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Das Osterei als schwules Symbol

Donnerstag, 28. März 2013

gewidmet René Reinhard, 18.11.1939 – 5.4.2013 *

Während die Heteros seit über zweitausend Jahren von der Fruchtbarkeit schwafeln und die Hühner und Gockel für unfähig betrachten, ihre eigenen Produkte zu verteilen, haben sie auch noch den „sexbesessenen“ Hasen für diese Aufgabe erwählt.

Doch so fruchtbar ist die ganze Angelegenheit gar nicht! Denn Ostereier sind ja „unbefruchtet“, sonst sind sie nicht essbar! Und für Leute, denen die bemalten Eier schon lange auf den Sack gehen, ein Färbetipp: Eier mit Bindfaden umwickeln oder darunter noch Blätter und Gräser beigeben, oder alte abfärbende Krawattenstücke – und diese in einem Sud von Kaffee oder Zwiebelschalen (drum wickeln) kochen.

Aber ich sehe schon, dass Einige sich jetzt den Vogel machen! (lol) Was haben Ostereier mit Schwulen zu tun? Naja, bunt wie ein Regenbogen sind sie meistens schon. Und Eiertütschen findet nicht nur unten statt, sondern mittels verbalen Stössen auch oben durch, was zeigt, wie gemein und wie „eindrücklich“ Schwestern sein können…

Ich habe allerdings kein Hodentrauma, wie man vermuten könnte. Obwohl ich mich an eine Begegnung in einer Klappe erinnern kann, bei welchem der geile Kerl nicht dahin griff, wo ich es gerne gehabt hätte, sondern an meine Eier – und kräftig drückte. Aber in diesem Bereich gibt es noch ganz andere Fetische…

Den Ostereiern wird also die Fortpflanzung vorenthalten, damit sie als „unfruchtbare“ Delikatesse bei Menschen auf den Tisch kommen! So ähnlich wie man/frau es den Schwulen vorwerfen tut – aber das kommt nicht auf den hetero Tisch. Weder Hühner noch Hähne beschweren sich. Fürs wirt-schaftliche Eierlegen braucht es zwar einen Gockel, aber er soll die Hühner nicht besteigen. Allein die Vorstellung der Hühner, was der durch einen Drahtzaun von ihnen getrennte Gockel mit ihnen alles anstellen würde, ist schon wieder sehr „schwulenfreundlich“.

Die dünne Schale des Eies, zwischen innen und aussen, symbolisiert für mich auch die Nähe von Männersex und Fortpflanzung. Mit anderen Worten: Die Homophobie ist ein zerbrechlicher Schutz vor der Neugier aufs andere Ufer, jenseits der Fortpflanzung. So frönen denn viele menschliche Gockel der ho-mosexuellen Lust, ohne dass es die Hühner bemerken, oder überhaupt zur Kenntnis nehmen wollen.

So dünn wie die Schale ist auch die Maske der Junghomos gegenüber der Familie und der Gesellschaft. Jederzeit kann sie einbrechen und ihr schwules Gedankenparadies zerdeppern. Bei vielen Junghomos kleben Reste davon noch hinter ihren Ohren, die ihnen den Selbsthass und die Homophobie in Erinnerung behalten, denen sie ungefragt immer wieder begegnen müssen.

Auch die sogenannte „Toleranz“ ist nur so dünn wie Eierschalen, denn sie hat strenge politische Altersgrenzen. Wie schnell wollen Mütter, PolitikerInnen und Staatsanwältinnen einen Schwulen „für immer wegsperren“, während es normal ist, dass junge Mädchen von erwachsenen Männern „eingeführt“ wer-den – oder junge Knaben von erwachsenen Frauen. Da träumen die letzteren schon mal öffentlich in Leserbriefen zu Berichten über „Sexualtäterinnen“ davon, dass sie „es“ schon immer mit ihrer Lehrerin, Nachbarin, etc. gewollt hätten. Ich wage nicht, mir vorzustellen, wenn Schwule in aller Öffentlichkeit ebenso von Lehrern, Erziehern, Sozialarbeitern träumen, mit denen sie in ihrer Jugend so gerne…

Hingegen ist es „normal“, wenn Eltern, Schule und andere Gruppen die schwulen Eierschalen eines Junghomos unabsichtlich oder auch absichtlich eindrücken, bis der ganze Inhalt ausgelaufen ist. Die MoralistInnen entscheiden schliesslich, wer das Opfer zu sein hat, unbekümmert darum, ob der Kontakt „einvernehmlich“ war oder nicht. Meistens ist eben schon die Homosexualität an sich „der Missbrauch“. Dieser Umstand ist immer von Anfang an abzu-fragen, bevor Schuldzuweisungen aufgehäuft werden.

Der neue Feminismus bekämpft den Penis und vergöttert die Jungfrau Vagina. Sie ist heilig und kann bereits über Leben und Tod – auch von Schwulen ent-scheiden, denn wir haben ihm die Abtreibung überantwortet. In Indien werden Mädchen durch Ultraschalluntersuchungen festgestellt und anschliessend ab-getrieben. Nicht zuletzt auch unter dem Druck von Schwiegermüttern. Was hat das mit Schwulen zu tun?

Bevor ich darauf eingehe, möchte ich daran erinnern, dass es auch im weib-lichen Körper Eier hat, die befruchtet werden können.

Und nun zu Jonathan Tolins, einem Theaterautor aus den USA. Er schrieb das Stück „Der letzte der Golds“, 1993 uraufgeführt am Booth Theatre in New York. Später aufgeführt in der Komödie Basel. 1994 adaptiert als Hörspiel für SRF von Claude Pierre Salmony.

Die Geschichte handelt in einer fiktiven Zeit, in der die sexuelle Orientierung genetisch ablesbar ist. Dean Hamer hatte 1993 angeblich ein „Schwulen-gen“ (XQ28) gefunden. Tolins führte dessen Theorie in ein konkretes Drama über. Darin erwartet die Schwester eines Schwulen einen homosexuellen Sohn. Die Diskussion führte darum, ob er abgetrieben werden sollte oder nicht. Ich war Zeuge der Publikumsdiskussion, die nach der Aufführung angesetzt worden war. Es wurde behauptet, das zentrale Thema sei gar nicht die Homosexualität, sondern die Abtreibung. Man könnte mir jetzt wie immer unterstellen, ich sei „frauenfeindlich“. Aber es fällt schon immer wieder auf, wie soziale Stress-Situationen beschrieben werden, wenn Frauen „beteiligt“ sind, oder wie deren Verantwortlichkeit „entschärft“ wird.

Der jüdische Autor beschreibt eine kulturell doppelt „gebundene“ Situation. Einerseits wird man nur jüdisch durch eine jüdische Mutter, andererseits zieht diese Kultur die Männer vor. Einerseits hat die „Mutter“ einen schwulen Bruder und andererseits soll sie einen „unfruchtbaren“ Sohn austragen. Sie steht also in einem familiären UND kulturellen Dilemma! Soll die jüdische Mutter ihren Bruder für eine Abtreibung um Verzeihung bitten? Oder ihre Familie für einen schwulen Sohn?

„Die Eltern und Rob drängen Suzanne zur Abtreibung. Suzannes schwuler Bruder David kann es nicht fassen, dass seine bis dahin so liberalen Ver-wandten so denken. Er kämpft um das Leben seines ungeborenen Neffen. Schließlich überzeugt er Suzanne, das Kind auszutragen. Aber unter dem Druck ihres Mannes und ihrer Eltern entschließt sie sich doch zur Abtreibung – viel zu spät: Sie wird nie wieder ein Kind bekommen können. „ (aus dem Inhalt)

Und einmal mehr geht es „heterofriendly“ ab: „Entscheidend ist dabei nicht immer die Homosexualität an sich, sondern die Bedeutung, welche die einzelne Mutter der gesellschaftlichen Meinung und Erwartung beimisst.“ (Claudia Mül-ler: Mein Sohn liebt Männer, 2008, S. 98)

Peter Thommen_63, Buchhändler, Schwulenaktivist, Basel

Gästebuch

 

* er hätte geschmunzelt über diese Ostereier…

“schwule Prostitution” ?

Dienstag, 20. November 2012

Das Buch „Männer kaufen“ von Oliver Demont zieht durch die bürgerliche Presse, die sich genüsslich oder moralisierend daran delektiert. Wobei tunlichst verschwiegen wird, was die Prostitution unter Männern – die mit „homosexuell“ bezeichnet werden muss – in der Gesellschaft des Heterrors für eine Funktion hat. Mit der Bezeichnung „schwule Prostitution“ wird nämlich so vieles ausgeklammert, was diese Form der Prostitution aber beinhaltet.

Susann Sitzler, die sich schon mit dem Buch „Motherfucker“, von Dawson befasst hat, versuchte, sich auch diesem Thema anzunähern (Basler Zeitung vom 18. November 2012). Ich wundere mich immer wieder, wie wagemutig Frauen sich mit der männlichen Homosexualität befassen – das gilt vor allem für Vorträge und „Selbstvertiefungs-Arbeiten“ an Schulen.

Es frauscht das Vorurteil, dass Frauen Homosexuellen gegenüber „toleranter“ seien, als die Männer. Wenn ich aber bedenke, dass viel mehr Homosexualität unter Männern praktiziert wird als unter Schwulen überhaupt, dann wundert mich das nicht mehr – mit den Männern. Mich wundert auch nicht, dass die Toleranz der Frauen da plötzlich aufhört, wo es um ihre Ehemänner oder Söhne geht…

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass bürgerliche Männer gerne totschweigen, was sie hintenherum so treiben und dass bürgerliche Frauen auch gerne totschweigen, wenn sie Männer heiraten, die homosexuelle Bedürfnisse haben – verharmlosend als „Neigungen“ apostrophiert, oder Söhne besitzen (!) die den Männern nachschauen, egal ob Kind oder Jugendlicher.

Während in der Heterosexualität die Täter-Opferinnen-Symmetrie schnell klar „auszumachen“ ist, wird das „unter Tätern allein“ schon etwas schwieriger. Die schweizer Justiz hat das Problem 1942 „elegant zu lösen versucht“: Mit einem höheren Schutzalter bei der Homosexualität der Männer (bis 20 statt nur bis 16 wie bei den Heteros/as). Von Frauen als Täterinnen unter Frauen war keine Rede. Das war unvorstellbar. Die gleiche Lösung liegt auch jetzt wieder Frau Sommaruga vor: Für Prostitution soll das „Schutzalter“ generell wieder bis 18 Jahre gelten – und bestraft werden sollen nur Männer…  (Was damals wie heute gegen die Verfassung verstösst/verstossen würde!)

