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Karfreitag und Ostern: Überleben wir die Homosexualität um heterosexuell zu werden?

Montag, März 28th, 2016

Vor fast 25 Jahren schrieb ich in meinem Blatt „Thommens Senf“ eine erste „Osterpredigt“ (1) Mir haben von klein auf schon immer die „Gleichnisse“ und Bilder aus den biblischen Erzählungen gefallen. Diese Ikonen (eine Art zusammenfassende Abbilder) sind eine späte Form von Hieroglyphen der Altägypter und sprechen für sich und bilden zugleich eine Sprache/Aussage. Sie sind für die orthodoxen (ehemals oströmischen) Kirchen sehr wichtig und bilden eine Grundlage des „gläubigen Verständnisses“ in einer damals ziemlich bilderlosen Gesellschaft. Im Islam ist es wichtig, den Koran in der hocharabischen Version laut zu deklamieren (vorsagen), um dem Gott am nächsten zu kommen. So wie die Kirchen mit ihren Bildfenstern, nutzen wir auch am Computer „Icons“ um komplexere Befehle oder Zusammenhänge auszudrücken oder auszuführen. (Im Cruisermagazin vom April 2016 habe ich versucht, über verschiedene, für Schwule (2) wichtige Icons zu schreiben.)

Im Jahr 1993 war es für mich klar: Wir sterben an Karfreitag als Heterosexuelle, um homosexuell an Ostern aufzuerstehen! Jesus ist eine Ikone geworden, die, je nach Interpretation, sich gegen gesellschaftliche, ordnungspolitische oder religiöse Gesetze aufgelehnt hat. In zweitausend Jahren Kulturgeschichte haben wir es schon lange nicht mehr mit historischen Fakten oder Zeugnissen aus erster Hand zu tun. Es hat Jahrhunderte gedauert, bis Männerliebende selber sich äussern konnten, oder Homosexuelle in den Medien (Telearena 1978!). Jahrhunderte, bis überhaupt religiöse Texte in der Sprache von „Gläubigen“, oder Verehrungskulte (Gottesdienste/Messen) nicht mehr in Hochlatein abgehalten wurden.

Im Cruisermagazin vom März 2016 (S. 26) habe ich darauf hingewiesen, dass Homosexuelle sehr heterogene Sexualwesen sind und dabei – vor allem im sexuellen Erlebnisbereich – ganz einfach gestrickt, wenig differenziert und hier meine ich auch stark von den herrschenden und frauschenden Machtverhältnissen geprägt (> zahllose Fetische!). Da erweisen sich Bildsprache und Bilder als wirkungsvollere Informationsträger als alle hochintellelen Vorträge. In diesem Spannungsbereich bewege ich mich also als „Bildsteller“. Nun also zu meiner ersten Predigt (3).

Das Osterritual gilt als das höchste christliche Fest um Männer. Logisch dass Männerliebende das nicht ignorieren können. Da wo sich alles – auch die Frauen – um Männer dreht, werden nicht nur Gläubige davon betroffen. In unserer Gegenwart dreht sich ja alles um Frauen! Da bleibt also doch noch Raum für einen „schwulen Blick“ auf das Ritual, die Vorgänge und Deutungsmöglichkeiten (Icons). Der Freitag als Tag der Strafe für das „nicht ausschliesslich heterosexuell sein wollen“ (4). Ohne dieses gewaltsame „coming out“ in der Öffentlichkeit wäre eine Auferstehung in der christlichen Ideologie undenkbar!

Freitag – ein Tag der Selbsterkenntnis, statt des Verrats. Gleichzeitig wird Dein Normalleben zerstört . Du hängst am Kreuz der Vorurteile (und auch der heimlichen Wünsche der Normalos). Es hat aber Mitschwule/sich erbarmende Hetis, die Dich bald vom Kreuz herunter holen (weil sie sich davon anrühren lassen werden).

Eingewickelt in weisse Linnen der Zuwendung, in der (mütterlichen) Grabhöhle kommst Du dem Tag der Auferstehung näher. Plötzlich erscheinst Du Deinen Freunden wieder: Als Schwuler, als Individuum, als bunter Schmetterling (frei vom Cocon). Sie werden Deine Wunden betasten und nicht glauben wollen, dass Du schwul bist! Andere, die auf Distanz zu Dir gehen, können Dich nicht begreifen/erfassen. Du kannst sie ruhig gehen lassen. Du bist auch ein Angenommener ohne dieselben!“

Wenn ich sehe, wie viel Kraft es zu einem coming out braucht, wie finster vorher alles gesehen wird von Homosexuellen, wie fest sie sich an ihre „heterosexuelle Unschuld“ klammern, dann fühle ich Karfreitag. Der totale Anspruch an die eigenen Kräfte. Der Becher geht nicht vorbei. Ein solches coming out ist ein Reifeprozess wie eine beendete Verliebtheit oder eine lange Beziehung. Und das was viele fast wie einen „Tod“ erleben, ist erst eine Fühligkeit, die uns bei unserem Tod helfen wird. Und auch der Tod ist eine Bedingung für das, was Auferstehung genannt wird. Wir wissen genausowenig, was nach dem Tode kommt, wie wir je wussten, was nach dem coming out kommen würde, oder woher wir gekommen sind.“ (5)

Interessant auch eine Nachbemerkung von damals: „Zum Judaskuss: Dass der Akt der Befreiung/Enthüllung in einer alltäglichen, unauffälligen (und typisch orientalischen) Handlung enthalten ist, zeigt uns, dass nur die Sichtweise der Umgebung das ganze zum Drama hochstilisiert. Die Küssenden haben ja kein Problem. Judas tut es für die „Hofschranzen der Mächtigen“ (30 Silberlinge) und Jesus „tut es dem obersten Gott zu Gefallen“. (Aber haben sie es auch je für sich beide getan?) (1)

Wir Schwulen sind zwar durch Heterosexualität in diese Welt gekommen, aber uns wurde auch bestimmt, ein „neues Verhältnis“ mit den Menschen einzugehen, das diese vor uns anscheinend noch nicht kannten. Wir kennen unsere übergeordnete Bestimmung auch nicht und wehren uns verzweifelt gegen unser Anderssein. Wir werden von der übergeordneten Heterosexualität verstossen, die sich den Anschein der totalitären Absolutheit gibt. Wir sind gezwungen, unsere herkömmliche Biografie aufzugeben, oder die wirkliche Biografie zu verleugnen. Ob dieser Leistung kräht aber kein Hahn! Und gar mancher Hetero wird zum Judas eines Schwulen in dieser Gesellschaft.“ (5)

Heute ist alles ganz anders! Es gibt keinen Karfreitag mehr, coming outs werden nicht mehr gebraucht! LondonJames (Lifestyleberater und Dating-Experte) zur Öffnung der Ehe für alle: „ … heisst es in den Akten schlicht und einfach: verheiratet. Dann braucht es weder ein Coming out am Arbeitsplatz oder sonst wo. Man(n) wird nicht blossgestellt. (6)

Der oben „ikonosierte“ Akt der Individuation verkommt zum blossen Akt auf dem Standesamt! Und heraus kommt? Eine Homo-Ehe! Shereen El Feki schreibt hingegen von nordafrikanischen Männerliebenden und zitiert Hassen: „Ich kenne die tunesische Gesellschaft. Wir werden garantiert nie die Schwulenehe fordern, weil die meisten von uns den klassischen Rahmen einer Beziehung, die Ehe, ablehnen; daran denken wir nicht.“  (7)

Die jungen Männer in der orientalischen Gesellschaft wollen „nur“ ein normales Leben führen und nicht mehr diskriminiert werden. In dieser „schweigenden oder verschwiegenen“ Kultur ist ein coming out/eine Individuation gar nicht möglich. Die meisten führen eine hetero Ehe, ja müssen sie führen, falls sie genügend Geld verdienen können.

Wie wir sehen gibt es Ausnahmen, die früher politisch und heute religiös motiviert werden. Statt ans Kreuz genagelt zu werden, sprengt man sich in die Luft – für den grössten aller Männer, oder der Ikone, die die grösste Autorität auf sich versammelt…

Das Gemeinsame liegt eben im Widerspruch! In den Fussballstadien wird Männerfussball gespielt und spielen sich formal „Männerorgien“ ab. Draussen vor aber herrschen die Gesetze der Männlichkeit: Gewalt und Vergewaltigung. So, wie sie es alle in dieser Kultur gelernt haben. Wer homophobe Lieder singt im Stadion, der bestätigt auch gleich das, was er mit Liedern weit von sich weist!

Christliche Ostern, das ist für mich die Sehnsucht des Mannes nach dem Mann. In einer total heterrorisierten Gesellschaft. Es lohnt sich, darüber zu meditieren und Icons zu formulieren!

Peter Thommen_66, Schwulenaktivist, Basel

 

1)  Damals „für Schwule und Lesben“, in der 14. Ausgabe des 2. Jahrganges vom 9. April 1993. Es ging – und geht bis heute – aber nur um Schwule.

2)  Schwule sind für mich Männer, die nicht einfach nur mit anderen Männern Sex haben, oder sie lieben, sondern sich auch mal Gedanken darüber machen!

3)  Ein Text, der meist mündlich vorgetragen wird und auf einen bestimmten Zweck hin verfasst worden ist.

4)  Man/frau beachte, dass es NICHT nur um das „ausschliesslich homosexuell sein wollen“ geht!

5)  Thommens Senf, 3. Jg. Nr. 13, 1. Apr. 1994/online ThS 22.03.2008

6)  GH *1985, irgendwo im Internet

7)  El Feki, Shereen: Sex und die Zitadelle. Liebesleben in der sich wandelnden Welt, Hanser 2013, S. 340

„Spermiquien“

Sonntag, Dezember 1st, 2013

Oder wie der Heterror das Denken von Schwulen und Homosexuellen beeinflussen kann. Heute ist wieder Welt-AIDS-Tag und die Aidshilfekampagne läuft wie immer: „ … zum zweiten behandelt diese Kampagne, die einen unvergleichlichen Erfolg aufweist, das Problem des Safer Sex und nicht die schwule Revolution.“ (Ruthmann, 1998)

Reliquien, das lernte ich kürzlich auf Deutschlandradio, sind ,verehrbare‘ materielle Gegenstände, die den Gläubigen in einen meta-Zustand versetzen können. Entweder als einzelnes Glied in einer Kette von Traditionen, oder dann als greifbares metaphysisches Erlebnis, an dem teilzunehmen der Glaube oder die Pflicht besteht…

Die Hetero-Ehe partiziert insofern vom Spermiqium, als der Glaube an das genetisch „richtige“ Kind sie ideologisch überhaupt sinnvoll macht! Egal, dass Abraham seiner Sarah nicht fruchtbar beiwohnen konnte, weil sie im Schosse „trocken“ geblieben ist. Also durfte ihre Magd den Urvater in ihrerseits empfangen und ihm den ersten Sohn „schenken“. Dabei muss man/frau verstehen, dass die Magd der Ehefrau sozusagen als vollwertige Stellvertretung in Sexualangelegenheiten der Familie galt. Insofern verstehe ich weder die katholische Kirche, noch die CVP-Initiative, die heute „Familie“ auf „Mann und Ehefrau“ beschränken will. Der Ismael gilt übrigens als Stammvater der Araber…

Die jüngste zu verehrende Reliquie ist übrigens ein Tropfen Blut von Johannes Paul II. Der soll vom Privatsekretär des verstorbenen Papstes auf das Bistum Köln übergekommen sein. Er kann keine Verwandtschaft zum zukünftigen Heiligen gewähren, aber immerhin eine Verehrung für den Verstorbenen. Wie es ja auch in der Eucharistie und im Abendmahl zum Ausdruck kommt. Wir werden Teil eines mystischen Leibes, indem wir entweder das verwandelte Blut, oder einen Schluck Wein oder Traubensaft als Symbol trinken.

Soweit also Hetero-Tradition und Hetero-Ideologie. Zusammengefasst im Ausdruck „Heterror“, den K.E. Erstmals 1990 verwendet hat.

Ich kenne Sperma und seine Bedeutung für den Männersex auch aus eigener Erfahrung! Die ersten Male, bei denen ich im Twen-Alter das Unaussprechliche hinunterschlucken sollte, hätte ich mich fast übergeben. Dann war ich einige Zeit süchtig und lernte die verschiedenen Geschmäcker, wie süsslich, bitter und andere Varianten kennen. Es gibt Leute, die können bis heute nicht darauf verzichten…

Es stellt sich nun die geistreiche Frage: „Wie kann einer auf das Schlucken fremden Spermas verzichten?“

Dazu müssen wir uns an das homosexuelle coming out erinnern, das oftmals sehr mühsam, verklemmt und langwierig gewesen ist. Ebenso orientieren sich Männer, die mit Männern Sex haben (also egal wie sie längerfristig orientiert sind!) am virilen und potenten Mann, von dem sich damit etwas einzuverleiben gilt. Und nun könnt Ihr Euch selber vorstellen, was das in Bezug auf Sperma alles bedeutet!

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mit zunehmendem Bewusstsein und vermehrter Reflexionsmöglichkeit in der Schwulenbewegung, auf das Unaussprechliche nach und nach verzichten konnte. Meine Identität hängt nicht am Sperma, nicht an einer Frau und beides kann auch meine Persönlichkeit grundsätzlich nicht verändern. (Hier ist Gelegenheit, auf ein wichtiges Buch zu diesem Thema hinzuweisen: Phil Langer: Beschädigte Identität)

Aidshilfekampagnen richten sich seit einiger Zeit strategisch und informativ auf die Heteronormativität. Nach dem coming out-Management haben sie sich nun an ein „Risikomanagement“ herangewagt, welches versucht, die Abwehrreflexe von Betroffenen elastisch aufzufangen und den Leuten zu suggerieren, sie könnten tatsächlich „managen“, also Situationen einschätzen, Chancen ausrechnen, etc. Dazu kommt ein starker Druck zum Test. Denn je früher ein Test nach der Infektion gemacht wird, desto aussichtsreicher das Leben mit HIV-AIDS und den immer „besser werdenden“ Medikamenten. „Management“ setzt keine klaren Grenzen und bleibt offen „für alle Betroffenen“.

