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Ist es gut, wenn Schwule sich unter einen rosa „Pussyhat“ stellen?

Freitag, März 10th, 2017

Einige Schwule oder „Falschsexuelle“ haben sich dieses Jahr freudig der „Pussyhat“-Aktion angeschlossen und sich eine rosa Strickmütze mit zwei Ecken aufgesetzt, mit der sie am Tag der Frau auftreten wollen. Rosa ist die Farbe für Mädchen, wiewohl minu vor vielen Jahren einmal geschrieben hat, in Basel sei das anders gewesen!

Rosa war auch die Markierungsfarbe für Schwule im Konzentrationslager der Nationalsozialisten (1). Das aber dürften die Junghomos heute nicht mehr so genau wissen undwollten es die Frauen je wissen?

Ich habe von Kathrin Küchler vor Jahren (LIBS*) gelernt, dass die Lesben bei den Frauen/Organisationen nicht unbedingt willkommen gewesen sind. Lesben waren in der Schwulenbewegung immer wieder dabei, als „Einzel-masgge“, wie in Basel gesagt würde. Ich habe es noch erlebt, wie an einer der ersten HACH*-Versammlungen in Zürich die Lesben unter Protest die Konferenz verlassen haben. Und nach 40 Jahren ist die LOS* auch wieder aus gemeinsamen Räumlichkeiten mit Pink Cross ausgezogen.

Wir Schwulen sind in den letzten paar Jahren immer wieder für Solidarität mit anderen Gruppen angegangen worden. (LGBTI….) Aber die Frauen – quasi als historisch einzige Alternative zur Männlichkeit – sind nie für sowas mit Schwulen angefragt worden. Es gab meines Wissens auch nie eine Diskussion mit den Frauen darüber. Ich habe als Jungschwuler nur mitbekommen, dass Frauen „unsere Verbündeten“ seien im Kampf! Meine Lebenserfahrungen haben das Schritt für Schritt wieder relativiert. Die ersten Schwulendemos 1972ff in der Bundesrepublik Deutschland predigten damals „die Befreiung der Frau im Mann“.

Logisch ist es politisch vernünftig, „das Weibliche“ in der Gesellschaft vor Diskriminierung und Abwertung zu verteidigen! Aber bekommen wir von dort jemals etwas „zurück“? In der Diskussion um den Frauentag geht es auch immer wieder um die Gewalt gegen Frauen. Nur ist dann dies die Gewalt des Schweigens, die sehr oft bei sexuell motivierter Gewalt auf homosexuelle Söhne und auch Töchter in- und ausserhalb der heterosexuellen Familie eine grosse Rolle spielt. (2) Nach meiner begrenzten Erfahrung entziehen sich Frauen am liebsten den Diskussionen um die Homosexualität und sind auch nur schwer von gesellschaftlichen Parallelen zu überzeugen (3) Ich habe als Jungschwuler noch gelernt, dass nicht die Väter die Gefährlichen sind in der heterosexuellen Familie – es sind die auf ihre Söhne eifersüchtigen Mütter!

Kehren wir zurück auf die gesellschaftliche Ebene. Nach den Schwulen und den Lesben als „bewegte Minderheiten“ (oder auch umgekehrt!) 😉 kamen die Bisexuellen und Transmenschen dazu. So erweiterte sich in den letzten Jahrzehnten die Minderheit um weitere Buchstaben… Alle diese Buchstaben-Menschen stellen eine selbstverständliche Forderung an Schwule um Solidarität.

Alle diejenigen „Minderheiten“, die also von Frauen geboren worden sind und dann weggeschoben wurden, hängen jetzt an den Schwulen – und von mir aus auch an den Lesben. Denn eigentlich wäre es von allem Weltanfang Sache der Eltern gewesen, sich um JEDES Stück Fleisch und seine Lebensaussichten zu kümmern, egal ob es „behindert“ oder „krank“ oder irgendwie falschsexuell ist. Und jetzt sollen die Schwulen – mit allen Buchstabenmenschen – die quasi diesen „Abschaum aufgenommen haben“, mit Frauen solidarisch sein!?

Aber wollen das denn die Frauen auch? Oder wen von den Buchstabenmenschen wollen sie und wen wollen sie partout nicht – und warum? Gibt es Solidarität nur mit den „gebürtigen Frauen“ oder auch mit „feminisierten“ oder transsexuellierten Männern, oder nur mit denen, die „richtig unter dem Messer umgewandelt“ worden sind? Fragen über Fragen, die keineR stellt im Enthusiasmus der politischen Solidarität! Wenn schon Schwule Mühe bekunden, andere Buchstabenmenschen zu verstehen und sich mit ihnen zu solidarisieren, wie diese es ganz heftig wünschen, haben dann Frauen keine Probleme mit der „aufgedrängten Solidarität“ von Schwulen mit Anhang?