Ich erinnere mich gerade an Henriette Kuhrts Interview mit Roy F. Baumeister (Zitat): „Männer gehen mehr Risiken ein als Frauen“ (NZZaS, 18. November 2012, S. 77) und über das Weinen: „Tränen sind in einer engen Beziehung sehr hilfreich, aber in der Öffentlichkeit sind sie ein Problem. Politiker, die öffentlich weinen, beschädigen ihre Karriere.“

Kuhrt verschweigt aber geflissentlich, dass es viele Frauen gibt, die sich keine solchen Tränen-Männer wünschen! Erstens sind die Tränen für die Mutter vorbehalten und nicht auch gegenüber den Vätern erwünscht. Und zweitens muss es für die intime Beziehung mindestens eine andere Technik der Macht und Beeinflussung geben, als für die öffentliche Politik. Ob Frauen öffentlich auch weinen würden, stelle ich mal dahin. Jedenfalls wäre die Wirkung eine völlig andere als bei Männern…

Zu meiner Verärgerung besteht heute eine Tendenz, „politisch korrekt“ antibürgerliche und subversive Verhaltensweisen, oder sogar Sexualbedürfnisse „zurechtzurücken“ bis sie „passen“ – nach dem Motto: Wir sind doch alle nur Menschen – statt ehrlich bemüht Widersprüche offenzulegen wie das die Schwulenbewegung vor 40 Jahren noch überzeugend getan hat.

Leider dürfen wir weder von Henriette Kuhrt, noch von Susann Sitzler erwarten, dass sie einen Blick durch die rosa Brille werfen. Eher sind wir Männer angehalten, auch mal den Standpunkt der Frauen einzunehmen, egal ob wir schwul oder hetero, oder beides zusammen sind. Aber ich schwöre, es gibt eher eine „eheliche Prostitution“ als eine „schwule“…

Peter Thommen_62, Schwulenaktivist, Basel

P.S. siehe auch Claudius Babst: Sexualität im Leben… (in Medien), NZ 1983 – als Anregung zum Thema!

P.S. vom 26.11.2012: Der Passus über die 2. Runde Regierungsratswahlen in Basel wurde entfernt.

P.S. Zum Buch von Demont:  Ich habe heute darin gelesen, aber nichts neues erfahren, was nicht schon in vergangenen Jahren und auch aus anderen Teilen der Welt geschildert wurde. Neu sind die einfachere Reisemöglichkeit in andere Länder und die zentralen Kommunikations-möglichkeiten der neuen Elektronik.

Man kann das Buch kaufen wegen der Fotos von Walter Pfeiffer. Man kann das Buch kaufen wegen der grafischen Gestaltung. Wegen des textlichen Inhalts muss keineR dieses Buch kaufen…

Ich bin immer wieder beeindruckt, wie selbstverständlich die darin geschilderten Verhältnisse der jungen Männer akzeptiert werden, wenn es nicht um Sex als Erwerb geht. Sei es in einer Lehre, auf wechselnden Jobs, oder in wechselnden Familien- oder Beziehungsverhältnissen. Da schreit kein Huhn und kein Hahn! Erinnern möchte ich nur an die sogenannten “Verdingkinder”, für die man/frau sich aus heutiger Distanz ja problemlos entschuldigen kann. Andere mögen in Büchern von Jeremias Gotthelf weiterlesen…

Aber weibliche und männliche Medienleute, PolitikerInnen und GesetzeshüterInnen sind ausgezeichnet im Ausblenden der realen gesellschaftlichen Verhältnisse. Der Heterror diskriminiert die Homosexualität, produziert  ”TäterInnen” und “OpferInnen”, die je nach Ansicht oder Regie ihre Rollen wechseln können. Der gleiche Heterror beutet dazu noch Freier und Escorts/Stricher gemeinsam aus – also beide, wiederum in wechselnden Rollen. Mit Vorschriften und Kontrollen und Mitleid mal mit den Einen oder den Anderen…

Nur über die wirtschaftlichen Verhältnisse wird einfach geschwiegen. Da muss dann das Sexualstrafrecht herhalten und sich von der Politik ficken lassen. Was das Strafrecht wiederum unbenommen an die Betroffenen weitergibt. Wie es sich im hierarchischen und monetär bestimmenden Markt so richtig gehört. Der mediale Aufschrei macht betroffen, doch ausser Gesetzen ändert sich nie irgendetwas. Auch nicht die zunehmende fehlende Selbstbestimmung der Beteiligten.

Ich betrachte es als ein Menschenrecht, seinen Körper zu verkaufen, ob Kopf, Hände oder Schwanz. Auch ein “Schutzalter” von 30 Jahren ändert nichts an den ökonomischen Gründen. Aber nur moralischer Schutz ist politisch durchsetzbar. Die ökonomischen Verhältnisse sind nicht zu ändern! So stiehlt sich bürgerlich/feministische Politik aus der politischen Verantwortung! (Zusatz 10.1.13)

Es gibt persische und türkische Sprichwörter, die besagen, wie vorteilhaft es ist, der Geliebte eines grossen Herrn zu sein. Eins, das in freier Übersetzung lautet:

“Es gibt persische und türkische Sprichwörter, die besagen, wie vorteilhaft es ist, der Geliebte
eines Grossen zu sein, eins, das in freier Übersetzung lautet: „Das meiste erreicht ein Mann mit seinem Gesäss, entweder indem er sich darauf setzt und arbeitet, oder indem er es einem grossen Herrn zur Verfügung stellt.“ (Hirschfeld, 1914)

Peter Thommen_62, und alt geworden ohne Stricher  5.12.2012

P.S. in eigener Sache: Seit längerer Zeit mache ich den Arbeits-Strich vor der Rente, wie so viele Andere auch. Also neben dem Laden eine “unselbständige Erwerbstätigkeit” mit Billiglohn…

Verbot der “Kinderprostitution” bis 18!

LanzParl13

Frauen und schwänze

Montag, 17. September 2012

Ich kann völlig verstehen, wenn sich Frauen darüber nerven, dass Männer an ihrem Hosenschlitz herummachen, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Oder sich körperlich aufdrängen. Das möchte keineR. Abgesehen von der verheimlichten Homosexualität, die manchmal zu so verklemmten Mitteln greifen muss, um nicht an die Frau, sondern endlich an einen anderen Mann zu kommen!

Nun, viele Erektionen haben auch organische Ursachen und sind gar nicht auf andere Personen bezogen. Aber das wissen die wenigsten von uns allen. Vor allem die Kinder und Jugendlichen nicht, die damit allein gelassen werden und im schlimmsten Fall ein schlechtes Gewissen dafür entwickeln…

Aber darauf will ich gar nicht hinaus. Ich finde nur, ich sollte das vorausschicken, wenn ich auf ein zufälliges Erlebnis kommen möchte, das so selten eigentlich gar nicht ist.

Wir stehen vor dem Hirscheneck an einem lauen Sonntagabend, bei Bier und guter Laune. Schwule, Heteros und Frauen. Ich weiss gar nicht mehr genau, was alles vorher geredet wurde. Ein Wort gab das andere und schliesslich ging es plötzlich um Schwänze – ein, zwei Sätze nur. Natürlich auch um die grossen! Ich bemerkte, dass es nicht nur Vergnügen bereitet, einen solchen zu haben. Ich wiederhole: „zu haben“! Schliesslich hätte ich auch schon einige gehabt…

An dem Tisch waren auch zwei Frauen. Na und? Fand ich eben auch. „Hehe es sind schliesslich Frauen am Tisch!“ Ich will jetzt nicht schildern, was mir dann alles durch meinen schwulen Kopf geschwirrt ist.

Aber wieso wollen Frauen weder zufällig, noch situationsgerecht über Schwänze reden? Sie gebären welche und vor dem Gebären brauchen sie welche…

Ach, ich erinnere mich wieder: Schwule seien doch alle so schwanzfixiert! Aber mit den Körbchengrössen, oder gar den Titten hat keineR ein Problem! Na also, fuhr es mir durch Kopf und Mund: „Wieso interessieren sich ausgerechnet Heterofrauen nicht für Schwänze?“

Ich habe in den letzten Jahren fast nur mit Hetero-Männern Sex gehabt. „Ja und wissen denn ihre Partnerinnen überhaupt davon?“

Das geht die doch gar nichts an. Wozu sollen Frauen um etwas wissen, was sie eh nicht selber bieten können! Einen Schwanz – und sei es nur zum Vergleichen. Ganz zu schweigen von anderen Lustbarkeiten…

Zitat aus einem zufälligen Text: „Auch in meinem Bekanntenkreis habe ich einige Möchtegern-Tolerante. Aber wenn ich mal über meine Bedürfnisse sprechen möchte, bekomme ich regelmässig den Satz zu hören: „Ich akzeptiere deine Homosexualität, aber können wir nicht über etwas anderes sprechen!“ (Christian in Spot25-Nachrichten Nr. 2, S. 3-4, 1997)

Grundsätzlich fängt das Schweigen über die „Schwanzfixiertheit“ von Jungen bereits bei den Müttern an! Es geht weiter über die Freundinnen bis zu den Ehefrauen. Logisch, dass auch sonst in der Gesellschaft kein Gesprächsraum für „so was“ vorhanden ist! Auch nicht spontan und auch nicht zufällig! Einfach NICHT!

Ich habe mir am vorausgehenden Freitag wieder mal den Film „Katzenball“  (V. Minder) über lesbische Biografien, von den 40gern des letzten Jahrhunderts bis 2005, angeschaut. Übrigens sehr empfehlenswert und angeboten von der HABS, im Neuen Kino!

Ich erinnerte mich plötzlich an die emotionalen Worte von Heidi, die sinngemäss etwa sagte, dass eben nicht nur Gewalt und offene Diskriminierung einer Lesbe die Sprache verschlagen. Es sind auch die vielen kleinen Momente, in denen sie überlegt, soll ich etwas sagen, soll ich identisch sein, soll ich zu meinen Bedürfnissen stehen, oder nehme ich ständig Rücksicht auf alle andern?

Nun bin ich halt nicht bekannt als jemand, der sich dem Schweigen beugt. Und daher überlegte ich nicht lange herum, sondern tat so, wie Heidi im Film indirekt empfohlen hatte. In der Konsequenz dann war ich hetero-, respektive frauenfeindlich; und „natürlich“ kam von Frauenseite kein Spruch, oder gar ein Beitrag. Nein.