Die zweite geistreiche Frage: „Wieso müssen Männer sich ohne Kondom anal penetrieren?“

Da schauen wir doch erstmal bei den Heteros!

Wenn der Sex sinnlich ist, ist das was frau ohne Kondom spürt viel intensiver und befriedigender… Aber nur mit dem festen Partner, wenn man genug Vertrauen hat, dass er/sie ausshalb der Beziehung auch nur geschützt verkehrt.“ (weibl, 22, bi)

Kondome beengen mich schon am Schwanz. Daher habe ich gar kein Gefühl von Freiheit damit.“ (männl. 23, bi)

Nach einem gemeinsamen Test ist es ohne Kondome viel geiler und im gegenseitigen Vertrauen das höchste der Gefühle“. (männl. 24, bi)

Also ich steh nicht drauf und werde das wahrscheinlich nie. Ich bin jetzt in einer längeren festen Beziehung und da benutze ich keine.“ (männl. 23, bi)

Die Zitate sind aktuell von 2013, nicht repräsentativ, aber dafür beispielhaft! Die höchsten Gefühle werden also nicht in der Beziehung an sich, sondern im Sex in der Beziehung erlebt. Und dieser Sex sollte möglichst „grenzenlos“ sein – auch zu zweit. Es ist also der Glaube an das alte Versprechen unserer Vorfahren, dass Sex erst in der Ehe erlaubt sei und dann das Paradies sein würde…

Während Heterosexuelle sich nur indirekt über eine Frau (die sie natürlich ficken) eine „Fassaden-Identität“ konstruieren, zeigen die soziologischen Informationen und Umfragedaten, dass diese Fassade zunehmend verwittert und zerfällt. Hohe Scheidungsraten und Enttäuschungen über das erlebte „sexuelle Paradies“ – auch nicht mit Beate-Uhse-Hilfsmitteln – ändern offensichtlich nicht die Tradition und Ideologie des Heterrors. Das traditionelle Homosexualitätsverbot ist vor allem – und war schon immer – für „Heteros“ gedacht und funktionalisiert worden – mit dieser indirekten Identität – schon in der Bibel.

Wen wundert es, dass sich auch Schwule, Homosexuelle und andere Männer unter sich, an diesen Hetero-Normen orientieren? Ich darf nochmals auf Phil Langer und seine Untersuchung hinweisen, die über die entsprechenden Beschädigungen in der Männerpsyche berichtet. Und von den verschiedensten legalen und illegalen Drogen will ich hier gar nicht referieren. Aber die Aidshilfen sollten eigentlich zur Kenntnis nehmen, dass unter solchen Bedingungen ein „Risikomanagement“ sehr schwer oder gar nicht zu „managen“ ist. Aber vielleicht ist ihnen das auch gar nicht so wichtig.

Junge Homos erleben sich vor allem unter dem Familiendruck und anschliessend auf den Parties und im Internet unter dem Konkurrenzdruck, als „männerliebend“. Ein geschützter sozial-familiärer Freiraum ist nicht mehr in Sicht. Es kann unter diesen Bedingungen keine „schwul-normale“ Identität heranwachsen, aber meistens eben nur eine Art „Heteroabklatsch“. Aber die Homo-Ehe, das risikovolle Vertrauen und die Monogamie, die nur wenige „Mönche in ihrem Glauben“ erleben dürfen, schaffen die Verhältnisse, die dann auch heterosexuelle Probleme ergeben…

Es kann auch keine Solidarität als Gruppe mehr entstehen, die eine kollektiv „abgesicherte“ Identität herauszubilden erlaubt. Jeder ist für sich selbst verantwortlich? Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied – und was dergleichen ideologischer Sprüche mehr sind.

Die Identität klebt am Glauben – an Treue, Monogamie und den supergeilen Sex, der dann nur noch mittels Drogen gesteigert werden kann. Da gab es noch Beziehungen? Die spielen doch nur als äussere Form eine Rolle. Die richtige Form verspricht die richtige Geilheit.

Ich bin jetzt über 10 Jahre im Internet und in schwulen Portalen unterwegs. Also in der parallelen Welt von Junghomos, Bisexuellen und Althomos, sowie Altbisexuellen. Da findet man die Geilheiten und Fetische, die wichtiger als alles andere sind.

2013 heisst es zum Weltaidstag: „Eine Schweiz ohne AIDS“. Auch so ein Glaubenssatz. JedeR weiss, dass das unmöglich ist – besonder mit dem bekannten „Risikomanagement“. Aber das Unmögliche war schon immer religiös inspiriert und auf die Glaubensebene geschoben. Jedenfalls wollte ich mit diesem Essay darauf hinweisen, was alles vorgegeben wird und was tot geschwiegen wird.

Denn – wie Sirko Salka in seinem neuen Buch im Untertitel schreibt: „Wieso schwules Leben harte Arbeit ist.“ Sicher nicht stundenlanges Ficken ohne Kondom – um den Mann zu spüren. Oder weil er dann schmerzt, oder gar reissen könnte…

Der Kondom sollte dagegen eine Reliquie sein, die nicht den Glauben an die Spermiquie befördert, sondern das Gehirn rein wäscht vom Heterror. Aber wie oben schon angeführt: Aidshilfen kümmern sich um – äh neustens – das Risikomanagement und eben NICHT um die schwule Revoluton. Amen.

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

P.S. Wer sich jetzt über meine ideologische Auseinandersetzung mit der „Aidsprävention“ ärgert und gar schon an „die Tablette statt das Kondom“ glaubt (!), der vergisst, dass es noch andere sexuell übertragbare Krankheiten gibt und neue geben wird!

 

Ich erinnere an Siegfried Rudolf Dunde (1953-1993) und an zwei seiner Bücher:

Vater im Himmel – seine Söhne auf Erden. Männer und Religion, roromann 8203, 1986 (als Hg.)

Wenn ich nicht lieben darf, dürfen’s andere auch nicht. Vom Umgang der Männer mit sich und anderen, roromann 8227, 1987 (als Hg.)

Zudem werden Männer nur dann frei sein, mit ihrem Körper, ihrer Lust, ihrer Begeisterung über andere spielerisch und lebendig umzugehen, wenn sie die Fülle von Liebes- und Begehrensmöglichkeiten sehen und sich über diese Fülle freuen. Vielleicht müssen sie dann anderen nicht mehr die Liebe vermiesen oder untersagen, wenn sie ihnen selber (noch) zugänglich ist…“ (S. 10)

Ihm verdanke ich erste Einsichten über die Verhältnisse, unter denen Schwule nicht normal werden können.

Homo-Ehe, Liebes Geschichten…

Mittwoch, April 10th, 2013

Ich habe in den letzten Jahrzehnten den Eindruck gewonnen, gewisse Männer und Frauen wollten vor dem endgültigen Verschwinden der heterosexuellen Ehe auch noch etwas davon erhaschen. Anders kann ich mir den „unbedingten Wunsch nach Gleichstellung“ nicht erklären. Dabei hat die historische hetero Ehe soviel historischen Ballast im Rucksack wie die katholische Kirche Verbrechen in ihrer Geschichte.

Und wie immer spielen die Kinder dabei eine übersymbolisierte tragische Rolle! Sie waren schon immer die Leidtragenden in den „guten Ehen“ und werden erneut politisch instrumentalisiert für die „gute heterosexuelle Ehe“ und gegen gleichgeschlechtliche Paare. Kinder werden von Heterosexuellen für alles Mögliche vorgewiesen und gerechtfertigt, sie sollen jetzt wieder die (heterosexuelle) Welt (= das Abendland) vor dem Untergang wegen der Homo-Ehe retten. Und was besonders auffällt. Sie können das nur, schon damals und auch wieder heute, wenn sie in sexueller Unschuld/Unwissenheit gehalten werden.

Als ich kürzlich etwas über das biblische Kinderopfer von Isaak schrieb, recherchierte ich im Buch „Menschenopfer“, von Nigel Davies (1) und stiess dabei auf ungeahnte Opferungen von Kindern von vorgeschichtlicher Zeit bis in die nicht zu ferne Vergangenheit. Alles im Dienste des Erwachsenenwohls. Bei der Recherche nach Büchern mit schwulem Inhalt bin ich zufällig auf einen Band der „Mandingo Romane“ (2) gestossen, der in der Zeit der Sklaverei in den USA spielt und eine solche Episode enthält. Aber darin werden auch, unter anderen Gräueln, Arbeitssklaven mit schwarzen Mädchen gezüchtet! (3)

Ich will damit sagen, dass auch viel Schreckliches an dem schwarzen Frack und dem weissen Schleier von heterosexuellen Ehen hängt! Wollen wir uns mit all dem auch identifizieren? Ich sage nein! Aber trotzdem sollen auch Männer mit Männern und Frauen mit Frauen sich letztlich „verehelichen“ können, wenn sie das unbedingt wollen…

Kürzlich wurde übrigens in Kwazulu-Land eine Ehe zwischen zwei schwarzen Männern geschlossen, mit allem traditionellen Drum und Dran!

Hier zwei Männer in Papua-Neuguinea

Zurück – zur „eingetragenen Partnerschaft“. Diese, in der Schweiz institutionalisierte Form einer gleichgeschlechtlichen „Ehe“ droht bereits jetzt durch eine „Öffnung der Ehe“ für Schwule und Lesben überholt zu werden. Dabei wäre auch dieses Gesetz sicher bald korrektur- und überholungsbedürftig, wie das seit längerem schon dauernd mit dem Strafgesetzbuch und den Verjährungsfristen geschieht…

Liebesgeschichten von Homosexuellen haben sich bereits seit Jahren in Filmen niedergeschlagen. Auch die weitere Entwicklung wird filmisch gestaltet und überliefert werden. Nach Jahren der „coming out“ – Filme und Beziehungsdramen, bis zu „Cage aux Folles“, um ein Extrem zu nennen, kommen neue Regisseure mit neuen Geschichten und Inszenierungen. Das Interessante an der ganzen Entwicklung ist die Bemühung um „Gleichheit“ – mit dem Bestreben, eine ersehnte Gleichwertigkeit zu erreichen. Doch schon bei der „Gleichstellung“ von Frauen mit Männern herrscht und frauscht das bürgerliche Missveständnis der Gleichmacherei. Um gleichwertig zu sein, müssen nicht beide Hosen tragen, oder eine Burka, oder sich Bärte wachsen lassen…

Das Geheimnis der Natur, der Religiosität und der Philosophie liegt darin, dass VERSCHIEDENES gleichwertig sei! Neger malen sich deswegen ja auch nicht weiss an, ja nicht mal wie ein Zebra!

David Lambert bringt nun eine neue Film-Version mann-männlicher Liebe. Die Geschichte, die  Jenseits der Mauern  erzählt, ist eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern, „die zwar – wie jede Liebesgeschichte – ihre Eigenheiten hat, einen eigenen Ton, eine eigene Art der Kommunikation etc., und die sicher auch deswegen eigen ist, weil sie sich zwischen zwei Männern ereignet, die sich jedoch so ähnlich genauso gut zwischen zwei Frauen oder zwischen einer Frau und einem Mann abspielen könnte“. (Christoph Meyring zitiert David Lambert, den Regisseur dieses neuen Films, in Sissy 17/2013, S. 6)

Ich fürchte bis zur Gewissheit, dass Lambert hier Birnen mit Äpfeln und Zitronen mit Orangen vergleicht! Vielleicht lässt sich eine Liebesgeschichte wirklich in den obigen Kombinationen „ab-spielen“. Dann ist sie aber nur gespielt. Ohne Sicht auf Inneres, oder auf Identitäten. Und ich fürchte, die ZuschauerInnen glauben das auch alles!

Niemals kann sich etwas erotisch-sexuelles „gleich“ in Männern und in Frauen abspielen und schon gar nicht in Männer- oder Frauenpaaren. Homosexualität kann nicht einfach nur die homo Version der Heterosexualität von hinten sein! Ich weiss, Vielen erscheint das so. Und viele Männer und Frauen haben das auch lebenslänglich so gespielt. Und viele Frauen spielen „Lesben“, um Männern zu gefallen. Aber wenn Männer „auf den Hund“ kommen und unterwürfig „Doggie“ spielen, wollen sie noch lange nicht einen realen Hund heiraten!

Heteras können nicht glauben, dass es psychische und kulturelle Absichten und Erlebnisqualitäten zwischen Männern geben kann, bei denen sie aus-serhalb bleiben müssen. Die Frauenbewegung hat zwar zu zeigen versucht, dass sie „es“ auch ohne Männer kann. Das gleiche aber mutet sie Männern nicht zu. Und es gibt ja auch keine ernsthafte Männerbewegung oder so was…

Ich kann nur aus der Sicht eines Mannes beschreiben, was mich mit anderen Männern verbindet – nicht nur mit Schwulen oder Bisexuellen. Das geht über das gegenseitige Verständnis und Wissen um Körper und Sexualität hinaus. Ich denke da gar nicht an geheime Sachen. Es gibt keine Geheimnisse mehr um die Sexualität! Jedenfalls ficken wir niemals ausserhalb der Gesellschaft, sondern mitten unter den Hetero/as. Es wirkt auf mich zurück, wenn ich der sexuell motivierten Gewalt gegen „Weiblichkeit“ ausgesetzt bin. Aber auch, wenn ich dem sexuell motivierten Terror zum Sex mit dem anderen Geschlecht ausgesetzt bin. Und das kann von beiden Geschlechtern/Eltern ausgehen, von Kindheit an.

