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“Spermiquien”

Sonntag, 01. Dezember 2013

Oder wie der Heterror das Denken von Schwulen und Homosexuellen beeinflussen kann. Heute ist wieder Welt-AIDS-Tag und die Aidshilfekampagne läuft wie immer: „ … zum zweiten behandelt diese Kampagne, die einen unvergleichlichen Erfolg aufweist, das Problem des Safer Sex und nicht die schwule Revolution.“ (Ruthmann, 1998)

Reliquien, das lernte ich kürzlich auf Deutschlandradio, sind ,verehrbare’ materielle Gegenstände, die den Gläubigen in einen meta-Zustand versetzen können. Entweder als einzelnes Glied in einer Kette von Traditionen, oder dann als greifbares metaphysisches Erlebnis, an dem teilzunehmen der Glaube oder die Pflicht besteht…

Die Hetero-Ehe partiziert insofern vom Spermiqium, als der Glaube an das genetisch „richtige“ Kind sie ideologisch überhaupt sinnvoll macht! Egal, dass Abraham seiner Sarah nicht fruchtbar beiwohnen konnte, weil sie im Schosse „trocken“ geblieben ist. Also durfte ihre Magd den Urvater in ihrerseits empfangen und ihm den ersten Sohn „schenken“. Dabei muss man/frau verstehen, dass die Magd der Ehefrau sozusagen als vollwertige Stellvertretung in Sexualangelegenheiten der Familie galt. Insofern verstehe ich weder die katholische Kirche, noch die CVP-Initiative, die heute „Familie“ auf „Mann und Ehefrau“ beschränken will. Der Ismael gilt übrigens als Stammvater der Araber…

Die jüngste zu verehrende Reliquie ist übrigens ein Tropfen Blut von Johannes Paul II. Der soll vom Privatsekretär des verstorbenen Papstes auf das Bistum Köln übergekommen sein. Er kann keine Verwandtschaft zum zukünftigen Heiligen gewähren, aber immerhin eine Verehrung für den Verstorbenen. Wie es ja auch in der Eucharistie und im Abendmahl zum Ausdruck kommt. Wir werden Teil eines mystischen Leibes, indem wir entweder das verwandelte Blut, oder einen Schluck Wein oder Traubensaft als Symbol trinken.

Soweit also Hetero-Tradition und Hetero-Ideologie. Zusammengefasst im Ausdruck „Heterror“, den K.E. Erstmals 1990 verwendet hat.

Ich kenne Sperma und seine Bedeutung für den Männersex auch aus eigener Erfahrung! Die ersten Male, bei denen ich im Twen-Alter das Unaussprechliche hinunterschlucken sollte, hätte ich mich fast übergeben. Dann war ich einige Zeit süchtig und lernte die verschiedenen Geschmäcker, wie süsslich, bitter und andere Varianten kennen. Es gibt Leute, die können bis heute nicht darauf verzichten…

Es stellt sich nun die geistreiche Frage: „Wie kann einer auf das Schlucken fremden Spermas verzichten?“

Dazu müssen wir uns an das homosexuelle coming out erinnern, das oftmals sehr mühsam, verklemmt und langwierig gewesen ist. Ebenso orientieren sich Männer, die mit Männern Sex haben (also egal wie sie längerfristig orientiert sind!) am virilen und potenten Mann, von dem sich damit etwas einzuverleiben gilt. Und nun könnt Ihr Euch selber vorstellen, was das in Bezug auf Sperma alles bedeutet!

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mit zunehmendem Bewusstsein und vermehrter Reflexionsmöglichkeit in der Schwulenbewegung, auf das Unaussprechliche nach und nach verzichten konnte. Meine Identität hängt nicht am Sperma, nicht an einer Frau und beides kann auch meine Persönlichkeit grundsätzlich nicht verändern. (Hier ist Gelegenheit, auf ein wichtiges Buch zu diesem Thema hinzuweisen: Phil Langer: Beschädigte Identität)

Aidshilfekampagnen richten sich seit einiger Zeit strategisch und informativ auf die Heteronormativität. Nach dem coming out-Management haben sie sich nun an ein „Risikomanagement“ herangewagt, welches versucht, die Abwehrreflexe von Betroffenen elastisch aufzufangen und den Leuten zu suggerieren, sie könnten tatsächlich „managen“, also Situationen einschätzen, Chancen ausrechnen, etc. Dazu kommt ein starker Druck zum Test. Denn je früher ein Test nach der Infektion gemacht wird, desto aussichtsreicher das Leben mit HIV-AIDS und den immer „besser werdenden“ Medikamenten. „Management“ setzt keine klaren Grenzen und bleibt offen „für alle Betroffenen“.

Die zweite geistreiche Frage: „Wieso müssen Männer sich ohne Kondom anal penetrieren?“

Da schauen wir doch erstmal bei den Heteros!

Wenn der Sex sinnlich ist, ist das was frau ohne Kondom spürt viel intensiver und befriedigender… Aber nur mit dem festen Partner, wenn man genug Vertrauen hat, dass er/sie ausshalb der Beziehung auch nur geschützt verkehrt.“ (weibl, 22, bi)

Kondome beengen mich schon am Schwanz. Daher habe ich gar kein Gefühl von Freiheit damit.“ (männl. 23, bi)

Nach einem gemeinsamen Test ist es ohne Kondome viel geiler und im gegenseitigen Vertrauen das höchste der Gefühle“. (männl. 24, bi)

Also ich steh nicht drauf und werde das wahrscheinlich nie. Ich bin jetzt in einer längeren festen Beziehung und da benutze ich keine.“ (männl. 23, bi)

Die Zitate sind aktuell von 2013, nicht repräsentativ, aber dafür beispielhaft! Die höchsten Gefühle werden also nicht in der Beziehung an sich, sondern im Sex in der Beziehung erlebt. Und dieser Sex sollte möglichst „grenzenlos“ sein – auch zu zweit. Es ist also der Glaube an das alte Versprechen unserer Vorfahren, dass Sex erst in der Ehe erlaubt sei und dann das Paradies sein würde…

Während Heterosexuelle sich nur indirekt über eine Frau (die sie natürlich ficken) eine „Fassaden-Identität“ konstruieren, zeigen die soziologischen Informationen und Umfragedaten, dass diese Fassade zunehmend verwittert und zerfällt. Hohe Scheidungsraten und Enttäuschungen über das erlebte „sexuelle Paradies“ – auch nicht mit Beate-Uhse-Hilfsmitteln – ändern offensichtlich nicht die Tradition und Ideologie des Heterrors. Das traditionelle Homosexualitätsverbot ist vor allem – und war schon immer – für „Heteros“ gedacht und funktionalisiert worden – mit dieser indirekten Identität – schon in der Bibel.

Wen wundert es, dass sich auch Schwule, Homosexuelle und andere Männer unter sich, an diesen Hetero-Normen orientieren? Ich darf nochmals auf Phil Langer und seine Untersuchung hinweisen, die über die entsprechenden Beschädigungen in der Männerpsyche berichtet. Und von den verschiedensten legalen und illegalen Drogen will ich hier gar nicht referieren. Aber die Aidshilfen sollten eigentlich zur Kenntnis nehmen, dass unter solchen Bedingungen ein „Risikomanagement“ sehr schwer oder gar nicht zu „managen“ ist. Aber vielleicht ist ihnen das auch gar nicht so wichtig.

Junge Homos erleben sich vor allem unter dem Familiendruck und anschliessend auf den Parties und im Internet unter dem Konkurrenzdruck, als „männerliebend“. Ein geschützter sozial-familiärer Freiraum ist nicht mehr in Sicht. Es kann unter diesen Bedingungen keine „schwul-normale“ Identität heranwachsen, aber meistens eben nur eine Art „Heteroabklatsch“. Aber die Homo-Ehe, das risikovolle Vertrauen und die Monogamie, die nur wenige „Mönche in ihrem Glauben“ erleben dürfen, schaffen die Verhältnisse, die dann auch heterosexuelle Probleme ergeben…

Es kann auch keine Solidarität als Gruppe mehr entstehen, die eine kollektiv „abgesicherte“ Identität herauszubilden erlaubt. Jeder ist für sich selbst verantwortlich? Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied – und was dergleichen ideologischer Sprüche mehr sind.

Die Identität klebt am Glauben – an Treue, Monogamie und den supergeilen Sex, der dann nur noch mittels Drogen gesteigert werden kann. Da gab es noch Beziehungen? Die spielen doch nur als äussere Form eine Rolle. Die richtige Form verspricht die richtige Geilheit.

Ich bin jetzt über 10 Jahre im Internet und in schwulen Portalen unterwegs. Also in der parallelen Welt von Junghomos, Bisexuellen und Althomos, sowie Altbisexuellen. Da findet man die Geilheiten und Fetische, die wichtiger als alles andere sind.

2013 heisst es zum Weltaidstag: „Eine Schweiz ohne AIDS“. Auch so ein Glaubenssatz. JedeR weiss, dass das unmöglich ist – besonder mit dem bekannten „Risikomanagement“. Aber das Unmögliche war schon immer religiös inspiriert und auf die Glaubensebene geschoben. Jedenfalls wollte ich mit diesem Essay darauf hinweisen, was alles vorgegeben wird und was tot geschwiegen wird.

Denn – wie Sirko Salka in seinem neuen Buch im Untertitel schreibt: „Wieso schwules Leben harte Arbeit ist.“ Sicher nicht stundenlanges Ficken ohne Kondom – um den Mann zu spüren. Oder weil er dann schmerzt, oder gar reissen könnte…

Der Kondom sollte dagegen eine Reliquie sein, die nicht den Glauben an die Spermiquie befördert, sondern das Gehirn rein wäscht vom Heterror. Aber wie oben schon angeführt: Aidshilfen kümmern sich um – äh neustens – das Risikomanagement und eben NICHT um die schwule Revoluton. Amen.

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

P.S. Wer sich jetzt über meine ideologische Auseinandersetzung mit der “Aidsprävention” ärgert und gar schon an “die Tablette statt das Kondom” glaubt (!), der vergisst, dass es noch andere sexuell übertragbare Krankheiten gibt und neue geben wird!

 

Ich erinnere an Siegfried Rudolf Dunde (1953-1993) und an zwei seiner Bücher:

Vater im Himmel – seine Söhne auf Erden. Männer und Religion, roromann 8203, 1986 (als Hg.)

Wenn ich nicht lieben darf, dürfen’s andere auch nicht. Vom Umgang der Männer mit sich und anderen, roromann 8227, 1987 (als Hg.)

Zudem werden Männer nur dann frei sein, mit ihrem Körper, ihrer Lust, ihrer Begeisterung über andere spielerisch und lebendig umzugehen, wenn sie die Fülle von Liebes- und Begehrensmöglichkeiten sehen und sich über diese Fülle freuen. Vielleicht müssen sie dann anderen nicht mehr die Liebe vermiesen oder untersagen, wenn sie ihnen selber (noch) zugänglich ist…“ (S. 10)

Ihm verdanke ich erste Einsichten über die Verhältnisse, unter denen Schwule nicht normal werden können.

Homo-Ehe, Liebes Geschichten…

Mittwoch, 10. April 2013

Ich habe in den letzten Jahrzehnten den Eindruck gewonnen, gewisse Männer und Frauen wollten vor dem endgültigen Verschwinden der heterosexuellen Ehe auch noch etwas davon erhaschen. Anders kann ich mir den „unbedingten Wunsch nach Gleichstellung“ nicht erklären. Dabei hat die historische hetero Ehe soviel historischen Ballast im Rucksack wie die katholische Kirche Verbrechen in ihrer Geschichte.