„Hehe, es sind Frauen am Tisch!“

Peter Thommen_62, Buchhändler und Schwulenaktivist, Basel

zur hp von Katzenball (2005)

Während die Mösendebatte bis zur Ohnmacht geführt wird, werden Schwanzdebatten einfach ignoriert! ;)

Christopher oder Christina?

Montag, 02. Juli 2012

Darüber stritten sich die Schwulen mit den Lesben vor einem Jahr in München. Der gutgemeinte Vorschlag, mal einen Christina-Street-Day zu feiern, prallte an zum Teil „wütenden“ Schwulen ab. Nun, es feiert ja auch keine einen „Nikolaus-Innen“-Tag am 6. Dezember… (Diese Debatte – „Wenn Schwule frauen hassen“ – ist zusammengefasst und nachzulesen bei Jürgen Voss)

Ich meine, dass die „Emanzipation“ der Lesben in der „Homosexuellen-Bewegung“  weder mit „Adam und Steve“, noch mit „Ada und Eve“ zu erreichen ist. Regelmässig kocht die Diskussion um die „männliche Bedeutung“ des Wortes „homosexuell“ hoch. Lesben „verschwinden“ meistens hinter diesem Wort und fühlen sich nicht „abgebildet“ darin.

Diese Diskussion zeugt von der Ignoranz unserer Geschichte und Vergangenheit: In den meisten Ländern sind homosexuelle Frauen nicht explizit (namentlich nicht erwähnt in Strafgesetzen) verfolgt worden – ganz einfach, weil sie nicht als „strafrechtlich ernst“ genug genommen worden sind! Frauen haben ganz allgemein erst seit ca. 100 Jahren eine eigenständige Sexualität zugestanden bekommen! Das sollte vor allem in den Diskussionen um historische Dokumente berücksichtigt werden. Wir tun meistens alles in einen Topf und sehen alles mit unseren heutigen Augen. Das ist unwissenschaftlich und ungerecht!

Auch die Lesben sollten berücksichtigen, dass die Opferperspektive eigentlich eine sexistische ist! Alles was einen Schwanz trägt und sich nicht penetrieren lässt (lassen darf!), ist Täter. Sogar Schwule machen da keine Ausnahme – auch wenn sie sich schon mal penetrieren lassen. (In den Strafgesetz-Texten sind Frauen mit „Täter“ immer nur theoretisch mitgemeint.) Die Nationalsozialisten mussten sich mit der „halbherzigen“ Bezeichnung  „Asoziale“  für Lesben behelfen…

Gerade kürzlich hatte ich eine Cousine im Gespräch, die – als Mutter von einem Sohn – auch als jetzt letztlich lesbisch lebende Frau diese hetera Sichtweise vertritt. Daher ist es recht schwierig, Frauen und Lesben als „Verbündete“ von homosexuellen Männern zu betrachten, die ihre Söhne ja vor uns schützen wollen. Doch wer schützt ihre Töchter vor den Frauen??

Ein weiteres Beispiel – aus Joachim Braun: schwul und dann? (Beratungs-Interview mit einer Mutter)

„Wie geht es Ihnen denn mit schwuler Sexualität?“ – (nachdenklich) „Ich weiss, es ist absurd, aber bei Heterosexuellen stört mich der Analverkehr nicht – bei Homosexuellen stösst er mich ab.“ 

„Warum“? – „Weil der passive Teil irgendwie degradiert wird; aber ein Mann, der sich degradieren lässt (zögert) … ist in meinen Augen unmännlich.“ (Querverlag 2006, S. 38-39)

Diese Mutter wird nicht die einzige sein, die diesen Sexismus einfach an ihre Söhne weitergibt, egal ob hetero oder homo.

Historisch-biblisch gesehen macht sich nicht nur der Penetrierer eines Mannes, sondern auch der penetrierte Mann selber eines „Verbrechens“ schuldig. Ähnlich wie das als Vorurteil gegenüber Frauen auch verwendet wird.  Aber es heisst nirgendwo, dass eine Frau nicht wie eine Frau bei einer Frau liegen darf…

Während also durch den Penetrierakt ein Mann seine Männlichkeit verlieren kann, gibt es juristisch und kulturhistorisch beim Sex zwischen Frauen keinen „Verlust“ zu beklagen. Eine Frau bleibt eine Frau – egal mit welchem Geschlecht sie Sex hat.

Wir müssen also aufpassen, dass wir uns nicht in unserem eigenen kulturellen Sexismus verfangen. Und nach der Feststellung der eigenen Sexualität von Frauen, konnten sie wohl trotzdem nicht als Täterinnen klassifiziert werden. Während das Schutzalter unter den Männern noch heute ein hochemotionales Thema ist, war davon zwischen Frauen niemals die Rede. Entweder „gab es das einfach nicht“, oder die sexuellen Übergriffe wurden nicht sicht- und definierbar. Aber logischerweise kann die Frau, mit fortschreitender Emanzipation, nicht weiterhin als Täterin einfach „übersehen“ werden. (Das gilt nicht nur für eine „Rote Armee Fraktion“!)

Ich habe schon in den 80er Jahren die gesamtschweizerische Statistik für die Bestrafung von „homosexuellen Übergriffen“ beobachtet. Dabei fallen die Frauen kaum auf. Mir war immer irgendwie unklar, wie die Lesben erst als erwachsene Frauen quasi vom Himmel fallen konnten und dann erst gesellschaftlich auftraten. Der ehemalige Art. 194 StGB CH galt von 1942-1992 für beide Geschlechter und schützte beide bis 20. Wichtig aber war nur der Schutz der Jungs!

Die Sexualität und das Sexualleben einer Frau werden bis heute anders beurteilt als bei den Männern! Einer leiblichen Mutter kann man heute nur schwer ihr Kind wegnehmen, was bei einem Vater durchaus leichter fällt. Ich will mich aber hier nicht dem Vorwurf aussetzen, Lesben würden nicht diskriminiert.

Aber WIE werden sie denn diskriminiert und worunter unterscheidet sich das von den Männern? Dieses Genderthema scheint keineN so richtig zu interessieren. Die Diskriminierung von Lesben wird „politisch korrekt“ öfter als „doppelt“ bezeichnet – einmal als Frau und zum zweiten als Lesbe. Nun, ich fühlte mich schon VOR meinem schwulen Bewusstsein als „anderer“ Mann diskriminiert – und dann letztlich auch als Schwuler. Eine doppelte Diskriminierung ist historisch korrekt nirgends auszumachen.

Jede Diskriminierung ist unannehmbar. Das hängt nicht davon ab, ob sie doppelt oder dreifach erfolgt. Wichtig ist die Tatsache, dass in der gesellschaftlichen Diskussion klar wird, worüber und wie im Detail sie erfolgt. Wenn heute schon vom „Schwulen-Dreieck“ (unter Verlust seiner vergangenen Bedeutung) gefaselt wird und davon, dass Basel „anstatt des CSD“ eine traditionelle Schiffsparty habe, dann werden damit historische Fakten ignoriert.

Ich begrüsse die „Schiffsparty“ als eine wichtige Veranstaltung, an der auch beide Geschlechter teilnehmen. So wie auch an der anderen wichtigen Veranstaltung, des „Tuntenballs“, an der auch beide Geschlechter und auch viele Hetero/as teilnehmen.

Aber weder die eine, noch die andere Veranstaltung kann einen CSD ersetzen. So wie auch der Tuntenball Weihnachten nicht ersetzen kann – höchstens die besonders homophobe Stimmung an Weihnachten in heterosexuellen Familien. Womit auch hiermit auf die historische Wurzel hingewiesen sei!

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass jüngere Schwulengenerationen sich das Wissen gar nicht mehr aneignen (können, wollen?), um die Hetero/as zu verstehen, die uns diskriminieren. Homosexualität sei für ihn „einfach interessant“, erklärte mir kürzlich ein Teenie, der noch in seinem Alter geschützt wird…

Es muss auch erwähnt werden, dass schwule und bisexuelle Männer sich für dieses Thema wenig interessieren. Auch von Seiten der Lesben ist das Interesse an Geschichte im Allgemeinen nicht besonders gross. Viele „spätere“ Lesben kommen aus heterosexuellen Beziehungen oder Ehen und haben damit ja bewiesen, dass sie „richtige Frauen“ sein können. Viele Lesben bestätigen dies mittels leiblichen Kindern – wenn auch als zwei Mütter! Sie geben also ein sehr „hetero-likes“ Bild in die Gesellschaft ab. Da bleiben die schwulen Väter und ihre heterosexuelle Vergangenheit sehr schnell ausser öffentlicher Wahrnehmung. Ja sie erweisen sich als „heterosexuelle Schlappschwänze“, die ihre Partnerinnen betrogen hätten…

Diese Andersheit ist es, die so schwer zu vermitteln ist: Einerseits zwischen den Geschlechtern der Homosexuellen und andererseits in die Gesellschaft hinaus.

Trotz allem haben die Frauen in den letzten Jahren immer mehr Plätze „zuvorderst“ belegt und beweisen, dass sie auch politisch und öffentlich aktiv sein können. Letztlich aber sollten wir uns bewusst bleiben, dass die Interessen zwischen Frauen und Männern, zwischen Schwulen und Lesben sich niemals vollständig decken können und werden.

Aber wer geht hin, um zu verstehen, „warum Schwule Frauen hassen“, wenn diese wiederum von hetero Männern für ihr „Frausein“ gehasst werden und heterosexuelle Mütter den Sexismus an ihre Söhne weitergeben ?

Und wer versteht letztlich, dass es Männer gibt, die einen voyeuristischen Blick auf „Lesben“ werfen und dabei nicht merken, dass sie da eigentlich gar nicht gefragt sein können!?  Mir sind keine Frauen bekannt, die beim Anblick zweier sich küssender Männer „heiss“ werden. Im Gegenteil! Wir stecken immer noch in der heterosexistischen Falle! Und mit drin sehr viele Lesben und Schwule.

Doch gibt es auch interessante Profile von hetero- oder bisexuellen Männern im Internet! Die einen suchen einen „hetero-liken“ Mann – und bitte nichts Tuntiges, Weibisches… Sie wollen diesen „richtigen“ Mann auch kennen- und sexen lernen. Dabei genügt ihnen das „Andere“ der Frauen vollauf, nämlich dann, wenn dieses „homo-like“ keinen Schwanz und dafür zwei Titten hat.