Von anderen Hautfarben und Ethnien gar nicht zu schreiben. Ich will daran erinnern, dass zurzeit der „bekämpfteste Bock“ im Sexismus, der hetero-sexuelle/Cis-sexuelle weisse Mann ist. Aber gibt es die gleichen Probleme nicht auch mit den hetero Böcken in den verschiedenen Hautfarben? (Und sind das in Sexualität und Politik nicht auch die begehrtesten/gewähltesten?)

Schon Hugo Loetscher hat übrigens darauf hingewiesen, dass unter den farbigen Menschen in deren Kultur immer diejenigen als „Wertvorbild“ dienen, die am „hellsten gefärbt“ seien.

Ich will keiner Entsolidarisierung irgendwelcher Art hier nach dem Mund schreiben. Aber in Bezug auf James Baldwin und seinen neuesten biografischen Film sage ich: Ich bin nicht Euer Schwulo! (4)

Peter Thommen_67, Schwulenaktivist

P. S. „Wenn es etwas gibt, was Heteros stört, dann ist es vielleicht nicht so sehr der Akt, sondern dass sie darüber nachdenken sollen.“ Egbert Hörmann: Hurra ein Junge! 1997, S. 14

Bei einer Fifa-Podiumsdiskussion in Zürich (2017) wurde Thomas Hitzlsperger etwas wichtiges gefragt. Ob es nötig sei, dass man aufsteht und über seine homosexuelle Orientierung redet, wollte Clarence Seedorf wissen. Er sehe keine Heterosexuellen, die das machen: «Warum ist es etwas, über das man reden muss?»

„Weibliche Homosexuelle sind nicht nur psychologisch von den männlichen verschieden: die Dimension gesellschaftlicher Diskriminierung ist bei ihnen ebenfalls nicht mit jener gleichzusetzen, der homosexuelle Männer ausgesetzt sind.“ (Paul Parin: „The Mark of Oppression“, Psyche Heft 3/1985, S. 198)

„Ach, er konnte es nicht ausstehen, dieses Wort, schwul. Für ihn war es eine befremdliche Kategorie, beschrieb einen Lebensstil, der wenig lebensbejahend war. Nein, er bevorzugte das Wort Schwuchtel, das hatte Schlagkraft, Biss, war geradlinig, streckte selbstbewusst das Kinn nach oben, und es war gegenwärtig auch nicht selbstabwertender als beispielsweise „Amerikaner“. (Larry Kramer, Faggots/Schwuchteln S. 31)

„Ein Menschenleben bekommt durch die ambivalente Einstellung destruktiven Charakter. Die ganze Existenz ist von zunehmender Selbstzerstörung geprägt. Der Homosexuelle, der das innere „coming out“ geschafft und die zur Ambivalenz führende Illusion einer austauschbaren Identität durchschaut und aufgegeben hat, empfindet es als tiefes Glück, „anders“ zu sein, denn dieses Anderssein ist für ihn das Siegel seiner Besonderheit.“ (Schellenbaum: Abschied von der Selbstzerstörung, Kreuz 1987, S. 106/107)

„Immer wieder sehe ich in meiner Praxis die Verletzungen und Schäden, die entstehen, wenn schwule Männer sich selbst nicht annehmen können und – schlimmer noch – sich selbst und andere nach heterosexuellen Massstäben beurteilen. Verinnerlichte Homophobie zwingt schwule Männer oft, grausam gegen sich und andere zu sein.“ (Kort: schwul und cool, S. 20)

Die Krise des Heteromannes beginnt mit der Angst vor dem ‚weiblichen‘ Element, das er sich bei Homos immer zurecht phantasiert. die Angst vor der Frau wird auf Schwule projiziert, denn vor dem Schwulen muss ER das fürchten, was er ständig an der Frau vornimmt, aber niemals an sich selbst gestatten würde.

Drum wäre schon längst eine Diskussion zwischen der Frauen- und der Schwulenbewegung fällig. Die beiden gefallen sich aber im ‚blinden‘ Kampf gegen die Heteromänner, deren heutige Generation nicht mehr geändert werden kann, deren Söhne und Töchter aber um diesen Dialog einmal froh sein könnten. Peter Thommen (Basler Gay Zeitung Nr. 15, 10.03.1984, S. 6)

* HACH Homosexuelle Arbeitsgruppen der Schweiz (1974-1995, sh. schwulengeschichte.ch!)

