Mit ‘Hetero’ getaggte Artikel

von der Homophobie zum Anti-Homosex-ualismus

Mittwoch, 12. November 2014

Die vergangenen Jahrzehnte waren geprägt von Unwissenheit und Homophobie. Doch heute stehen uns so viele Informationen über Sexualität zur Verfügung, dass keineR mehr Unwissenheit vorheucheln kann. Wir können übrigens auch nicht alles auf Homophobie (also Angst vor Homosexualität) zurückführen.

Die neuesten Aktionen „gegen die Homosexualität“ sind motiviert von aktivem Anti-Homosexualismus. Das heisst, dass wie beim Antisemitismus, die alten Argumente weniger wichtig sind als die Beweggründe! Es geht gegen die „Homo-Ehe“ und die „Rettung der Familie“. Mit anderen Worten: Es darf keine Alternative zur heterosexuellen Familie geben, weil diese ist heilig, nichts darf über ihr stehen!

Doch diese Ehe- oder Familienform ist relativ jung in der Geschichte. Sie ist auch stark geprägt von den Entwicklungsform des Kapitalismus. Sie passt sich auch immer wieder an, aus purer Notwendigkeit. Aber wo kommen wir hin, wenn die anderen Formen die gleichen Wünsche und Hoffnungen bieten wie die Tradition?

Ich bin der Meinung, dass die Homosexellen sich die Last der Tradition nicht auch noch aufbürden sollten. Die eingetragene Partnerschaft als gleichberechtigter Zivilstand sollte ausreichen! Mit ihr behalten wir auch die Selbstverantwortung und die Selbstgestaltung in unseren Händen! Die eP könnte man auch erweitern auf mehr als nur 2 Personen. Und statt hochtechnisierten Fortpflanzungsmethoden liessen sich Erweiterungsmöglichkeiten per Adoption oder „Einpartnerung“ finden.

Dass die BaZ ohne Kommentar der Redaktion einem Evangeliban als „Pfarrer“ eine ganze Spalte überlässt sagt auch etwas aus! Ich habe nichts gegen Leserbriefe und „Freie Meinungsäusserung“ in Blochers Print. Allerdings erwarte ich von einer Zeitungsredaktion, dass sie sich nicht hinter Schweigen versteckt, wenn sie Raum für „Altlasten“ über Homosexualität zur Verfügung stellt!

Und nochmals: Die alten Leiern sind gar nicht so wichtig. Wichtiger ist doch, dass sie wieder aufgewärmt an „seriösem Platz“ erscheinen dürfen…

Nebst den formalen Fehlern über die Jugendgruppe „Anyway“ finden sich in Reinhard Möllers Text Scheinargumente und Fehlinterpretationen nach dem Muster der „Taliban“. Die Meisten Vergewaltigungen finden wohl in der heiligen Ehe statt, ohne dass sie abgeschafft würde!

Schon Gisela Bleibtreu-Ehrenberg hat 1978 davor gewarnt, dass nach all der Emanzipation in Zukunft immer noch der „Kinderschutz“ für die Manipulation der Gesellschaft herhalten müsse!

Es bildete sich bald eine neue Derivation heraus (Homosexualität als stete Kindergefährdung), die das Fortbestehen der Ächtung ‘vernunftgemäss’ erscheinen liess.“ (Tabu Homosexualität 1978, S. 405/406)

Damit wird hartnäckig festgehalten, dass Homosexualität keine „natürlichen“ Wurzeln in der Kindheit und Jugend haben kann! (Die Diskussion wird mit „Pädophilie“ sehr schnell verhindert!)

Reinhard Möller missbraucht die Sexualinformationen über „Tatsachen des Lebens“ (Quentin Crisp) für die Forderung nach Öffnung von Schulen für die (seine) „jüdisch-christlichen“ GLAUBENS-Anliegen! Wahrscheinlich würde er sich sogar gegen jüdisch-moslemische Glaubens-Anliegen genauso wehren! (Aber dafür ist die BaZ-Redaktion wohl zu dumm, um das zu merken.)

Der Trick der Anti-Homosexualitäts-Prediger liegt in einer falschen Umkehr der Tatsache, dass nicht Mehrheiten diskriminiert werden, sondern Minderheiten. Als wenn sich Weisse beschweren müssten, sie würden von Schwarzen diskriminiert. Wenn Reinhard Möller sowas gedanklich nicht schafft, ist er ganz sicher nicht ein studierter Pfarrer! :P

Peter M. Linz, Vizepräsident der SVP Schwarzbubenland und Mitglied der AUNS, stösst – verständlicherweise – ins gleiche Horn! In dieser Partei wird die Mehrheit der Inländer auch von der Minderheit der Ausländer „diskriminiert“!

Er glaubt, „die Unfruchtbarkeit gleichgeschlechtlicher Beziehungen soll durch medizinisch unterstützte Fortpflanzung künstlich aufgehoben werden.“ Er vergisst dabei nur, dass die Techniken ausgerechnet für Heterosexuelle entwickelt worden sind, die von Natur aus unfruchtbar sind und glauben, ein „natürliches Recht“ auf Fruchtbarkeit und „eigene“ Kinder zu haben! Und in der Bundesverfassung übrigens sind alle Menschen gleichWERTIG ohne Bezug auf ihre Sexualität!

Es geht seit einiger Zeit für uns also nicht mehr darum, Unwissende, homophobe, oder störrische Gläubige aufzuklären, sondern darum, durchaus Wissende mit dem Missbrauch von falschen Argumenten zu ihren politischen Zwecken zu konfrontieren! Die verstorbene Schwulenbewegung kann nichts mehr tun. Obs die Junghomos merken?

Peter Thommen_64, Schwulenaktivist, Basel

P.S. Der ref. Kirchenrat des Kantons Basel-Stadt hat sich distanziert, desgleichen auch Pfr. Frank Lorenz von der Offenen Kirche!

Reaktionen sind erbeten auf  thommen@arcados.com

für Bibelforscher ;)

Gabriele Kuby: Die globale sexuelle Revolution

Mit anderen Worten gesagt:

Bernhard Pörksen: ”Na, ich glaube, man muss es schon ernst nehmen, aber weniger im Sinne der Medienmacher. Denn es geht ja darum, dass RussiaToday auf Deutsch ja eigentlich das Schüren von Medienverdrossenheit als journalistisches Programm verkauft. Und das ist ein durchaus hochinteressanter Versuch, weil hier – dahinter steht ja der Kreml – staatlich gelenkte Öffentlichkeit den Schulterschluss mit der Gegenöffentlichkeit, der Medienverdrossenen gegen Öffentlichkeit sucht. Also es ist die Inszenierung von Staatsöffentlichkeit als Gegenöffentlichkeit und die Entdeckung von aktueller Medienverdrossenheit als publizistische Marktlücke. Und das macht RT Deutsch, das ja sonst journalistisch wenigen Ansprüchen nur zu genügen vermag, durchaus dann interessant als Zeitindiz, als Symptom. ”(Deutschlandfunk)

Die Entdeckung von Unduldsamkeit gegenüber den Schwulen und der Verdrossenheit von Heteros als agitatorische Marktlücke! ;)

Nicht die Homosexualität ist schuldig geworden an den Nationalsozialisten, nicht die Homosexualität trägt die Schuld für den Missbrauch von Menschen. Es waren die Nationalsozialisten, die Homosexuelle für ihre Politik missbraucht haben, nach innen zum Gehorsam, nach aussen als Projektionsfläche für das gemeine Volk.

Es ist die Religion, die die Homosexualität für ihre Politik missbraucht – nach innen zum Gehorsam irgendwelchen Führern gegenüber. Nach aussen zur Projektion, um von den Machtverhältnissen abzulenken.

Denn Religion ist eine Ideologie, mit der Menschen geistig missbraucht werden können. Der sexuelle Bereich ist mit dabei. Drum wird quasi jetzt das Pferd von hinten (!) aufgezäumt.

Männerliebe war nie ein Problem, nur die Lust mit der Prostata. Amen

 

Zeitgeist und Homosexualität

Donnerstag, 23. Februar 2012

Die meisten “Normalen”, Homosexuellen und Schwulen glauben selbst, dass es nur wenige davon gäbe. Dabei hängt Homosexualität überhaupt nicht von der entsprechenden sexuellen Hauptorientierung ab. Es wird wohl mehr Homosex zwischen Männern gemacht, als nur unter Schwulen.

Die meisten vergessen auch, dass es soviele homosexuelle Männer für die ganze Pornoproduktion gar nicht gibt. Es sind zum grossen Teil heterosexuell orientierte, die das nebenbei und nicht nur fürs Geld machen…

Daher gehe ich davon aus, dass es weit mehr “Betroffene” gibt, als wir wahrhaben wollen. Aber das hatte schon Kinsey in den 40er Jahren des 20. Jh. festgestellt. Es können nur mehr geworden sein! ;)

Wir haben es erlebt, dass der Faschismus der 30er Jahre die Homosexualität vereinnahmt hatte, so sehr, dass es um Leben und Tod ging, sowohl in der Ideologie der Faschisten, als auch in der Lebensrealität der Betroffenen. Damals wusste man einfach zu wenig darüber.

Heute haben wir die Chance, die Homosexualität nicht nur verdeckt, oder im Geheimen zu leben, wie es die meisten Nicht-Orientierten bis heute tun müssen, sondern sie für ALLE Männer individuell zu integrieren. Verpassen wir diese Chance im neuen Jahrhundert, kann es nur wieder in einer Katastrophe enden!  Schon heute ist wieder sehr viel Körperlichkeit unter Männern in Form von Gewalt wiederzufinden…

Der Artikel unten als PDF, geschrieben für die Zeitschrift LUST  Winter 2011/12

Zeitgeist Homosexualität, 2011  PDF (1 MB)

Verklemmte HETEROS: “An alle, die meinen, dass es “cool” wäre, mit der Hose unterm Hintern durch die Gegend zu laufen – hier mal eine kurze Erklärung:
Dieser Trend entstand in den Gefängnissen der USA. Gefangene, die Sex mit anderen Mithäftlingen haben wollten, benötigten ein Zeichen, mit dem sie dies zeigen konnten, ohne dass die Wärter etwas davon bemerkten, und ohne dass es irgendwelche Konsequenzen haben konnte. Durch das teilweise Zeigen des Hinterns wurde signalisiert, dass dieser Häftling für das “Eindringen” durch andere zur Verfügung steht.”