Es nützt also nichts, wenn sexuelle Praktiken verglichen werden. Eine Frau anal penetrieren hat nicht die gleiche Bedeutung, wie einen Mann. Auch kann ein Männerpenis in einem Männeranus nicht verglichen werden mit einem Strap-on (Umschnalldildo und einer Frau daran) am selben Ort. Mich erstaunt schon, wie schnell gewisse Frauen das gleichsetzen können. Auch die anale Penetration einer Frau durch einen Strap-on ist nicht das gleiche. Und wenn Männer Frauen anal penetrieren, dann praktizieren sie zwar Homosexualität, aber allein schon den Gedanken daran, weisen sie weit von sich. Wie kann Frau also ihre Passivität mit derjenigen eines Mannes vergleichen?

So einfach also entwickelt sich die Psyche von Männern und Frauen nicht in die gleiche Erlebnisqualität, so dass sich alles „ebenso gut zwischen allen abspielen“ könnte, wie oben behauptet. Und Kinder spielen da auch noch eine differenziertere Rolle dabei!

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

Homo-Ehe privat um 1970, Magazin JASMIN 81970-73)

Sybille Berg und die Homo-Ehe

Papst Johannes Paul II. 1979 über Ehe und Homosexualiät

(1) Nigel Davies: Opfertod und Menschenopfer, Ullstein 1981/83, 390 S.

(2) Lance Horner, Kyle Onstott (hier konkret): Der Mandingo von Falconhurst, Heyne, 1966/1977, 390 S.

(3) Bereits bekannt waren mir die „Schwarze Pädagogik“ von Katharina Rutschky, sowie „Hört ihr die Kinder weinen (Lloyd deMause, (Hg.).

Katharina Rutschky: Schwarze Pädagogik. Quellen zur Naturgeschichte bür-gerlicher     Erziehung, Ullstein 1977, 600 S.

Lloyd deMause (Hg.): Hört ihr die Kinder weinen. Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit. Suhrkamp 1974/78, 600 S.

China: Geld macht Ehe (DLF)

Homosexuelle als Sündenböcke in der Homo-Ehe-Diskussion, von David Signer, NZZ

Bettina Weber im TA: Die Ehe ist gar nicht mehr so attraktiv, wie ihre Verteidiger tun!

Hannes Stein: über die Ehe gestern und heute, NZZ 26-9-13

P.S. Eine Mutter, die in Frankreich ihren dreijährigen Sohn mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Ich bin eine Bombe“ und „Jihad, geboren am 11. September“ in den Kindergarten schickte, ist einer Strafe entgangen – dank dem Gericht in Avignon.  Das Gericht sprach die 35-Jährige frei vom Vorwurf der „Verherrlichung von Verbrechen“, da keine unmissverständ-lichen Hinweise dafür vorgelegen hätten. Der Junge sei am 11. September 2011 zur Welt gekommen und Jihad getauft worden. (SDA, BaZ 11.4.2013, S. 14)

P.S. Eine 41-jährige Mutter (im katholischen Polen, PT) hat drei ihrer neugeborenen Babies getötet und zu Hause in einer Tiefkühltruhe aufbewahrt. Die Frau, die noch vier weitere Kinder im Alter von 6 bis 22 Jahren hat, wurde verhaftet und hat gestanden.  (AP, NZZ 11.4.2013, S. 24)

Diese Meldungen sind fast immer unter „in Kürze“ oder „Diverses“ – in kleinen Ecken – zu finden. Obwohl ich Zeitungen unregelmässig lese, stosse ich immer wieder darauf.

Das Osterei als schwules Symbol

Donnerstag, März 28th, 2013

gewidmet René Reinhard, 18.11.1939 – 5.4.2013 *

Während die Heteros seit über zweitausend Jahren von der Fruchtbarkeit schwafeln und die Hühner und Gockel für unfähig betrachten, ihre eigenen Produkte zu verteilen, haben sie auch noch den „sexbesessenen“ Hasen für diese Aufgabe erwählt.

Doch so fruchtbar ist die ganze Angelegenheit gar nicht! Denn Ostereier sind ja „unbefruchtet“, sonst sind sie nicht essbar! Und für Leute, denen die bemalten Eier schon lange auf den Sack gehen, ein Färbetipp: Eier mit Bindfaden umwickeln oder darunter noch Blätter und Gräser beigeben, oder alte abfärbende Krawattenstücke – und diese in einem Sud von Kaffee oder Zwiebelschalen (drum wickeln) kochen.

Aber ich sehe schon, dass Einige sich jetzt den Vogel machen! (lol) Was haben Ostereier mit Schwulen zu tun? Naja, bunt wie ein Regenbogen sind sie meistens schon. Und Eiertütschen findet nicht nur unten statt, sondern mittels verbalen Stössen auch oben durch, was zeigt, wie gemein und wie „eindrücklich“ Schwestern sein können…

Ich habe allerdings kein Hodentrauma, wie man vermuten könnte. Obwohl ich mich an eine Begegnung in einer Klappe erinnern kann, bei welchem der geile Kerl nicht dahin griff, wo ich es gerne gehabt hätte, sondern an meine Eier – und kräftig drückte. Aber in diesem Bereich gibt es noch ganz andere Fetische…

Den Ostereiern wird also die Fortpflanzung vorenthalten, damit sie als „unfruchtbare“ Delikatesse bei Menschen auf den Tisch kommen! So ähnlich wie man/frau es den Schwulen vorwerfen tut – aber das kommt nicht auf den hetero Tisch. Weder Hühner noch Hähne beschweren sich. Fürs wirt-schaftliche Eierlegen braucht es zwar einen Gockel, aber er soll die Hühner nicht besteigen. Allein die Vorstellung der Hühner, was der durch einen Drahtzaun von ihnen getrennte Gockel mit ihnen alles anstellen würde, ist schon wieder sehr „schwulenfreundlich“.

Die dünne Schale des Eies, zwischen innen und aussen, symbolisiert für mich auch die Nähe von Männersex und Fortpflanzung. Mit anderen Worten: Die Homophobie ist ein zerbrechlicher Schutz vor der Neugier aufs andere Ufer, jenseits der Fortpflanzung. So frönen denn viele menschliche Gockel der ho-mosexuellen Lust, ohne dass es die Hühner bemerken, oder überhaupt zur Kenntnis nehmen wollen.

So dünn wie die Schale ist auch die Maske der Junghomos gegenüber der Familie und der Gesellschaft. Jederzeit kann sie einbrechen und ihr schwules Gedankenparadies zerdeppern. Bei vielen Junghomos kleben Reste davon noch hinter ihren Ohren, die ihnen den Selbsthass und die Homophobie in Erinnerung behalten, denen sie ungefragt immer wieder begegnen müssen.

Auch die sogenannte „Toleranz“ ist nur so dünn wie Eierschalen, denn sie hat strenge politische Altersgrenzen. Wie schnell wollen Mütter, PolitikerInnen und Staatsanwältinnen einen Schwulen „für immer wegsperren“, während es normal ist, dass junge Mädchen von erwachsenen Männern „eingeführt“ wer-den – oder junge Knaben von erwachsenen Frauen. Da träumen die letzteren schon mal öffentlich in Leserbriefen zu Berichten über „Sexualtäterinnen“ davon, dass sie „es“ schon immer mit ihrer Lehrerin, Nachbarin, etc. gewollt hätten. Ich wage nicht, mir vorzustellen, wenn Schwule in aller Öffentlichkeit ebenso von Lehrern, Erziehern, Sozialarbeitern träumen, mit denen sie in ihrer Jugend so gerne…

Hingegen ist es „normal“, wenn Eltern, Schule und andere Gruppen die schwulen Eierschalen eines Junghomos unabsichtlich oder auch absichtlich eindrücken, bis der ganze Inhalt ausgelaufen ist. Die MoralistInnen entscheiden schliesslich, wer das Opfer zu sein hat, unbekümmert darum, ob der Kontakt „einvernehmlich“ war oder nicht. Meistens ist eben schon die Homosexualität an sich „der Missbrauch“. Dieser Umstand ist immer von Anfang an abzu-fragen, bevor Schuldzuweisungen aufgehäuft werden.

Der neue Feminismus bekämpft den Penis und vergöttert die Jungfrau Vagina. Sie ist heilig und kann bereits über Leben und Tod – auch von Schwulen ent-scheiden, denn wir haben ihm die Abtreibung überantwortet. In Indien werden Mädchen durch Ultraschalluntersuchungen festgestellt und anschliessend ab-getrieben. Nicht zuletzt auch unter dem Druck von Schwiegermüttern. Was hat das mit Schwulen zu tun?

Bevor ich darauf eingehe, möchte ich daran erinnern, dass es auch im weib-lichen Körper Eier hat, die befruchtet werden können.

Und nun zu Jonathan Tolins, einem Theaterautor aus den USA. Er schrieb das Stück „Der letzte der Golds“, 1993 uraufgeführt am Booth Theatre in New York. Später aufgeführt in der Komödie Basel. 1994 adaptiert als Hörspiel für SRF von Claude Pierre Salmony.

Die Geschichte handelt in einer fiktiven Zeit, in der die sexuelle Orientierung genetisch ablesbar ist. Dean Hamer hatte 1993 angeblich ein „Schwulen-gen“ (XQ28) gefunden. Tolins führte dessen Theorie in ein konkretes Drama über. Darin erwartet die Schwester eines Schwulen einen homosexuellen Sohn. Die Diskussion führte darum, ob er abgetrieben werden sollte oder nicht. Ich war Zeuge der Publikumsdiskussion, die nach der Aufführung angesetzt worden war. Es wurde behauptet, das zentrale Thema sei gar nicht die Homosexualität, sondern die Abtreibung. Man könnte mir jetzt wie immer unterstellen, ich sei „frauenfeindlich“. Aber es fällt schon immer wieder auf, wie soziale Stress-Situationen beschrieben werden, wenn Frauen „beteiligt“ sind, oder wie deren Verantwortlichkeit „entschärft“ wird.

Der jüdische Autor beschreibt eine kulturell doppelt „gebundene“ Situation. Einerseits wird man nur jüdisch durch eine jüdische Mutter, andererseits zieht diese Kultur die Männer vor. Einerseits hat die „Mutter“ einen schwulen Bruder und andererseits soll sie einen „unfruchtbaren“ Sohn austragen. Sie steht also in einem familiären UND kulturellen Dilemma! Soll die jüdische Mutter ihren Bruder für eine Abtreibung um Verzeihung bitten? Oder ihre Familie für einen schwulen Sohn?

„Die Eltern und Rob drängen Suzanne zur Abtreibung. Suzannes schwuler Bruder David kann es nicht fassen, dass seine bis dahin so liberalen Ver-wandten so denken. Er kämpft um das Leben seines ungeborenen Neffen. Schließlich überzeugt er Suzanne, das Kind auszutragen. Aber unter dem Druck ihres Mannes und ihrer Eltern entschließt sie sich doch zur Abtreibung – viel zu spät: Sie wird nie wieder ein Kind bekommen können. „ (aus dem Inhalt)

Und einmal mehr geht es „heterofriendly“ ab: „Entscheidend ist dabei nicht immer die Homosexualität an sich, sondern die Bedeutung, welche die einzelne Mutter der gesellschaftlichen Meinung und Erwartung beimisst.“ (Claudia Mül-ler: Mein Sohn liebt Männer, 2008, S. 98)

Peter Thommen_63, Buchhändler, Schwulenaktivist, Basel

Gästebuch

 

* er hätte geschmunzelt über diese Ostereier…

Junghomos leben in „Parallelwelten“!

Donnerstag, März 14th, 2013

Viele Hetero- und Homosexuelle glauben, man könne „nur schnell ins Internet gehen“, um diese oder jene zu finden. Ausserdem bieten sich Menschen im Internet auch wie Waren an, was beim Kauf zu grossen Enttäuschungen und Missverständnissen führen kann.

Die meisten Hetero/as glauben auch, Homosexualität gehe nur „die paar Schwulen“ etwas an, obwohl ihre hetero Männer mehr Homosexualität praktizieren als alle Schwulen unter sich! Dieser Eindruck hat sich bei mir nach 10 Jahren verfestigt.

Und die meisten Schwulen nehmen nicht zu Kenntnis, dass der grösste Teil der Darsteller in den Gaypornos gar nicht schwul ist. So viele Gays sind dafür gar nicht zu bekommen. Und es macht den Darstellern offensichtlich Spass… (auch schon bevor es Viagra gab!)

Es gibt Junghomos, die andere als „alte Säcke“ bezeichnen und Angst haben. Wovor eigentlich? Vor deren Sexualleben? Dabei ist das Sexualleben der Alten das, was die Junghomos auch in ihrer Zukunft haben werden! Gut, es im Voraus zu wissen. Und jede Anmache kann man höflich oder doch bestimmt auch zurückweisen.

Menschen, die einem  „nicht passen“ werden im Internet einfach „blockiert“. Mit wem ein Junghomo nicht ficken kann/will, mit dem ist auch ein normales Gespräch nicht möglich. Aber zudringliche „alte Säcke“ habe ich in meiner Jugend auch real „überlebt“. (Und heute gibt es auch zudringliche „junge Säcke“ im Internet, die es auf Alte abgesehen haben. Dies sei auch erwähnt!)

Wenn ich vom „Internet“ schreibe hier, dann denke ich an Kontaktplattformen, Foren und Chats. An den „schwulen Markt“, wie viele meinen. Und an die gay Pornos kommt mann auch kostenlos… Ich will aber auch von der Realität im Milieu und im Leben schreiben, von der viele Junghomos einfach nicht Kenntnis nehmen wollen. Dabei gefährden sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Mitschwulen und dazu noch die „Boyschwulen“ in der Zukunft… Doch eines nach dem andern.