Und wie immer spielen die Kinder dabei eine übersymbolisierte tragische Rolle! Sie waren schon immer die Leidtragenden in den „guten Ehen“ und werden erneut politisch instrumentalisiert für die „gute heterosexuelle Ehe“ und gegen gleichgeschlechtliche Paare. Kinder werden von Heterosexuellen für alles Mögliche vorgewiesen und gerechtfertigt, sie sollen jetzt wieder die (heterosexuelle) Welt (= das Abendland) vor dem Untergang wegen der Homo-Ehe retten. Und was besonders auffällt. Sie können das nur, schon damals und auch wieder heute, wenn sie in sexueller Unschuld/Unwissenheit gehalten werden.

Als ich kürzlich etwas über das biblische Kinderopfer von Isaak schrieb, recherchierte ich im Buch „Menschenopfer“, von Nigel Davies (1) und stiess dabei auf ungeahnte Opferungen von Kindern von vorgeschichtlicher Zeit bis in die nicht zu ferne Vergangenheit. Alles im Dienste des Erwachsenenwohls. Bei der Recherche nach Büchern mit schwulem Inhalt bin ich zufällig auf einen Band der „Mandingo Romane“ (2) gestossen, der in der Zeit der Sklaverei in den USA spielt und eine solche Episode enthält. Aber darin werden auch, unter anderen Gräueln, Arbeitssklaven mit schwarzen Mädchen gezüchtet! (3)

Ich will damit sagen, dass auch viel Schreckliches an dem schwarzen Frack und dem weissen Schleier von heterosexuellen Ehen hängt! Wollen wir uns mit all dem auch identifizieren? Ich sage nein! Aber trotzdem sollen auch Männer mit Männern und Frauen mit Frauen sich letztlich „verehelichen“ können, wenn sie das unbedingt wollen…

Kürzlich wurde übrigens in Kwazulu-Land eine Ehe zwischen zwei schwarzen Männern geschlossen, mit allem traditionellen Drum und Dran!

Hier zwei Männer in Papua-Neuguinea

Zurück – zur „eingetragenen Partnerschaft“. Diese, in der Schweiz institutionalisierte Form einer gleichgeschlechtlichen „Ehe“ droht bereits jetzt durch eine „Öffnung der Ehe“ für Schwule und Lesben überholt zu werden. Dabei wäre auch dieses Gesetz sicher bald korrektur- und überholungsbedürftig, wie das seit längerem schon dauernd mit dem Strafgesetzbuch und den Verjährungsfristen geschieht…

Liebesgeschichten von Homosexuellen haben sich bereits seit Jahren in Filmen niedergeschlagen. Auch die weitere Entwicklung wird filmisch gestaltet und überliefert werden. Nach Jahren der „coming out“ – Filme und Beziehungsdramen, bis zu „Cage aux Folles“, um ein Extrem zu nennen, kommen neue Regisseure mit neuen Geschichten und Inszenierungen. Das Interessante an der ganzen Entwicklung ist die Bemühung um „Gleichheit“ – mit dem Bestreben, eine ersehnte Gleichwertigkeit zu erreichen. Doch schon bei der „Gleichstellung“ von Frauen mit Männern herrscht und frauscht das bürgerliche Missveständnis der Gleichmacherei. Um gleichwertig zu sein, müssen nicht beide Hosen tragen, oder eine Burka, oder sich Bärte wachsen lassen…

Das Geheimnis der Natur, der Religiosität und der Philosophie liegt darin, dass VERSCHIEDENES gleichwertig sei! Neger malen sich deswegen ja auch nicht weiss an, ja nicht mal wie ein Zebra!

David Lambert bringt nun eine neue Film-Version mann-männlicher Liebe. Die Geschichte, die  Jenseits der Mauern  erzählt, ist eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern, „die zwar – wie jede Liebesgeschichte – ihre Eigenheiten hat, einen eigenen Ton, eine eigene Art der Kommunikation etc., und die sicher auch deswegen eigen ist, weil sie sich zwischen zwei Männern ereignet, die sich jedoch so ähnlich genauso gut zwischen zwei Frauen oder zwischen einer Frau und einem Mann abspielen könnte“. (Christoph Meyring zitiert David Lambert, den Regisseur dieses neuen Films, in Sissy 17/2013, S. 6)

Ich fürchte bis zur Gewissheit, dass Lambert hier Birnen mit Äpfeln und Zitronen mit Orangen vergleicht! Vielleicht lässt sich eine Liebesgeschichte wirklich in den obigen Kombinationen „ab-spielen“. Dann ist sie aber nur gespielt. Ohne Sicht auf Inneres, oder auf Identitäten. Und ich fürchte, die ZuschauerInnen glauben das auch alles!

Niemals kann sich etwas erotisch-sexuelles „gleich“ in Männern und in Frauen abspielen und schon gar nicht in Männer- oder Frauenpaaren. Homosexualität kann nicht einfach nur die homo Version der Heterosexualität von hinten sein! Ich weiss, Vielen erscheint das so. Und viele Männer und Frauen haben das auch lebenslänglich so gespielt. Und viele Frauen spielen „Lesben“, um Männern zu gefallen. Aber wenn Männer „auf den Hund“ kommen und unterwürfig „Doggie“ spielen, wollen sie noch lange nicht einen realen Hund heiraten!

Heteras können nicht glauben, dass es psychische und kulturelle Absichten und Erlebnisqualitäten zwischen Männern geben kann, bei denen sie aus-serhalb bleiben müssen. Die Frauenbewegung hat zwar zu zeigen versucht, dass sie „es“ auch ohne Männer kann. Das gleiche aber mutet sie Männern nicht zu. Und es gibt ja auch keine ernsthafte Männerbewegung oder so was…

Ich kann nur aus der Sicht eines Mannes beschreiben, was mich mit anderen Männern verbindet – nicht nur mit Schwulen oder Bisexuellen. Das geht über das gegenseitige Verständnis und Wissen um Körper und Sexualität hinaus. Ich denke da gar nicht an geheime Sachen. Es gibt keine Geheimnisse mehr um die Sexualität! Jedenfalls ficken wir niemals ausserhalb der Gesellschaft, sondern mitten unter den Hetero/as. Es wirkt auf mich zurück, wenn ich der sexuell motivierten Gewalt gegen „Weiblichkeit“ ausgesetzt bin. Aber auch, wenn ich dem sexuell motivierten Terror zum Sex mit dem anderen Geschlecht ausgesetzt bin. Und das kann von beiden Geschlechtern/Eltern ausgehen, von Kindheit an.

Es nützt also nichts, wenn sexuelle Praktiken verglichen werden. Eine Frau anal penetrieren hat nicht die gleiche Bedeutung, wie einen Mann. Auch kann ein Männerpenis in einem Männeranus nicht verglichen werden mit einem Strap-on (Umschnalldildo und einer Frau daran) am selben Ort. Mich erstaunt schon, wie schnell gewisse Frauen das gleichsetzen können. Auch die anale Penetration einer Frau durch einen Strap-on ist nicht das gleiche. Und wenn Männer Frauen anal penetrieren, dann praktizieren sie zwar Homosexualität, aber allein schon den Gedanken daran, weisen sie weit von sich. Wie kann Frau also ihre Passivität mit derjenigen eines Mannes vergleichen?

So einfach also entwickelt sich die Psyche von Männern und Frauen nicht in die gleiche Erlebnisqualität, so dass sich alles „ebenso gut zwischen allen abspielen“ könnte, wie oben behauptet. Und Kinder spielen da auch noch eine differenziertere Rolle dabei!

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

Homo-Ehe privat um 1970, Magazin JASMIN 81970-73)

Sybille Berg und die Homo-Ehe

Papst Johannes Paul II. 1979 über Ehe und Homosexualiät

(1) Nigel Davies: Opfertod und Menschenopfer, Ullstein 1981/83, 390 S.

(2) Lance Horner, Kyle Onstott (hier konkret): Der Mandingo von Falconhurst, Heyne, 1966/1977, 390 S.

(3) Bereits bekannt waren mir die „Schwarze Pädagogik“ von Katharina Rutschky, sowie „Hört ihr die Kinder weinen (Lloyd deMause, (Hg.).

Katharina Rutschky: Schwarze Pädagogik. Quellen zur Naturgeschichte bür-gerlicher     Erziehung, Ullstein 1977, 600 S.

Lloyd deMause (Hg.): Hört ihr die Kinder weinen. Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit. Suhrkamp 1974/78, 600 S.

China: Geld macht Ehe (DLF)

Homosexuelle als Sündenböcke in der Homo-Ehe-Diskussion, von David Signer, NZZ

Bettina Weber im TA: Die Ehe ist gar nicht mehr so attraktiv, wie ihre Verteidiger tun!

Hannes Stein: über die Ehe gestern und heute, NZZ 26-9-13

P.S. Eine Mutter, die in Frankreich ihren dreijährigen Sohn mit einem T-Shirt mit der Aufschrift “Ich bin eine Bombe” und “Jihad, geboren am 11. September” in den Kindergarten schickte, ist einer Strafe entgangen – dank dem Gericht in Avignon.  Das Gericht sprach die 35-Jährige frei vom Vorwurf der “Verherrlichung von Verbrechen”, da keine unmissverständ-lichen Hinweise dafür vorgelegen hätten. Der Junge sei am 11. September 2011 zur Welt gekommen und Jihad getauft worden. (SDA, BaZ 11.4.2013, S. 14)

P.S. Eine 41-jährige Mutter (im katholischen Polen, PT) hat drei ihrer neugeborenen Babies getötet und zu Hause in einer Tiefkühltruhe aufbewahrt. Die Frau, die noch vier weitere Kinder im Alter von 6 bis 22 Jahren hat, wurde verhaftet und hat gestanden.  (AP, NZZ 11.4.2013, S. 24)

Diese Meldungen sind fast immer unter “in Kürze” oder “Diverses” – in kleinen Ecken – zu finden. Obwohl ich Zeitungen unregelmässig lese, stosse ich immer wieder darauf.

Öffentliche Heucheleien über Sex zwi- schen Männern!

Samstag, 26. Januar 2013

Den Schwulen entgleitet die öffentliche Selbstdarstellung und Diskussion immer mehr! Und die homo- und heterosexuellen Männer sind nur daran interessiert, ihre Bedürfnisse ungestört – wenn auch heimlich leben zu können.

Dass aber immer mehr Frauen den öffentlichen Diskurs über die Sexualität zwischen Männern befrauschen ist für mich als Schwulen unakzeptabel! Ich würde mir nicht anmassen, über die Sexualität von Frauen, oder zwischen Frauen öffentlich zu mutmassen, oder diese gar öffentlich zu definieren.

Nichtsdestotrotz verfügen Frauen nicht nur über die Sexualität und Orientierung ihrer Söhne, indem sie wegschauen und ignorieren, wenn diese sich nicht an Frauen ausrichtet, sie befrauschen auch ihre Ehemänner und die Schwulen mit ihrer Moral. Die öffentliche Moral ist tendenziell eine weibliche und das Patriarchat steht letztlich auf dem Matriarchat. Das ist aus diversen kulturhistorischen Berichten erkennbar. Aber auch in den Jugendbüchern von AutorINNEN für homosexuelle Knaben und junge Männer. Der Penis fehlt auffällig in den erwähnten Texten! Frauen stellen sich schwule Kinder und Jugendliche sowohl ohne Penis, als auch ohne sexuelle Betätigung damit vor! Oder haben eben gerade überhaupt keine Vorstellung davon!

Dazu passt die Ignoranz in den öffentlichen Medien über die gehäuften Selbstmorde und Mobbingerlebnisse von schwulen Kindern und Jugendlichen in den USA. Denn das passt nicht in den „pädophilen“, hetera-politisch-korrekten Blick. (Sophinette Becker über Pädophilie)

Frau kann sich nicht vorstellen, was sie damit bei schwulen Kindern und Jugendlichen mit feministisch-politischer Korrektheit anrichtet. Männer sind potenzielle Missbraucher und Vergewaltiger und des Knaben Lustobjekt ist ein verdammenswertes Glied! Und mit sowas sollen sich die jungen Schwulen identifizieren? Und wir sollen glauben, dass Mütter es „doch immer nur gut mit uns meinen“!?