Ein sieht das schon lange so, ohne in einem Gefängnis gewesen zu sein! :P

mit dem “Pädophilie”-Vorwurf gegen Schwule politisieren!

Dienstag, 22. März 2011

Es geschieht in immer kürzeren Abständen, dass „Missbrauchsvorwürfe“ gegenüber Männern in den Medien erhoben werden. Seltsamerweise nicht gegen Frauen. Die Taktik hat also eine klare sexistische Strategie. Weder wird die katholische Kirche einstürzen, noch können wir je „alle bösen Männer“ – „für immer wegschliessen“ deswegen, wie dies vor allem Frauen wollen. Dass auch Frauen sehr wohl an Übergriffen und Verbrechen an Kindern respektabel beteiligt sind, wird politisch korrekt verschwiegen oder heruntergespielt.

Das belegt eine südafrikanische Studie (siehe irreführende Berichterstattung in „20min“!), deren Resultate vor allem in deutschsprachigen Medien „politisch korrekt“ verstümmelt wurden! (Hier der Originaltext im „International Journal of Equity in Health“ und die korrekte Berichterstattung in der Montreal Gazette) (Siehe auch den Buchhinweis am Schluss!)

Doch die „Pädophilen-Verfolgung“ hat auch eine historische und eine internationale Dimension. Nicht nur die „Pädophilen-Ringe“, wovon einer gerade kürzlich aufgeflogen sein soll. (Von den letztlich übrig gebliebenen tatsächlichen Straftätern, liest frau selten etwas!) Oder die internationale Verbreitung von „Kinderpornografie“, die nach neusten Bestrebungen bis zum dargestellten oder vermuteten 18. Lebensjahr erhöht werden soll. Es fällt auch auf, dass sich die „öffentliche“ Verfolgung von Übergriffen und Verbrechen an Kindern fast nur im sexuellen Bereich abspielt. Alle anderen Übergriffe (Körperliche Gewalt, sexuell motivierte Gewalt/Bestrafungen gegen homosexuelle Kinder, Kinderarbeit, Kindersoldaten) sind wohl schicksalshaft hinzunehmen. Aber damit sind wohl die grössten Emotionen der Abscheu und damit auch die Politik ganz allgemein zu mobilisieren. (Siehe „Marche Blanche“!) Etwa ähnlich wie es die SVP mit „den Ausländern“ treibt.

Dass die „Pädophilen-Diskussion“ immer auch eine Diskussion gegen die Öffentlichkeit der Homosexualität war und ist, sollte längst allen Schwulen klar geworden sein. Leider sind deren Exponenten und auch viele Homosexuelle selbst zu feige, sich dieser Auseinandersetzung zu stellen. Und daher ist es auch noch viel zu früh, über ein „Adoptionsrecht“ für gleichgeschlechtliche Paare öffentlich zu diskutieren. Dass dies vielen Betroffenen nicht passt – ja dass viele Betroffene ohne dieses Recht grosse Probleme haben, ist mir durchaus bewusst.

Aber die „Pädophilen-Frage“ wurde aus Rücksicht auf die heterosexuelle Öffentlichkeit nie geführt und das stellt sich jetzt als Stolperstein einer bewussten und konsequenten Gleichstellungspolitik für die Zukunft heraus. Und andersherum argumentiert: Die noch verfrühte Adoptionsdiskussion zieht – wegen ihrer Emotionalität – viele Frauen und Heteros dermassen in den Stress, dass sie lieber „hintenherum“ taktieren, als sich den Schwulen in der Diskussion zu stellen. Ich glaube, beide Seiten sind ziemlich feige in diesem Thema. Wobei die Homosexuellen wohl die Verletzlicheren sind – wie immer und vor allem gegenüber den Frauen.

An diesem Punkt sollten auch die Lesben politisch ins Visier genommen werden. Ein grosser Teil der bürgerlichen Lesben wollte genau aus obigen Gründen seit Jahren keine engeren Kontakte mit der Schwulenbewegung oder mit Homosexuellen, weil sie sich ihrerseits aus der öffentlichen Schusslinie von Verdächtigungen nehmen möchten. Und andererseits wollten sie nie mit den verdächtigten Schwulen paktieren – frau kann ja nie wissen…

Doch werden allgemein die lesbische Sexualität und der Umgang von Lesben oder lesbischen Müttern mit (ihren) Kindern als viel harmloser eingeschätzt, als derjenige der Männer. Das hat nichts mit einer doppelten Diskriminierung, aber sehr viel mit der doppelten Dämonisierung von Männern und Schwulen zu tun. Dies ist historisch belegbar. Und dies ist auch klar als sexistisch zu bezeichnen! Ich habe jedenfalls gelernt, dass Lesben auch nicht erst ab dem 16. Lebensjahr, ohne einschlägige Erfahrungen, oder als erwachsene Frauen vom Himmel fallen.

Dass die „Pädophilie-Vorwürfe“ vor allem aus der rechten SPV-Ecke kommen sollte uns nicht verwundern. Vor allem nicht, wenn ihre historische und internationale Dimension zum Vorschein kommt. Denn schon in den 70er Jahren missionierte die Orangensaft-Werberin Anita Bryant mit religiösen Hintergrund: „Töte einen Schwulen für Jesus“! Wohlverstanden, Orangensaft, den die Schwulen vor allem geniesserisch in ihren Bars schlürften…

In Uganda läuft eine ganz hässliche „heterophile Schmierenkomödie“. Motiviert durch religiöse Fundis und unterstützt mit Geld aus Amerika, bringen Religiöse und religiös motivierte Politiker ein Gesetz ins Parlament, das die Todesstrafe für homosexuelle Handlungen vorsieht. Das „schlagendste“ Argument dabei ist: „Schützet unsere Kinder” (Save our children!) In dieser Diskussion darf auch nicht die Iranische Politik übersehen werden, die sogar wiederum Jugendlichen unterschiebt, sie hätten Andere sexuell missbraucht. (Und dahin schickt noch unser Bundesverwaltungsgericht einen wegen Drogenhandels verurteilten Iraner in die Ausschaffung!)

In der ganzen Pädophilen-Diskussion kommt auch immer wieder ein Grundton in meinem „Gayradar“ zum brummen, der vermuten lässt, dass für viele – vor allem Frauen – Homosexualität (nämlich der Analverkehr darin) an sich schon ein gravierender sexueller Missbrauch bedeutet. Das kommt aus ganz tiefen vorgeschichtlichen Bildern wie zB in der Bibel, in welcher die anale Penetration für den Passiven eine Entmännlichung bedeutet, die nie wieder gutzumachen ist.

Ich fordere, dass der Sexismus in der Sexualdebatte endlich aufhören muss! Also die Täterinnen mit ihren Methoden neu in die Diskussion bringen. Die Debatte über Pädophilie (was auch immer jemand/jefrau darunter verstehen mag!) muss von der Debatte über strafbare Handlungen gemäss Gesetz getrennt werden. Dann muss auch klar werden, dass Frauen als Täterinnen nicht nur gleich bestraft, sondern auch als „gleich gefährlich“ eingestuft werden müssen! (Hetero-Leserbrief-Zitat: „Ich habe schon als kleiner Knabe davon geträumt, von einer erwachsenen Frau mal so richtig verführt zu werden.“)

Abschliessend möchte ich noch auf folgendes hinweisen: Die Expertenkommission für die Revision des schweizerischen Strafgesetzes im Sexualbereich forderte ein Alter von 14 Jahren für sexuelle Selbstbestimmung (eigentlich „Schutzalter“). Der Bundesrat als Regierung, legte sich damals auf 15 Jahre fest. Das Parlament schliesslich befand 16 Jahre. Weder die Experten, noch die damaligen Bundesräte waren meines Wissens pädophil. Als einzige Politikerin erwähnte damals Elisabeth Kopp die „sexuelle Selbstbestimmung“ statt das bis heute bemühte „Schutzalter“!

Das Sahnehäubchen auf diesem Thema: Von 1942-1992 war im StGB der Schweiz die Erlaubnis zu homosexuellen Handlungen erst ab 20 Jahren gewährt. Wir waren also damals fast alle „pädophil“. Allerdings sind fast nur Männer in den Verurteilten-Statistiken (die ich mir mal in den 80ern besorgt habe) aufgetaucht. Frauen waren entweder “harmloser”, oder nicht so wichtig…

Peter Thommen, Schwulenaktivist, 61, Basel

Lies auch mein persönliches Erlebnis in der Schwulenszene

 

Emil Grabherr, Präsident SVP Luzern Land im Kurier der SVP-LU: “Bei der Gruppe der Schwulen gibt es drei verschiedene Arten. Dazu gehören nebst den in ordentlicher Partnerschaft lebende auch die männlichen Huren und die unter keinem Titel akzeptierbaren Bubenschänder.”

Anlass für diese Äusserungen:  Sexualerziehung im Kindergarten (PDF)

Auf Intervention der gaynossinnen nahm Grabherr wie folgt Stellung (PDF)

Daniel Frey:  Rechtsradikale Rhetorik der SVP

Daniel Frey:  “Bubenschänder…”

Bericht im Tagesanzeiger vom 25. März 2011

Elmar Kraushaar in der taz vom 18.01.2011 in anderm Zusammenhang: “Um einen Schwulen ins falsche Licht zu setzen, reicht das Stichwort “Pädosexualität” allemal aus, auch wenn das eine mit dem anderen überhaupt nichts zu tun hat. Irgendwas wird schon hängen bleiben!”

