Mit ‘Homophobie’ getaggte Artikel

Junghomos leben in “Parallelwelten”!

Donnerstag, 14. März 2013

Viele Hetero- und Homosexuelle glauben, man könne “nur schnell ins Internet gehen”, um diese oder jene zu finden. Ausserdem bieten sich Menschen im Internet auch wie Waren an, was beim Kauf zu grossen Enttäuschungen und Missverständnissen führen kann.

Die meisten Hetero/as glauben auch, Homosexualität gehe nur “die paar Schwulen” etwas an, obwohl ihre hetero Männer mehr Homosexualität praktizieren als alle Schwulen unter sich! Dieser Eindruck hat sich bei mir nach 10 Jahren verfestigt.

Und die meisten Schwulen nehmen nicht zu Kenntnis, dass der grösste Teil der Darsteller in den Gaypornos gar nicht schwul ist. So viele Gays sind dafür gar nicht zu bekommen. Und es macht den Darstellern offensichtlich Spass… (auch schon bevor es Viagra gab!)

Es gibt Junghomos, die andere als “alte Säcke” bezeichnen und Angst haben. Wovor eigentlich? Vor deren Sexualleben? Dabei ist das Sexualleben der Alten das, was die Junghomos auch in ihrer Zukunft haben werden! Gut, es im Voraus zu wissen. Und jede Anmache kann man höflich oder doch bestimmt auch zurückweisen.

Menschen, die einem  ”nicht passen” werden im Internet einfach “blockiert”. Mit wem ein Junghomo nicht ficken kann/will, mit dem ist auch ein normales Gespräch nicht möglich. Aber zudringliche “alte Säcke” habe ich in meiner Jugend auch real “überlebt”. (Und heute gibt es auch zudringliche “junge Säcke” im Internet, die es auf Alte abgesehen haben. Dies sei auch erwähnt!)

Wenn ich vom “Internet” schreibe hier, dann denke ich an Kontaktplattformen, Foren und Chats. An den “schwulen Markt”, wie viele meinen. Und an die gay Pornos kommt mann auch kostenlos… Ich will aber auch von der Realität im Milieu und im Leben schreiben, von der viele Junghomos einfach nicht Kenntnis nehmen wollen. Dabei gefährden sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Mitschwulen und dazu noch die “Boyschwulen” in der Zukunft… Doch eines nach dem andern.

Die Devise scheint zu sein: Wo keineR was sagt, wo nichts passiert, da ist ja auch keine Gefahr für die heimlich gelebte Homosexualität. Nach der Heterofamilien-Devise: Bei uns gibt es “sowas” nicht – und wir wollens auch nicht wissen. Schon in der “normalen” Gesellschaft gilt die bewusst gelebte Sexualität generell als “Anti-Kultur” und wird ins “private” Kämmerlein “zum spielen” verwiesen. Das geht ja Niemanden etwas an. Ich kann dem leider nicht zustimmen, denn ich muss in allen Medien über das Sexleben sehr vieler Heteros – ungewollt lesen und hören – ausser vielleicht auf der Börsenseite nicht!

Schon die Geschichte der Verfolgung von Homosexualität zeigt, wie öffentlich das ist und wie sehr sich Heteros dafür interessieren! Und selbstverständlich interessieren wir Schwulen uns auch für die Heterosexualität (?), denn noch selten sagt ein Schwuler zu Heten: “Interessiert mich denn das?” Umgekehrt dann schon eher!

Wir sind für die Gesellschaft nur interessant, wenn sie uns bestaunen, bestrafen oder uns diskriminieren kann. Ansonsten erwartet sie von uns eine “vorgelebte Asexualität” – von Kindsbeinen an. Früher nannten besonnene Männer sowas “Homophilie”. Interessanter-weise geht es dem verwandten Wort “Pädophilie” genau umgekehrt! Was als Begriff ohne Sexualität geschaffen wurde, wird gezielt “sexualisiert” und als Bezeichnung für sexuelle Übergriffe missbraucht. Im Strafgesetz finden sich aber ganz andere Begriffe – die keineR verwenden will. “Pädophilie” trifft gesellschaftspolitisch “besser”…

Nach gehäuften Morden an heimlichen Homosexuellen, die in den 60ern über Zeitungen an die Öffentlichkeit gelangten, kam in den 70er Jahren der Schritt von der “Homophilen-Organisation” zur Homosexuellen Arbeitsgruppe. Denn wer die Chance der damaligen Sexualstrafrechtsreform nutzen wollte, musste hart arbeiten und lobbyieren – auch öffentlich! (Schutzalter hetero: 16, homo: 20, von 1942-1992)

Auf dem Plakat, welches “homophobe Gewalt” thematisiert steht übrigens: “Was nicht gemeldet wird, ist nie geschehen. Und was nicht gemeldet wird, muss auch keineR zur Kenntnis nehmen. So einfach ist die Strategie des Heterrors.

Wenn ich darauf hinweise, dass Junghomos in Parallelwelten leben, dann meine ich auch, dass sie in einer Art “Anti-Realität” leben. Alles “Schöne, Gute, Liebe, Ehrliche und Treue” ist für sie reserviert und muss nur noch gefunden werden – im Internet. Der fiktiv Angebetete heisst “Mr.Right”. Dies hat eine religiöse Dimension – auch auf der “richtigen” Seite der Gesellschaftspolitik: Gewalt, Diskriminierung, Mobbing. Da braucht es weder Koran- noch Bibelverse dazu. Aber meistens dienen sie zur Rechtfertigung…

Aber das passiert Junghomos nicht – wenn sie nur genug “hetero-like” sind. Es heisst immer wieder auf Profilen: “Wer ficken will muss freundlich sein”. Ich sage aber, wer nicht mit Heteros “gesellschaftspolitisch ficken” will, muss freundlich sein und die eigene Anpassung perfektionieren. Aber ich kenne leider keinen Fall, bei dem sich die hetero Gesellschaft nachträglich als “dankbar” dafür erwiesen hätte…

Seltsamerweise erfahren wir aktuell nur übers Internet und schwule Medien über die Selbsttötungen schwuler Jugendlicher. Das passt nicht in die Vorstellungen von Heteros/as. Wie können Kinder schwul sein? Das können die noch gar nicht wissen, erhielt ich schon vor Jahren als Antwort auf dem Jugendamt, wo ich eine Studie über Jugendgewalt persönlich abgeholt hatte. Zurzeit ist das Thema in den USA aktuell. Nichts „wird besser“ – leider! Es nützt nichts, wenn “die Hoffnung zuletzt stirbt” – trotz ihr aber schon Dutzende sterben mussten.

Statt uns über irgendeine allgemeine Gewalt in der Gesellschaft – oder gar die von Migranten zu verbreiten, sollten wir uns erst mal über die eigene Gewaltgefährdung im Klaren werden. Wir können eben nur in theoretischen Überlegungen auf die Hilfe von Mitbürgern zählen. Denn so schnell sie uns diskriminieren können, so schnell verlässt sie der Mut, den man auch “Courage” nennt, einem Schwulen zu Hilfe zu eilen, weil jeder Hetero selber gefährdet ist, als Schwuchtel enttarnt zu werden. Ganz zu schweigen, dass Heteros auch in diesen falschen Verdacht kommen und quasi in ihrer eigenen Gewalt-Falle gefangen sind…

Dabei hat jede Art von Gewalt gegen Menschen etwas mit “Sexualität” zu tun. Nicht unbedingt mit den Genitalien, aber zumindest hat jedes Opfer ein Geschlecht und wird deswegen, oder gar damit geschädigt. Es gibt nicht nur “sexuelle Gewalt” (auch gegen Männer!), vielmehr gibt es auch “sexuell motivierte” Gewalt – auch ohne Einbezug von Genitalien (Penis wie Vagina!). Und weil die Genitalien da meist nicht direkt eingesetzt werden, wird das auch nur selten erkannt und benannt. Zudem ist es für Heteros/as “normal”, wenn sich Männer oder Jungs prügeln – aber nicht, wenn sie sich wixen oder küssen!

Ich bin bei einem wichtigen Punkt angelangt, der den Schlüssel zu vielen Problemen von Junghomos und Klemmschwestern bietet. Jeder Heimlichtuer wird gestresst dafür, dass er sich dauernd anpassen darf. Aber jeder gefährdet da auch andere Schwule mit. Dadurch, dass sich die einseitige öffentliche Wahrnehmung nur von Tunten und Schwuchteln für viele verstärkt – selbst auch für Homosexuelle. Daraus folgt die Homophobie, von vielen Schwulen sogar selber “verinnerlicht”. Die Gesellschaft kann durch angepasste Klemmschwestern niemals erfahren, wie viele Männer anderen Männern für Sex nachrennen und dass das alles mit Weiblichkeit sehr wenig zu tun hat.

Zudem fehlt damit den Junghomos auch ein “normales” Homo-Bild, mit dem sie sich, wie die Heteros, auch identifizieren könnten. Schwulsein bedeutet nicht, “so werden zu müssen” wie die, “die man eh schon sieht”. Schwulsein bietet auch eigene Entwürfe, auch ohne “hetero-like“-ness! Die ganze Vielfalt an schwulen Männern muss öffentlich sichtbar werden. Dann lernen vielleicht auch die Klemmschwestern, diese Vielfalt selbst zu akzeptieren. Denn nur derjenige, der weiss wer er selber ist, muss keine Angst haben, “so wie jener” zu werden. (P. Thommen)

Die Homosexuellen Arbeitsgruppen und die Schwulenbewegung insgesamt hat übrigens nicht nur gekämpft für die Homosexualität als Orientierung, sie hat auch gearbeitet dafür, dass alle Anderen auch mal schwul sein dürfen, oder auch nur Homosex praktizieren – ohne dafür bestraft zu werden. Die Dummis habens nur noch nicht gemerkt. Und wir Schwulen sind dann der Blitzableiter für ihre Gewissensbisse.

Und genau da drin sind auch Junghomos und Klemmschwestern verstrickt. Da ist auch der “heterosexuelle” Damm aufgebaut, gegen “das Aussterben der Menschheit” und gegen den “homosexuellen Missbrauch von Kindern”, wobei damit meistens Knaben gemeint sind, denn Mädchen und Frauen haben ja nix, womit sie einander oder die Männer missbrauchen könnten (?). (Drum blieben die homosexuellen Aktivitäten von Frauen weitgehend straffrei in vielen Kulturen.)

Und nach der heterosexuellen Logik sind “schwule” Kinder eh von homosexuellen Männern missbraucht worden und werden dann wiederum zu Tätern an anderen Kindern. Aber bei dieser feministischen, männer-zentrierten Missbrauchsideologie vergessen alle, dass wenigstens bei den hetero Männern, vorher sehr viele Frauen am Werk gewesen sein müssten. (Über einige davon gibt es auch Literatur, die man aber suchen muss.)

Wenn ich aus heterosexueller Sicht davon ausgehe, dass Frauen den Knaben nur die “richtige Sexualität” zeigen würden – und darauf lassen viele Leserbriefe auf entsprechende Meldungen in der Presse schliessen, warum fragt dann niemand, was Frauen den homosexuellen Knaben anzutun imstande sind? Der heterosexuelle Familienkomplex wird nie hinterfragt. So wie Mütter über die sexuelle Orientierung der meisten schwulen Söhne einfach hinwegsehen, in der Hoffnung, “das vergehe” schon wieder.