Die Devise scheint zu sein: Wo keineR was sagt, wo nichts passiert, da ist ja auch keine Gefahr für die heimlich gelebte Homosexualität. Nach der Heterofamilien-Devise: Bei uns gibt es „sowas“ nicht – und wir wollens auch nicht wissen. Schon in der „normalen“ Gesellschaft gilt die bewusst gelebte Sexualität generell als „Anti-Kultur“ und wird ins „private“ Kämmerlein „zum spielen“ verwiesen. Das geht ja Niemanden etwas an. Ich kann dem leider nicht zustimmen, denn ich muss in allen Medien über das Sexleben sehr vieler Heteros – ungewollt lesen und hören – ausser vielleicht auf der Börsenseite nicht!

Schon die Geschichte der Verfolgung von Homosexualität zeigt, wie öffentlich das ist und wie sehr sich Heteros dafür interessieren! Und selbstverständlich interessieren wir Schwulen uns auch für die Heterosexualität (?), denn noch selten sagt ein Schwuler zu Heten: „Interessiert mich denn das?“ Umgekehrt dann schon eher!

Wir sind für die Gesellschaft nur interessant, wenn sie uns bestaunen, bestrafen oder uns diskriminieren kann. Ansonsten erwartet sie von uns eine „vorgelebte Asexualität“ – von Kindsbeinen an. Früher nannten besonnene Männer sowas „Homophilie“. Interessanter-weise geht es dem verwandten Wort „Pädophilie“ genau umgekehrt! Was als Begriff ohne Sexualität geschaffen wurde, wird gezielt „sexualisiert“ und als Bezeichnung für sexuelle Übergriffe missbraucht. Im Strafgesetz finden sich aber ganz andere Begriffe – die keineR verwenden will. „Pädophilie“ trifft gesellschaftspolitisch „besser“…

Nach gehäuften Morden an heimlichen Homosexuellen, die in den 60ern über Zeitungen an die Öffentlichkeit gelangten, kam in den 70er Jahren der Schritt von der „Homophilen-Organisation“ zur Homosexuellen Arbeitsgruppe. Denn wer die Chance der damaligen Sexualstrafrechtsreform nutzen wollte, musste hart arbeiten und lobbyieren – auch öffentlich! (Schutzalter hetero: 16, homo: 20, von 1942-1992)

Auf dem Plakat, welches „homophobe Gewalt“ thematisiert steht übrigens: „Was nicht gemeldet wird, ist nie geschehen. Und was nicht gemeldet wird, muss auch keineR zur Kenntnis nehmen. So einfach ist die Strategie des Heterrors.

Wenn ich darauf hinweise, dass Junghomos in Parallelwelten leben, dann meine ich auch, dass sie in einer Art „Anti-Realität“ leben. Alles „Schöne, Gute, Liebe, Ehrliche und Treue“ ist für sie reserviert und muss nur noch gefunden werden – im Internet. Der fiktiv Angebetete heisst „Mr.Right“. Dies hat eine religiöse Dimension – auch auf der „richtigen“ Seite der Gesellschaftspolitik: Gewalt, Diskriminierung, Mobbing. Da braucht es weder Koran- noch Bibelverse dazu. Aber meistens dienen sie zur Rechtfertigung…

Aber das passiert Junghomos nicht – wenn sie nur genug „hetero-like“ sind. Es heisst immer wieder auf Profilen: „Wer ficken will muss freundlich sein“. Ich sage aber, wer nicht mit Heteros „gesellschaftspolitisch ficken“ will, muss freundlich sein und die eigene Anpassung perfektionieren. Aber ich kenne leider keinen Fall, bei dem sich die hetero Gesellschaft nachträglich als „dankbar“ dafür erwiesen hätte…

Seltsamerweise erfahren wir aktuell nur übers Internet und schwule Medien über die Selbsttötungen schwuler Jugendlicher. Das passt nicht in die Vorstellungen von Heteros/as. Wie können Kinder schwul sein? Das können die noch gar nicht wissen, erhielt ich schon vor Jahren als Antwort auf dem Jugendamt, wo ich eine Studie über Jugendgewalt persönlich abgeholt hatte. Zurzeit ist das Thema in den USA aktuell. Nichts „wird besser“ – leider! Es nützt nichts, wenn „die Hoffnung zuletzt stirbt“ – trotz ihr aber schon Dutzende sterben mussten.

Statt uns über irgendeine allgemeine Gewalt in der Gesellschaft – oder gar die von Migranten zu verbreiten, sollten wir uns erst mal über die eigene Gewaltgefährdung im Klaren werden. Wir können eben nur in theoretischen Überlegungen auf die Hilfe von Mitbürgern zählen. Denn so schnell sie uns diskriminieren können, so schnell verlässt sie der Mut, den man auch „Courage“ nennt, einem Schwulen zu Hilfe zu eilen, weil jeder Hetero selber gefährdet ist, als Schwuchtel enttarnt zu werden. Ganz zu schweigen, dass Heteros auch in diesen falschen Verdacht kommen und quasi in ihrer eigenen Gewalt-Falle gefangen sind…

Dabei hat jede Art von Gewalt gegen Menschen etwas mit „Sexualität“ zu tun. Nicht unbedingt mit den Genitalien, aber zumindest hat jedes Opfer ein Geschlecht und wird deswegen, oder gar damit geschädigt. Es gibt nicht nur „sexuelle Gewalt“ (auch gegen Männer!), vielmehr gibt es auch „sexuell motivierte“ Gewalt – auch ohne Einbezug von Genitalien (Penis wie Vagina!). Und weil die Genitalien da meist nicht direkt eingesetzt werden, wird das auch nur selten erkannt und benannt. Zudem ist es für Heteros/as „normal“, wenn sich Männer oder Jungs prügeln – aber nicht, wenn sie sich wixen oder küssen!

Ich bin bei einem wichtigen Punkt angelangt, der den Schlüssel zu vielen Problemen von Junghomos und Klemmschwestern bietet. Jeder Heimlichtuer wird gestresst dafür, dass er sich dauernd anpassen darf. Aber jeder gefährdet da auch andere Schwule mit. Dadurch, dass sich die einseitige öffentliche Wahrnehmung nur von Tunten und Schwuchteln für viele verstärkt – selbst auch für Homosexuelle. Daraus folgt die Homophobie, von vielen Schwulen sogar selber „verinnerlicht“. Die Gesellschaft kann durch angepasste Klemmschwestern niemals erfahren, wie viele Männer anderen Männern für Sex nachrennen und dass das alles mit Weiblichkeit sehr wenig zu tun hat.

Zudem fehlt damit den Junghomos auch ein „normales“ Homo-Bild, mit dem sie sich, wie die Heteros, auch identifizieren könnten. Schwulsein bedeutet nicht, „so werden zu müssen“ wie die, „die man eh schon sieht“. Schwulsein bietet auch eigene Entwürfe, auch ohne „hetero-like“-ness! Die ganze Vielfalt an schwulen Männern muss öffentlich sichtbar werden. Dann lernen vielleicht auch die Klemmschwestern, diese Vielfalt selbst zu akzeptieren. Denn nur derjenige, der weiss wer er selber ist, muss keine Angst haben, „so wie jener“ zu werden. (P. Thommen)

Die Homosexuellen Arbeitsgruppen und die Schwulenbewegung insgesamt hat übrigens nicht nur gekämpft für die Homosexualität als Orientierung, sie hat auch gearbeitet dafür, dass alle Anderen auch mal schwul sein dürfen, oder auch nur Homosex praktizieren – ohne dafür bestraft zu werden. Die Dummis habens nur noch nicht gemerkt. Und wir Schwulen sind dann der Blitzableiter für ihre Gewissensbisse.

Und genau da drin sind auch Junghomos und Klemmschwestern verstrickt. Da ist auch der „heterosexuelle“ Damm aufgebaut, gegen „das Aussterben der Menschheit“ und gegen den „homosexuellen Missbrauch von Kindern“, wobei damit meistens Knaben gemeint sind, denn Mädchen und Frauen haben ja nix, womit sie einander oder die Männer missbrauchen könnten (?). (Drum blieben die homosexuellen Aktivitäten von Frauen weitgehend straffrei in vielen Kulturen.)

Und nach der heterosexuellen Logik sind „schwule“ Kinder eh von homosexuellen Männern missbraucht worden und werden dann wiederum zu Tätern an anderen Kindern. Aber bei dieser feministischen, männer-zentrierten Missbrauchsideologie vergessen alle, dass wenigstens bei den hetero Männern, vorher sehr viele Frauen am Werk gewesen sein müssten. (Über einige davon gibt es auch Literatur, die man aber suchen muss.)

Wenn ich aus heterosexueller Sicht davon ausgehe, dass Frauen den Knaben nur die „richtige Sexualität“ zeigen würden – und darauf lassen viele Leserbriefe auf entsprechende Meldungen in der Presse schliessen, warum fragt dann niemand, was Frauen den homosexuellen Knaben anzutun imstande sind? Der heterosexuelle Familienkomplex wird nie hinterfragt. So wie Mütter über die sexuelle Orientierung der meisten schwulen Söhne einfach hinwegsehen, in der Hoffnung, „das vergehe“ schon wieder.

Da wurde über Tiziano Ferros coming out berichtet. Die liebende Mutter wurde erwähnt, die „endlich froh“ gewesen wäre, „ihn nicht mehr leiden sehen zu müssen“. Bei sowas krieg ich die Wut in den Hals! Warum hat denn die „liebende Mutter“ nur zugesehen und ist nicht wie eine sprichwörtliche Wölfin mit ihrem Sohn den notwendigen Weg „hinaus“ gegangen? Ach, er hat halt für seine Mutter gelitten? Einen grösseren Schwachsinn kann ich mir gar nicht mehr vorstellen!

Ich habe nun versucht, die wichtigsten Zusammenhänge aufzuzeigen, die ich verantwortlich dafür mache, dass nachrückende Generationen von Schwulen – also die Junghomos – den öffentlichen Raum immer weniger selbstbewusst und solidarisch betreten und in ihm leben – als Schwule verschiedenster Ausprägung, ja auch als Tunten – oder von mir aus auch als „Queers“. Es ist üblich geworden, der Schwulendiskussion auszuweichen, indem das Wort Queer verwendet wird. oder Abkürzungs-Monster wie LGBT*Q… Das ist cooler. Aber wem nützt das?

Den fast ausschliesslich „sichtbaren“ Tunten nicht. Und auch den unsichtbaren Klemmschwestern nicht. Dieser öffentliche Raum und die offenen/öffentlichen Diskussionen mit den Heteros müssen wieder erobert und belebt werden. Das geht über die nächsten Verwandten und Bekannten hinaus, die „eh schon tolerant“ sind. Denn sonst hinterlassen diese „stummen“ Räume Gewaltbetroffene oder sogar Tote! Jeder ist zuviel!

Der Überfall mit Baseballschlägern vom 5. Januar 2012 am Stachelrain/Solitude ist von der Polizei auch nicht als Gewalt gegen einen Schwulen kommuniziert worden, obwohl ihr bekannt sein muss, dass dort ein Schwulentreffpunkt ist. Hätte aber ein einzelner Jugendlicher da einen Schwulen zum wixen getroffen, wäre das Urteil sehr leicht gefallen…

Wir sollten auch zur Kenntnis nehmen, dass in allen „Räumen“ – und besonders in „immer mehr Frauenräumen“, wie das am Frauentag 2013 verlangt worden ist, kein Platz für Homosexualität – schon gar nicht von heterosexuellen Männern ist! (Man lese das bitte zweimal laut!)

Es gibt nachgerade EINE öffentliche Schwulenbar in Basel – und erst noch in einem hetero Puff. Die Parties finden in hetero Locations statt und diese Stadt hat schon sehr lange keine Schwulendemo mehr gesehen. Ganz zu schweigen von Schwulen, die an öffentlichen Diskussionen teilnehmen würden. Gut. Die öffentlichen Sex-Diskussionen drehen sich auch meist um den „Missbrauch“ von Kindern. Und da fühlen sich – trotz den erwähnten Selbsttötungen – natürlich Junghomos und Klemmschwestern nicht davon betroffen.

Ich fürchte darum, dass irgendwann irgendwelche Klemm-Heteros vor dem L39 auftauchen werden – trotz dem Bordell im übrigen Haus. Dass sie vor den Clubs auf schwule Partygäste warten werden…

1985 fand ich in einer italienischen Modezeitschrift diese beiden…

Dies alles, weil Schwule immer mehr abtauchen und aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden – oder nur noch als“herzige Pärchen“ in einträchtiger, äh eingetragener Partnerschaft, in Erinnerung bleiben. Wollen wir das?

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel  (thommen(at)arcados.com)

Kommentare sind willkommen und werden auch anonym publiziert!

Thommen: Der ewige Abgesang auf die Szene, (dazu siehe auch Henschel, über Veränderungen in der Szene)

Thommen, schwules Leben in der  Stadt, 1977-97

Rückblick auf die Szenen-Entwicklungen des letzten Jahrhunderts: Verpass keine Party!

Gästebuch Th’Senf

Öffentliche Heucheleien über Sex zwi- schen Männern!

Samstag, Januar 26th, 2013

Den Schwulen entgleitet die öffentliche Selbstdarstellung und Diskussion immer mehr! Und die homo- und heterosexuellen Männer sind nur daran interessiert, ihre Bedürfnisse ungestört – wenn auch heimlich leben zu können.

Dass aber immer mehr Frauen den öffentlichen Diskurs über die Sexualität zwischen Männern befrauschen ist für mich als Schwulen unakzeptabel! Ich würde mir nicht anmassen, über die Sexualität von Frauen, oder zwischen Frauen öffentlich zu mutmassen, oder diese gar öffentlich zu definieren.

