Posts Tagged ‘heterosexuell’

KeineR feiert die Geburt eines Schwulen

Sonntag, Januar 1st, 2017

Eine interessante Frage im Hinblick auf die Erwartungen der Leute. Wenn ein Kind geboren wurde, wird das gefeiert im Hinblick auf tausend Erwartungen der Angehörigen. Wenn ein Jahr „geboren“ wird, feiert unsere Kultur die erwartungsvolle Leere und nichts anderes. Aber es wird weitergehen wie im vorigen Jahr und die Vergangenheit holt uns immer wieder ein, weil wir nichts wissen oder wissen wollen von unseren Vorfahren.

Ich will nur kurz daran erinnern, dass bei Schwulen immer wieder schon die Geburt „verflucht“ worden ist und damit verdrängt wurde, dass die „Verflucher“ ja sich selbst denunzierten als „Verursacher“ eines Fluches…

Magnus Hirschfeld, der erste systematische Wissenschaftler über die Homosexualität des Mannes und des Weibes, ist am 14. Mai 1868 geboren worden und 1935 an seinem Geburtstag verstorben. Er hat darauf hingewiesen, dass der „Fluch über die Homosexualität des Mannes“ aus den monotheistischen Religionen heraus geboren worden ist. Er hatte sich über die „Verstaatlichung“ der Christen bei den Römern in der Politik etabliert.

In der ganzen aktuellen Diskussion um die „Homo-Ehe“ vermisse ich eine vorangehende Diskussion um die sexuelle Orientierung, oder die „sexuelle Beteiligung“ einer Vielzahl von Männern am Sex unter sich. Es gibt viele Zeiten und Kulturen, in denen eine „Orientierung“ für eine hetero Ehe unwichtig war und nur das Ziel und der Zweck der Sexualität interessierte. Der Akt war monoton, aber die Ziele und Zwecke, die damit verfolgt wurden, umso vielfältiger.

Warum ist Vielen die „Gutsprechung“ einer Beziehung so wichtig? Weil sich so viele Erwartungen darin finden, die meistens nie erfüllt werden. Und im verständlichen Streben Vieler, „so sein zu wollen, wie die Anderen“, fängt das schon mit öffentlichen Kniefällen vor „Geliebten“ an. Wobei natürlich die fiese Einstellung mitspielt, wenn „es“ in aller Öffentlichkeit getan wird, können die positiv erwarteten Folgen ja nicht mehr verhindert werden…

Hierin spiegelt sich „das öffentliche Bewusstsein“, in dem es sich gegen solche „Demonstrationen“ stellt, bei dem das Bewusstsein der Normalität nicht mehr überspielt und überleugnet werden kann. Nämlich, dass es „so etwas“ gegen eigenes Empfinden überhaupt doch gibt…

Bei all den „rituellen“ Handlungen, die sichtbar und dokumentiert werden, vermisse ich diese Stunde der Bewusstwerdung des Inviduums, etwas anderes zu sein als alle Anderen, die nur häufig vorkommen. Der Abschluss eines gedanklichen Wachsens „kreativer Unterschiede“. Dies sollte – ähnlich wie heterosexuelle Reifungsschritte – ebenfalls gefeiert werden!

Bisexuelle, von denen Schwule zu hören bekommen, sie seien intolerant ihnen gegenüber, beharren oft darauf, dass es ein „coming out“ gar nicht benötige. Sie hätten ja in der Heterosexualität auch keines – und finden das mit dem Männersex einfach überflüssig, weil nicht so häufig vorkommend.

Wenn es aber um Sex mit solchen „Ungeouteten“ geht, stehen sie zuvorderst in der Reihe! 😛

Egal ob bei Schwulen oder Heterosexuellen!

Ach ja, es feiert auch keineR „die Geburt eines Bisexuellen“. Amen

Peter Thommen_66, Schwulenaktivist

Das Bekenntnis an den Mann

Sonntag, Mai 19th, 2013

Wir dürfen in der heterosexuellen Presse immer wieder davon lesen, dass wir Männer uns „zur Homosexualität bekennen“ würden. Das tönt immer ein wenig nach Religion. Dabei vergessen diese Heterosexuellen, dass sie sich in ihren monotheistischen Religionen dauernd oder ausdrücklich zum Mann – nämlich ihrem Gott und seinen Propheten bekennen…

Das Bekenntnis zum Mann muss irgendwie eine Art Religion darstellen. Auch dasjenige der Frauen zum Mann. Denn die Ehe steht unter dem besonderen Schutz, vom Glauben – bis zum Staat. Zur Mutter bedarf es keines Bekenntnisses, denn sie hat ein reales Verhältnis zu ihrem Kind. Nur über den jeweiligen Vater kann spekuliert werden…

So wie das Vaterschaftsverhältnis von Jesus zu Gott über ein Bekenntnis (durch den Heiligen Geist) ‚im Ohr Marias’ hergestellt wird, so wird auch das Verhältnis von Jesus zu seinem Vater wiederum über ein öffentliches Bekenntnis zu ihm hergestellt.

Zugleich ist das Verhältnis ein „weibliches“, denn der eifersüchtige Gott usurpiert die Bekennenden und lässt keinen Platz für weitere Männer neben ihm. Es ist eine spezifisch kulturelle – eben monotheistische – Moral, denn es gibt Frauen auf unserem Planeten, die ihre Männer selber wählen und sich nicht auf einen beschränken. So wie es auch immer Männer gab, die kulturell geprägt dasselbe umgekehrt taten…

Fünfzig Tage nach Ostern (dem öffentlichen Bekenntnis der Wiedererscheinung Jesu) folgt das öffentliche Bekenntnis des Verhältnisses von Gott zu seinen Jüngern, in symbolischer Form von „Wärme“ unter ihnen, oder als „Flammen über ihnen“. (Zur Zahl 50 siehe unten, Auszug aus Wikipedia!)

Penta (Pfingsten) ist hier also eine „Bekenntniszahl“. Pfingsten ist quasi der Gründungstag der Gemeinschaft von gläubigen Männern (und im Hintergrund dieser Lehre auch Frauen).*

Sosehr usurpieren diese Bekenntnisse von Juden, Christen und Moslems zum „Idealmann“ (Alter Ego) in irgendwelchen ideologischen Wolken (Gläubige/Ungläubige), dass Bekenntnisse zu realen Männern auf Erden sogar verfolgt worden sind. Historisch betrachtet haben eigentlich nur diejenigen Männer gesellschaftliche Probleme gemacht, die sich den Frauen völlig enthalten haben. Denn wer mit Frauen konnte, oder wollte, der hatte eigentlich kein Problem mit dem Sex mit Männern – ja ist eigentlich gar nicht aufgefallen… (2. Sam. 1, 27 – David und Jonathan)

Umgekehrt haben viele Frauen sehr wohl ein Problem mit Nebenmännern ihrer Ehepartner, eher noch als mit Nebenfrauen. (Siehe oben das „weibliche Verhältnis“!) **

Ich denke nun, dass es ziemlich verbreitet ist unter Männern, dass man zwar nur eine Mutter haben kann, aber durchaus – ausser dem Gott – mehrere Männer. Auch für die Frauen spielt es weniger eine Rolle, selber mehr als einen Mann im Leben zu haben…

Es kann also darüber spekuliert werden, wie religiös, oder welche religiöse Dimension die „Homo-Ehe“ ist, oder hat! Die Gemeinschaft der Männer um Jesus bildete jedoch auch eine Art Familie, oder „Lebensgemeinschaft“. Sie wurde an Pfingsten „gesegnet“ und initiiert.

Morton Smith (1915-1991) hat in seinen Veröffentlichungen auf die magischen Rituale in ihren Kreisen hingewiesen. (>Das geheime Markusevangelium)

Jedenfalls ist die orientalische Kultur nicht so fortpflanzungsreduziert, wie sie uns vermittelt wurde und noch wird. Die Männerliebe hatte immer ihren Platz neben der „Frauenliebe“ und ist uns – nach meiner Ansicht – historisch in Form der monotheistischen Religionen überliefert worden.

Vor vielen Jahren hat man mir ein Geburtshoroskop geschenkt. Darin konnte ich lesen, dass ich „zur Bildung religiöser Gemeinschaften neige“. Nun, wenn Männergesellschaft und Männerfreundschaft eine religiöse Dimension haben, dann trifft das wohl zu! (schmunzel!)

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

Frühere Pfingsttexte (2010, 1997)

* Interessante Bemerkung im Lexikon der Symbole. Dort finde ich den Hinweis, dass es am Anfang auch Kreise gab, die Gott als Einheit von Vater und Mutter sehen wollten. „Dass eine solche Meinung selbst heutzutage mitunter gefährlich sein kann, zeigt der frühe Tod Johannes Paul I. kurze Zeit nachdem er behauptet hatte: „Gott ist Vater. Noch mehr ist er Mutter.“ (Bauer/Dümotz/Golowin: Lexikon der Symbole, 1987/Heyne TB 1989, S. 185)

** (Es geht um den unerfahrenen Mann) „Nun verlangt aber auch gar kein vernünftiges und heil gebliebenes Weib solch Nonsens von ihrem Manne. Im Gegenteil wird sie bei der Sicherheit ihres Liebesinstinktes sehr misstrauisch sein gegen einen Mann, von dem sie das annehmen dürfte. Sie wird einen Geschlechtsinvaliden oder einen Narren in ihm wittern und ihn sicher bald zum Hahnrei machen. Ihr Ergeiz ist nämlich, gar nicht die Erste, sondern die Letzte zu sein, die Triumphatrix seines Geschlechtslebens… Während des Mannes Geschlechtsehrgeiz umgekehrt ist, der Erste zu sein, will sie gerade auf der letzten Sprosse seiner Liebesleiter thronen.“ (Leo Berg, Das sexuelle Problem, 1901)

Zur Zahlenmagie:

50  Die erste biblische Schöpfungserzählung wird in Gen 2,3 abgeschlossen mit der Wendung ‚da diese geschaffen wurden’, hebr. behibaram, 2-5-2-200-1-40. Das sind dieselben Wort-/Zahlkomponenten wie bei Abraham, nur in anderer Reihenfolge: „Der neue Name Abraham war schon in der Struktur dieses Wortes ‚behibaram’ enthalten, womit die Schöpfung von Himmel und Erde ausgedrückt wird, und zwar schon so, wie er dann zustande kommen sollte. Erst ohne die 5, dann mit der 5, darum mit dieser kleinen He, der erst nur im Keim anwesenden He darin.“