Da wurde über Tiziano Ferros coming out berichtet. Die liebende Mutter wurde erwähnt, die “endlich froh” gewesen wäre, “ihn nicht mehr leiden sehen zu müssen”. Bei sowas krieg ich die Wut in den Hals! Warum hat denn die “liebende Mutter” nur zugesehen und ist nicht wie eine sprichwörtliche Wölfin mit ihrem Sohn den notwendigen Weg “hinaus” gegangen? Ach, er hat halt für seine Mutter gelitten? Einen grösseren Schwachsinn kann ich mir gar nicht mehr vorstellen!

Ich habe nun versucht, die wichtigsten Zusammenhänge aufzuzeigen, die ich verantwortlich dafür mache, dass nachrückende Generationen von Schwulen – also die Junghomos – den öffentlichen Raum immer weniger selbstbewusst und solidarisch betreten und in ihm leben – als Schwule verschiedenster Ausprägung, ja auch als Tunten – oder von mir aus auch als “Queers”. Es ist üblich geworden, der Schwulendiskussion auszuweichen, indem das Wort Queer verwendet wird. oder Abkürzungs-Monster wie LGBT*Q… Das ist cooler. Aber wem nützt das?

Den fast ausschliesslich “sichtbaren” Tunten nicht. Und auch den unsichtbaren Klemmschwestern nicht. Dieser öffentliche Raum und die offenen/öffentlichen Diskussionen mit den Heteros müssen wieder erobert und belebt werden. Das geht über die nächsten Verwandten und Bekannten hinaus, die “eh schon tolerant” sind. Denn sonst hinterlassen diese “stummen” Räume Gewaltbetroffene oder sogar Tote! Jeder ist zuviel!

Der Überfall mit Baseballschlägern vom 5. Januar 2012 am Stachelrain/Solitude ist von der Polizei auch nicht als Gewalt gegen einen Schwulen kommuniziert worden, obwohl ihr bekannt sein muss, dass dort ein Schwulentreffpunkt ist. Hätte aber ein einzelner Jugendlicher da einen Schwulen zum wixen getroffen, wäre das Urteil sehr leicht gefallen…

Wir sollten auch zur Kenntnis nehmen, dass in allen „Räumen“ – und besonders in „immer mehr Frauenräumen“, wie das am Frauentag 2013 verlangt worden ist, kein Platz für Homosexualität – schon gar nicht von heterosexuellen Männern ist! (Man lese das bitte zweimal laut!)

Es gibt nachgerade EINE öffentliche Schwulenbar in Basel – und erst noch in einem hetero Puff. Die Parties finden in hetero Locations statt und diese Stadt hat schon sehr lange keine Schwulendemo mehr gesehen. Ganz zu schweigen von Schwulen, die an öffentlichen Diskussionen teilnehmen würden. Gut. Die öffentlichen Sex-Diskussionen drehen sich auch meist um den “Missbrauch” von Kindern. Und da fühlen sich – trotz den erwähnten Selbsttötungen – natürlich Junghomos und Klemmschwestern nicht davon betroffen.

Ich fürchte darum, dass irgendwann irgendwelche Klemm-Heteros vor dem L39 auftauchen werden – trotz dem Bordell im übrigen Haus. Dass sie vor den Clubs auf schwule Partygäste warten werden…

1985 fand ich in einer italienischen Modezeitschrift diese beiden…

Dies alles, weil Schwule immer mehr abtauchen und aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden – oder nur noch als”herzige Pärchen” in einträchtiger, äh eingetragener Partnerschaft, in Erinnerung bleiben. Wollen wir das?

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel  (thommen(at)arcados.com)

Kommentare sind willkommen und werden auch anonym publiziert!

Thommen: Der ewige Abgesang auf die Szene, (dazu siehe auch Henschel, über Veränderungen in der Szene)

Thommen, schwules Leben in der  Stadt, 1977-97

Rückblick auf die Szenen-Entwicklungen des letzten Jahrhunderts: Verpass keine Party!

Gästebuch Th’Senf

Öffentliche Heucheleien über Sex zwi- schen Männern!

Samstag, 26. Januar 2013

Den Schwulen entgleitet die öffentliche Selbstdarstellung und Diskussion immer mehr! Und die homo- und heterosexuellen Männer sind nur daran interessiert, ihre Bedürfnisse ungestört – wenn auch heimlich leben zu können.

Dass aber immer mehr Frauen den öffentlichen Diskurs über die Sexualität zwischen Männern befrauschen ist für mich als Schwulen unakzeptabel! Ich würde mir nicht anmassen, über die Sexualität von Frauen, oder zwischen Frauen öffentlich zu mutmassen, oder diese gar öffentlich zu definieren.

Nichtsdestotrotz verfügen Frauen nicht nur über die Sexualität und Orientierung ihrer Söhne, indem sie wegschauen und ignorieren, wenn diese sich nicht an Frauen ausrichtet, sie befrauschen auch ihre Ehemänner und die Schwulen mit ihrer Moral. Die öffentliche Moral ist tendenziell eine weibliche und das Patriarchat steht letztlich auf dem Matriarchat. Das ist aus diversen kulturhistorischen Berichten erkennbar. Aber auch in den Jugendbüchern von AutorINNEN für homosexuelle Knaben und junge Männer. Der Penis fehlt auffällig in den erwähnten Texten! Frauen stellen sich schwule Kinder und Jugendliche sowohl ohne Penis, als auch ohne sexuelle Betätigung damit vor! Oder haben eben gerade überhaupt keine Vorstellung davon!

Dazu passt die Ignoranz in den öffentlichen Medien über die gehäuften Selbstmorde und Mobbingerlebnisse von schwulen Kindern und Jugendlichen in den USA. Denn das passt nicht in den „pädophilen“, hetera-politisch-korrekten Blick. (Sophinette Becker über Pädophilie)

Frau kann sich nicht vorstellen, was sie damit bei schwulen Kindern und Jugendlichen mit feministisch-politischer Korrektheit anrichtet. Männer sind potenzielle Missbraucher und Vergewaltiger und des Knaben Lustobjekt ist ein verdammenswertes Glied! Und mit sowas sollen sich die jungen Schwulen identifizieren? Und wir sollen glauben, dass Mütter es „doch immer nur gut mit uns meinen“!?

Viele Frauen und Lesben ignorieren vorwiegend die historisch unterschiedliche Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Sie sehen Knaben als gefährdete „Mädchen“ und glauben, diese ebenso vor Penissen und Männern „schützen“ zu müssen. Keine der Anklägerinnen von sexuellem Missbrauch hat sich bis heute für eine wirksame Prävention eingesetzt. Weder bei Mädchen, noch bei Knaben! Denn dann müssten sie sich mit deren Sexualität auseinandersetzen, wie das schon Sigmund Freud versucht hatte. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese Politik dazu dient, die Machtverhältnisse zu ändern, aber nicht auf Gleichwertigkeit, sondern auf Umkehr derselben hin.

Ich muss feststellen, dass 20 Jahre verplempert wurden, um Jugendlichen keine Selbstbestimmung und Verhandlungsfähigkeit in der Sexualität beizubringen. Das wollte wohl auch keineR!

Das zeigt sich schon daran, dass nicht mehr der Nachweis einer Handlung oder Tat wichtig ist, sondern allein schon der Verdacht auf sexuellen Missbrauch genügt, um sogenannte „Täter für immer wegzusperren“ Dass dabei „irrtümlich“ auch einige Existenzen zu Grunde gehen, wird als „Kollateralschaden“ achselzuckend hingenommen. Was Männer mit Waffen anrichten, richten Frauen also mit der Sexualität an…

Was an heterosexuellem Missbrauch an Schwulen und den homosexuellen Bedürfnissen von Männern, von Kindheit bis in die Ehen angerichtet wird, ist kein Thema. Dass es „pädophile“ Frauen und Täterinnen gibt, ist politisch-feministisch inkorrekt und wird tabuisiert. Dabei wird verhindert, dass das heterosexuelle System angegriffen wird, das sowohl Frauen als auch Männern die „TäterInnen“-Schaft und die Opfer-Innen-Schaft ermöglicht. Und damit eine Politik der gegenseitigen Destruktion und des heterosexuellen Spiels/Krieges um Macht und Einfluss in Familie und Gesellschaft.

Mein Zorn entzündet sich an der Interpretation der männlichen Prostitution durch Frauen und zum anderen an der Interpretation von HomoSEXualität durch bisexuelle und hetera Frauen.

Als Schwuler kann ich nur staunend zuschauen, wie arme junge und heterosexuelle Männer aus Osteuropa mittels Homosexualität Geld bei heterosexuell lebenden Männern verdienen, die Freundinnen, Ehefrau und Familie haben. Politisch korrekt: Diese (schwulen, hetero lebenden) Männer beuten, diese (hetero) Jungen aus. KeineR fragt sich, was da unmittelbar mit der Homosexualität als solches geschieht. Die Homosexualität wird von heterosexuellen Männern ökonomisch ausgebeutet. Aber hinter diesen Männern stehen einerseits auch junge Frauen, die vom Einkommen der Callboys profitieren und andererseits die Ehefrauen, die davon überzeugt sind, dass Männer ihre sexuellen Bedürfnisse grundsätzlich nur auf Frauen richten können – oder auf andere Fachfrauen des Rotlichtgewerbes. Dass die Callboys (aktiv und passiv) wohl einen anderen Service anbieten, den Frauen nicht liefern können, fragt sich keineR! Auch nicht woher es kommt, dass verheiratete und hetero lebende Männer ihre natürlichen homosexuellen Bedürfnisse in Ghettos entsorgen müssen – nur nicht daheim in der Familie!

Die ganzheitlichere Sexualität dieser Männer ist eine Gefahr für die Frauen und ihre Kinder, Jugendlichen und Freunde und Ehemänner. (Das Vorurteil in der Schlagzeile: „schwule Prostitution“) Für viele Frauen ist klar, dass Männer weibliche Bedürfnisse „niemals völlig“ befriedigen können. Aber dass Frauen ebenfalls die Lust der Männer niemals völlig befriedigen können, steht ausserhalb von allem für sie Denkbaren.

Auch in der Schwulenpolitik ist eine zunehmend schärfer werdende Heuchelei feststellbar. Einerseits geht es darum, gegenüber Heterosexuellen, Frauen und Männern zu beteuern: „Es geht um Liebe“ bei der Homosexualität. Davon zeugt auch, dass im Text des Gesetzes über die Eingetragene Partnerschaft das Wort Sex völlig fehlt! Wie der Penis im Kinder- und Jugendbuch.

Andererseits wird in der Prävention nur die Praktik der analen Penetration thematisiert, als wenn Männer und Schwule so blöd wären, immer nur zu ficken. Männer müssen weder ficken noch gefickt werden, sie dürfen. Das ist mit Frauen ganz anders…

Einerseits finden wir im Kinder- und Jugendbuchbereich vor allem Liebe, Schmusen, knuddeln und umarmen vor. Andererseits wird Jungs klar gemacht, dass Masturbation kein richtiger Sex ist und dass sie sich beim Fickenlassen gefährden, missbraucht zu werden – wie die Mädchen, die sie ja selber auch missbrauchen könnten. Von Eigenkompetenz, oder gar eigenen Wünschen kann keine Rede sein…

(1)

So wie das homosexuelle Begehren existiert, existiert neben der Pädophilie auch die Gerontophilie. Aber die „gibt es politisch-korrekt nicht“. Mir fehlen da gewisse Begriffe, für eine angebliche Ausgewogenheit, die ich nicht erkennen kann. Es gibt nicht nur Männer, die herrschen, sondern auch Frauen, die frauschen.