LIBS (Lesbische Initiative Basel)

LOS (Lesben Organisation Schweiz)

1)  Ich bevorzuge das ausgeschriebene Wort. Die Polizei verwendet übrigens zum Teil bis heute immer noch gerne die Abkürzung „Homo“. 😉

2)  siehe auch meinen Text zum Frauentag vom 8. März 2011! und über Frauen und Schwänze aus 2012!

3)  Claudia Müller: Mein Sohn liebt Männer (Buchbesprechung)

4)  „I Am Not Your Negro!“

Karfreitag und Ostern: Überleben wir die Homosexualität um heterosexuell zu werden?

Montag, März 28th, 2016

Vor fast 25 Jahren schrieb ich in meinem Blatt „Thommens Senf“ eine erste „Osterpredigt“ (1) Mir haben von klein auf schon immer die „Gleichnisse“ und Bilder aus den biblischen Erzählungen gefallen. Diese Ikonen (eine Art zusammenfassende Abbilder) sind eine späte Form von Hieroglyphen der Altägypter und sprechen für sich und bilden zugleich eine Sprache/Aussage. Sie sind für die orthodoxen (ehemals oströmischen) Kirchen sehr wichtig und bilden eine Grundlage des „gläubigen Verständnisses“ in einer damals ziemlich bilderlosen Gesellschaft. Im Islam ist es wichtig, den Koran in der hocharabischen Version laut zu deklamieren (vorsagen), um dem Gott am nächsten zu kommen. So wie die Kirchen mit ihren Bildfenstern, nutzen wir auch am Computer „Icons“ um komplexere Befehle oder Zusammenhänge auszudrücken oder auszuführen. (Im Cruisermagazin vom April 2016 habe ich versucht, über verschiedene, für Schwule (2) wichtige Icons zu schreiben.)

Im Jahr 1993 war es für mich klar: Wir sterben an Karfreitag als Heterosexuelle, um homosexuell an Ostern aufzuerstehen! Jesus ist eine Ikone geworden, die, je nach Interpretation, sich gegen gesellschaftliche, ordnungspolitische oder religiöse Gesetze aufgelehnt hat. In zweitausend Jahren Kulturgeschichte haben wir es schon lange nicht mehr mit historischen Fakten oder Zeugnissen aus erster Hand zu tun. Es hat Jahrhunderte gedauert, bis Männerliebende selber sich äussern konnten, oder Homosexuelle in den Medien (Telearena 1978!). Jahrhunderte, bis überhaupt religiöse Texte in der Sprache von „Gläubigen“, oder Verehrungskulte (Gottesdienste/Messen) nicht mehr in Hochlatein abgehalten wurden.

Im Cruisermagazin vom März 2016 (S. 26) habe ich darauf hingewiesen, dass Homosexuelle sehr heterogene Sexualwesen sind und dabei – vor allem im sexuellen Erlebnisbereich – ganz einfach gestrickt, wenig differenziert und hier meine ich auch stark von den herrschenden und frauschenden Machtverhältnissen geprägt (> zahllose Fetische!). Da erweisen sich Bildsprache und Bilder als wirkungsvollere Informationsträger als alle hochintellelen Vorträge. In diesem Spannungsbereich bewege ich mich also als „Bildsteller“. Nun also zu meiner ersten Predigt (3).

Das Osterritual gilt als das höchste christliche Fest um Männer. Logisch dass Männerliebende das nicht ignorieren können. Da wo sich alles – auch die Frauen – um Männer dreht, werden nicht nur Gläubige davon betroffen. In unserer Gegenwart dreht sich ja alles um Frauen! Da bleibt also doch noch Raum für einen „schwulen Blick“ auf das Ritual, die Vorgänge und Deutungsmöglichkeiten (Icons). Der Freitag als Tag der Strafe für das „nicht ausschliesslich heterosexuell sein wollen“ (4). Ohne dieses gewaltsame „coming out“ in der Öffentlichkeit wäre eine Auferstehung in der christlichen Ideologie undenkbar!

Freitag – ein Tag der Selbsterkenntnis, statt des Verrats. Gleichzeitig wird Dein Normalleben zerstört . Du hängst am Kreuz der Vorurteile (und auch der heimlichen Wünsche der Normalos). Es hat aber Mitschwule/sich erbarmende Hetis, die Dich bald vom Kreuz herunter holen (weil sie sich davon anrühren lassen werden).