Viele Frauen und Lesben ignorieren vorwiegend die historisch unterschiedliche Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Sie sehen Knaben als gefährdete „Mädchen“ und glauben, diese ebenso vor Penissen und Männern „schützen“ zu müssen. Keine der Anklägerinnen von sexuellem Missbrauch hat sich bis heute für eine wirksame Prävention eingesetzt. Weder bei Mädchen, noch bei Knaben! Denn dann müssten sie sich mit deren Sexualität auseinandersetzen, wie das schon Sigmund Freud versucht hatte. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese Politik dazu dient, die Machtverhältnisse zu ändern, aber nicht auf Gleichwertigkeit, sondern auf Umkehr derselben hin.

Ich muss feststellen, dass 20 Jahre verplempert wurden, um Jugendlichen keine Selbstbestimmung und Verhandlungsfähigkeit in der Sexualität beizubringen. Das wollte wohl auch keineR!

Das zeigt sich schon daran, dass nicht mehr der Nachweis einer Handlung oder Tat wichtig ist, sondern allein schon der Verdacht auf sexuellen Missbrauch genügt, um sogenannte „Täter für immer wegzusperren“ Dass dabei „irrtümlich“ auch einige Existenzen zu Grunde gehen, wird als „Kollateralschaden“ achselzuckend hingenommen. Was Männer mit Waffen anrichten, richten Frauen also mit der Sexualität an…

Was an heterosexuellem Missbrauch an Schwulen und den homosexuellen Bedürfnissen von Männern, von Kindheit bis in die Ehen angerichtet wird, ist kein Thema. Dass es „pädophile“ Frauen und Täterinnen gibt, ist politisch-feministisch inkorrekt und wird tabuisiert. Dabei wird verhindert, dass das heterosexuelle System angegriffen wird, das sowohl Frauen als auch Männern die „TäterInnen“-Schaft und die Opfer-Innen-Schaft ermöglicht. Und damit eine Politik der gegenseitigen Destruktion und des heterosexuellen Spiels/Krieges um Macht und Einfluss in Familie und Gesellschaft.

Mein Zorn entzündet sich an der Interpretation der männlichen Prostitution durch Frauen und zum anderen an der Interpretation von HomoSEXualität durch bisexuelle und hetera Frauen.

Als Schwuler kann ich nur staunend zuschauen, wie arme junge und heterosexuelle Männer aus Osteuropa mittels Homosexualität Geld bei heterosexuell lebenden Männern verdienen, die Freundinnen, Ehefrau und Familie haben. Politisch korrekt: Diese (schwulen, hetero lebenden) Männer beuten, diese (hetero) Jungen aus. KeineR fragt sich, was da unmittelbar mit der Homosexualität als solches geschieht. Die Homosexualität wird von heterosexuellen Männern ökonomisch ausgebeutet. Aber hinter diesen Männern stehen einerseits auch junge Frauen, die vom Einkommen der Callboys profitieren und andererseits die Ehefrauen, die davon überzeugt sind, dass Männer ihre sexuellen Bedürfnisse grundsätzlich nur auf Frauen richten können – oder auf andere Fachfrauen des Rotlichtgewerbes. Dass die Callboys (aktiv und passiv) wohl einen anderen Service anbieten, den Frauen nicht liefern können, fragt sich keineR! Auch nicht woher es kommt, dass verheiratete und hetero lebende Männer ihre natürlichen homosexuellen Bedürfnisse in Ghettos entsorgen müssen – nur nicht daheim in der Familie!

Die ganzheitlichere Sexualität dieser Männer ist eine Gefahr für die Frauen und ihre Kinder, Jugendlichen und Freunde und Ehemänner. (Das Vorurteil in der Schlagzeile: „schwule Prostitution“) Für viele Frauen ist klar, dass Männer weibliche Bedürfnisse „niemals völlig“ befriedigen können. Aber dass Frauen ebenfalls die Lust der Männer niemals völlig befriedigen können, steht ausserhalb von allem für sie Denkbaren.

Auch in der Schwulenpolitik ist eine zunehmend schärfer werdende Heuchelei feststellbar. Einerseits geht es darum, gegenüber Heterosexuellen, Frauen und Männern zu beteuern: „Es geht um Liebe“ bei der Homosexualität. Davon zeugt auch, dass im Text des Gesetzes über die Eingetragene Partnerschaft das Wort Sex völlig fehlt! Wie der Penis im Kinder- und Jugendbuch.

Andererseits wird in der Prävention nur die Praktik der analen Penetration thematisiert, als wenn Männer und Schwule so blöd wären, immer nur zu ficken. Männer müssen weder ficken noch gefickt werden, sie dürfen. Das ist mit Frauen ganz anders…

Einerseits finden wir im Kinder- und Jugendbuchbereich vor allem Liebe, Schmusen, knuddeln und umarmen vor. Andererseits wird Jungs klar gemacht, dass Masturbation kein richtiger Sex ist und dass sie sich beim Fickenlassen gefährden, missbraucht zu werden – wie die Mädchen, die sie ja selber auch missbrauchen könnten. Von Eigenkompetenz, oder gar eigenen Wünschen kann keine Rede sein…

(1)

So wie das homosexuelle Begehren existiert, existiert neben der Pädophilie auch die Gerontophilie. Aber die „gibt es politisch-korrekt nicht“. Mir fehlen da gewisse Begriffe, für eine angebliche Ausgewogenheit, die ich nicht erkennen kann. Es gibt nicht nur Männer, die herrschen, sondern auch Frauen, die frauschen.

Und es gibt neben der Penetranz auch die Vaginanz. Und tragischerweise sind Frauen nicht am Penis, sondern am Phallos interessiert. Aber Männer zwar an der Vagina, aber nicht an der Venus! So verstehe ich Ganzheitlichkeit. Nicht nur einen fragmentierenden Heterror, der sich auch im Feminismus wiederfindet!  Napoléons Strafgesetz hiess: “Code Pénal” – einen Code Vaginal gibt es nicht.  Aber immerhin hat er die männliche Homosexualität in seinem europäischen Regierungsbereich entkriminalisiert.

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

 

Zu Emckes Buch ein ausführlicherer Text auf arcados.ch

(1)  Ich finde es tragisch, dass Carolin Emcke (in ihrem Buch „Wie wir begehren“, S.Fischer 2012) zwar formuliert, dass lesbisches Begehren NICHT kein Begehren sei, sondern – neben der vaginalen Bereitschaft gegenüber dem Mann – überhaupt ein weibliches Begehren, das nicht sichtbar (gemacht) wird, aber dass sie das homosexuelle Begehren bei Männern nicht auch entsprechend einordnen kann. In ihren Auslassungen über männliche Homosexualität ist weder von Analverkehr, noch von der Prostata die Rede. Besonders wichtig, wenn sie über Diskriminierung bei Arabern im Gazastreifen schreibt. * Doch beides gehört nun mal zum medizinischen Verständnis und zur kulturellen Einordnung! Tabuisieren und totschweigen ist Heuchelei!

Es gibt Knaben, die haben NICHT kein Begehren, sondern eben ein Begehren nach Männern, auch neben der Bereitschaft für Frauen! Aber das ist für Frau Emcke wiederum so unwichtig, wie ihr lesbisches Begehren es für die Heterosexualität ist. Und es gibt nicht nur Männer, die Knaben missbrauchen, sondern auch Knaben, die Männer ficken wollen! Doch das trauen sich viele Schwule nicht öffentlich auszusprechen! Damit nimmt man/Frau uns aber einfach einen Teil unserer sexuellen Biografie weg! Entsorgt in der Schublade „Missbrauch“!

*) Interessanterweise finde ich auf der hp von Emcke dann ein Video mit Diskussionsfetzen über Analverkehr. Und der jüdische Glaubensvertreter erzählt sinnigerweise, dass Mann und Frau im Bett zu Dritt – nämlich mit Gott seien… (> Streitraum: Religion und Sexualität)   Dass da der Schwule (schwule Sex) in die Quere kommt, lässt sich zwingend daraus folgern!

Carolin Emcke: Wie wir begehren, S.Fischer 2012

Interview mit Emcke in SRF, Reflexe 3.4.12 30′

Wer sich darüber aufregt, dass Jungs gerne mit Männern ficken würden, der/die sollte sich mal fragen, wozu denn Jungs und Mädchen im Teeniealter schon miteinander die Fortpflanzung üben sollen, denn sie machen ja auch „erwachsene“ Sexualität, die „ihnen nicht entspricht“. Kinder waren nie dazu da, Kinder zu machen! Es ist egal ob Kinder miteinander ficken. Oder Erwachsene. Es sollte möglichst politisch korrekt sein. Aber das Machtgefälle lässt sich eben nur innerhalb des eigenen Geschlechtes relativieren oder umkehren und ausserhalb heterosexueller Normen! Das versucht auch Emcke zu schreiben, aber sie benennt es nicht!  ;)

Zum Thema Mütter:

Mütter und Homosexualität, eine lustige Kolumne

Über eine “feministisch korrigierte” Studie in Südafrika, betreffend sexuell motivierte Gewalt

Braun:  Ein aufschlussreiches Interview mit einer Mutter (PDF)

Alexander Markus Homes: Von der Mutter missbraucht. Frauen und die sexuelle Lust am Kind, 2005, 458 S. (nicht zu verwechseln mit der US-Schriftstellerin A.M. Homes!)

- Prügel vom lieben Gott. Eine Heimbiografie, 141 S. NA 2012,  ISBN 978-3-86569-023-4

NDR: Von der Mutter missbraucht, Beitrag 45 min.

Louis Schützenhöfer: In aller Liebe. Wie Mütter ihre Kinder unglücklich machen, Ueberreuter 2004, 176 S.

Christiane Olivier: Jokastes Kinder. Die Psyche der Frau im Schatten der Mutter, Claassen 1987, Paris 1980 (später TB bei dtv, sh. PDF Inhaltsverzeichnis)

Renate Juras: 41 und 14, edition a, 2011

Ein grosser Tag?

Donnerstag, 20. September 2012

Eine Polemik aus den Erfahrungen der Vergangenheit in die Zukunft 

Anfangs dieser Woche hatte ein junger Mann sein „coming out“. Dabei erklärte er, dass er „es“ eigentlich schon seit seinem 16. Lebensjahr „gewusst“ habe.

Dass er für sein Identitätsbewusstsein noch einige Jahre zugewartet hat, während seine heterosexuellen Kollegen längst „erste Erfahrungen“ gesammelt haben, ist für unsere Gesellschaft „einfach nur normal“ halt. Schwule brauchen etwas länger?

Da hatte ich 1970 schon ungeheures Glück, weil das Schutzalter damals bei 20 Jahren war und es – wie bei gegenwärtig gültigem Gesetz von 1992 – keine Toleranzgrenze von drei Jahren um das Schutzalter 16 herum gab. Ich war gerade 20 geworden.

Doch während die heterosexuellen Jungs schon früher als mit 16 Jahren „herumprobieren“, gibt es seit einigen Jahren auch da strafrechtliche Eingriffe ins Sexualleben Jugendlicher. Hinterher wird das als „Missbrauch“ definiert und auch sanktioniert. Dabei spielt die Presse – vor allem vor irgendeiner Anklageerhebung – eine selbstbewusste vor-verurteilende „öffentlich-rechtliche“ Rolle!