Nichtsdestotrotz verfügen Frauen nicht nur über die Sexualität und Orientierung ihrer Söhne, indem sie wegschauen und ignorieren, wenn diese sich nicht an Frauen ausrichtet, sie befrauschen auch ihre Ehemänner und die Schwulen mit ihrer Moral. Die öffentliche Moral ist tendenziell eine weibliche und das Patriarchat steht letztlich auf dem Matriarchat. Das ist aus diversen kulturhistorischen Berichten erkennbar. Aber auch in den Jugendbüchern von AutorINNEN für homosexuelle Knaben und junge Männer. Der Penis fehlt auffällig in den erwähnten Texten! Frauen stellen sich schwule Kinder und Jugendliche sowohl ohne Penis, als auch ohne sexuelle Betätigung damit vor! Oder haben eben gerade überhaupt keine Vorstellung davon!

Dazu passt die Ignoranz in den öffentlichen Medien über die gehäuften Selbstmorde und Mobbingerlebnisse von schwulen Kindern und Jugendlichen in den USA. Denn das passt nicht in den „pädophilen“, hetera-politisch-korrekten Blick. (Sophinette Becker über Pädophilie)

Frau kann sich nicht vorstellen, was sie damit bei schwulen Kindern und Jugendlichen mit feministisch-politischer Korrektheit anrichtet. Männer sind potenzielle Missbraucher und Vergewaltiger und des Knaben Lustobjekt ist ein verdammenswertes Glied! Und mit sowas sollen sich die jungen Schwulen identifizieren? Und wir sollen glauben, dass Mütter es „doch immer nur gut mit uns meinen“!?

Viele Frauen und Lesben ignorieren vorwiegend die historisch unterschiedliche Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Sie sehen Knaben als gefährdete „Mädchen“ und glauben, diese ebenso vor Penissen und Männern „schützen“ zu müssen. Keine der Anklägerinnen von sexuellem Missbrauch hat sich bis heute für eine wirksame Prävention eingesetzt. Weder bei Mädchen, noch bei Knaben! Denn dann müssten sie sich mit deren Sexualität auseinandersetzen, wie das schon Sigmund Freud versucht hatte. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese Politik dazu dient, die Machtverhältnisse zu ändern, aber nicht auf Gleichwertigkeit, sondern auf Umkehr derselben hin.

Ich muss feststellen, dass 20 Jahre verplempert wurden, um Jugendlichen keine Selbstbestimmung und Verhandlungsfähigkeit in der Sexualität beizubringen. Das wollte wohl auch keineR!

Das zeigt sich schon daran, dass nicht mehr der Nachweis einer Handlung oder Tat wichtig ist, sondern allein schon der Verdacht auf sexuellen Missbrauch genügt, um sogenannte „Täter für immer wegzusperren“ Dass dabei „irrtümlich“ auch einige Existenzen zu Grunde gehen, wird als „Kollateralschaden“ achselzuckend hingenommen. Was Männer mit Waffen anrichten, richten Frauen also mit der Sexualität an…

Was an heterosexuellem Missbrauch an Schwulen und den homosexuellen Bedürfnissen von Männern, von Kindheit bis in die Ehen angerichtet wird, ist kein Thema. Dass es „pädophile“ Frauen und Täterinnen gibt, ist politisch-feministisch inkorrekt und wird tabuisiert. Dabei wird verhindert, dass das heterosexuelle System angegriffen wird, das sowohl Frauen als auch Männern die „TäterInnen“-Schaft und die Opfer-Innen-Schaft ermöglicht. Und damit eine Politik der gegenseitigen Destruktion und des heterosexuellen Spiels/Krieges um Macht und Einfluss in Familie und Gesellschaft.

Mein Zorn entzündet sich an der Interpretation der männlichen Prostitution durch Frauen und zum anderen an der Interpretation von HomoSEXualität durch bisexuelle und hetera Frauen.

Als Schwuler kann ich nur staunend zuschauen, wie arme junge und heterosexuelle Männer aus Osteuropa mittels Homosexualität Geld bei heterosexuell lebenden Männern verdienen, die Freundinnen, Ehefrau und Familie haben. Politisch korrekt: Diese (schwulen, hetero lebenden) Männer beuten, diese (hetero) Jungen aus. KeineR fragt sich, was da unmittelbar mit der Homosexualität als solches geschieht. Die Homosexualität wird von heterosexuellen Männern ökonomisch ausgebeutet. Aber hinter diesen Männern stehen einerseits auch junge Frauen, die vom Einkommen der Callboys profitieren und andererseits die Ehefrauen, die davon überzeugt sind, dass Männer ihre sexuellen Bedürfnisse grundsätzlich nur auf Frauen richten können – oder auf andere Fachfrauen des Rotlichtgewerbes. Dass die Callboys (aktiv und passiv) wohl einen anderen Service anbieten, den Frauen nicht liefern können, fragt sich keineR! Auch nicht woher es kommt, dass verheiratete und hetero lebende Männer ihre natürlichen homosexuellen Bedürfnisse in Ghettos entsorgen müssen – nur nicht daheim in der Familie!

Die ganzheitlichere Sexualität dieser Männer ist eine Gefahr für die Frauen und ihre Kinder, Jugendlichen und Freunde und Ehemänner. (Das Vorurteil in der Schlagzeile: „schwule Prostitution“) Für viele Frauen ist klar, dass Männer weibliche Bedürfnisse „niemals völlig“ befriedigen können. Aber dass Frauen ebenfalls die Lust der Männer niemals völlig befriedigen können, steht ausserhalb von allem für sie Denkbaren.

Auch in der Schwulenpolitik ist eine zunehmend schärfer werdende Heuchelei feststellbar. Einerseits geht es darum, gegenüber Heterosexuellen, Frauen und Männern zu beteuern: „Es geht um Liebe“ bei der Homosexualität. Davon zeugt auch, dass im Text des Gesetzes über die Eingetragene Partnerschaft das Wort Sex völlig fehlt! Wie der Penis im Kinder- und Jugendbuch.

Andererseits wird in der Prävention nur die Praktik der analen Penetration thematisiert, als wenn Männer und Schwule so blöd wären, immer nur zu ficken. Männer müssen weder ficken noch gefickt werden, sie dürfen. Das ist mit Frauen ganz anders…

Einerseits finden wir im Kinder- und Jugendbuchbereich vor allem Liebe, Schmusen, knuddeln und umarmen vor. Andererseits wird Jungs klar gemacht, dass Masturbation kein richtiger Sex ist und dass sie sich beim Fickenlassen gefährden, missbraucht zu werden – wie die Mädchen, die sie ja selber auch missbrauchen könnten. Von Eigenkompetenz, oder gar eigenen Wünschen kann keine Rede sein…

(1)

So wie das homosexuelle Begehren existiert, existiert neben der Pädophilie auch die Gerontophilie. Aber die „gibt es politisch-korrekt nicht“. Mir fehlen da gewisse Begriffe, für eine angebliche Ausgewogenheit, die ich nicht erkennen kann. Es gibt nicht nur Männer, die herrschen, sondern auch Frauen, die frauschen.

Und es gibt neben der Penetranz auch die Vaginanz. Und tragischerweise sind Frauen nicht am Penis, sondern am Phallos interessiert. Aber Männer zwar an der Vagina, aber nicht an der Venus! So verstehe ich Ganzheitlichkeit. Nicht nur einen fragmentierenden Heterror, der sich auch im Feminismus wiederfindet!  Napoléons Strafgesetz hiess: „Code Pénal“ – einen Code Vaginal gibt es nicht.  Aber immerhin hat er die männliche Homosexualität in seinem europäischen Regierungsbereich entkriminalisiert.

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

 

Zu Emckes Buch ein ausführlicherer Text auf arcados.ch

(1)  Ich finde es tragisch, dass Carolin Emcke (in ihrem Buch „Wie wir begehren“, S.Fischer 2012) zwar formuliert, dass lesbisches Begehren NICHT kein Begehren sei, sondern – neben der vaginalen Bereitschaft gegenüber dem Mann – überhaupt ein weibliches Begehren, das nicht sichtbar (gemacht) wird, aber dass sie das homosexuelle Begehren bei Männern nicht auch entsprechend einordnen kann. In ihren Auslassungen über männliche Homosexualität ist weder von Analverkehr, noch von der Prostata die Rede. Besonders wichtig, wenn sie über Diskriminierung bei Arabern im Gazastreifen schreibt. * Doch beides gehört nun mal zum medizinischen Verständnis und zur kulturellen Einordnung! Tabuisieren und totschweigen ist Heuchelei!

Es gibt Knaben, die haben NICHT kein Begehren, sondern eben ein Begehren nach Männern, auch neben der Bereitschaft für Frauen! Aber das ist für Frau Emcke wiederum so unwichtig, wie ihr lesbisches Begehren es für die Heterosexualität ist. Und es gibt nicht nur Männer, die Knaben missbrauchen, sondern auch Knaben, die Männer ficken wollen! Doch das trauen sich viele Schwule nicht öffentlich auszusprechen! Damit nimmt man/Frau uns aber einfach einen Teil unserer sexuellen Biografie weg! Entsorgt in der Schublade „Missbrauch“!

*) Interessanterweise finde ich auf der hp von Emcke dann ein Video mit Diskussionsfetzen über Analverkehr. Und der jüdische Glaubensvertreter erzählt sinnigerweise, dass Mann und Frau im Bett zu Dritt – nämlich mit Gott seien… (> Streitraum: Religion und Sexualität)   Dass da der Schwule (schwule Sex) in die Quere kommt, lässt sich zwingend daraus folgern!

Carolin Emcke: Wie wir begehren, S.Fischer 2012

Interview mit Emcke in SRF, Reflexe 3.4.12 30′

Wer sich darüber aufregt, dass Jungs gerne mit Männern ficken würden, der/die sollte sich mal fragen, wozu denn Jungs und Mädchen im Teeniealter schon miteinander die Fortpflanzung üben sollen, denn sie machen ja auch „erwachsene“ Sexualität, die „ihnen nicht entspricht“. Kinder waren nie dazu da, Kinder zu machen! Es ist egal ob Kinder miteinander ficken. Oder Erwachsene. Es sollte möglichst politisch korrekt sein. Aber das Machtgefälle lässt sich eben nur innerhalb des eigenen Geschlechtes relativieren oder umkehren und ausserhalb heterosexueller Normen! Das versucht auch Emcke zu schreiben, aber sie benennt es nicht!  😉

Zum Thema Mütter:

Mütter und Homosexualität, eine lustige Kolumne

Über eine „feministisch korrigierte“ Studie in Südafrika, betreffend sexuell motivierte Gewalt

Braun:  Ein aufschlussreiches Interview mit einer Mutter (PDF)

Alexander Markus Homes: Von der Mutter missbraucht. Frauen und die sexuelle Lust am Kind, 2005, 458 S. (nicht zu verwechseln mit der US-Schriftstellerin A.M. Homes!)

– Prügel vom lieben Gott. Eine Heimbiografie, 141 S. NA 2012,  ISBN 978-3-86569-023-4

NDR: Von der Mutter missbraucht, Beitrag 45 min.

Louis Schützenhöfer: In aller Liebe. Wie Mütter ihre Kinder unglücklich machen, Ueberreuter 2004, 176 S.

Christiane Olivier: Jokastes Kinder. Die Psyche der Frau im Schatten der Mutter, Claassen 1987, Paris 1980 (später TB bei dtv, sh. PDF Inhaltsverzeichnis)

Renate Juras: 41 und 14, edition a, 2011

„schwule Prostitution“ ?

Dienstag, November 20th, 2012

Das Buch „Männer kaufen“ von Oliver Demont zieht durch die bürgerliche Presse, die sich genüsslich oder moralisierend daran delektiert. Wobei tunlichst verschwiegen wird, was die Prostitution unter Männern – die mit „homosexuell“ bezeichnet werden muss – in der Gesellschaft des Heterrors für eine Funktion hat. Mit der Bezeichnung „schwule Prostitution“ wird nämlich so vieles ausgeklammert, was diese Form der Prostitution aber beinhaltet.

Susann Sitzler, die sich schon mit dem Buch „Motherfucker“, von Dawson befasst hat, versuchte, sich auch diesem Thema anzunähern (Basler Zeitung vom 18. November 2012). Ich wundere mich immer wieder, wie wagemutig Frauen sich mit der männlichen Homosexualität befassen – das gilt vor allem für Vorträge und „Selbstvertiefungs-Arbeiten“ an Schulen.

Es frauscht das Vorurteil, dass Frauen Homosexuellen gegenüber „toleranter“ seien, als die Männer. Wenn ich aber bedenke, dass viel mehr Homosexualität unter Männern praktiziert wird als unter Schwulen überhaupt, dann wundert mich das nicht mehr – mit den Männern. Mich wundert auch nicht, dass die Toleranz der Frauen da plötzlich aufhört, wo es um ihre Ehemänner oder Söhne geht…

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass bürgerliche Männer gerne totschweigen, was sie hintenherum so treiben und dass bürgerliche Frauen auch gerne totschweigen, wenn sie Männer heiraten, die homosexuelle Bedürfnisse haben – verharmlosend als „Neigungen“ apostrophiert, oder Söhne besitzen (!) die den Männern nachschauen, egal ob Kind oder Jugendlicher.

Während in der Heterosexualität die Täter-Opferinnen-Symmetrie schnell klar „auszumachen“ ist, wird das „unter Tätern allein“ schon etwas schwieriger. Die schweizer Justiz hat das Problem 1942 „elegant zu lösen versucht“: Mit einem höheren Schutzalter bei der Homosexualität der Männer (bis 20 statt nur bis 16 wie bei den Heteros/as). Von Frauen als Täterinnen unter Frauen war keine Rede. Das war unvorstellbar. Die gleiche Lösung liegt auch jetzt wieder Frau Sommaruga vor: Für Prostitution soll das „Schutzalter“ generell wieder bis 18 Jahre gelten – und bestraft werden sollen nur Männer…  (Was damals wie heute gegen die Verfassung verstösst/verstossen würde!)

