homofeindlichkeit & Rastafari-Ideologie

Sonntag, 04. September 2011

Anlässlich des 30. Todestages von Bob Marley im Sommer dieses Jahres, schrieb David Signer (Ethnologe) einen Essay über Reggae und die in der Musik transportierten Lebensvorstellungen, die heute in Jamaica als eigene Kultur verteidigt werden. (NZZamSonntag, 14. August 2011, S. 67) Gleich am Anfang fragt der Autor sich: “Aber was hat es eigentlich mit der Rasta-Botschaft auf sich? Taugt das prophetisch-revolutionäre Pathos für eine Gesellschaftskritik?” “Als Vordenker der Rastafari-Religion gilt der jamaicanische Publizist Marcus Garvey, der 1927 die Vision eines schwarzen Gottes hatte, der zum König gekrönt würde. Drei Jahre später bestieg Haile Selassie I.  den äthiopischen Thron.” Äthiopien war das älteste eigenständige Land in Nordafrika mit einer ältesten urchristlichen Kirchenkultur. Ras Tafari Mekonnen lautete der bürgerliche Name dieses neuen Kaisers und er war die Hoffnung der Äthiopier und für Bob Marley und seine Musikgemeinde wurde er zum neuen schwarzer Messias, den sie nach einem Besuch in Jamaica (ehem. brit. Kolonie) wie einen Gott verehrten. Einige Rastas siedelten auch in dem afrikanischen Land, das zwar seit 1931 eine Verfassung hatte, aber absolutistisch regiert wurde. Ein paar hundert Verehrer, auch aus Schweden, Japan und den USA, lebten mehr schlecht als recht auf ein paar Hektaren Land, das ihnen zugeteilt worden war. Sie wurden von den Einheimischen aber abgelehnt.

“Während in den siebziger Jahren Hunderttausende in dem Land hungerten, feierte der Kaiser den Geburtstag seines Hündchens Lulu.” “Das alles ficht die Rastas jedoch nicht an, in ihrer Vergötterung des “Königs der Könige”, genauso wenig wie der umgekehrte Rassismus, der wichtiger Bestandteil der Rasta-Ideologie ist.” Die Rasta-Ideologie gründet auf archaischen gesellschaftlichen Vorstellungen und auf den historischen Erfahrungen der Schwarzen mit dem Kolonialismus der Weissen. Da gibt es Slogans, die jeder Rechtsextreme für sein “Volk” auch unterschreiben würde (Afrika den Afrikanern – Europa den Europäern), merkt David Signer an. Und: “Man fragt sich, wie die weissen Rastas mit dieser Ideologie umgehen.” Während Bob Marley nachgewiesenermassen ständig sexuell untreu gewesen ist, halten sich die Rastas an biblischen Werten fest, wie so oft in anderen “Bewegungen” und Glaubensgemeinschaften” auch. “Jamaicanische Sänger sind besessen von “batty men” (Schwulen) und “chi-chi gals” (Lesben). Der bekannteste Anti-Homosexuellen Song “Chi-chi man” wurde während der Wahlen von 2001 von einer früheren Regierungspartei (JLP) als Hymne öffentlich verwendet.” Wenn ich bedenke, dass das Musikbusiness mit sehr vielen Schwulen durchsetzt ist, dann frage ich mich auch, wie die das so einfach hinnehmen und totschweigen können, wenn sie Konzerte organisieren, oder Musik vertreiben! Nun, wir sehen ja, die “weissen” Rastas tuns auch, und die schwulen Rechtsradikalen haben auch kein Problem. Hier die bekannten Namen schwulenfeindlicher Rasta-Sänger: Bjuju Banton (er fordert in “Boom By Boom” dazu auf, die “Schwuchteln” umzulegen) – “Zündet sie an!”, schlägt Bounty Killer vor. Der Sänger Beenie Man sieht für Lesben den Tod durch den Strick vor: “Hang chi-chi gal wid a long piece of rope.” In der Schweiz versuchte es Capleton immer wieder mit Auftritten, die aber wegen seiner homofeindlichen “Batty man Tunes” bekämpft wurden. Man mag die Musik mögen oder nicht, David Signer bemerkt am Schluss: “… aber von der ganzen Rasta-”Befreiungsbewegung” bleibt bei genauer Betrachtung unter dem Strich nicht viel mehr als Nonsens.” Der Kaiser Ras Tafari Mekonnen ist schon längst tot. Jamaica seit 1962 ein unabhängiger karibischer Inselstaat im Commonwealth of Nations und das Kiffen hat offensichtlich weder eine “rassische” noch eine politische “Befreiung” gebracht. Und zu guter Letzt der Grund, warum in der Bibel Homosexualität (Schwule im heutigen Sinne gab es damals noch gar nicht) verboten ist: Wegen des Analverkehrs, der die Gefickten kulturell zur Frau machen soll. Dabei wusste der biblische Gott offenbar nichts von der Prostata des Mannes, die beim Analverkehr stimuliert wird und die Erektion anregen kann. Vielleicht hatte er genauso Pech mit seiner Schöpfung, wie die Jamaicaner mit ihrem Messias! Peter Thommen, Schwulenaktivist (61) Basel

Jamaican Gays and Lesbians Stopmurdermusic Hängt die Schwulen! (Uganda) Berichte auf d.radio Wissen

Woran Bob Marley glaubte (Rastafari-Religion)  Ein Skript von Deutschlandradio Kultur vom  7.5.2011

Lesben sind übrigens auch betroffen, auch wenn sie weniger in den Medien genannt werden! Hier eine Literaturliste über Bücher von Claudia Schoppmann

die katholische kirche schlägt zurück

Dienstag, 19. Juli 2011

Die aktuelle endgültige Beurteilung der Homosexualität lautet nach katholischem Verständnis “objektiv ungeordnet”. Diese zwei Wörter bezeichnen die verfahrene ideologische Situation dieser Kirche. Ihre Definition ist nicht objektiv, sondern subjektiv. Aber im Verständnis eines sogenannten “Pluralis majestatis”, mit dem diese Kirche davon aus geht, dass ihre Sicht auch die Sicht aller Anderen sei, versucht sie, sowohl die Definitionsmacht, als auch ihre Ordnungsmacht zu verteidigen. Denn die sexuelle Ordnung dieser Religion ist identisch mit der Fortpflanzung. Abgesehen von der Beurteilung der Tötung ungeborenen Lebens und der völlig “jenseitigen” Beurteilung von AIDS, gibt es noch ganz andere Irrtümer in dieser Glaubenslehre!