Es wird wieder mehr Wert darauf gelegt, dass Jugendliche „warten“ sollten, statt ihre sexuelle Selbstverantwortung zu üben. Die einzige Politikerin seit Jahrzehnten, die nicht vom Schutzalter, sondern von der sexuellen Selbstbestimmung öffentlich (in einem Interview) sprach, war Frau Bundesrätin Elisabeth Kopp (FDP) gewesen! Das war Anfang der 80er Jahre.

Die „vorberatende Expertenkommission“ hatte damals 14 Jahre, und der Gesamtbundesrat in seiner Stellungnahme 15 Jahre vorgeschlagen. Die vielen Vernehmlassungsantworten, die in Bern bis 1983 eingegangen waren, sind übrigens in einer Bundesdrucksache* gesammelt worden: Die Antworten von Fachleuten, Juristen, Staatsanwaltschaften und Richtern liegen im Vergleich zur heutigen „politischen Korrektheit“ völlig daneben. Und doch waren alle diese Leute, inklusive Bundesrat nie irgendwie der „Pädophilie“ verdächtigt worden. Und es wäre Scheinheiligkeit im Quadrat, dies heute rückwirkend noch zu tun…

Doch in den letzten Jahren sind „Verjährungsfristen“ gedehnt, neue Straftatbestände im Bereich der Pornografie und der „sexuellen Handlungen mit Kindern“ („Wegschliessen für immer!“) und neue strafprozessuale Handlungen auch für Beteiligte unter 16 Jahren eingeführt worden. Dabei sollen alle immer mehr geschützt werden. Doch was hat das Gesetz zum Schutz der Frauen ihnen je wirklich gebracht? Meiner Kenntnis nach haben die Pille, die neuen Arbeitsmöglichkeiten, Weiterbildung und staatliche Unterstützungen, wie Alimentenbevorschussung, für Frauen mehr gebracht als alle gut meinenden Gesetze.

Kürzlich hat Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) neue Gesetzesänderungen angekündigt (Lanzarote-Konvention, ER), mit denen Jugendliche vor sexueller Ausbeutung durch Prostitution von 16-18 Jahren geschützt werden sollen. Während sexuelle Kontakte unter 16 Jahren allgemein bekannt strafbar sind, ergibt sich eine Re-Kriminalisierung mit hohem Erpressungspotenzial, wie das Schwule von 1942 bis Ende der 80er Jahre erlebt haben. So zweideutig wie Prostitution letztlich definiert werden kann, so zweideutig werden auch arbeitsrechtliche Vorschriften in Familienbetrieben mit Kindern und Jugendlichen interpretiert. Das gilt nicht nur für Bauernbetriebe, sondern auch für Franchising-Läden! Aber da gibt’s halt keinen Sex, nur Arbeit.

Der weitere Vorschlag von Simonetta Sommaruga betrifft die sexuellen Darstellungen. Sie sollen neu bis 18 Jahre als Kinderpornografie gelten. Zum Schutz vor Ausbeutung. Ganz ignoriert werden die Selbst-Darstellungen Jugendlicher mit Webcam und in Internetforen. In einer Zeit, in der fast jeder „Kack“ abgebildet und mitgeteilt werden muss, ist das eine sehr fundamentalistische Sicht der Dinge! Von Selbstbestimmung kann keine Rede sein. Wie weit die “Jugendliteratur” und Tagebücher – für bis zu 18jährige – der Pornozensur zum Opfer fallen wird, bleibe dahingestellt Ganz zu schweigen von der Ausweitung der Zensur im Internet. Ich mag mich an ein Jugendbuch erinnern, woraus ich in meinem Abend-Blatt als Werbung zitiert hatte. Die Staatsanwaltschaft (in meiner damaligen Adressliste!) meldete sich telefonisch, woher ich den Text hätte. Aus einem regulären Taschenbuch. (Die Neuauflage erschien dann bei Gmünder…)

Kommen wir zurück auf den grossen Tag! Ich habe bereits geschildert, dass Jugendliche mit den homosexuellen Erfahrungen und Identitäten um Jahre verspätet daran sind. Was keineN kümmert. Und nun soll die Darstellung und Selbstdarstellung der lustvollen Sexualität von Jugendlichen von 16-18 Jahren so schlimm werden wie die Kinderpornografie. Das sind doch schöne Aussichten auf ein schwules Leben, wenn Sexualität – eingeschränkt durch das Prostitutionsverbot – zwar gelebt werden darf (wohl eher geduldet!), aber deren Abbildung schwer kriminalisiert wird. Wir sind bald wieder bei einem Strafrecht der katholischen Kirche, die „keinen Sex vor der Ehe“ propagiert. Die Homosexualität sitzt nun in der heterosexuellen Falle zum Schutz vor allem der Mädchen und wird „gleichbehandelt“. Das wollten wir doch – oder?

Aber da sitzt noch so ein Pferdefuss in der ganzen Vorlage. Getreu dem „Vorbild“ in Schweden, sollen zwar die Männer, die Prostituierte aufsuchen (also hier erstmal begrenzt auf Jugendliche von 16-18 Jahren) sich strafbar machen. Aber die Frauen, die – aus welchen Gründen auch immer – die Prostitution anbieten, sollen straflos bleiben. Dazu kann ich nur die Verfassung zitieren, die jeden Bürger/Bürgerin vor dem Gesetz gleich stellen soll!

Wer bei der homosexuellen Prostitution bestraft werden soll, wird natürlich nicht erwähnt. Das ist bei Frauen kein Thema. Auch nicht, wenn mal ab und an eine vornehme Dame, egal welchen Zivilstands, sich eine andere Dame gegen Bares gönnt! Und so was wird es ja wohl nicht geben…

Da ist es gerade praktisch, dass schwule Jungs erst mit 18 Jahren oder noch später ihr coming out haben. Da sparen sie sich viele Unannehmlichkeiten mit den Behörden, Gerichten und der Polizei! Und die Schwulenbewegung muss „umdenken“ und die ganzen safersex Kampagnen und Informationen neu ausrichten!?

Das wollten wir doch – oder?

Peter Thommen_62, Buchhändler, Sozialarbeiter, Schwulenaktivist

P.S. Siehe auch die Links hier im Blog unter “Jugendprostitution”!

Dazu passend ein Kurzfilm “The Closet” - eine Kindheitserinnerung  (gefunden bei typisch-schwul.com)

* Ergebnisse des Vernehmlassungsverfahrens – Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben, gegen die Sittlichkeit und gegen die Familie, 1983, 752 S. A 20416 / A 20796

Die ganzen privaten Stellungnahmen ans BAJ, vom „Weissen Kreuz“ bis zu den Schwulenorganisationen liegen mir in meinem Archiv als Kopien aus dem Justizdepartement vor!

 

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Nachtrag/Leserreaktion: Es gilt ein erstes Missverständnis zu beheben, das in meiner Polemik aufscheinen kann: Natürlich kann ein Junge in jedem Alter sein coming out machen. Nur steht die Frage an, ob es – angesichts der vorgesehenen Kriminalisierung von Bildern und Texten, die Sex und Kontakte von 16-18 zur Darstellung bringen oder thematisieren, überhaupt dann noch Sinn macht, diese Altersgruppe zu informieren, oder ihr Literatur zur Verfügung zu halten! (Dazu muss man nicht Buchhändler sein!)

Anmerkungen

1. Ich erwähnte oben das Buch von Todd Brown. Das knallrosa Tagebuch, welches im “Sexverlag” Gmünder neu aufgelegt wurde! (Ursprünglich bei DromerKnaur?)

2. Ich habe an anderem Ort das Buch von Will Davis: Meine Sicht der Dinge, besprochen. Dieses ist auf Deutsch nicht ohne Grund bei Gmünder erschienen. Die Englisch-Ausgabe erschien jedoch nicht in einem “Sexverlag”!

3. Ich erinnere an die Broschüre “selbstverständlich” (Pink Cross, 2005), in welchem Szoltan eine Sexszene auf einem Bahnhofsklo beschreibt (S.15), deretwegen PolitikerInnen aufgeschreckt wurden! Wie ich mich erinnere, durfte sie nicht mehr an Schulen (PDF) aufgelegt werden! Allerdings erhielt sie dann vom Bundesrat ein OK. (Schulen sind aber Kantonssache!)

Bundesrat rehabilitiert Coming-out Broschüre (31.8.2005). Professionell gemacht, Inhalt und Aufmachung für die Zielgruppe geeignet. Dies ist die offizielle Beurteilung des Bundesrats zur Coming-out-Broschüre «selbstverständlich» für schwule junge Männer, die PINK CROSS in Zusammenarbeit mit der AHS herausgegeben hat.

«selbstverständlich», die Broschüre für junge schwule Männer vor- und während des Coming-outs, war im Frühling unter Beschuss geraten, weil vornehmlich evangelikale Politiker sie als pornographisches Machwerk zur Verführung Jugendlicher darstellten. In der bundesrätlichen Antwort auf zwei parlamentarische Anfragen erhalten die schweizerische Schwulenorganisation PINK CROSS und die Aids-Hilfe Schweiz nun die Bestätigung, dass die Broschüre zweckmässig ist und Homosexualität ausgewogen darstellt. 

Das Thema “Kinder- und Jugendliteratur für homosexuelle Jugendliche” wird nächstens von mir in einem Essay aufgelegt werden. 

Christopher oder Christina?

Montag, 02. Juli 2012

Darüber stritten sich die Schwulen mit den Lesben vor einem Jahr in München. Der gutgemeinte Vorschlag, mal einen Christina-Street-Day zu feiern, prallte an zum Teil „wütenden“ Schwulen ab. Nun, es feiert ja auch keine einen „Nikolaus-Innen“-Tag am 6. Dezember… (Diese Debatte – „Wenn Schwule frauen hassen“ – ist zusammengefasst und nachzulesen bei Jürgen Voss)

Ich meine, dass die „Emanzipation“ der Lesben in der „Homosexuellen-Bewegung“  weder mit „Adam und Steve“, noch mit „Ada und Eve“ zu erreichen ist. Regelmässig kocht die Diskussion um die „männliche Bedeutung“ des Wortes „homosexuell“ hoch. Lesben „verschwinden“ meistens hinter diesem Wort und fühlen sich nicht „abgebildet“ darin.

Diese Diskussion zeugt von der Ignoranz unserer Geschichte und Vergangenheit: In den meisten Ländern sind homosexuelle Frauen nicht explizit (namentlich nicht erwähnt in Strafgesetzen) verfolgt worden – ganz einfach, weil sie nicht als „strafrechtlich ernst“ genug genommen worden sind! Frauen haben ganz allgemein erst seit ca. 100 Jahren eine eigenständige Sexualität zugestanden bekommen! Das sollte vor allem in den Diskussionen um historische Dokumente berücksichtigt werden. Wir tun meistens alles in einen Topf und sehen alles mit unseren heutigen Augen. Das ist unwissenschaftlich und ungerecht!

Auch die Lesben sollten berücksichtigen, dass die Opferperspektive eigentlich eine sexistische ist! Alles was einen Schwanz trägt und sich nicht penetrieren lässt (lassen darf!), ist Täter. Sogar Schwule machen da keine Ausnahme – auch wenn sie sich schon mal penetrieren lassen. (In den Strafgesetz-Texten sind Frauen mit „Täter“ immer nur theoretisch mitgemeint.) Die Nationalsozialisten mussten sich mit der „halbherzigen“ Bezeichnung  „Asoziale“  für Lesben behelfen…

Gerade kürzlich hatte ich eine Cousine im Gespräch, die – als Mutter von einem Sohn – auch als jetzt letztlich lesbisch lebende Frau diese hetera Sichtweise vertritt. Daher ist es recht schwierig, Frauen und Lesben als „Verbündete“ von homosexuellen Männern zu betrachten, die ihre Söhne ja vor uns schützen wollen. Doch wer schützt ihre Töchter vor den Frauen??