Vor vielen Jahren wurde schon das schwule Reisebüro “Partner Travel” wegen “Pädophilie”-Anschuldigungen unmöglich gemacht. Selbst der Spartacus-Guide kam ins Visier deswegen. Hinterher war alles erstunken und erlogen…

Aktuelles Beispiel:  Pädophilie-Vorwürfe in Irland, 2011

Nachtrag

“Auch heterosexuelle Menschen leiden unter homophober Diskriminierung; sie sind im Vergleich zu homo- und bisexuellen Menschen sogar in der Mehrzahl, wie aus den Risikoverhaltensstudien an Jugendlichen bekannt ist (Reis & Saewyc, 1999). Jugendliche, die sich als heterosexuell bezeichneten, die aber von anderen homophob diskriminiert wurden, hatten gleich hohe Suizidversuchsraten wie homo- und bisexuelle Jugendliche.

Darüber hinaus sind die Konsequenzen einer homophoben Gesellschaft für die individuelle Entwicklung – unabhängig von der sexuellen Orientierung – möglicherweise fatal, wenn Intimität zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen ausgeklammert werden muss.”

(in Plöderl: Sexuelle Orientierung, Suizidalität und psychische Gesundheit, S. 260, Beltz 2006)

Buchhinweis zum Thema „sexueller Missbrauch“: Homes, Alexander Markus: Von der Mutter missbraucht. Frauen und die sexuelle Lust am Kind. 460 S. Pabst Verlag 2005

Homes, Alexander Markus: Prügel vom lieben Gott, 141 S. Alibri erw.NA 2012

Internationaler Frauentag und Schwule?

Dienstag, 08. März 2011

An diesem Tag geht es um die Rechte der Frauen und das ist auch gut so. Am internationalen Schwulentag geht es schon lange nicht mehr um die Rechte der Homosexualität. Schon gar nicht in einer bürgerlichen Gesellschaft. Und schon gar nicht gegenüber Frauen. Leider.

Rechte bedeuten auch Verantwortung. Aber nur zu oft scheuhen Frauen diese Verantwortung und verzichten stillschweigen auf Rechte. Das tun Männer mit der Homosexualität genauso!

Weniger Rechte heisst auch weniger Verantwortung. Da sollen bei den Frauen ihre Männer her und bei den Schwulen ist dann plötzlich keiner mehr da, weil sich eben alle Beteiligten aus dieser Verantwortung für die gemeinsamen Rechte hinausstehlen…

Es stimmt, dass auch heterosexuelle Männer sich aus der Verantwortung stehlen. ZB mit dem Geld für den Unterhalt des anderen Teils ihrer Familie. Es stimmt aber auch, dass heterosexuelle Männer oft auch unter dem Existenzminimum leben müssen, gerade deswegen. Und es gibt fast nur Frauen, die wegen der homosexuellen Bedürfnisse ihrer Ehemänner, die gemeinsame Familie hinschmeissen und sich für ihre „Enttäuschung“ dann bezahlen lassen, von einem „Schwulen“. Die meisten Männer entfliehen in eine gut gesicherte schwule Parallelwelt, wie andere mit den Prostituierten – damit ihre Frauen “dies nicht tun”!

Zurück zum Wort „Ent-Täuschung“. Womit, oder weswegen haben sie sich täuschen lassen? Die meisten Mütter merken, wenn ihre Söhne homosexuelle Bedürfnisse haben und nach Männern Ausschau halten. So viele Tussis, die zu dumm sind, gibt es einfach nicht. Aber darüber bewahren sie Stillschweigen. Damit es „das in ihrer Familie“ nicht geben soll.

Kürzlich hat mich eine sechzigjährige Frau angerufen, die ihren gleichaltrigen Ehemann bei homosexueller Pornografie (legaler!) im Internet „ertappt“ hat. Wo hat die Ehefrau in all den Jahren nur hingeschaut bei ihrem Mann? Und wie hat der Ehemann in all den Jahren nur seine homosexuellen Bedürfnisse weggesteckt?

Wir merken in der ganzen öffentlichen „Pädophilie“-Diskussion auch, wie Frauen ihre (auch männlichen) Kinder schützen wollen. Das ist wohl eine löbliche Absicht, aber für die gesellschaftliche Wirklichkeit untauglich. Während ihre (männlichen, und auch etliche weibliche) Kinder selber pornografische Photos ins Internet stellen, sollen die bösen Männer, die sich das anschauen, „für immer weggeschlossen“ werden.

Dabei zeigt sich immer mehr in chats und auf Profilen, dass sich sehr viele erwachsene Männer und auch Frauen, niemals aus ihrer kindlichen Sexualität heraus entwickelt haben, oder haben können – sie sind einfach nur den Jahren nach älter, oder erwachsen geworden. Warum?

Die Entwicklung einer verantwortlichen Diskussion über den Körper und die sexuellen Bedürfnisse findet in der Normalfamilie weder zwischen den Ehepartnern, noch mit den Kindern statt. Es wäre eine zu grosse Verantwortung – für die Eltern und auch für die Kinder! Das überlässt Frau lieber der Polizei im Internet…

Das Totschweigen der Homosexualität von Kindern und Ehemännern ist erdrückend. So hat es niemals eine „Bisexuellen-Bewegung“ gegeben. Nur Diskussions- und Beratungsrunden in homosexuellen Gruppen und im Internet. Gut, manche Bisexuellen suchen sich Partner für einen Dreier mit ihrer Freundin oder Ehefrau. Ähnlich dem amerikanischen „Swingen“ – also Sex immer nur zwischen zwei Ehepaaren. Löblich? Ich denke, die Frauen sind noch nie so erzogen worden, um sowas überhaupt „durchzuspielen“. Schon die bürgerliche Ehe kommt noch nicht ohne die vielen – heute internationalen – Fachfrauen aus dem Rotlichmilieu aus!

Mütter beschäftigen sich doch lieber mit ihren Söhnen als mit ihren Töchtern. Und die Väter sind meistens homophob und ihre Ehefrauen tun fast gar nix dagegen – schon gar nicht in für Schwule lebensbedrohenden Migrantenfamilien.

Ja. Alle Verantwortung liegt wieder mal bei den Frauen? Als Schwuler muss ich mich aber immer wieder fragen: Wieso schaffen es Frauen – auch mit ihren Ehemännern zusammen, oder gar mit anderen Frauen zusammen – nicht, ihre Töchter und Söhne zu verantwortlichen Beziehungspartnern heranzuziehen? Sie erziehen Söhne so, dass die Töchter anderer Frauen wieder unter denen leiden müssen. Und sie erziehen ihre Töchter nicht so, dass die Söhne anderer Frauen wenigstens dann bei ihnen Respekt vor dem weiblichen Geschlecht erlernen…

Gerade gestern habe ich mir von einer heterosexuellen Frau sagen lassen, dass es doch für Frauen nichts Schöneres gäbe, als in einem Manne aufzugehen – aber doch eigentlich er in ihr! ;)

Mitten in meinem schwulen Buchladen. Danke! Das war grad noch vor dem internationalen Tag der Frau! ;)

Seit dreissig Jahren steht in der Verfassung ein Satz, der zwingend schliessen lässt, dass Männer und Frauen den gleichen Lohn für gleiche Arbeit erhalten sollen. Doch viel aktueller werden Frauenquoten in der oberen Wirtschaftshierarchie öffentlich diskutiert. Und heftig wird diskutiert, den jungen Frauen (natürlich wegen der Ausländerinnen!) zwischen 16 und 18 Jahren ja bald zu verbieten, für ihre Liebesdienste nur einen Centime von jemandem zu nehmen… (Dabei geht schlichtweg vergessen, dass viele Jungs ihre erwachenden homosexuellen Bedürfnisse gerne mit Geld kaschieren, um es vor sich selber nicht „aus Lust“ zu tun!) Die blöden sind immer die Freier…

In der Diskussion um den Frauentag geht es auch immer wieder um die Gewalt gegen Frauen. Danke – es gibt auch homophobe Gewalt gegen Männer. Auch von Seiten der Frauen. Nur ist dann dies die Gewalt des Schweigens, die auch sehr oft bei sexuellen Übergriffen in heterosexuellen Familien (und auf die Töchter) eine grosse Rolle spielt, aber nicht in gleichem Masse bestraft werden kann. Dabei ist nichts traumatisierender für Opfer, als wenn die Mütter ihre Kinder im Stich lassen!

Gewalt hat etwas mit Eigentumsverhältnissen zu tun. Gerade auch da, wo Frauen von den homosexuellen Bedürfnissen ihrer Männer ent-täuscht werden. Die meisten geben dann das „Familieneigentum“ – eben meist gegen Bezahlung – auf. Aber nicht das Eigentum an den Kindern. Das tun übrigens auch heterosexuelle Männer bei echten homosexuellen Bedürfnissen ihrer Frauen (nicht). Während die „lesbischen Spiele“ von Frauen eher von beiden Geschlechtern als Unterhaltung konsumiert werden. Aber niemals umgekehrt.

Das ganze heterosexuelle System ist überlebt und bringt unter uns Alle sehr viel Leid! Während unwidersprochen behauptet werden kann, andere Kulturen mit anderen Verhältnissen würden ebendies tun. Doch keine Frau und Mutter und kein Mann und Vater möchte es ändern.

Und schleichend frisst sich die Heterrorsexualität auch in die schwulen Beziehungen und Verhältnisse hinein. Wir haben uns doch schon bisher mit diesen Verhältnissen herumgeplagt. Müssen wir sie unbedingt auch noch im schwulen Bett haben?  Peter Thommen61, Schwulenaktivist, Basel

 

warum bin ich kein “barebacker”?

Sonntag, 30. Januar 2011

Zur realsexuellen Situation der Homosexualität 2010

Diesen Text widme ich:

Christen, Richi, 27.05.1959-12.02.1995,

Ratti, André, 08.10.1935-26.10.1986,

Brockel, Frank, 13.09.1969-01.12.1993

Bareback-ismus ist eine Form von eingebildeter Macht über andere Männer – zum Ausgleich von Ohnmacht (wie SM), ein schwuler Machismo sozusagen. Und wie bei diesem wird gemeinsame Verantwortung total abgelehnt.