Eingewickelt in weisse Linnen der Zuwendung, in der (mütterlichen) Grabhöhle kommst Du dem Tag der Auferstehung näher. Plötzlich erscheinst Du Deinen Freunden wieder: Als Schwuler, als Individuum, als bunter Schmetterling (frei vom Cocon). Sie werden Deine Wunden betasten und nicht glauben wollen, dass Du schwul bist! Andere, die auf Distanz zu Dir gehen, können Dich nicht begreifen/erfassen. Du kannst sie ruhig gehen lassen. Du bist auch ein Angenommener ohne dieselben!“

Wenn ich sehe, wie viel Kraft es zu einem coming out braucht, wie finster vorher alles gesehen wird von Homosexuellen, wie fest sie sich an ihre „heterosexuelle Unschuld“ klammern, dann fühle ich Karfreitag. Der totale Anspruch an die eigenen Kräfte. Der Becher geht nicht vorbei. Ein solches coming out ist ein Reifeprozess wie eine beendete Verliebtheit oder eine lange Beziehung. Und das was viele fast wie einen „Tod“ erleben, ist erst eine Fühligkeit, die uns bei unserem Tod helfen wird. Und auch der Tod ist eine Bedingung für das, was Auferstehung genannt wird. Wir wissen genausowenig, was nach dem Tode kommt, wie wir je wussten, was nach dem coming out kommen würde, oder woher wir gekommen sind.“ (5)

Interessant auch eine Nachbemerkung von damals: „Zum Judaskuss: Dass der Akt der Befreiung/Enthüllung in einer alltäglichen, unauffälligen (und typisch orientalischen) Handlung enthalten ist, zeigt uns, dass nur die Sichtweise der Umgebung das ganze zum Drama hochstilisiert. Die Küssenden haben ja kein Problem. Judas tut es für die „Hofschranzen der Mächtigen“ (30 Silberlinge) und Jesus „tut es dem obersten Gott zu Gefallen“. (Aber haben sie es auch je für sich beide getan?) (1)

Wir Schwulen sind zwar durch Heterosexualität in diese Welt gekommen, aber uns wurde auch bestimmt, ein „neues Verhältnis“ mit den Menschen einzugehen, das diese vor uns anscheinend noch nicht kannten. Wir kennen unsere übergeordnete Bestimmung auch nicht und wehren uns verzweifelt gegen unser Anderssein. Wir werden von der übergeordneten Heterosexualität verstossen, die sich den Anschein der totalitären Absolutheit gibt. Wir sind gezwungen, unsere herkömmliche Biografie aufzugeben, oder die wirkliche Biografie zu verleugnen. Ob dieser Leistung kräht aber kein Hahn! Und gar mancher Hetero wird zum Judas eines Schwulen in dieser Gesellschaft.“ (5)

Heute ist alles ganz anders! Es gibt keinen Karfreitag mehr, coming outs werden nicht mehr gebraucht! LondonJames (Lifestyleberater und Dating-Experte) zur Öffnung der Ehe für alle: „ … heisst es in den Akten schlicht und einfach: verheiratet. Dann braucht es weder ein Coming out am Arbeitsplatz oder sonst wo. Man(n) wird nicht blossgestellt. (6)

Der oben „ikonosierte“ Akt der Individuation verkommt zum blossen Akt auf dem Standesamt! Und heraus kommt? Eine Homo-Ehe! Shereen El Feki schreibt hingegen von nordafrikanischen Männerliebenden und zitiert Hassen: „Ich kenne die tunesische Gesellschaft. Wir werden garantiert nie die Schwulenehe fordern, weil die meisten von uns den klassischen Rahmen einer Beziehung, die Ehe, ablehnen; daran denken wir nicht.“  (7)

Die jungen Männer in der orientalischen Gesellschaft wollen „nur“ ein normales Leben führen und nicht mehr diskriminiert werden. In dieser „schweigenden oder verschwiegenen“ Kultur ist ein coming out/eine Individuation gar nicht möglich. Die meisten führen eine hetero Ehe, ja müssen sie führen, falls sie genügend Geld verdienen können.

Wie wir sehen gibt es Ausnahmen, die früher politisch und heute religiös motiviert werden. Statt ans Kreuz genagelt zu werden, sprengt man sich in die Luft – für den grössten aller Männer, oder der Ikone, die die grösste Autorität auf sich versammelt…

Das Gemeinsame liegt eben im Widerspruch! In den Fussballstadien wird Männerfussball gespielt und spielen sich formal „Männerorgien“ ab. Draussen vor aber herrschen die Gesetze der Männlichkeit: Gewalt und Vergewaltigung. So, wie sie es alle in dieser Kultur gelernt haben. Wer homophobe Lieder singt im Stadion, der bestätigt auch gleich das, was er mit Liedern weit von sich weist!