Und es gibt neben der Penetranz auch die Vaginanz. Und tragischerweise sind Frauen nicht am Penis, sondern am Phallos interessiert. Aber Männer zwar an der Vagina, aber nicht an der Venus! So verstehe ich Ganzheitlichkeit. Nicht nur einen fragmentierenden Heterror, der sich auch im Feminismus wiederfindet!  Napoléons Strafgesetz hiess: “Code Pénal” – einen Code Vaginal gibt es nicht.  Aber immerhin hat er die männliche Homosexualität in seinem europäischen Regierungsbereich entkriminalisiert.

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

 

Zu Emckes Buch ein ausführlicherer Text auf arcados.ch

(1)  Ich finde es tragisch, dass Carolin Emcke (in ihrem Buch „Wie wir begehren“, S.Fischer 2012) zwar formuliert, dass lesbisches Begehren NICHT kein Begehren sei, sondern – neben der vaginalen Bereitschaft gegenüber dem Mann – überhaupt ein weibliches Begehren, das nicht sichtbar (gemacht) wird, aber dass sie das homosexuelle Begehren bei Männern nicht auch entsprechend einordnen kann. In ihren Auslassungen über männliche Homosexualität ist weder von Analverkehr, noch von der Prostata die Rede. Besonders wichtig, wenn sie über Diskriminierung bei Arabern im Gazastreifen schreibt. * Doch beides gehört nun mal zum medizinischen Verständnis und zur kulturellen Einordnung! Tabuisieren und totschweigen ist Heuchelei!

Es gibt Knaben, die haben NICHT kein Begehren, sondern eben ein Begehren nach Männern, auch neben der Bereitschaft für Frauen! Aber das ist für Frau Emcke wiederum so unwichtig, wie ihr lesbisches Begehren es für die Heterosexualität ist. Und es gibt nicht nur Männer, die Knaben missbrauchen, sondern auch Knaben, die Männer ficken wollen! Doch das trauen sich viele Schwule nicht öffentlich auszusprechen! Damit nimmt man/Frau uns aber einfach einen Teil unserer sexuellen Biografie weg! Entsorgt in der Schublade „Missbrauch“!

*) Interessanterweise finde ich auf der hp von Emcke dann ein Video mit Diskussionsfetzen über Analverkehr. Und der jüdische Glaubensvertreter erzählt sinnigerweise, dass Mann und Frau im Bett zu Dritt – nämlich mit Gott seien… (> Streitraum: Religion und Sexualität)   Dass da der Schwule (schwule Sex) in die Quere kommt, lässt sich zwingend daraus folgern!

Carolin Emcke: Wie wir begehren, S.Fischer 2012

Interview mit Emcke in SRF, Reflexe 3.4.12 30′

Wer sich darüber aufregt, dass Jungs gerne mit Männern ficken würden, der/die sollte sich mal fragen, wozu denn Jungs und Mädchen im Teeniealter schon miteinander die Fortpflanzung üben sollen, denn sie machen ja auch „erwachsene“ Sexualität, die „ihnen nicht entspricht“. Kinder waren nie dazu da, Kinder zu machen! Es ist egal ob Kinder miteinander ficken. Oder Erwachsene. Es sollte möglichst politisch korrekt sein. Aber das Machtgefälle lässt sich eben nur innerhalb des eigenen Geschlechtes relativieren oder umkehren und ausserhalb heterosexueller Normen! Das versucht auch Emcke zu schreiben, aber sie benennt es nicht!  ;)

Zum Thema Mütter:

Mütter und Homosexualität, eine lustige Kolumne

Über eine “feministisch korrigierte” Studie in Südafrika, betreffend sexuell motivierte Gewalt

Braun:  Ein aufschlussreiches Interview mit einer Mutter (PDF)

Alexander Markus Homes: Von der Mutter missbraucht. Frauen und die sexuelle Lust am Kind, 2005, 458 S. (nicht zu verwechseln mit der US-Schriftstellerin A.M. Homes!)

- Prügel vom lieben Gott. Eine Heimbiografie, 141 S. NA 2012,  ISBN 978-3-86569-023-4

NDR: Von der Mutter missbraucht, Beitrag 45 min.

Louis Schützenhöfer: In aller Liebe. Wie Mütter ihre Kinder unglücklich machen, Ueberreuter 2004, 176 S.

Christiane Olivier: Jokastes Kinder. Die Psyche der Frau im Schatten der Mutter, Claassen 1987, Paris 1980 (später TB bei dtv, sh. PDF Inhaltsverzeichnis)

Renate Juras: 41 und 14, edition a, 2011

Christopher oder Christina?

Montag, 02. Juli 2012

Darüber stritten sich die Schwulen mit den Lesben vor einem Jahr in München. Der gutgemeinte Vorschlag, mal einen Christina-Street-Day zu feiern, prallte an zum Teil „wütenden“ Schwulen ab. Nun, es feiert ja auch keine einen „Nikolaus-Innen“-Tag am 6. Dezember… (Diese Debatte – „Wenn Schwule frauen hassen“ – ist zusammengefasst und nachzulesen bei Jürgen Voss)

Ich meine, dass die „Emanzipation“ der Lesben in der „Homosexuellen-Bewegung“  weder mit „Adam und Steve“, noch mit „Ada und Eve“ zu erreichen ist. Regelmässig kocht die Diskussion um die „männliche Bedeutung“ des Wortes „homosexuell“ hoch. Lesben „verschwinden“ meistens hinter diesem Wort und fühlen sich nicht „abgebildet“ darin.

Diese Diskussion zeugt von der Ignoranz unserer Geschichte und Vergangenheit: In den meisten Ländern sind homosexuelle Frauen nicht explizit (namentlich nicht erwähnt in Strafgesetzen) verfolgt worden – ganz einfach, weil sie nicht als „strafrechtlich ernst“ genug genommen worden sind! Frauen haben ganz allgemein erst seit ca. 100 Jahren eine eigenständige Sexualität zugestanden bekommen! Das sollte vor allem in den Diskussionen um historische Dokumente berücksichtigt werden. Wir tun meistens alles in einen Topf und sehen alles mit unseren heutigen Augen. Das ist unwissenschaftlich und ungerecht!

Auch die Lesben sollten berücksichtigen, dass die Opferperspektive eigentlich eine sexistische ist! Alles was einen Schwanz trägt und sich nicht penetrieren lässt (lassen darf!), ist Täter. Sogar Schwule machen da keine Ausnahme – auch wenn sie sich schon mal penetrieren lassen. (In den Strafgesetz-Texten sind Frauen mit „Täter“ immer nur theoretisch mitgemeint.) Die Nationalsozialisten mussten sich mit der „halbherzigen“ Bezeichnung  „Asoziale“  für Lesben behelfen…

Gerade kürzlich hatte ich eine Cousine im Gespräch, die – als Mutter von einem Sohn – auch als jetzt letztlich lesbisch lebende Frau diese hetera Sichtweise vertritt. Daher ist es recht schwierig, Frauen und Lesben als „Verbündete“ von homosexuellen Männern zu betrachten, die ihre Söhne ja vor uns schützen wollen. Doch wer schützt ihre Töchter vor den Frauen??

Ein weiteres Beispiel – aus Joachim Braun: schwul und dann? (Beratungs-Interview mit einer Mutter)

„Wie geht es Ihnen denn mit schwuler Sexualität?“ – (nachdenklich) „Ich weiss, es ist absurd, aber bei Heterosexuellen stört mich der Analverkehr nicht – bei Homosexuellen stösst er mich ab.“ 

„Warum“? – „Weil der passive Teil irgendwie degradiert wird; aber ein Mann, der sich degradieren lässt (zögert) … ist in meinen Augen unmännlich.“ (Querverlag 2006, S. 38-39)

Diese Mutter wird nicht die einzige sein, die diesen Sexismus einfach an ihre Söhne weitergibt, egal ob hetero oder homo.

Historisch-biblisch gesehen macht sich nicht nur der Penetrierer eines Mannes, sondern auch der penetrierte Mann selber eines „Verbrechens“ schuldig. Ähnlich wie das als Vorurteil gegenüber Frauen auch verwendet wird.  Aber es heisst nirgendwo, dass eine Frau nicht wie eine Frau bei einer Frau liegen darf…

Während also durch den Penetrierakt ein Mann seine Männlichkeit verlieren kann, gibt es juristisch und kulturhistorisch beim Sex zwischen Frauen keinen „Verlust“ zu beklagen. Eine Frau bleibt eine Frau – egal mit welchem Geschlecht sie Sex hat.

Wir müssen also aufpassen, dass wir uns nicht in unserem eigenen kulturellen Sexismus verfangen. Und nach der Feststellung der eigenen Sexualität von Frauen, konnten sie wohl trotzdem nicht als Täterinnen klassifiziert werden. Während das Schutzalter unter den Männern noch heute ein hochemotionales Thema ist, war davon zwischen Frauen niemals die Rede. Entweder „gab es das einfach nicht“, oder die sexuellen Übergriffe wurden nicht sicht- und definierbar. Aber logischerweise kann die Frau, mit fortschreitender Emanzipation, nicht weiterhin als Täterin einfach „übersehen“ werden. (Das gilt nicht nur für eine „Rote Armee Fraktion“!)

Ich habe schon in den 80er Jahren die gesamtschweizerische Statistik für die Bestrafung von „homosexuellen Übergriffen“ beobachtet. Dabei fallen die Frauen kaum auf. Mir war immer irgendwie unklar, wie die Lesben erst als erwachsene Frauen quasi vom Himmel fallen konnten und dann erst gesellschaftlich auftraten. Der ehemalige Art. 194 StGB CH galt von 1942-1992 für beide Geschlechter und schützte beide bis 20. Wichtig aber war nur der Schutz der Jungs!

Die Sexualität und das Sexualleben einer Frau werden bis heute anders beurteilt als bei den Männern! Einer leiblichen Mutter kann man heute nur schwer ihr Kind wegnehmen, was bei einem Vater durchaus leichter fällt. Ich will mich aber hier nicht dem Vorwurf aussetzen, Lesben würden nicht diskriminiert.

Aber WIE werden sie denn diskriminiert und worunter unterscheidet sich das von den Männern? Dieses Genderthema scheint keineN so richtig zu interessieren. Die Diskriminierung von Lesben wird „politisch korrekt“ öfter als „doppelt“ bezeichnet – einmal als Frau und zum zweiten als Lesbe. Nun, ich fühlte mich schon VOR meinem schwulen Bewusstsein als „anderer“ Mann diskriminiert – und dann letztlich auch als Schwuler. Eine doppelte Diskriminierung ist historisch korrekt nirgends auszumachen.

Jede Diskriminierung ist unannehmbar. Das hängt nicht davon ab, ob sie doppelt oder dreifach erfolgt. Wichtig ist die Tatsache, dass in der gesellschaftlichen Diskussion klar wird, worüber und wie im Detail sie erfolgt. Wenn heute schon vom „Schwulen-Dreieck“ (unter Verlust seiner vergangenen Bedeutung) gefaselt wird und davon, dass Basel „anstatt des CSD“ eine traditionelle Schiffsparty habe, dann werden damit historische Fakten ignoriert.

