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wenn Türen zu gehen, sollen sich an- dernorts wieder welche öffnen…

Freitag, Januar 12th, 2018

Ich habe noch Zeiten erlebt, in welchen der Zutritt zu Räumen, in welchen Männer unter sich sind, strikt reglementiert und abgeschieden von der Gesellschaft war. Ausser den Pissoirs natürlich! 😉

Ich habe auch die Zeiten erlebt, in welchen Räume für uns erobert und belegt worden sind, die wir mit unserem Leben, unseren Attitüden und unserer Kultur füllen konnten. Dies ist unter anderem in meinen Publikationen dokumentiert.

Jetzt erlebe ich eine Zeit, in welcher viele Räume für uns wieder verloren gehen. Sei dies aus Gründen veränderter Bedürfnisse, oder Unachtsamkeit, Unfähigkeit der Bewirtschaftung, oder aus Bequemlichkeit.

Wir können jetzt überall schwul sein, so die etwas überhebliche Message junger Homos. Ich schliesse die Frage an, wie schwul können wir denn da jeweils sein? Martin Dannecker wirft die Frage auf, ob die in den letzten Jahrzehnten erreichte Toleranz nicht doch ziemlich brüchig sei: „Diese Toleranz war, wie sich jetzt herausstellt, für viele konservativ gestimmte Heterosexuelle nicht mehr als ein kündbares Duldungsverhältnis, das darauf baute, dass es die Schwulen und Lesben mit ihrem Anspruch auf Anerkennung nicht gar zu weit treiben würden. Jetzt aber, wo die Forderung nach einer völligen rechtlichen Gleichstellung immer entschiedener erhoben wird und die Toleranz durch Akzeptanz abgelöst werden soll, wird offenbar, dass diese Form der Toleranz die Anerkennung anderer Sexualitäten und Lebensformen nie im Sinn hatte.“ (1)

Ich habe mich in der letzten Zeit auch über „hysterische“ Schwule geärgert. Ihr Gekicher im Hals und ihre überschlagenden Stimmen. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Mir ist schon früher aufgefallen, dass ich in stressigen Zeiten einen etwas anderen Ton im Lachen hatte und auch viel häufiger lauter lachend reagiert habe. Während meiner Lehrzeit im Verlag (1968-1971), ist mir auch aufgefallen, dass ich manchmal nachmittags eine Tafel Schokolade verschlungen habe. Dies ist mir als Symptom aufgefallen, welches ich damals mit einem abendlichen Ausflug in den Schützenmattpark und dem Stillen meines Sexhungers unter Bäumen und in Sträuchern „behandeln musste“.

In früheren Zeiten (wars nicht besser, sondern anders!) öffnete das E&L bereits um 16 Uhr und die arbeitenden Schwulen konnten sich da wieder vom hetero Stress erholen, bevor sie zu abend assen, um dann „frischgemacht“ unsere Szene zu bevölkern. Bürgerliche Homosexuelle holten sich um diese Zeit auch Sexkontakte, bevor sie in ihre Familien oder ihr Leben zurückkehrten.

In den letzten Jahren haben wir uns Grossstädten im Ausland angepasst, in denen das „gaylife“ erst jeweils um 23 Uhr begann, wie wir in unseren Ferienreisen gelernt haben. Als es noch eine „Polizeistunde“ um Mitternacht gab, standen Schwule und Lesben bereits um 20 Uhr vor Lokalen Schlange. (Wobei die staatliche Liegenschaftsverwaltung der HABS im Volkshaus damals zur Bedingung machte, dass sich keine Gleichgeschlechtlichen draussen küssen durften!)

Das E&L39 öffnete zu immer späterer Stunde und die Leute kamen nicht mehr vor den Parties erst dahin. Das schwule Leben, sofern eines bestand, begann erst ab 23 Uhr bis in den frühen Morgen. Ein Leben teilt sich also in eines in hetero Umgebung und Infrastruktur und in ein weiteres, getrennt davon, in ein gay life um Mitternacht. Ich frage nur: Was tun denn alle in der ganzen langen Zeit dazwischen?

Damals sassen die „älteren Herren“ bereits am frühen Abend im Lokal und hielten Ausschau nach jungen Männern, egal ob gay oder nicht. Im Park war es ja erst später dunkel. Damals nahm ich mir vor, einmal ganz anders alt zu werden als diese Homosexuellen! Heute trennen sich die Generationen, denn welcher ältere Schwule hat noch Lust und Energie, um elf Uhr abends aus dem Haus ins high gay life zu gehen?

Es ist interessant, zu beobachten wie die damals jugendlichen Homos heute älter und alt geworden sind. Und wie sie das zu bewältigen versuchen. Es ist viel Bitternis und Enttäuschung bei Begegnungen mit ihnen festzustellen.

Martin Dannecker schreibt: „Wer heute als Mann 65 Jahre alt geworden ist, hat noch eine durchschnittliche Lebenserwartung von fast 20 Jahren.“ (2) Er wird also zwanzig Jahre als „alter Mann“ noch leben müssen. Er fragt auch, ob ein so alter Mann sich wirklich als ALT begreift, oder oder sich noch länger „jünger fühlt“.

(Dannecker) „Dieses schwankende Selbstbild könnte einer Organisation, die sich die Interessenvertretung schwuler Senioren zur Aufgabe gemacht hat, durchaus Widerstände vonseiten der von ihr Repräsentierten eintragen.“ (2)

Ich selbst verstehe mich als körperlich alter Schwuler, attraktiv nur für eine Minderheit von jüngeren Schwulen, die auf Ältere steht. Anfragen für eine „seriöse, lang andauernde Beziehung“ – haha, da muss ich einfach lachen! (Ich schreibe das bewusst in der ich-Form.)

Ich musste feststellen, dass ich mich in den letzten 30 Jahren mental und charakterlich weiterentwickelt habe, während viele jüngere Homos und auch die mittelalterlichen Schwulen irgendwie stehengeblieben sind. Sie stehen und warten immer noch auf den Prinz (vo Rieche! 😉

Andere alte Schwule nutzen ganz bürgerlich fernöstliche, südamerikanische oder andere Destinationen, um ihre meist nicht vererbbaren Guthaben an Männer zu bringen. Sie fahren nach Zürich oder anderswo, wo ihnen „etwas geboten“ wird dafür. Dann kehren sie wieder in ihre Wüsten-Heimat zurück, wo alles nur schlecht ist und am „verrecken“.!?

Ich begegne an jeder Ecke in Basel einer „Schwester“. Seien es Bekannte aus der Szene oder ehemalige Kunden. Aber diese Bitternis „schlägt“ mir immer wieder entgegen!