Ein weiteres Beispiel – aus Joachim Braun: schwul und dann? (Beratungs-Interview mit einer Mutter)

„Wie geht es Ihnen denn mit schwuler Sexualität?“ – (nachdenklich) „Ich weiss, es ist absurd, aber bei Heterosexuellen stört mich der Analverkehr nicht – bei Homosexuellen stösst er mich ab.“ 

„Warum“? – „Weil der passive Teil irgendwie degradiert wird; aber ein Mann, der sich degradieren lässt (zögert) … ist in meinen Augen unmännlich.“ (Querverlag 2006, S. 38-39)

Diese Mutter wird nicht die einzige sein, die diesen Sexismus einfach an ihre Söhne weitergibt, egal ob hetero oder homo.

Historisch-biblisch gesehen macht sich nicht nur der Penetrierer eines Mannes, sondern auch der penetrierte Mann selber eines „Verbrechens“ schuldig. Ähnlich wie das als Vorurteil gegenüber Frauen auch verwendet wird.  Aber es heisst nirgendwo, dass eine Frau nicht wie eine Frau bei einer Frau liegen darf…

Während also durch den Penetrierakt ein Mann seine Männlichkeit verlieren kann, gibt es juristisch und kulturhistorisch beim Sex zwischen Frauen keinen „Verlust“ zu beklagen. Eine Frau bleibt eine Frau – egal mit welchem Geschlecht sie Sex hat.

Wir müssen also aufpassen, dass wir uns nicht in unserem eigenen kulturellen Sexismus verfangen. Und nach der Feststellung der eigenen Sexualität von Frauen, konnten sie wohl trotzdem nicht als Täterinnen klassifiziert werden. Während das Schutzalter unter den Männern noch heute ein hochemotionales Thema ist, war davon zwischen Frauen niemals die Rede. Entweder „gab es das einfach nicht“, oder die sexuellen Übergriffe wurden nicht sicht- und definierbar. Aber logischerweise kann die Frau, mit fortschreitender Emanzipation, nicht weiterhin als Täterin einfach „übersehen“ werden. (Das gilt nicht nur für eine „Rote Armee Fraktion“!)

Ich habe schon in den 80er Jahren die gesamtschweizerische Statistik für die Bestrafung von „homosexuellen Übergriffen“ beobachtet. Dabei fallen die Frauen kaum auf. Mir war immer irgendwie unklar, wie die Lesben erst als erwachsene Frauen quasi vom Himmel fallen konnten und dann erst gesellschaftlich auftraten. Der ehemalige Art. 194 StGB CH galt von 1942-1992 für beide Geschlechter und schützte beide bis 20. Wichtig aber war nur der Schutz der Jungs!

Die Sexualität und das Sexualleben einer Frau werden bis heute anders beurteilt als bei den Männern! Einer leiblichen Mutter kann man heute nur schwer ihr Kind wegnehmen, was bei einem Vater durchaus leichter fällt. Ich will mich aber hier nicht dem Vorwurf aussetzen, Lesben würden nicht diskriminiert.

Aber WIE werden sie denn diskriminiert und worunter unterscheidet sich das von den Männern? Dieses Genderthema scheint keineN so richtig zu interessieren. Die Diskriminierung von Lesben wird „politisch korrekt“ öfter als „doppelt“ bezeichnet – einmal als Frau und zum zweiten als Lesbe. Nun, ich fühlte mich schon VOR meinem schwulen Bewusstsein als „anderer“ Mann diskriminiert – und dann letztlich auch als Schwuler. Eine doppelte Diskriminierung ist historisch korrekt nirgends auszumachen.

Jede Diskriminierung ist unannehmbar. Das hängt nicht davon ab, ob sie doppelt oder dreifach erfolgt. Wichtig ist die Tatsache, dass in der gesellschaftlichen Diskussion klar wird, worüber und wie im Detail sie erfolgt. Wenn heute schon vom „Schwulen-Dreieck“ (unter Verlust seiner vergangenen Bedeutung) gefaselt wird und davon, dass Basel „anstatt des CSD“ eine traditionelle Schiffsparty habe, dann werden damit historische Fakten ignoriert.

Ich begrüsse die „Schiffsparty“ als eine wichtige Veranstaltung, an der auch beide Geschlechter teilnehmen. So wie auch an der anderen wichtigen Veranstaltung, des „Tuntenballs“, an der auch beide Geschlechter und auch viele Hetero/as teilnehmen.

Aber weder die eine, noch die andere Veranstaltung kann einen CSD ersetzen. So wie auch der Tuntenball Weihnachten nicht ersetzen kann – höchstens die besonders homophobe Stimmung an Weihnachten in heterosexuellen Familien. Womit auch hiermit auf die historische Wurzel hingewiesen sei!

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass jüngere Schwulengenerationen sich das Wissen gar nicht mehr aneignen (können, wollen?), um die Hetero/as zu verstehen, die uns diskriminieren. Homosexualität sei für ihn „einfach interessant“, erklärte mir kürzlich ein Teenie, der noch in seinem Alter geschützt wird…

Es muss auch erwähnt werden, dass schwule und bisexuelle Männer sich für dieses Thema wenig interessieren. Auch von Seiten der Lesben ist das Interesse an Geschichte im Allgemeinen nicht besonders gross. Viele „spätere“ Lesben kommen aus heterosexuellen Beziehungen oder Ehen und haben damit ja bewiesen, dass sie „richtige Frauen“ sein können. Viele Lesben bestätigen dies mittels leiblichen Kindern – wenn auch als zwei Mütter! Sie geben also ein sehr „hetero-likes“ Bild in die Gesellschaft ab. Da bleiben die schwulen Väter und ihre heterosexuelle Vergangenheit sehr schnell ausser öffentlicher Wahrnehmung. Ja sie erweisen sich als „heterosexuelle Schlappschwänze“, die ihre Partnerinnen betrogen hätten…

Diese Andersheit ist es, die so schwer zu vermitteln ist: Einerseits zwischen den Geschlechtern der Homosexuellen und andererseits in die Gesellschaft hinaus.

Trotz allem haben die Frauen in den letzten Jahren immer mehr Plätze „zuvorderst“ belegt und beweisen, dass sie auch politisch und öffentlich aktiv sein können. Letztlich aber sollten wir uns bewusst bleiben, dass die Interessen zwischen Frauen und Männern, zwischen Schwulen und Lesben sich niemals vollständig decken können und werden.

Aber wer geht hin, um zu verstehen, „warum Schwule Frauen hassen“, wenn diese wiederum von hetero Männern für ihr „Frausein“ gehasst werden und heterosexuelle Mütter den Sexismus an ihre Söhne weitergeben ?

Und wer versteht letztlich, dass es Männer gibt, die einen voyeuristischen Blick auf „Lesben“ werfen und dabei nicht merken, dass sie da eigentlich gar nicht gefragt sein können!?  Mir sind keine Frauen bekannt, die beim Anblick zweier sich küssender Männer „heiss“ werden. Im Gegenteil! Wir stecken immer noch in der heterosexistischen Falle! Und mit drin sehr viele Lesben und Schwule.

Doch gibt es auch interessante Profile von hetero- oder bisexuellen Männern im Internet! Die einen suchen einen „hetero-liken“ Mann – und bitte nichts Tuntiges, Weibisches… Sie wollen diesen „richtigen“ Mann auch kennen- und sexen lernen. Dabei genügt ihnen das „Andere“ der Frauen vollauf, nämlich dann, wenn dieses „homo-like“ keinen Schwanz und dafür zwei Titten hat.

Die anderen suchen eine „Shemale“, ein „Schwanzmädchen“, eine Transe, eine DWT… ihnen sei gesagt, dass es gar keine Schwanzmädchen gibt, nur „Tittenbuben“. Aber diese Bezeichnung und die Attribute helfen ihnen, sozusagen den Graben des Sexismus zu überspringen – ohne sich einer Auseinandersetzung damit stellen zu müssen. Solange irgendwas von einer Frau dran ist, kann es einfach nicht schwul sein. Das muss genügen.

Für mich ist klar geworden, dass es als Mann eine Identität mit Müttern und Frauen nicht geben kann. Sie ist bei den anderen Männern zu holen. Und genau das verbietet die heterror Gesellschaft aufs schärfste und mit schärfsten Schutzaltern und der traditionellen Homophobie der Familie.

Andererseits sind die kompletten Bedürfnisse von Männern durch die Frauen niemals abzudecken, obwohl es noch immer öffentlich propagiert und individuell noch geglaubt wird!

Derweil erzählen uns doch „Emanzen“ schon seit Jahrzehnten das Gleiche über die Männer.

Aber was geht das nun die Hetero/a-Sexuellen an?

Ich glaube, dass die Gewalt gegen Schwule einen Teil der Gewalt gegen Frauen darstellt. Und sie entspringt der „falschen Identität“ von Jungs mit Müttern und Frauen, dieser letztlich gewalttätig abgewehrten „Teil-Identität“ mit Weiblichem bei Schwulen und der entsprechenden Homophobie der Väter gegenüber ihren Söhnen. Denn letztlich kann Weiblichkeit niemals voll akzeptiert werden, wenn sie von den Männern für sich selber abgelehnt werden muss!

Ich habe für mich dieses „heterosexuelle Spiel“ mit dem „Spass“ schon länger durchschaut und ich glaube viele Jungs und Männer merken das auch langsam, wenn sie sich das Problem auch noch nicht erklären können!

Peter Thommen_62, Buchhändler und Schwulenaktivist, Basel (Überarbeitete Fassung vom 11. Juli 2012)

Prof. Melanie C.  Steffens, (Jena) referiert eine Untersuchung über unbewusste Negativeinstellungen geg. Lesben und Schwulen (2006)

Lesben und Schwule alliierte Geschwister? Lambda Nachrichten 3’2012

Henn, Tino: Sind Lesben medial unterrepräsentiert? (2012)

Verhaltensregeln in der Schwulenkneipe (SüdtZ, 2005) für Männer und Frauen jeglicher Orientierung…

Was steht am Anfang eines aktuellen Buches über die Pubertät, das ich zufällig bestellt hatte?

„Für die Jungs, damit sie alles geben, und für die Mädels, damit sie ihren Spass dabei haben!“  (Jaromir Konecny: doktorspiele, cbt 2011)

Vielleicht musst Du diesen Satz mehrmals lesen, um den Zusammenhang mit meinem Text zu verstehen. Versuch es wenigstens!

P.S. Ein weiteres Jugendbuch titelt:  “Schlaue Mädchen – coole Jungs…”  (2011)

Mein Hetero! — warum hast du mich verlassen?

Freitag, 06. April 2012

KeineR sollte hier eine theologische Abhandlung erwarten. Aber im Rahmen von geschlechtspezifischem Verhalten unter Männern, gibt es noch viel zu entdecken. Und so wie Frauen die Welt anders sehen – und die Männer, so haben auch Schwule einen „anderen Blick“ auf die sexuell zweigeteilte Welt. Dabei geht es nicht immer nur um die gängigen Vorstellungen von „Homosexualität“, die wir in den letzten Jahrzehnten entwickeln konnten – trotz heftigem Widerstand der Mehrheit von hetero-gläubigen Frauen und Männern.

Es ist zwar allgemein bekannt, dass Frauen einen „fraulichen“ Umgang untereinander pflegen – in allen Kulturen. Wie der männliche Umgang unter Männern war und ist, muss erst hinter vielen Klischees und Geschichten hervorgeholt werden. Dabei ist zwar das sexuelle Verhältnis „überwichtig“ für die Einordnung in die hetero Sichtweise, aber für die Betrachtung von Männerbeziehungen eigentlich eher von minderem Rang. Besonders was die Penetration betrifft, die immer als die Messlatte von „richtiger Sexualität“ genommen wird.