Christliche Ostern, das ist für mich die Sehnsucht des Mannes nach dem Mann. In einer total heterrorisierten Gesellschaft. Es lohnt sich, darüber zu meditieren und Icons zu formulieren!

Peter Thommen_66, Schwulenaktivist, Basel

 

1)  Damals „für Schwule und Lesben“, in der 14. Ausgabe des 2. Jahrganges vom 9. April 1993. Es ging – und geht bis heute – aber nur um Schwule.

2)  Schwule sind für mich Männer, die nicht einfach nur mit anderen Männern Sex haben, oder sie lieben, sondern sich auch mal Gedanken darüber machen!

3)  Ein Text, der meist mündlich vorgetragen wird und auf einen bestimmten Zweck hin verfasst worden ist.

4)  Man/frau beachte, dass es NICHT nur um das „ausschliesslich homosexuell sein wollen“ geht!

5)  Thommens Senf, 3. Jg. Nr. 13, 1. Apr. 1994/online ThS 22.03.2008

6)  GH *1985, irgendwo im Internet

7)  El Feki, Shereen: Sex und die Zitadelle. Liebesleben in der sich wandelnden Welt, Hanser 2013, S. 340

Homophobie – was ist das genau?

Sonntag, April 26th, 2015

Nicht alle Leute, die gegen Homosexualität und gegen Schwule an rennen, sind wirklich homophob. Es gibt andere gute Gründe, vor allem die derjenigen Leute, die Verachtung empfinden und glauben, uns wie Minderwertige bekämpfen zu müssen.

Dabei ist das wesentliche Element der Homophoben ihr GLAUBE! Der Glaube ist der Grund, warum diese sich nicht mehr in der Gesellschaft spiegeln, sehen und sich relativieren können!

Es gibt übrigens sehr viele Erscheinungweisen von Antihomosexualismus in den Medien, die im Zusammenhang mit Juden, Schwarzen und anderen Minderheiten UNDENKBAR wären, aber mit den Schwulen (vor allem) wieder NEU denk- und aktivierbar sind!

Die Frontseite des Kirchenboten zum Thema „Trauung gleichgeschlechtlicher Paare“ hat mich verärgert und traurig gestimmt. M. schreibt, dass es vor rund 20 Jahren mutig war, Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare in unsere Kirchenordnungen aufzunehmen.

Ich fand das damals gar nicht mutig, sondern schwach. Mutig wäre es, wenn wir als reformierte Kirche Gottes Wort die Bibel mit ihren Aussagen als verbindlich betrachten würden. Segnungsfeiern und eingetragene Partnerschaft sind als Etappenziel schon längst erreicht. Jetzt geht es um die Ehe, morgen dann um das Recht auf Adoption von Kindern und übermorgen werden Firmen wohl boykottiert, die nicht mindestens einen Quotenanteil von 30% an schwul-lesbischen Mitarbeitern nachweisen können.“ A. A. Pfarrer

Hier wird drastisch sichtbar und „erfahrbar“, wie ein Mensch sogar seine Ängste über die Verhältnismässigkeit hinaus mobilisieren kann. Gleichermassen könnte er mit Farbigen – oder wieder mit jüdischen Menschen – argumentieren.

Diese Homophobie ist allgemein verbreitet und lässt sich auch immer wieder mobilisieren. Wir Schwulen und auch die Lesben haben ein grosses Interesse, alle Minderheiten im Auge zu behalten. Denn überall da, wo keineR seinen Mund auftut, glauben solche „Gläubigen“, es sei wieder alles erlaubt: „Man wird doch noch sagen dürfen…“

Was mich am allermeisten ärgert, ist die Tatsache, dass immer wieder Schwule glauben, sie müssten den Mehrheiten gegenüber brav und ruhig bleiben, um diese nicht zu brüskieren. Denn nur dann würden wir endlich akzeptiert. Meine – und anderer Minderheiten – Erfahrung ist, dass genau dann es immer „Wichtigeres“ als Schwule und Lesben gibt und keine Gründe bestehen, sich mit uns auseinanderzusetzen, geschweige zu akzeptieren, dass es uns auch gibt! Und wenig wissende und geschulte Schwule „verwandeln“ sich dann auch in so einen Pfarrer A.A. – ohne dass sie es merken!