Ich begrüsse die „Schiffsparty“ als eine wichtige Veranstaltung, an der auch beide Geschlechter teilnehmen. So wie auch an der anderen wichtigen Veranstaltung, des „Tuntenballs“, an der auch beide Geschlechter und auch viele Hetero/as teilnehmen.

Aber weder die eine, noch die andere Veranstaltung kann einen CSD ersetzen. So wie auch der Tuntenball Weihnachten nicht ersetzen kann – höchstens die besonders homophobe Stimmung an Weihnachten in heterosexuellen Familien. Womit auch hiermit auf die historische Wurzel hingewiesen sei!

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass jüngere Schwulengenerationen sich das Wissen gar nicht mehr aneignen (können, wollen?), um die Hetero/as zu verstehen, die uns diskriminieren. Homosexualität sei für ihn „einfach interessant“, erklärte mir kürzlich ein Teenie, der noch in seinem Alter geschützt wird…

Es muss auch erwähnt werden, dass schwule und bisexuelle Männer sich für dieses Thema wenig interessieren. Auch von Seiten der Lesben ist das Interesse an Geschichte im Allgemeinen nicht besonders gross. Viele „spätere“ Lesben kommen aus heterosexuellen Beziehungen oder Ehen und haben damit ja bewiesen, dass sie „richtige Frauen“ sein können. Viele Lesben bestätigen dies mittels leiblichen Kindern – wenn auch als zwei Mütter! Sie geben also ein sehr „hetero-likes“ Bild in die Gesellschaft ab. Da bleiben die schwulen Väter und ihre heterosexuelle Vergangenheit sehr schnell ausser öffentlicher Wahrnehmung. Ja sie erweisen sich als „heterosexuelle Schlappschwänze“, die ihre Partnerinnen betrogen hätten…

Diese Andersheit ist es, die so schwer zu vermitteln ist: Einerseits zwischen den Geschlechtern der Homosexuellen und andererseits in die Gesellschaft hinaus.

Trotz allem haben die Frauen in den letzten Jahren immer mehr Plätze „zuvorderst“ belegt und beweisen, dass sie auch politisch und öffentlich aktiv sein können. Letztlich aber sollten wir uns bewusst bleiben, dass die Interessen zwischen Frauen und Männern, zwischen Schwulen und Lesben sich niemals vollständig decken können und werden.

Aber wer geht hin, um zu verstehen, „warum Schwule Frauen hassen“, wenn diese wiederum von hetero Männern für ihr „Frausein“ gehasst werden und heterosexuelle Mütter den Sexismus an ihre Söhne weitergeben ?

Und wer versteht letztlich, dass es Männer gibt, die einen voyeuristischen Blick auf „Lesben“ werfen und dabei nicht merken, dass sie da eigentlich gar nicht gefragt sein können!?  Mir sind keine Frauen bekannt, die beim Anblick zweier sich küssender Männer „heiss“ werden. Im Gegenteil! Wir stecken immer noch in der heterosexistischen Falle! Und mit drin sehr viele Lesben und Schwule.

Doch gibt es auch interessante Profile von hetero- oder bisexuellen Männern im Internet! Die einen suchen einen „hetero-liken“ Mann – und bitte nichts Tuntiges, Weibisches… Sie wollen diesen „richtigen“ Mann auch kennen- und sexen lernen. Dabei genügt ihnen das „Andere“ der Frauen vollauf, nämlich dann, wenn dieses „homo-like“ keinen Schwanz und dafür zwei Titten hat.

Die anderen suchen eine „Shemale“, ein „Schwanzmädchen“, eine Transe, eine DWT… ihnen sei gesagt, dass es gar keine Schwanzmädchen gibt, nur „Tittenbuben“. Aber diese Bezeichnung und die Attribute helfen ihnen, sozusagen den Graben des Sexismus zu überspringen – ohne sich einer Auseinandersetzung damit stellen zu müssen. Solange irgendwas von einer Frau dran ist, kann es einfach nicht schwul sein. Das muss genügen.

Für mich ist klar geworden, dass es als Mann eine Identität mit Müttern und Frauen nicht geben kann. Sie ist bei den anderen Männern zu holen. Und genau das verbietet die heterror Gesellschaft aufs schärfste und mit schärfsten Schutzaltern und der traditionellen Homophobie der Familie.

Andererseits sind die kompletten Bedürfnisse von Männern durch die Frauen niemals abzudecken, obwohl es noch immer öffentlich propagiert und individuell noch geglaubt wird!

Derweil erzählen uns doch „Emanzen“ schon seit Jahrzehnten das Gleiche über die Männer.

Aber was geht das nun die Hetero/a-Sexuellen an?

Ich glaube, dass die Gewalt gegen Schwule einen Teil der Gewalt gegen Frauen darstellt. Und sie entspringt der „falschen Identität“ von Jungs mit Müttern und Frauen, dieser letztlich gewalttätig abgewehrten „Teil-Identität“ mit Weiblichem bei Schwulen und der entsprechenden Homophobie der Väter gegenüber ihren Söhnen. Denn letztlich kann Weiblichkeit niemals voll akzeptiert werden, wenn sie von den Männern für sich selber abgelehnt werden muss!

Ich habe für mich dieses „heterosexuelle Spiel“ mit dem „Spass“ schon länger durchschaut und ich glaube viele Jungs und Männer merken das auch langsam, wenn sie sich das Problem auch noch nicht erklären können!

Peter Thommen_62, Buchhändler und Schwulenaktivist, Basel (Überarbeitete Fassung vom 11. Juli 2012)

Prof. Melanie C.  Steffens, (Jena) referiert eine Untersuchung über unbewusste Negativeinstellungen geg. Lesben und Schwulen (2006)

Lesben und Schwule alliierte Geschwister? Lambda Nachrichten 3’2012

Henn, Tino: Sind Lesben medial unterrepräsentiert? (2012)

Verhaltensregeln in der Schwulenkneipe (SüdtZ, 2005) für Männer und Frauen jeglicher Orientierung…

Was steht am Anfang eines aktuellen Buches über die Pubertät, das ich zufällig bestellt hatte?

„Für die Jungs, damit sie alles geben, und für die Mädels, damit sie ihren Spass dabei haben!“  (Jaromir Konecny: doktorspiele, cbt 2011)

Vielleicht musst Du diesen Satz mehrmals lesen, um den Zusammenhang mit meinem Text zu verstehen. Versuch es wenigstens!

P.S. Ein weiteres Jugendbuch titelt:  “Schlaue Mädchen – coole Jungs…”  (2011)

Mein Hetero! — warum hast du mich verlassen?

Freitag, 06. April 2012

KeineR sollte hier eine theologische Abhandlung erwarten. Aber im Rahmen von geschlechtspezifischem Verhalten unter Männern, gibt es noch viel zu entdecken. Und so wie Frauen die Welt anders sehen – und die Männer, so haben auch Schwule einen „anderen Blick“ auf die sexuell zweigeteilte Welt. Dabei geht es nicht immer nur um die gängigen Vorstellungen von „Homosexualität“, die wir in den letzten Jahrzehnten entwickeln konnten – trotz heftigem Widerstand der Mehrheit von hetero-gläubigen Frauen und Männern.

Es ist zwar allgemein bekannt, dass Frauen einen „fraulichen“ Umgang untereinander pflegen – in allen Kulturen. Wie der männliche Umgang unter Männern war und ist, muss erst hinter vielen Klischees und Geschichten hervorgeholt werden. Dabei ist zwar das sexuelle Verhältnis „überwichtig“ für die Einordnung in die hetero Sichtweise, aber für die Betrachtung von Männerbeziehungen eigentlich eher von minderem Rang. Besonders was die Penetration betrifft, die immer als die Messlatte von „richtiger Sexualität“ genommen wird.

Leider müssen wir auf ein wichtiges Element erzählerischer Technik aus vorgeschichtlicher Zeit verzichten: Wir können die geschilderten Personen und ihre Beweggründe nicht mehr befragen. Aber das konnten auch die ersten Aufschreiber talmudischer und evangelischer Geschichten schon nicht mehr, während uns deren Inhalt quasi noch immer als „Glaubenstatsachen“ serviert werden.

„Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (1), schrie Jesus, noch am Kreuz, bevor er das Bewusstsein aufgab. Dieser Satz wird in der Bibel auch noch andernorts zitiert oder verwendet.

Aber was sagt er einem Schwulen, der an die Männer glauben möchte und sich doch so verlassen unter den homophoben Heteros vorkommt? Für viele Jungs ist der Hetero das grosse „göttliche“ Vorbild. Je unmännlicher er sich vorkommt, desto grösser sein Glaube an die Heterosexualität. Für viele Jungs ist der Frauensex kein Problem, aber sie machen den Sex mit Männern zu einem. Andere Jungs wiederum blenden diesen Teil der Heterosexualität einfach aus.

Gewalt gegen Schwule ist immer auch Gewalt gegen Männer. Oft wird vergessen, dass immer wieder auch normale hetero Männer für schwul gehalten werden, was immer von den Fantasien und Zuschreibungen „normaler Täter“ abhängt und nicht von den von ihnen beschuldigten und verachteten Opfern…

Auch im Christentum ist die Gewalt ein göttliches Mittel, um die Ordnung der Geschlechter und ihrer Rollen zu garantieren. Abraham wurde von Gott „versucht“, indem er Gehorsam übte und seinen Sohn Isaak dafür opfern sollte. (1. Mose, 22) Das Opferfest hat bei den Moslems noch heute eine grosse Bedeutung und deswegen werden jährlich unzählige Schafe geschlachtet…

Interessant ist übrigens die Geschichte von Abrahams Knecht, der ihm einen Schwur „unter der Hüfte“ leisten musste. (1. Mose, 24) Das Ding das da unten hing oder stand (?) bekommt eine ungeheure Bedeutung für die beiden, denn es ging dabei um die Fortpflanzung der Ur-Familie nach dem Tod des Urvaters…

Nicht nur Frauen und Mütter tun alles für den Penis des Mannes und den Macker, der daran hängt. Und sie entwickeln meistens Gewaltfantasien, wenn es um (richtigen) Sex zwischen Männern geht. Wiederum aber ist Gewalt, die nicht „sexualisiert“ ist, für viele Feministinnen normal unter Jungs und Männern. Ich aber meine, dass Gewalt durch ehrliche Erotisierung zwischen Männern abgebaut werden könnte. Viele Männer können sich gar nicht näher als 15 Zentimeter kommen, ohne mit Gewalt zu reagieren. Der heutige Umgang von Jungs miteinander zeigt diese kumpelhafte Verklemmtheit mit Handschlag und Handdrehung, oder die polternde Schulterschlägerei anstelle ehrlicher Umarmung!

Peter I. Schwulenpapst vom Kleinbasel! ;-)

Das hat alles nichts mit der heutigen Auffassung von Homosexualität zu tun. Das alles aber verhindert die freie Entfaltung von Homophilie und auch von Sexualität zwischen Männern. Die Schwulenbewegung hat für alle Männer gekämpft und auch darum, dass jeder Mann seine Sicht, seine Erfahrung und seine Freude an anderen Männern haben kann. Sehr zum gesellschaftlich verhohlenen Unmut der Frauen!