Ein aktuelles Beispiel: (51) „seit wann ist ein buch schwul? Interessant ist das 99% der Meinung sind das PLANETROMEO eine sexseite ist lach! Ich muss leider jeden aufklären das es sich um eine Gay Community handelt! obwohl heute fast alles in englischer sprache gesprochen wird hat keiner eine Ahnung! also verkehren 99% vollpfosten hier 🙂  nur leider hats hier keine schwulen sondern nur verheiratete heteros, stricher und drögeler! und hier geht’s nur um ficken 🙁   jaja herr thommen tut halt weh wenn man arcados zumachen muss!“

Der erste Satz war natürlich eine „Eingangsprovokation“! 😉 Und der letzte Satz war quasi die Faust in den Bauch. Keine Ahnung wer das war. Jedenfalls ist ein schwules Buch ein Buch, das Schwule interessieren könnte. Ganz einfach. Und es tut nicht weh, sondern ist etwas schönes, wenn man ein Lebenswerk selber beenden kann, das doch einigen Erfolg hatte. Amen

Peter Thommen_68, Schwulenaktivist

1) Dannecker, Martin: Faszinosum Sexualität. Theoretischem, empirische und sexualpolitische Beiträge, Psychosozial-Verlag 2017, S. 138  (1 und 2 S. 131)

Sie auch: Wie lieben ältere Schwule (1) 2007

Wie lieben ältere Schwule? (2)  2014

Heterosexualität – der reine Sexismus!

Dienstag, Oktober 29th, 2013

Aus langer Tradition gibt/gab es immer 95 % Heterosexuelle und „vielleicht höchstens“ 3-5 % Homosexuelle – beiderlei Geschlechts. Und obwohl Kinsey schon nach dem 2. Weltkrieg sehr viel mehr homosexuelle Aktivitäten abfragen konnte, wir das bis heute als unveränderbar aufrecht erhalten. Doch  Kinsey fragte nicht nach der Orientierung, sondern nach den Aktivitäten. Dabei ist er auf einen „sehr hohen“ Anteil gekommen, sodass viele Heteros meinten, dieser Kinsey müsse doch selber schwul sein – derweil sie unbekümmert „Lesbenpornos“ als zusätzliches Vergnügen konsumierten…

Seit über vierzig Jahren hat sich eine Homosexuellenbewegung (beiderlei Geschlechter) etabliert, die sich organisiert und rechtlich abgesichert hat. Dabei sind die „Schwulen“ immer mehr zur Minderheit geworden. Aber was sind „Schwule“ eigentlich? Keiner weiss das mehr so recht! Die Gruppen und Vereine sind zunehmend ein Teil des Mainstreams und des Warenmarktes geworden, der Ferienindustrie und der Immobilien…

Doch neben den selbständigen Formationen der Lesben haben sich in den letzten zwanzig Jahren neue Gruppen und Grüppchen gebildet, die von der „reinen Heterosexualität“ quasi „abgefallen“ sind. Und bemerkenswerterweise hat die Heterosexualität davon bis heute keine Notiz genommen! Wozu auch? Sie steht ja da mit felsenfesten 95 %!

Unter der „Verwaltung“ der Homosexuellenbewegungen und der Schwulen, die ja meistens sich selber finanzieren und ohne grosse staatliche Unterstützung auskommen müssen, obwohl sie ja eigentlich „leibliche Kinder“ der Heterosexuellen sind, hat sich nun ein interessanter „Abfall“ der Heterosexualität angesammelt. (Für die politische Korrektheit: Abfall kommt von abgefallen!)

Das sind nun also – neben den Schwulen und Lesben – noch die Bisexuellen, die Trans*was-auch-immer, Intersexuelle (und Hermaphroditen), des weiteren die Queers* , die Questionning (1) und die Asexuellen. Und ganz aktuell nun auch noch die Pansexuellen (2), wie ich mir habe erklären lassen. Somit sieht die „Familie des Abfalls“ – in Abkürzungen – zur Zeit wie folgt aus: LGBTIQQAP.

Das erinnert mich an die berühmte Formel des „Schwulen-Gens“ XQ28 oder so ähnlich! Nun sind wir also von einer ursprünglichen „Krankheit“ bei einer immer länger gewordenen „Formel“ gelandet. So etwas habe ich mir aber nie unter „Schwulenemanzipation“ vorgestellt. Auch nicht die Schwulen-Ehe. Und ich denke ganz politisch unkorrekt, dass ich als Schwuler mit allen anderen eigentlich nichts am Hut habe. Und was die Bisexuellen (was immer das auch für sie selber bedeutet) betrifft, so ist wohl der kleinste gemeinsame Nenner die Sexualität miteinander. Damit hat sich’s aber schon.Wir Schwulen hätten da also von denen noch sehr viel zugut – denn wir sind AUCH für sie auf die Strasse gegangen!

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

 

1) Das sind diejenigen, die selbst nicht wissen, wohin sie gehören!

2) Dass mit dem neuen P nicht die Pädophilen oder gar Pädosexuellen gemeint sein können, habe ich sofort begriffen. Aber wenn man das Wort Pan*… betrachtet, dann könnte man auch diese da drin noch mitnehmen! 😛

P.S. Die Gerontophilen werden natürlich vergessen, denn das ist dann – politisch korrekt – „Vergewaltigung von alten Senioren“ oder so…

Es gibt auch sexuelle Menschenrechte (DGSS)

der „schwulentest“ zum neuen jahr

Montag, Dezember 31st, 2012

Nein, ich will nicht mit Fragen Eure Zeit verbrauchen! Ich habe hier einige interessante Reaktionen auf Testresultate gesammelt. Der eine oder andere wird sich darin wiederfinden!

50 %  was mache ich mit dem Rest von mir? will ihn jemand haben?

40% ! Aber immerhin: Ein bisschen Bi schadet nie!

ich habs schon länger geahnt, ich bin 95% schwul! also nicht mehr wirklich bi….

Überraschende 60%  –  Hehe, 60% gar nicht so abwegig 🙂

huch 100 % – das dachte ich jetzt nicht  😉

Huch – 90%! Wenn das meine Frau sieht *lach*

Ich bin auf  75 % gekommen. Trifft genau den Kern für mich als Hetero mit Neigung zum eigenen Geschlecht!

Hi – also ich bin 60%, aber wenn ich einen Schwanz im Mund habe kommt es mir doch deutlich mehr vor????!!!!

Bei mir lautete das Ergebnis 30 %. Kann aber nicht stimmen. Fühle mich 100 % schwul – und das schon sehr lange.

Sind doch 70% geworden 😉

also ich habe 45 % und bin schwul, jedoch lebe ich ganz normal, bin keine Tunte und nichts. Ich denke daher „nur so wenig?“, auch wenn ich schwul bin. Der Test passt halt eher zur rosaroten Tucke :- p

hi – bei mir sind es 25%…………na ja…..

Gratuliere, ist ja echt toll, du und ich in einem Zimmer mit/in nur einem Bett, wow das ergibt 100% Schwulität! Frag jetzt aber ja nicht, mit welchem Ergebnis ich aus dem Test kam!

Ich soll nur 20% sein. Aber wenn ich einen Schwanz lutsche, den aber zu 100%

Nach dem Test 55%. Was dann der Rest? Homo-asexuell wohl

Bin enttäuscht, nur 75%

40 % aber bei bi ist das kein Problem

Ich habe Glück gehabt 60%

Nach 2,5 Monaten den nächsten Versuch gemacht. Es bleibt bei 40 %.

Ich hab’s mir doch gedacht, der Test ergab 95% ! Geil….

Hab den Test noch mal gemacht, komme jetzt auf 90%! Also doch langsam eher schwul als bi?

70 %, schau schau

Ich bin gerade mal auf 55 % gekommen und das obwohl ich stockschwul bin!