Und das genau ist das Ziel von Gläubigen – sie haben uns dann auch indirekt in ihrem Glaubenszirkel mit drin! Es kommt dann so eine Atmosphäre auf wie: Nicht dem Schuldigen muss bewiesen werden, sondern er muss seine eigene Unschuld beweisen! 😉

Peter Thommen_65

Asyl für Schwule und Lesben

Samstag, April 26th, 2014
AsylfO

Hirscheneck Basel. 26.4.14

(Die Verwaltung in Basel betrachtet diesen „Aufhänger“ als widerrechtliche Werbung an der Fassade!)

NGO fordern mehr Schutz für homosexuelle Asylbewerber

Liberty for O. – die Fakten

Bericht von der Aktion am 1. Mai in Basel

Offener Brief der Schwulenorganisationen an BR Sommaruga!

homosexuelle Migranten SRF

Am 1. Mai. 1975 – vor 39 Jahren (!) – zogen Aktivisten der habs
erstmals bei der Demo am 1. Mai mit, um sich für die Anliegen
Nicht-Heterosexueller einzusetzen.

Heute werden weltweit – meist unter religiösen Vorzeichen – Lesben,
Trans-Menschen, Schwule und Bisexuelle verfolgt. In Nigeria gibt es seit
2013 14 Jahre Haft, wenn sich Nicht-Heterosexuelle ihre Zuneigung
öffentlich zeigen. Doch auch persönlich gehetzt zu werden oder von
exorzistischen Praktiken bedroht zu sein, ist für Schweizer Behörden
noch immer kein Asylgrund!

Die habs unterstützt den Protest gegen die drohende Ausschaffung von O.

O. stammt aus dem christlich geprägten Süden Nigerias. Nach seinem
Coming-Out musste er mit seinem Freund seine dörfliche Gemeinschaft, in
der er ein allseits anerkannter Heilpraktiker war, verlassen. Als beide
in der Hauptstadt Lagos nach 4 Jahren wiederentdeckt wurden, ging die
von O.’s Vater – einem lokalen Pfarrer – angeführte Hatz gegen beide
weiter. Über Spanien gelangten sie vor gut drei Jahren in die Schweiz.
Dort war O. beim Bleiberechtkollektiv aktiv.

Die Asylanträge von O. und dessen Freund wurden umgehend abgelehnt. O.’s
Freund wurde ausgeschafft und zurück in Nigeria u.a. nackt auf einem
Anhänger durchs Dorf gefahren und gezwungen zuzugeben, von
Homosexualität „geheilt“ zu sein.

O.’s Rekurs wurde vom Bundesamt für Migration (BFM) abgelehnt.
Begründung: er könne in Lagos seine Homosexualität verstecken.

Das erschüttert!

Nicht nur, dass der Europäische Gerichtshof im November 2013 urteilte,
dass von Homosexuellen nicht erwartet werden könne, ihre Homosexualität
im Heimatsland geheim zu halten (EuGH, Urteil in den Rechtssachen
C-199/12, C-200/12, C201/12) [1].

Auch waren Bundesrätin Sommarugas warme Worte, die sie 2012 (unmittelbar
vor ihrem Auftritt zum Thema Menschenrechte an der ZürichPride) an die
habs gerichtet hat, wohl nicht mehr als heisse Luft: „Wie auf
internationaler Ebene ist auch in der Schweiz das Bewusstsein für die
Gemeinschaft der LGBTI in den letzten Jahren gestiegen. Die Asylpraxis
hat sich in die gleiche Richtung entwickelt. Das BFM ist bei der
Gesuchsprüfung von LGBTI in letzter Zeit dazu übergegangen, deren Recht
auf Selbstbestimmung stärker zu gewichten und die frühere Praxis
insoweit anzupassen, als es von einer Person in aller Regel nicht mehr
verlangt, sich im Heimatstaat in einer bestimmten Weise zu verhalten, um
sich einer Verfolgung zu entziehen. Die Behörden legen Wert darauf, bei
der Behandlung der Asylgesuche dieser Personen den menschenrechtlichen
Aspekten Rechnung zu tragen.“ (zum ganzen Brief: [2])

[1]http://curia.europa.eu/jcms/upload/docs/application/pdf/2013-11/cp130145de.pdf

[2]http://habs.ch/?news/bundesratin-sommaruga-schreibt-der-habs

Der komplette Brief von Bundesrätin Sommaruga an die habs als pdf:

Petition unterstützen

Stalinismus und Putinismus, 1934/2014

Dienstag, März 11th, 2014

Die russische Oktober-Revolution hatte die alten antihomosexuellen Gesetze und die klassische Ehe aufgehoben.