Ich nehme die Geschichte von Gilgamesch und Enkidu als Beispiel für den freien Umgang mit einer Männerbeziehung in vorhistorischer Zeit. Vor ca. 5500 Jahren wurde der Kampf der Zivilisation mit der Natur in eine Männergeschichte gekleidet, die als Episode innerhalb eines „heterosexuellen“ Epos, auf Tontafeln überlebt hat. So sensationell war sie. Als nämlich Gilgamesch gegen Enkidu kämpfte, „erkannten“ sie einander und verliebten sich. In der Folge nahm der Vertreter der Natur, zur rechten Seite des Vertreters der Zivilisation auf dem Thron Platz. Diese Formulierung erinnert wiederum an die Rolle von Jesus, der auch „zur Rechten“ des Vaters auf einem Thron sitzen sollte – vielleicht als Preis für die Aufgabe seiner Erdverbundenheit mittels gewaltsamem Tod? (Die Erde ist übrigens weiblich)

Mich bewegt die Tatsache der „normalen Gewalt“ zwischen Männern sowohl als Schwuler, wie auch als Mann. Denn ich lasse mich nicht einfach ausgrenzen. Weder zu den Frauen, noch zu den Kindern. Gleichzeitig erfahre ich Verdächtigungen und Schuldzuweisungen als „Gewalttäter“, der ich nun wirklich nicht zwangsläufig sein muss. Und – obwohl Christus der Halbgott oder Prophet von Zöllnern und Huren gewesen ist, meine Heteros haben mich immer verlassen, sobald sie um die erotische Dimension meiner Empfindung gewusst haben. (Natürlich von einigen Freunden mit Köpfchen mal abgesehen!)

Als ich selber in der Schule die Zielscheibe männlicher Aggressionen war, die sich vor allem auf dem Schulweg zeigte, hatte mein Vater keine heterosexuellere Empfehlung als: „Du musst Dich halt wehren“ parat. Nur: Wie konnte ich mich mit anderen Jungs prügeln, wenn ich denn lieber an ihren Schwanz gegriffen hätte?

Dies wurde bei mir kürzlich erneut aktualisiert, als sich über gaynet ein alter Schulkollege aus der Jugendzeit meldete, der den Kontakt zu mir suchte. Er habe eine Familie und zwei Kinder, aber in letzter Zeit hätten sich bei ihm so Gefühle entwickelt für Männer, für die er jetzt meine Hilfe suchte. Er ist zwar in all den Wochen seither nie wirklich bei mir aufgetaucht. Aber was zum Teufel kommt er jetzt zu mir, wo ich nie etwas mit alten Männern anfangen konnte?  Damals hätte ich wohl noch so gern mit einem Gleichaltrigen Sex gehabt. Aber damals war er eben homofeindlich und hetero. Ich fühlte mich damals auch schon verlassen!

Nun, mein Vater war zwar homophob, aber er gestand mir durchaus eine “Variante” von Männlichkeit zu. Ich verlor sehr schnell das Bewusstsein (es übermannte mich), wenn ich geimpft wurde oder viel eigenes Blut sah. Er tröstete mich damit, dass es dem besten Metzger auch so gehen könne, wenn er sein eigenes Blut sehe…

Peter Thommen_62, Schwulenaktivist, Basel

1) „Eli, Eli lama asabthani?“ (u.a. Markus 15, 34)

Hier habe ich noch eine interessante Betrachtung gefunden (siehe weiter unten auf der verlinkten Seite 2.3). Sie bestätigt meine Vermutung, dass das heterosexuelle System (die Ordnung Gottes/Oberhetero) auf einem schlauen Diskriminierungssystem beruhen, das sich entlang des Penetrationsverbotes und der Penetrationspflicht (zur Fortpflanzung) etabliert hat. Frauen sind darin zur Passivität verurteilt und spielen die Rolle, zwischen den Männern Konkurrenz um sie zu erzeugen und aufrechtzuerhalten. Dabei sind sie über dieses – sie zwar selber diskriminierende – System indirekt an der Macht beteiligt. Woraus sich eine klare Gegensätzlichkeit zu Homosexuellen ableiten lässt, die dieses ausgeklügelte archaische Landwirtschafts-, Erb-, Macht- und Politsystem durch unerwünschte “Gefühle” unterminieren könnten. Denn mit den Gefühlen – egal ob wahr oder vorgespielt – “politisieren” ja bereits die Frauen – auch gegen andere Frauen!  PT

Eine der ersten, die “theologisches Verständnis” zur Situation von Homosexuellen beitrugen war Else Kähler (1917-2011), mit einer Exegese (PDF 2 MB) zweier neutestamentlicher Stellen, in Bovet, Th: Probleme der Homophilie, Huber 1965

«Brokeback Mountain» als “biblischer” Sündenfall

Montag, 27. Februar 2012

Viele haben den Film gesehen und wurden darin bestätigt, dass Liebe und Sex zwischen Männern sehr schön sein kann, dass sie aber in unserer Kultur keine Chance, respektive keinen Platz hat…

Doch in dem Film wird nicht nur die Sexualität überspielt, der Regisseur Ang Lee spielte auch mit den Urkonflikten aus der Bibel. Dies gesehen und beschrieben hat Kathrin Geyh, eine junge Filmemacherin. Studium der Kommunikationswissenschaften und Arbeit bei Amalia-Film.de

(hier der ganze Text auf   arcados.ch)

Siehe auch: Thommen, hallo “bisexueller” Boy! 

Zeitgeist und Homosexualität

Donnerstag, 23. Februar 2012

Die meisten “Normalen”, Homosexuellen und Schwulen glauben selbst, dass es nur wenige davon gäbe. Dabei hängt Homosexualität überhaupt nicht von der entsprechenden sexuellen Hauptorientierung ab. Es wird wohl mehr Homosex zwischen Männern gemacht, als nur unter Schwulen.

Die meisten vergessen auch, dass es soviele homosexuelle Männer für die ganze Pornoproduktion gar nicht gibt. Es sind zum grossen Teil heterosexuell orientierte, die das nebenbei und nicht nur fürs Geld machen…

Daher gehe ich davon aus, dass es weit mehr “Betroffene” gibt, als wir wahrhaben wollen. Aber das hatte schon Kinsey in den 40er Jahren des 20. Jh. festgestellt. Es können nur mehr geworden sein! ;)

Wir haben es erlebt, dass der Faschismus der 30er Jahre die Homosexualität vereinnahmt hatte, so sehr, dass es um Leben und Tod ging, sowohl in der Ideologie der Faschisten, als auch in der Lebensrealität der Betroffenen. Damals wusste man einfach zu wenig darüber.

Heute haben wir die Chance, die Homosexualität nicht nur verdeckt, oder im Geheimen zu leben, wie es die meisten Nicht-Orientierten bis heute tun müssen, sondern sie für ALLE Männer individuell zu integrieren. Verpassen wir diese Chance im neuen Jahrhundert, kann es nur wieder in einer Katastrophe enden!  Schon heute ist wieder sehr viel Körperlichkeit unter Männern in Form von Gewalt wiederzufinden…

Der Artikel unten als PDF, geschrieben für die Zeitschrift LUST  Winter 2011/12

Zeitgeist Homosexualität, 2011  PDF (1 MB)

Verklemmte HETEROS: “An alle, die meinen, dass es “cool” wäre, mit der Hose unterm Hintern durch die Gegend zu laufen – hier mal eine kurze Erklärung:
Dieser Trend entstand in den Gefängnissen der USA. Gefangene, die Sex mit anderen Mithäftlingen haben wollten, benötigten ein Zeichen, mit dem sie dies zeigen konnten, ohne dass die Wärter etwas davon bemerkten, und ohne dass es irgendwelche Konsequenzen haben konnte. Durch das teilweise Zeigen des Hinterns wurde signalisiert, dass dieser Häftling für das “Eindringen” durch andere zur Verfügung steht.”

Ein sieht das schon lange so, ohne in einem Gefängnis gewesen zu sein! :P

Homofeindlichkeit & Rastafari-Ideologie

Sonntag, 04. September 2011

Anlässlich des 30. Todestages von Bob Marley im Sommer dieses Jahres, schrieb David Signer (Ethnologe) einen Essay über Reggae und die in der Musik transportierten Lebensvorstellungen, die heute in Jamaica als eigene Kultur verteidigt werden. (NZZamSonntag, 14. August 2011, S. 67) Gleich am Anfang fragt der Autor sich: “Aber was hat es eigentlich mit der Rasta-Botschaft auf sich? Taugt das prophetisch-revolutionäre Pathos für eine Gesellschaftskritik?” “Als Vordenker der Rastafari-Religion gilt der jamaicanische Publizist Marcus Garvey, der 1927 die Vision eines schwarzen Gottes hatte, der zum König gekrönt würde. Drei Jahre später bestieg Haile Selassie I.  den äthiopischen Thron.” Äthiopien war das älteste eigenständige Land in Nordafrika mit einer ältesten urchristlichen Kirchenkultur. Ras Tafari Mekonnen lautete der bürgerliche Name dieses neuen Kaisers und er war die Hoffnung der Äthiopier und für Bob Marley und seine Musikgemeinde wurde er zum neuen schwarzer Messias, den sie nach einem Besuch in Jamaica (ehem. brit. Kolonie) wie einen Gott verehrten. Einige Rastas siedelten auch in dem afrikanischen Land, das zwar seit 1931 eine Verfassung hatte, aber absolutistisch regiert wurde. Ein paar hundert Verehrer, auch aus Schweden, Japan und den USA, lebten mehr schlecht als recht auf ein paar Hektaren Land, das ihnen zugeteilt worden war. Sie wurden von den Einheimischen aber abgelehnt.

“Während in den siebziger Jahren Hunderttausende in dem Land hungerten, feierte der Kaiser den Geburtstag seines Hündchens Lulu.” “Das alles ficht die Rastas jedoch nicht an, in ihrer Vergötterung des “Königs der Könige”, genauso wenig wie der umgekehrte Rassismus, der wichtiger Bestandteil der Rasta-Ideologie ist.” Die Rasta-Ideologie gründet auf archaischen gesellschaftlichen Vorstellungen und auf den historischen Erfahrungen der Schwarzen mit dem Kolonialismus der Weissen. Da gibt es Slogans, die jeder Rechtsextreme für sein “Volk” auch unterschreiben würde (Afrika den Afrikanern – Europa den Europäern), merkt David Signer an. Und: “Man fragt sich, wie die weissen Rastas mit dieser Ideologie umgehen.” Während Bob Marley nachgewiesenermassen ständig sexuell untreu gewesen ist, halten sich die Rastas an biblischen Werten fest, wie so oft in anderen “Bewegungen” und Glaubensgemeinschaften” auch. “Jamaicanische Sänger sind besessen von “batty men” (Schwulen) und “chi-chi gals” (Lesben). Der bekannteste Anti-Homosexuellen Song “Chi-chi man” wurde während der Wahlen von 2001 von einer früheren Regierungspartei (JLP) als Hymne öffentlich verwendet.” Wenn ich bedenke, dass das Musikbusiness mit sehr vielen Schwulen durchsetzt ist, dann frage ich mich auch, wie die das so einfach hinnehmen und totschweigen können, wenn sie Konzerte organisieren, oder Musik vertreiben! Nun, wir sehen ja, die “weissen” Rastas tuns auch, und die schwulen Rechtsradikalen haben auch kein Problem. Hier die bekannten Namen schwulenfeindlicher Rasta-Sänger: Bjuju Banton (er fordert in “Boom By Boom” dazu auf, die “Schwuchteln” umzulegen) – “Zündet sie an!”, schlägt Bounty Killer vor. Der Sänger Beenie Man sieht für Lesben den Tod durch den Strick vor: “Hang chi-chi gal wid a long piece of rope.” In der Schweiz versuchte es Capleton immer wieder mit Auftritten, die aber wegen seiner homofeindlichen “Batty man Tunes” bekämpft wurden. Man mag die Musik mögen oder nicht, David Signer bemerkt am Schluss: “… aber von der ganzen Rasta-”Befreiungsbewegung” bleibt bei genauer Betrachtung unter dem Strich nicht viel mehr als Nonsens.” Der Kaiser Ras Tafari Mekonnen ist schon längst tot. Jamaica seit 1962 ein unabhängiger karibischer Inselstaat im Commonwealth of Nations und das Kiffen hat offensichtlich weder eine “rassische” noch eine politische “Befreiung” gebracht. Und zu guter Letzt der Grund, warum in der Bibel Homosexualität (Schwule im heutigen Sinne gab es damals noch gar nicht) verboten ist: Wegen des Analverkehrs, der die Gefickten kulturell zur Frau machen soll. Dabei wusste der biblische Gott offenbar nichts von der Prostata des Mannes, die beim Analverkehr stimuliert wird und die Erektion anregen kann. Vielleicht hatte er genauso Pech mit seiner Schöpfung, wie die Jamaicaner mit ihrem Messias! Peter Thommen, Schwulenaktivist (61) Basel