Die anderen suchen eine „Shemale“, ein „Schwanzmädchen“, eine Transe, eine DWT… ihnen sei gesagt, dass es gar keine Schwanzmädchen gibt, nur „Tittenbuben“. Aber diese Bezeichnung und die Attribute helfen ihnen, sozusagen den Graben des Sexismus zu überspringen – ohne sich einer Auseinandersetzung damit stellen zu müssen. Solange irgendwas von einer Frau dran ist, kann es einfach nicht schwul sein. Das muss genügen.

Für mich ist klar geworden, dass es als Mann eine Identität mit Müttern und Frauen nicht geben kann. Sie ist bei den anderen Männern zu holen. Und genau das verbietet die heterror Gesellschaft aufs schärfste und mit schärfsten Schutzaltern und der traditionellen Homophobie der Familie.

Andererseits sind die kompletten Bedürfnisse von Männern durch die Frauen niemals abzudecken, obwohl es noch immer öffentlich propagiert und individuell noch geglaubt wird!

Derweil erzählen uns doch „Emanzen“ schon seit Jahrzehnten das Gleiche über die Männer.

Aber was geht das nun die Hetero/a-Sexuellen an?

Ich glaube, dass die Gewalt gegen Schwule einen Teil der Gewalt gegen Frauen darstellt. Und sie entspringt der „falschen Identität“ von Jungs mit Müttern und Frauen, dieser letztlich gewalttätig abgewehrten „Teil-Identität“ mit Weiblichem bei Schwulen und der entsprechenden Homophobie der Väter gegenüber ihren Söhnen. Denn letztlich kann Weiblichkeit niemals voll akzeptiert werden, wenn sie von den Männern für sich selber abgelehnt werden muss!

Ich habe für mich dieses „heterosexuelle Spiel“ mit dem „Spass“ schon länger durchschaut und ich glaube viele Jungs und Männer merken das auch langsam, wenn sie sich das Problem auch noch nicht erklären können!

Peter Thommen_62, Buchhändler und Schwulenaktivist, Basel (Überarbeitete Fassung vom 11. Juli 2012)

Prof. Melanie C.  Steffens, (Jena) referiert eine Untersuchung über unbewusste Negativeinstellungen geg. Lesben und Schwulen (2006)

Lesben und Schwule alliierte Geschwister? Lambda Nachrichten 3’2012

Henn, Tino: Sind Lesben medial unterrepräsentiert? (2012)

Verhaltensregeln in der Schwulenkneipe (SüdtZ, 2005) für Männer und Frauen jeglicher Orientierung…

Was steht am Anfang eines aktuellen Buches über die Pubertät, das ich zufällig bestellt hatte?

„Für die Jungs, damit sie alles geben, und für die Mädels, damit sie ihren Spass dabei haben!“  (Jaromir Konecny: doktorspiele, cbt 2011)

Vielleicht musst Du diesen Satz mehrmals lesen, um den Zusammenhang mit meinem Text zu verstehen. Versuch es wenigstens!

P.S. Ein weiteres Jugendbuch titelt:  “Schlaue Mädchen – coole Jungs…”  (2011)

Zeitgeist und Homosexualität

Donnerstag, 23. Februar 2012

Die meisten “Normalen”, Homosexuellen und Schwulen glauben selbst, dass es nur wenige davon gäbe. Dabei hängt Homosexualität überhaupt nicht von der entsprechenden sexuellen Hauptorientierung ab. Es wird wohl mehr Homosex zwischen Männern gemacht, als nur unter Schwulen.

Die meisten vergessen auch, dass es soviele homosexuelle Männer für die ganze Pornoproduktion gar nicht gibt. Es sind zum grossen Teil heterosexuell orientierte, die das nebenbei und nicht nur fürs Geld machen…

Daher gehe ich davon aus, dass es weit mehr “Betroffene” gibt, als wir wahrhaben wollen. Aber das hatte schon Kinsey in den 40er Jahren des 20. Jh. festgestellt. Es können nur mehr geworden sein! ;)

Wir haben es erlebt, dass der Faschismus der 30er Jahre die Homosexualität vereinnahmt hatte, so sehr, dass es um Leben und Tod ging, sowohl in der Ideologie der Faschisten, als auch in der Lebensrealität der Betroffenen. Damals wusste man einfach zu wenig darüber.

Heute haben wir die Chance, die Homosexualität nicht nur verdeckt, oder im Geheimen zu leben, wie es die meisten Nicht-Orientierten bis heute tun müssen, sondern sie für ALLE Männer individuell zu integrieren. Verpassen wir diese Chance im neuen Jahrhundert, kann es nur wieder in einer Katastrophe enden!  Schon heute ist wieder sehr viel Körperlichkeit unter Männern in Form von Gewalt wiederzufinden…

Der Artikel unten als PDF, geschrieben für die Zeitschrift LUST  Winter 2011/12

Zeitgeist Homosexualität, 2011  PDF (1 MB)

Verklemmte HETEROS: “An alle, die meinen, dass es “cool” wäre, mit der Hose unterm Hintern durch die Gegend zu laufen – hier mal eine kurze Erklärung:
Dieser Trend entstand in den Gefängnissen der USA. Gefangene, die Sex mit anderen Mithäftlingen haben wollten, benötigten ein Zeichen, mit dem sie dies zeigen konnten, ohne dass die Wärter etwas davon bemerkten, und ohne dass es irgendwelche Konsequenzen haben konnte. Durch das teilweise Zeigen des Hinterns wurde signalisiert, dass dieser Häftling für das “Eindringen” durch andere zur Verfügung steht.”

Ein sieht das schon lange so, ohne in einem Gefängnis gewesen zu sein! :P

schwul – aber ein guter Linker? 1. Teil

Freitag, 29. April 2011

Selbstbestimmung statt Normen. Schwules „Positionspapier“ der Jungsozialisten/GaynossINNen zur sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität. Das Papier wurde an der Delegiertenversammlung vom 13. November 2010 diskutiert.

Die Gaynossinnen stellen fest, dass viele Forderungen der Schwulenbewegung und der historischen bürgerlichen Homo-Organisationen umgesetzt wurden und schreiben:

„Die heutigen Diskriminierungen sind unterschwellig und versteckt: Lesbische Frauen werden oft doppelt diskriminiert.“

beim Nachdenken

Diese „doppelte“ Diskriminierung von Lesben ist gesellschaftspolitisch zumindest schräg, wenn nicht historisch falsch. Diese Formulierung postuliert einen diskriminatorischen „Mehrwert“ gegenüber den Homosexuellen, der nicht auszumachen ist, aber viele Homosexuelle offenbar beeindrucken kann. Damit wird wohl die Feststellung folgender Tatsache ausgebügelt:

„So reduzieren Medien die gesamte queere* Bewegung in der Berichterstattung regelmässig auf „Schwule“.

Aber eines nach dem anderen:

Erstmal ist historisch-kulturell belegt, dass homosexuelle Männer und Frauen schlicht anders diskriminiert wurden und werden. Damit wird schon die „doppelte Diskriminierung“ hinfällig, weil sie mit derjenigen der Männer nicht vergleichbar ist. Die soziale Diskriminierung beruht auf konkreten körperlichen Merkmalen und geschlechtlichen Handlungen, die ebenfalls nicht zwischen Männern und Frauen so einfach verglichen werden können.

Die Diskriminierung beruht auf dem Mann als Mass aller menschlichen Dinge. Diesem folgt politisch-logischerweise ein sozialer Minderwert der Frauen. Doch dieser Minderwert wird ihnen nicht durch Handlungen zugeschrieben, wie bei der männlichen Homosexualität, sondern schon von Geburt an. Und keine Frau kann durch irgendwelche Handlungen eine andere Frau in ihrem sozialen Wert als Geschlechtswesen noch mehr herabsetzen – zur „doppelten Frau“ machen. Dies ist wohl nur spekulativ möglich.

Geschlechtshistorisch kann ein Mann durchaus einen anderen Mann durch Analverkehr auf den sozialen Wert einer Frau „herabsetzen“. Und wohlgemerkt: Der aktive Penetrierer bleibt ein Mann, während der passive – logischerweise zur Frau wird. So etwas findet zwischen Frauen nicht statt.

„Linkspolitisch“ muss erkannt werden, dass die Urklassengesellschaft in Penetrierer und Penetrierte eingeteilt war. Dies unabhängig vom biologischen Geschlecht. Wobei nur den Männern ein Rollenwechsel möglich war, denn Frauen bleiben Frauen, auch wenn sie sexuelle Kontakte untereinander haben.

Und hier komme ich zur „doppelten“ Diskriminierung der Männer: Eine Frau, die penetriert wird, bleibt eine Frau und steigt höchstens durch die Fruchtbarkeit zur Mutter auf. Männer können also – auf der aktiven Seite – Männer bleiben. (Worauf viele Heteros und Bisexuelle auch Acht geben!) Nach der traditionellen Moral aber „werfen“ passive Männer in der Homosexualität „ihre Männlichkeit weg“, die sie ja eigentlich behalten könnten – mit anderen homosexueller Handlungen. Hier ist eine – wenigstens – moralisch verstärkte Diskriminierung gegenüber passiven Homosexuellen zu finden.

Ältestes Beispiel aus der Bibel: 3. Mose 18,22: Du sollst nicht beim Knaben liegen wie beim Weibe; denn es ist ein Greuel. (Weil damit der Passive zum Weib gemacht wird. Die Bibel bestraft übrigens auch den Aktiven! PT)

Diese „organisch-funktionelle Begründung von Diskriminierung“ findet sich auch in vielen Köpfen von Frauen! Wiederum ein Beispiel:

(Aus einem Interview mit einer Mutter)

„Wie geht es Ihnen denn mit schwuler Sexualität?

(nachdenklich) Ich weiss, es ist absurd, aber bei Heterosexuellen stört mich Analverkehr nicht – bei Homosexuellen stösst er mich ab.

Warum?

Weil der passive Teil der Beziehung irgendwie degradiert wird; aber ein Mann, der sich degradieren lässt (zögert) … ist in meinen Augen unmännlich.

Könnte es sein, dass Sie fürchten, dass Ihr Sohn unmännlich und dann für sie nicht mehr attraktiv ist?