Ein typisches Beispiel im Sexualbereich stellt die Geschichte um Onan und seine angebliche Selbstbefriedigung dar. Die Tatsache, dass verschiedentlich behauptet wird, Onan sei auch wegen Kindestötung verurteilt worden, weist daraufhin, wie rudimentär die damalige Kultur um die Fortpflanzungs-zusammenhänge wusste und im Namen ihres “allwissenden” Gottes urteilte. Es war gar noch nicht bekannt, dass der Anteil der Frau mit ihrem Eierstock ein sehr wesentlicher ist. Mann dachte sich, die Spermien seien bereits die Kinder, die nur noch in das Nest im Körper einer Frau gelegt werden müssten…

Im Angedenken daran, dass diese Kirche sich Jahrhunderte lang eingebildet hat, die Erde sei das Zentrum der Welt und nicht die Sonne, sollten wir alle objektiv daran zweifeln, ob ihr Glaubensgebäude bis in die Ewigkeit Gültigkeit behalten wird. Ganz abgesehen davon, dass die Menschen Jahrtausende vor Abraham und Jesus sich schon fortgepflanzt haben und glücklich gewesen sind, ohne die “objektive Ordnung” dieser Kirche, die übrigens von Fischern am See Genezareth wesentlich initiiert worden ist.

Ich will hier nicht aufzählen, wie viele Menschen unter der katholischen Sexualmoral gelitten haben, oder wegen ihr gescheitert sind. Jedenfalls ist die wissenschaftliche und objektive Erkenntnis so erdrückend und international geworden, dass – nicht nur diese katholische Kirche – in den ideologischen Notstand gerutscht ist. Verzweifelt versuchen ihre Repräsentanten nun, zurückzuschlagen und sich selber als diskriminierte Opfer darzustellen, um von ihrer Verantwortung für die Gesellschaft abzulenken.

Meiner Ansicht nach bringt es nichts, mit der katholischen Kirche zu streiten. Vielmehr bin ich der Meinung – wie ich das einleitend schon dargelegt habe -, dass es darum geht, noch viel mehr Leuten die Aufklärung über die ideologischen Gründe nahezubringen. So kann jedeR selber beurteilen – ohne des Lateinischen mächtig sein zu müssen – was von der neusten Strategie der katholischen Kirche zu halten ist.

Diese Strategie ist die Folge der “Errungenschaft” der Homo-Ehe, die international von bürgerlichen Schwulen “erkämpft” werden will. Es ist die Folge des “Gleichseinwollens” mit den Heteros, die die meisten Kräfte in die heterosexuellen Lebensformen abzieht, wo diese dann in ähnlichem Masse verbürgerlicht und gesellschaftlich wirkungslos werden, wie – eben bei Heteros üblich: Blut und Boden-Denken, Clanwirtschaft, politisch konservativ und ausgrenzend alles, was nicht so ist wie man selber ist…

Ich mag jedem seine Schwulenehe gönnen. Aber ich lasse mich nicht in einen kollektiven Kampf gegen eine weltweite Ideologie und Institution einspannen, während die Kultur von Menschen, die homosexuell glücklich werden wollen, seit Jahren am Boden liegt. Während Männer ihr Leben und ihren Charakter, sowie ihre individuelle Persönlichkeit dekonstruieren oder gar zerstören – sogar mit Hilfe von AIDS.

Ganz zu schweigen von all den Hetero- und Bisexuellen, die feige ihren Mund halten und trotzdem ihr Sexualleben mit homosexuellen Handlungen “anreichern” wollen – “ein bisschen bi schadet nie”. Klar, wenn die gesellschaftliche und politische Verantwortung dafür keiner übernehmen will und muss. Das sollen dann die Schwulen erledigen, mit denen diese Männer “im normalen Leben ja eigentlich nichts zu tun” haben…

Was soll ich mich aufregen, wenn ich in den Augen der Religiösen ein armer Sünder bin? Ich werfe das denen auch nicht vor. Ich weise nur darauf hin, dass es nicht um “Gleichheit” geht, sondern um die allgemeine und säkulare Gleichwertigkeit – wie bei den Frauen auch schon immer! Der Rückzug von Ideologien in ihre eigenen Subkulturen hat begonnen. Sie fühlen immer mehr selber, wie es solchen ergeht, die schwul sind, eine andere Hautfarbe haben, oder eine andere Sprache…

Die schwulen Medien – ob gedruckt oder virtuell – führen uns den ideologischen Unsinn verschiedenster Prälaten und Bischöfe täglich genüsslich vor und profitieren wirtschaftlich in ihren Medien von dieser Hetze. Dabei bleiben unsere wichtigsten und lebenswichtigen Anliegen einfach liegen. Denn wenn es um unsere ureigensten psychischen und sozialen Interessen geht, will keiner damit das grosse Geld machen.