Jamaican Gays and Lesbians Stopmurdermusic Hängt die Schwulen! (Uganda) Berichte auf d.radio Wissen

Woran Bob Marley glaubte (Rastafari-Religion)  Ein Skript von Deutschlandradio Kultur vom  7.5.2011

Lesben sind übrigens auch betroffen, auch wenn sie weniger in den Medien genannt werden! Hier eine Literaturliste über Bücher von Claudia Schoppmann

Ostern 2011 – “eswirdbesser” ??

Sonntag, 24. April 2011

Eine schwulenpolitische Osterpredigt – von Peter Thommen

Die Religionen sind daran, politisch abzudanken. Sie bäumen sich dagegen auf und suchen sich Leute für ihre Feindbilder, um diese dann wie ein Lamm zu opfern. Egal ob es die Lämmer beim moslemischen Opferfest sind, oder der Wein und das Brot, oder die Oblate. Alles voller Blut und Symbolik. Der Lammbraten zum Osterfest.

Letztlich verwandelt sich das Symbolische oft wieder zurück ins Reale und viele Menschen müssen (von wenigen Führern) „geopfert“ werden für eine Idee (nicht ein Ideal!). Faschismus jeglicher Art kämpft immer bis zum eigenen Untergang. Dabei sollen immer viele für die eigenen Privilegien geopfert werden, wie wir das in Nordafrika aktuell erleben.

Es besteht eine kulturpolitische und sehr symbolträchtige Einigkeit der drei monotheistischen Religionen darin, dass Homosexualität (also anale Penetration) eine Todsünde sei. So ist es in ihren Schriften festgehalten, es wird nur verschieden interpretiert. Es geht dabei immer um Mächtige und Ohn-Mächtige. Also das klassische heterosexuelle Spiel von Ficker und Gefickten (Geopferten). Der Rollenwechsel der Männer muss dabei ausgeschlossen werden, denn sie dürfen die Opfersituation nicht selber erleben, um weiterhin Täter bleiben zu können.

Aber auch ausserhalb der Religionen und innerhalb der Gesellschaftspolitik spielt dieses Spiel der Spiele (nicht das Schach!) eine grosse Rolle. In den religiösen Auseinandersetzungen werden die Wurzeln mit Sand zugedeckt. Sand der auch in die Augen verstreut wird. Umso mehr geht es in der aktuellen Debatte um die Adoptionsmöglichkeit durch Schwule vor allem darum, dass diese Männer eine Gefahr für Kinder darstellen. Bei Lesben kommt das weniger zum Zuge. Sie stehen auch weniger unter dem hintergründigen „Pädophilie“-Verdacht. Lesben gehören im Allgemeinen zur Gruppe der Opfer (= Kinder und Frauen). Dieser Sexismus wird von ihnen auch nicht aufgedeckt.

Die Schwulen sollen selber schauen, wo sie bleiben. Und diese Schwulen sind auch nicht bereit, sich dieser femi-sexistischen Diskussion zu stellen. Sie zeigen lieber auch auf  „Pädophile“, um aus der medialen Schusslinie zu kommen. Etwa ähnlich der Situation vor 50 Jahren, als die homosexuelle Prostitution verboten war. Was unter den Frauen/Lesben lief, interessierte niemann-den. Aber die Männer duckten sich unter dieser Ungleichbehandlung im Strafgesetz, die auch vom Bundesgericht noch gedeckt worden ist.

Wenn es um Ungerechtigkeiten gegenüber Schwulen geht, dann wird meistens beklagt, dieselben würden sich zu sehr in ihrer Opferrolle gefallen. Aber gerade das Schweigen über all die Verletzungen zwingt uns in diese Opferrolle hinein. Wiederum – würden wir davon Zeugnis ablegen, wären wir nicht mehr die klassischen Täter und „Pädophilen“, die heute schon wieder kollektiv vor-verurteilt werden. Mit Schwulen und Pädophilen kann man reden. Mit TäterINNEN und Tätern nicht. Es ist aber ganz praktisch, diese Grenze zu verwischen, das erspart das Nachdenken über Sexismus. Und das ist ja so üblich „beim Volk“ und im allgemeinen Mainstream.

Die meisten sexuellen Übergriffe auf Kinder (nebst den vielen anderen Gewalttaten gegen sie) finden in der heiligen heterosexuellen Familie statt. Da ist es ganz praktisch, den Feind ausserhalb und bei irgendwelchen „Pädophilen“ zu finden. Die meisten gewalttätigen Übergriffe auf Jungs und Schwule finden in der heterosexuell geprägten und genormten Gesellschaft statt, da ja Männer aus der Familie hinaus gehen müssen und nicht einfach daheim behalten werden können, wie unschuldige Töchter. Aber auch Jungs werden in einer moralisch begründeten und sozial gefährlichen sexuellen Unschuld gehalten, so dass sie sehr schnell auch unter Übergriffen leiden können – auch von Müttern und Frauen.

Verantwortlich dafür sind aber die Eltern und Familien, die diese Kinder in der sexuellen Unschuld (auf)„bewahren“ wollen, bis dann Mami oder Pappi mal fragen, ob einer nicht eine Freundin habe. Von der pädagogischen Zwangsheterosexualisierung will ich hier gar nicht anfangen.

Unsere Gesellschaft ist ver-geilt auf irgendwelche Opfer. Religiöse, sexuelle oder soziale. Sie will die Verantwortung für die Prävention nie übernehmen, oder gar verantworten. Doch das hatten wir schon bei AIDS.

Die heterosexuellen Verletzungen zeigen sich bis in die letzten Lebensjahre eines Schwulen, oder zwangsheterosexualisierten Ehemannes. Davon nimmt keineR Kenntnis. Weil damit kann keineR grosse Politik machen, wie mit Unverjährbarkeits-Initiativen und Berufsverboten. Eigentlich müsste es heterosexuellen Eltern verboten werden, schwule Kinder zu erziehen. Aber – ach, ich habe wieder ganz vergessen, dass es homosexuelle Kinder gar nicht geben kann. Und daher braucht es auch keine Prävention und keine Hilfe für schwule Jungs und lesbische Mädels. So einfach ist das. Und wer das missachtet, ist ganz einfach einE PädophileR.

So funktioniert das heterosexuelle Spiel weiterhin und es stellt sich die berechtigte Frage, ob es dann wirklich besser werden soll!

Frauen sind längst aus der Opferrolle entwachsen und selber zu Täterinnen geworden. Und auch Männer sind ihrer Täter-Rolle entwachsen und selber zu Opfern geworden. Die Tatsache, dies zu verleugnen, lässt auf ein grosses Potenzial an Sexismus in unserer Gesellschaft schliessen! Ein Sexismus der auch tief in die Angehörigen – hier – des männlichen  Geschlechtes, und ganz kollektiv, hinein schneidet. Ohne Mitleid der Frauen und Mütter!

Die Welt leidet unter unverarbeiteten, historisch-tief-vergessenen Problemen. Die Religionen sind offensichtlich unfähig. Bei (sexuellen) Übergriffen in der Verwaltungshierarchie, wie auch zwischen den Glaubensrichtungen. Einig sind sie sich vor allem gegen Schwule. Und sie können offensichtlich auch gesellschaftliche Minderheiten-Probleme nicht lösen, weil sie die Menschen nicht in ihrem eigenen Interesse daran arbeiten lassen wollen, sie aber zum beten aufrufen. Es steht dafür aber kein Kommunikationssatellit am Himmel. Obwohl die drei monotheistischen Religionen immer ganz genau wissen wollen, was denn „der Herr dazu“ zu sagen habe.

Sexuelle und soziale Fremdbestimmung muss durch Eigenverantwortung, Bildung und Kultivierung abgelöst werden. Da reicht es nicht mit einer blossen Einbürgerung durch ein staatliches Partnerschaftsgesetz. Oder durch angeblichen strafrechtlichen Schutz. Und die homosexuellen Männer und auch die Frauen müssen sich dem Gespräch stellen, das die tieferen Motive der Heterosexuellen herausbringen kann. Und nicht nur immer auf die Vernunft spekulieren. Aber wir Schwulen wissen ganz genau, dass die heterosexuelle Familie keine vor allem vernünftige, sondern eine religiös idealisierte und gefühlsbetonte Einrichtung ist. Aber damit ist heute kein Staat (Familie als Grundlage des Staates) mehr zu machen. Auch nicht, wenn Frauen daran beteiligt sind.

Und wie ich sehe, wird zurzeit eine Schwulenpolitik des geringsten Widerstands und auf kosten eigener Leute gemacht. Völlig unbesehen darüber, wie Schwule in Vorurteile und strafrechtliche Massnahmen hineinverwickelt werden können! Oft ist die Tatsache der homosexuellen Orientierung schon „der Missbrauch“/die todeswürdige „Sünde“, egal um welche Alterskategorie es sich handelt.

Ich will keine zwangsheterosexualisierten Jungs haben, eben auch keine mit „straight action“ oder „Heterolikeness“. Ich will aber auch keine Kollektiverdächtigungen aufgebaut haben, wie Berufsverbote und Videokameras. Ich will starke Jungs haben, die „wissen was sie wollen“, in Abstimmung mit ihren Sexualpartnern, mit den Müttern und Heteros (“Ich habe nichts gegen Schwule, solange die mich nicht anfassen!” Karsamstag 2011) in der Gesellschaft.

Einer Gesellschaft, deren kaschierte „Pädophilie“ schon an Wörtern wie „mein Mädchen“, „mein Girlie“, „mein Kind“, „meine Tochter“, “ich fick’ dich Baby” (!)* und anderen Bezeichnungen der Männer für erwachsene Frauen erkennbar wird. Auch am besitzanzeigenden Adjektiv („mein Sohn!“ bei den Müttern).

Dann kann es garantiert besser werden. Auch für die heterosexuellen Jungs und Männer, die ja unter den Verdächtigungen genauso zu leiden haben und davon betroffen sind, wie die als Feindbilder aufgebauten „Pädophilen“ und Schwulen. Für Lesben sehe ich vorläufig noch keine solchen Feindbilder. Aber das kann ja noch kommen!