Für alle, die noch immer nicht wissen, was das ist: Das englische „bare“ entspricht dem deutschen „Bar“-Fuss und back heisst auf deutsch „hinten“. Das Wort soll schon von den Cowboys verwendet worden sein, die ohne Sattel auf Pferden geritten haben/sind…;)

Inzwischen sollte klar sein, dass es um HIV/AIDS geht (und übrigens auch um Hepatitis – für C gibt’s noch immer keine Impfung!). Schon lange kommt es mir „schräg“ herein, wenn ich die vielen User im Internet sehe (und über die Vielen „höre“, die als Gäste in Saunen oder auch „outdoor“ ohne Kondom verkehren. Vor allem diejenigen, die „barebacking“ propagieren, virtuelle Clubs gründen und geile Versprechungen machen. Daneben sehe ich auch viele HIV-positive, die sich über Diskriminierung durch Männer beklagen, oder die mit ihren Männern Probleme bekommen, wenn auch in der Beziehung Kondome verwendet werden sollen/wollen.

Als Schwuler, der gelernt hat, oder hat lernen müssen, was „richtiger Sex“ (eindringen/ficken!) ist, genügt mir die „mechanische“ Prävention der AIDS-Hilfen schon lange nicht mehr. Und ein Schwuler ist jemand, der Homosexualität praktiziert und gelegentlich auch darüber nachdenken tut, was er macht, warum er es macht und wie er es macht. Zu vergleichen mit einem Hetero, der herumfickt und schliesslich mal Vater wird – und vielleicht dann gezwungen wird, über seinen Schwanz nachzudenken! ;)

Aus ganz bestimmten „schwulenpolitischen Gründen“ hatte ich 1997 der AHS einen Brief geschrieben, den ich als Dokument auf meinem Blog aufführe. Aus der Antwort der AHS vom 4. Februar 1998 zitiere ich:„Zum ersten haben wir uns 1997 entschieden, uns an die „jungen newcomers” und nicht generell an die “newcomers” zu wenden. Zum zweiten behandelt diese Kampagne, die einen unvergleichlichen Erfolg aufweist, das Problem des Safer Sex und nicht die schwule Revolution.“

Seit 1997 hat die Präventionskampagne der AHS einen „unvergleichlichen Erfolg“ – bei stetig steigenden Infektionszahlen. Punkt. Das sind jetzt über 10 Jahre, in denen es schlicht unterlassen wurde, über Sexualpolitik, Sexualkultur und Sexualethik öffentlich nachzudenken.

Ich führe im Internet gelegentlich „Gespräche“ mit HIV+ und Barebackern. Und ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Einen, wie die Anderen je auf einem anderen Planet leben. Es ist dies wohl Ausdruck der grundsätzlichen Situation unter Männern heute, die miteinander Sexualität praktizieren. Über ein Drittel der User auf Plattformen sind hetero oder bisexuelle Männer. Und sie unterscheiden sich nur unwesentlich in ihrem Verhalten von den homosexuellen Männern – oder auch umgekehrt…

„Halt!“ rufen jetzt diejenigen, die sich auf die verbesserte medizinische Situation, auf die neuen Medikamente und die geringe Sterblichkeitsrate der Infizierten berufen. Ich zweifle das überhaupt nicht an! Aber wenn ich diese „schwule Revolution“ zitieren darf, dann frage ich mich wirklich – „=/%@#&/=“ – hängt die Homosexualität und hängen auch die Schwulen wieder nur am medizinischen Tropf oder was? Lassen wir uns „medizinalisieren“, wie es in den 50er Jahren üblich war, als man uns mit Hormonen und Kastrationen malträtierte?

Gut, ich gebe zu: Anders als in Kuba, hat man uns sonst nirgendwo „weggesperrt für immer“, wie es den „Pädophilen“ heute droht. Das konnte verhindert werden! Aber wie ich von den HIV+ lerne, ist die Infektion für viele eine – im wahrsten Sinne des Wortes – „lebenslängliche“ Traumatisierung, die nicht einfach mit ein paar Tabletten „überlebt“ werden kann. Nebenher behaupten Barebacker jeglichen Alters immer wieder, dass sie wüssten, was sie tun!?

„…hast du das gefühl, ich weiss nicht, auf was ich mich einlasse?“ (18 Jahre)

„ich steh nicht auf gummis, ganz einfach und wenn ich mir dabei was einfange, naja, mein pech, mir egal. ist ja sowieso nicht dein problem, wirst ja wohl eh nie mit mir rummachen…“ (derselbe)

Ich will nochmals zurück zur „schwulen Revolution“! Homosexualität wird noch immer getrennt zur heterosexuellen Kultur und Gesellschaft praktiziert. Vor allem von Hetero- und Bisexuellen! Historisch gesehen waren Gesellschaften immer um Normalität bemüht. Sie duldeten ein gewisses Mass von Abweichung – wie Prostitution, Homosexualität. Solange vor allem die Männer ihre Sohnes-Pflicht fürs Vaterland erfüllten (siehe Telearena von 1978!)

Erst als sich die „notorischen Homosexuellen“ dieser familiären Kontrollen entzogen und eigene Gemeinschaften gründeten, begann die uns bekannte Ausgrenzung wirksam zu werden. Aber diese Ausgrenzung wurde nicht auf „halb- viertel, achtel“-Homosexualität gegründet. Auch spielten die Vorfahren keine Rolle wie bei den Juden. Noch heute gilt jeder Mann, über den homosexuelle Aktivitäten bekannt werden, entweder als schwul, oder zumindest doch noch als bisexuell…

Worauf will ich hinaus? Die Homosexualität ist keine Exklusivität der Schwulen, sondern die gemeinsame Erfahrung von allen Männern, wenn auch bei den meisten in verschiedenen Lebensabschnitten. Was früher bei Sexualkontakten von Älteren mit unter 20jährigen achselzuckend als „Altershomosexualität“ bezeichnet wurde, oder bei der „mutuellen Onanie“ zwischen Jungs als „homosexuelle Phase“ akzeptiert war, stellt sich heute als integrierender Bestandteil der Heterosexualität heraus. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass mehr Homosexualität unter Männern praktiziert wird, die sich NICHT als schwul, homosexuell oder gar bisexuell verstehen! Die Unterschiede sehe ich vor allem in den Umgangsformen zwischen, und den Rollenzwängen über einander. Es gibt noch immer vorwiegend heterosexuelle Umgangsformen in der Homosexualität. Ich will das hier nicht weiter ausführen, sondern darauf hinweisen, dass – zumindest Schwule – ein Bewusstsein für gleichwertigen Umgang miteinander entwickelt haben! Das wäre vielleicht die Kernmotivation für diese – ahem – von der damaligen Leiterin der AHS belächelte „schwule Revolution“.

„Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt!“ (Rosa von Praunheim, 1971)

Ich denke, dieser Satz gilt – immer noch oder schon wieder – fürs Jahr 2011! Nach 40 Jahren sind wir mit AIDS und mit dem homosexuellen Ghetto im Internet am ähnlichen Punkt angelangt. „Na ja, mein Pech und mir egal“ ist eine Haltung, die von vielen Männern wieder eingenommen wird, wie eine Art „Sexualdarwinismus“ mit dem Recht des Stärkeren. Entweder bodybuildingsmässig, oder wirtschaftlich. Wer zu schwächlich ist, kommt eben um. Und es ist „natürlich“, wenn Schwule schwächlich werden (sollen!). Es ist weniger schlimm, wenn Männer schwach werden und es geht ja niemanden etwas an, wenn heterosexuelle Männer mal „auswärts“ gehen, Hauptsache die Gesellschaft bleibt der Familie treu…

Es scheint allen Bürgern willkommen zu sein, wenn die gay community ins Internet verschwindet, die Schwulen sich auf Parties verlustieren und ihr Geld für Drogen ausgeben und an anderen Substanzen „verrecken“. Ach, ich „bashe“ wieder gegen die Heteros?

„Toleranz ist, wenn man fragt statt flucht“, schrieb Marc Pfander über seine Abschlussarbeit zu einer „schwulenfreundlichen Erziehung“. Nur, wo bleibt diese Erziehung bis heute eigentlich? Und was haben alle unsere „homosexuellen PolitikerInnen“ eigentlich getan/tun können?

Von wegen Hetero-Bashing: Ich sehe sehr viele Männer, Schwule und Bisexuelle, die sich selber „hetero bashen“. Das heisst, sie warten gar nicht erst auf irgendwelche Schlägertypen. Sie glauben, dass sie Schläge „verdient“ haben und fügen sich diese gerade selber mittels mannigfaltiger „Fetische“ zu. Ich nenne so was seit Jahren schon den „Erlösungsmythos“! (mit dem klaren Bezug zur Bibel, deren Kultur noch viele von uns geprägt hat) Ich will von der Tunte Ratzinger gar nicht anfangen zu reden…

Ich bin der Überzeugung, dass das ewige Lästern über ein angeblich nicht notwendiges coming out (nämlich die Erlösung von der Geheimnistuerei und der Steinwurf ins heterosexuelle Schaufenster), die notorischen Forderungen von „nichtschwulen“ Männern nach Diskretion („ich bin verheiratet und will das auch nicht ändern!“) und der hetero Stress bei der Suche nach dem ultimativen Fick, eine Wieder-Integration der homosexuellen Bedürfnisse in die Normalität verhindern, weil dies die herr- und frauschende ideologische Normalität sprengen und die versteckt gelebte Realität offenbaren würde. Stattdessen verzettelt sich die öffentliche Diskussion in Patchworkfamilien, Transen, Gender, Transvestiten, Lesben, Bisexuelle, Doppelsexuelle, Ambisexuelle und Asexuelle… Neue Kategorien in alten Schubladen – wie oben angeführt!

Ich bin auch der Überzeugung, dass die so genannte heterosexuelle „Mehrheit“ genauso eine Minderheit ist, wie die Homosexuellen. Die Mehrzahl der Männer tut beides – aber nach heterosexuellen Regeln. Da hat eine „schwule Revolution“ keinen Platz, ist sowieso „politisch nicht korrekt“ und im aktuellen Femi-Sexismus haben Männer keine Lobby – die Schwulen schon gar nicht (weder links noch rechts).