„Der besondere Charakter dieser 5 an dieser Stelle bewirkt nun, dass diese Passage [Gen 2,3] in der Überlieferung gelesen wird als ‚mit der 5 schuf er sie’“ (die Welt). Die irdisch-materielle Welt und Zeit wird aber durch die Zahl 4 (40, 400) ausgedrückt (vgl. die 4 Mondphasen): „Die Zahl Fünf ist dann bereits von anderer Ordnung“, nämlich Zahl des Geistes und des Jenseitigen. Um die 5 hier auszudrücken, bedarf es des ‚Bundes’ als Verbindung der ‚weiblichen’ 4 (Welt, Nacht) mit der ‚männlichen’ 1 (Gott, Sonne). Daraus ergibt sich die für die Bibel zentrale Bedeutung der Zahl 5 sowie dann auch der Zahlen 50 und 500.

fünfzig = Mehr als die 49, => 7² als Zahl der 7-Tage-Schöpfung (die Arche Noah steigt bei der Flut auf 49 Ellen, die Öffnung der Dachluke = 1 Elle führt zur 50 – vgl. Gen 6,16). Josua, der Sohn des Nun (= 50), führt das Volk in das Gelobte Land der Einheit (Num 27,18.23); Jobeljahr (Jubeljahr, Gnadenjahr): Jedes fünfzigste Jahr soll die Freilassung für alle Bewohner des Landes ausgerufen werden (Lev 25,10; vgl. Lk 4,19); ähnlich das Sabbatjahr. Offenbarung der Thora mit den Zehn Geboten und der Erneuerung des Bundes am 50. Tag Schawuot nach dem Auszug aus Ägypten; an Pfingsten (= ’50. Tag‘ nach Ostern) wird der Heilige Geist auf die Gläubigen ausgegossen, Beginn der Mission der Apostel (Apg 2). Die erzählte Zeit des öffentlichen Lebens Jesu im Markusevangelium (von Mk 1,15: „die Zeit ist erfüllt“) dauert 7 Wochen mit der Auferstehung am 1. Tag der 8. Woche oder am 50. Tag.

Öffentliche Heucheleien über Sex zwi- schen Männern!

Samstag, Januar 26th, 2013

Den Schwulen entgleitet die öffentliche Selbstdarstellung und Diskussion immer mehr! Und die homo- und heterosexuellen Männer sind nur daran interessiert, ihre Bedürfnisse ungestört – wenn auch heimlich leben zu können.

Dass aber immer mehr Frauen den öffentlichen Diskurs über die Sexualität zwischen Männern befrauschen ist für mich als Schwulen unakzeptabel! Ich würde mir nicht anmassen, über die Sexualität von Frauen, oder zwischen Frauen öffentlich zu mutmassen, oder diese gar öffentlich zu definieren.

Nichtsdestotrotz verfügen Frauen nicht nur über die Sexualität und Orientierung ihrer Söhne, indem sie wegschauen und ignorieren, wenn diese sich nicht an Frauen ausrichtet, sie befrauschen auch ihre Ehemänner und die Schwulen mit ihrer Moral. Die öffentliche Moral ist tendenziell eine weibliche und das Patriarchat steht letztlich auf dem Matriarchat. Das ist aus diversen kulturhistorischen Berichten erkennbar. Aber auch in den Jugendbüchern von AutorINNEN für homosexuelle Knaben und junge Männer. Der Penis fehlt auffällig in den erwähnten Texten! Frauen stellen sich schwule Kinder und Jugendliche sowohl ohne Penis, als auch ohne sexuelle Betätigung damit vor! Oder haben eben gerade überhaupt keine Vorstellung davon!

Dazu passt die Ignoranz in den öffentlichen Medien über die gehäuften Selbstmorde und Mobbingerlebnisse von schwulen Kindern und Jugendlichen in den USA. Denn das passt nicht in den „pädophilen“, hetera-politisch-korrekten Blick. (Sophinette Becker über Pädophilie)

Frau kann sich nicht vorstellen, was sie damit bei schwulen Kindern und Jugendlichen mit feministisch-politischer Korrektheit anrichtet. Männer sind potenzielle Missbraucher und Vergewaltiger und des Knaben Lustobjekt ist ein verdammenswertes Glied! Und mit sowas sollen sich die jungen Schwulen identifizieren? Und wir sollen glauben, dass Mütter es „doch immer nur gut mit uns meinen“!?

Viele Frauen und Lesben ignorieren vorwiegend die historisch unterschiedliche Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Sie sehen Knaben als gefährdete „Mädchen“ und glauben, diese ebenso vor Penissen und Männern „schützen“ zu müssen. Keine der Anklägerinnen von sexuellem Missbrauch hat sich bis heute für eine wirksame Prävention eingesetzt. Weder bei Mädchen, noch bei Knaben! Denn dann müssten sie sich mit deren Sexualität auseinandersetzen, wie das schon Sigmund Freud versucht hatte. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese Politik dazu dient, die Machtverhältnisse zu ändern, aber nicht auf Gleichwertigkeit, sondern auf Umkehr derselben hin.

Ich muss feststellen, dass 20 Jahre verplempert wurden, um Jugendlichen keine Selbstbestimmung und Verhandlungsfähigkeit in der Sexualität beizubringen. Das wollte wohl auch keineR!

Das zeigt sich schon daran, dass nicht mehr der Nachweis einer Handlung oder Tat wichtig ist, sondern allein schon der Verdacht auf sexuellen Missbrauch genügt, um sogenannte „Täter für immer wegzusperren“ Dass dabei „irrtümlich“ auch einige Existenzen zu Grunde gehen, wird als „Kollateralschaden“ achselzuckend hingenommen. Was Männer mit Waffen anrichten, richten Frauen also mit der Sexualität an…

Was an heterosexuellem Missbrauch an Schwulen und den homosexuellen Bedürfnissen von Männern, von Kindheit bis in die Ehen angerichtet wird, ist kein Thema. Dass es „pädophile“ Frauen und Täterinnen gibt, ist politisch-feministisch inkorrekt und wird tabuisiert. Dabei wird verhindert, dass das heterosexuelle System angegriffen wird, das sowohl Frauen als auch Männern die „TäterInnen“-Schaft und die Opfer-Innen-Schaft ermöglicht. Und damit eine Politik der gegenseitigen Destruktion und des heterosexuellen Spiels/Krieges um Macht und Einfluss in Familie und Gesellschaft.

Mein Zorn entzündet sich an der Interpretation der männlichen Prostitution durch Frauen und zum anderen an der Interpretation von HomoSEXualität durch bisexuelle und hetera Frauen.

Als Schwuler kann ich nur staunend zuschauen, wie arme junge und heterosexuelle Männer aus Osteuropa mittels Homosexualität Geld bei heterosexuell lebenden Männern verdienen, die Freundinnen, Ehefrau und Familie haben. Politisch korrekt: Diese (schwulen, hetero lebenden) Männer beuten, diese (hetero) Jungen aus. KeineR fragt sich, was da unmittelbar mit der Homosexualität als solches geschieht. Die Homosexualität wird von heterosexuellen Männern ökonomisch ausgebeutet. Aber hinter diesen Männern stehen einerseits auch junge Frauen, die vom Einkommen der Callboys profitieren und andererseits die Ehefrauen, die davon überzeugt sind, dass Männer ihre sexuellen Bedürfnisse grundsätzlich nur auf Frauen richten können – oder auf andere Fachfrauen des Rotlichtgewerbes. Dass die Callboys (aktiv und passiv) wohl einen anderen Service anbieten, den Frauen nicht liefern können, fragt sich keineR! Auch nicht woher es kommt, dass verheiratete und hetero lebende Männer ihre natürlichen homosexuellen Bedürfnisse in Ghettos entsorgen müssen – nur nicht daheim in der Familie!

Die ganzheitlichere Sexualität dieser Männer ist eine Gefahr für die Frauen und ihre Kinder, Jugendlichen und Freunde und Ehemänner. (Das Vorurteil in der Schlagzeile: „schwule Prostitution“) Für viele Frauen ist klar, dass Männer weibliche Bedürfnisse „niemals völlig“ befriedigen können. Aber dass Frauen ebenfalls die Lust der Männer niemals völlig befriedigen können, steht ausserhalb von allem für sie Denkbaren.

Auch in der Schwulenpolitik ist eine zunehmend schärfer werdende Heuchelei feststellbar. Einerseits geht es darum, gegenüber Heterosexuellen, Frauen und Männern zu beteuern: „Es geht um Liebe“ bei der Homosexualität. Davon zeugt auch, dass im Text des Gesetzes über die Eingetragene Partnerschaft das Wort Sex völlig fehlt! Wie der Penis im Kinder- und Jugendbuch.

Andererseits wird in der Prävention nur die Praktik der analen Penetration thematisiert, als wenn Männer und Schwule so blöd wären, immer nur zu ficken. Männer müssen weder ficken noch gefickt werden, sie dürfen. Das ist mit Frauen ganz anders…

Einerseits finden wir im Kinder- und Jugendbuchbereich vor allem Liebe, Schmusen, knuddeln und umarmen vor. Andererseits wird Jungs klar gemacht, dass Masturbation kein richtiger Sex ist und dass sie sich beim Fickenlassen gefährden, missbraucht zu werden – wie die Mädchen, die sie ja selber auch missbrauchen könnten. Von Eigenkompetenz, oder gar eigenen Wünschen kann keine Rede sein…

(1)

So wie das homosexuelle Begehren existiert, existiert neben der Pädophilie auch die Gerontophilie. Aber die „gibt es politisch-korrekt nicht“. Mir fehlen da gewisse Begriffe, für eine angebliche Ausgewogenheit, die ich nicht erkennen kann. Es gibt nicht nur Männer, die herrschen, sondern auch Frauen, die frauschen.

Und es gibt neben der Penetranz auch die Vaginanz. Und tragischerweise sind Frauen nicht am Penis, sondern am Phallos interessiert. Aber Männer zwar an der Vagina, aber nicht an der Venus! So verstehe ich Ganzheitlichkeit. Nicht nur einen fragmentierenden Heterror, der sich auch im Feminismus wiederfindet!  Napoléons Strafgesetz hiess: „Code Pénal“ – einen Code Vaginal gibt es nicht.  Aber immerhin hat er die männliche Homosexualität in seinem europäischen Regierungsbereich entkriminalisiert.

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

 

Zu Emckes Buch ein ausführlicherer Text auf arcados.ch

(1)  Ich finde es tragisch, dass Carolin Emcke (in ihrem Buch „Wie wir begehren“, S.Fischer 2012) zwar formuliert, dass lesbisches Begehren NICHT kein Begehren sei, sondern – neben der vaginalen Bereitschaft gegenüber dem Mann – überhaupt ein weibliches Begehren, das nicht sichtbar (gemacht) wird, aber dass sie das homosexuelle Begehren bei Männern nicht auch entsprechend einordnen kann. In ihren Auslassungen über männliche Homosexualität ist weder von Analverkehr, noch von der Prostata die Rede. Besonders wichtig, wenn sie über Diskriminierung bei Arabern im Gazastreifen schreibt. * Doch beides gehört nun mal zum medizinischen Verständnis und zur kulturellen Einordnung! Tabuisieren und totschweigen ist Heuchelei!