Leider müssen wir auf ein wichtiges Element erzählerischer Technik aus vorgeschichtlicher Zeit verzichten: Wir können die geschilderten Personen und ihre Beweggründe nicht mehr befragen. Aber das konnten auch die ersten Aufschreiber talmudischer und evangelischer Geschichten schon nicht mehr, während uns deren Inhalt quasi noch immer als „Glaubenstatsachen“ serviert werden.

„Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (1), schrie Jesus, noch am Kreuz, bevor er das Bewusstsein aufgab. Dieser Satz wird in der Bibel auch noch andernorts zitiert oder verwendet.

Aber was sagt er einem Schwulen, der an die Männer glauben möchte und sich doch so verlassen unter den homophoben Heteros vorkommt? Für viele Jungs ist der Hetero das grosse „göttliche“ Vorbild. Je unmännlicher er sich vorkommt, desto grösser sein Glaube an die Heterosexualität. Für viele Jungs ist der Frauensex kein Problem, aber sie machen den Sex mit Männern zu einem. Andere Jungs wiederum blenden diesen Teil der Heterosexualität einfach aus.

Gewalt gegen Schwule ist immer auch Gewalt gegen Männer. Oft wird vergessen, dass immer wieder auch normale hetero Männer für schwul gehalten werden, was immer von den Fantasien und Zuschreibungen „normaler Täter“ abhängt und nicht von den von ihnen beschuldigten und verachteten Opfern…

Auch im Christentum ist die Gewalt ein göttliches Mittel, um die Ordnung der Geschlechter und ihrer Rollen zu garantieren. Abraham wurde von Gott „versucht“, indem er Gehorsam übte und seinen Sohn Isaak dafür opfern sollte. (1. Mose, 22) Das Opferfest hat bei den Moslems noch heute eine grosse Bedeutung und deswegen werden jährlich unzählige Schafe geschlachtet…

Interessant ist übrigens die Geschichte von Abrahams Knecht, der ihm einen Schwur „unter der Hüfte“ leisten musste. (1. Mose, 24) Das Ding das da unten hing oder stand (?) bekommt eine ungeheure Bedeutung für die beiden, denn es ging dabei um die Fortpflanzung der Ur-Familie nach dem Tod des Urvaters…

Nicht nur Frauen und Mütter tun alles für den Penis des Mannes und den Macker, der daran hängt. Und sie entwickeln meistens Gewaltfantasien, wenn es um (richtigen) Sex zwischen Männern geht. Wiederum aber ist Gewalt, die nicht „sexualisiert“ ist, für viele Feministinnen normal unter Jungs und Männern. Ich aber meine, dass Gewalt durch ehrliche Erotisierung zwischen Männern abgebaut werden könnte. Viele Männer können sich gar nicht näher als 15 Zentimeter kommen, ohne mit Gewalt zu reagieren. Der heutige Umgang von Jungs miteinander zeigt diese kumpelhafte Verklemmtheit mit Handschlag und Handdrehung, oder die polternde Schulterschlägerei anstelle ehrlicher Umarmung!

Peter I. Schwulenpapst vom Kleinbasel! ;-)

Das hat alles nichts mit der heutigen Auffassung von Homosexualität zu tun. Das alles aber verhindert die freie Entfaltung von Homophilie und auch von Sexualität zwischen Männern. Die Schwulenbewegung hat für alle Männer gekämpft und auch darum, dass jeder Mann seine Sicht, seine Erfahrung und seine Freude an anderen Männern haben kann. Sehr zum gesellschaftlich verhohlenen Unmut der Frauen!

Ich nehme die Geschichte von Gilgamesch und Enkidu als Beispiel für den freien Umgang mit einer Männerbeziehung in vorhistorischer Zeit. Vor ca. 5500 Jahren wurde der Kampf der Zivilisation mit der Natur in eine Männergeschichte gekleidet, die als Episode innerhalb eines „heterosexuellen“ Epos, auf Tontafeln überlebt hat. So sensationell war sie. Als nämlich Gilgamesch gegen Enkidu kämpfte, „erkannten“ sie einander und verliebten sich. In der Folge nahm der Vertreter der Natur, zur rechten Seite des Vertreters der Zivilisation auf dem Thron Platz. Diese Formulierung erinnert wiederum an die Rolle von Jesus, der auch „zur Rechten“ des Vaters auf einem Thron sitzen sollte – vielleicht als Preis für die Aufgabe seiner Erdverbundenheit mittels gewaltsamem Tod? (Die Erde ist übrigens weiblich)

Mich bewegt die Tatsache der „normalen Gewalt“ zwischen Männern sowohl als Schwuler, wie auch als Mann. Denn ich lasse mich nicht einfach ausgrenzen. Weder zu den Frauen, noch zu den Kindern. Gleichzeitig erfahre ich Verdächtigungen und Schuldzuweisungen als „Gewalttäter“, der ich nun wirklich nicht zwangsläufig sein muss. Und – obwohl Christus der Halbgott oder Prophet von Zöllnern und Huren gewesen ist, meine Heteros haben mich immer verlassen, sobald sie um die erotische Dimension meiner Empfindung gewusst haben. (Natürlich von einigen Freunden mit Köpfchen mal abgesehen!)

Als ich selber in der Schule die Zielscheibe männlicher Aggressionen war, die sich vor allem auf dem Schulweg zeigte, hatte mein Vater keine heterosexuellere Empfehlung als: „Du musst Dich halt wehren“ parat. Nur: Wie konnte ich mich mit anderen Jungs prügeln, wenn ich denn lieber an ihren Schwanz gegriffen hätte?

Dies wurde bei mir kürzlich erneut aktualisiert, als sich über gaynet ein alter Schulkollege aus der Jugendzeit meldete, der den Kontakt zu mir suchte. Er habe eine Familie und zwei Kinder, aber in letzter Zeit hätten sich bei ihm so Gefühle entwickelt für Männer, für die er jetzt meine Hilfe suchte. Er ist zwar in all den Wochen seither nie wirklich bei mir aufgetaucht. Aber was zum Teufel kommt er jetzt zu mir, wo ich nie etwas mit alten Männern anfangen konnte?  Damals hätte ich wohl noch so gern mit einem Gleichaltrigen Sex gehabt. Aber damals war er eben homofeindlich und hetero. Ich fühlte mich damals auch schon verlassen!

Nun, mein Vater war zwar homophob, aber er gestand mir durchaus eine “Variante” von Männlichkeit zu. Ich verlor sehr schnell das Bewusstsein (es übermannte mich), wenn ich geimpft wurde oder viel eigenes Blut sah. Er tröstete mich damit, dass es dem besten Metzger auch so gehen könne, wenn er sein eigenes Blut sehe…

Peter Thommen_62, Schwulenaktivist, Basel

1) „Eli, Eli lama asabthani?“ (u.a. Markus 15, 34)

Hier habe ich noch eine interessante Betrachtung gefunden (siehe weiter unten auf der verlinkten Seite 2.3). Sie bestätigt meine Vermutung, dass das heterosexuelle System (die Ordnung Gottes/Oberhetero) auf einem schlauen Diskriminierungssystem beruhen, das sich entlang des Penetrationsverbotes und der Penetrationspflicht (zur Fortpflanzung) etabliert hat. Frauen sind darin zur Passivität verurteilt und spielen die Rolle, zwischen den Männern Konkurrenz um sie zu erzeugen und aufrechtzuerhalten. Dabei sind sie über dieses – sie zwar selber diskriminierende – System indirekt an der Macht beteiligt. Woraus sich eine klare Gegensätzlichkeit zu Homosexuellen ableiten lässt, die dieses ausgeklügelte archaische Landwirtschafts-, Erb-, Macht- und Politsystem durch unerwünschte “Gefühle” unterminieren könnten. Denn mit den Gefühlen – egal ob wahr oder vorgespielt – “politisieren” ja bereits die Frauen – auch gegen andere Frauen!  PT

Eine der ersten, die “theologisches Verständnis” zur Situation von Homosexuellen beitrugen war Else Kähler (1917-2011), mit einer Exegese (PDF 2 MB) zweier neutestamentlicher Stellen, in Bovet, Th: Probleme der Homophilie, Huber 1965

Zeitgeist und Homosexualität

Donnerstag, 23. Februar 2012

Die meisten “Normalen”, Homosexuellen und Schwulen glauben selbst, dass es nur wenige davon gäbe. Dabei hängt Homosexualität überhaupt nicht von der entsprechenden sexuellen Hauptorientierung ab. Es wird wohl mehr Homosex zwischen Männern gemacht, als nur unter Schwulen.

Die meisten vergessen auch, dass es soviele homosexuelle Männer für die ganze Pornoproduktion gar nicht gibt. Es sind zum grossen Teil heterosexuell orientierte, die das nebenbei und nicht nur fürs Geld machen…

Daher gehe ich davon aus, dass es weit mehr “Betroffene” gibt, als wir wahrhaben wollen. Aber das hatte schon Kinsey in den 40er Jahren des 20. Jh. festgestellt. Es können nur mehr geworden sein! ;)

Wir haben es erlebt, dass der Faschismus der 30er Jahre die Homosexualität vereinnahmt hatte, so sehr, dass es um Leben und Tod ging, sowohl in der Ideologie der Faschisten, als auch in der Lebensrealität der Betroffenen. Damals wusste man einfach zu wenig darüber.

Heute haben wir die Chance, die Homosexualität nicht nur verdeckt, oder im Geheimen zu leben, wie es die meisten Nicht-Orientierten bis heute tun müssen, sondern sie für ALLE Männer individuell zu integrieren. Verpassen wir diese Chance im neuen Jahrhundert, kann es nur wieder in einer Katastrophe enden!  Schon heute ist wieder sehr viel Körperlichkeit unter Männern in Form von Gewalt wiederzufinden…

Der Artikel unten als PDF, geschrieben für die Zeitschrift LUST  Winter 2011/12

Zeitgeist Homosexualität, 2011  PDF (1 MB)

Verklemmte HETEROS: “An alle, die meinen, dass es “cool” wäre, mit der Hose unterm Hintern durch die Gegend zu laufen – hier mal eine kurze Erklärung:
Dieser Trend entstand in den Gefängnissen der USA. Gefangene, die Sex mit anderen Mithäftlingen haben wollten, benötigten ein Zeichen, mit dem sie dies zeigen konnten, ohne dass die Wärter etwas davon bemerkten, und ohne dass es irgendwelche Konsequenzen haben konnte. Durch das teilweise Zeigen des Hinterns wurde signalisiert, dass dieser Häftling für das “Eindringen” durch andere zur Verfügung steht.”

Ein sieht das schon lange so, ohne in einem Gefängnis gewesen zu sein! :P

Homofeindlichkeit & Rastafari-Ideologie

Sonntag, 04. September 2011

Anlässlich des 30. Todestages von Bob Marley im Sommer dieses Jahres, schrieb David Signer (Ethnologe) einen Essay über Reggae und die in der Musik transportierten Lebensvorstellungen, die heute in Jamaica als eigene Kultur verteidigt werden. (NZZamSonntag, 14. August 2011, S. 67) Gleich am Anfang fragt der Autor sich: “Aber was hat es eigentlich mit der Rasta-Botschaft auf sich? Taugt das prophetisch-revolutionäre Pathos für eine Gesellschaftskritik?” “Als Vordenker der Rastafari-Religion gilt der jamaicanische Publizist Marcus Garvey, der 1927 die Vision eines schwarzen Gottes hatte, der zum König gekrönt würde. Drei Jahre später bestieg Haile Selassie I.  den äthiopischen Thron.” Äthiopien war das älteste eigenständige Land in Nordafrika mit einer ältesten urchristlichen Kirchenkultur. Ras Tafari Mekonnen lautete der bürgerliche Name dieses neuen Kaisers und er war die Hoffnung der Äthiopier und für Bob Marley und seine Musikgemeinde wurde er zum neuen schwarzer Messias, den sie nach einem Besuch in Jamaica (ehem. brit. Kolonie) wie einen Gott verehrten. Einige Rastas siedelten auch in dem afrikanischen Land, das zwar seit 1931 eine Verfassung hatte, aber absolutistisch regiert wurde. Ein paar hundert Verehrer, auch aus Schweden, Japan und den USA, lebten mehr schlecht als recht auf ein paar Hektaren Land, das ihnen zugeteilt worden war. Sie wurden von den Einheimischen aber abgelehnt.