Toll, 50%! Und jetz? 😀

85% – Oh… – ich hätte eher gedacht so um die 70%…

bei mir kamen 40 % raus als bi Typ perfekt

10%… bin ich krank?? 🙂

60%… so habe ich’s erwartet.. 🙂

70 % und das ist gut so

85%  Bin Hetero ohne Berührungsängste zu Männern  (Masseur)

wie nicht anders erwartet: 100 %

Haha!  100% und das, obwohl ich bi bin.

funny test! Habt ihr mehr davon?

habs nur auf 25% gebracht, na ja reicht ja auch.

40 %. Bin aber in Wirklichkeit zu 95 % schwul. Man sieht halt, wie unsinnig Klischees sind.

Liege bei 85% mann, war mir gar nicht bewusst 😉 Ist aber schon etwas neurologisch auffällig der test

bei mir sind es 50% also passt es ganz gut, denn ein bisschen Bi schadet ja nie

So ein „Schwulentest“ ist das letzte, was mann sich antun kann, im doppelten Wortsinne! Es tun ja hier oft Männer so, als ob das alles keine Bedeutung hätte und jeder so tun könne, wie ihm beliebt, aber einigen scheint die Versicherung der eigenen Einschätzung doch wichtig zu sein! Wer sich ernsthaft mit dem Thema befasst, der sollte sich klar sein, dass homosexuelle Lust, sexuelle Orientierung und Lebensweise nicht miteinander übereinstimmen müssen!

Diese Widersprüche zeigen sich vor allem an den Kommentaren. Weder können Männer und Frauen so locker mit ihren Sexualbedürfnissen umgehen, wie Schwule unter sich, ich meine jetzt diejenigen Homosexuellen, die nicht immer nur mit dem Schwanz oder dem Arsch dabei sind, noch können Männer aus einer/m heterosexuell bestimmten Welt oder Leben so locker mit Männerkontakten umgehen wie ein Masseur (85 % hetero), der aus beruflichen Gründen wohl seine Homophobie verloren hat.

Zwar sind nicht mehr alle Homosexuellen und Schwulen in einem Ghetto eingesperrt, aber die Homosexualität an sich ist für viele Männer ein Ghetto, oder ist eben für Heteros/as so bedrohlich, dass sie hartnäckig ghettoisiert wird und nicht an jeder Ecke zu finden ist, wie die Kleidershops für Frauen…

Ein italienischer (die haben’s erfunden!) Schwuler schrieb dazu einmal sinngemäss: Wer ist denn im Ghetto? Homosexuelle (ich meine jetzt diejenigen, die nicht „auf Frau machen“) können sich ziemlich locker bei den Heterosexuellen und mit Frauen zusammen bewegen, ohne dass sie dafür diskriminiert werden.

Heteros hingegen können sich nicht so einfach in das Ghetto hinein begeben, das sie selbst dauernd verursachen (!), ohne „in irgendeinen Verdacht“ zu kommen. Und die meisten Heteros/as kapieren gar nicht, dass sie selbst letztlich die Ursache von dem allem sind. Es gibt allerdings immer wieder „Normale“, die sich darüber wundern, wie leicht und angenehm man sich in dem vorher gefürchteten Ghetto bewegen kann, wenn man alle die heterosexuellen Ängste vergisst. Und sehr viele homosexuelle Männer erleben das sogar auch so…

Giovanni dall’Orto, so heisst dieser schlaue Mann und am Schluss seiner Überlegungen steht die sehr wichtige Frage: „Wer ist denn hier in einem Ghetto?“ Derjenige, der immer wieder raus und rein kann, oder derjenige, der sich nicht wagt, seines zu verlassen? Unter anderem bildet das Internet für diese Angsthasen eben oft das einzige Türchen, durch das sie schlüpfen können! 😉

Im Weiteren hatte das jüdische Ghetto (das in Italien ausgeprägt war) immer zwei Schlüssel für die Tore bereit. Einmal um die Christen auszuschliessen und einmal für die Christen, um die Juden einzuschliessen, oder eben auszuschliessen aus dem eigenen christlichen, das nicht als Ghetto begriffen wurde.

Und wer mir folgen kann, wird den Satz „Ein bisschen bi schadet nie“ vielleicht mit anderen Augen lesen. Denn in dem Wort bi ist sowohl das Ghetto der Heterosexuellen angedeutet, aber auch das Wort homosexuell, aber unsichtbar, eingeschlossen. Logischerweise sollte es heissen: Ein bisschen gay macht fray – oder so ähnlich! 😉

Dieser bi-Satz ist so typisch „schwul“, dass er mir wie eine Pirouette im Ballett, oder ein gedrechselter Handgriff an der Kellertreppe vorkommt, mit dem mann sich dem Fallbeil der Diskriminierung zu entwinden sucht. Ziemlich stümperhaft, wie ich finde und eines „richtigen“ Mannes unwürdig, der sich grossmäulig sonst so seine Freiheiten bei Frauen nimmt…

Ich möchte diejenigen trösten, die von ihren Prozentzahlen enttäuscht waren: Egal welche Zahl sich ergibt, Homosexualität steht allen Männern zu und nicht wenige Schwule pflanzen sich mit Frauen fort…

Peter Thommen_62, Schwulenaktivist, Basel

2 doctors 78

Mütter sind be-rechnend, USA 1978

P.S. Ein witziger Text über das Schwulsein in der Familie

augenblicke der wahrheit

Dienstag, November 2nd, 2010

Am Donnerstag, dem 24. Juni 2010, abends, ist mir so was von Selbsthass und Projektionen begegnet im guten alten Elle&Lui, wie es wohl nur Psychotherapeuten und Psychiater real erleben! Schwule müssen sich meistens mit dem Hass von heterosexuell Orientierten auseinandersetzen, wobei sie oft die Erfahrung gemacht haben, dass ihnen dabei die bis zur Perversion verleugneten eigenen Anteile dieser Heteros/as in einer real-dramatisierten Form begegnen.

Viel härter noch ist die Form des heterosexuellen Selbsthasses, der einem in Person eines Homosexuellen begegnen kann! Ein heterosexuell motivierter Hass, der sich zudem nach aussen und zugleich an „die eigenen Leute“ richtet! Meistens läuft diese Form von „Selbsttherapie“ nur unter Schwulen ab und wird daher von Heterosexuellen und der Wissenschaft gar nicht zur Kenntnis genommen. (Das typischste Beispiel ist der Hass gegen die Tunten.) Und die Schwulen schütteln einfach nur den Kopf, wenn ihnen „so etwas“ mal zufällig begegnet.

Es sind mir verschiedenste Formen dieses Selbsthasses gegenwärtig, vor allem aus den letzten Jahren, in denen die Schwulenbewegung an Bedeutung verloren hat. Vor allem jetzt im Internet, wo die verschiedensten Formen davon sich hinter Fetischen, Drogen, Destruktion und Selbstzerstörungen psychischer und sogar physischer Art verbergen.

Dieser Selbsthass ist der verlängerte Arm der heterror-sexuellen Kultur, die es immer wieder schafft, ihre Drohung wahr zu machen: Nämlich dass ein selbstbestimmtes schwules Leben „von Natur aus“ – und noch nicht mal schon ab 16 Jahren – keine Aussicht auf Erfolg hat und nur in der sprichwörtlichen Scheisse enden kann und muss. Dabei komme ich nicht umhin, auch an die Lebensform Frau zu denken. Doch dazu später.