Eine klare Sicht über die aktuellen Macht- und Interessenverhältnisse zeigt sich dann, wenn bei all den Missbrauchsdiskussionen – die schon längst für ebendiese Verhältnisse missbraucht werden -, erwähnt wird, dass sich offenbar nur Wenige über die Selbstmordversuche und Selbstmorde junger und jüngster Schwuler – oder auch Bisexueller – aufregen. Denn diese Tragödien finden wegen des herrschenden und frauschenden Heterrors statt. Und Missbrauch jeglicher Art (nicht nur des sexuellen!) findet nur unter bestimmten Umständen statt, die familiär und gesellschaftlich verantwortet werden müssen! Auch wenn es ums Wegwerfen des eigenen Lebens geht.

Führe ich die beiden Themen aber zusammen, dann heisst es (zB aus der Zentrale der SPSchweiz) nur, man solle das eine nicht gegen das andere ausspielen. Damit ist politisch klar, wie die Verhältnisse sind: Die Opfer sind (hier auch ideologisch) definiert – und verantwortlich sind “die Anderen” als Täter auch. Basta! Wer seine gesellschaftliche Mitverantwortung an der misslichen Situation Jugendlicher – seien sie Opfer irgendwelcher Verhältnisse – aber nicht erkennen kann, hat meiner Ansicht nach politisch versagt. Da helfen keine verlängerten Verjährungsfristen, keine “schärferen Gesetze” und schon gar nicht das “Wegschliessen für immer”.

Peter Thommen_61, Schwulenaktivist, Basel.

siehe auch:  eswirdbesser?? (Ostern 2011)

Ostern 2011 – “eswirdbesser” ??

Sonntag, 24. April 2011

Eine schwulenpolitische Osterpredigt – von Peter Thommen

Die Religionen sind daran, politisch abzudanken. Sie bäumen sich dagegen auf und suchen sich Leute für ihre Feindbilder, um diese dann wie ein Lamm zu opfern. Egal ob es die Lämmer beim moslemischen Opferfest sind, oder der Wein und das Brot, oder die Oblate. Alles voller Blut und Symbolik. Der Lammbraten zum Osterfest.

Letztlich verwandelt sich das Symbolische oft wieder zurück ins Reale und viele Menschen müssen (von wenigen Führern) „geopfert“ werden für eine Idee (nicht ein Ideal!). Faschismus jeglicher Art kämpft immer bis zum eigenen Untergang. Dabei sollen immer viele für die eigenen Privilegien geopfert werden, wie wir das in Nordafrika aktuell erleben.

Es besteht eine kulturpolitische und sehr symbolträchtige Einigkeit der drei monotheistischen Religionen darin, dass Homosexualität (also anale Penetration) eine Todsünde sei. So ist es in ihren Schriften festgehalten, es wird nur verschieden interpretiert. Es geht dabei immer um Mächtige und Ohn-Mächtige. Also das klassische heterosexuelle Spiel von Ficker und Gefickten (Geopferten). Der Rollenwechsel der Männer muss dabei ausgeschlossen werden, denn sie dürfen die Opfersituation nicht selber erleben, um weiterhin Täter bleiben zu können.

Aber auch ausserhalb der Religionen und innerhalb der Gesellschaftspolitik spielt dieses Spiel der Spiele (nicht das Schach!) eine grosse Rolle. In den religiösen Auseinandersetzungen werden die Wurzeln mit Sand zugedeckt. Sand der auch in die Augen verstreut wird. Umso mehr geht es in der aktuellen Debatte um die Adoptionsmöglichkeit durch Schwule vor allem darum, dass diese Männer eine Gefahr für Kinder darstellen. Bei Lesben kommt das weniger zum Zuge. Sie stehen auch weniger unter dem hintergründigen „Pädophilie“-Verdacht. Lesben gehören im Allgemeinen zur Gruppe der Opfer (= Kinder und Frauen). Dieser Sexismus wird von ihnen auch nicht aufgedeckt.

Die Schwulen sollen selber schauen, wo sie bleiben. Und diese Schwulen sind auch nicht bereit, sich dieser femi-sexistischen Diskussion zu stellen. Sie zeigen lieber auch auf  „Pädophile“, um aus der medialen Schusslinie zu kommen. Etwa ähnlich der Situation vor 50 Jahren, als die homosexuelle Prostitution verboten war. Was unter den Frauen/Lesben lief, interessierte niemann-den. Aber die Männer duckten sich unter dieser Ungleichbehandlung im Strafgesetz, die auch vom Bundesgericht noch gedeckt worden ist.

Wenn es um Ungerechtigkeiten gegenüber Schwulen geht, dann wird meistens beklagt, dieselben würden sich zu sehr in ihrer Opferrolle gefallen. Aber gerade das Schweigen über all die Verletzungen zwingt uns in diese Opferrolle hinein. Wiederum – würden wir davon Zeugnis ablegen, wären wir nicht mehr die klassischen Täter und „Pädophilen“, die heute schon wieder kollektiv vor-verurteilt werden. Mit Schwulen und Pädophilen kann man reden. Mit TäterINNEN und Tätern nicht. Es ist aber ganz praktisch, diese Grenze zu verwischen, das erspart das Nachdenken über Sexismus. Und das ist ja so üblich „beim Volk“ und im allgemeinen Mainstream.

Die meisten sexuellen Übergriffe auf Kinder (nebst den vielen anderen Gewalttaten gegen sie) finden in der heiligen heterosexuellen Familie statt. Da ist es ganz praktisch, den Feind ausserhalb und bei irgendwelchen „Pädophilen“ zu finden. Die meisten gewalttätigen Übergriffe auf Jungs und Schwule finden in der heterosexuell geprägten und genormten Gesellschaft statt, da ja Männer aus der Familie hinaus gehen müssen und nicht einfach daheim behalten werden können, wie unschuldige Töchter. Aber auch Jungs werden in einer moralisch begründeten und sozial gefährlichen sexuellen Unschuld gehalten, so dass sie sehr schnell auch unter Übergriffen leiden können – auch von Müttern und Frauen.