Ich erinnere mich gerade an Henriette Kuhrts Interview mit Roy F. Baumeister (Zitat): „Männer gehen mehr Risiken ein als Frauen“ (NZZaS, 18. November 2012, S. 77) und über das Weinen: „Tränen sind in einer engen Beziehung sehr hilfreich, aber in der Öffentlichkeit sind sie ein Problem. Politiker, die öffentlich weinen, beschädigen ihre Karriere.“

Kuhrt verschweigt aber geflissentlich, dass es viele Frauen gibt, die sich keine solchen Tränen-Männer wünschen! Erstens sind die Tränen für die Mutter vorbehalten und nicht auch gegenüber den Vätern erwünscht. Und zweitens muss es für die intime Beziehung mindestens eine andere Technik der Macht und Beeinflussung geben, als für die öffentliche Politik. Ob Frauen öffentlich auch weinen würden, stelle ich mal dahin. Jedenfalls wäre die Wirkung eine völlig andere als bei Männern…

Zu meiner Verärgerung besteht heute eine Tendenz, „politisch korrekt“ antibürgerliche und subversive Verhaltensweisen, oder sogar Sexualbedürfnisse „zurechtzurücken“ bis sie „passen“ – nach dem Motto: Wir sind doch alle nur Menschen – statt ehrlich bemüht Widersprüche offenzulegen wie das die Schwulenbewegung vor 40 Jahren noch überzeugend getan hat.

Leider dürfen wir weder von Henriette Kuhrt, noch von Susann Sitzler erwarten, dass sie einen Blick durch die rosa Brille werfen. Eher sind wir Männer angehalten, auch mal den Standpunkt der Frauen einzunehmen, egal ob wir schwul oder hetero, oder beides zusammen sind. Aber ich schwöre, es gibt eher eine „eheliche Prostitution“ als eine „schwule“…

Peter Thommen_62, Schwulenaktivist, Basel

P.S. siehe auch Claudius Babst: Sexualität im Leben… (in Medien), NZ 1983 – als Anregung zum Thema!

P.S. vom 26.11.2012: Der Passus über die 2. Runde Regierungsratswahlen in Basel wurde entfernt.

P.S. Zum Buch von Demont:  Ich habe heute darin gelesen, aber nichts neues erfahren, was nicht schon in vergangenen Jahren und auch aus anderen Teilen der Welt geschildert wurde. Neu sind die einfachere Reisemöglichkeit in andere Länder und die zentralen Kommunikations-möglichkeiten der neuen Elektronik.

Man kann das Buch kaufen wegen der Fotos von Walter Pfeiffer. Man kann das Buch kaufen wegen der grafischen Gestaltung. Wegen des textlichen Inhalts muss keineR dieses Buch kaufen…

Ich bin immer wieder beeindruckt, wie selbstverständlich die darin geschilderten Verhältnisse der jungen Männer akzeptiert werden, wenn es nicht um Sex als Erwerb geht. Sei es in einer Lehre, auf wechselnden Jobs, oder in wechselnden Familien- oder Beziehungsverhältnissen. Da schreit kein Huhn und kein Hahn! Erinnern möchte ich nur an die sogenannten „Verdingkinder“, für die man/frau sich aus heutiger Distanz ja problemlos entschuldigen kann. Andere mögen in Büchern von Jeremias Gotthelf weiterlesen…

Aber weibliche und männliche Medienleute, PolitikerInnen und GesetzeshüterInnen sind ausgezeichnet im Ausblenden der realen gesellschaftlichen Verhältnisse. Der Heterror diskriminiert die Homosexualität, produziert  „TäterInnen“ und „OpferInnen“, die je nach Ansicht oder Regie ihre Rollen wechseln können. Der gleiche Heterror beutet dazu noch Freier und Escorts/Stricher gemeinsam aus – also beide, wiederum in wechselnden Rollen. Mit Vorschriften und Kontrollen und Mitleid mal mit den Einen oder den Anderen…

Nur über die wirtschaftlichen Verhältnisse wird einfach geschwiegen. Da muss dann das Sexualstrafrecht herhalten und sich von der Politik ficken lassen. Was das Strafrecht wiederum unbenommen an die Betroffenen weitergibt. Wie es sich im hierarchischen und monetär bestimmenden Markt so richtig gehört. Der mediale Aufschrei macht betroffen, doch ausser Gesetzen ändert sich nie irgendetwas. Auch nicht die zunehmende fehlende Selbstbestimmung der Beteiligten.

Ich betrachte es als ein Menschenrecht, seinen Körper zu verkaufen, ob Kopf, Hände oder Schwanz. Auch ein „Schutzalter“ von 30 Jahren ändert nichts an den ökonomischen Gründen. Aber nur moralischer Schutz ist politisch durchsetzbar. Die ökonomischen Verhältnisse sind nicht zu ändern! So stiehlt sich bürgerlich/feministische Politik aus der politischen Verantwortung! (Zusatz 10.1.13)

Es gibt persische und türkische Sprichwörter, die besagen, wie vorteilhaft es ist, der Geliebte eines grossen Herrn zu sein. Eins, das in freier Übersetzung lautet:

„Es gibt persische und türkische Sprichwörter, die besagen, wie vorteilhaft es ist, der Geliebte
eines Grossen zu sein, eins, das in freier Übersetzung lautet: „Das meiste erreicht ein Mann mit seinem Gesäss, entweder indem er sich darauf setzt und arbeitet, oder indem er es einem grossen Herrn zur Verfügung stellt.“ (Hirschfeld, 1914)

Peter Thommen_62, und alt geworden ohne Stricher  5.12.2012

P.S. in eigener Sache: Seit längerer Zeit mache ich den Arbeits-Strich vor der Rente, wie so viele Andere auch. Also neben dem Laden eine „unselbständige Erwerbstätigkeit“ mit Billiglohn…

Verbot der „Kinderprostitution“ bis 18!

LanzParl13

der ewige abgesang auf „die szene“

Montag, Oktober 22nd, 2012

Er erinnert mich an einen Kommentar in einer der alten deutschen „Zeitschriften für Freunde“ (Der Weg, Die Freunde), in welchem diese gedruckten Blätter sich darüber beklagen, dass der rege Austausch übers Gedruckte und die zahlreichen Leserbriefe sich in den 60er Jahren reduzierte, weil durch die teilweise Entschärfung des § 175 (BRD) sich jetzt Clubs und Lokale bildeten, worin homosexuell „Veranlagte“ sich real treffen und Bekanntschaft machen konnten. Der Abgesang also der „gedruckten Szene“. Noch lange Jahre war es in Deutschland üblich, „Szenelokale“ nur auf Empfehlung, oder mittels Prüfung durch das heute verschwundene Guckloch, betreten zu können.

Als ich 1970 die Basler Szene kennenlernte, war der Eintritt in den Homo-Club Isola im Gerbergässlein nur auf Empfehlung eines Mitglieds möglich. Glücklicherweise war ich da schon im Februar 20 Jahre alt geworden und hatte also das offizielle schweizer Schutzalter verlassen. Doch was bot sich mir sonst in Basel? Es gab diverse Klappen, Parks und das St. Margrethen-Luft-und-Sonnenbad mit der Abteilung nur für Männer… Die internationale Zeitschrift „Der Kreis“ aus Zürich – wichtiges Bindeglied in Kriegszeiten – hatte sein Erscheinen eingestellt. Geblieben waren die von ihm geförderten und empfohlenen „privaten Clubs“ in den Städten der Deutschschweiz. Darin fanden „bombige“ Feste statt, wie Frühlingsball und Herbstball, sowie besinnliche Weihnachtsfeiern für „Einsame“… Der Kreis war nie öffentlich verkauft worden, wegen des Vorwurfs der „homosexuellen Propaganda“ – und vor allem wegen des Jugendschutzes!

Aus den verbliebenen ehemaligen Kreis-Mitstreitern und jüngerem Nachwuchs entstand ein neues Blatt und später der Club „Hey“ in Zürich. Der ursprüngliche nichtöffentliche „Conti-Club“ war in der Presse aufgeflogen, weil sich – nach etlichen Verbrechen an Schwulen und Verstösse von Homosexuellen gegen das höhere Schutzalter (16-20) die Aufmerksamkeit der Medien darauf richtete. In der Schweiz war es der § 194, der uns rechtlich bis 1992 diskriminierte – mit aktiver Unterstützung bis zum Bundesgericht. 1974 hatte die Schweiz die Europäische Menschenrechtskonvention unterzeichnet, aber nicht das 12. Protokoll gegen Diskriminierungen. (Damals standen das Jesuitenverbot und das Schächtverbot noch in der Verfassung, aber auch Strafprozessordnungen von Kantonen waren nicht EMR-konform) Ein unterschiedliches „Schutzalter“ für Homosexuelle hätte dieses Protokoll nicht mehr zugelassen.

Ähnlich wie heute in verschiedenen Oststaaten, wehrten sich unsere Vorkämpfer gegen Vorwürfe wie „Jugendverführung, Propaganda für Homosexualität, homosexuelle Prostitution“ (Totalverbot!) und sexuelle Darstellungen waren höchstens privat und in künstlerisch anerkannter Darstellung möglich.

Diese Szene änderte sich, als in der Nachfolge von Stonewall 1969 auch in Zürich Homosexuelle auf die Strasse gingen und sich selber sichtbar machten. Mit der Organisierung von Vorträgen und der Suche nach, nicht kommerziell ausgerichteten, Treff- und Unterhaltungslokalen brachten sie die herkömmlichen „bürgerlichen“ Homosexuellen in Zugzwang.

In Basel suchten Schwule nach Alternativen zum Club und zur öffentlichen Cruising-Szene der Parks und Toiletten. Die Homosexuellen Arbeitsgruppen Basel stellten an die Stadt Forderungen nach einem Lokal. 1992 schliesslich wurde das „Schwulen- und Lesbenzentrum“ eröffnet. Mit Mitteln aus der legendären Ausstellung „Männergeschichten“ 1988 in der Kaserne und einem Zuschuss vom Staat.

Soweit ein rudimentärer Überblick über die frühe Entstehung und Entwicklung von homosexuellen Szenen im letzten Jahrhundert, der gewöhnlichen Schwulen Zugang bot. Daneben wuchsen und gedeihten auch private Zirkel und „schwule Seilschaften“ über die es weitestgehend keine Aufzeichnungen gibt. Höchstens noch erzählte Geschichten und Gerüchte.

Das wäre der Bereich und Bewegungsraum welchen sich ein heutiger Gay unter „Szene“ vorstellt. Das da wären, die Clubs, Bars, Saunen, Parties und die „schwulen Badestrände“ im Sommer, sowie die öffentlichen Toiletten als Spezialszene. Nicht zu vergessen die Ferienreisen und der Besuch anderer Städte…

Es ist normal, dass  durch die Veränderungen der Wirtschaft, der Einkommen, der Transportmittel und der politisch-juristischen Situation, sowie der Migration diese SzeneN sich dauernd ändern. Früher innerhalb von Jahrzehnten, heute innerhalb von Jahren! Ist es denn sinnvoll darauf immer „Abgesänge“ zu halten?

Vielleicht ist bei der Darstellung aufgefallen, dass privates Leben zu zweit nicht so im Vordergrund steht, obwohl die Sehnsucht nach einem Freund und der ewig währenden Liebe mit ihm früher noch stärker war als vielleicht heute. Begüterte Homosexuelle hatten immer viel mehr Möglichkeiten in Szenen zu gehen, oder sich „einen Freund zu halten“. Aber das ist mir heute nicht von Belang. Trotzdem wird der Abschied von der allgemein bekannten „Szene“ immer wie ein Verschwinden eines Paradieses zelebriert.

Jeder Fussballverein hat ein Stadion oder ein Vereinslokal, in welchem er sich darstellen kann und wo Heterosexuelle auch ihre PartnerInnen finden können. Jeder grössere Häuserblock enthält Kids, die sich in der Nachbarschaft, in einem Hauseingang treffen und mit verschiedenen Absichten und Interessen eine unbemerkte Szene bilden, von der keineR Notiz nimmt, solange sie nicht auffällt. Als die Italiener kamen um hier zu arbeiten, die Portugiesen und die Spanier, bildeten auch sie Szenen. Zum Zweck der Heimatverbundenheit und der Pflege von Gebräuchen. Sogar Vereine von Zuzügern aus anderen Kantonen waren bei der frühen innerschweizerischen Mobilität im letzten Jahrhundert entstanden. Letztlich hat auch jeder Kriminelle und jeder Gläubige irgendeine Szene, die er beeinflusst oder der er sich anschliesst. Nicht nur im Sport.

Letztlich, wer sich „der Szene“ verweigert, oder ihr fern bleibt, bildet einfach eine eigene Szene. Aber da er in seinem eigenen Heim oder Bekanntenkreis zuhause ist, empfindet er es nicht als solche. Vielen Homo-Ehen ist das auch nicht bewusst. Ein Teil macht Einladungen oder gibt Parties – auch Sextreffs zu Dritt oder Viert (swingen), oder geht auf gemeinsame Reisen. Ich meine jetzt nicht nur den Fickstrand auf Gran Canaria.

Wir selbst kommen aus unserer Familienszene, aus der wir uns notgedrungen loslösen mussten, weil da keine Aussichten auf Schwulitäten waren. Das ist auch gut so, weil sich in festgefahrenen Lebensgemeinschaften/Verwandt- schaften aufgrund der Nähe und Machtverhältnisse eben auch sexuelle „Übertretungen“ ergeben und Missverständnisse einschleichen können. (zB wenn es unter Brüdern abgeht.)