Der „Schwulenpapst“ wird nicht nur geliebt von Schwulen, und das ist auch normal so. Ich habe mich immer mal wieder damit auseinandersetzen müssen und das „ging ganz schön an die Nieren“. Denn die „Kuschel“-Akzeptanz von Heteros oder der „Heteroszene“ ist noch nicht wirklich „nachhaltig“. Aber für Homosexuelle, die innerlich froh sind, nicht mehr beschimpft oder gar getreten zu werden (zB früher unter dem alten Schutzalter bis 20 Jahre), ist das schon mehr als das halbe Leben.

Das Symptom, das ich soeben beschrieben habe, kenne ich vor allem aus der Bisexuellen-Szene im Internet! Bis ich den Zusammenhang bemerkt habe, hatte ich Diskussionen gehabt, die bis ins Unerträgliche der persönlichen Beleidigungen gingen und Drohungen gegen meine Person und meine körperliche Unversehrtheit enthielten. Die Person, die in dem Schwulenlokal gegen mich ausfällig wurde, erinnerte mich auch an Diskussionen, die ich vor ein paar Jahren mal mit Frauen hatte. Damals hatte sich bald herausgestellt, dass diese in ihrer Kindheit sexuelle Übergriffe erlebt hatten. Nun, die hier beschriebenen Aengste können auch vor der Furcht davor entstehen…

Ich muss hier auch anfügen, dass ich auf einer Kontaktplattform, die vor allem für Junge gedacht ist, Erfahrungen mit „pädophilen“ Zuschreibungen (Verdächtigungen) gemacht habe. Die Rolle des „Pädophilen“ ist mir dabei zugefallen, weil ich als älterer Schwuler einige Jungs in Diskussionen daran erinnert hatte, dass sie nicht darum herum kommen würden, ihre sexuelle Orientierung auch ihren Müttern zu gestehen! Denn von anderen Jungs „Ehrlichkeit und Treue“ zu fordern, ohne sie selber auch ausserhalb der Beziehung – oder innerhalb der heterosexuellen Familie – zu praktizieren, finde ich sehr widersprüchlich. Dabei bin ich natürlich auch voll in die Rolle eines Vaters hineingelaufen, der bekanntlich bei Jungs – vor allem homosexuellen – nicht eine hervorragende Rolle spielt.

„Mutter“ kann natürlich sehr vieles sein! Das hängt nicht an den realen Blutsverwandtschaften. Und für viele Homosexuelle ist offenbar die Gesellschaft, ihre Moral und wie sie das so erleben, auch eine Art Mutter!

So, jetzt glaube ich, fast alle Elemente zu dem Phänomen zusammengetragen zu haben. Stopp! Noch etwas muss ich dazufügen: Mir sind in den letzten Monaten ältere Homosexuelle in meinem Laden begegnet, die mir von ihren „heterosexuellen“ Verletzungen in der Jugend und bis ins junge Erwachsenenalter erzählten. Männer, die noch älter sind als ich selbst – also 65, 70 und um die 80. Männer vor allem, die nie von der Schwulenbewegung erreicht worden sind!

Kehren wir also zurück zu jenem Abend im Elle&Lui – und vor allem – zu dem, was ich da eigentlich „verbrochen“ hatte. Ein paar Stammkunden sassen herum. Bei ihren Bieren. Und Tarik war wie immer um das Wohl seiner Gäste besorgt. Wir foppten ihn damit, wann wohl die Türken an der Weltmeisterschaft spielen würden…

Nun platzte ich mit einer aktuellen Meldung aus den USA heraus: Da hatte ein Zehnjähriger in seiner Schule das tägliche amerikanische Treuegelöbnis mit Fahnenaufzug und Hand auf dem Herz plötzlich verweigert, weil er der Meinung ist, dass Gleichheit in den USA für Schwule und Lesben noch lange nicht erreicht sei. Auch exponierte er sich mit den Eltern im Fernsehen, weil er in seiner Stadt den CSD-Umzug anführen wird. (googeln nach: Ethan McNamee) Ich fand das mutig und auch irgendwie nett…

Doch bei einem der Stammgäste, er hatte wohl schon einige Bierchen in sich, löste das eine plötzliche und heftige Reaktion aus! Ich hatte gelegentlich – über die letzten Jahre – immer mal wieder mit ihm und Gästen diskutiert. Natürlich über schwule Belange. Und meistens ist bei ihm so ein Bodensatz an „Säuerlichkeit“ zurückgeblieben. Wie das bei Bierkonsumenten schon mal üblich ist?

Doch jetzt legte er ein Donnerwetter gegen mich los, das sich nur über die Jahre zusammengebraut haben konnte. Ich sei völlig von Sinnen und würde quasi noch Kinder ins Verderben zerren. Dem Jungen sei das nur eingeredet worden, denn selber könne der das unmöglich beurteilen. Er hätte mich schon länger beobachtet (und natürlich beargwöhnt) und ich gehörte in den Knast als Krimineller – wegen „solcher“ Aktivitäten. Soweit ein Ausschnitt aus der persönlichen Ebene.

Genau diese meine Ansichten würden bei der heterosexuellen Gesellschaft das Renommee der Homosexuellen in den Dreck ziehen und die allgemeine Akzeptanz verhindern. Damit würde ich „denen“ in die Hände arbeiten und den Homosexuellen nur schaden. Soweit die gesellschaftliche – oder eben „Mutter“-Ebene.

Es hatte sich eine allgemeine Betroffenheit ausgeleert an der Bar. Der Barman sagte nur: „Ich äussere mich nicht dazu!“ – Das erwartete ich eigentlich auch nicht von ihm, der in solchen Fällen ja immer versucht, seine Gäste wieder zu beruhigen und allgemein Harmonie zu verbreiten. Und wir lieben ihn ja auch alle.

Der Ausbruch dieses Stammgastes überraschte mich auf der einen Seite. Andererseits erkannte ich darin diese Säuerlichkeit wieder, die er jeweils in Diskussionen mir gegenüber zurückliess. Seine heftige Reaktion war ähnlich einer Person, die reale sexuelle Übergriffe erlebt haben musste. Ich sagte ihm auf den Kopf zu, dass er jetzt einmal wirklich ehrlich gegenüber mir gewesen sei und ich ihn quasi verstehen würde, aber dass ich seine Beleidigungen und Beschuldigungen und Drohungen zurückweisen müsse. Ich schlug zurück mit der Bemerkung, was hätte ER denn schon getan, als immer nur seine Biere zu trinken und den Finger im Arsch zu drehen. Punkt.

Irgendwann redete er dann mit seinen Nachbarn an der Bar und erstaunlicherweise hatten die Leute plötzlich Diskussionsstoff miteinander und die Drama-Szene wurde durch neu hinzukommende Gäste langsam wieder verwischt. (Ich weiss natürlich nicht, welches die realen Hintergründe in seiner Biografie sind, daher verlasse ich jetzt die persönliche Ebene.)

Die aktuelle Gayszene verdrängt vor allem die frühen biographischen Elemente eines selbstbestimmten schwulen Lebens, wie auch die heterosexuelle Kultur das selbstbestimmte Leben von Frauen noch immer nicht völlig akzeptieren kann. Hier wie dort führen die als „normal“ verstandenen Verhaltensweisen in „normale“ Zweierbeziehungen hinein, wie Ehe, eingetragene Partnerschaft, die eine „selbstgewählte“ und als dominierend erlebte Form von Familie einfach fortsetzen.