Es gibt Knaben, die haben NICHT kein Begehren, sondern eben ein Begehren nach Männern, auch neben der Bereitschaft für Frauen! Aber das ist für Frau Emcke wiederum so unwichtig, wie ihr lesbisches Begehren es für die Heterosexualität ist. Und es gibt nicht nur Männer, die Knaben missbrauchen, sondern auch Knaben, die Männer ficken wollen! Doch das trauen sich viele Schwule nicht öffentlich auszusprechen! Damit nimmt man/Frau uns aber einfach einen Teil unserer sexuellen Biografie weg! Entsorgt in der Schublade „Missbrauch“!

*) Interessanterweise finde ich auf der hp von Emcke dann ein Video mit Diskussionsfetzen über Analverkehr. Und der jüdische Glaubensvertreter erzählt sinnigerweise, dass Mann und Frau im Bett zu Dritt – nämlich mit Gott seien… (> Streitraum: Religion und Sexualität)   Dass da der Schwule (schwule Sex) in die Quere kommt, lässt sich zwingend daraus folgern!

Carolin Emcke: Wie wir begehren, S.Fischer 2012

Interview mit Emcke in SRF, Reflexe 3.4.12 30′

Wer sich darüber aufregt, dass Jungs gerne mit Männern ficken würden, der/die sollte sich mal fragen, wozu denn Jungs und Mädchen im Teeniealter schon miteinander die Fortpflanzung üben sollen, denn sie machen ja auch „erwachsene“ Sexualität, die „ihnen nicht entspricht“. Kinder waren nie dazu da, Kinder zu machen! Es ist egal ob Kinder miteinander ficken. Oder Erwachsene. Es sollte möglichst politisch korrekt sein. Aber das Machtgefälle lässt sich eben nur innerhalb des eigenen Geschlechtes relativieren oder umkehren und ausserhalb heterosexueller Normen! Das versucht auch Emcke zu schreiben, aber sie benennt es nicht!  😉

Zum Thema Mütter:

Mütter und Homosexualität, eine lustige Kolumne

Über eine „feministisch korrigierte“ Studie in Südafrika, betreffend sexuell motivierte Gewalt

Braun:  Ein aufschlussreiches Interview mit einer Mutter (PDF)

Alexander Markus Homes: Von der Mutter missbraucht. Frauen und die sexuelle Lust am Kind, 2005, 458 S. (nicht zu verwechseln mit der US-Schriftstellerin A.M. Homes!)

– Prügel vom lieben Gott. Eine Heimbiografie, 141 S. NA 2012,  ISBN 978-3-86569-023-4

NDR: Von der Mutter missbraucht, Beitrag 45 min.

Louis Schützenhöfer: In aller Liebe. Wie Mütter ihre Kinder unglücklich machen, Ueberreuter 2004, 176 S.

Christiane Olivier: Jokastes Kinder. Die Psyche der Frau im Schatten der Mutter, Claassen 1987, Paris 1980 (später TB bei dtv, sh. PDF Inhaltsverzeichnis)

Renate Juras: 41 und 14, edition a, 2011

Das Bundesverwaltungsgericht und die Homosexualität

Sonntag, Mai 15th, 2011

Anfang dieses Jahres wurde das Asylgesuch eines homosexuellen Iraners vom Bundesverwaltungsgericht in SG zurückgewiesen. Er wurde zur Rückreise in sein Land „verurteilt“. (Das BVGer ist die höchste Instanz für Verwaltungsentscheidungen unter dem Bundesgericht) Dem Asylsuchenden wird der Besitz von 75 g Heroin zur Last gelegt. (Entscheid) (Übersicht der Rechtslage in diesem Asylverfahren bei humanrights.ch)

Ich möchte mich hier auf den „Umgang des Bundesverwaltungsgerichtes“ mit der Homosexualität konzentrieren. Sie ist historisch im Strafrecht zu verorten und dort nur als Handlung zwischen Männern oder zwischen Frauen. Dies mag auch ein wesentlicher Grund sein, warum das „Schutzalter“ für diese Handlungen von 1942 an bis in die 80er Jahre* bei 20 und nicht wie bei heterosexuellen Handlungen bei 16 lag und dies offenbar vom Bundesgericht in Lausanne auch gestützt wurde (sh. unten: BGE 70 IV 166 und BGE 85 IV 223). Aber spätestens bei der Ratifizierung (1974) der Europäischen Menschenrechtskonvention hätte die Rechtsprechung eigentlich angeglichen werden sollen (auch in der BRD, und in Österreich bis heute übrigens!). Aber genauso wie sich die Wirtschaft seit Jahrzehnten nicht um den Verfassungsartikel kümmert, der die gleiche Lohnzahlung für gleiche Arbeit bei Männern und Frauen verlangt, so ist die praktizierte Politik mit Rechtsgütern, dem politischen Opportunismus ausgeliefert. Dabei fällt mir auch die „Instandstellungspauschale“ nach Verlassen einer Wohnung ein, die von den Vermietern über Jahrzehnte eingefordert worden ist, bis jemand mal soweit ging, das Bundesgericht anzurufen (1981). Dieses entschied dann eine Rückzahlung bis auf 5 Jahre zurück…

Es ist hier die Gelegenheit, Schwulen und auch Lesben übrigens, in Erinnerung zu rufen, dass erreichte Rechtsstände weiterhin verteidigt, oder gar ausgebaut werden müssen – mit politischen Mitteln notabene! Dabei geht es nicht nur um die Angleichung des Adoptionsrechtes und anderer zivilrechtlicher Ansprüche. Was das sogenannte Schutzalter betrifft, so wurden durch das neue Strafgesetz ab 1942 einige kantonale Schutzalter dabei erhöht**! Auch das sei zur Erinnerung aller „Schutzbeflissenen“ hier wieder in Erinnerung gerufen!

Doch kehren wir zur aktuellen „Gleichbehandlung von Homosexualität“ durch Gerichte zurück. In die Verfassung (2000) ist die Schutzwürdigkeit einer sogenannten „homosexuellen Orientierung“ nicht gerutscht. Zu nahe war das Strafgesetz, von dem natürlich auch Heterosexuelle betroffen sind. Wir Schwulen vergessen immer wieder, dass schon in der Bibel (Lauritzen: Religiöse Wurzeln des Tabus der Homosexualität, Frühlingserwachen 1983/engl. 1974) von den Männern und Frauen die Rede ist, welche „den natürlichen Geschlechtsverkehr verlassen haben“…

Wir sollten also nicht nur lernen, dass heutzutage die Mehrheit der homosexuellen Akte von Menschen „begangen“ werden, die nicht homosexuell orientiert sind, sondern in heterosexuellen Ehen leben, oder sich selbst als „heterosexuell“ definieren. Wir sollten auch realisieren, dass die Ideologie des „Heterrors“ vor allem auch diese „vor Abweichungen schützen muss“! Das ist der Schwulenbewegung und den Einzelnen viel zu wenig klar. Das geht mir selbst genauso, wenn ich erst jetzt die detaillierte rechtliche Entwicklung genauer betrachte! (siehe unten BGE 88 IV 65)

Es ist interessant, wo das relativ neue Bundesverwaltungsgericht in Sankt Gallen in dieser Thematik steckt. Man könnte annehmen, dass die gesellschaftlichen Veränderungen auch in diesen Amtsstuben angekommen sein müssten. Als ich den Entscheid-Text las (siehe Link oben!) bin ich allerdings über folgende Formulierung gestolpert:

„In der Praxis wird Homosexualität von den Behörden im Alltag demnach geduldet, wenn sie nicht in einer möglicherweise Anstoss erregenden Art öffentlich zur Schau gestellt wird.“ (Begründung Punkt 8, Antonio Imoberdorf, vorsitzender Richter, Daniel Grimm, Gerichtsschreiber)

Bei einer solchen Formulierung kann wohl nicht von einer „homosexuellen Orientierung“ als bekannter und akzeptierter Begrifflichkeit bei dem Gericht ausgegangen werden.

Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie denn eine Heterosexualität in einer möglicherweise Anstoss erregenden Art öffentlich zur Schau gestellt werden könnte…  (vielleicht die Prinzen-Hochzeit in England!)

Abgesehen von der Praxis- und Rechtsferne des Bundesverwaltungsgerichtes in Bezug auf den Iran, stellt nun Axel Schubert von der HABS richtig fest: „Sich dauerhaft zu verleugnen, wird nicht nur als erniedrigende Behandlung ganz real erfahren, es macht auch krank. Doch Verleugnung zu fordern, zeugt von der Unkenntnis des Gerichts, wie sich Diskriminierung aufgrund eines unveräusserlichen Teils der eigenen Identität anfühlt.“ (PrMit HABS vom 16.02.2011, PDF)  (siehe unten BGE 88 IV 65)

Handkehrum muss ich nun an die Burka und ähnliche Kleidungsstücke denken, die bei Frauen doch als wesentliches Element, entweder der weiblichen Identität, oder grad des Gegenteils davon rechtlich verstanden werden kann! Aber diese sind natürlich – rechtlich gesehen – Gegenstände, die frau einfach überziehen oder wegnehmen kann. Desgleichen gilt auch für die Homosexualität, wenn sie eben nicht als sexuelle Identität verstanden wird, sondern nur als eine – mehr oder weniger strafbare, „Alltagshandlung“, oder eben „temporäre Verkleidung“.

Aber so wie Frauen ihre Würde mittels eines Kleidungsstückes erlangen oder verlieren können, so können auch Heterosexuelle ihre Homosexualität erleben oder Abstand davon nehmen. Der Vergleich hinkt natürlich, weil das eine materiell-sichtbar ist, und das Andere sich nicht mal an einer äusserlichen einzelnen Handlung festmachen lässt.

Daher denke ich, dass wir uns weiterhin mit dem Kampf um Erweiterung der sexuellen Handlungsfreiheit begnügen müssen, auch wenn das Gesetz zur ePartnerschaft nahe legt, dass es auch eine fest zu verortende homosexuelle Orientierung geben müsste. Aber dieses Gesetz können auch Menschen unterzeichnen, die keine homosexuelle Orientierung haben. Genauso wie bei der „heterosexuellen“ Ehe! Rechtsverbindlich kann eben immer nur die äussere Form sein. Das vergessen auch viele heterosexuelle PartnerInnen homosexuell aktiver Menschen. Da sind ihnen wohl Schwule einen Schritt voraus! 😉

Peter Thommen_61, Schwulenaktivist, Basel

* Politische Opportunität liess dann die kantonalen Gerichte, schon vor Einführung der Revision 1992, dann von Anklageerhebungen absehen, wenn die Beteiligten alle 16 Jahre oder älter waren.