Im Bewusstsein, dass dies alles zusammenhängt und die Infektionswege mit HIV vielfach verschlungen sind, bis weit in die heterosexuellen Familien, kann ich mir Barebacking einfach nicht vorstellen! Aber ich kann mir gut vorstellen, dass – wahrscheinlich die wichtigste „heterosexuelle Regel“, der nachgelebt wird – wie folgt heisst: „…bei euren Dates ist jeder für sich selber verantwortlich!“ (Barebacking-Club) – denn so haben es seit je die heterosexuellen Männer mit den Frauen „getrieben“ (sh. „ledige Mütter, Prostitution, Abtreibungen“)

Es ist also nicht die Tatsache, dass in Afrika keineR von Schwulen oder Homosexualität redet, wenn es um die vielen heterosexuellen infizierten Frauen und Männer geht. Es ist also nicht die Tatsache, dass ich wegen AIDS viele Bekannte und gute Freunde verloren habe! Aber ich habe in der Schwulenbewegung gelernt, dass wir ein Teil in der Gesamtgesellschaft sind und auch Einfluss auf diese haben können! Wenn jeder nur für sich selbst verantwortlich ist, dann pfeife ich – „=/%@#&/=“ – auf das ganze Partnerschaftsgesetz, worin eh nirgendwo das Wort Sexualität enthalten ist, auf die Adoptiererei und sämtliche Leihmütter der Welt für Christiano Rinaldo, Ricky Martin und Andere…

Mein Frage zum Schluss ist: Wann werden endlich die Probleme diskutiert, die Männer im Kopf haben, wenn sie unsafen Sex praktizieren, oder aktiv Barebacking betreiben oder suchen? Was bringt einen Mann dazu, sich von seinem Partner/Geliebten infizieren zu lassen, um „mit ihm eins“ zu sein? Was bringt HIV+ dazu, sich an Anderen dafür zu rächen? Warum gibt es – vor allem schwule – Männer, denen ihr Leben sozusagen „nichts wert (geworden) ist“?

Heterosexuelle Verhältnisse bringen heterosexuelle Probleme. Aber eben keine „schwule Revolution“ – und in welchen Augen ist das „gut so“?

Peter Thommen, Schwulenaktivist, Basel

Hier eine “wohlwollendere” Meinung zum bb (PDF 1,8 MB)

P.S. Zur Illustration empfehle ich folgende Bücher zur Lektüre:

1. Airen: Strobo

2. Froehling: Langer Nächte Tag

3. Langer: Beschädigte Identität (Inhalt)

Die Presse für den homosexuell aktiven Mann trampelt sich auf den Füssen herum.

Freitag, 29. Oktober 2010

Die (deutsch-) schweizer Magazine für Schwule trampeln sich immer mehr auf den Füssen herum. Die Einen haben Szene-Werbung und die Anderen holen sich das Geld bei heterosexuellen Firmen (wie Nivea) – oder mixen beides zusammen. Doch warum sind sie gratis?

Das liegt zum Einen in der Tradition der Diskriminierung. Homosexuelle wollen und wollten schon immer „diskret“ und anonym bleiben. So abonnierten sie höchstens das Gedruckte jeweils in neutralem Umschlagversand. Früher war der Kauf an Kiosken von „sowas“ schlicht unmöglich und in den 70er Jahren erklärten mir die grössten Kioskfirmen der Schweiz auf Anfrage, dass für „so was“ keine Nachfrage existiere. Das änderte sich dann mit dem Import der auflebenden Homo-Blätter aus Deutschland. In den beiden letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts wurden die schweizer Magazine dann mit Verkaufspreisen versehen und doch noch in die Kioske gebracht. (hey, Kontakt, anderschume)

Doch der grössere Teil der Auflage wurde immer gratis verteilt – im „Milieu“ – oder gegen Gebühr an Mitglieder verschickt. Kein Barman hätte Zeit gehabt, auch noch Magazine zu verkaufen.

Der Kontakt war das verbreiteste Magazin der neueren Zeit in unserem Land. Neben dem Du&ich und anderen Importierten. Das Magazin heisst heute „display“ und übernahm kürzlich quasi das finanziell darbende AK, das in der Schwulenbewegung mal als „anderschume“ lanciert worden war. Anderschume wiederum hatte seinerzeit das Kontiki, das von einem ex-SOH-Mitglied (Janul G.) als Konkurrenz von hey (SOH) und Kontakt auf den Markt gekommen war, übernommen.

Neben den traditionellen Gruppen-Blättchen wie „Schildchröttli“, Osservatore Homano (BL) HaZ-info, etc. gab es einige Versuche – auch von mir – regelmässige Informationen zu etablieren.

Der Cruiser aus Zürich, der es heute noch „wagt“, unter den Titel zu schreiben „dieses Magazin ist schwul“, hat als einziger von diesen überlebt. Es gab mal den Versuch, das Basler „come out“ mit ihm zu vereinen. Das erwies sich aber in der inhaltlichen Zusammenarbeit als unmöglich! ;)

Fortan erschien der Cruiser in Zürich und der Thommens Senf/Pinktube in Basel. Letzterer über Jahre sogar wöchentlich…

Nun erschien vor einem Vierteljahr ein neues Magazin in Bern. „Mannschaft“ sein Name und so wenig „einschlägig-ausgrenzend“  ;)   wie möglich. Junge Kommunikatoren, Grafiker und Fotografen nützen ihre Kontakte, um für ihre Arbeit grad auch Werbung zu machen.

Im arcadosbuchladen-info vom Oktober schrieb ich: „Mannschaft – ein Magazin ohne Vergangenheit – einfach „der neuen Generation – vielleicht einem Laptop entstiegen.“

„Für die Jungen mag es sehr wichtig sein, sich abgebildet zu sehen, seine Welt auch gedruckt zu erleben, die doch so schnelle Bilder produziert im Internet und auf DVD. Auch findet der Jung-Homo die ersehnte Bestätigung, dass seine Wünsche und seine Schwüre nicht umsonst seien, weil es gibt auch andere Junge, die „so denken“ – farbig auf Papier…“ (S. 1)

Und auch dieses Magazin erhält mann gratis und sogar diskret zugesandt. Ob wohl heute mehr Homos es wagen, „sowas“ zu abonnieren?

Im neuen „display“ vom November kam mir folgender Text unter die Augen: „Der Aufbau des neuen Magazins ist sehr stark an das bereits bestehende display angelehnt, teilweise sogar abgekupfert. Inhaltlich bringt Mannschaft nichts neues… Es macht keinen Sinn, im kleinen Wirtschaftsraum der Deutschschweiz ein zweites schwules Magazin aufzulegen.“

Die Leserzuschrift ist gut sichtbar platziert! (S. 7)  ;)

Tja, wenn sich die Magazine alle um die „neuschwulen“ bürgerlichen Politiker raufen, nette Stories über ältere „verheiratete“ Männer und über schwule TV-Ikonen, oder landesweite Schönlinge bringen, nebst Produktinformationen und Reise- und Skiweekend-Tipps, wird das wohl im Sinne junger Leser sein!

Aus irgendwelchen Gründen sind übrigens die Kontaktanzeigen aus den Gratis-Magazinen verschwunden. Es gab wohl zu viel Arbeit und die Dienstleistung wurde zu teuer. Aber nicht jeder Mann, der Kontakte sucht, hat einen eigenen Computer zur Hand, vor allem wenn er schon älter ist, oder eine Freundin oder Ehefrau hat…

Als Abkömmling der Schwulenbewegung und steter Kritiker frage ich mich heute – angesichts des schön bedruckten Papiers und der teuren Konsumwelt – wie lange das noch geht in wirtschaftlich schlechten Zeiten. All das Geschaute, Konsumierte, die fantasierten Träume im Internet – wie voll sind wohl die „Festplatten“ im Kopf geworden? Es wäre an der Zeit, dass Jung-Homos ihr Hirn zwischendurch mal „defragmentierten“, um Platz für ihre kommenden Lebensjahr(zehnt)e zu machen.

HIV-Infektionen und AIDS-Therapien steigen kontinuierlich an, statt zu sinken, wie insgeheim immer wieder kolportiert wurde. HIV wird wohl nicht die letzte problematische sexuelle Infektion, die auch uns trifft, sein. Aber alle glauben das unausgesprochen. Aber welches Medium übernimmt eine verantwortungsvolle Kommunikation über das Sexualverhalten?

Nach den begeisterten Verpartnerungen kommen jetzt die Scheidungen und rechtlichen Auseinandersetzungen. Das Hängen an eingegangenen Verpflichtungen – wie bei den Heteros!

Aber welches Medium übernimmt eine informative Kommunikation darüber?

Die Prostitution breitet sich immer mehr aus unter den Männern, die mit Männern Sex haben wollen. Vom harmlosen Taschengeld, über die wunschgerechte Massage, bis zur teuren Nachtbuchung. Das Strichermekka in Zürich mag manche Bedürfnisse befriedigen – aber führt es auch zur Zufriedenheit bei Schwulen und Männern in einem stark schwindenden „Milieu“?

Es stimmt nachdenklich, wenn ich – der ich in verschiedenen Kontaktplattformen präsent bin – von braven Usern aus dem Purplemoon dann im berüchtigten Gayromeo geblockt werde, damit ich nicht mitbekommen soll, dass das verliebte Paar dort die sexuelle Abwechslung sucht…

Die (hetero)sexuelle Doppelmoral breitet sich aus in der „homosexuellen Welt“. Heterosexuelle Lebensweise und Moral produzieren auch „heterosexuelle Probleme“. Die will ich aber jetzt nicht alle aufzählen. Ich will nur daran erinnern, dass die reale Welt der Homosexualität auch aus Problemen und Lernprozessen besteht, die nicht nur viele Jung-Homos als „Belehrung“ von sich weisen und die nicht Eingang finden in die wichtigen Kommunikationskanäle der Betroffenen. Neben der geglätteten Schönheit und den Crèmes und Wohnungseinrichtungen sollte doch noch Platz sein für ein Viele betreffendes Problem, das nicht nur unter „Beratung“ abgehandelt wird.

Aber da ist wohl seit einiger Zeit „der Faden gerissen“. Der Regenbogen ist zwar unser Symbol geworden – der rosa Winkel wurde abgehängt. Wir sind nun endlich bei einer richtig heterosexuellen Homo-Regenbogenpresse gelandet. Was für eine Errungenschaft!?