“Während in den siebziger Jahren Hunderttausende in dem Land hungerten, feierte der Kaiser den Geburtstag seines Hündchens Lulu.” “Das alles ficht die Rastas jedoch nicht an, in ihrer Vergötterung des “Königs der Könige”, genauso wenig wie der umgekehrte Rassismus, der wichtiger Bestandteil der Rasta-Ideologie ist.” Die Rasta-Ideologie gründet auf archaischen gesellschaftlichen Vorstellungen und auf den historischen Erfahrungen der Schwarzen mit dem Kolonialismus der Weissen. Da gibt es Slogans, die jeder Rechtsextreme für sein “Volk” auch unterschreiben würde (Afrika den Afrikanern – Europa den Europäern), merkt David Signer an. Und: “Man fragt sich, wie die weissen Rastas mit dieser Ideologie umgehen.” Während Bob Marley nachgewiesenermassen ständig sexuell untreu gewesen ist, halten sich die Rastas an biblischen Werten fest, wie so oft in anderen “Bewegungen” und Glaubensgemeinschaften” auch. “Jamaicanische Sänger sind besessen von “batty men” (Schwulen) und “chi-chi gals” (Lesben). Der bekannteste Anti-Homosexuellen Song “Chi-chi man” wurde während der Wahlen von 2001 von einer früheren Regierungspartei (JLP) als Hymne öffentlich verwendet.” Wenn ich bedenke, dass das Musikbusiness mit sehr vielen Schwulen durchsetzt ist, dann frage ich mich auch, wie die das so einfach hinnehmen und totschweigen können, wenn sie Konzerte organisieren, oder Musik vertreiben! Nun, wir sehen ja, die “weissen” Rastas tuns auch, und die schwulen Rechtsradikalen haben auch kein Problem. Hier die bekannten Namen schwulenfeindlicher Rasta-Sänger: Bjuju Banton (er fordert in “Boom By Boom” dazu auf, die “Schwuchteln” umzulegen) – “Zündet sie an!”, schlägt Bounty Killer vor. Der Sänger Beenie Man sieht für Lesben den Tod durch den Strick vor: “Hang chi-chi gal wid a long piece of rope.” In der Schweiz versuchte es Capleton immer wieder mit Auftritten, die aber wegen seiner homofeindlichen “Batty man Tunes” bekämpft wurden. Man mag die Musik mögen oder nicht, David Signer bemerkt am Schluss: “… aber von der ganzen Rasta-”Befreiungsbewegung” bleibt bei genauer Betrachtung unter dem Strich nicht viel mehr als Nonsens.” Der Kaiser Ras Tafari Mekonnen ist schon längst tot. Jamaica seit 1962 ein unabhängiger karibischer Inselstaat im Commonwealth of Nations und das Kiffen hat offensichtlich weder eine “rassische” noch eine politische “Befreiung” gebracht. Und zu guter Letzt der Grund, warum in der Bibel Homosexualität (Schwule im heutigen Sinne gab es damals noch gar nicht) verboten ist: Wegen des Analverkehrs, der die Gefickten kulturell zur Frau machen soll. Dabei wusste der biblische Gott offenbar nichts von der Prostata des Mannes, die beim Analverkehr stimuliert wird und die Erektion anregen kann. Vielleicht hatte er genauso Pech mit seiner Schöpfung, wie die Jamaicaner mit ihrem Messias! Peter Thommen, Schwulenaktivist (61) Basel

Jamaican Gays and Lesbians Stopmurdermusic Hängt die Schwulen! (Uganda) Berichte auf d.radio Wissen

Woran Bob Marley glaubte (Rastafari-Religion)  Ein Skript von Deutschlandradio Kultur vom  7.5.2011

Lesben sind übrigens auch betroffen, auch wenn sie weniger in den Medien genannt werden! Hier eine Literaturliste über Bücher von Claudia Schoppmann

Das Bundesverwaltungsgericht und die Homosexualität

Sonntag, 15. Mai 2011

Anfang dieses Jahres wurde das Asylgesuch eines homosexuellen Iraners vom Bundesverwaltungsgericht in SG zurückgewiesen. Er wurde zur Rückreise in sein Land “verurteilt”. (Das BVGer ist die höchste Instanz für Verwaltungsentscheidungen unter dem Bundesgericht) Dem Asylsuchenden wird der Besitz von 75 g Heroin zur Last gelegt. (Entscheid) (Übersicht der Rechtslage in diesem Asylverfahren bei humanrights.ch)

Ich möchte mich hier auf den “Umgang des Bundesverwaltungsgerichtes” mit der Homosexualität konzentrieren. Sie ist historisch im Strafrecht zu verorten und dort nur als Handlung zwischen Männern oder zwischen Frauen. Dies mag auch ein wesentlicher Grund sein, warum das “Schutzalter” für diese Handlungen von 1942 an bis in die 80er Jahre* bei 20 und nicht wie bei heterosexuellen Handlungen bei 16 lag und dies offenbar vom Bundesgericht in Lausanne auch gestützt wurde (sh. unten: BGE 70 IV 166 und BGE 85 IV 223). Aber spätestens bei der Ratifizierung (1974) der Europäischen Menschenrechtskonvention hätte die Rechtsprechung eigentlich angeglichen werden sollen (auch in der BRD, und in Österreich bis heute übrigens!). Aber genauso wie sich die Wirtschaft seit Jahrzehnten nicht um den Verfassungsartikel kümmert, der die gleiche Lohnzahlung für gleiche Arbeit bei Männern und Frauen verlangt, so ist die praktizierte Politik mit Rechtsgütern, dem politischen Opportunismus ausgeliefert. Dabei fällt mir auch die “Instandstellungspauschale” nach Verlassen einer Wohnung ein, die von den Vermietern über Jahrzehnte eingefordert worden ist, bis jemand mal soweit ging, das Bundesgericht anzurufen (1981). Dieses entschied dann eine Rückzahlung bis auf 5 Jahre zurück…

Es ist hier die Gelegenheit, Schwulen und auch Lesben übrigens, in Erinnerung zu rufen, dass erreichte Rechtsstände weiterhin verteidigt, oder gar ausgebaut werden müssen – mit politischen Mitteln notabene! Dabei geht es nicht nur um die Angleichung des Adoptionsrechtes und anderer zivilrechtlicher Ansprüche. Was das sogenannte Schutzalter betrifft, so wurden durch das neue Strafgesetz ab 1942 einige kantonale Schutzalter dabei erhöht**! Auch das sei zur Erinnerung aller “Schutzbeflissenen” hier wieder in Erinnerung gerufen!

Doch kehren wir zur aktuellen “Gleichbehandlung von Homosexualität” durch Gerichte zurück. In die Verfassung (2000) ist die Schutzwürdigkeit einer sogenannten “homosexuellen Orientierung” nicht gerutscht. Zu nahe war das Strafgesetz, von dem natürlich auch Heterosexuelle betroffen sind. Wir Schwulen vergessen immer wieder, dass schon in der Bibel (Lauritzen: Religiöse Wurzeln des Tabus der Homosexualität, Frühlingserwachen 1983/engl. 1974) von den Männern und Frauen die Rede ist, welche “den natürlichen Geschlechtsverkehr verlassen haben”…

Wir sollten also nicht nur lernen, dass heutzutage die Mehrheit der homosexuellen Akte von Menschen “begangen” werden, die nicht homosexuell orientiert sind, sondern in heterosexuellen Ehen leben, oder sich selbst als “heterosexuell” definieren. Wir sollten auch realisieren, dass die Ideologie des “Heterrors” vor allem auch diese “vor Abweichungen schützen muss”! Das ist der Schwulenbewegung und den Einzelnen viel zu wenig klar. Das geht mir selbst genauso, wenn ich erst jetzt die detaillierte rechtliche Entwicklung genauer betrachte! (siehe unten BGE 88 IV 65)

Es ist interessant, wo das relativ neue Bundesverwaltungsgericht in Sankt Gallen in dieser Thematik steckt. Man könnte annehmen, dass die gesellschaftlichen Veränderungen auch in diesen Amtsstuben angekommen sein müssten. Als ich den Entscheid-Text las (siehe Link oben!) bin ich allerdings über folgende Formulierung gestolpert:

“In der Praxis wird Homosexualität von den Behörden im Alltag demnach geduldet, wenn sie nicht in einer möglicherweise Anstoss erregenden Art öffentlich zur Schau gestellt wird.” (Begründung Punkt 8, Antonio Imoberdorf, vorsitzender Richter, Daniel Grimm, Gerichtsschreiber)

Bei einer solchen Formulierung kann wohl nicht von einer “homosexuellen Orientierung” als bekannter und akzeptierter Begrifflichkeit bei dem Gericht ausgegangen werden.

Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie denn eine Heterosexualität in einer möglicherweise Anstoss erregenden Art öffentlich zur Schau gestellt werden könnte…  (vielleicht die Prinzen-Hochzeit in England!)

Abgesehen von der Praxis- und Rechtsferne des Bundesverwaltungsgerichtes in Bezug auf den Iran, stellt nun Axel Schubert von der HABS richtig fest: “Sich dauerhaft zu verleugnen, wird nicht nur als erniedrigende Behandlung ganz real erfahren, es macht auch krank. Doch Verleugnung zu fordern, zeugt von der Unkenntnis des Gerichts, wie sich Diskriminierung aufgrund eines unveräusserlichen Teils der eigenen Identität anfühlt.” (PrMit HABS vom 16.02.2011, PDF)  (siehe unten BGE 88 IV 65)

Handkehrum muss ich nun an die Burka und ähnliche Kleidungsstücke denken, die bei Frauen doch als wesentliches Element, entweder der weiblichen Identität, oder grad des Gegenteils davon rechtlich verstanden werden kann! Aber diese sind natürlich – rechtlich gesehen – Gegenstände, die frau einfach überziehen oder wegnehmen kann. Desgleichen gilt auch für die Homosexualität, wenn sie eben nicht als sexuelle Identität verstanden wird, sondern nur als eine – mehr oder weniger strafbare, “Alltagshandlung”, oder eben “temporäre Verkleidung”.

Aber so wie Frauen ihre Würde mittels eines Kleidungsstückes erlangen oder verlieren können, so können auch Heterosexuelle ihre Homosexualität erleben oder Abstand davon nehmen. Der Vergleich hinkt natürlich, weil das eine materiell-sichtbar ist, und das Andere sich nicht mal an einer äusserlichen einzelnen Handlung festmachen lässt.

Daher denke ich, dass wir uns weiterhin mit dem Kampf um Erweiterung der sexuellen Handlungsfreiheit begnügen müssen, auch wenn das Gesetz zur ePartnerschaft nahe legt, dass es auch eine fest zu verortende homosexuelle Orientierung geben müsste. Aber dieses Gesetz können auch Menschen unterzeichnen, die keine homosexuelle Orientierung haben. Genauso wie bei der “heterosexuellen” Ehe! Rechtsverbindlich kann eben immer nur die äussere Form sein. Das vergessen auch viele heterosexuelle PartnerInnen homosexuell aktiver Menschen. Da sind ihnen wohl Schwule einen Schritt voraus! ;)

Peter Thommen_61, Schwulenaktivist, Basel

* Politische Opportunität liess dann die kantonalen Gerichte, schon vor Einführung der Revision 1992, dann von Anklageerhebungen absehen, wenn die Beteiligten alle 16 Jahre oder älter waren.