* *Das allgemeine Schutzalter liegt zwischen 12 und 16 Jahren, einige Kantone kannten es gar nicht, andere nannten „Mannbarkeit“. (Schüle, Hannes: Die Entstehung des Homosexualitäts-Artikels…, 1983)

Siehe auch: „Dass die Ihre Organisation besonders interessierenden Bestimmungen des Art. 194 StGB revisionsbedürftig sind, liegt auf der Hand. Art und Umfang der Revision hängen entscheidend von den Ergebnissen des Vernehmlassungsverfahrens und den Beratungen im Parlament ab. Im Falle des Referendums wird das Volk zu entscheiden haben.“ (Aus dem Brief des Eidg. Justiz- und Polizeidepartementes vom 26. November 1980 an die Schweizerische Organisation der Homophilen, Zürich – Dr. B. Schneider, Generalsekretär)

Neuester BGE * betreffend die Ehrenrührigkeit der Zuschreibung/Ver-leumdung von Homosexualität: „Dem Beschwerdeführer ist beizupflichten, dass es nicht per se ehrenrührig ist, einen Menschen als homosexuell zu bezeichnen, da Homosexualität weder unsittlich noch unethisch ist. Zugleich ist aber festzuhalten, dass auch bei einer solchen Äusserung eine Ehrverletzung gemäss Art. 173 ff. StGB nicht immer ausgeschlossen werden kann. Davon geht ebenso die Vorinstanz aus. Ihres Erachtens kommt es für die Beantwortung der Frage, ob die Äusserung, jemand sei homosexuell, ehrverletzend sei, auf das soziale Umfeld des Betroffenen und der Adressaten der Äusserung an.“  …   „Ebenso beinhaltet die Aussage, dass ein Jugendleiter homosexuell sei, nicht, dass er pädosexuelle Neigungen habe.“ (BGE 6B_983/2010, 19. April 2011, Strafrechtliche Abteilung)

Bei der anhaltenden Pädo-Hysterie ist das eine typische Beurteilung aus dem Elfenbeinturm! P. Th. (*auch Suche beim BGer unter Homosexualität, April 2011 möglich)

2011 „Die Stadt Moskau war vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg im vergangenen Jahr zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil sie Homosexuellen Kundgebungen verboten hatte. In diesem Jahr berief sich die Stadtverwaltung auf internationale Konventionen zum Kinderschutz. Es bestehe die Gefahr, dass Kinder beim Anblick von Homosexuellen traumatisiert würden, zitierte Schwulenverbandschef Nikolai Alexejew aus dem Schreiben der Behörde. Er will dennoch für diesen Samstag eine Kundgebung für die Rechte von Schwulen und Lesben organisieren. (dpa)

2011 Vorwürfe wegen „Pädophilie“ gegen Politiker in Irland

 

 

oben zitierte Bundesgerichts-Entscheide: BGE 70 IV 166 (29.9.44): „Ganz abgesehen davon ist widernatürliche Unzucht sittlich verwerflich, auch wenn sie nicht strafbar ist.“ (Zitat auf S. 166, Entscheid ab S. 163)

BGE 85 IV 223: „Das Gesetz fasst die widernatürliche Unzucht als etwas grundsätzlich anderes auf als den Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau; es erachtet die Gefahren, die für einen jungen Menschen mit der widernatürlichen Unzucht verbunden sind, in gewissem Sinne als grösser und hat entsprechend das Schutzalter höher angesetzt.“

BGE 88 IV 65: „An der bisherigen Rechtsprechung ist daher festzuhalten. Von ihr abzuweichen, besteht umso weniger Anlass, als die Gefahr, dass Jugendliche in das Treiben Homosexueller hineingezogen werden, seit Erlass des Gesetzes zugenommen hat.“

(Die BGE wurden zitiert aus: HAZinfo, März 1975)

Anmerkung: Es ist hier ausschliesslich von Tätern und auf diese bezogen von männlichen Jugendlichen die Rede, sonst ginge es ja nicht um Homosexualität! Für die weibliche Variante interessierte sich keineR¨;)

Muttertag – Sohnesmütter

Samstag, Mai 7th, 2011

durch die rosa Brille geguckt! 😉

Mütter und ihre Söhne, statt Söhne und ihre Mütter!

Kürzlich traf ich einen jungen Mann gegen die 30ig, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Mir fiel auf, dass er ziemlich abgemagert ist und auch ein wenig „verschrumpelt“. Nach zwei drei Worten gestand er mir, dass seine Mutter vor drei Monaten gestorben sei. Ich weiss aus seiner Biografie, dass er vor Jahren eine „Klemmschwester“ war…

Bei dieser Gelegenheit und dem Nachdenken darüber wurde mir wieder einmal bewusst, wie sehr wir auf Täter und Väter fixiert sind und an den Frauen, Müttern und Täterinnen vorbeischauen. Sie sind kulturell der Opfer-Rolle zugeteilt. Wann immer ein Mann einer Frau etwas antut, „tut er es, weil er ein Mann ist“. Wann immer eine Frau einem Mann etwas antut, hat sie vorher „bestimmt Probleme gehabt“. Wann immer ein Sohn leidet und nicht von seiner Mutter los kommt, fällt die Definition über ihn: Er ist ein „Muttersöhnchen“.

Als Schwuler habe ich gelernt, dass Frauen und Mütter erstmal „nichts tun“ und doch sehr tatkräftig im Leben von Kindern mitwirken. Aber fürs Nichtstun kann keine bestraft werden. Die meisten Mütter merken es, wenn ihre Söhne sich homosexuell orientieren. Aber sie sagen nichts. Viele Frauen glauben, was nicht gesagt wird, ist nicht existent. Vielleicht gemäss ihrer Fremddefinition durch die Männer. Frauen waren ja immer nur „mitgemeint“ mit den männlichen Bezeichnungen…

Während es durchaus auch Frauen gibt, die – vor allem als Alleinerziehende – ihre Unterwäsche und Dessous in der Wohnung herumliegen lassen, damit ihr Sohn „nicht schwul wird“, gibt es auch nicht wenige Frauen, die ihre Söhne mehr oder weniger als Liebhaber missbrauchen. Ganz sanft und natürlich ohne offensichtlich sexuelle Bedeutung.

Sigmund Freud hat die Theorie aufgestellt, dass in der heterosexuellen Familie, die Söhne ihre Mütter, und die Töchter ihre Väter begehren würden. Die vereinzelt bekannt gewordenen Fakten und die grosse Diskussion um den „sexuellen Missbrauch“ herum, hat sichtbar gemacht, dass Freud entweder irrte, oder ver-wirrte! Wenn Väter ihre Töchter sexuell missbrauchen, dann können das auch Mütter mit ihren Söhnen tun. Nur weil sie keinen Penis haben (über den ja immer noch weitgehend „richtiger Sex“ definiert wird), schliesst das eine mögliche Täterschaft nicht aus. Ja eigentlich müssten wir das Strafgesetz um-schreiben, weil es eigentlich immer nur von Tätern handelt, aber selten auch von Täterinnen…

In der heterosexuellen Familie werden also die Kinder gegengeschlechtlich sexualisiert. So wird die Heterosexualität auch in zukünftige Generationen weiter tradiert. Dass da Mütter mit schwulen Söhnen Probleme damit haben, statt – wie vielfach behauptet Verständnis – liegt doch auf der Hand. Ein Bekannter von mir erzählte mir kürzlich, dass er in Griechenland beobachtet habe, dass Mütter den Kopf ihrer kleinen Söhne meistens an die Schamgegend nehmen, um sie wirksam zu trösten. Diese gewöhnen sich dann auch an „den Geruch“. Wenn es übertrieben ist, enthält es sicher doch einen Kern Wahrheit.

Ich will jetzt keine Beispiele von Muttersöhnchen aufführen, sondern mal die übliche Betrachtungsweise umkehren! Heterosexuelle Mütter wollen von den Söhnen, die sie geboren haben, auch geliebt, ja begehrt werden. Sonst gibt es grosse Enttäuschungen. Bestraft wird nicht mit einem Penis, sondern mit Liebesentzug. Das schlechte Gewissen beim Sohn wird unmerklich aufgebaut. Die Vorwürfe sind selten offen ausgesprochen, sie werden dem Opfer „signalisiert“. Die nonverbale Kommunikation zwischen Männern und Frauen ist DAS grosse Problem der Heterosexuellen. Also kann es auch gegenüber Söhnen aktiv-wirksam eingesetzt werden!

Eine Mutter kann ihren Sohn auch durch Gewährenlassen abhängig machen. Nicht sexuell. Aber bei Geldangelegenheiten, Gefühlsbedürfnissen und Drogensucht als aktueller Faktor. Wir erinnern uns vielleicht noch der bösen Stiefmutter aus den Märchen. Aber in diesen Fällen war die Manipulation wohl so stark, dass sie niemannd mehr übersehen konnte!

Der Psychiater Fritz Morgenthaler (1919-1984) hat eine interessante Theorie über die sexuelle Orientierung vorgelegt: Danach spielt das Bewusstsein der Trennung vom mütterlichen Körper, das erst einige Zeit nach der Geburt entsteht, die entscheidende Rolle. Die einen finden sich damit ab und suchen immer wieder einen mütterlichen Körper, die anderen entwickeln Autonomie und „verschaffen sich ihre Lustgefühle selbst. Diese Säuglinge belegen die eigene Person, das eigene Geschlecht mit sexuellen Gefühlen.“ (zit. n. Braun/Martin: Gemischte Gefühle. Ein Lesebuch zur sexuellen Orientierung, Rowohlt TB 2000, S. 21-22)

In einem psycho-historischen Text habe ich einmal gelesen, dass in früheren Zeiten den Müttern die Söhne ab dem 7. Lebensjahr weggenommen worden sind, „damit sie richtige Männer werden konnten.“ In der islamischen Kultur werden Jungen zwischen 7 und 14 Jahren beschnitten. Die Beschneidung der Mädchen wird übrigens von Frauen/Müttern ausgeführt. Diese ist vorislamischer Herkunft und darf als symbolische Herrschaft/Frauschaft über die kommenden Generationen verstanden werden.