Peter Thommen60, Schwulenaktivist, Basel

zwar schwul – aber ein guter svp-ler…

Dienstag, 01. Juni 2010

Ist die gay svp nur ein Pfahl im mütterlichen Fleisch, oder kann sie bei den sieben Vätern auch missionieren? (= eindringen)

Die vierzig wackeren Gründungsmitglieder sind davon wohl ebenso überzeugt wie die Gründer der „Homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich“ im Jahr 1972. Letztere konnten damals schon auf ein sympathisierendes Ohr der NZZ und des Tagesanzeigers zählen…

Im linken Magazin „focus“ erschien 1973 eine öffentliche politische Diskussion unter dem Titel: „schwul – aber ein guter Freisinniger“. Die „bürgerlichen Schwulen“ waren nämlich schon am Anfang der öffentlichen Schwulenbewegung ein Thema. Doch hat es jetzt 40 Jahre gedauert – bis kurz nach Einführung der „Eingetragenen Partnerschaft“ als bürgerliches Lebensmodell, bis sie sich getraut haben, sich öffentlich in bürgerliche Parteien „einzunisten“. Um die SVP hat das natürlich Staub aufgewirbelt.

Ich bin 1973 zur Schwulenbewegung gestossen, über einen Artikel, den ich im linken Magazin „focus“ gelesen hatte. Ich zitiere diejenigen Punkte, die auch heute noch diskutiert werden müssen!

(1973) „In den politischen Parteien haben wir noch keine eigentliche Unterstützung gefunden, obwohl man annehmen sollte, dass eine so grosse Gruppe wie die der Homosexuellen ein gewisses Potential darstellt. Es gibt Gruppen, die viel kleiner sind als wir, für die setzt man sich ein.“

„Ich gehe vom sozialpolitischen Standpunkt aus, weil ich aus eigener Erfahrung weiss, dass viele Schwule aus katastrophalen familiären Situationen herauskommen, an denen unser herrschendes System Schuld ist. Ich unterstütze jede Organisation, die auch in der Beziehung dafür sorgt, dass ein Mindestmass vorhanden ist, der es dem Geringsten von uns ermöglicht, ein menschenwertes Leben zu leben.“ (Edi, SOH, in focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

focus: „Das sind Forderungen, die so auch das fortschrittliche Kapital auf seine Fahnen schreiben kann, weil sie langfristig durchaus in seinem Interesse liegen.“

(Peter Baumann, focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

Vielleicht erhellt nachfolgende Stelle Gründe für eine „verspätete bürgerliche Politisierung“ etwas mehr…

„Ich möchte da mal noch auf einen anderen Punkt zu sprechen kommen: Wir sind sehr progressiv im Reden. Dabei wissen wir aber ganz genau, dass unter den Schwulen der grösste Teil stock-konservativ ist, stock-konservativ erzogen wurde und sich auch stock-konservativ verhält. Vor allem zwei Dinge fallen da auf: Es gibt bei uns Typen, sagen wir mal Direktoren, die den ganzen Tag die Möglichkeit haben (und von dieser Möglichkeit auch Gebrauch machen) mal einen Linken, Langhaarigen aus der Bude rauszuschmeissen, weil der schwul ist, und die dann am Abend im Park genau diesen Gay aufreissen und der ihnen für die ganze Nacht recht ist. Zum anderen haben wir die Erfahrung gemacht, gerade in unserer Organisation, dass diese Direktoren und andere sogenannte “gutgestellten Leute” sich vehement dagegen sträuben, dass junge Leute da in den Club (hey, ehem. Nähe Bellevue, PT) kommen und etwas Neues zu machen versuchen. Daran sind sie nicht interessiert.“

(Erwin, SOH, in focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

Je bürgerlicher also, desto „angepasster“ an diese Normen, welche „von Natur aus“ die sichtbare Homosexualität ausgrenzen. Das beobachte ich auch bei den Bisexuellen. Bis jetzt hat sich keine öffentliche Sichtbarkeit dieser „Sexualpräferenz“ ergeben. Die Metrosexualität ist nur ein modisches Klischee, hinter dem mann allenfalls seine homosexuellen Bedürfnisse verbergen kann. Wichtiger ist immer noch, als Hetero aufzutreten! Und als „halb-hetero“ ist er ja „noch nicht ganz verloren“… Bürgerlich gesehen ist eben Männlichkeit wichtiger als irgendwelche Formen von „Weiblichkeit“, die an Homosexuellen und in der Homosexualität (anale Penetration) vermutet werden. Mir ist in den letzten Jahren auch aufgefallen, dass Bisexuelle auch nicht bereit sind, das „Stigma“ mitzutragen und einen Beitrag zu leisten an einen Abbau der Diskriminierung. Wichtig aber auch, festzuhalten, dass Bisexuelle vor allem von (ihren) Frauen diskriminiert werden!

„Aber noch zur konservativen Haltung der Schwulen: Das hängt mit dieser Unsicherheit zusammen, mit dieser fundamentalen sexuellen Unsicherheit. Diese Zwangssituation im Ghetto führt im übrigen Bereich zu einer Überanpassung. Wenn man da etwas lockern kann im sexuellen Bereich, dann hört auch die Überanpassung auf.“ (Martin, HAZ, in focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

Ich denke, der Zusammenhang ist richtig, aber die Schlussfolgerung hat sich bis heute als falsch erwiesen! Weder die Lockerung des „schwulen Ghettos“ (also auch seine Kommerzialisierung), noch die Lockerung der sexuellen Vorschriften haben die „Überanpassung“ an die bürgerliche Gesellschaft verhindert.

„Dass die meisten Schwulen im Moment überangepasst sind und eine konservative Haltung einnehmen, hängt damit zusammen, dass sie in allen Bereichen, wo sie nicht so vital betroffen sind – oder wo sie meinen, nicht so vital betroffen zu sein -mit den Wölfen heulen wollen und päpstlicher als der Papst zu sein versuchen, wenn die Leute dann nur wenigstens zur Haltung kommen: “Er ist zwar schwul, aber er ist ein guter Freisinniger.”

(Michael, HAZ, in focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

Die gay-svp beruft sich auf das Programm iher Väterpartei: Erstmal wird die Freiheit, die als Gegensatz zum Staat verstanden wird, gross geschrieben. Obwohl nicht die SVP unsere Rechte und Grundfreiheiten garantiert, sondern der Staat, an dem sie ja als „grösste Partei“ auch immer mehr teilhaben will… ;)

gay-svp: „Wir stehen zur Politik der SVP und unterstützen das Parteiprogramm vollumfänglich. Wir sind für die Ausschaffung krimineller Ausländer, sind gegen den EU-Beitritt und stehen ein für eine unabhängige Schweiz und ihre traditionellen Werte ein.“

Also genauso wenig wie die Heteros wollen sie sich überlegen, woher und warum „kriminelle Ausländer zu uns kommen und ob diese Migration vielleicht selbst mit verursachte, wirtschaftliche Gründe haben könnte. Und genauso wenig wie viele „Scheinehen“ können damit „Scheinpartnerschaften“ verhindert werden!

Unklar ist, was die traditionellen Werte der Schweiz sein sollen. Wahrscheinlich die Werte der SVP (ehemals Bauern- Gewerbe- und Bürgerpartei). Vielleicht sind sie aus dieser alten Bezeichnung ableitbar.

Die gay-svp unterstützt die Petition für die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare – und das geht wohl am besten in einer eingetragenen Partnerschaft. Ok. Aber was soll dieser Satz: „Auch gleichgeschlechtliche Paare werden ihre Kinder somit eher aus dem Ausland adoptieren. Diese Kinder erhalten damit eine Chance anstatt auf der Strasse oder in schlecht geführten Kinderheimen in einer geborgenen Atmosphäre aufwachsen zu dürfen.“

Völlig übersehen wird die Tatsache, dass Homosexuelle aus schlecht geführten Kinderheimen wohl eher in der Lage sind, über die traditionell-heterosexuelle Familie hinauszudenken und die in „einer geborgenen Atmosphäre“ aufgewachsenen Homosexuellen wissen auch, dass sie mit ihrer Orientierung darin etwa genauso wie „auf der Strasse“ oder in einem „schlecht geführten“ Kinderheim aufwachsen“ durften… (Ich pauschalisiere absichtlich! Ihr wisst schon, was ich meine.)

„In vielen Ländern sind Homosexuelle Verfolgung und Bedrohung an Leib und Leben ausgesetzt. Wir unterstützen Bestrebungen, diesen Menschen mit allen unseren Möglichkeiten (Aussenpolitik, Förderungsprogramme, Aufnahme in der Schweiz) gezielt zu helfen und sie zu unterstützen.“

Das ist sehr lobenswert und in deren Heimatländern langfristig auch wirksam. Aber wer entscheidet, wer und wie viele davon „Aufnahme in der Schweiz“ erfahren dürfen? Es sind Heteros – und ich kenne keine der Stellen, in denen vielleicht irgendwo eine Regenbogenfahne steht, die signalisiert, dass auch Homosexuelle willkommen wären, denn homosexuelle Flüchtlinge werden – aus ihrer Erfahrung zuhause – mit ihrer Orientierung hier keine Flagge zeigen!

„Es ist unsere Überzeugung, dass der schleichenden Islamisierung unserer Gesellschaft entschieden entgegen zu treten ist. Die Intoleranz gegenüber Homosexuellen, welche vor Verfolgung bis hin zur Tötung nicht zurückschreckt, ist gerade in islamistischen Kreisen besonders stark. Und deshalb muss das Minarett, als Machtsymbol für die Unterdrückung Andersdenkender, verboten werden.“

Da kann ich als einheimischer evangelischer Schwuler nur meine Augen aus dem Kopf staunen, wie geschichtslos und ignorant die gay-svp gegenüber der eigenen christlich-katholischen Kultur und ihren Machtsymbolen mit Türmen, Kathedralen und sogar Glocken, ist. (Stichworte: Kriminalgeschichte des Christentums. Mormonen, Zeugen Jehovas und alle diese Jubelkirchen in den USA – und neustens auch in Afrika/Uganda!) Ich erinnere auch daran, dass alle die Gruppierungen wie „Homosexuelle und Kirche“ (HuK) in Jahrzehnten vielleicht Bewegung in die evangelische Kirche, aber keine Rasierklinge zwischen das Gestein der katholischen Kirche gebracht haben.