Verantwortlich dafür sind aber die Eltern und Familien, die diese Kinder in der sexuellen Unschuld (auf)„bewahren“ wollen, bis dann Mami oder Pappi mal fragen, ob einer nicht eine Freundin habe. Von der pädagogischen Zwangsheterosexualisierung will ich hier gar nicht anfangen.

Unsere Gesellschaft ist ver-geilt auf irgendwelche Opfer. Religiöse, sexuelle oder soziale. Sie will die Verantwortung für die Prävention nie übernehmen, oder gar verantworten. Doch das hatten wir schon bei AIDS.

Die heterosexuellen Verletzungen zeigen sich bis in die letzten Lebensjahre eines Schwulen, oder zwangsheterosexualisierten Ehemannes. Davon nimmt keineR Kenntnis. Weil damit kann keineR grosse Politik machen, wie mit Unverjährbarkeits-Initiativen und Berufsverboten. Eigentlich müsste es heterosexuellen Eltern verboten werden, schwule Kinder zu erziehen. Aber – ach, ich habe wieder ganz vergessen, dass es homosexuelle Kinder gar nicht geben kann. Und daher braucht es auch keine Prävention und keine Hilfe für schwule Jungs und lesbische Mädels. So einfach ist das. Und wer das missachtet, ist ganz einfach einE PädophileR.

So funktioniert das heterosexuelle Spiel weiterhin und es stellt sich die berechtigte Frage, ob es dann wirklich besser werden soll!

Frauen sind längst aus der Opferrolle entwachsen und selber zu Täterinnen geworden. Und auch Männer sind ihrer Täter-Rolle entwachsen und selber zu Opfern geworden. Die Tatsache, dies zu verleugnen, lässt auf ein grosses Potenzial an Sexismus in unserer Gesellschaft schliessen! Ein Sexismus der auch tief in die Angehörigen – hier – des männlichen  Geschlechtes, und ganz kollektiv, hinein schneidet. Ohne Mitleid der Frauen und Mütter!

Die Welt leidet unter unverarbeiteten, historisch-tief-vergessenen Problemen. Die Religionen sind offensichtlich unfähig. Bei (sexuellen) Übergriffen in der Verwaltungshierarchie, wie auch zwischen den Glaubensrichtungen. Einig sind sie sich vor allem gegen Schwule. Und sie können offensichtlich auch gesellschaftliche Minderheiten-Probleme nicht lösen, weil sie die Menschen nicht in ihrem eigenen Interesse daran arbeiten lassen wollen, sie aber zum beten aufrufen. Es steht dafür aber kein Kommunikationssatellit am Himmel. Obwohl die drei monotheistischen Religionen immer ganz genau wissen wollen, was denn „der Herr dazu“ zu sagen habe.

Sexuelle und soziale Fremdbestimmung muss durch Eigenverantwortung, Bildung und Kultivierung abgelöst werden. Da reicht es nicht mit einer blossen Einbürgerung durch ein staatliches Partnerschaftsgesetz. Oder durch angeblichen strafrechtlichen Schutz. Und die homosexuellen Männer und auch die Frauen müssen sich dem Gespräch stellen, das die tieferen Motive der Heterosexuellen herausbringen kann. Und nicht nur immer auf die Vernunft spekulieren. Aber wir Schwulen wissen ganz genau, dass die heterosexuelle Familie keine vor allem vernünftige, sondern eine religiös idealisierte und gefühlsbetonte Einrichtung ist. Aber damit ist heute kein Staat (Familie als Grundlage des Staates) mehr zu machen. Auch nicht, wenn Frauen daran beteiligt sind.

Und wie ich sehe, wird zurzeit eine Schwulenpolitik des geringsten Widerstands und auf kosten eigener Leute gemacht. Völlig unbesehen darüber, wie Schwule in Vorurteile und strafrechtliche Massnahmen hineinverwickelt werden können! Oft ist die Tatsache der homosexuellen Orientierung schon „der Missbrauch“/die todeswürdige „Sünde“, egal um welche Alterskategorie es sich handelt.

Ich will keine zwangsheterosexualisierten Jungs haben, eben auch keine mit „straight action“ oder „Heterolikeness“. Ich will aber auch keine Kollektiverdächtigungen aufgebaut haben, wie Berufsverbote und Videokameras. Ich will starke Jungs haben, die „wissen was sie wollen“, in Abstimmung mit ihren Sexualpartnern, mit den Müttern und Heteros (“Ich habe nichts gegen Schwule, solange die mich nicht anfassen!” Karsamstag 2011) in der Gesellschaft.

Einer Gesellschaft, deren kaschierte „Pädophilie“ schon an Wörtern wie „mein Mädchen“, „mein Girlie“, „mein Kind“, „meine Tochter“, “ich fick’ dich Baby” (!)* und anderen Bezeichnungen der Männer für erwachsene Frauen erkennbar wird. Auch am besitzanzeigenden Adjektiv („mein Sohn!“ bei den Müttern).

Dann kann es garantiert besser werden. Auch für die heterosexuellen Jungs und Männer, die ja unter den Verdächtigungen genauso zu leiden haben und davon betroffen sind, wie die als Feindbilder aufgebauten „Pädophilen“ und Schwulen. Für Lesben sehe ich vorläufig noch keine solchen Feindbilder. Aber das kann ja noch kommen!

 

In anderen Ländern wird der „sexuelle Kultur-Kampf“ viel offener geführt. (10.07.01) „Traurige Meldung aus Rom: Die rechtsextreme Partei „Forza Nuova“ beschimpft weiterhin gezielt die italienische Schwulenbewegung. Jetzt diffamiert sie Schwule mit einer gross angelegten Plakataktion: „Hinter einem Homosexuellen steckt ein Pädophiler – stoppt den Gay Pride!“ (Wobei die Siegessäule politischkorrekt so formuliert, als richte sich das auch gegen Lesben, die sind aber nirgendwo erwähnt! PT)

(10.7.01) Das slowakische Parlament verabschiedete ein neues Arbeitsgesetz, sowie neue Regelungen über den staatlichen und öffentlichen Dienst. Danach bleibt Homosexuellen im öffentlichen Dienst die Arbeit mit Kindern untersagt. (siegessaeule.de)

Das war vor 10 Jahren schon. Die „Pädophilisierung“ der Schwulen geht systematisch weiter!