In einem Film über die Geschlechtsanpassung eines Partners in einer homosexuellen Beziehung im Iran, erfuhr ich folgendes Erstaunliches. Nachdem also der Sohn einer Mutter operativ zu einer Frau geworden war, änderte diese ihr Verhältnis zur „neuen Tochter“ völlig. Sie konnte nun Mutter-Tochter-Gespräche mit ihm führen, da sie ihn ja nicht mehr an eine andere Frau hergeben müsse. Das sei bei Söhnen nicht möglich. Allerdings zog sich dann der schwule Partner zurück, weil er ja das gewünschte Geschlechtsorgan nicht mehr vorfinden konnte. Für Schwule eine logische Konsequenz. Für den iranischen Staat aber, der das ganze noch finanziert, um die Mann-Frau-Konstellation zwingend herzustellen, völlig uninteressant.

(Interessant für mich war, dass Mütter im Iran, ihr Verhältnis eher distanziert halten zu ihren Söhnen, im Gegensatz zu den unsrigen. Und natürlich wird ein Mann nicht so schnell zur „Tochter“ mit einer körperlichen Operation.)

Für das heterosexuelle Spiel braucht es die entsprechenden Körperformen. Das muss genügen… So können wir vielleicht erahnen, dass homosexuelle Beziehungen (anders als Kontakte und flüchtige Erlebnisse) wohl anders aufgebaut werden als die heterosexuellen Beziehungen.

Und wir sollten nicht nur ein besonderes Auge darauf haben, was Väter „antun“. Auch was Frauen und Mütter unterlassen oder verschweigen, kann ähnlich verheerend sein.

Peter Thommen, Schwulenaktivist, Basel (61)

 

Erster Mai 2011 – die Schwulen bleiben unter sich

Sonntag, Mai 1st, 2011

… oder verschwinden unter den Heteros

Wir hätten auch heute noch gute Gründe, an den 1. Mai-Demos teilzunehmen, denn auch heute noch sind wir auf eine soziale Schweiz angewiesen. Auch Schwule kommen als Arbeitskonkurrenten in die Schweiz – und Schwule verlieren nun mal die Arbeitsstelle schneller als Familienväter. Verpartnerte Schwule sind verpflichtet, ihrem „Ehemann“ in finanziellen Notlagen beizustehen, nicht nur die Ehefrauen.

Schwulsein „ist heute kein Problem mehr“, aber schwul leben schon noch! > „Bitte nicht auf meinem Sofa!“

„Es ist kein Zufall, dass sich die Schwulen der Arbeiterbewegung anschliessen. Wer könnte sich eine Homosexuellen-Delegation an einer Arbeitgeber-Konferenz vorstellen, obwohl es sicher viele schwule Unternehmer gibt? Nur die Arbeiterbewegung ist fähig und willens, die heutige Gesellschaft in Richtung Demokratie und Freiheit zu verändern. Nur die unten sind, ohne Zweitvilla und Aktienpaket, sind bereit, für die Veränderung einzustehen. Die Homosexuellen haben sich in die richtige Reihe eingefügt.“ (Martin Herter in der Basler AZ vom 15. Mai 1979, in der Titelkolumne)

Ich weiss wirklich nicht, was Martin Herter zu einer Gruppe wie der gay SVP gesagt haben könnte. Und „network.ch“ gab es damals noch nicht. Aber für diese Diskussion weise ich auf das historische Gespräch „zwar schwul – aber ein guter Freisinniger!“ (PDF) von 1973 hin!

Die Schwulen haben jeden Tag 1. Mai, wenn sie ins „öffentliche“ Internet gehen und mit Passwörtern und Nicknamen in eingegrenzten Portalen (wie diskret das auch immer sei!) für ihre sexuellen Bedürfnisse auftreten!

Worin besteht nun die Sexualität in Freiheit, die durchaus auch als Arbeitsleistung betrachtet werden kann? Arbeit an sich und an Anderen – zur Beförderung von Glück und Befriedigung – nicht nur in einem materiell geprägten Leben.

Es besteht für Schwule die Freiheit, an öffentlichen Orten – wenn auch nicht für Heteros sichtbar – geduldet, Sex-Kontakte haben zu können. Im Internet frei zu surfen und zu kontakten – solange alle Beteiligten 16 Jahre oder mehr alt sind. Die Freiheit, Fetische aller Art zu haben, Drogen konsumieren zu können und sich sexuelle Hilfsmittel, Darstellungen und kulturelle Werke kaufen zu können. Tom of Finland mit seinen Riesenschwänzen zum Beispiel. ABER, die Homosexualität und ihre Kultur findet nicht mitten in der heterosexuellen Gesellschaft – und als Teil von ihr statt!

Obwohl der grösste Teil „homo-sexueller“ Aktivitäten von Männern betrieben wird, die sich nicht als schwul verstehen, oder sonst völlig in hetero Lebensweisen aufgehen – ausser der „kleinen schwulen Abwechslung“, ist Schwulsein und schwule Kultur offiziell etwas „nur für diese Minderheit“.

Wenn ich jemandem grundlegende Zusammenhänge über Homosexualität erzähle, dann kann es vorkommen, dass der oder die Nachbarn schon mal bemerken: „Ich weiss nicht, ob das mich überhaupt interessiert“. Wenn ich natürlich einem 15jährigen Jungen einen Blowjob mache, dann aber interessiert das die Leute schon – bis ins Detail, was ich denn da gemacht habe! Vierzehnjährige Sexualpartnerinnen sind dagegen für sie völlig selbstverständlich!  😉

Sexuelle Mitbestimmung und Selbstbestimmung war vor und während der Revision des Sexualstrafrechts das zentrale Thema unter Schwulen, die das Licht der Öffentlichkeit nicht scheuten. Wir sind nämlich alle „pädophil“ gewesen, solange unsere Partner nicht 20 Jahre alt waren! Das haben schon wieder viele vergessen. (1)

Doch davon ist heute nichts mehr übrig geblieben. Die Freiheit ist wohl im Internet – nicht in der Gesellschaft. Von einer umgekehrten Wirkung – wie in Nordafrika zB – ist mir nichts bekannt. Im Gegenteil: Das Internet muss zensiert und von der Polizei kontrolliert werden!

Seit 2003 haben wir die Möglichkeit, uns zu verpartnern. Zwar nicht gleich wie die Heteros, aber das kümmert viele Schwule nicht, denn sie (vor allem die Jungen) geben oft auf ihren Profilen an, sie seien „verlobt“ oder „verheiratet“ – manchmal auch nur „in einer Beziehung mit…“

Wenn wir mal ganz rosarot hinter dieses Pseudo-Eheinstitut für Homosexuelle blicken, dann erkennen wir die Absicht der Heteros – hinter der Freude der Homos: Um den Preis der bürgerlichen „Gleichheit“ – aber ohne Gleichwertigkeit sind die Schwulen als Konkurrenz für Heteros quasi „ausgeschieden“. Entweder ist Mann verheiratet, oder verpartnert. Konkurrenz (wie aus der wilden Zeit vorher!) entsteht dadurch niemanndem/niefraudem mehr. Mischformen sind undenkbar! (Da ständen Göttinnen von den Toten auf!)

Eine zusätzliche „Lebensform“ ist eigentlich nicht entstanden. Nicht mal im Hinblick auf mehrere Partner, die sich vertraglich ja auch binden könnten, um zusammen zu leben und zu wirtschaften, statt Kinder aufzuziehen

Die Kinder-Diskussion – nicht die Lebensformen von Kind an – wird durch die „Regenbogenfamilien“ erneut belebt. Damit auferstehen aber auch wieder alte Vorurteile gegenüber Schwulen aus dem letzten und sogar vorletzten Jahrhundert! (weniger gegenüber Lesben!) Nicht die Frage nach der Herkunft der Homosexualität seit frühester Jugend und Kindheit wird gestellt, sondern diejenige nach den Auswirkungen von Homosexualität (nicht Heterosexualität) auf Kinder und Jugendliche. (**)

Daneben läuft ganz separat eine Kampagne um die selbstmordgefährdeten homosexuellen SchülerInnen und jungen Männer – mitten unter den Heteros/as. Gegen Selbsttötung, Mobbing und Verzweiflung homosexueller Kinder und Jugendlicher  gibt es keinen „Marche rose“ und keine Unterschriftensammlung für ein Erziehungsverbot für heterosexuelle Eltern oder Pädagogen! (Zwangsheteronormalität) 😛

Prostitution ist auch eine Form von Arbeit, denn Arbeit ist „Notwendiges zu tun“. Aber schon bei der Haus- und Familienarbeit gibt es Unterschiede in der Bezahlung, im Vergleich zur offiziellen Arbeit ausserhalb…

Es ist sinnvoll, sich daran zu erinnern, dass die Prostitution zwischen Männern (womit die meist Heterosexuellen und hetero lebenden Männer immer „abgedeckt“ waren, ab 1942 verboten wurde – mit moralischer Begründung. Aber schon damals war doch klar, dass junge Männer, die „Taschengeld“ (Theres Ollari, 1988) brauchten, sich dieses „damit“ viel leichter verdienen konnten. Der Kanton Basel-Stadt sah keine Strafen dafür vor. Seine Definition lautete klar – bei Jungs und Mädchen: „Abhalten von der Arbeit“.

Neuestens soll die Prostitution von Migrantinnen – wegen Ausbeutung durch Männer – zwischen 16 und 18 Jahren wieder verboten werden. Während 1942 die hetero Männer straflos geblieben sind, sollen sie heute kriminalisiert werden, denn die Bestrafung der Migrantinnen erscheint wohl allen unsinnig. Aber Strafe muss irgendwie sein. Es genügt nicht, wenn schweizerische Rechtspolitik die Migranten in die Nothilfe drängt, oder sogar in den Untergrund. Auch Angesichts der immer noch nicht verwirklichten Lohngleichzahlung bei Männern und Frauen, sind solche Anliegen einfach nur schwachsinnig, auch wenn sie von Politikerinnen kommen!

Natürlich werden auch junge Männer oder Migranten davon erfasst. Das Gesetz gilt ja für alle gleich! Damit rekriminalisiert man/frau erneut die männliche Homosexualität. Und allein unter Frauen „kommt so was ja nicht vor“!

Und ganz neu könnten wir Schwulen heute bei den Heten kompetent mitreden. Denn nach feministischer Sichtweise, „produziert die (männliche) Nachfrage das Angebot“. Also bei den Schwulen produziert auch die männliche Nachfrage ein Angebot – auch aus aller Welt. Allerdings wird jetzt auch bei den Schwulen sichtbar, dass die Einrichtung der „Schwulenehe“ wohl dazu beiträgt die „fehlende Befriedigung“ vermehrt durch diskrete Dienstleistung ausserhalb abzudecken.