Ist es schlimm, wenn ich Ja sage?“

(Braun, Joachim: Schwul und dann, Querverlag, 2006, S. 38-39)

(Historischer Hinweis: Bis in die 80er Jahre hinein galt ein gleichgeschlechtliches Schutzalter bis zum vollendeten 20. Altersjahr (für Heteros 16). Damals waren die Homosexuellen generell die „Pädophilen“, welche die Söhne ehrbarer Mütter zu entmännlichen drohten. Woraus folgt, dass es eben Mütter waren, die vor allem Angst um ihre Söhne hatten. Viele Väter stützten diese Moral, auch solche, die selber homosexuelle Erfahrungen in ihrer Jugend gemacht hatten. Solche Probleme** gab es bei Lesben nie – darum auch keine „Pädophilie“!)

Die diskutierte Diskriminierung ist schlicht „anders“ und kann niemals in ein Mengenverhältnis wie „doppelt“ gefasst werden. Dies zeigt auch das heutige Sexualverständnis vom „Lesbenporno“. Während die aktive Betätigung zweier Frauen miteinander von „heterosexuellen“ Männern weit herum als anregende Sexualphantasie konsumiert wird (wobei der Ausschluss des Mannes aus der Inszenierung vom Konsumenten ignoriert wird, weil es (übrigens meist heterosexuelle) „Frauen“ sind, die das „spielen“), sehen sich im Vergleich nur wenige Lesben und Frauen „Schwulenpornos“ an – aber es gibt immerhin welche.  ;)

Dass – wie im obigen Interview – Frauen selber die Penetrationsdiskriminierung an andere Männer und Söhne weitergeben, finde ich sexualpolitisch äusserst aufschlussreich.

Die Diskriminierung von Homosexualität läuft also primär über den Penis (und nicht über die Klitoris), der so schnell den sozialen Status verändern kann. Er ist es auch, der in den letzten paar hundert Jahren die speziellen Homo-Paragraphen bestimmte („Code Penale“), während die Sexualität unter Frauen durchaus als ein Teil ihrer „Frauenkultur“ von den Männern hingenommen, oder einfach „übersehen wurde“. Dies aber im Rahmen der allgemeinen Ignoranz gegenüber Frauensexualität! Zwar total, aber nicht doppelt! (***)

Der aktuelle „Täter“-Begriff klammert sich denn auch juristisch, kriminologisch und politisch-korrekt immer noch an diesen Penis, obwohl die Frauen als Täterinnen längst verschiedentlich aufgeholt haben. (Auch “Unterlassungen” können verantwortbar und strafbar werden!)

Ich habe in den Urteilsstatistiken von 1942 – in die 80er Jahre recherchiert und darin viele Männer gefunden, die sich strafbar gemacht haben. Während es nur einzelne Frauen gab, die damals so offensichtlich gegen die auch für sie geltenden Gesetze (Schutzalter 20, glg. Prostitutionsverbot) verstossen haben, dass sie verurteilt wurden. Es ist für mich hinfällig, darüber zu streiten, ob jetzt die absolute Aufmerksamkeit gegenüber den Männern, oder die Ignoranz gegenüber den Frauen als „doppelt“ zu gelten habe. Die Diskriminierung ist historisch-kulturell-organisch anders und qualitativ nicht vergleichbar – schon gar nicht quantitativ.

Ein letztes Beispiel soll die von mir postulierte Verschiedenheit illustrieren. Vor vielen Jahren meldete ich mich bei der Polizei in Basel wegen verschiedener Übergriffe im Schwulenpark. Meine Vis-à-vis für die Beschwerde war zufällig eine Frau. Sie nahm meine Informationen entgegen und bemerkte am Schluss: „Wieso haltet ihr Männer euch eigentlich in einem öffentlichen Park auf? Ich gehe ja mit meiner Freundin auch in den Isola-Club.“

Bis heute wurde dieser „öffentlichkeitswirksame“ Unterschied im Bewegungsraum zwischen uns Schwulen und Lesben nie politisch diskutiert. Es ist selbstverständlich, dass Frauen sich intimer berühren, küssen und miteinander umgehen können im öffentlichen Raum, als die Männer. Die bewegen sich zwar selbstverständlicher in der Öffentlichkeit, werden aber sämtlicher liebevollen Kontakte sofort wirksam beraubt. Und daher ist die kritisierte Fokussierung auf Männer in den Medien auch verständlich. Denn diese werden nicht von geschlechtslosen Wesen betrieben.

Und gerade weil die Diskussion und die gegenseitige Anerkennung von Verschiedenheit in Bewegung und Handlungen nie unter uns diskutiert und kommuniziert wurde, sind wir heute immer wieder mit Begriffstutzigkeiten und historischen Fehleinschätzungen in der politischen Auseinandersetzung konfrontiert. Ich denke, das Interesse fehlte und fehlt auch heute auf beiden Seiten. Man könnte diese Ignoranz auch  „homosexuellen Sexismus“ nennen.

Peter Thommen61, Schwulenaktivist, Basel

* Der Begriff queer soll neuestens alles enthalten, was als „nicht-ausschliesslich-heterosexuell“ definiert wird, letztlich auch die Schwulen. Siehe dazu auch meinen Aufsatz:  “Eine community frisst die Schwulen auf!”

** Den Begriff „Entfraulichung“ gab es nie!

***  “Um 1900 werden in den meisten Kantonen der deutschsprachigen Schweiz homosexuelle Handlungen bestraft, wobei grosse Unterschiede in der Intensität der Verfolgung und in der Strafbeimessung zu finden sind. Nur auf Antrag strafen die Kantone FR, GR und NE. Straffrei sind sexuelle Beziehungen zwischen Personen des gleichen Geschlechts in GE, TI, VD, VS und ab 1919 in Basel-Stadt. Nur homosexuelle Handlungen bei Männern strafen: BL, GL, SO, NE. (Schüle, Hannes: Die Entstehung des Homosexualitätsartikels… Selbstverlag 1983, S. 10)

(Der 2. Teil der Kritik wird sich mit den Positionen zur „Bisexualität“ befassen.)

Nachtrag: (Michel Foucault, Klammer-Ergänzungen von mir) „Der Körper des Mannes war dem (anderen) Mann auf viel drastischere Weise verboten. Wenn es stimmt, dass das Leben unter Männern nur in bestimmten Perioden und seit dem 19. Jahrhundert nicht allein toleriert, sondern (darüber auch) strengstens verfügt (worden ist), nämlich während der Kriege und in den Gefangenenlagern. Da waren Soldaten und junge Offiziere, die Monate und Jahre zusammen verbrachten. Während des Ersten Weltkrieges lebten die Männer vollständig zusammen, fast aufeinander; und das bedeutete für sie schon etwas, insofern der Tod gegenwärtig war, und die Bereitschaft sich füreinander zu opfern und Dienste zu erweisen, durch ein Spiel um Leben und Tod sanktioniert war. Was weiss man denn, abgesehen von ein paar Floskeln über Kameradschaft und Blutsbrüderschaft und von ein paar zersplitterten Zeugnissen, schon über jene Gefühlstornados und inneren Stürme, die es in manchen Augenblicken da vielleicht gegeben hat? Und man kann sich fragen, was die Leute diese absurden und grotesken Kriege, diese infernalischen Massaker trotz allem hat durchstehen lassen… ein Gewebe von Gefühlen, zweifellos. Ich möchte nicht behaupten, dass sie deshalb weiterkämpften, weil sie ineinander verliebt waren. Doch Ehre,  Mut, sein Gesicht nicht verlieren dürfen, sich opfern, mit und vor den Kameraden aus dem Schützengraben kommen – all das setzte ein Raster sehr intensiver Gefühle voraus. Es geht hier nicht darum, zu sagen: „Aha, da haben wir also die Homosexualität“. Diese Art von Geschwätz ist mir zuwider. Bestimmt liegt hier aber eine, wenngleich nicht die einzige Voraussetzung, die jenes infernalische Leben ermöglichte, in dem die Typen wochenlang in Morast, Kadavern und Scheisse herumwateten, fast vor Hunger starben und am Morgen des Angriffs völlig weggetreten waren.“ (Foucault, Von der Freundschaft als Lebensweise, in: Von der Freundschaft. Michel Foucault im Gespräch, Merve o.J. S. 85-93)

Siehe auch: “zwar schwul – aber ein guter Freisinniger! PDF  (Linke und Schwule 1973), “zwar schwul – aber ein guter SVP-ler” (Schwule bei den Rechten 2010)

mit dem “Pädophilie”-Vorwurf gegen Schwule politisieren!

Dienstag, 22. März 2011

Es geschieht in immer kürzeren Abständen, dass „Missbrauchsvorwürfe“ gegenüber Männern in den Medien erhoben werden. Seltsamerweise nicht gegen Frauen. Die Taktik hat also eine klare sexistische Strategie. Weder wird die katholische Kirche einstürzen, noch können wir je „alle bösen Männer“ – „für immer wegschliessen“ deswegen, wie dies vor allem Frauen wollen. Dass auch Frauen sehr wohl an Übergriffen und Verbrechen an Kindern respektabel beteiligt sind, wird politisch korrekt verschwiegen oder heruntergespielt.

Das belegt eine südafrikanische Studie (siehe irreführende Berichterstattung in „20min“!), deren Resultate vor allem in deutschsprachigen Medien „politisch korrekt“ verstümmelt wurden! (Hier der Originaltext im „International Journal of Equity in Health“ und die korrekte Berichterstattung in der Montreal Gazette) (Siehe auch den Buchhinweis am Schluss!)

Doch die „Pädophilen-Verfolgung“ hat auch eine historische und eine internationale Dimension. Nicht nur die „Pädophilen-Ringe“, wovon einer gerade kürzlich aufgeflogen sein soll. (Von den letztlich übrig gebliebenen tatsächlichen Straftätern, liest frau selten etwas!) Oder die internationale Verbreitung von „Kinderpornografie“, die nach neusten Bestrebungen bis zum dargestellten oder vermuteten 18. Lebensjahr erhöht werden soll. Es fällt auch auf, dass sich die „öffentliche“ Verfolgung von Übergriffen und Verbrechen an Kindern fast nur im sexuellen Bereich abspielt. Alle anderen Übergriffe (Körperliche Gewalt, sexuell motivierte Gewalt/Bestrafungen gegen homosexuelle Kinder, Kinderarbeit, Kindersoldaten) sind wohl schicksalshaft hinzunehmen. Aber damit sind wohl die grössten Emotionen der Abscheu und damit auch die Politik ganz allgemein zu mobilisieren. (Siehe „Marche Blanche“!) Etwa ähnlich wie es die SVP mit „den Ausländern“ treibt.