 

In anderen Ländern wird der „sexuelle Kultur-Kampf“ viel offener geführt. (10.07.01) „Traurige Meldung aus Rom: Die rechtsextreme Partei „Forza Nuova“ beschimpft weiterhin gezielt die italienische Schwulenbewegung. Jetzt diffamiert sie Schwule mit einer gross angelegten Plakataktion: „Hinter einem Homosexuellen steckt ein Pädophiler – stoppt den Gay Pride!“ (Wobei die Siegessäule politischkorrekt so formuliert, als richte sich das auch gegen Lesben, die sind aber nirgendwo erwähnt! PT)

(10.7.01) Das slowakische Parlament verabschiedete ein neues Arbeitsgesetz, sowie neue Regelungen über den staatlichen und öffentlichen Dienst. Danach bleibt Homosexuellen im öffentlichen Dienst die Arbeit mit Kindern untersagt. (siegessaeule.de)

Das war vor 10 Jahren schon. Die „Pädophilisierung“ der Schwulen geht systematisch weiter!

(31.8.09) Wedad Lootah, FamilienreferentIN am Gericht in Dubai erklärt ihre Einstellung zur Homosexualität. „Homosexualität zerstört die Männlichkeit.“ – „Wenn Frauen kommen und sich beschweren, dass ihre Männer nur Analverkehr wollen, schaue ich mir die Geschichte des Mannes genauer an. Meistens komme ich darauf, dass er vorher mit Männern Verkehr hatte.“ (Profil, Wien)

Dass Männer vor der Ehe nur mit Prostituierten gegen Geld – oder gar nicht – heterosexuellen Verkehr haben dürfen, unterschlägt diese FRAU bewusst! Auch die orientalische Art, Knaben unter 15 als Ersatz zu nehmen… Zudem hat sie eine sehr beschränkte ANalsicht von Homosexualität – eben unter heterror-sexuellen Bedingungen!

 

Ich unterstütze die Kampagne „eswirdbesser“, weil ich homosexuelle Jungs unterstützen möchte. Denn wir haben eine gemeinsame Biografie! Und natürlich auch Mädels. Aber ich verabscheue Wörter wie: „Kinderschänder“, „Kindesmissbrauch“ und „Pädophilie“ (bewusst in Anführungszeichen gesetzt). Die schwulen Jungs sind zwar nicht „meine Kinder“, aber ich will nicht, dass sie heterosexuell missbraucht werden und „in Schande“ aufwachsen müssen!

An diesem Punkt – und darauf will ich schon lange hinaus – misstraue ich Organisationen wie „Marche Blanche“ und Unterschriftenaktionen „gegen Pädophile“, für ein Berufsverbot und „das Wegschliessen für immer“. Es müssten nämlich sehr viele heterosexuelle Frauen, Kinder, Jugendliche und Männer dran glauben, wenn wir die Informationen von homosexuellen Kindern über Mobbing, körperliche Angriffe, Morddrohungen und die erhöhte Selbstmordgefährdung wirklich ernst nehmen würden! Urbi et orbi! Amen.

Peter Thommen, Schwulenpapst, Basel (61)

P.S. Ich unterstütze alle Bestrebungen, die das heterosexuelle System ändern wollen und nicht einfach nur diejenigen, die “Opfer schützen” und “Täter für immer wegschliessen” wollen. Das sollte nicht schwierig zu verstehen sein.

Nachtrag aus Österreich. Robert Waloch, (HELDinHAFT) (PDF) hat sich kürzlich Gedanken darüber gemacht, wie sich eine heterosexuelle Öffentlichkeit an einem Prozess gegen Kachelmann delektieren tut, und wie österreichische Medien nur widerstrebend eine “Missbraucherin in Haft” setzen wollen.

Sophinette Becker findet die “Missbrauchsdebatte” verlogen! (2010)

* Humphrey Bogart hat in dem Film “Casablanca” gesagt “Ich schau Dir in die Augen, Kleines” („Here’s looking at you, kid“)  - und NICHT: Schau mir in die Augen….

Homosexualität und Islam zum Karfreitag

Freitag, 22. April 2011

Wir sind immer wieder erstaunt darüber, wie homophob und schwulenfeindlich sich der Islam gebärdet. Ich habe hier einen Text gefunden, der dieser Feindschaft völlig abhold (fern) ist. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass jede Religion ihre verschiedensten Ausprägungen hat. Wir kennen das im Abendland beim Katholizismus und der Reformation.

Interessant am untenstehenden Text, aus einer Homosexuellen-Zeitschrift der 60er Jahre, ist allerdings der umgekehrte Blick auf die abendländische Behandlung dieser Minderheit aus der Sicht eines arabischen Gläubigen. Solange natürlich auch damals nicht öffentlich diskutiert wurde, konnte jeder machen, was ihm lieb war. Widersprüche werden ja erst durch Medien und öffentliche Diskussionen sichtbar. Ich empfehle den Text zum Nachdenken über die Schwulenverfolgung und zur Diskussion mit Islamgläubigen!

Peter Thommen

“Einseitige materialistische Anschauungen, die zu doktrinären Ideen geworden sind, wollen nicht nur die Wirtschaft der Völker nach ausgeklügelten Plänen lenken (kommunistischer 5-Jahresplan, PT), sondern das Leben jedes einzelnen Menschen sogar bestimmen und dirigieren. Nach bestimmten fanatischen Vorstellungen wie der Mensch sein sollte, wird erzogen und geformt, ohne die wirkliche Natur des Individuums zu berücksichtigen. Da ist nichts mehr zu spüren von Ehrfurcht vor der Schöpfung eines allmächtigen Gottes, der so viele geheimnisvolle und für den menschlichen Verstand oft nicht zu begreifende Dinge schuf. Da gibt es Personen, die im Verkennen der Tatsachen alles vereinheitlichen wollen, die in einem oft sadistischen Eifer keine Form der Toleranz dulden und die Welt nach ihren Vorstellungen umkrempeln möchten. Vielleicht wollen sie alle Menschen nach ihrem Ebenbild formen?

Fast scheint es so. Wenn aber der Glaube an Gott vorhanden ist und an sein Werk, mit dem er ja zufrieden war, so müssten eigentlich die Gläubigen schon aus der Religion heraus eine beachtliche Toleranz aufbringen. Nichtgläubige müssten tolerant sein durch die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft.

Wenn ich aber immer wieder die Berichte lese über die Haltung gegenüber Minderheiten in Europa, so muss ich jedoch sagen, dass diese das Spiegelbild einer Intoleranz sind, die zum Himmel schreit. Recht seltsam erscheint mir nur, dass Hass und Verfolgung gegen Menschen, die lediglich eine andere sexuelle Veranlagung haben, in solchen Ländern geschehen kann, die sich zivilisiert und kultiviert nennen, die den Anspruch erheben, die beste Religion zu haben, eine Religion der Liebe, der Nächstenliebe, von der aber, wie es scheint, wenig zu spüren ist.

Derartige Probleme existieren glücklicherweise nicht überall, so zB in den Gebieten, die von Arabern bewohnt werden, und sie haben dort niemals existiert. Der Mensch wird als Mensch anerkannt, so wie er ist; denn er ist ja ein Werk Gottes, und Gott allein weiss, was er will. Es ist daher unmöglich, in dieses Werk mit menschlichen Ideen hineinzupfuschen, es sei denn mit dem Endziel, zu zerstören. Bei uns gibt es keine Wissenschaft, die sich speziell mit dem Liebesleben der Menschen beschäftigt, die die Hormonfunktionen erforscht, um das Verhalten des Menschen und sein Wesen zu ergründen, um endlich festzustellen, dass der Mensch vorwiegend bisexuell ist. Wir brauchen das nicht, weil wir verehren, was Gott in seiner unendlichen Weisheit schuf.

Wenn den Mohammedanern vorgeworfen wird, intolerant zu sein, so liegt das nur daran, weil der Koran entweder nicht bekannt ist, oder nicht richtig verstanden wurde. Die Homosexualität, die schon lange besteht, so lange als es nur Menschen gibt, ist bei uns immer als Tatsache anerkannt und praktiziert worden, und dies bis zum heutigen Tage. Und nicht nur das. Der Prophet Mohammed, der den Willen Gottes verkündete, der um all diese Dinge wusste, hat im Koran das Paradies geschildert, und beschreibt eine selige Welt, in der die Menschen in eine Umwelt kommen, die ihnen entspricht.

Männer, die der Jünglingsliebe huldigen, werden keinesfalls verdammt, sondern geniessen vielmehr dieselben Seligkeiten wie alle anderen auch. Aus dem Koran, 76. Sure, Vers 16-22 zitiere ich:

„Und Dienende werden mit silbernen Kelchen und Bechern um sie herumgehen, mit glashellen Silberflaschen, deren Mass sie nach eigenem Wunsch bestimmen können. Man gibt ihnen da zu trinken aus einem Becher Wein mit Ingwer-Wasser, aus einer Quelle dort, welche Salsabyl heisst. Zu ihrer Aufwartung gehen ewig blühende Jünglinge um sie herum; wenn du sie ansiehst, hältst du sie für verstreute Perlen, und wo du hinsiehst, erblickst du Wonne und ein grosses Reich. Ihre Gewänder sind aus feiner grüner Seide und aus Samt, durchwirkt mit Gold und Silber, und geschmückt sind sie mit silbernen Armbändern…“

Es wäre zu wünschen, dass die verantwortlichen und einflussreichen Persönlichkeiten in Europa doch bald zur Einsicht kommen, dass es besser ist, unabänderliche Dinge als Tatsachen hinzunehmen und Toleranz zu üben, anstatt die Natur zu vergewaltigen; denn alles ist von Gott, dem Schöpfer aller Dinge.”

Abdallah Islami, Mahdia, Tunis

 

Erschienen in „Der Weg“, März 1964, S. 44-46

Der Weg war eine deutsche Homosexuellen-Zeitschrift, ähnlich wie in der Schweiz „Der Kreis“.

Heute: Adam, Ewald und Mohammed (NL 2007)

 

Tausendundein Buch

Auswahl aus Büchern über Sex unter Männern, Türkei, Arabien und Iran (magnus 1/1992 S. 29)

Grundlegendes über die Rolle des Geschlechtlichen/auch über Homosexualität

Schiffauer, Werner: Die Gewalt der Ehre, Erklärungen zu einem türkisch-deutschen Sexualkonflikt, st 894, 1984

Ben Jelloun, Tahar: Die Tiefste der Einsamkeiten, Stroemfeldt/Roter Stern, 1986

Schmitt, Arno: Bio-Bibliography of Male-Male Sexuality in Muslim Societies, 500 S.

Romane

Boudjedra, Rachid: Die Verstossung, Unionsverlag

Aus der Jugend eines Algeriers. Die Erniedrigung durch die Verstossung der Mutter durch den sich neu verheiratenden Vater, die Sehnsucht nach dem mythischen Vaterbild, erstickende Traditionen voller Aberglauben und heuchlerischem Puritanismus, repressive politische Verhältnisse.

Choukri, Mohamed: Das nackte Brot, Andere Bibliothek

(besser als die engl. Ist die frz und dt Übers.)