In dem Buch „Gemischte Gefühle“ der Autoren Braun/Martin (rowohlt 60853, 2000) wird genau beschrieben, dass es auch eine „Heteroszene“ gibt, mit ihren ebenfalls dunklen Flecken. Ich erinnere an die sexuellen Belästigungen zwischen Männern und Frauen (oder auch mal umgekehrt!) am Arbeitsplatz, in Vereinen, an Anlässen, in Verkehrsmitteln…

Da lob ich mir hingegen eine klar homoSEXuelle Szene, in der alle darin Wandelnden wissen sollten, was sie wollen und welche Möglichkeiten sich bieten. Zwar muss da auch für verschiedene Dienstleistungen bezahlt werden, wie Gastronomie, Gesundheit, körperliche Reinigung und Entspannung, Unterhaltung und Information. Aber – im Gegensatz zu heterosexuellen Szenen – für die persönliche sexuelle Begegnung noch nicht so konsequent! Und seien wir mal ehrlich und offen. So eine Beziehung, oder ein Freund kostet oft auch eine Stange Geld, die sich nicht jeder leisten kann! Auch wenn es die gross Liebe, oder die langjährige Beziehung sein sollte.

Schlussfolgerung: Wer sich irgendwelchen Szenen entzieht, oder ihnen entflieht, landet ganz normal in einer neuen! Und wenn es nur seine neue „schöne“ Wohnung ist! Und darin haben sich bereits Internetportale per Computer etabliert. Da ist es herzig, immer wieder zu lesen, der eine oder andere sei „kein Szenegänger“. 😉

Ich finde es wichtig, noch etwas anzufügen. Für viele, die in jungen Jahren die Szene genossen oder darin konsumiert haben, kommt einmal der Tag und das Alter, in welchem keiner mehr für sie schaut und ihnen dient. Dann wäre es an der Zeit, mit Anderen zusammen bedürfnis-angepasste Szenen zu schaffen, in denen sich auch Ältere Schwule noch wohlfühlen können. Seien sie Single oder befreundet, oder auch nach einem Verlust des Partners. Daher braucht es eine Infrastruktur, die sich nicht am Kommerz orientiert, sondern am Zusammen- sein. Doch schwierig wird es, wenn die Leute dann ihren Konsumismus und ihre hohen Erwartungen nicht mehr ablegen können. Und schwierig ist es, wenn keiner uns zeigt, dass Männer/Schwule auch bis ins Alter vergnügt und interessiert sein können, ohne verbandelt oder vermögend zu sein.

Ab 30 bist Du vielleicht raus aus der Jugendszene, aber ein schwules Leben kann mit 40 – etwas anders – durchaus weitergeführt, oder neu angefangen werden. Aber bitte nicht als ewige Wiederholung aus der Jugendzeit, sondern als Weiterentwicklung eines Lebens oder Zusammenlebens mit Anderen. Was übrigens auch bei den Heteros ein Problem ist, wenn sie mal eine Familie „gegründet“ haben. Nur wird nicht darüber geredet.

Peter Thommen_62, Schwulenaktivist, Basel

 

P.S. Der ganze Drogenkonsum von Männern jeglicher Orientierung wird seine „krankhaften“ Folgen haben, und die Szenen der barebacker und HIV-posiviten können wir auch nicht einfach der Medizin und den Heteros überlassen! Für Arbeit und Arbeitsgruppen – auch eine gemeinschaftliche Szene – wird es immer etwas zu tun geben. Statt gemeinsam einsamen, oder einsam gemein sein zu Anderen

Zu diesem Text ist eine ausführliche Reaktion eingetroffen, die ich Euch in sieben Seiten PDF anfügen möchte!

Thomas Henschel, „Szene-Updates“  (bitte die Autorenrechte auch auf diesem Blog beachten!)

Ein grosser Tag?

Donnerstag, September 20th, 2012

Eine Polemik aus den Erfahrungen der Vergangenheit in die Zukunft 

Anfangs dieser Woche hatte ein junger Mann sein „coming out“. Dabei erklärte er, dass er „es“ eigentlich schon seit seinem 16. Lebensjahr „gewusst“ habe.

Dass er für sein Identitätsbewusstsein noch einige Jahre zugewartet hat, während seine heterosexuellen Kollegen längst „erste Erfahrungen“ gesammelt haben, ist für unsere Gesellschaft „einfach nur normal“ halt. Schwule brauchen etwas länger?

Da hatte ich 1970 schon ungeheures Glück, weil das Schutzalter damals bei 20 Jahren war und es – wie bei gegenwärtig gültigem Gesetz von 1992 – keine Toleranzgrenze von drei Jahren um das Schutzalter 16 herum gab. Ich war gerade 20 geworden.

Doch während die heterosexuellen Jungs schon früher als mit 16 Jahren „herumprobieren“, gibt es seit einigen Jahren auch da strafrechtliche Eingriffe ins Sexualleben Jugendlicher. Hinterher wird das als „Missbrauch“ definiert und auch sanktioniert. Dabei spielt die Presse – vor allem vor irgendeiner Anklageerhebung – eine selbstbewusste vor-verurteilende „öffentlich-rechtliche“ Rolle!

Es wird wieder mehr Wert darauf gelegt, dass Jugendliche „warten“ sollten, statt ihre sexuelle Selbstverantwortung zu üben. Die einzige Politikerin seit Jahrzehnten, die nicht vom Schutzalter, sondern von der sexuellen Selbstbestimmung öffentlich (in einem Interview) sprach, war Frau Bundesrätin Elisabeth Kopp (FDP) gewesen! Das war Anfang der 80er Jahre.

Die „vorberatende Expertenkommission“ hatte damals 14 Jahre, und der Gesamtbundesrat in seiner Stellungnahme 15 Jahre vorgeschlagen. Die vielen Vernehmlassungsantworten, die in Bern bis 1983 eingegangen waren, sind übrigens in einer Bundesdrucksache* gesammelt worden: Die Antworten von Fachleuten, Juristen, Staatsanwaltschaften und Richtern liegen im Vergleich zur heutigen „politischen Korrektheit“ völlig daneben. Und doch waren alle diese Leute, inklusive Bundesrat nie irgendwie der „Pädophilie“ verdächtigt worden. Und es wäre Scheinheiligkeit im Quadrat, dies heute rückwirkend noch zu tun…

Doch in den letzten Jahren sind „Verjährungsfristen“ gedehnt, neue Straftatbestände im Bereich der Pornografie und der „sexuellen Handlungen mit Kindern“ („Wegschliessen für immer!“) und neue strafprozessuale Handlungen auch für Beteiligte unter 16 Jahren eingeführt worden. Dabei sollen alle immer mehr geschützt werden. Doch was hat das Gesetz zum Schutz der Frauen ihnen je wirklich gebracht? Meiner Kenntnis nach haben die Pille, die neuen Arbeitsmöglichkeiten, Weiterbildung und staatliche Unterstützungen, wie Alimentenbevorschussung, für Frauen mehr gebracht als alle gut meinenden Gesetze.

Kürzlich hat Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) neue Gesetzesänderungen angekündigt (Lanzarote-Konvention, ER), mit denen Jugendliche vor sexueller Ausbeutung durch Prostitution von 16-18 Jahren geschützt werden sollen. Während sexuelle Kontakte unter 16 Jahren allgemein bekannt strafbar sind, ergibt sich eine Re-Kriminalisierung mit hohem Erpressungspotenzial, wie das Schwule von 1942 bis Ende der 80er Jahre erlebt haben. So zweideutig wie Prostitution letztlich definiert werden kann, so zweideutig werden auch arbeitsrechtliche Vorschriften in Familienbetrieben mit Kindern und Jugendlichen interpretiert. Das gilt nicht nur für Bauernbetriebe, sondern auch für Franchising-Läden! Aber da gibt’s halt keinen Sex, nur Arbeit.

Der weitere Vorschlag von Simonetta Sommaruga betrifft die sexuellen Darstellungen. Sie sollen neu bis 18 Jahre als Kinderpornografie gelten. Zum Schutz vor Ausbeutung. Ganz ignoriert werden die Selbst-Darstellungen Jugendlicher mit Webcam und in Internetforen. In einer Zeit, in der fast jeder „Kack“ abgebildet und mitgeteilt werden muss, ist das eine sehr fundamentalistische Sicht der Dinge! Von Selbstbestimmung kann keine Rede sein. Wie weit die „Jugendliteratur“ und Tagebücher – für bis zu 18jährige – der Pornozensur zum Opfer fallen wird, bleibe dahingestellt Ganz zu schweigen von der Ausweitung der Zensur im Internet. Ich mag mich an ein Jugendbuch erinnern, woraus ich in meinem Abend-Blatt als Werbung zitiert hatte. Die Staatsanwaltschaft (in meiner damaligen Adressliste!) meldete sich telefonisch, woher ich den Text hätte. Aus einem regulären Taschenbuch. (Die Neuauflage erschien dann bei Gmünder…)

Kommen wir zurück auf den grossen Tag! Ich habe bereits geschildert, dass Jugendliche mit den homosexuellen Erfahrungen und Identitäten um Jahre verspätet daran sind. Was keineN kümmert. Und nun soll die Darstellung und Selbstdarstellung der lustvollen Sexualität von Jugendlichen von 16-18 Jahren so schlimm werden wie die Kinderpornografie. Das sind doch schöne Aussichten auf ein schwules Leben, wenn Sexualität – eingeschränkt durch das Prostitutionsverbot – zwar gelebt werden darf (wohl eher geduldet!), aber deren Abbildung schwer kriminalisiert wird. Wir sind bald wieder bei einem Strafrecht der katholischen Kirche, die „keinen Sex vor der Ehe“ propagiert. Die Homosexualität sitzt nun in der heterosexuellen Falle zum Schutz vor allem der Mädchen und wird „gleichbehandelt“. Das wollten wir doch – oder?

Aber da sitzt noch so ein Pferdefuss in der ganzen Vorlage. Getreu dem „Vorbild“ in Schweden, sollen zwar die Männer, die Prostituierte aufsuchen (also hier erstmal begrenzt auf Jugendliche von 16-18 Jahren) sich strafbar machen. Aber die Frauen, die – aus welchen Gründen auch immer – die Prostitution anbieten, sollen straflos bleiben. Dazu kann ich nur die Verfassung zitieren, die jeden Bürger/Bürgerin vor dem Gesetz gleich stellen soll!

Wer bei der homosexuellen Prostitution bestraft werden soll, wird natürlich nicht erwähnt. Das ist bei Frauen kein Thema. Auch nicht, wenn mal ab und an eine vornehme Dame, egal welchen Zivilstands, sich eine andere Dame gegen Bares gönnt! Und so was wird es ja wohl nicht geben…

Da ist es gerade praktisch, dass schwule Jungs erst mit 18 Jahren oder noch später ihr coming out haben. Da sparen sie sich viele Unannehmlichkeiten mit den Behörden, Gerichten und der Polizei! Und die Schwulenbewegung muss „umdenken“ und die ganzen safersex Kampagnen und Informationen neu ausrichten!?

Das wollten wir doch – oder?

Peter Thommen_62, Buchhändler, Sozialarbeiter, Schwulenaktivist

P.S. Siehe auch die Links hier im Blog unter „Jugendprostitution“!

Dazu passend ein Kurzfilm „The Closet“ – eine Kindheitserinnerung  (gefunden bei typisch-schwul.com)

* Ergebnisse des Vernehmlassungsverfahrens – Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben, gegen die Sittlichkeit und gegen die Familie, 1983, 752 S. A 20416 / A 20796

Die ganzen privaten Stellungnahmen ans BAJ, vom „Weissen Kreuz“ bis zu den Schwulenorganisationen liegen mir in meinem Archiv als Kopien aus dem Justizdepartement vor!

 

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Nachtrag/Leserreaktion: Es gilt ein erstes Missverständnis zu beheben, das in meiner Polemik aufscheinen kann: Natürlich kann ein Junge in jedem Alter sein coming out machen. Nur steht die Frage an, ob es – angesichts der vorgesehenen Kriminalisierung von Bildern und Texten, die Sex und Kontakte von 16-18 zur Darstellung bringen oder thematisieren, überhaupt dann noch Sinn macht, diese Altersgruppe zu informieren, oder ihr Literatur zur Verfügung zu halten! (Dazu muss man nicht Buchhändler sein!)

Anmerkungen

1. Ich erwähnte oben das Buch von Todd Brown. Das knallrosa Tagebuch, welches im „Sexverlag“ Gmünder neu aufgelegt wurde! (Ursprünglich bei DromerKnaur?)

2. Ich habe an anderem Ort das Buch von Will Davis: Meine Sicht der Dinge, besprochen. Dieses ist auf Deutsch nicht ohne Grund bei Gmünder erschienen. Die Englisch-Ausgabe erschien jedoch nicht in einem „Sexverlag“!

3. Ich erinnere an die Broschüre „selbstverständlich“ (Pink Cross, 2005), in welchem Szoltan eine Sexszene auf einem Bahnhofsklo beschreibt (S.15), deretwegen PolitikerInnen aufgeschreckt wurden! Wie ich mich erinnere, durfte sie nicht mehr an Schulen (PDF) aufgelegt werden! Allerdings erhielt sie dann vom Bundesrat ein OK. (Schulen sind aber Kantonssache!)

Bundesrat rehabilitiert Coming-out Broschüre (31.8.2005). Professionell gemacht, Inhalt und Aufmachung für die Zielgruppe geeignet. Dies ist die offizielle Beurteilung des Bundesrats zur Coming-out-Broschüre «selbstverständlich» für schwule junge Männer, die PINK CROSS in Zusammenarbeit mit der AHS herausgegeben hat.