„Die neuen Herrscher im Land nahmen zunächst keine eindeutige Haltung in der Frage der homosexuellen Emanzipation ein. In Russland, Weissrussland und in der Ukraine wurde das zarische Sodomie-Verbot einfach aufgehoben.“ (1)

Die sowjetischen Behörden umwarben die Reformbewegung des Berliner Sexualforschers Magnus Hirschfeld, der sich für die Rechte Homosexueller einsetzte. … Andererseits inszenierten die Bolschewiki Schauprozesse gegen den Klerus, in denen Fälle von „Päderastie“ aufgedeckt und angeprangert wurden.“

Heute dürfen Schwule zwar weitgehend „heiraten“ aber Jugendliche werden auch bei uns wieder strenger geschützt vor Homosexualität, selbst noch vor sich selber.

Entsprechend der anfänglich mit dogmatischer Schärfe betonten freien Moralauffassung des Kommunismus auf dem Gebiet der geschlechtlichen Sittlichkeit (freie Liebe, Kündbarkeit der Ehe, unbegrenzte Zulassung der Schwangerschaftsunterbrechung, Kindererziehung durch den Staat) war die gleichgeschlechtliche Unzucht ohne Qualifikationsmerkmale * in der Sowjet-Union anfangs straflos. Erst im Jahr 1934 wurde die Strafbarkeit der einfachen Homosexualität ohne vorausgegangene Diskussion und ohne Begründung eingeführt.“ (2)

Diese Änderung kann durchaus als Folge des Aufstiegs von Josef Stalin angesehen werden. Stalin war ein Georgier und kam somit aus einer alt-christlichen Kultur. Davon war er um die Jahrhundertwende geprägt!

Aus jener Zeit ist ein Text von Klaus Mann erhalten, der sich als politisch bewusster Schwuler damit auseinandersetzte:

In der Sowjet-Union gibt es neuerdings ein Gesetz, das die Homosexualität unter schwere Strafe stellt. Es klingt überraschend, und man fragt sich, mit welcher Logik und mit welcher Moral eine sozialistische Regierung die Entrechtung und Diffamierung einer bestimmten Menschengruppe rechtfertigt, deren „Verschulden“ in ihrer naturgegebenen Veranlagung besteht: aber es ist so. Übelstände und Skandale in den östlichen Gebieten der Union sollen den Anlass gegeben haben zu der Einführung des beschämenden Paragraphen – gegen den in mitteleuropäischen und westlichen Ländern die Linke seit Jahrzehnten erbittert kämpft.“ (3)

… meine ich nicht nur und nicht vor allem die in der Sowjet-Union immer deutlicher werdende Neigung, in den erotischen Fragen wieder strenger und konservativer zu denken und zu urteilen … „

Ich meine vielmehr jenes Misstrauen und jene Abneigung gegen alles Homoerotische, die in den meisten antifaschistischen und fast allen sozialistischen Kreisen einen starken Grad erreicht haben. Man ist nicht mehr weit davon, die Homosexualität und den Faschismus miteinander zu identifizieren. Hierzu darf nicht länger geschwiegen werden. Wir bekämpfen Rassenvorurteile. Und inzwischen wollen wir das unvernünftigste Vorurteil gegen eine bestimmte geschlechtliche Veranlagung überhand nehmen lassen?“

Dazu kann direkt in die Gegenwart verwiesen werden! Heute werden die Verlängerung des Prostitutionsverbotes und der „Kinderpornografie“ bis zum 18. Lebensjahr bis weit in linke Kreise hinein kritiklos hingenommen! Aus lauter „Besorgtheit“ über neue Medien und Migranten glauben die Leute, sie könnten die Sexualentwicklung von Jugendlichen „aufhalten“! Dabei hätten wir Jahre Zeit gehabt, sie zu informieren und zu begleiten. Und die Ausbeutung mit dem Sex wird bekämpft, damit die Ausbeutung WEGEN dem Sex nicht abgeschafft werden muss! Checksch es?