Dass die „Pädophilen-Diskussion“ immer auch eine Diskussion gegen die Öffentlichkeit der Homosexualität war und ist, sollte längst allen Schwulen klar geworden sein. Leider sind deren Exponenten und auch viele Homosexuelle selbst zu feige, sich dieser Auseinandersetzung zu stellen. Und daher ist es auch noch viel zu früh, über ein „Adoptionsrecht“ für gleichgeschlechtliche Paare öffentlich zu diskutieren. Dass dies vielen Betroffenen nicht passt – ja dass viele Betroffene ohne dieses Recht grosse Probleme haben, ist mir durchaus bewusst.

Aber die „Pädophilen-Frage“ wurde aus Rücksicht auf die heterosexuelle Öffentlichkeit nie geführt und das stellt sich jetzt als Stolperstein einer bewussten und konsequenten Gleichstellungspolitik für die Zukunft heraus. Und andersherum argumentiert: Die noch verfrühte Adoptionsdiskussion zieht – wegen ihrer Emotionalität – viele Frauen und Heteros dermassen in den Stress, dass sie lieber „hintenherum“ taktieren, als sich den Schwulen in der Diskussion zu stellen. Ich glaube, beide Seiten sind ziemlich feige in diesem Thema. Wobei die Homosexuellen wohl die Verletzlicheren sind – wie immer und vor allem gegenüber den Frauen.

An diesem Punkt sollten auch die Lesben politisch ins Visier genommen werden. Ein grosser Teil der bürgerlichen Lesben wollte genau aus obigen Gründen seit Jahren keine engeren Kontakte mit der Schwulenbewegung oder mit Homosexuellen, weil sie sich ihrerseits aus der öffentlichen Schusslinie von Verdächtigungen nehmen möchten. Und andererseits wollten sie nie mit den verdächtigten Schwulen paktieren – frau kann ja nie wissen…

Doch werden allgemein die lesbische Sexualität und der Umgang von Lesben oder lesbischen Müttern mit (ihren) Kindern als viel harmloser eingeschätzt, als derjenige der Männer. Das hat nichts mit einer doppelten Diskriminierung, aber sehr viel mit der doppelten Dämonisierung von Männern und Schwulen zu tun. Dies ist historisch belegbar. Und dies ist auch klar als sexistisch zu bezeichnen! Ich habe jedenfalls gelernt, dass Lesben auch nicht erst ab dem 16. Lebensjahr, ohne einschlägige Erfahrungen, oder als erwachsene Frauen vom Himmel fallen.

Dass die „Pädophilie-Vorwürfe“ vor allem aus der rechten SPV-Ecke kommen sollte uns nicht verwundern. Vor allem nicht, wenn ihre historische und internationale Dimension zum Vorschein kommt. Denn schon in den 70er Jahren missionierte die Orangensaft-Werberin Anita Bryant mit religiösen Hintergrund: „Töte einen Schwulen für Jesus“! Wohlverstanden, Orangensaft, den die Schwulen vor allem geniesserisch in ihren Bars schlürften…

In Uganda läuft eine ganz hässliche „heterophile Schmierenkomödie“. Motiviert durch religiöse Fundis und unterstützt mit Geld aus Amerika, bringen Religiöse und religiös motivierte Politiker ein Gesetz ins Parlament, das die Todesstrafe für homosexuelle Handlungen vorsieht. Das „schlagendste“ Argument dabei ist: „Schützet unsere Kinder” (Save our children!) In dieser Diskussion darf auch nicht die Iranische Politik übersehen werden, die sogar wiederum Jugendlichen unterschiebt, sie hätten Andere sexuell missbraucht. (Und dahin schickt noch unser Bundesverwaltungsgericht einen wegen Drogenhandels verurteilten Iraner in die Ausschaffung!)

In der ganzen Pädophilen-Diskussion kommt auch immer wieder ein Grundton in meinem „Gayradar“ zum brummen, der vermuten lässt, dass für viele – vor allem Frauen – Homosexualität (nämlich der Analverkehr darin) an sich schon ein gravierender sexueller Missbrauch bedeutet. Das kommt aus ganz tiefen vorgeschichtlichen Bildern wie zB in der Bibel, in welcher die anale Penetration für den Passiven eine Entmännlichung bedeutet, die nie wieder gutzumachen ist.

Ich fordere, dass der Sexismus in der Sexualdebatte endlich aufhören muss! Also die Täterinnen mit ihren Methoden neu in die Diskussion bringen. Die Debatte über Pädophilie (was auch immer jemand/jefrau darunter verstehen mag!) muss von der Debatte über strafbare Handlungen gemäss Gesetz getrennt werden. Dann muss auch klar werden, dass Frauen als Täterinnen nicht nur gleich bestraft, sondern auch als „gleich gefährlich“ eingestuft werden müssen! (Hetero-Leserbrief-Zitat: „Ich habe schon als kleiner Knabe davon geträumt, von einer erwachsenen Frau mal so richtig verführt zu werden.“)

Abschliessend möchte ich noch auf folgendes hinweisen: Die Expertenkommission für die Revision des schweizerischen Strafgesetzes im Sexualbereich forderte ein Alter von 14 Jahren für sexuelle Selbstbestimmung (eigentlich „Schutzalter“). Der Bundesrat als Regierung, legte sich damals auf 15 Jahre fest. Das Parlament schliesslich befand 16 Jahre. Weder die Experten, noch die damaligen Bundesräte waren meines Wissens pädophil. Als einzige Politikerin erwähnte damals Elisabeth Kopp die „sexuelle Selbstbestimmung“ statt das bis heute bemühte „Schutzalter“!

Das Sahnehäubchen auf diesem Thema: Von 1942-1992 war im StGB der Schweiz die Erlaubnis zu homosexuellen Handlungen erst ab 20 Jahren gewährt. Wir waren also damals fast alle „pädophil“. Allerdings sind fast nur Männer in den Verurteilten-Statistiken (die ich mir mal in den 80ern besorgt habe) aufgetaucht. Frauen waren entweder “harmloser”, oder nicht so wichtig…

Peter Thommen, Schwulenaktivist, 61, Basel

Lies auch mein persönliches Erlebnis in der Schwulenszene

 

Emil Grabherr, Präsident SVP Luzern Land im Kurier der SVP-LU: “Bei der Gruppe der Schwulen gibt es drei verschiedene Arten. Dazu gehören nebst den in ordentlicher Partnerschaft lebende auch die männlichen Huren und die unter keinem Titel akzeptierbaren Bubenschänder.”

Anlass für diese Äusserungen:  Sexualerziehung im Kindergarten (PDF)

Auf Intervention der gaynossinnen nahm Grabherr wie folgt Stellung (PDF)

Daniel Frey:  Rechtsradikale Rhetorik der SVP

Daniel Frey:  “Bubenschänder…”

Bericht im Tagesanzeiger vom 25. März 2011

Elmar Kraushaar in der taz vom 18.01.2011 in anderm Zusammenhang: “Um einen Schwulen ins falsche Licht zu setzen, reicht das Stichwort “Pädosexualität” allemal aus, auch wenn das eine mit dem anderen überhaupt nichts zu tun hat. Irgendwas wird schon hängen bleiben!”

Vor vielen Jahren wurde schon das schwule Reisebüro “Partner Travel” wegen “Pädophilie”-Anschuldigungen unmöglich gemacht. Selbst der Spartacus-Guide kam ins Visier deswegen. Hinterher war alles erstunken und erlogen…

Aktuelles Beispiel:  Pädophilie-Vorwürfe in Irland, 2011

Nachtrag

“Auch heterosexuelle Menschen leiden unter homophober Diskriminierung; sie sind im Vergleich zu homo- und bisexuellen Menschen sogar in der Mehrzahl, wie aus den Risikoverhaltensstudien an Jugendlichen bekannt ist (Reis & Saewyc, 1999). Jugendliche, die sich als heterosexuell bezeichneten, die aber von anderen homophob diskriminiert wurden, hatten gleich hohe Suizidversuchsraten wie homo- und bisexuelle Jugendliche.

Darüber hinaus sind die Konsequenzen einer homophoben Gesellschaft für die individuelle Entwicklung – unabhängig von der sexuellen Orientierung – möglicherweise fatal, wenn Intimität zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen ausgeklammert werden muss.”

(in Plöderl: Sexuelle Orientierung, Suizidalität und psychische Gesundheit, S. 260, Beltz 2006)

Buchhinweis zum Thema „sexueller Missbrauch“: Homes, Alexander Markus: Von der Mutter missbraucht. Frauen und die sexuelle Lust am Kind. 460 S. Pabst Verlag 2005

Homes, Alexander Markus: Prügel vom lieben Gott, 141 S. Alibri erw.NA 2012

Internationaler Frauentag und Schwule?

Dienstag, 08. März 2011

An diesem Tag geht es um die Rechte der Frauen und das ist auch gut so. Am internationalen Schwulentag geht es schon lange nicht mehr um die Rechte der Homosexualität. Schon gar nicht in einer bürgerlichen Gesellschaft. Und schon gar nicht gegenüber Frauen. Leider.

Rechte bedeuten auch Verantwortung. Aber nur zu oft scheuhen Frauen diese Verantwortung und verzichten stillschweigen auf Rechte. Das tun Männer mit der Homosexualität genauso!

Weniger Rechte heisst auch weniger Verantwortung. Da sollen bei den Frauen ihre Männer her und bei den Schwulen ist dann plötzlich keiner mehr da, weil sich eben alle Beteiligten aus dieser Verantwortung für die gemeinsamen Rechte hinausstehlen…

Es stimmt, dass auch heterosexuelle Männer sich aus der Verantwortung stehlen. ZB mit dem Geld für den Unterhalt des anderen Teils ihrer Familie. Es stimmt aber auch, dass heterosexuelle Männer oft auch unter dem Existenzminimum leben müssen, gerade deswegen. Und es gibt fast nur Frauen, die wegen der homosexuellen Bedürfnisse ihrer Ehemänner, die gemeinsame Familie hinschmeissen und sich für ihre „Enttäuschung“ dann bezahlen lassen, von einem „Schwulen“. Die meisten Männer entfliehen in eine gut gesicherte schwule Parallelwelt, wie andere mit den Prostituierten – damit ihre Frauen “dies nicht tun”!

Zurück zum Wort „Ent-Täuschung“. Womit, oder weswegen haben sie sich täuschen lassen? Die meisten Mütter merken, wenn ihre Söhne homosexuelle Bedürfnisse haben und nach Männern Ausschau halten. So viele Tussis, die zu dumm sind, gibt es einfach nicht. Aber darüber bewahren sie Stillschweigen. Damit es „das in ihrer Familie“ nicht geben soll.