(31.8.09) Wedad Lootah, FamilienreferentIN am Gericht in Dubai erklärt ihre Einstellung zur Homosexualität. „Homosexualität zerstört die Männlichkeit.“ – „Wenn Frauen kommen und sich beschweren, dass ihre Männer nur Analverkehr wollen, schaue ich mir die Geschichte des Mannes genauer an. Meistens komme ich darauf, dass er vorher mit Männern Verkehr hatte.“ (Profil, Wien)

Dass Männer vor der Ehe nur mit Prostituierten gegen Geld – oder gar nicht – heterosexuellen Verkehr haben dürfen, unterschlägt diese FRAU bewusst! Auch die orientalische Art, Knaben unter 15 als Ersatz zu nehmen… Zudem hat sie eine sehr beschränkte ANalsicht von Homosexualität – eben unter heterror-sexuellen Bedingungen!

 

Ich unterstütze die Kampagne „eswirdbesser“, weil ich homosexuelle Jungs unterstützen möchte. Denn wir haben eine gemeinsame Biografie! Und natürlich auch Mädels. Aber ich verabscheue Wörter wie: „Kinderschänder“, „Kindesmissbrauch“ und „Pädophilie“ (bewusst in Anführungszeichen gesetzt). Die schwulen Jungs sind zwar nicht „meine Kinder“, aber ich will nicht, dass sie heterosexuell missbraucht werden und „in Schande“ aufwachsen müssen!

An diesem Punkt – und darauf will ich schon lange hinaus – misstraue ich Organisationen wie „Marche Blanche“ und Unterschriftenaktionen „gegen Pädophile“, für ein Berufsverbot und „das Wegschliessen für immer“. Es müssten nämlich sehr viele heterosexuelle Frauen, Kinder, Jugendliche und Männer dran glauben, wenn wir die Informationen von homosexuellen Kindern über Mobbing, körperliche Angriffe, Morddrohungen und die erhöhte Selbstmordgefährdung wirklich ernst nehmen würden! Urbi et orbi! Amen.

Peter Thommen, Schwulenpapst, Basel (61)

P.S. Ich unterstütze alle Bestrebungen, die das heterosexuelle System ändern wollen und nicht einfach nur diejenigen, die “Opfer schützen” und “Täter für immer wegschliessen” wollen. Das sollte nicht schwierig zu verstehen sein.

Nachtrag aus Österreich. Robert Waloch, (HELDinHAFT) (PDF) hat sich kürzlich Gedanken darüber gemacht, wie sich eine heterosexuelle Öffentlichkeit an einem Prozess gegen Kachelmann delektieren tut, und wie österreichische Medien nur widerstrebend eine “Missbraucherin in Haft” setzen wollen.

Sophinette Becker findet die “Missbrauchsdebatte” verlogen! (2010)

* Humphrey Bogart hat in dem Film “Casablanca” gesagt “Ich schau Dir in die Augen, Kleines” („Here’s looking at you, kid“)  - und NICHT: Schau mir in die Augen….

Homosexualität und Islam zum Karfreitag

Freitag, 22. April 2011

Wir sind immer wieder erstaunt darüber, wie homophob und schwulenfeindlich sich der Islam gebärdet. Ich habe hier einen Text gefunden, der dieser Feindschaft völlig abhold (fern) ist. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass jede Religion ihre verschiedensten Ausprägungen hat. Wir kennen das im Abendland beim Katholizismus und der Reformation.

Interessant am untenstehenden Text, aus einer Homosexuellen-Zeitschrift der 60er Jahre, ist allerdings der umgekehrte Blick auf die abendländische Behandlung dieser Minderheit aus der Sicht eines arabischen Gläubigen. Solange natürlich auch damals nicht öffentlich diskutiert wurde, konnte jeder machen, was ihm lieb war. Widersprüche werden ja erst durch Medien und öffentliche Diskussionen sichtbar. Ich empfehle den Text zum Nachdenken über die Schwulenverfolgung und zur Diskussion mit Islamgläubigen!

Peter Thommen

“Einseitige materialistische Anschauungen, die zu doktrinären Ideen geworden sind, wollen nicht nur die Wirtschaft der Völker nach ausgeklügelten Plänen lenken (kommunistischer 5-Jahresplan, PT), sondern das Leben jedes einzelnen Menschen sogar bestimmen und dirigieren. Nach bestimmten fanatischen Vorstellungen wie der Mensch sein sollte, wird erzogen und geformt, ohne die wirkliche Natur des Individuums zu berücksichtigen. Da ist nichts mehr zu spüren von Ehrfurcht vor der Schöpfung eines allmächtigen Gottes, der so viele geheimnisvolle und für den menschlichen Verstand oft nicht zu begreifende Dinge schuf. Da gibt es Personen, die im Verkennen der Tatsachen alles vereinheitlichen wollen, die in einem oft sadistischen Eifer keine Form der Toleranz dulden und die Welt nach ihren Vorstellungen umkrempeln möchten. Vielleicht wollen sie alle Menschen nach ihrem Ebenbild formen?

Fast scheint es so. Wenn aber der Glaube an Gott vorhanden ist und an sein Werk, mit dem er ja zufrieden war, so müssten eigentlich die Gläubigen schon aus der Religion heraus eine beachtliche Toleranz aufbringen. Nichtgläubige müssten tolerant sein durch die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft.