Normalität war schon immer angesagt. Ich erinnere an die Geschichte der Schwulen aus dem letzten Jahrhundert: Die Vereinheitlichung verschiedenster kantonaler und historisch-kulturell und religiös geprägter Strafgesetze mündete 1942 in ein doppeltes Schutzalter von 16 für heterosexuelle Kontakte und eines von 20 für homosexuelle Kontakte. Dies traf vor allem die homosexuellen Männer – bis Ende der 80er! Nach der Moral des alten Strafrechts war der überwiegende Teil der Betroffenen zu Tätern geworden. Juristisch war egal, wer jünger oder älter war, auch ein Stricher war einfach ein „Täter“ – aber sinnigerweise auch Opfer – sonst hätte man dem Freier ja nichts antun können. Auffällig in dieser Zeit waren auch die wiederholten Beteuerungen aus der Schwulenszene und den Schwulenorganisationen, dass auf keinen Fall unter 20jährige akzeptiert würden und dass auch die Prostitution, die quasi für Männer verboten war, bekämpft würde. Das war eine Konzession an die Mutter-Moral der Gesellschaft.

Ich weise ausdrücklich nochmals darauf hin, dass diese Konflikte bei Frauen kein Thema waren. Täterinnen gegen das homosexuelle Schutzalter waren von 1942-1992 unbedeutend. Wer jetzt den Frauen mehr Disziplin oder Unschuld zuspricht, glaubt wohl an Märchen oder eben daran, dass Frauen keinen Penis haben und somit keine „Taten“ begehen können…

Diese Konzessionen an die „Mutter-Moral“ der Gesellschaft werden wider besseres Wissen gemacht. Etwa so ähnlich, wie Opfer sich in TäterInnen verlieben, um sich die reale Situation nicht eingestehen zu müssen*. Ich kann mich schon immer erinnern, dass Schwule von ihrem „anderen“ Bewusstsein schon aus früher Jugend berichtet haben, ungeachtet eines moralisch/juristischen „Schutzalters“.

Zudem möchte ich ausdrücklich daran erinnern, dass das das „Schutzalter“ eine hilflose Begriffskonstruktion ist, die einfach linear über eine Biografie gelegt wird – zur „Gleichbehandlung“. Die einzige Politikerin, die jemals öffentlich von einem „Alter der sexuellen Selbstbestimmung“ sprach, war die FDP-Bundesrätin Elisabeth Kopp. Ganz vergessen wird immer, dass der Bundesrat für die Revision ein Selbstbestimmungsalter von 15 Jahren vorschlug, die Expertenkommission von 14 Jahren. Es kann mir keineR weismachen, die seien alle „pädophil“ gewesen!

Es hat sich im Zuge einer allgemeinen „Gleichberechtigung“ von Homo- und Heterosexuellen eine moralische „Gleichbehandlung“ etabliert, die sich jetzt als Heterror erweist: Der Schutz der Jüngeren vor den Aelteren. Jungs werden behandelt wie Mädchen und müssen vor Penetrationen geschützt werden. Denn sie sind – nach heterosexueller Moral – zur Passivität verdammt wie die Mädchen. Das entspricht auch der Ideologie vom Täter: Frauen können keine Taten begehen, weil sie keinen Penis haben. Daher sind sie generell für Jungs ungefährlich und ihren Manipulationen völlig ausgesetzt. Jungs bringen kein Kind heim, über das Frau sich freuen kann. Und Täterinnen können die Angabe des Vaters verweigern, wenn sie mit Jungs im Schutzalter „fruchtbaren“ Verkehr haben…

Dass es Jungs geben kann, die auch mal Erwachsene penetrieren wollen und können, können sich Frau und Mann höchstens in der Heterosexualität vorstellen – und das ist ja dann nicht so schlimm. Eben besonders, wenn es dann neun Monate später ein Kind zu betreuen gibt. Keine Traumatisierung, kein Seelenschaden.

KeineR würde sich unter Gleichberechtigung oder Gleichwertigkeit vorstellen, dass Frauen wie Männer sein sollen – oder per Gesetz gleich behandelt. Aber in Bezug auf Homosexualität werden Homosexuelle/Schwule über den gleichen moralischen und juristischen Kamm geschoren wie Heterosexuelle. Auch Lesben betrachten letztlich oft Schwule als „richtige Männer“! Haben wir diese „Gleichmacherei“ so gewollt?

Peter Thommen60, Schwulenaktivist, Basel

*Das sogenannte „Stockholm-Syndrom“ (> Wikipedia)

Ein siebenjähriger ist für gay rights

Wieso ist eigentlich Fortpflanzung zwischen Kindern keine Pädophilie?

zwar schwul – aber ein guter svp-ler…

Dienstag, Juni 1st, 2010

Ist die gay svp nur ein Pfahl im mütterlichen Fleisch, oder kann sie bei den sieben Vätern auch missionieren? (= eindringen)

Die vierzig wackeren Gründungsmitglieder sind davon wohl ebenso überzeugt wie die Gründer der „Homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich“ im Jahr 1972. Letztere konnten damals schon auf ein sympathisierendes Ohr der NZZ und des Tagesanzeigers zählen…

Im linken Magazin „focus“ erschien 1973 eine öffentliche politische Diskussion unter dem Titel: „schwul – aber ein guter Freisinniger“. Die „bürgerlichen Schwulen“ waren nämlich schon am Anfang der öffentlichen Schwulenbewegung ein Thema. Doch hat es jetzt 40 Jahre gedauert – bis kurz nach Einführung der „Eingetragenen Partnerschaft“ als bürgerliches Lebensmodell, bis sie sich getraut haben, sich öffentlich in bürgerliche Parteien „einzunisten“. Um die SVP hat das natürlich Staub aufgewirbelt.

Ich bin 1973 zur Schwulenbewegung gestossen, über einen Artikel, den ich im linken Magazin „focus“ gelesen hatte. Ich zitiere diejenigen Punkte, die auch heute noch diskutiert werden müssen!

(1973) „In den politischen Parteien haben wir noch keine eigentliche Unterstützung gefunden, obwohl man annehmen sollte, dass eine so grosse Gruppe wie die der Homosexuellen ein gewisses Potential darstellt. Es gibt Gruppen, die viel kleiner sind als wir, für die setzt man sich ein.“

 

„Ich gehe vom sozialpolitischen Standpunkt aus, weil ich aus eigener Erfahrung weiss, dass viele Schwule aus katastrophalen familiären Situationen herauskommen, an denen unser herrschendes System Schuld ist. Ich unterstütze jede Organisation, die auch in der Beziehung dafür sorgt, dass ein Mindestmass vorhanden ist, der es dem Geringsten von uns ermöglicht, ein menschenwertes Leben zu leben.“ (Edi, SOH, in focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

 

focus: „Das sind Forderungen, die so auch das fortschrittliche Kapital auf seine Fahnen schreiben kann, weil sie langfristig durchaus in seinem Interesse liegen.“

(Peter Baumann, focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

Vielleicht erhellt nachfolgende Stelle Gründe für eine „verspätete bürgerliche Politisierung“ etwas mehr…