Kürzlich hat mich eine sechzigjährige Frau angerufen, die ihren gleichaltrigen Ehemann bei homosexueller Pornografie (legaler!) im Internet „ertappt“ hat. Wo hat die Ehefrau in all den Jahren nur hingeschaut bei ihrem Mann? Und wie hat der Ehemann in all den Jahren nur seine homosexuellen Bedürfnisse weggesteckt?

Wir merken in der ganzen öffentlichen „Pädophilie“-Diskussion auch, wie Frauen ihre (auch männlichen) Kinder schützen wollen. Das ist wohl eine löbliche Absicht, aber für die gesellschaftliche Wirklichkeit untauglich. Während ihre (männlichen, und auch etliche weibliche) Kinder selber pornografische Photos ins Internet stellen, sollen die bösen Männer, die sich das anschauen, „für immer weggeschlossen“ werden.

Dabei zeigt sich immer mehr in chats und auf Profilen, dass sich sehr viele erwachsene Männer und auch Frauen, niemals aus ihrer kindlichen Sexualität heraus entwickelt haben, oder haben können – sie sind einfach nur den Jahren nach älter, oder erwachsen geworden. Warum?

Die Entwicklung einer verantwortlichen Diskussion über den Körper und die sexuellen Bedürfnisse findet in der Normalfamilie weder zwischen den Ehepartnern, noch mit den Kindern statt. Es wäre eine zu grosse Verantwortung – für die Eltern und auch für die Kinder! Das überlässt Frau lieber der Polizei im Internet…

Das Totschweigen der Homosexualität von Kindern und Ehemännern ist erdrückend. So hat es niemals eine „Bisexuellen-Bewegung“ gegeben. Nur Diskussions- und Beratungsrunden in homosexuellen Gruppen und im Internet. Gut, manche Bisexuellen suchen sich Partner für einen Dreier mit ihrer Freundin oder Ehefrau. Ähnlich dem amerikanischen „Swingen“ – also Sex immer nur zwischen zwei Ehepaaren. Löblich? Ich denke, die Frauen sind noch nie so erzogen worden, um sowas überhaupt „durchzuspielen“. Schon die bürgerliche Ehe kommt noch nicht ohne die vielen – heute internationalen – Fachfrauen aus dem Rotlichmilieu aus!

Mütter beschäftigen sich doch lieber mit ihren Söhnen als mit ihren Töchtern. Und die Väter sind meistens homophob und ihre Ehefrauen tun fast gar nix dagegen – schon gar nicht in für Schwule lebensbedrohenden Migrantenfamilien.

Ja. Alle Verantwortung liegt wieder mal bei den Frauen? Als Schwuler muss ich mich aber immer wieder fragen: Wieso schaffen es Frauen – auch mit ihren Ehemännern zusammen, oder gar mit anderen Frauen zusammen – nicht, ihre Töchter und Söhne zu verantwortlichen Beziehungspartnern heranzuziehen? Sie erziehen Söhne so, dass die Töchter anderer Frauen wieder unter denen leiden müssen. Und sie erziehen ihre Töchter nicht so, dass die Söhne anderer Frauen wenigstens dann bei ihnen Respekt vor dem weiblichen Geschlecht erlernen…

Gerade gestern habe ich mir von einer heterosexuellen Frau sagen lassen, dass es doch für Frauen nichts Schöneres gäbe, als in einem Manne aufzugehen – aber doch eigentlich er in ihr! ;)

Mitten in meinem schwulen Buchladen. Danke! Das war grad noch vor dem internationalen Tag der Frau! ;)

Seit dreissig Jahren steht in der Verfassung ein Satz, der zwingend schliessen lässt, dass Männer und Frauen den gleichen Lohn für gleiche Arbeit erhalten sollen. Doch viel aktueller werden Frauenquoten in der oberen Wirtschaftshierarchie öffentlich diskutiert. Und heftig wird diskutiert, den jungen Frauen (natürlich wegen der Ausländerinnen!) zwischen 16 und 18 Jahren ja bald zu verbieten, für ihre Liebesdienste nur einen Centime von jemandem zu nehmen… (Dabei geht schlichtweg vergessen, dass viele Jungs ihre erwachenden homosexuellen Bedürfnisse gerne mit Geld kaschieren, um es vor sich selber nicht „aus Lust“ zu tun!) Die blöden sind immer die Freier…

In der Diskussion um den Frauentag geht es auch immer wieder um die Gewalt gegen Frauen. Danke – es gibt auch homophobe Gewalt gegen Männer. Auch von Seiten der Frauen. Nur ist dann dies die Gewalt des Schweigens, die auch sehr oft bei sexuellen Übergriffen in heterosexuellen Familien (und auf die Töchter) eine grosse Rolle spielt, aber nicht in gleichem Masse bestraft werden kann. Dabei ist nichts traumatisierender für Opfer, als wenn die Mütter ihre Kinder im Stich lassen!

Gewalt hat etwas mit Eigentumsverhältnissen zu tun. Gerade auch da, wo Frauen von den homosexuellen Bedürfnissen ihrer Männer ent-täuscht werden. Die meisten geben dann das „Familieneigentum“ – eben meist gegen Bezahlung – auf. Aber nicht das Eigentum an den Kindern. Das tun übrigens auch heterosexuelle Männer bei echten homosexuellen Bedürfnissen ihrer Frauen (nicht). Während die „lesbischen Spiele“ von Frauen eher von beiden Geschlechtern als Unterhaltung konsumiert werden. Aber niemals umgekehrt.

Das ganze heterosexuelle System ist überlebt und bringt unter uns Alle sehr viel Leid! Während unwidersprochen behauptet werden kann, andere Kulturen mit anderen Verhältnissen würden ebendies tun. Doch keine Frau und Mutter und kein Mann und Vater möchte es ändern.

Und schleichend frisst sich die Heterrorsexualität auch in die schwulen Beziehungen und Verhältnisse hinein. Wir haben uns doch schon bisher mit diesen Verhältnissen herumgeplagt. Müssen wir sie unbedingt auch noch im schwulen Bett haben?  Peter Thommen61, Schwulenaktivist, Basel

 

weihnachten als pädophiles ritual

Samstag, 25. Dezember 2010

Wer jetzt ein theologisches Essay über eine Tradition erwartet, die übrigens erfunden worden ist, braucht diesen Text nicht zu lesen. Nur soviel: Den Urchristen waren Karfreitag, Ostern und Pfingsten wichtig (wozu ich schwule Sichtweisen geschrieben habe) – aber nicht Weihnachten. Dass Jesus ja auch geboren worden ist, kam der Kirche dann viel später in den Sinn…

Ich habe grad kürzlich ein Aufklärungsbuch für junge Schwule gelesen, sowie einen Roman über das coming out eines schwulen Teenagers. In beiden Büchern wurde darauf Bezug genommen, dass „irgendwann“ „die Hormone verrückt“ spielen würden. Damit wird allgemein akzeptiert, dass die Natur Jugendliche „von selbst sexualisiert“ und wir dies dann „zu gegebener Zeit“ irgendwie zur Kenntnis nehmen müssten. So ein furchtbarer Biologismus ist mit den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen schon unerträglich. Ganz zu schweigen davon, wer alles immer genau weiss, wann Kinder und Jugendliche „Sexualität“ haben.

Aber wir kommen dem Thema langsam näher. Pädophilie bedeutet Kinderliebe. Also die reine, emotionale Zuwendung zum Kind. Ausgelöst durch bestimmte visuelle Reize, die sie bis zu einem bestimmten Alter bei Anderen auslösen. Dabei wird ausgeblendet, dass die „Antwort“ vom Kind – schon rein entwicklungspsychologisch gesehen – von Eltern und sozialer Umgebung gedeutet und „interpretiert“ werden muss. KeineR weiss, ob er/sie das auch richtig macht.

Ich muss vielleicht noch vorausschicken, dass ich Knabe war und Mann bin, wenn ich diesen Text schreibe. Ich beschränke mich auf mein Geschlecht und überlasse es den Frauen, sich über die Entwicklung von weiblichen Kindern zu äussern. Und genau hier liegt wieder so ein interessanter Punkt. Das oben genannte Aufklärungsbuch ist von einer Frau geschrieben worden – Mutter und übrigens sehr kompetent und verständnisvoll. Wie selbstverständlich doch Frauen und Mütter sich zuständig erklären – auch für die sexuelle Entwicklung von Knaben. Gut, über Jahrhunderte haben Männer die weibliche Sexualität übersehen, erklärt und dann auch definiert – zu Lasten der Frauen. Das ist eine historische Tatsache! Aber warum begehen Frauen den gleichen Fehler auch bei Männern?

Nun komme ich zu dem Wort „Pädophilie“ in Anführungszeichen. Der historische, ursprüngliche Begriff ist in den letzten Jahren seiner ursprünglichen Bedeutung völlig entkleidet worden und trägt jetzt die Last einer kriminellen und entfremdeten Bedeutung. Eigentlich ist es nur logisch, dass Eltern pädophil sind, denn sie zeugen Kinder und wollen sie lieben – meist weit über den Zeitpunkt hinaus, wo „die Hormone“ ihrer Liebesobjekte „verrückt spielen“. Und hier öffnet sich das Problem der bürgerlichen Familie! Ein anschauliches Beispiel dafür fand ich in dem Jugendbuch von Will Davis, Meine Sicht der Dinge:

(Will erzählt von einer Konfrontation mit seiner Mutter und beschreibt ihre Reaktion auf seine sexuelle Orientierung, die ihr offenbar wird): „Ich will meinen kleinen Jungen Jarold zurückhaben“, und das in einer so sentimentalen Stimme, dass ich mich nicht mehr beherrschen kann. Ich: „Komm drüber hinweg“, und dann sagt sie mir, ich wäre herzlos…

Es ist genau das passiert, was viele Mütter – auch Väter – auf die Palme bringt: Ihre Kinder „schütteln sich“ – schon lange – „einen von der Palme“, und dies weit früher, als – nach deren Sicht – es die Hormone erlauben.

Dabei wird zweifach gesündigt: Erstens bestimmen nämlich Eltern und Gesellschaft, wann diese Hormone verrückt zu spielen haben und zweitens glaubt man/frau auch noch, dies nach eigenem Gusto hinauszögern zu können. Und wenn es misslingt? Dann sind es nicht mehr „die Hormone, die verrückt spielen“, sondern dann sind es ganz bestimmt böse Männer, oder ältere Jugendliche gewesen, die „unschuldige Kinder“ SEXUALISIERT haben. Wir kommen dem Thema immer Näher!