„Wir sind besorgt über Entwicklungen, die die traditionelle Familie bedrohen. Diese Initiative verlangt die Gleichberechtigung fremd betreuender Eltern mit solchen, die ihr Kind zu Hause aufziehen. Beide Familienformen sollen Anspruch auf Steuerabzüge haben. Auch als Homosexueller kann man für eine traditionelle Familie einstehen.“

Diese traditionelle – hier vor allem Klein- Familie, die ihr Kind zu Hause aufzieht, es vielleicht gerade noch zur Schule gehen lässt, aber sonst „gut behütet“, erlaubt es gerade NICHT, einem homosexuell orientierten Kind Alternativen zur Heterosexualität kennen zu lernen. Denn diese traditionelle Familie ist homophob und vor allem an der weiteren Fortpflanzung interessiert, damit das eigene Leben in die „Ewigkeit“ verlängert wird, wie es die Religion auch verspricht! Unter diesem Aspekt ist die Behandlung der Homosexualität an Schulen eine lobenswerte Unterstützung der gay-svp, aber letztlich nicht im Interesse einer „traditionellen Familie“. Gerade, weil „fremd betreute“ Kinder auch mal Kinder aus „anderen Familien“ zu sehen bekommen, wären Erziehungsabzüge bei den Traditionellen keine wirkliche Investition in die „soziale Bildung“.

Mein Eindruck von der gay-svp ist eher einer von einem Pfahl im Fleisch, mit Konzessionen an verschiedene Werte, die auch das Selbstbewusstsein von Homosexuellen – gerade in der Familie – anfressen. Dabei wird Sexualität – in gewohnter typischer Art als „Privatsache“ erklärt, um die Widersprüche nicht sichtbar werden zu lassen – genauso wie bei den Heteros. Hier die Familie und dort die Langstrasse… Das Eine hat angeblich mit dem Anderen ebenso nichts zu tun, wie ein schwuler Direktor mit einem schwulen Angestellten. Erst beim Fick im Park oder der Sauna. Aber das haben wir doch schon 1973 diskutiert.

Die Erfahrungen mit schwulen Kandidaten auf hetero Parteilisten haben gezeigt, dass von ihnen mehrheitlich heterosexuell geprägte Politik gemacht wird. Da versickern schwule Anliegen gleich durch Anpassung – auch bei den Linken!! Und soll mir einer glaubhaft erklären, ob das Gesetz über die „eingetragene Partnerschaft“ unter Bundesrat Christoph Blocher (Justiz) bis heute jemals geboren worden wäre! Das habt Ihr vor allem der CVP und ganz persönlich der Ruth Metzler zu verdanken!

Peter Thommen60, Schwulenaktivist, Basel

 

Hier der Link zur focus-Diskussion 1973

Hier der Link zum Programm der gay-SVP

Hier der Link zur HAZ (Homosexuelle Arbeitsgruppen Zürich) auf  http://www.schwulengeschichte.ch

In der Suchfunktion kannst Du alle Infos darüber auflisten!

SOH (siehe auch in der Suchfunktion!)

 

und hier noch der Link zum Brief der Gaynossinnen and die gay-svpler

ficken, ficken, fallen lassen

Montag, 12. April 2010

Vor einiger Zeit befand ein Weltwoche-Journalist, “die Gesellschaft” würde immer mehr von Schwulen „homosexualisiert“. Ich weiss nicht, wo ihn der Aff gebissen hat, jedenfalls war es kein schwuler – aber ein homophober! :P

Doch nun zum Ernst der Sache! Wer wird hier wie sexualisiert? Meine Beobachtungen und Erfahrungen sind zwar nicht repräsentativ – aber symptomatisch. Immerhin bewege ich mich seit gut 10 Jahren im Internet, das die aktuellsten Informationen und Diskussionen anbietet.

Ich bin nie ein Analerotiker gewesen. In meiner Jugend behaupteten auch die meisten Homosexuellen, dass sie „so was“ nie tun/lassen würden. Alles Lüge! In 40 Jahren Erfahrung habe ich lernen können und müssen, dass eigentlich Männer die Homosexualität quasi gleichsetzen mit Arschficken. Spätestens seit 30 Jahren ist es aber offensichtlich: Der Anus ist immer noch der gefährlichste Infektions-Ort für HIV. Und es ist nicht zu leugnen, dass die anale Penetration vielen Männern und Schwulen genauso „heilig“ ist als sexueller Tummeplatz, wie sie für die katholischen Kirche eine todeswürdige Sünde darstellt.

Der Arschfick ist sowohl den Heteros eine würdige Alternative zum vaginalen Koitus (mit jahrhundertealter Verhütungswirkung), als auch vielen homo- und bisexuellen Männern eine hetero-ver-gleichs-wertige Sexualpraktik. Sogar die historische Psychologie findet, die (vaginale) Penetration sei zugleich End- und Höhepunkt der psychosexuellen Entwicklung eines Menschen. Daher wurden auch andere Sexualpraktiken immer entwertet oder gar verboten, obwohl die Realität und die Sexualforschung gezeigt haben und weiterhin zeigen, dass die „Missionarsstellung“ zwar für die Fortpflanzung unersetzlich ist, aber für den Genuss weit herum nicht als einzig gilt.

Das Thema schlich sich gerade heute wieder in ein Gespräch beim Coiffeur ein, wobei ein 30jähriger Italiener bemerkte, dass es „da unten“ ja auch dreckig sei. Tja, für die Vaginalhygiene sind natürlich die Frauen verantwortlich und in früheren Jahren habe ich mich auch immer wieder gefragt, wieso Mütter, Freundinnen und Ehefrauen stinkende Pimmel und Phimosen bei den Boys und Männern einfach so akzeptiert oder „übersehen“ haben. Da bleibt wohl dann für den Darm und den Anus keine Zeit mehr übrig… Wer wird hier wie sexualisiert? Eben!

Nicht zu übersehen ist in den letzten Jahren der „Andrang“ von Hetero- und Bisexuellen in die Kontaktplattformen der Gays. Etwa 30 % beträgt der Anteil der „offen deklarierten“ Bi-User da drin und für die Klemmer, die nichts angeben, dürfen wir ruhig noch 20 % dazu rechnen, ohne unrealistisch zu sein. Wir Schwulen ficken also schon lange mit vielen Heteros und Bisexuellen herum. Aber dies wird von Schweigen gedeckt – wie in der katholischen Kirche. Diese Normalos tragen auch ihre Vorstellungen vom „richtigen Sex und Fick“ hinein in unsere „Szene“ – dokumentiert in Profilen und Foren im Internet!

Ich bin dagegen, dass alle Männer, die irgendwo und irgendwie einen anderen Schwanz in die Hand nehmen, den „Schwanz blasen und ficken lassen“ (alles nur aktiv – wie der hier zitierte „Yugo“) als Schwule gezählt werden. Genauso irreführend sind die Zahlen über die angeblich 95 % Heterosexuellen in unserer Gesellschaft! Homosexuelle Handlungen sind ein integrierender Bestandteil der heterosexuellen Kultur. Und keiner wird zum Schwulen, nur weil er einen Anderen bläst oder sich etwa gar ficken lässt! (Das behaupten nur die Bibel und der Koran! Und die hatten nie eine Ahnung von so was! Und die „göttlich inspirierten“ Übersetzer nie eine Ahnung von orientalischer Männerkultur!)

Es ist auffällig, wie Heteros und Bisexuelle zum grossen Teil ihre homosexuellen Bedürfnisse „entsorgen“! Meistens dann, wenn die Freundin weg ist, sie sturmfrei haben (Chatbeobachtung), oder die Ehefrau in der Kur. Dann möchten sie oft nicht in die komfortablen Einrichtungen von Gays gehen, weil ihnen das dann irgendwie doch zu schwul ist. Ein grosser Teil der Kontakte findet an anonymen Orten statt, die von Schwulen schon längst nicht mehr so intensiv frequentiert werden, wie Parks, Autos, Waldstücke; und die neuen öffentlichen Toiletten eignen sich auch nicht mehr für gleichgeschlechtlichen Sex. Es gibt zum Beispiel auf einer Google-Map für Bern eine grosse Übersicht über alle Treffpunkte und Toiletten in Bern und auf dem Land rund herum (in einem Forum anonym gefunden), die laufend aktualisiert wird. Man kann hier feststellen, dass „die Gesellschaft“ die homosexuellen Handlungen generell eben noch immer ausgrenzt und diskriminiert. Sie aber wenigstens bei „ den Homosexuellen/Schwulen“ toleriert.

Ich möchte aber auch darauf hinweisen, dass diese homosexuelle „Welt“ nicht nur in den Köpfen von Heteros und Bisexuellen aus ihren realen Lebenszusammenhängen abgespaltet ist. Diese Welt wird ganz offensichtlich und heimlich um alle Mütter, die Freundinnen und Ehefrauen herum gelebt! Und dies ist sehr oft mit Stress gekoppelt. Dass 30 % von befragten Bisexuellen in Australien (eine ältere Umfrage) lieber sich selber umbringen würden, als ihren Frauen gegenüber offen zu sein, passt – wie Ihr mir hier vorwerfen könnt – ganz gut da hinein!

Wie kann ein Schwuler aber gegenüber „diesen Frauen“ einen Vorwurf erheben, wenn diese „armen Betrogenen“ (?) doch von all dem nichts wissen und sehen können (wollen!)? Lasst es mich hämisch repetieren: Auch Phimosen und stinkige Pimmel interessieren niefrauden! Und um das Glas vollzumachen: Schon Shere Hite hat in den 80er Jahren festgestellt, dass es die wenigsten Mütter überhaupt schaffen, ihren Töchtern von der Periode zu erzählen, bevor diese sie bekommen haben. Viele Mädchen (die sie immer jünger bekommen) glauben, sie würden verbluten und müssten sterben dabei. Doch offenbar wird die dadurch verursachte Traumatisierung als nicht so schädlich betrachtet, wie spätere sexuelle Uebergriffe.