„Ich möchte da mal noch auf einen anderen Punkt zu sprechen kommen: Wir sind sehr progressiv im Reden. Dabei wissen wir aber ganz genau, dass unter den Schwulen der grösste Teil stock-konservativ ist, stock-konservativ erzogen wurde und sich auch stock-konservativ verhält. Vor allem zwei Dinge fallen da auf: Es gibt bei uns Typen, sagen wir mal Direktoren, die den ganzen Tag die Möglichkeit haben (und von dieser Möglichkeit auch Gebrauch machen) mal einen Linken, Langhaarigen aus der Bude rauszuschmeissen, weil der schwul ist, und die dann am Abend im Park genau diesen Gay aufreissen und der ihnen für die ganze Nacht recht ist. Zum anderen haben wir die Erfahrung gemacht, gerade in unserer Organisation, dass diese Direktoren und andere sogenannte “gutgestellten Leute” sich vehement dagegen sträuben, dass junge Leute da in den Club (hey, ehem. Nähe Bellevue, PT) kommen und etwas Neues zu machen versuchen. Daran sind sie nicht interessiert.“

(Erwin, SOH, in focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

Je bürgerlicher also, desto „angepasster“ an diese Normen, welche „von Natur aus“ die sichtbare Homosexualität ausgrenzen. Das beobachte ich auch bei den Bisexuellen. Bis jetzt hat sich keine öffentliche Sichtbarkeit dieser „Sexualpräferenz“ ergeben. Die Metrosexualität ist nur ein modisches Klischee, hinter dem mann allenfalls seine homosexuellen Bedürfnisse verbergen kann. Wichtiger ist immer noch, als Hetero aufzutreten! Und als „halb-hetero“ ist er ja „noch nicht ganz verloren“… Bürgerlich gesehen ist eben Männlichkeit wichtiger als irgendwelche Formen von „Weiblichkeit“, die an Homosexuellen und in der Homosexualität (anale Penetration) vermutet werden. Mir ist in den letzten Jahren auch aufgefallen, dass Bisexuelle auch nicht bereit sind, das „Stigma“ mitzutragen und einen Beitrag zu leisten an einen Abbau der Diskriminierung. Wichtig aber auch, festzuhalten, dass Bisexuelle vor allem von (ihren) Frauen diskriminiert werden!

„Aber noch zur konservativen Haltung der Schwulen: Das hängt mit dieser Unsicherheit zusammen, mit dieser fundamentalen sexuellen Unsicherheit. Diese Zwangssituation im Ghetto führt im übrigen Bereich zu einer Überanpassung. Wenn man da etwas lockern kann im sexuellen Bereich, dann hört auch die Überanpassung auf.“ (Martin, HAZ, in focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

Ich denke, der Zusammenhang ist richtig, aber die Schlussfolgerung hat sich bis heute als falsch erwiesen! Weder die Lockerung des „schwulen Ghettos“ (also auch seine Kommerzialisierung), noch die Lockerung der sexuellen Vorschriften haben die „Überanpassung“ an die bürgerliche Gesellschaft verhindert.

„Dass die meisten Schwulen im Moment überangepasst sind und eine konservative Haltung einnehmen, hängt damit zusammen, dass sie in allen Bereichen, wo sie nicht so vital betroffen sind – oder wo sie meinen, nicht so vital betroffen zu sein -mit den Wölfen heulen wollen und päpstlicher als der Papst zu sein versuchen, wenn die Leute dann nur wenigstens zur Haltung kommen: “Er ist zwar schwul, aber er ist ein guter Freisinniger.”

(Michael, HAZ, in focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

Die gay-svp beruft sich auf das Programm iher Väterpartei: Erstmal wird die Freiheit, die als Gegensatz zum Staat verstanden wird, gross geschrieben. Obwohl nicht die SVP unsere Rechte und Grundfreiheiten garantiert, sondern der Staat, an dem sie ja als „grösste Partei“ auch immer mehr teilhaben will… 😉

gay-svp: „Wir stehen zur Politik der SVP und unterstützen das Parteiprogramm vollumfänglich. Wir sind für die Ausschaffung krimineller Ausländer, sind gegen den EU-Beitritt und stehen ein für eine unabhängige Schweiz und ihre traditionellen Werte ein.“

Also genauso wenig wie die Heteros wollen sie sich überlegen, woher und warum „kriminelle Ausländer zu uns kommen und ob diese Migration vielleicht selbst mit verursachte, wirtschaftliche Gründe haben könnte. Und genauso wenig wie viele „Scheinehen“ können damit „Scheinpartnerschaften“ verhindert werden!

Unklar ist, was die traditionellen Werte der Schweiz sein sollen. Wahrscheinlich die Werte der SVP (ehemals Bauern- Gewerbe- und Bürgerpartei). Vielleicht sind sie aus dieser alten Bezeichnung ableitbar.

Die gay-svp unterstützt die Petition für die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare – und das geht wohl am besten in einer eingetragenen Partnerschaft. Ok. Aber was soll dieser Satz: „Auch gleichgeschlechtliche Paare werden ihre Kinder somit eher aus dem Ausland adoptieren. Diese Kinder erhalten damit eine Chance anstatt auf der Strasse oder in schlecht geführten Kinderheimen in einer geborgenen Atmosphäre aufwachsen zu dürfen.“

Völlig übersehen wird die Tatsache, dass Homosexuelle aus schlecht geführten Kinderheimen wohl eher in der Lage sind, über die traditionell-heterosexuelle Familie hinauszudenken und die in „einer geborgenen Atmosphäre“ aufgewachsenen Homosexuellen wissen auch, dass sie mit ihrer Orientierung darin etwa genauso wie „auf der Strasse“ oder in einem „schlecht geführten“ Kinderheim aufwachsen“ durften… (Ich pauschalisiere absichtlich! Ihr wisst schon, was ich meine.)

„In vielen Ländern sind Homosexuelle Verfolgung und Bedrohung an Leib und Leben ausgesetzt. Wir unterstützen Bestrebungen, diesen Menschen mit allen unseren Möglichkeiten (Aussenpolitik, Förderungsprogramme, Aufnahme in der Schweiz) gezielt zu helfen und sie zu unterstützen.“

Das ist sehr lobenswert und in deren Heimatländern langfristig auch wirksam. Aber wer entscheidet, wer und wie viele davon „Aufnahme in der Schweiz“ erfahren dürfen? Es sind Heteros – und ich kenne keine der Stellen, in denen vielleicht irgendwo eine Regenbogenfahne steht, die signalisiert, dass auch Homosexuelle willkommen wären, denn homosexuelle Flüchtlinge werden – aus ihrer Erfahrung zuhause – mit ihrer Orientierung hier keine Flagge zeigen!

„Es ist unsere Überzeugung, dass der schleichenden Islamisierung unserer Gesellschaft entschieden entgegen zu treten ist. Die Intoleranz gegenüber Homosexuellen, welche vor Verfolgung bis hin zur Tötung nicht zurückschreckt, ist gerade in islamistischen Kreisen besonders stark. Und deshalb muss das Minarett, als Machtsymbol für die Unterdrückung Andersdenkender, verboten werden.“

Da kann ich als einheimischer evangelischer Schwuler nur meine Augen aus dem Kopf staunen, wie geschichtslos und ignorant die gay-svp gegenüber der eigenen christlich-katholischen Kultur und ihren Machtsymbolen mit Türmen, Kathedralen und sogar Glocken, ist. (Stichworte: Kriminalgeschichte des Christentums. Mormonen, Zeugen Jehovas und alle diese Jubelkirchen in den USA – und neustens auch in Afrika/Uganda!) Ich erinnere auch daran, dass alle die Gruppierungen wie „Homosexuelle und Kirche“ (HuK) in Jahrzehnten vielleicht Bewegung in die evangelische Kirche, aber keine Rasierklinge zwischen das Gestein der katholischen Kirche gebracht haben.