Wenn ich aber immer wieder die Berichte lese über die Haltung gegenüber Minderheiten in Europa, so muss ich jedoch sagen, dass diese das Spiegelbild einer Intoleranz sind, die zum Himmel schreit. Recht seltsam erscheint mir nur, dass Hass und Verfolgung gegen Menschen, die lediglich eine andere sexuelle Veranlagung haben, in solchen Ländern geschehen kann, die sich zivilisiert und kultiviert nennen, die den Anspruch erheben, die beste Religion zu haben, eine Religion der Liebe, der Nächstenliebe, von der aber, wie es scheint, wenig zu spüren ist.

Derartige Probleme existieren glücklicherweise nicht überall, so zB in den Gebieten, die von Arabern bewohnt werden, und sie haben dort niemals existiert. Der Mensch wird als Mensch anerkannt, so wie er ist; denn er ist ja ein Werk Gottes, und Gott allein weiss, was er will. Es ist daher unmöglich, in dieses Werk mit menschlichen Ideen hineinzupfuschen, es sei denn mit dem Endziel, zu zerstören. Bei uns gibt es keine Wissenschaft, die sich speziell mit dem Liebesleben der Menschen beschäftigt, die die Hormonfunktionen erforscht, um das Verhalten des Menschen und sein Wesen zu ergründen, um endlich festzustellen, dass der Mensch vorwiegend bisexuell ist. Wir brauchen das nicht, weil wir verehren, was Gott in seiner unendlichen Weisheit schuf.

Wenn den Mohammedanern vorgeworfen wird, intolerant zu sein, so liegt das nur daran, weil der Koran entweder nicht bekannt ist, oder nicht richtig verstanden wurde. Die Homosexualität, die schon lange besteht, so lange als es nur Menschen gibt, ist bei uns immer als Tatsache anerkannt und praktiziert worden, und dies bis zum heutigen Tage. Und nicht nur das. Der Prophet Mohammed, der den Willen Gottes verkündete, der um all diese Dinge wusste, hat im Koran das Paradies geschildert, und beschreibt eine selige Welt, in der die Menschen in eine Umwelt kommen, die ihnen entspricht.

Männer, die der Jünglingsliebe huldigen, werden keinesfalls verdammt, sondern geniessen vielmehr dieselben Seligkeiten wie alle anderen auch. Aus dem Koran, 76. Sure, Vers 16-22 zitiere ich:

„Und Dienende werden mit silbernen Kelchen und Bechern um sie herumgehen, mit glashellen Silberflaschen, deren Mass sie nach eigenem Wunsch bestimmen können. Man gibt ihnen da zu trinken aus einem Becher Wein mit Ingwer-Wasser, aus einer Quelle dort, welche Salsabyl heisst. Zu ihrer Aufwartung gehen ewig blühende Jünglinge um sie herum; wenn du sie ansiehst, hältst du sie für verstreute Perlen, und wo du hinsiehst, erblickst du Wonne und ein grosses Reich. Ihre Gewänder sind aus feiner grüner Seide und aus Samt, durchwirkt mit Gold und Silber, und geschmückt sind sie mit silbernen Armbändern…“

Es wäre zu wünschen, dass die verantwortlichen und einflussreichen Persönlichkeiten in Europa doch bald zur Einsicht kommen, dass es besser ist, unabänderliche Dinge als Tatsachen hinzunehmen und Toleranz zu üben, anstatt die Natur zu vergewaltigen; denn alles ist von Gott, dem Schöpfer aller Dinge.”

Abdallah Islami, Mahdia, Tunis

 

Erschienen in „Der Weg“, März 1964, S. 44-46

Der Weg war eine deutsche Homosexuellen-Zeitschrift, ähnlich wie in der Schweiz „Der Kreis“.

Heute: Adam, Ewald und Mohammed (NL 2007)

 

Tausendundein Buch

Auswahl aus Büchern über Sex unter Männern, Türkei, Arabien und Iran (magnus 1/1992 S. 29)

Grundlegendes über die Rolle des Geschlechtlichen/auch über Homosexualität

Schiffauer, Werner: Die Gewalt der Ehre, Erklärungen zu einem türkisch-deutschen Sexualkonflikt, st 894, 1984

Ben Jelloun, Tahar: Die Tiefste der Einsamkeiten, Stroemfeldt/Roter Stern, 1986

Schmitt, Arno: Bio-Bibliography of Male-Male Sexuality in Muslim Societies, 500 S.

Romane

Boudjedra, Rachid: Die Verstossung, Unionsverlag

Aus der Jugend eines Algeriers. Die Erniedrigung durch die Verstossung der Mutter durch den sich neu verheiratenden Vater, die Sehnsucht nach dem mythischen Vaterbild, erstickende Traditionen voller Aberglauben und heuchlerischem Puritanismus, repressive politische Verhältnisse.

Choukri, Mohamed: Das nackte Brot, Andere Bibliothek

(besser als die engl. Ist die frz und dt Übers.)

Charhadi, Driss ben Hamed: Ein Leben voller Fallgruben, Andere Bibliothek

 

Machfus, Nagib. Die Midaq-Gasse, Unionsverlag, 1989

Im Panorama der Bewohner einer Gasse der Kairoer Altstadt nimmt der Kaffeehausbesitzer Kirscha eine wichtige Stellung ein. Seine Frau stören die Haschisch-Abende und die Knabengeschichten.

 

Serhane, Abdelhak: Kinder der engen Gassen, Edition Orient, 1988

Eine Welt aus Erniedrigung und Religion, Grausamkeit und Sexualität vom Blickpunkt der Frauen und Kinder. Sex zwischen Gleichen kann es in dieser Welt nicht geben, sehr wohl aber Sex zwischen Personen eines Geschlechts.