* *Das allgemeine Schutzalter liegt zwischen 12 und 16 Jahren, einige Kantone kannten es gar nicht, andere nannten “Mannbarkeit”. (Schüle, Hannes: Die Entstehung des Homosexualitäts-Artikels…, 1983)

Siehe auch: “Dass die Ihre Organisation besonders interessierenden Bestimmungen des Art. 194 StGB revisionsbedürftig sind, liegt auf der Hand. Art und Umfang der Revision hängen entscheidend von den Ergebnissen des Vernehmlassungsverfahrens und den Beratungen im Parlament ab. Im Falle des Referendums wird das Volk zu entscheiden haben.” (Aus dem Brief des Eidg. Justiz- und Polizeidepartementes vom 26. November 1980 an die Schweizerische Organisation der Homophilen, Zürich – Dr. B. Schneider, Generalsekretär)

Neuester BGE * betreffend die Ehrenrührigkeit der Zuschreibung/Ver-leumdung von Homosexualität: “Dem Beschwerdeführer ist beizupflichten, dass es nicht per se ehrenrührig ist, einen Menschen als homosexuell zu bezeichnen, da Homosexualität weder unsittlich noch unethisch ist. Zugleich ist aber festzuhalten, dass auch bei einer solchen Äusserung eine Ehrverletzung gemäss Art. 173 ff. StGB nicht immer ausgeschlossen werden kann. Davon geht ebenso die Vorinstanz aus. Ihres Erachtens kommt es für die Beantwortung der Frage, ob die Äusserung, jemand sei homosexuell, ehrverletzend sei, auf das soziale Umfeld des Betroffenen und der Adressaten der Äusserung an.”  …   “Ebenso beinhaltet die Aussage, dass ein Jugendleiter homosexuell sei, nicht, dass er pädosexuelle Neigungen habe.” (BGE 6B_983/2010, 19. April 2011, Strafrechtliche Abteilung)

Bei der anhaltenden Pädo-Hysterie ist das eine typische Beurteilung aus dem Elfenbeinturm! P. Th. (*auch Suche beim BGer unter Homosexualität, April 2011 möglich)

2011 “Die Stadt Moskau war vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg im vergangenen Jahr zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil sie Homosexuellen Kundgebungen verboten hatte. In diesem Jahr berief sich die Stadtverwaltung auf internationale Konventionen zum Kinderschutz. Es bestehe die Gefahr, dass Kinder beim Anblick von Homosexuellen traumatisiert würden, zitierte Schwulenverbandschef Nikolai Alexejew aus dem Schreiben der Behörde. Er will dennoch für diesen Samstag eine Kundgebung für die Rechte von Schwulen und Lesben organisieren. (dpa)

2011 Vorwürfe wegen “Pädophilie” gegen Politiker in Irland

 

 

oben zitierte Bundesgerichts-Entscheide: BGE 70 IV 166 (29.9.44): “Ganz abgesehen davon ist widernatürliche Unzucht sittlich verwerflich, auch wenn sie nicht strafbar ist.” (Zitat auf S. 166, Entscheid ab S. 163)

BGE 85 IV 223: “Das Gesetz fasst die widernatürliche Unzucht als etwas grundsätzlich anderes auf als den Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau; es erachtet die Gefahren, die für einen jungen Menschen mit der widernatürlichen Unzucht verbunden sind, in gewissem Sinne als grösser und hat entsprechend das Schutzalter höher angesetzt.”

BGE 88 IV 65: “An der bisherigen Rechtsprechung ist daher festzuhalten. Von ihr abzuweichen, besteht umso weniger Anlass, als die Gefahr, dass Jugendliche in das Treiben Homosexueller hineingezogen werden, seit Erlass des Gesetzes zugenommen hat.”

(Die BGE wurden zitiert aus: HAZinfo, März 1975)

Anmerkung: Es ist hier ausschliesslich von Tätern und auf diese bezogen von männlichen Jugendlichen die Rede, sonst ginge es ja nicht um Homosexualität! Für die weibliche Variante interessierte sich keineR¨;)

Muttertag – Sohnesmütter

Samstag, 07. Mai 2011

durch die rosa Brille geguckt! ;)

Mütter und ihre Söhne, statt Söhne und ihre Mütter!

Kürzlich traf ich einen jungen Mann gegen die 30ig, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Mir fiel auf, dass er ziemlich abgemagert ist und auch ein wenig „verschrumpelt“. Nach zwei drei Worten gestand er mir, dass seine Mutter vor drei Monaten gestorben sei. Ich weiss aus seiner Biografie, dass er vor Jahren eine „Klemmschwester“ war…

Bei dieser Gelegenheit und dem Nachdenken darüber wurde mir wieder einmal bewusst, wie sehr wir auf Täter und Väter fixiert sind und an den Frauen, Müttern und Täterinnen vorbeischauen. Sie sind kulturell der Opfer-Rolle zugeteilt. Wann immer ein Mann einer Frau etwas antut, „tut er es, weil er ein Mann ist“. Wann immer eine Frau einem Mann etwas antut, hat sie vorher „bestimmt Probleme gehabt“. Wann immer ein Sohn leidet und nicht von seiner Mutter los kommt, fällt die Definition über ihn: Er ist ein „Muttersöhnchen“.

Als Schwuler habe ich gelernt, dass Frauen und Mütter erstmal „nichts tun“ und doch sehr tatkräftig im Leben von Kindern mitwirken. Aber fürs Nichtstun kann keine bestraft werden. Die meisten Mütter merken es, wenn ihre Söhne sich homosexuell orientieren. Aber sie sagen nichts. Viele Frauen glauben, was nicht gesagt wird, ist nicht existent. Vielleicht gemäss ihrer Fremddefinition durch die Männer. Frauen waren ja immer nur „mitgemeint“ mit den männlichen Bezeichnungen…

Während es durchaus auch Frauen gibt, die – vor allem als Alleinerziehende – ihre Unterwäsche und Dessous in der Wohnung herumliegen lassen, damit ihr Sohn „nicht schwul wird“, gibt es auch nicht wenige Frauen, die ihre Söhne mehr oder weniger als Liebhaber missbrauchen. Ganz sanft und natürlich ohne offensichtlich sexuelle Bedeutung.

Sigmund Freud hat die Theorie aufgestellt, dass in der heterosexuellen Familie, die Söhne ihre Mütter, und die Töchter ihre Väter begehren würden. Die vereinzelt bekannt gewordenen Fakten und die grosse Diskussion um den „sexuellen Missbrauch“ herum, hat sichtbar gemacht, dass Freud entweder irrte, oder ver-wirrte! Wenn Väter ihre Töchter sexuell missbrauchen, dann können das auch Mütter mit ihren Söhnen tun. Nur weil sie keinen Penis haben (über den ja immer noch weitgehend „richtiger Sex“ definiert wird), schliesst das eine mögliche Täterschaft nicht aus. Ja eigentlich müssten wir das Strafgesetz um-schreiben, weil es eigentlich immer nur von Tätern handelt, aber selten auch von Täterinnen…

In der heterosexuellen Familie werden also die Kinder gegengeschlechtlich sexualisiert. So wird die Heterosexualität auch in zukünftige Generationen weiter tradiert. Dass da Mütter mit schwulen Söhnen Probleme damit haben, statt – wie vielfach behauptet Verständnis – liegt doch auf der Hand. Ein Bekannter von mir erzählte mir kürzlich, dass er in Griechenland beobachtet habe, dass Mütter den Kopf ihrer kleinen Söhne meistens an die Schamgegend nehmen, um sie wirksam zu trösten. Diese gewöhnen sich dann auch an „den Geruch“. Wenn es übertrieben ist, enthält es sicher doch einen Kern Wahrheit.

Ich will jetzt keine Beispiele von Muttersöhnchen aufführen, sondern mal die übliche Betrachtungsweise umkehren! Heterosexuelle Mütter wollen von den Söhnen, die sie geboren haben, auch geliebt, ja begehrt werden. Sonst gibt es grosse Enttäuschungen. Bestraft wird nicht mit einem Penis, sondern mit Liebesentzug. Das schlechte Gewissen beim Sohn wird unmerklich aufgebaut. Die Vorwürfe sind selten offen ausgesprochen, sie werden dem Opfer „signalisiert“. Die nonverbale Kommunikation zwischen Männern und Frauen ist DAS grosse Problem der Heterosexuellen. Also kann es auch gegenüber Söhnen aktiv-wirksam eingesetzt werden!

Eine Mutter kann ihren Sohn auch durch Gewährenlassen abhängig machen. Nicht sexuell. Aber bei Geldangelegenheiten, Gefühlsbedürfnissen und Drogensucht als aktueller Faktor. Wir erinnern uns vielleicht noch der bösen Stiefmutter aus den Märchen. Aber in diesen Fällen war die Manipulation wohl so stark, dass sie niemannd mehr übersehen konnte!

Der Psychiater Fritz Morgenthaler (1919-1984) hat eine interessante Theorie über die sexuelle Orientierung vorgelegt: Danach spielt das Bewusstsein der Trennung vom mütterlichen Körper, das erst einige Zeit nach der Geburt entsteht, die entscheidende Rolle. Die einen finden sich damit ab und suchen immer wieder einen mütterlichen Körper, die anderen entwickeln Autonomie und „verschaffen sich ihre Lustgefühle selbst. Diese Säuglinge belegen die eigene Person, das eigene Geschlecht mit sexuellen Gefühlen.“ (zit. n. Braun/Martin: Gemischte Gefühle. Ein Lesebuch zur sexuellen Orientierung, Rowohlt TB 2000, S. 21-22)

In einem psycho-historischen Text habe ich einmal gelesen, dass in früheren Zeiten den Müttern die Söhne ab dem 7. Lebensjahr weggenommen worden sind, „damit sie richtige Männer werden konnten.“ In der islamischen Kultur werden Jungen zwischen 7 und 14 Jahren beschnitten. Die Beschneidung der Mädchen wird übrigens von Frauen/Müttern ausgeführt. Diese ist vorislamischer Herkunft und darf als symbolische Herrschaft/Frauschaft über die kommenden Generationen verstanden werden.

In einem Film über die Geschlechtsanpassung eines Partners in einer homosexuellen Beziehung im Iran, erfuhr ich folgendes Erstaunliches. Nachdem also der Sohn einer Mutter operativ zu einer Frau geworden war, änderte diese ihr Verhältnis zur „neuen Tochter“ völlig. Sie konnte nun Mutter-Tochter-Gespräche mit ihm führen, da sie ihn ja nicht mehr an eine andere Frau hergeben müsse. Das sei bei Söhnen nicht möglich. Allerdings zog sich dann der schwule Partner zurück, weil er ja das gewünschte Geschlechtsorgan nicht mehr vorfinden konnte. Für Schwule eine logische Konsequenz. Für den iranischen Staat aber, der das ganze noch finanziert, um die Mann-Frau-Konstellation zwingend herzustellen, völlig uninteressant.

(Interessant für mich war, dass Mütter im Iran, ihr Verhältnis eher distanziert halten zu ihren Söhnen, im Gegensatz zu den unsrigen. Und natürlich wird ein Mann nicht so schnell zur “Tochter” mit einer körperlichen Operation.)

Für das heterosexuelle Spiel braucht es die entsprechenden Körperformen. Das muss genügen… So können wir vielleicht erahnen, dass homosexuelle Beziehungen (anders als Kontakte und flüchtige Erlebnisse) wohl anders aufgebaut werden als die heterosexuellen Beziehungen.

Und wir sollten nicht nur ein besonderes Auge darauf haben, was Väter „antun“. Auch was Frauen und Mütter unterlassen oder verschweigen, kann ähnlich verheerend sein.

Peter Thommen, Schwulenaktivist, Basel (61)