„Wir sind besorgt über Entwicklungen, die die traditionelle Familie bedrohen. Diese Initiative verlangt die Gleichberechtigung fremd betreuender Eltern mit solchen, die ihr Kind zu Hause aufziehen. Beide Familienformen sollen Anspruch auf Steuerabzüge haben. Auch als Homosexueller kann man für eine traditionelle Familie einstehen.“

Diese traditionelle – hier vor allem Klein- Familie, die ihr Kind zu Hause aufzieht, es vielleicht gerade noch zur Schule gehen lässt, aber sonst „gut behütet“, erlaubt es gerade NICHT, einem homosexuell orientierten Kind Alternativen zur Heterosexualität kennen zu lernen. Denn diese traditionelle Familie ist homophob und vor allem an der weiteren Fortpflanzung interessiert, damit das eigene Leben in die „Ewigkeit“ verlängert wird, wie es die Religion auch verspricht! Unter diesem Aspekt ist die Behandlung der Homosexualität an Schulen eine lobenswerte Unterstützung der gay-svp, aber letztlich nicht im Interesse einer „traditionellen Familie“. Gerade, weil „fremd betreute“ Kinder auch mal Kinder aus „anderen Familien“ zu sehen bekommen, wären Erziehungsabzüge bei den Traditionellen keine wirkliche Investition in die „soziale Bildung“.

Mein Eindruck von der gay-svp ist eher einer von einem Pfahl im Fleisch, mit Konzessionen an verschiedene Werte, die auch das Selbstbewusstsein von Homosexuellen – gerade in der Familie – anfressen. Dabei wird Sexualität – in gewohnter typischer Art als „Privatsache“ erklärt, um die Widersprüche nicht sichtbar werden zu lassen – genauso wie bei den Heteros. Hier die Familie und dort die Langstrasse… Das Eine hat angeblich mit dem Anderen ebenso nichts zu tun, wie ein schwuler Direktor mit einem schwulen Angestellten. Erst beim Fick im Park oder der Sauna. Aber das haben wir doch schon 1973 diskutiert.

Die Erfahrungen mit schwulen Kandidaten auf hetero Parteilisten haben gezeigt, dass von ihnen mehrheitlich heterosexuell geprägte Politik gemacht wird. Da versickern schwule Anliegen gleich durch Anpassung – auch bei den Linken!! Und soll mir einer glaubhaft erklären, ob das Gesetz über die „eingetragene Partnerschaft“ unter Bundesrat Christoph Blocher (Justiz) bis heute jemals geboren worden wäre! Das habt Ihr vor allem der CVP und ganz persönlich der Ruth Metzler zu verdanken!

Peter Thommen_60, Schwulenaktivist, Basel

 

Hier der Link zur focus-Diskussion 1973

http://www.schwulengeschichte.ch

 

 

die heiligenbilder ehrlichkeit und treue

Dienstag, Mai 25th, 2010

Schon lange wollte ich darüber etwas schreiben. Kürzlich hatte ich wieder eine dieser typischen Diskussionen! 😉  Worum ging es? Um monogame Beziehungen und Treue…

Langsam komme ich meinen Reaktionen auf die Schliche! Und ich lerne, zu verstehen, warum es Leute gibt, die sich so gerne an diese Begriffe halten. Vorerst reagiere ich immer ablehnend und zurückweisend. Dies wiederum verstehen Andere nicht, weil sie ja „ihre Argumente“ auch einbringen möchten. Verständlich.

Nach Jahrzehnten der Erfahrung mit Schwulen und Heteros, sowie mit dem ach so hmhm Milieu, bin immer noch nicht bereit, Heiligenbilder an die Wand zu nageln. Andererseits sind viele Jungs dabei, sich an heterosexuelle Vorbilder zu halten, aber über die praktischen Konsequenzen dieser „Heiligen-Heterovorbilder“ nicht nachzudenken. Sie sehen jeweils auch nur an die Fassaden dieser Vorbilder, aber nicht durch sie hindurch. Dazu später mehr.

Ich gehe – übrigens schon sehr lange und seit den Anfängen der Schwulenbewegung – von praktizierbaren Verhaltensweisen aus. Mir ist wichtig, was für ALLE praktikabel und anwendbar wäre – und nicht, was Heilige und Mönche als Ideal propagieren! Alex Comfort, ein Engländer, schrieb mal ein Buch über eine „menschenfreundiche Sexualmoral“. Das war noch in den 70ern, der Zeit der menschen-feindlichen Religionsmoral.

In den Jahrzehnten vom Aufbruch bis zu Aids, wie auch in den Jahren des Internets habe ich eines von Männern und über die Homosexualität ganz klar gelernt: Die meisten wollen nicht schwul sein, aber Sex mit Männern haben. Viele haben ein niedriges Bildungsniveau – so 9. Schuljahr plus evtl. noch Lehre/Ausbildung. Aber dann stehen sie still. Wie viele Heteros auch, übrigens! Damit aber kann keineR einem „heiligen“ Vorbild nachleben – egal ob hetero oder homo!

Vielleicht denkst Du jetzt: Ach mann muss einfach Glück haben! Tja, wer baut sein ganzes Leben auf einem Glücksmoment auf??

Für eine hetero-orientierte, hetero-ideale, monogame Dauerbeziehung (Beim „Dauerfreund“ muss ich immer an einen Dauerkaffeefilter denken!) braucht es mehr als diese Grundlage! Gut, ich habe mich weitergebildet. In einem Sozialberuf. Anschliessend habe ich mich weiter-informiert. Dabei habe ich hinter Fassaden schauen können und ich habe – vor allem anhand der Sozialinstitutionen, gemerkt, dass diese Fassaden nur verlässlich funktionieren, wenn es „dazu noch“ Beratungsstellen, Einrichtungen, Hilfe, Renten, etc. gibt. Von alleine funktioniert diese Heterogesellschaft auch nicht. Und erst recht nicht die ach so vereinzelten und privaten Homosexuellen für welche „die Anderen ja nichts angeht“, was sie tun, oder wie sie orientiert sind. Das zeigt sich dann an den praktischen Lebensproblemen für homosexuelle Paare. Die werden einfach nur „heterosexuell verwaltet“, weil das Andere geht ja niemanden was an. Dafür gibt es bei den Heteros aber vieles für deren Kinder, was ja auch eine sexuelle Orientierung ausmacht, aber alle etwas angeht! 😉

Quentin Crisp, die grosse alte Tunte aus dem Vereinigten Königreich, die zuletzt in NY lebte und in einem Song von Sting verewigt wurde („An Englishman in NY“), redete in ihrer Biographie klar von den „Tatsachen des Lebens“. Und genau davon möchte ich auch immer wieder reden und schreiben. Nicht von den Aussenministern, den Präsidenten von Parlamenten, oder den Popstars, den Künstlern, Bischöfen, Päpsten und Genies! Da setz ich mich bewusst als „Schwulenpapst“ darüber.