«selbstverständlich», die Broschüre für junge schwule Männer vor- und während des Coming-outs, war im Frühling unter Beschuss geraten, weil vornehmlich evangelikale Politiker sie als pornographisches Machwerk zur Verführung Jugendlicher darstellten. In der bundesrätlichen Antwort auf zwei parlamentarische Anfragen erhalten die schweizerische Schwulenorganisation PINK CROSS und die Aids-Hilfe Schweiz nun die Bestätigung, dass die Broschüre zweckmässig ist und Homosexualität ausgewogen darstellt. 

Das Thema „Kinder- und Jugendliteratur für homosexuelle Jugendliche“ wird nächstens von mir in einem Essay aufgelegt werden. 

Christopher oder Christina?

Montag, Juli 2nd, 2012

Darüber stritten sich die Schwulen mit den Lesben vor einem Jahr in München. Der gutgemeinte Vorschlag, mal einen Christina-Street-Day zu feiern, prallte an zum Teil „wütenden“ Schwulen ab. Nun, es feiert ja auch keine einen „Nikolaus-Innen“-Tag am 6. Dezember… (Diese Debatte – „Wenn Schwule frauen hassen“ – ist zusammengefasst und nachzulesen bei Jürgen Voss)

Ich meine, dass die „Emanzipation“ der Lesben in der „Homosexuellen-Bewegung“  weder mit „Adam und Steve“, noch mit „Ada und Eve“ zu erreichen ist. Regelmässig kocht die Diskussion um die „männliche Bedeutung“ des Wortes „homosexuell“ hoch. Lesben „verschwinden“ meistens hinter diesem Wort und fühlen sich nicht „abgebildet“ darin.

Diese Diskussion zeugt von der Ignoranz unserer Geschichte und Vergangenheit: In den meisten Ländern sind homosexuelle Frauen nicht explizit (namentlich nicht erwähnt in Strafgesetzen) verfolgt worden – ganz einfach, weil sie nicht als „strafrechtlich ernst“ genug genommen worden sind! Frauen haben ganz allgemein erst seit ca. 100 Jahren eine eigenständige Sexualität zugestanden bekommen! Das sollte vor allem in den Diskussionen um historische Dokumente berücksichtigt werden. Wir tun meistens alles in einen Topf und sehen alles mit unseren heutigen Augen. Das ist unwissenschaftlich und ungerecht!

Auch die Lesben sollten berücksichtigen, dass die Opferperspektive eigentlich eine sexistische ist! Alles was einen Schwanz trägt und sich nicht penetrieren lässt (lassen darf!), ist Täter. Sogar Schwule machen da keine Ausnahme – auch wenn sie sich schon mal penetrieren lassen. (In den Strafgesetz-Texten sind Frauen mit „Täter“ immer nur theoretisch mitgemeint.) Die Nationalsozialisten mussten sich mit der „halbherzigen“ Bezeichnung  „Asoziale“  für Lesben behelfen…

Gerade kürzlich hatte ich eine Cousine im Gespräch, die – als Mutter von einem Sohn – auch als jetzt letztlich lesbisch lebende Frau diese hetera Sichtweise vertritt. Daher ist es recht schwierig, Frauen und Lesben als „Verbündete“ von homosexuellen Männern zu betrachten, die ihre Söhne ja vor uns schützen wollen. Doch wer schützt ihre Töchter vor den Frauen??

Ein weiteres Beispiel – aus Joachim Braun: schwul und dann? (Beratungs-Interview mit einer Mutter)

„Wie geht es Ihnen denn mit schwuler Sexualität?“ – (nachdenklich) „Ich weiss, es ist absurd, aber bei Heterosexuellen stört mich der Analverkehr nicht – bei Homosexuellen stösst er mich ab.“ 

„Warum“? – „Weil der passive Teil irgendwie degradiert wird; aber ein Mann, der sich degradieren lässt (zögert) … ist in meinen Augen unmännlich.“ (Querverlag 2006, S. 38-39)

Diese Mutter wird nicht die einzige sein, die diesen Sexismus einfach an ihre Söhne weitergibt, egal ob hetero oder homo.

Historisch-biblisch gesehen macht sich nicht nur der Penetrierer eines Mannes, sondern auch der penetrierte Mann selber eines „Verbrechens“ schuldig. Ähnlich wie das als Vorurteil gegenüber Frauen auch verwendet wird.  Aber es heisst nirgendwo, dass eine Frau nicht wie eine Frau bei einer Frau liegen darf…

Während also durch den Penetrierakt ein Mann seine Männlichkeit verlieren kann, gibt es juristisch und kulturhistorisch beim Sex zwischen Frauen keinen „Verlust“ zu beklagen. Eine Frau bleibt eine Frau – egal mit welchem Geschlecht sie Sex hat.

Wir müssen also aufpassen, dass wir uns nicht in unserem eigenen kulturellen Sexismus verfangen. Und nach der Feststellung der eigenen Sexualität von Frauen, konnten sie wohl trotzdem nicht als Täterinnen klassifiziert werden. Während das Schutzalter unter den Männern noch heute ein hochemotionales Thema ist, war davon zwischen Frauen niemals die Rede. Entweder „gab es das einfach nicht“, oder die sexuellen Übergriffe wurden nicht sicht- und definierbar. Aber logischerweise kann die Frau, mit fortschreitender Emanzipation, nicht weiterhin als Täterin einfach „übersehen“ werden. (Das gilt nicht nur für eine „Rote Armee Fraktion“!)

Ich habe schon in den 80er Jahren die gesamtschweizerische Statistik für die Bestrafung von „homosexuellen Übergriffen“ beobachtet. Dabei fallen die Frauen kaum auf. Mir war immer irgendwie unklar, wie die Lesben erst als erwachsene Frauen quasi vom Himmel fallen konnten und dann erst gesellschaftlich auftraten. Der ehemalige Art. 194 StGB CH galt von 1942-1992 für beide Geschlechter und schützte beide bis 20. Wichtig aber war nur der Schutz der Jungs!

Die Sexualität und das Sexualleben einer Frau werden bis heute anders beurteilt als bei den Männern! Einer leiblichen Mutter kann man heute nur schwer ihr Kind wegnehmen, was bei einem Vater durchaus leichter fällt. Ich will mich aber hier nicht dem Vorwurf aussetzen, Lesben würden nicht diskriminiert.

Aber WIE werden sie denn diskriminiert und worunter unterscheidet sich das von den Männern? Dieses Genderthema scheint keineN so richtig zu interessieren. Die Diskriminierung von Lesben wird „politisch korrekt“ öfter als „doppelt“ bezeichnet – einmal als Frau und zum zweiten als Lesbe. Nun, ich fühlte mich schon VOR meinem schwulen Bewusstsein als „anderer“ Mann diskriminiert – und dann letztlich auch als Schwuler. Eine doppelte Diskriminierung ist historisch korrekt nirgends auszumachen.

Jede Diskriminierung ist unannehmbar. Das hängt nicht davon ab, ob sie doppelt oder dreifach erfolgt. Wichtig ist die Tatsache, dass in der gesellschaftlichen Diskussion klar wird, worüber und wie im Detail sie erfolgt. Wenn heute schon vom „Schwulen-Dreieck“ (unter Verlust seiner vergangenen Bedeutung) gefaselt wird und davon, dass Basel „anstatt des CSD“ eine traditionelle Schiffsparty habe, dann werden damit historische Fakten ignoriert.

Ich begrüsse die „Schiffsparty“ als eine wichtige Veranstaltung, an der auch beide Geschlechter teilnehmen. So wie auch an der anderen wichtigen Veranstaltung, des „Tuntenballs“, an der auch beide Geschlechter und auch viele Hetero/as teilnehmen.

Aber weder die eine, noch die andere Veranstaltung kann einen CSD ersetzen. So wie auch der Tuntenball Weihnachten nicht ersetzen kann – höchstens die besonders homophobe Stimmung an Weihnachten in heterosexuellen Familien. Womit auch hiermit auf die historische Wurzel hingewiesen sei!

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass jüngere Schwulengenerationen sich das Wissen gar nicht mehr aneignen (können, wollen?), um die Hetero/as zu verstehen, die uns diskriminieren. Homosexualität sei für ihn „einfach interessant“, erklärte mir kürzlich ein Teenie, der noch in seinem Alter geschützt wird…

Es muss auch erwähnt werden, dass schwule und bisexuelle Männer sich für dieses Thema wenig interessieren. Auch von Seiten der Lesben ist das Interesse an Geschichte im Allgemeinen nicht besonders gross. Viele „spätere“ Lesben kommen aus heterosexuellen Beziehungen oder Ehen und haben damit ja bewiesen, dass sie „richtige Frauen“ sein können. Viele Lesben bestätigen dies mittels leiblichen Kindern – wenn auch als zwei Mütter! Sie geben also ein sehr „hetero-likes“ Bild in die Gesellschaft ab. Da bleiben die schwulen Väter und ihre heterosexuelle Vergangenheit sehr schnell ausser öffentlicher Wahrnehmung. Ja sie erweisen sich als „heterosexuelle Schlappschwänze“, die ihre Partnerinnen betrogen hätten…

Diese Andersheit ist es, die so schwer zu vermitteln ist: Einerseits zwischen den Geschlechtern der Homosexuellen und andererseits in die Gesellschaft hinaus.

Trotz allem haben die Frauen in den letzten Jahren immer mehr Plätze „zuvorderst“ belegt und beweisen, dass sie auch politisch und öffentlich aktiv sein können. Letztlich aber sollten wir uns bewusst bleiben, dass die Interessen zwischen Frauen und Männern, zwischen Schwulen und Lesben sich niemals vollständig decken können und werden.

Aber wer geht hin, um zu verstehen, „warum Schwule Frauen hassen“, wenn diese wiederum von hetero Männern für ihr „Frausein“ gehasst werden und heterosexuelle Mütter den Sexismus an ihre Söhne weitergeben ?

Und wer versteht letztlich, dass es Männer gibt, die einen voyeuristischen Blick auf „Lesben“ werfen und dabei nicht merken, dass sie da eigentlich gar nicht gefragt sein können!?  Mir sind keine Frauen bekannt, die beim Anblick zweier sich küssender Männer „heiss“ werden. Im Gegenteil! Wir stecken immer noch in der heterosexistischen Falle! Und mit drin sehr viele Lesben und Schwule.

Doch gibt es auch interessante Profile von hetero- oder bisexuellen Männern im Internet! Die einen suchen einen „hetero-liken“ Mann – und bitte nichts Tuntiges, Weibisches… Sie wollen diesen „richtigen“ Mann auch kennen- und sexen lernen. Dabei genügt ihnen das „Andere“ der Frauen vollauf, nämlich dann, wenn dieses „homo-like“ keinen Schwanz und dafür zwei Titten hat.

Die anderen suchen eine „Shemale“, ein „Schwanzmädchen“, eine Transe, eine DWT… ihnen sei gesagt, dass es gar keine Schwanzmädchen gibt, nur „Tittenbuben“. Aber diese Bezeichnung und die Attribute helfen ihnen, sozusagen den Graben des Sexismus zu überspringen – ohne sich einer Auseinandersetzung damit stellen zu müssen. Solange irgendwas von einer Frau dran ist, kann es einfach nicht schwul sein. Das muss genügen.

Für mich ist klar geworden, dass es als Mann eine Identität mit Müttern und Frauen nicht geben kann. Sie ist bei den anderen Männern zu holen. Und genau das verbietet die heterror Gesellschaft aufs schärfste und mit schärfsten Schutzaltern und der traditionellen Homophobie der Familie.

Andererseits sind die kompletten Bedürfnisse von Männern durch die Frauen niemals abzudecken, obwohl es noch immer öffentlich propagiert und individuell noch geglaubt wird!

Derweil erzählen uns doch „Emanzen“ schon seit Jahrzehnten das Gleiche über die Männer.

Aber was geht das nun die Hetero/a-Sexuellen an?

Ich glaube, dass die Gewalt gegen Schwule einen Teil der Gewalt gegen Frauen darstellt. Und sie entspringt der „falschen Identität“ von Jungs mit Müttern und Frauen, dieser letztlich gewalttätig abgewehrten „Teil-Identität“ mit Weiblichem bei Schwulen und der entsprechenden Homophobie der Väter gegenüber ihren Söhnen. Denn letztlich kann Weiblichkeit niemals voll akzeptiert werden, wenn sie von den Männern für sich selber abgelehnt werden muss!

Ich habe für mich dieses „heterosexuelle Spiel“ mit dem „Spass“ schon länger durchschaut und ich glaube viele Jungs und Männer merken das auch langsam, wenn sie sich das Problem auch noch nicht erklären können!

Peter Thommen_62, Buchhändler und Schwulenaktivist, Basel (Überarbeitete Fassung vom 11. Juli 2012)

Prof. Melanie C.  Steffens, (Jena) referiert eine Untersuchung über unbewusste Negativeinstellungen geg. Lesben und Schwulen (2006)

Lesben und Schwule alliierte Geschwister? Lambda Nachrichten 3’2012

Henn, Tino: Sind Lesben medial unterrepräsentiert? (2012)

Verhaltensregeln in der Schwulenkneipe (SüdtZ, 2005) für Männer und Frauen jeglicher Orientierung…

Was steht am Anfang eines aktuellen Buches über die Pubertät, das ich zufällig bestellt hatte?

„Für die Jungs, damit sie alles geben, und für die Mädels, damit sie ihren Spass dabei haben!“  (Jaromir Konecny: doktorspiele, cbt 2011)

Vielleicht musst Du diesen Satz mehrmals lesen, um den Zusammenhang mit meinem Text zu verstehen. Versuch es wenigstens!

P.S. Ein weiteres Jugendbuch titelt:  „Schlaue Mädchen – coole Jungs…“  (2011)