Und für mich ist ganz klar: Diese weibliche Argumentation unterschlägt nun wirklich fassbodentief die Tatsache, dass die Ehe und die Verpartnerung eben längst nicht alle sexuellen Bedürfnisse in einer vertraglichen Beziehung befriedigen können. Es ist reine Selbstüberschätzung der weiblichen Partnerinnen und homosexuellen Partner. Mann und Frau blicke in andere Kulturen mit anderen Beziehungsformen und zu anderen Zeiten!

Der Sinn der Ehe soll darin bestehen, dass die Arbeit in dieser „Wirtschaftsgemeinschaft“ durch Lustbefriedigung „bezahlt“ werden soll. Während die „unlustige Arbeit“ ausserhalb und im Anstellungsverhältnis mit Geld bezahlt wird. Nun gibt es grosse Unterschiede in beider Bezahlung und der „freie Markt des Sex“ gleicht diese wieder aus. Und so wie es für die jungen Männer früher moralisch eine Schande war, sich für sexuelle Dienste an anderen Männern „herzugeben“, so trifft es heute wiederum Männer – aber umgekehrt – die die sexuellen Dienste von Migrantinnen (aus was für Gründen beide sich finden, bleibe mal dahin gestellt!) in Anspruch nehmen.

Ich möchte es nicht versäumen, ausdrücklich anzumerken, dass es immer Jungs gab, die auch ohne Bezahlung einen grossen Altersunterschied überbrücken konnten, aus Lust und aus Liebe. Das zeigt sich auch übers Internet. Aber das war und ist natürlich den Gesetzgebenden entweder völlig wurscht, oder naiverweise unbekannt. Ob das zwischen Heterosexuellen auch in dem Masse gilt, lasse ich auch mal dahingestellt!

Die Rekriminalisierung der Prostitution – eben auch bei Schwulen – ist ein weiterer Schritt im juristischen Zerbrechen der Einheit von Materie. Also ab 16 Jahre sexuelle Selbstbestimmung (damals von Elisabeth Kopp öffentlich ausgesprochen) in allem. Erneut werden sich Gerichte darüber beugen, den MigrantINNen Status definieren und moralisieren. Dabei sind die Gründe wirtschaftlicher Natur. Denn für „ehrliche“ Arbeit und Krieg sind Kinder immer noch nicht zu schade – weltweit!

Ich möchte den 1. Mai schliessen mit Wilhelm Reich. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Sexualität, auch für diesen Forscher, idealerweise im Begriff „Liebe“ mit eingeschlossen ist.

„Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens. Sie sollten es auch beherrschen.“ Wilhelm Reich, 1897-1957

 

Peter Thommen, Schwulenaktivist, Basel (61)

(ältere Thommens Senf zum 1. Mai hier , 1998-1996, auch Herter vollständig, 1979)

 

HABS am 1. Mai 1979, Rittergasse

** Michi Rüegg im Cruiser:  „Schlimm, dass wir unsere gotteslästernen Partnerschaften registrieren dürfen, jetzt fällt es uns auch noch ein, Kinder adoptieren zu wollen. Da hört nun jeder Spass auf. Denn, wenn der Pullermann in den Popo flutscht, ist Satan nicht weit, das weiss jeder anständige Christenmensch. Und in einem solchen Umfeld soll kein Nachwuchs aufwachsen, und überhaupt, denken die, wir wollen ja bloss eigene Kinder, damit wir sie bequemer missbrauchen können.“ (Zitat aus: Gottes freie Natur, eine Wanderung für Atheisten) Ein Essay über den Bibelwanderweg in Zürich (Cruiser Mai 2011, S. 36)

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(1) Schmutz Marcel und Peter Thommen: Die Unzuchtsparagraphen 191 und 194 im schweizerischen StGB (von 1942), ARCADOS Verlag 1980, 30 S.(ISBN 3-85522-001-8)

Schüle Hannes: Die Entstehung des HomosexualitätsArtikels im Schweizer Strafrecht 1894-1942 im zeitgenössischen Umfeld von Sitte, Moral und Gesellschaft, Selbstverlag 1983, 60 S.

(zwei äusserst spannend geschriebene historische Darstellungen, deren Argumente und politische Einschätzungen – schon wieder – sehr interessant und aktuell sind! PT – e-book-Ausgabe in Vorbereitung)

weihnachten als pädophiles ritual

Samstag, Dezember 25th, 2010

Wer jetzt ein theologisches Essay über eine Tradition erwartet, die übrigens erfunden worden ist, braucht diesen Text nicht zu lesen. Nur soviel: Den Urchristen waren Karfreitag, Ostern und Pfingsten wichtig (wozu ich schwule Sichtweisen geschrieben habe) – aber nicht Weihnachten. Dass Jesus ja auch geboren worden ist, kam der Kirche dann viel später in den Sinn…

Ich habe grad kürzlich ein Aufklärungsbuch für junge Schwule gelesen, sowie einen Roman über das coming out eines schwulen Teenagers. In beiden Büchern wurde darauf Bezug genommen, dass „irgendwann“ „die Hormone verrückt“ spielen würden. Damit wird allgemein akzeptiert, dass die Natur Jugendliche „von selbst sexualisiert“ und wir dies dann „zu gegebener Zeit“ irgendwie zur Kenntnis nehmen müssten. So ein furchtbarer Biologismus ist mit den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen schon unerträglich. Ganz zu schweigen davon, wer alles immer genau weiss, wann Kinder und Jugendliche „Sexualität“ haben.

Aber wir kommen dem Thema langsam näher. Pädophilie bedeutet Kinderliebe. Also die reine, emotionale Zuwendung zum Kind. Ausgelöst durch bestimmte visuelle Reize, die sie bis zu einem bestimmten Alter bei Anderen auslösen. Dabei wird ausgeblendet, dass die „Antwort“ vom Kind – schon rein entwicklungspsychologisch gesehen – von Eltern und sozialer Umgebung gedeutet und „interpretiert“ werden muss. KeineR weiss, ob er/sie das auch richtig macht.

Ich muss vielleicht noch vorausschicken, dass ich Knabe war und Mann bin, wenn ich diesen Text schreibe. Ich beschränke mich auf mein Geschlecht und überlasse es den Frauen, sich über die Entwicklung von weiblichen Kindern zu äussern. Und genau hier liegt wieder so ein interessanter Punkt. Das oben genannte Aufklärungsbuch ist von einer Frau geschrieben worden – Mutter und übrigens sehr kompetent und verständnisvoll. Wie selbstverständlich doch Frauen und Mütter sich zuständig erklären – auch für die sexuelle Entwicklung von Knaben. Gut, über Jahrhunderte haben Männer die weibliche Sexualität übersehen, erklärt und dann auch definiert – zu Lasten der Frauen. Das ist eine historische Tatsache! Aber warum begehen Frauen den gleichen Fehler auch bei Männern?

Nun komme ich zu dem Wort „Pädophilie“ in Anführungszeichen. Der historische, ursprüngliche Begriff ist in den letzten Jahren seiner ursprünglichen Bedeutung völlig entkleidet worden und trägt jetzt die Last einer kriminellen und entfremdeten Bedeutung. Eigentlich ist es nur logisch, dass Eltern pädophil sind, denn sie zeugen Kinder und wollen sie lieben – meist weit über den Zeitpunkt hinaus, wo „die Hormone“ ihrer Liebesobjekte „verrückt spielen“. Und hier öffnet sich das Problem der bürgerlichen Familie! Ein anschauliches Beispiel dafür fand ich in dem Jugendbuch von Will Davis, Meine Sicht der Dinge:

(Will erzählt von einer Konfrontation mit seiner Mutter und beschreibt ihre Reaktion auf seine sexuelle Orientierung, die ihr offenbar wird): „Ich will meinen kleinen Jungen Jarold zurückhaben“, und das in einer so sentimentalen Stimme, dass ich mich nicht mehr beherrschen kann. Ich: „Komm drüber hinweg“, und dann sagt sie mir, ich wäre herzlos…

Es ist genau das passiert, was viele Mütter – auch Väter – auf die Palme bringt: Ihre Kinder „schütteln sich“ – schon lange – „einen von der Palme“, und dies weit früher, als – nach deren Sicht – es die Hormone erlauben.

Dabei wird zweifach gesündigt: Erstens bestimmen nämlich Eltern und Gesellschaft, wann diese Hormone verrückt zu spielen haben und zweitens glaubt man/frau auch noch, dies nach eigenem Gusto hinauszögern zu können. Und wenn es misslingt? Dann sind es nicht mehr „die Hormone, die verrückt spielen“, sondern dann sind es ganz bestimmt böse Männer, oder ältere Jugendliche gewesen, die „unschuldige Kinder“ SEXUALISIERT haben. Wir kommen dem Thema immer Näher!

Kleiner Exkurs in die Vergangenheit: Das sogenannte Schutzalter für homosexuelle Aktivität bei Frauen und Männern lag bis 1992 offiziell bei 20 Jahren. Kann sich keineR mehr vorstellen heute! Und im Gegensatz zum immer wieder hergebeteten Vorurteil, dass Frauen Verbündete von Homosexuellen seien und auch noch deren verständnisvolle Gesprächspartner, weiss ich aus vielen Erzählungen und Texten aus jener „Vorzeit“, dass genau die Mütter und Frauen „ihre Männer“ behüteten und beschützten – bis zum 20. Geburtstag – vor allem vor den Homosexuellen! (Sie waren damals die „Pädophilen“ von heute.)

Daran hat sich bis heute wohl auch nicht viel geändert. Aus jenen Reformdiskussionen – zwischen 1974 und 1990 ist mir nur eine Frau in Erinnerung geblieben, die öffentlich vom „Alter der sexuellen Selbstbestimmung“ gesprochen hat. Es war die erste Bundesrätin der FDP gewesen: Elisabeth Kopp. Allerdings ist dieses „Schutzalter“ heute beim 16. Geburtstag – für alle sexuelle Orientierungen gesetzt. Und allerdings wird heute schon wieder über ein Verbot der Prostitution zwischen 16 und 18, allenfalls bis 21 Jahre diskutiert. Und natürlich auch über die Kinderpornografie, denn die sexuelle Selbstdarstellung ist zurzeit noch ab 16 Jahren erlaubt! Dies betrifft übrigens AUCH die homosexuelle Orientierung!

Es ist im Uebrigen seltsam, dass das Alter der körperlichen sexuellen Reife stetig gesunken ist und weiter sinkt, aber weder die Sexualerziehung, noch die unvoreingenommene Wahrnehmung und der familiäre und öffentliche Diskurs/Diskussion, dabei mitzuhalten gedenkt. Darum ist es auch „logisch“, dass Kinder und Jugendliche – nicht durch ihre körperliche Entwicklung, sondern durch Medien und Aeltere (vor allem männliche) „sexualisiert“ werden. Denn schon eine „altersgerechte Sexualerziehung“ ist per se SEXUALISIEREND.