 

die heiligenbilder ehrlichkeit und treue

Dienstag, 25. Mai 2010

Schon lange wollte ich darüber etwas schreiben. Kürzlich hatte ich wieder eine dieser typischen Diskussionen! ;)   Worum ging es? Um monogame Beziehungen und Treue…

Langsam komme ich meinen Reaktionen auf die Schliche! Und ich lerne, zu verstehen, warum es Leute gibt, die sich so gerne an diese Begriffe halten. Vorerst reagiere ich immer ablehnend und zurückweisend. Dies wiederum verstehen Andere nicht, weil sie ja „ihre Argumente“ auch einbringen möchten. Verständlich.

Nach Jahrzehnten der Erfahrung mit Schwulen und Heteros, sowie mit dem ach so hmhm Milieu, bin immer noch nicht bereit, Heiligenbilder an die Wand zu nageln. Andererseits sind viele Jungs dabei, sich an heterosexuelle Vorbilder zu halten, aber über die praktischen Konsequenzen dieser „Heiligen-Heterovorbilder“ nicht nachzudenken. Sie sehen jeweils auch nur an die Fassaden dieser Vorbilder, aber nicht durch sie hindurch. Dazu später mehr.

Ich gehe – übrigens schon sehr lange und seit den Anfängen der Schwulenbewegung – von praktizierbaren Verhaltensweisen aus. Mir ist wichtig, was für ALLE praktikabel und anwendbar wäre – und nicht, was Heilige und Mönche als Ideal propagieren! Alex Comfort, ein Engländer, schrieb mal ein Buch über eine „menschenfreundiche Sexualmoral“. Das war noch in den 70ern, der Zeit der menschen-feindlichen Religionsmoral.

In den Jahrzehnten vom Aufbruch bis zu Aids, wie auch in den Jahren des Internets habe ich eines von Männern und über die Homosexualität ganz klar gelernt: Die meisten wollen nicht schwul sein, aber Sex mit Männern haben. Viele haben ein niedriges Bildungsniveau – so 9. Schuljahr plus evtl. noch Lehre/Ausbildung. Aber dann stehen sie still. Wie viele Heteros auch, übrigens! Damit aber kann keineR einem „heiligen“ Vorbild nachleben – egal ob hetero oder homo!

Vielleicht denkst Du jetzt: Ach mann muss einfach Glück haben! Tja, wer baut sein ganzes Leben auf einem Glücksmoment auf??

Für eine hetero-orientierte, hetero-ideale, monogame Dauerbeziehung (Beim „Dauerfreund“ muss ich immer an einen Dauerkaffeefilter denken!) braucht es mehr als diese Grundlage! Gut, ich habe mich weitergebildet. In einem Sozialberuf. Anschliessend habe ich mich weiter-informiert. Dabei habe ich hinter Fassaden schauen können und ich habe – vor allem anhand der Sozialinstitutionen, gemerkt, dass diese Fassaden nur verlässlich funktionieren, wenn es „dazu noch“ Beratungsstellen, Einrichtungen, Hilfe, Renten, etc. gibt. Von alleine funktioniert diese Heterogesellschaft auch nicht. Und erst recht nicht die ach so vereinzelten und privaten Homosexuellen für welche „die Anderen ja nichts angeht“, was sie tun, oder wie sie orientiert sind. Das zeigt sich dann an den praktischen Lebensproblemen für homosexuelle Paare. Die werden einfach nur „heterosexuell verwaltet“, weil das Andere geht ja niemanden was an. Dafür gibt es bei den Heteros aber vieles für deren Kinder, was ja auch eine sexuelle Orientierung ausmacht, aber alle etwas angeht! ;)

Quentin Crisp, die grosse alte Tunte aus dem Vereinigten Königreich, die zuletzt in NY lebte und in einem Song von Sting verewigt wurde („An Englishman in NY“), redete in ihrer Biographie klar von den „Tatsachen des Lebens“. Und genau davon möchte ich auch immer wieder reden und schreiben. Nicht von den Aussenministern, den Präsidenten von Parlamenten, oder den Popstars, den Künstlern, Bischöfen, Päpsten und Genies! Da setz ich mich bewusst als „Schwulenpapst“ darüber.

Wir haben nun also ein heterosexuell orientiertes Gesetz über die eingetragene Partnerschaft „Gleichgeschlechtlicher“. Auch wieder so ein Wortmonstrum! Ich erinnere daran, dass in dem Gesetz nirgendwo ein Wort wie Sex oder homosexuell vorkommt. Auch schreibt es keine sexuelle Treue vor! Es hält sich also immerhin an eine Tatsache des Lebens! ;)

Ich bin nicht grundsätzlich gegen die eP, halte es aber für falsch, sein schwules Privatleben damit zu beginnen. Es sollte diese Möglichkeit für uns geben, in unserer Lebensmitte uns für eine Perspektive entscheiden zu können – sozial und materiell.

„Ehrlich und treu“ also wollen die vielen Junghomos sein – und es sogar auch versprechen. Die Absicht ist löblich. Aber was ist der tiefere Grund? Ich habe in Diskussionen mit Jungs viel Aggression erfahren, weil ich an diesen Begriffen „herumgezerrt“ habe. Letztlich ist mir klar geworden, dass vor allem das gesucht wird, was man selber nie in der Jugend erfahren hat, oder erfahren konnte. Will heissen: Nur wenige Jungs können in ihren Familien wirklich ehrlich sein und von ihrer Orientierung erzählen. Denn, würden sie dies einlösen, wäre ihnen ihre Familie, oder ihre Bezugspersonen nicht mehr treu! Tatsachen des Lebens! Diese Tatsache aber muss verdrängt werden und geleugnet. Denn im Grund wollten sie ja an ihre Familie glauben… Daraus hervor wächst ein Schuldbewusstsein, das völlig verkehrt und falsch ist!