Weil der Analfick im Zentrum der heterosexuellen Homosexualität steht, bildet sich um ihn herum Stress, eine unbegründete Höherbewertung und viele falsche Vorstellungen über die Rolle des Mannes beim Fick! Viele Heteros haben nach einigen Jahren Mühe mit der fast ausschliesslichen Missionarsstellung in ihren Ehen und Beziehungen. Ihre persönlich entwickelten Vorstellungen über Frauen und Mannsein waren ein wesentlicher Teil ihres Rollenspiels beim Sex. Doch diese legen sich mit der Zeit – dann eben gegen die hetero Realität an. Auch werden „andere Bedürfnisse“ von Männern im Zusammensein mit Frauen niemals befriedigt. Und Frauen, die etwa darauf Bezug nehmen und sich auf „homosexuelle“ Spiele mit ihren Männern einlassen, sind sehr selten. Weil, auch sie finden das da unten meist „grusig“.

Sehr viele Männer haben die Heterosexualität so sehr psychisch verinnerlicht, dass sie sich selber nur in der Rolle einer Frau gegenüber der Sexualität eines anderen Mannes sehen können. Die verschiedenen „Damenaccessoires“, die weitherum von Männern „getragen“ werden (“Damenwäscheträger”), sind nur das Symptom einer verkorksten Identität und haben nichts mit Travestie oder Transsexualität zu tun. Wichtiger scheint mir deren innere Einstellung gegenüber anderen Männern und Homosexuellen zu sein. Dabei halte ich mich an die als „Fantasien“ und „Fetische“ definierten Erscheinungen und Verhaltensweisen von Männern „verschiedenster Orientierungen“.

Wobei ich immer mehr anzweifle, ob diese Orientierung/en (nach dem einen oder anderen, oder beiden Geschlechtern) wirklich vorwiegend und entscheidend sind, und nicht vielmehr Sexualpraktiken und sogenannte Fantasien und Fetische dieselben wie Dominosteine abgelöst haben.

Es könnte durchaus sein, dass die eigene fantasierte Rolle aus den heterosexuellen Realitäten viel wichtiger geworden ist, als ein Sexualpartner oder eine Sexualpartnerin als Person. Egal ob homo-, bi- oder heterosexuell praktiziert. Dass viele Heteros die Frauen weniger als reale Sexualpartner sehen, als vielmehr Trägerinnen ihrer eigenen irgendwie „erschaffenen“ Fantasien über Frauen, haben wir in den letzten 40 Jahren kritischer Reflexion – auch von Frauen – gelernt.

Die Veränderung der Männer ist aber viel unbeachteter und ohne das generelle Interesse der Gesellschaft und ihrer Einrichtungen erfolgt. Es ist zwar offensichtlich, dass mehr Männer (nicht nur Jüngere und dann wieder ab 50 Jahren) ihre homosexuellen Bedürfnisse (auch noch) befriedigen wollen, aber die Art und Weise, wie dies so verschraubt und verklemmt geschieht – trotz Emanzipation der Homosexuellen – ist bedenklich.

Vielleicht fällt mir als Schwuler die Egozentrik der Männer mehr auf als Anderen? Die Flucht in sogenannte Rollenspiele, die Verbreitung des Fetischs “Schuhe und Socken”, was auf eine passive Rolle schliessen lässt, und nicht zuletzt der neueste Trend, sich nicht nur Körperhaare, sondern auch gerade noch die Schamhaare abzurasieren. Diese Suche im typisch weiblichen Rollenverhalten zeigt sich nicht nur an Kleidern und Accessoires und an den trendig gestylten Frisuren! Auch hier ist anzumerken, dass dies nichts mit Travestie oder Transsexualität zu tun hat!

Es ist ein alter Hut, dass immer mehr sichtbar schöne Männer in der Gesellschaft auch die Männer nicht unberührt lassen können, nicht nur die Frauen. Aber es gibt inzwischen auch „neue Hüte“! Wie wirkt eine gewisse Art von selbstverständlicher Homosexualität auf alle diese verschiedenen Männer? Wie wirken die heterosexuell geprägten Vorstellungen von Penetration auf verschiedene Orientierungen und Psychen zurück. Wie setzen sich heterosexuelle Normen in der Homosexualität durch und wie wirken die heimlichen homosexuellen Erfahrungen auf Männer zurück, die als Heteros aufgewachsen und „sexualisiert“ (sozialisiert) worden sind?

Es zeigt sich eine verschärfte Auseinandersetzung mit Homosexualität im sogenannten Schutzalter. Auch hier ist es ein alter Hut, dass Schwule immer wieder berichteten, dass sie schon als Kinder und Schüler von sexuellen Kontakten mit älteren Jungs oder gar Männern geträumt oder fantasiert haben. Schon nur die offene Diskussion solcher Tatsachen hat heute in der hysterisierten Oeffentlichkeit scharfe Konsequenzen. So ähnlich kriminalisierend wie das Reden nur über Homosexualität vor 50-60 Jahren. Dabei stelle ich oft fest, dass schon alleine die Vorstellung von Homosexualität oder homosexuellen Kontakten in der Kindheit oder Jugend, von den heterosexuellen Normen geprägt wird und ein Junge sehr schnell zu einem „missbrauchten Kind“ – mit Bezug auf die allgemeine Situation der Mädchen gemacht wird.

Diese „Dramatisierung“ von Homosexualität im Kindes- und Jugendalter – weil Sexualität schliesslich den Erwachsenen vorbehalten, und nichts für Kinder ist – wird auch seine Wirkungen auf die Biografien anderer Knaben, Homosexuellen und Heterosexuellen haben! Ich denke jetzt wieder ganz scharf an Mütter, die weder Sexualität, noch eine mögliche homosexuelle Orientierung bei ihren Söhnen in den vergangenen Jahrzehnten gesehen haben, oder sehen woll(t)en. Ganz zu schweigen von den homosexuellen Neugierden oder Bedürfnissen aller Art, die sich eben nicht alle nur um den „erwachsenen Fick“ drehen. Die Penetration aber regiert die Vorstellungen der „erwachsenen” sexuell Aktiven. Besonders blühen sie, wenn es sich um schwule Väter, oder gar Paare handelt. Frauen sind da weniger in der Diskussion, denn einer lesbischen Mutter kann heute kaum mehr ein Kind weggenommen werden und Frauen sind keine penetrative Bedrohung…

Das gibt mir jetzt die Brücke zur immer noch offenen Frage: „Wie werden wir Männer sexualisiert?“ Jeder Mann beginnt sein Leben mit einer Frau. Jede Frau auch. Aber das ist doch normal oder? Ja, für Heteros! :P

Ich will hier nicht die Frage nach dem Hahn oder dem Ei diskutieren. Jedenfalls ist es wohl schwieriger, sich als Junge an einem (homophoben) Vater körperlich-sportlich und psychisch zu orientieren, als an der (homo-blinden) Mutter. Ich habe das selbst erlebt. Dabei war die Mutter nicht das eigentliche Problem. Die Brüder meines Vaters waren nicht gerade zimperlich mit mir, wenn ich bei ihnen in den Ferien war. Beim einen habe ich einmal meinen Cousin verführt und beim anderen war ich schlichtweg „kein richtiger Mann“, durch seine Ablehnung bekam ich Heimweh und weinte…

Die Homophobie von Vätern und Onkeln ist das eine. Der Heterror durch die Mütter das andere, was späteren Schwulen zu schaffen machen kann. Die Erforschung solcher Zusammenhänge steht ganz am Anfang. Und sie ist – genauso wie die Missbrauchsforschung bei Frauen – abhängig vom öffentlichen Interesse und der gesellschaftspolitischen Dramatisierung. (sh. Phil Langer: Beschädigte Identität, VS-Verlag 2009. Ueber Zusammenhänge zwischen Identität und sexuellem Risikoverhalten bei homo- und bisexuellen Männern)

Ficken, ficken, fallen lassen. Wir sind entsetzt über das Risikoverhalten vieler Männer, die mit Männern Sex haben. Aber nur Wenige sind bereit, sich über die Gründe dieses Verhaltens Gedanken zu machen. Und vor allem über die Rolle der heterosexuellen Kultur und deren Zwänge, die auf sie einwirken. Entweder ein grosser Ficker zu sein – bei Frauen und/oder Männern. Oder sich fallen zu lassen wie eine „Fickschlampe“, eine „Blashure“ und ein „Spermaschlucker“, wie sie in vielen Chats oder als Profile im Internet zu finden sind. Selbst wenn ein Teil davon „nur Phantasie ist, die ausgelebt“ wird, die Frage bleibt stehen, wie Männer auf solche Rollenvorstellungen in der Homosexualität kommen! Die Schwulenbewegung hat an ihrem historischen Anfang den Ausstieg aus all diesen Zwängen versprochen – die „Entheterosexualisierung“!

Die Homosexualität ist keine Krankheit mehr – seit vielen Jahren. Aber in den letzten Jahren haben sich so viele „Fetische“ – neben den traditionellen – entwickelt, dass ich nicht umhin komme, diese als Symptome zu begreifen – wie in der Zeichnung eines Kindes. Hinschauen und fragen ist das Mindeste. Noch besser wäre, (Homo)Sexualität vom Kindergarten (Situationen, Kontakte) bis ins Altersheim normal zu sehen – und besonders für Männer, die mit Männern Sex haben, sie dauernd zu thematisieren, um Selbstverantwortung zu fordern. Wir brauchten alle die Skandale nicht, aber unsere immer noch bürgerlich orientierte Gesellschaft hat kein Interesse an den realen Gründen, weil das System der Terror ist und stets neue Opfer produziert. Egal ob in Familien, hierarchischen Einrichtungen, städtischen Subkulturen, oder jetzt im Internet.

Peter Thommen60, Schwulenaktivist, Basel

Siehe auch meinen Essay von 1988: Ist der Sex am Arsch?

oder von 2010: barebacking als indiz für eine gescheiterte emanzipation!

Und hier sind die Texte vom alten Blog