Wir sind schon fast nahe an unserem Weihnachtsthema – nur noch ein bisschen Geduld! Mir hat es sich eingeprägt, dass nur dort überall AUFGEKLAERT werden muss, wo einmal vernebelt wurde. Egal ob durch linke, rechte, oder religiöse Ideologie. In diesem Wort steckt nämlich viel gesellschaftlicher Sprengstoff, ohne dass dies wahrgenommen wird. Und nur dort wird „sexualisiert“, wo vorher ent-sexualisiert worden ist.

Nun feiern wir also jedes Jahr ein Kinderfest ohne uns darüber zu freuen, dass die menschliche Sexualität „ein sexuelles Wunder“ produziert – allerhöchstens ein „biologisches“. Die bürgerliche Familie und Gesellschaft hat es geschafft, die Sexualität in Bezug auf Kinder völlig auszublenden, ja zu verleugnen. Es wird „eine Familie gegründet“* und frau „wird schwanger“ – man „wird Vater“.

Sagt aber ein Mann, er hätte seinen Lebenspartner dabei, dann ist immer auch die Sexualität als Phantasie dabei: („Arschficker – Schwanzbläser“)

In der Homosexualität funktioniert das mit „sexlosen Wörtern“ noch (?) nicht so perfekt. (Um für gleichgeschlechtliche MAENNLICHE Paare die Adoption einzuführen, müsste die „eingetragene Partnerschaft – in welcher das Wort Sex nirgendwo vorkommt! – in realis bei den beteiligten Männern gesellschaftlich erst völlig ent-sexualisiert werden. Dann vielleicht haben auch Kinder in dieser Lebensform Platz. Wo käme Frau hin, wenn die beiden Schwulis sich vor den Kindern küssen, umarmen, ja gar an die Arschbacken greifen würden?

Übrigens ist es bemerkenswert, dass zwar die meisten Männer UND auch Frauen, die sexuelle Uebergriffe auf Kinder machen, ganz gewöhnliche Väter und Mütter sind, oder nahe Familien(!)-Verwandte, aber für den Begriff „der Sexualität mit/an Kindern“ dann „die Pädophilen“ herhalten müssen. Paradox ein Begriff, der usprünglich ja vor allem Eltern eingeschlossen hat. Eben: Kinderliebende…

Nebenbei bemerkt: Viele Formen der Gewalt gegenüber Kindern (besonders homosexuellen!) sind nicht nur „sexualisierte Gewalt“ (mit einem Penis), sondern vielmehr „sexuell MOTIVIERTE“ Gewalt auf vielfältige Weise. Die ge/ver-bannte Sexualität (im Körper) des Kindes wird mit Gewalt und Disziplinierung – „bekämpft“. Oft wird die Gewalt zur sexuellen Orientierung! (kürzlich hatte ich einen knapp 16jährigen im Chat, der von seinem relativ alten Vater regelmässig „arschversohlt“ wird, wobei der Junge dabei einen Ständer bekommt.) Im Grunde genommen wird mit der aktuellen gesellschaftspolitischen und einseitig männlich-sexistischen „Pädophilisierung“ (Anführungszeichen!) etwas weggeleugnet, was ohnehin immer offenbarer wird: Das Kind ist ein sexuelles Wesen von Geburt an. Sexualisiert kann es später nur werden, wenn es vorher ent-sexualisiert worden ist. Ich erinnere mich an Broschüren der deutschen „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“ über die Sexualentwicklung des Kindes. Diejenige über die Zeit von Geburt bis ca. Kindergarten blieb an Informationsabenden meistens liegen, wie man mir sagte…

Und nun sind wir endlich beim unserem Weihnachtsthema angelangt! Kinder werden am Nikolaustag erst diszipliniert und gar verängstigt. Am Abend der Bescherung aber findet die Pädophilie (ohne Anführungszeichen) in Form von materiellen Geschenken, beeindruckenden Sentimentalitäten und kitschigen Szenen statt. Schwule Kinder – falls diese Vorstellung für viele überhaupt möglich ist – merken sehr bald, wie sehr sie mit ihrer verheimlichten, totgeschwiegenen und „pädophilisierten“ Sexualität/schwulen sexuellen Orientierung von der entsexualisierten bürgerlichen Familie ausgegrenzt werden. Und viele Mütter schweigen das was sie sehen an Sexualität in der Familie, sowieso meistens TOT. Aber von den Kindern wird natürlich Dankbarkeit, Offenheit, Liebe und sonst noch vieles erwartet. Bezahlt wird an Weihnachten – oder auch mal nicht…

„Ich will mein kleines Christkind wieder-/immer haben!“ Bis in alle Ewigkeit – amen.

Peter Thommen60, Schwulenaktivist und Buchhändler, Basel

P.S. Falls jetzt jemand/jefrau am „Ausrasten“ ist – wieso ist ein gesellschaftlicher Diskurs über dies alles, wieder so verunmöglicht worden? Warum kann nicht wenigstens überlegt werden, wie mit der Sexualität von Kindern (die es wagen, sie nicht zu unterdrücken) vernünftig umzugehen ist? Ohne sie erst zu desexualisieren, um sie anschliessend der gesellschaftlich unberechenbaren – meist mit Fetischen verbundenen – „Sexualisierung“ auszusetzen?

Sexuelle Selbstbestimmung fängt in der Kindheit an, nicht erst wenn die (asexuellen) „Eltern“ das wollen. Ich onaniere übrigens seit meinem 5. Lebensjahr – und damals nicht immer allein, sondern mit anderen Knaben. Ich kenne also – auch ohne Kinderpornografie im Internet – keine „entsexualisierte“ offizielle Latenzzeit. Und meine damaligen Sexualpartner sind fast alle vorbildliche Familienväter geworden…

(* Hite) „Selbst die Verteidigung der Heterosexualität (als die „einzige“ natürliche Form von Sexualität), als die Basis der Familie, kann aufgrund historischer Tatsachen hinterfragt werden. Die frühesten „Familien“ waren keine „heterosexuellen“ Kleinfamilien, wie wir sie kennen, sondern schlossen Mutter, Schwestern, Brüder, Tanten Onkel usw. in einer losen Gruppe zusammen. Es gab keinen „Vater“, und die Beziehungen zwischen Mutter und Kind waren keineswegs so elementar, wie wir heute annehmen; Tatsache ist, dass Kinder, Mütter und Schwestern oftmals nicht wussten, wem welches Kind gehörte… Das frühe Indogermanisch verfügte über kein Wort für „Vater“ und jahrhundertelang war es nicht bekannt, dass Geschlechtsverkehr die Ursache für Schwangerschaft ist. Während dieser Jahrhunderte war die Grossfamilie eine überlebensfähige soziale Einrichtung…“ (Shere Hite: Das sexuelle Erleben des Mannes (2), 1978/1991, S. 290)

siehe auch meine anderen Texte zu Weihnachten!

Fund in den BaZ-Meldungen: „Das Jahr (2010) begann mit der damals 17-jährigen Berlinerin Helene Hegemann und ihrem altklugen No-Future-Pamphlet «Axolotl Roadkill», es endet jetzt mit dem 17-jährigen Australier Joshua Beattie und seinem Kurzfilm «To Claire; From Sonny». Und das ist gut so. Wie Hegemann hat Beattie einen Sensationserfolg gelandet, und erst noch einen internationalen, denn seinen Film gibt es (nur) auf Youtube zu sehen. 600 000 Zuschauer haben ihn schon angeklickt, gegen 3000 haben darunter geschrieben, dass sie in Tränen ausgebrochen seien, und das ist auch kein Wunder, denn Beattie erzählt da in sechs Minuten eine todtraurige Liebesgeschichte mit der ganzen ungebrochenen Sentimentalität eines Teenagers.“

So lieben wir doch „die Pädophilie“!  (Klarstellung: Gesellschaftlich anerkannt ist die in emotionalen Formen des körperlichen Begehrens versteckte „Pädophilie“, romantisiert, entkörperlicht und ohne Dialog und gegenseitige Verständigung. Das Ritual eben – sowohl zwischen Eltern und Kindern, als auch zwischen Kindern. Asexuelles Nachäffen erwachsenen Verhaltens, ohne die „bösen sexuellen“ Bedürfnisse überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. (Nachtrag 30.3.12) PT

Nicht-heterosexuell orientierte Migranten in München

Dienstag, November 9th, 2010

(Ich verwende diese ungewohnte Schreibweise, weil ich es unpassend finde, in schwulen Zusammenhängen alle anderen Sichtweisen, die von Heteros ausgegrenzt werden, immer an die gay community anzukleben. Oft haben sie auch ganz objektiv nichts miteinander zu tun und die Probleme stellen sich vor allem mit den Heteros. Schwule sollten sich nicht auch noch kompetent fühlen müssen, für die Welt von Lesben, Bisexuellen, Transgendern, Transsexuellen und Transvestiten verantwortlich zu sein. Meist sind sie nicht mal für die Homosexualität kompetent genug. Wieso wir Schwulen jetzt alle unter Schutz nehmen sollen, mit denen Heterosexuelle Probleme haben, ist nicht einsichtig. Das entspricht gesellschaftlich der Frauenrolle, auf die auch vieles einfach nur abgeschoben wird. Letztlich wären denn heterosexuelle Frauen und Männer für uns alle verantwortlich… PT)

Die SUB-Beratungsstelle in München hat unter der Leitung von Sascha Hübner eine Umfrage unter Migranten und Migrantinnen gemacht, um ihre Bedürfnisse zu erfahren. Das Szeneblatt LEO berichtet in seiner Nummer vom November 2010 (S. 6-7)

Die erhobenen Ergebnisse zeigen – gemäss Hübner – nicht so schlimme Verhältnisse im Umgang mit den eigenen Familien oder der Homosexualität, was ich anzuzweifeln wage. Wichtig ist festzuhalten, dass MigrantINNen auch innerhalb der schwulen Szene diskriminiert werden. (45 % der Befragten)

Was wünschen sich Migranten vom SUB?