Für Menschen, die nie eine Familie gehabt haben, mag es auch etwas Vielversprechendes sein, jemanden Treuen neben sich zu wissen. Und da mann nie eine Familie wie „die Anderen“ gehabt hat, möchte man es vielleicht jetzt mit einer homosexuellen „treuen und ehrlichen Beziehung“ versuchen. Aber wie in der Familie oben, schliessen sich allzu grosse Nähe und konsequente Ehrlichkeit und Treue meistens aus (Ausnahmen gibt’s eben nicht für alle!). Dazu mehr unten!

Wenn wir schon an Pfingsten sind, dann möchte ich erwähnen, dass gerade Jesus seinen Jüngern vorsagte, dass diese ihre Familien verlassen und ihr Hab und Gut zurücklassen würden, um ihm nachzufolgen. Jesus räumte auch auf mit der Vorstellung, dass wir unseren Eltern und anderen Vorfahren dankbar sein sollten für unser Leben. Er sagte einfach: Niemand kommt zum Vater, denn durch mich (Joh. 14,6). Durch den Glauben an einen „Freund“ also, wurde das Himmelreich „verdient“! Sehr un-heterosexuelle Tatsachen des Glaubens!

Wir müssen aus unseren Lebenszusammenhängen heraus erst stark werden können, um zu lernen, auch immer mehr ehrlich zu sein. Es nützt nichts, dies als Heiligenbild an die Wand zu nageln, oder in Profilen und auf Foren wie eine weisse Fahne (der Ergebenheit) voran zu tragen. Was ich sehe, so sind die meisten, die Ehrlichkeit in der Beziehung erwarten, dann gegen aussen und die Welt nicht mehr so ehrlich. Dafür wächst dann der Zwang in der Beziehung. Es geht nicht darum, einander zu betrügen, sondern einander auch ein Eigenleben zu lassen, um nicht in einer Beziehung zu verdorren. Keiner muss alles über den Anderen wissen, sonst hat man sich ja auch nichts zu erzählen. Aber wenn auch ein „unbekannter Raum/Bereich“ vorhanden ist, dann ist „die Beziehung“ wenigstens anders als die mit den eigenen Familienmitgliedern gelebte, über die man sehr viel weiss. Aber auch diese sagen einander nicht alles ehrlich, sonst würde diese Klein-Familie als Organisation auseinander fallen! Eine zwiespältige Praxis also, diese Ehrlichkeit. Tatsache des Lebens ist: Wir müssen lernen, sie umsichtig zu verwalten.

Viele vergessen beim Begriff der Treue, dass er auch Abhängigkeit bedeuten kann. Vor allem wenn es um sexuelle Handlungen geht, die man dann nur noch mit einer Person ausführen soll… Du erinnerst Dich sicher noch an Deine Kindheit und Jugend, wo Deine Sexualität völlig von Dir allein abhängig war. Du hattest vielleicht längere Zeit niemanden, mit dem Du Lust erleben konntest. Dann war vielleicht das erste Erlebnis so überwältigend, dass Du quasi gleich „lebenslang“ darauf abfahren wolltest. Damit hast Du auch erkannt, wie zentral die sexuellen Erlebnisse – besonders für junge Männer – sind. Und wie bei der Ernährung auch, ist es bei emotionalen und sexuellen Erlebnissen wichtig, Abwechslung und “Relation” zu haben und zu erkennen, dass nicht ein einziger Mensch alle Deine Bedürfnisse lebenslang befriedigen kann. Mütter tun dies ja auch nicht! Das wäre eine Selbstüberschätzung und gegenüber den Anderen eine Anmassung. Ich meine jetzt nicht die anfängliche Treue, die in der “Uebereilung der Gefühle” (alter Ausdruck für Verliebtheit) keinen Platz mehr lässt. Da ist die sexuelle Treue noch kein Thema. Erst da, wo mann wieder auf die eigenen Beine kommen soll! ;)

Männer, die in einer grösseren Familie aufgewachsen sind, haben auch ihre Lieblingscousins und Lieblingsonkels gehabt, die sie sich quasi selber gewählt hatten. Ohne es zu merken, haben sie ihren Horizont erweitert und das Fehlende ausserhalb der eigenen Kernfamilie gefunden. Dies fehlt völlig in der modernen Kleinfamilie. Gerade die Homosexuellen können unter sich ideale Familien bilden (oder Gemeinschaft), die sich nicht nach Enttäuschungen in Beziehungen richtet, sondern nach den guten und lockeren Kontakten, die man gerne hat. So pickt man sich wie ein Hahn (ahem), die nötigen Körner zusammen, die man im Leben braucht. Dazu können auch ehemalige Geliebte, oder ehemalige „Superficker“ gezählt werden. Und es muss nicht immer Sex sein…

Dazu braucht es die Erkenntnis, dass nicht jeder Kontakt anschliessend in den Abfallkübel geworfen werden kann, denn Erfahrungen – gute und schlechte – schleppen wir als Rucksack mit uns durchs Leben. Auch in jede neue Beziehung hinein!

In den Auffassungen von Treue und Ehrlichkeit, sollten wir nicht in Fundamentalismus verfallen, sondern auch diese „Ideale“ nach praktischen und sozialverträglichen Gesichtspunkten „verwalten“.

So entstehen also Denkmuster von Moral und Gesetzen. Ich sehe viele, die an irgendwelchen Idealen scheitern und sich an ihrem Erreichenwollen verzehren, oder kaputt gehen. Indessen gäbe es Möglichkeiten, es anders zu versuchen, einfachere Strukturen zu leben und AUCH glücklich zu werden – ohne den Richtigen, den „verheissenen Messias“, den Allesproblemlöser. So wie wir Menschen es ja auch tun, seit Tausenden von Jahren neben den Religionen – aber auf eigene Verantwortung! ;)

Peter Thommen60, Schwulenaktivist, Basel