Charhadi, Driss ben Hamed: Ein Leben voller Fallgruben, Andere Bibliothek

 

Machfus, Nagib. Die Midaq-Gasse, Unionsverlag, 1989

Im Panorama der Bewohner einer Gasse der Kairoer Altstadt nimmt der Kaffeehausbesitzer Kirscha eine wichtige Stellung ein. Seine Frau stören die Haschisch-Abende und die Knabengeschichten.

 

Serhane, Abdelhak: Kinder der engen Gassen, Edition Orient, 1988

Eine Welt aus Erniedrigung und Religion, Grausamkeit und Sexualität vom Blickpunkt der Frauen und Kinder. Sex zwischen Gleichen kann es in dieser Welt nicht geben, sehr wohl aber Sex zwischen Personen eines Geschlechts.

 

mit dem “Pädophilie”-Vorwurf gegen Schwule politisieren!

Dienstag, 22. März 2011

Es geschieht in immer kürzeren Abständen, dass „Missbrauchsvorwürfe“ gegenüber Männern in den Medien erhoben werden. Seltsamerweise nicht gegen Frauen. Die Taktik hat also eine klare sexistische Strategie. Weder wird die katholische Kirche einstürzen, noch können wir je „alle bösen Männer“ – „für immer wegschliessen“ deswegen, wie dies vor allem Frauen wollen. Dass auch Frauen sehr wohl an Übergriffen und Verbrechen an Kindern respektabel beteiligt sind, wird politisch korrekt verschwiegen oder heruntergespielt. Das belegt eine südafrikanische Studie (siehe irreführende Berichterstattung in „20min“!), deren Resultate vor allem in deutschsprachigen Medien „politisch korrekt“ verstümmelt wurden! (Hier der Originaltext im „International Journal of Equity in Health“ und die korrekte Berichterstattung in der Montreal Gazette) (Siehe auch den Buchhinweis am Schluss!)

Doch die „Pädophilen-Verfolgung“ hat auch eine historische und eine internationale Dimension. Nicht nur die „Pädophilen-Ringe“, wovon einer gerade kürzlich aufgeflogen sein soll. (Von den letztlich übrig gebliebenen tatsächlichen Straftätern, liest frau selten etwas!) Oder die internationale Verbreitung von „Kinderpornografie“, die nach neusten Bestrebungen bis zum dargestellten oder vermuteten 18. Lebensjahr erhöht werden soll. Es fällt auch auf, dass sich die „öffentliche“ Verfolgung von Übergriffen und Verbrechen an Kindern fast nur im sexuellen Bereich abspielt. Alle anderen Übergriffe (Körperliche Gewalt, sexuell motivierte Gewalt/Bestrafungen gegen homosexuelle Kinder, Kinderarbeit, Kindersoldaten) sind wohl schicksalshaft hinzunehmen. Aber damit sind wohl die grössten Emotionen der Abscheu und damit auch die Politik ganz allgemein zu mobilisieren. (Siehe „Marche Blanche“!) Etwa ähnlich wie es die SVP mit „den Ausländern“ treibt.

Dass die „Pädophilen-Diskussion“ immer auch eine Diskussion gegen die Öffentlichkeit der Homosexualität war und ist, sollte längst allen Schwulen klar geworden sein. Leider sind deren Exponenten und auch viele Homosexuelle selbst zu feige, sich dieser Auseinandersetzung zu stellen. Und daher ist es auch noch viel zu früh, über ein „Adoptionsrecht“ für gleichgeschlechtliche Paare öffentlich zu diskutieren. Dass dies vielen Betroffenen nicht passt – ja dass viele Betroffene ohne dieses Recht grosse Probleme haben, ist mir durchaus bewusst.

Aber die „Pädophilen-Frage“ wurde aus Rücksicht auf die heterosexuelle Öffentlichkeit nie geführt und das stellt sich jetzt als Stolperstein einer bewussten und konsequenten Gleichstellungspolitik für die Zukunft heraus. Und andersherum argumentiert: Die noch verfrühte Adoptionsdiskussion zieht – wegen ihrer Emotionalität – viele Frauen und Heteros dermassen in den Stress, dass sie lieber „hintenherum“ taktieren, als sich den Schwulen in der Diskussion zu stellen. Ich glaube, beide Seiten sind ziemlich feige in diesem Thema. Wobei die Homosexuellen wohl die Verletzlicheren sind – wie immer und vor allem gegenüber den Frauen.

An diesem Punkt sollten auch die Lesben politisch ins Visier genommen werden. Ein grosser Teil der bürgerlichen Lesben wollte genau aus obigen Gründen seit Jahren keine engeren Kontakte mit der Schwulenbewegung oder mit Homosexuellen, weil sie sich ihrerseits aus der öffentlichen Schusslinie von Verdächtigungen nehmen möchten. Und andererseits wollten sie nie mit den verdächtigten Schwulen paktieren – frau kann ja nie wissen…

Doch werden allgemein die lesbische Sexualität und der Umgang von Lesben oder lesbischen Müttern mit (ihren) Kindern als viel harmloser eingeschätzt, als derjenige der Männer. Das hat nichts mit einer doppelten Diskriminierung, aber sehr viel mit der doppelten Dämonisierung von Männern und Schwulen zu tun. Dies ist historisch belegbar. Und dies ist auch klar als sexistisch zu bezeichnen! Ich habe jedenfalls gelernt, dass Lesben auch nicht erst ab dem 16. Lebensjahr, ohne einschlägige Erfahrungen, oder als erwachsene Frauen vom Himmel fallen.

Dass die „Pädophilie-Vorwürfe“ vor allem aus der rechten SPV-Ecke kommen sollte uns nicht verwundern. Vor allem nicht, wenn ihre historische und internationale Dimension zum Vorschein kommt. Denn schon in den 70er Jahren missionierte die Orangensaft-Werberin Anita Bryant mit religiösen Hintergrund: „Töte einen Schwulen für Jesus“! Wohlverstanden, Orangensaft, den die Schwulen vor allem geniesserisch in ihren Bars schlürften…

In Uganda läuft eine ganz hässliche „heterophile Schmierenkomödie“. Motiviert durch religiöse Fundis und unterstützt mit Geld aus Amerika, bringen Religiöse und religiös motivierte Politiker ein Gesetz ins Parlament, das die Todesstrafe für homosexuelle Handlungen vorsieht. Das „schlagendste“ Argument dabei ist: „Schützet unsere Kinder” (Save our children!) In dieser Diskussion darf auch nicht die Iranische Politik übersehen werden, die sogar wiederum Jugendlichen unterschiebt, sie hätten Andere sexuell missbraucht. (Und dahin schickt noch unser Bundesverwaltungsgericht einen wegen Drogenhandels verurteilten Iraner in die Ausschaffung!)

In der ganzen Pädophilen-Diskussion kommt auch immer wieder ein Grundton in meinem „Gayradar“ zum brummen, der vermuten lässt, dass für viele – vor allem Frauen – Homosexualität (nämlich der Analverkehr darin) an sich schon ein gravierender sexueller Missbrauch bedeutet. Das kommt aus ganz tiefen vorgeschichtlichen Bildern wie zB in der Bibel, in welcher die anale Penetration für den Passiven eine Entmännlichung bedeutet, die nie wieder gutzumachen ist.

Ich fordere, dass der Sexismus in der Sexualdebatte endlich aufhören muss! Also die Täterinnen mit ihren Methoden neu in die Diskussion bringen. Die Debatte über Pädophilie (was auch immer jemand/jefrau darunter verstehen mag!) muss von der Debatte über strafbare Handlungen gemäss Gesetz getrennt werden. Dann muss auch klar werden, dass Frauen als Täterinnen nicht nur gleich bestraft, sondern auch als „gleich gefährlich“ eingestuft werden müssen! (Hetero-Leserbrief-Zitat: „Ich habe schon als kleiner Knabe davon geträumt, von einer erwachsenen Frau mal so richtig verführt zu werden.“)

Abschliessend möchte ich noch auf folgendes hinweisen: Die Expertenkommission für die Revision des schweizerischen Strafgesetzes im Sexualbereich forderte ein Alter von 14 Jahren für sexuelle Selbstbestimmung (eigentlich „Schutzalter“). Der Bundesrat als Regierung, legte sich damals auf 15 Jahre fest. Das Parlament schliesslich befand 16 Jahre. Weder die Experten, noch die damaligen Bundesräte waren meines Wissens pädophil. Als einzige Politikerin erwähnte damals Elisabeth Kopp die „sexuelle Selbstbestimmung“ statt das bis heute bemühte „Schutzalter“!

Das Sahnehäubchen auf diesem Thema: Von 1942-1992 war im StGB der Schweiz die Erlaubnis zu homosexuellen Handlungen erst ab 20 Jahren gewährt. Wir waren also damals fast alle „pädophil“. Allerdings sind fast nur Männer in den Verurteilten-Statistiken (die ich mir mal in den 80ern besorgt habe) aufgetaucht. Frauen waren entweder “harmloser”, oder nicht so wichtig…

Peter Thommen, Schwulenaktivist, 61, Basel

Lies auch mein persönliches Erlebnis in der Schwulenszene

 

Emil Grabherr, Präsident SVP Luzern Land im Kurier der SVP-LU: “Bei der Gruppe der Schwulen gibt es drei verschiedene Arten. Dazu gehören nebst den in ordentlicher Partnerschaft lebende auch die männlichen Huren und die unter keinem Titel akzeptierbaren Bubenschänder.”

Anlass für diese Äusserungen:  Sexualerziehung im Kindergarten (PDF)

Auf Intervention der gaynossinnen nahm Grabherr wie folgt Stellung (PDF)

Daniel Frey:  Rechtsradikale Rhetorik der SVP

Daniel Frey:  “Bubenschänder…”

Bericht im Tagesanzeiger vom 25. März 2011

Elmar Kraushaar in der taz vom 18.01.2011 in anderm Zusammenhang: “Um einen Schwulen ins falsche Licht zu setzen, reicht das Stichwort “Pädosexualität” allemal aus, auch wenn das eine mit dem anderen überhaupt nichts zu tun hat. Irgendwas wird schon hängen bleiben!”

Vor vielen Jahren wurde schon das schwule Reisebüro “Partner Travel” wegen “Pädophilie”-Anschuldigungen unmöglich gemacht. Selbst der Spartacus-Guide kam ins Visier deswegen. Hinterher war alles erstunken und erlogen…

Aktuelles Beispiel:  Pädophilie-Vorwürfe in Irland, 2011

Nachtrag

“Auch heterosexuelle Menschen leiden unter homophober Diskriminierung; sie sind im Vergleich zu homo- und bisexuellen Menschen sogar in der Mehrzahl, wie aus den Risikoverhaltensstudien an Jugendlichen bekannt ist (Reis & Saewyc, 1999). Jugendliche, die sich als heterosexuell bezeichneten, die aber von anderen homophob diskriminiert wurden, hatten gleich hohe Suizidversuchsraten wie homo- und bisexuelle Jugendliche.

Darüber hinaus sind die Konsequenzen einer homophoben Gesellschaft für die individuelle Entwicklung – unabhängig von der sexuellen Orientierung – möglicherweise fatal, wenn Intimität zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen ausgeklammert werden muss.”

(in Plöderl: Sexuelle Orientierung, Suizidalität und psychische Gesundheit, S. 260, Beltz 2006)

Buchhinweis zum Thema „sexueller Missbrauch“: Homes, Alexander Markus: Von der Mutter missbraucht. Frauen und die sexuelle Lust am Kind. 460 S. Pabst Verlag 2005