Insgesamt wünschen sich fast 80 % multinationale Angebote. Ausserdem sind Migranten deutlich stärker an gemeinsamen Angeboten mit Lesben interessiert als Deutsche. (Meine Erfahrung ist, dass einheimische Lesben deutlich weniger an gemeinsamen Angeboten mit Schwulen interessiert sind. PT) Ganz oben auf der Wunschliste der Befragten stehen Deutsch- und Sprachkurse, Rechtsberatung, Hilfe bei Amtsgängen und bürokratischen Texten. Auch Filmabende sind populär. Parties folgen erst dahinter.“

Weitgehend unbeackertes Feld sind Leute, die als Flüchtlinge, zum Beispiel aus Afrika oder Afghanistan zu uns kommen. Sie haben oft schwere Schicksale in ihrer Heimat hinter sich und werden unter anderem in Asyl-Unterkünften gemobbt. Hier sind die Unterkunfts-Leiter stark gefordert.“

(Weitere allgemeine Überlegungen von mir) Auch an den Treffpunkten von armen oder obdachlosen Menschen finden sich Schwule und Lesben. Allerdings unsichtbar und nur von schwulem Auge zu erkennen. Wenn ich sehe, wie schwule Hilfseinrichtungen völlig ausserhalb der heterosexuellen Wohltätigkeit stehen und meist ohne „Hilfskässeli“, dann finde ich die obigen Ansprüche an uns ziemlich hoch. Und ich sehe, dass Schwule sich in Notlagen oft nicht an heterosexuelle Hilfsinstitutionen heranwagen, oder dann nur „in hetero Kleidern“.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist, dass die Moralkeule des sexuellen Missbrauchs von Migrations-Jugendlichen durch Freier (die auch nicht alle schwul sind) immer wieder auftaucht, wo es um Prostitution geht. Und die privaten Hilfskässeli von Schwulen sind wohl auch nur dann akzeptiert, wenn Sex dabei keine Rolle spielt. Dass die „Notlagen-Sexarbeit“ (neustes Wort in dem Zusammenhang) bei „alten Säcken“ (meist in dem Zusammenhang erwähnt) immerhin ein Arbeits- und nicht nur ein „Dankbarkeits“-Verhältnis ist, wird nicht beachtet. Es gibt in beiden Fällen missliche Abhängigkeitsverhältnisse. Ausgeraubte Schwule wagen es meistens auch nicht, sich Hilfe zu holen. Vielen, die anschaffen, fällt es vor sich selber leichter, „es“ (nur) für Geld zu machen, als sich einzugestehen, selber homosexuelle Bedürfnisse zu haben, die sie sonst nicht wagen umzusetzen.

Es ist auch unter Heterosexuellen üblich, Liebe und Geborgenheit (bei der Frau) gegen Sex einzutauschen. Die Vorstellungen von Romeo und Julia in diesem Zusammenhang sind völlig fehl am Platz. Hier wären subkulturelle und gesellschaftliche Zusammenhänge einzubeziehen, statt einfach immer nur zu moralisieren und separate Schubladen zu öffnen. Ich ärgere mich immer wieder über „heterosexistische“ Sichtweisen, die über schwule Verhältnisse gestülpt werden.

Peter Thommen_60, Schwulenaktivist Basel

(kl. Korrekturen 2014)

1. Mai: Komm, gehen wir Kapitalisten ficken!?

Dienstag, April 27th, 2010

Vor einiger Zeit las ich über den Sigmund Freud, den Begründer der Psychoanalyse, dass er „auch nur ein Kind seiner Zeit“ gewesen sei, die den Kapitalismus heraufkommen sah und die Produktion zur Pflicht machte. Einerseits Produktion von Waren oder Maschinen, andererseits Produktion von Menschen, die diese bedienen konnten. Beides natürlich zu billigstem Lohn-Preis!

Wie steh ich nun als Schwuler da? Ich erinnere mich an die Sendung TeleArena des Schweizer Fernsehens vom April 1978, in welchem ein Mann in braunem Anzug vorwurfsvoll in die Runde sagte: Sie machen nicht mal dem (Bundesrat, Militärdepartement) Gnägi einen Sohn! Damals war noch „Kalter Krieg“ und Schwulsein im Militär verboten!

Es war noch die Zeit der „Saisonniers“, also von männlichen Arbeitskräften, die monatelang ohne Familie und Frauen in die Schweiz kamen, um „Gast-Produktionsarbeiter“ zu spielen. Ende Jahr durften sie jeweils für drei Monate „nach Hause“, um ihre „sexuellen Produktionspflichten“ zu erfüllen!

Damit möchte ich auch dieses Jahr wieder den Sexualaspekt in die Arbeitswelt einführen. Er besteht eben nicht nur aus „Mutterschaftsurlaub“ und Betreuungsstätten für die Kinder der Arbeiterinnen. Aber damit geben sich die meisten Heten schon zufrieden…

 

HABS am 1. Mai 1979, Rittergasse

Das Wort „ficken“ ist nicht nur ein beliebtes und offiziell „vulgäres“ Wort – übrigens nicht nur unter Männern -, sondern es imaginiert jene Machtverhältnisse in unseren Köpfen, mit denen es sich mechanisch „eindrückt“! Während die heterosexuelle Sprechweise sich hinter harmlosen Wörtern wie „Mutter werden“ – „in der Hoffnung sein“ versteckt, ist es bei einem Mann, der seinen Lebenspartner auch nur erwähnt, sehr schnell zur Stelle! Ficken produziert – lange vor der Fortpflanzung – schon Wirkungen und Lebensweisen, die sich sowohl privat, als auch in der Wirtschaft auswirken. Was in romantisierten Beziehungen und in geschlechtsunterschiedlichen Familienangehörigen und sozialen Gruppen wirkt, hat seine Entsprechung auch in der Oekonomie. Sei es die Geldwirtschaft, die theoretische Werte bis zu Unkenntlichkeit zusammenpappt, um ihnen dann den Stempel (ahem!) „subprime“ aufzudrücken und diese dann zu „romantischen Preisen“ zu verdealen. Sei es die Warenwirtschaft, die den Verkauf in immer grösseren Firmen organisiert, um die neuesten Produkte zu „romantischen Preisen“ anzubieten, um noch mehr Gewinn zu machen und schon die Kids mit ihren „Labelprodukten“ zu ködern…

„Gefickt“ werden auch ganz bestimmte Gruppen von Arbeitskräften, indem sie die Macht des Marktes und der Globalisierung zu spüren bekommen. Nicht nur der „gewöhnliche Arbeiter“ oder die Schwarzarbeiterinnen und „Sanspapiers“ spüren den ökonomischen Druck und den Zwang, „entwertete – also abgelaufene – Produkte“ in Billigläden zu kaufen. Auch die studierten und gut Ausgebildeten können sich nicht mehr sicher sein! Denn die Wirtschaft verändert sich unter dem Globalisierungsdruck so rasch, dass weder die „höhere Geburtenrate“ bei der Produktion, noch die Anpassungsappelle durch Weiterbildung genügen können. Es ist also überflüssig, diesen traditionellen Möglichkeiten Vorbildfunktion zuzuweisen. Schnell werden für einen „Turm zu Babylon“ in Arabien, oder den NEAT-Basistunnel unter der Schweiz riesige Kontingente – vor allem an Männern (ohne ihre Frauen!) gesucht. Ganz zu schweigen von den AusländerInnen, die über längere Zeit in fremden Städten und Kulturen wohnen und arbeiten müssen, möglichst mit einer Beziehung oder gar einer Familie. Oder für ein Chemieprojekt für eine Impfproduktion müssen schnell Menschen angestellt werden, die kurz nachher wieder „frei“ sind, weil ja alles einmal ein Ende hat! In der abgelaufenen Zeit haben viele ProjektmitarbeiterInnen den Anschluss an die technologische Entwicklung schon wieder verpasst und oder müssen wieder einen neuen Job finden.

Es schiene theoretisch sogar, homosexuell orientierte Menschen würden unter diesen Bedingungen profitieren. Aber die gesellschaftlichen und ökonomischen Machtverhältnisse, der stete Wechsel und die persönliche Unsicherheit, zeigen sich auch innerhalb des gleichen Geschlechts. Und dies eben nicht nur an der grossen Reisefreudigkeit der Einkommensstarken. Unsere Wirtschaft drängt die Menschen mit dem Argument der Globalisierung noch mehr in die Vereinzelung. Statt ein Sportverein kommen Fitness-Studios zum Zug, die es ja überall auf der Welt gibt. Die Frauen sind nicht nur mit der Konkurrenz der Männer konfrontiert, sie stehen selber in Konkurrenz zu ihnen – in der Arbeitswelt. Der Heterror der heterosexuell geprägten („produktiven“) Wirtschaft und Kultur hat längst auch die Homosexualität und die Schwulen vereinnahmt. Dieses System „fickt“ uns!

Auch die private penetrationsbetonte Fickerei birgt seit über zwanzig Jahren gesundheitliche Gefahren. Der Anus ist der Ort der meisten Infektionen mit HIV. Auch hier regiert die Konkurrenz unter den Männern: Die einen wissen gar nicht, dass sie infiziert sind, die Anderen finden ungeschützten Sex gerade am geilsten…

Diese Unterwerfung unter „den Zufall“ drückt sich heute in der resignierten Präventionsbotschaft „Risikomanagement“ aus. Oder primitiver gesagt: Jeder ist seines eigenen Unglückes Schmied. So ist die vielbeschworene „Gay-Community“ mit der verantwortungsvollen Solidarität schnell gestorben. Und auch hier spielen sie unter Männern das hetero Spiel mit der Schuldzuweisung – nachher. Immer wieder gibt es Gerichtsverfahren über Ansteckung auf der einen Seite, und über die Verteidigung der Rechte von HIV-Positiven auf der anderen Seite. So wie wir das auch zwischen Mann und Frau kennen.

Wir ficken niemals ausserhalb der Gesellschaft, wir (lassen) ficken – mittendrin!

Wir hätten Aussicht gehabt, eine andere Sexualkultur zu entwickeln. AIDS hat uns weggefegt. Erst mit dem Tod, dann mit der „Konkurrenz um den Virus“. Das Ueberleben mit HIV und AIDS hängt von der Wirtschaftskraft jedes Einzelnen und von der Solidarität untereinander ab. Ob die Krankenkassen weiterhin bezahlen werden, ist nicht garantiert. Und so einfach „weiterleben“ mit HIV und AIDS ist tückischer als die meisten glauben. Denn die Pharmaindustrie verspricht uns immer mehr: Auch mit HIV lässt sich gut und gesund leben. Klar gegen Bares. Aber auf der einen Seite verlangen Lebensversicherer einen HIV-Test – und auf der anderen Seite sind Infizierte eine lukrative Zielgruppe, die intensiv in gay Magazinen beworben wird!

Darum lasst uns Kapitalisten ficken gehen, bevor sie neue Finanzpakete schnüren für die Börsen!

Peter Thommen60, Schwulenaktivist, Basel

Lafargue: Das Kapital ist Gott (Besprechung im Deutschlandfunk)