Kleiner Exkurs in die Vergangenheit: Das sogenannte Schutzalter für homosexuelle Aktivität bei Frauen und Männern lag bis 1992 offiziell bei 20 Jahren. Kann sich keineR mehr vorstellen heute! Und im Gegensatz zum immer wieder hergebeteten Vorurteil, dass Frauen Verbündete von Homosexuellen seien und auch noch deren verständnisvolle Gesprächspartner, weiss ich aus vielen Erzählungen und Texten aus jener „Vorzeit“, dass genau die Mütter und Frauen „ihre Männer“ behüteten und beschützten – bis zum 20. Geburtstag – vor allem vor den Homosexuellen! (Sie waren damals die „Pädophilen“ von heute.)

Daran hat sich bis heute wohl auch nicht viel geändert. Aus jenen Reformdiskussionen – zwischen 1974 und 1990 ist mir nur eine Frau in Erinnerung geblieben, die öffentlich vom „Alter der sexuellen Selbstbestimmung“ gesprochen hat. Es war die erste Bundesrätin der FDP gewesen: Elisabeth Kopp. Allerdings ist dieses „Schutzalter“ heute beim 16. Geburtstag – für alle sexuelle Orientierungen gesetzt. Und allerdings wird heute schon wieder über ein Verbot der Prostitution zwischen 16 und 18, allenfalls bis 21 Jahre diskutiert. Und natürlich auch über die Kinderpornografie, denn die sexuelle Selbstdarstellung ist zurzeit noch ab 16 Jahren erlaubt! Dies betrifft übrigens AUCH die homosexuelle Orientierung!

Es ist im Uebrigen seltsam, dass das Alter der körperlichen sexuellen Reife stetig gesunken ist und weiter sinkt, aber weder die Sexualerziehung, noch die unvoreingenommene Wahrnehmung und der familiäre und öffentliche Diskurs/Diskussion, dabei mitzuhalten gedenkt. Darum ist es auch „logisch“, dass Kinder und Jugendliche – nicht durch ihre körperliche Entwicklung, sondern durch Medien und Aeltere (vor allem männliche) „sexualisiert“ werden. Denn schon eine „altersgerechte Sexualerziehung“ ist per se SEXUALISIEREND.

Wir sind schon fast nahe an unserem Weihnachtsthema – nur noch ein bisschen Geduld! Mir hat es sich eingeprägt, dass nur dort überall AUFGEKLAERT werden muss, wo einmal vernebelt wurde. Egal ob durch linke, rechte, oder religiöse Ideologie. In diesem Wort steckt nämlich viel gesellschaftlicher Sprengstoff, ohne dass dies wahrgenommen wird. Und nur dort wird „sexualisiert“, wo vorher ent-sexualisiert worden ist.

Nun feiern wir also jedes Jahr ein Kinderfest ohne uns darüber zu freuen, dass die menschliche Sexualität „ein sexuelles Wunder“ produziert – allerhöchstens ein „biologisches“. Die bürgerliche Familie und Gesellschaft hat es geschafft, die Sexualität in Bezug auf Kinder völlig auszublenden, ja zu verleugnen. Es wird „eine Familie gegründet“* und frau „wird schwanger“ – man „wird Vater“.

Sagt aber ein Mann, er hätte seinen Lebenspartner dabei, dann ist immer auch die Sexualität als Phantasie dabei: („Arschficker – Schwanzbläser“)

In der Homosexualität funktioniert das mit „sexlosen Wörtern“ noch (?) nicht so perfekt. (Um für gleichgeschlechtliche MAENNLICHE Paare die Adoption einzuführen, müsste die „eingetragene Partnerschaft – in welcher das Wort Sex nirgendwo vorkommt! – in realis bei den beteiligten Männern gesellschaftlich erst völlig ent-sexualisiert werden. Dann vielleicht haben auch Kinder in dieser Lebensform Platz. Wo käme Frau hin, wenn die beiden Schwulis sich vor den Kindern küssen, umarmen, ja gar an die Arschbacken greifen würden?

Übrigens ist es bemerkenswert, dass zwar die meisten Männer UND auch Frauen, die sexuelle Uebergriffe auf Kinder machen, ganz gewöhnliche Väter und Mütter sind, oder nahe Familien(!)-Verwandte, aber für den Begriff „der Sexualität mit/an Kindern“ dann „die Pädophilen“ herhalten müssen. Paradox ein Begriff, der usprünglich ja vor allem Eltern eingeschlossen hat. Eben: Kinderliebende…

Nebenbei bemerkt: Viele Formen der Gewalt gegenüber Kindern (besonders homosexuellen!) sind nicht nur „sexualisierte Gewalt“ (mit einem Penis), sondern vielmehr „sexuell MOTIVIERTE“ Gewalt auf vielfältige Weise. Die ge/ver-bannte Sexualität (im Körper) des Kindes wird mit Gewalt und Disziplinierung – „bekämpft“. Oft wird die Gewalt zur sexuellen Orientierung! (kürzlich hatte ich einen knapp 16jährigen im Chat, der von seinem relativ alten Vater regelmässig „arschversohlt“ wird, wobei der Junge dabei einen Ständer bekommt.) Im Grunde genommen wird mit der aktuellen gesellschaftspolitischen und einseitig männlich-sexistischen „Pädophilisierung“ (Anführungszeichen!) etwas weggeleugnet, was ohnehin immer offenbarer wird: Das Kind ist ein sexuelles Wesen von Geburt an. Sexualisiert kann es später nur werden, wenn es vorher ent-sexualisiert worden ist. Ich erinnere mich an Broschüren der deutschen „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“ über die Sexualentwicklung des Kindes. Diejenige über die Zeit von Geburt bis ca. Kindergarten blieb an Informationsabenden meistens liegen, wie man mir sagte…

Und nun sind wir endlich beim unserem Weihnachtsthema angelangt! Kinder werden am Nikolaustag erst diszipliniert und gar verängstigt. Am Abend der Bescherung aber findet die Pädophilie (ohne Anführungszeichen) in Form von materiellen Geschenken, beeindruckenden Sentimentalitäten und kitschigen Szenen statt. Schwule Kinder – falls diese Vorstellung für viele überhaupt möglich ist – merken sehr bald, wie sehr sie mit ihrer verheimlichten, totgeschwiegenen und „pädophilisierten“ Sexualität/schwulen sexuellen Orientierung von der entsexualisierten bürgerlichen Familie ausgegrenzt werden. Und viele Mütter schweigen das was sie sehen an Sexualität in der Familie, sowieso meistens TOT. Aber von den Kindern wird natürlich Dankbarkeit, Offenheit, Liebe und sonst noch vieles erwartet. Bezahlt wird an Weihnachten – oder auch mal nicht…

„Ich will mein kleines Christkind wieder-/immer haben!“ Bis in alle Ewigkeit – amen.

Peter Thommen60, Schwulenaktivist und Buchhändler, Basel

P.S. Falls jetzt jemand/jefrau am „Ausrasten“ ist – wieso ist ein gesellschaftlicher Diskurs über dies alles, wieder so verunmöglicht worden? Warum kann nicht wenigstens überlegt werden, wie mit der Sexualität von Kindern (die es wagen, sie nicht zu unterdrücken) vernünftig umzugehen ist? Ohne sie erst zu desexualisieren, um sie anschliessend der gesellschaftlich unberechenbaren – meist mit Fetischen verbundenen – „Sexualisierung“ auszusetzen?

Sexuelle Selbstbestimmung fängt in der Kindheit an, nicht erst wenn die (asexuellen) „Eltern“ das wollen. Ich onaniere übrigens seit meinem 5. Lebensjahr – und damals nicht immer allein, sondern mit anderen Knaben. Ich kenne also – auch ohne Kinderpornografie im Internet – keine „entsexualisierte“ offizielle Latenzzeit. Und meine damaligen Sexualpartner sind fast alle vorbildliche Familienväter geworden…

(* Hite) “Selbst die Verteidigung der Heterosexualität (als die “einzige” natürliche Form von Sexualität), als die Basis der Familie, kann aufgrund historischer Tatsachen hinterfragt werden. Die frühesten “Familien” waren keine “heterosexuellen” Kleinfamilien, wie wir sie kennen, sondern schlossen Mutter, Schwestern, Brüder, Tanten Onkel usw. in einer losen Gruppe zusammen. Es gab keinen “Vater”, und die Beziehungen zwischen Mutter und Kind waren keineswegs so elementar, wie wir heute annehmen; Tatsache ist, dass Kinder, Mütter und Schwestern oftmals nicht wussten, wem welches Kind gehörte… Das frühe Indogermanisch verfügte über kein Wort für “Vater” und jahrhundertelang war es nicht bekannt, dass Geschlechtsverkehr die Ursache für Schwangerschaft ist. Während dieser Jahrhunderte war die Grossfamilie eine überlebensfähige soziale Einrichtung…” (Shere Hite: Das sexuelle Erleben des Mannes (2), 1978/1991, S. 290)

siehe auch meine anderen Texte zu Weihnachten!

Fund in den BaZ-Meldungen: “Das Jahr (2010) begann mit der damals 17-jährigen Berlinerin Helene Hegemann und ihrem altklugen No-Future-Pamphlet «Axolotl Roadkill», es endet jetzt mit dem 17-jährigen Australier Joshua Beattie und seinem Kurzfilm «To Claire; From Sonny». Und das ist gut so. Wie Hegemann hat Beattie einen Sensationserfolg gelandet, und erst noch einen internationalen, denn seinen Film gibt es (nur) auf Youtube zu sehen. 600 000 Zuschauer haben ihn schon angeklickt, gegen 3000 haben darunter geschrieben, dass sie in Tränen ausgebrochen seien, und das ist auch kein Wunder, denn Beattie erzählt da in sechs Minuten eine todtraurige Liebesgeschichte mit der ganzen ungebrochenen Sentimentalität eines Teenagers.”

So lieben wir doch “die Pädophilie”!  (Klarstellung: Gesellschaftlich anerkannt ist die in emotionalen Formen des körperlichen Begehrens versteckte “Pädophilie”, romantisiert, entkörperlicht und ohne Dialog und gegenseitige Verständigung. Das Ritual eben – sowohl zwischen Eltern und Kindern, als auch zwischen Kindern. Asexuelles Nachäffen erwachsenen Verhaltens, ohne die “bösen sexuellen” Bedürfnisse überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. (Nachtrag 30.3.12) PT