Wir haben nun also ein heterosexuell orientiertes Gesetz über die eingetragene Partnerschaft „Gleichgeschlechtlicher“. Auch wieder so ein Wortmonstrum! Ich erinnere daran, dass in dem Gesetz nirgendwo ein Wort wie Sex oder homosexuell vorkommt. Auch schreibt es keine sexuelle Treue vor! Es hält sich also immerhin an eine Tatsache des Lebens! 😉

Ich bin nicht grundsätzlich gegen die eP, halte es aber für falsch, sein schwules Privatleben damit zu beginnen. Es sollte diese Möglichkeit für uns geben, in unserer Lebensmitte uns für eine Perspektive entscheiden zu können – sozial und materiell.

„Ehrlich und treu“ also wollen die vielen Junghomos sein – und es sogar auch versprechen. Die Absicht ist löblich. Aber was ist der tiefere Grund? Ich habe in Diskussionen mit Jungs viel Aggression erfahren, weil ich an diesen Begriffen „herumgezerrt“ habe. Letztlich ist mir klar geworden, dass vor allem das gesucht wird, was man selber nie in der Jugend erfahren hat, oder erfahren konnte. Will heissen: Nur wenige Jungs können in ihren Familien wirklich ehrlich sein und von ihrer Orientierung erzählen. Denn, würden sie dies einlösen, wäre ihnen ihre Familie, oder ihre Bezugspersonen nicht mehr treu! Tatsachen des Lebens! Diese Tatsache aber muss verdrängt werden und geleugnet. Denn im Grund wollten sie ja an ihre Familie glauben… Daraus hervor wächst ein Schuldbewusstsein, das völlig verkehrt und falsch ist!

Für Menschen, die nie eine Familie gehabt haben, mag es auch etwas Vielversprechendes sein, jemanden Treuen neben sich zu wissen. Und da mann nie eine Familie wie „die Anderen“ gehabt hat, möchte man es vielleicht jetzt mit einer homosexuellen „treuen und ehrlichen Beziehung“ versuchen. Aber wie in der Familie oben, schliessen sich allzu grosse Nähe und konsequente Ehrlichkeit und Treue meistens aus (Ausnahmen gibt’s eben nicht für alle!). Dazu mehr unten!

Wenn wir schon an Pfingsten sind, dann möchte ich erwähnen, dass gerade Jesus seinen Jüngern vorsagte, dass diese ihre Familien verlassen und ihr Hab und Gut zurücklassen würden, um ihm nachzufolgen. Jesus räumte auch auf mit der Vorstellung, dass wir unseren Eltern und anderen Vorfahren dankbar sein sollten für unser Leben. Er sagte einfach: Niemand kommt zum Vater, denn durch mich (Joh. 14,6). Durch den Glauben an einen „Freund“ also, wurde das Himmelreich „verdient“! Sehr un-heterosexuelle Tatsachen des Glaubens!

Wir müssen aus unseren Lebenszusammenhängen heraus erst stark werden können, um zu lernen, auch immer mehr ehrlich zu sein. Es nützt nichts, dies als Heiligenbild an die Wand zu nageln, oder in Profilen und auf Foren wie eine weisse Fahne (der Ergebenheit) voran zu tragen. Was ich sehe, so sind die meisten, die Ehrlichkeit in der Beziehung erwarten, dann gegen aussen und die Welt nicht mehr so ehrlich. Dafür wächst dann der Zwang in der Beziehung. Es geht nicht darum, einander zu betrügen, sondern einander auch ein Eigenleben zu lassen, um nicht in einer Beziehung zu verdorren. Keiner muss alles über den Anderen wissen, sonst hat man sich ja auch nichts zu erzählen. Aber wenn auch ein „unbekannter Raum/Bereich“ vorhanden ist, dann ist „die Beziehung“ wenigstens anders als die mit den eigenen Familienmitgliedern gelebte, über die man sehr viel weiss. Aber auch diese sagen einander nicht alles ehrlich, sonst würde diese Klein-Familie als Organisation auseinander fallen! Eine zwiespältige Praxis also, diese Ehrlichkeit. Tatsache des Lebens ist: Wir müssen lernen, sie umsichtig zu verwalten.

Viele vergessen beim Begriff der Treue, dass er auch Abhängigkeit bedeuten kann. Vor allem wenn es um sexuelle Handlungen geht, die man dann nur noch mit einer Person ausführen soll… Du erinnerst Dich sicher noch an Deine Kindheit und Jugend, wo Deine Sexualität völlig von Dir allein abhängig war. Du hattest vielleicht längere Zeit niemanden, mit dem Du Lust erleben konntest. Dann war vielleicht das erste Erlebnis so überwältigend, dass Du quasi gleich „lebenslang“ darauf abfahren wolltest. Damit hast Du auch erkannt, wie zentral die sexuellen Erlebnisse – besonders für junge Männer – sind. Und wie bei der Ernährung auch, ist es bei emotionalen und sexuellen Erlebnissen wichtig, Abwechslung und „Relation“ zu haben und zu erkennen, dass nicht ein einziger Mensch alle Deine Bedürfnisse lebenslang befriedigen kann. Mütter tun dies ja auch nicht! Das wäre eine Selbstüberschätzung und gegenüber den Anderen eine Anmassung. Ich meine jetzt nicht die anfängliche Treue, die in der „Uebereilung der Gefühle“ (alter Ausdruck für Verliebtheit) keinen Platz mehr lässt. Da ist die sexuelle Treue noch kein Thema. Erst da, wo mann wieder auf die eigenen Beine kommen soll! 😉

Männer, die in einer grösseren Familie aufgewachsen sind, haben auch ihre Lieblingscousins und Lieblingsonkels gehabt, die sie sich quasi selber gewählt hatten. Ohne es zu merken, haben sie ihren Horizont erweitert und das Fehlende ausserhalb der eigenen Kernfamilie gefunden. Dies fehlt völlig in der modernen Kleinfamilie. Gerade die Homosexuellen können unter sich ideale Familien bilden (oder Gemeinschaft), die sich nicht nach Enttäuschungen in Beziehungen richtet, sondern nach den guten und lockeren Kontakten, die man gerne hat. So pickt man sich wie ein Hahn (ahem), die nötigen Körner zusammen, die man im Leben braucht. Dazu können auch ehemalige Geliebte, oder ehemalige „Superficker“ gezählt werden. Und es muss nicht immer Sex sein…

Dazu braucht es die Erkenntnis, dass nicht jeder Kontakt anschliessend in den Abfallkübel geworfen werden kann, denn Erfahrungen – gute und schlechte – schleppen wir als Rucksack mit uns durchs Leben. Auch in jede neue Beziehung hinein!

In den Auffassungen von Treue und Ehrlichkeit, sollten wir nicht in Fundamentalismus verfallen, sondern auch diese „Ideale“ nach praktischen und sozialverträglichen Gesichtspunkten „verwalten“.

So entstehen also Denkmuster von Moral und Gesetzen. Ich sehe viele, die an irgendwelchen Idealen scheitern und sich an ihrem Erreichenwollen verzehren, oder kaputt gehen. Indessen gäbe es Möglichkeiten, es anders zu versuchen, einfachere Strukturen zu leben und AUCH glücklich zu werden – ohne den Richtigen, den „verheissenen Messias“, den Allesproblemlöser. So wie wir Menschen es ja auch tun, seit Tausenden von Jahren neben den Religionen – aber auf eigene Verantwortung! 😉

Peter Thommen60, Schwulenaktivist, Basel