Woher kommt es denn, dass wir in antifaschistischen Zeitungen die Wortzusammenstellung „Mörder und Päderasten“ beinahe ebenso häufig lesen, wie in den Naziblättern die von den „Volksverrätern und Juden“? Das Wort „Päderast“ als ein Schimpfwort, nur weil es in nationalsozialistischen Verbänden viele geben soll, die junge Männer lieben, statt Frauen!“ (3)

Auch dies kommt mir heute sehr bekannt vor! Während die meisten Kinder von ihren Eltern oder in ihrer Familie misshandelt werden, geilen sich die Medien an „Pädophilen“ auf, die an jeder Ecke lauern sollen…

“ … wenn Blätter, die sich mit Vorliebe ‚liberal und aufgeklärt‘ nannten, plötzlich anfingen ‚Knabenschänder‘ zu schreien, wie eine hysterische Pastorengattin.“ (3)

Und die Schwulen, sowie alle anderen LGBT..s  regen sich über den „Putinismus“ auf, der doch nur mit der russisch-orthodoxen Kirche den Aufputz erledigt, den er früher mit dem KGB durchgeführt hatte. Vom Stalinismus bis heute sind nicht mal hundert Jahre vergangen. Die Politik mit dem Sex, den Homosexuellen und den Kindern bewährt sich von neuem! Die heutigen Linken haben nix gelernt, sorry!

Peter Thommen_64, Schwulenaktivist, Basel

 

* Qualifikationsmerkmale sind zum Beispiel Kontakte unter Zwang, Gewalt, oder als Prostitutionserwerb, oder Überschreitung von Schutzaltersgrenzen

(1) Healey, Dan: Beredtes Schweigen, in: Osteuropa Spektralanalyse, Homosexualität und ihre Feinde, S. 1

(2) Jescheck, Hans-Heinrich, in: Die Behandlung der Homosexualität im ausländischen Strafrecht, in: Homosexualität oder Politik mit dem § 175, roro 943, 1967, S. 96

(3) Mann, Klaus in: Homosexualität und Faschismus, erschienen in: DIE NEUE WELTBÜHNE, Prag 1934

Ulrike Lunacek: Homosexualität in Russland

Die Linke und der Sex, klassische Texte, Promedia 2011

Nachtrag: „Denn in der Ukraine, so Putin, hätten Neonazisten, Antisemiten und Russophobe die Oberhand gewonnen. “ (Bericht dlr.de)

Das Ende der Toleranz der Schwulen!

Freitag, Februar 21st, 2014

Oder: Wer nicht begeistert von der Heterosexualität ist oder spricht, ist gleich ein Heterophober!?

In den letzten zehn Jahren haben sich die öffentlichen „Erscheinungen“ von Homosexuellen und die Berichte über Schwule ziemlich verändert! Nicht nur im Internet. In dieser Zeit sind auch die Bisexuellen vermehrt, und andere „Fetischisten“ laufend, dazugestossen. Eigentlich alles, was bei den Heterosexuallen so „abfällt“, hat sich irgendeiner „Schwulencommunity“ beigeordnet, daher hat sich auch das Wort „queer“ immer mehr eingebürgert. Wir Schwulen sind – mit den Lesben und ihrem Anhang und den „heterosexuellen Abfällen“ – zu einer in der Gesellschaft unübersehbaren Gruppe angewachsen. Das beunruhigt die Mehrheit. Und auch viele Schwule!

Viele Diskussionen werden von Frauen (z. B. Barbara Höfler, NZZaS) angestossen – aber auch wertkonservative Männer melden sich vermehrt zu Wort: 2009 tat dies Philipp Gut in der Weltwoche und in der zeit.de – ihm antwortete Marko Martin. Letztes Jahr Ralf Schuler. Nun Matthias Matussek als aktuelles Beispiel. (1)

Zufällig bin ich in meiner Bibliothek auf einen Essay von Prof. Dr. G. Th. Kempe * gestossen, der aus der Sicht der 1950er Jahre eine Einschätzung der Situation von homophilen Männern gibt und über deren Verhältnis zu den Heterophilen schreibt.

Vergleichen wir es mit dem Dasein verschiedener Völker, dann ist diese Tatsache ebenfalls bekannt, aber mit diesem Wissen hängt die Anerkennung eng zusammen. Jedem Menschen ist das Dasein dieser Gruppe praktisch bekannt, aber anerkannt wird sie im allgemeinen nicht.“

Meines Erachtens besteht kein Zweifel, dass der durchschnittliche Heterophile unserer Zeit zu einer solchen Anerkennung einfach nicht fähig ist, wahrscheinlich nicht fähig sein kann, und das führt oft zu schrecklichen Folgen.“ (2)

Kempe sieht schon 1954, was wir heute aktuell erleben können! Niemand/Niefrau würde heute die Existenzberechtigung von Franzosen oder Engländern in Frage stellen. Anfangs letzten Jahrhunderts aber hatte diese Anerkennungsverweigerung „schreckliche Folgen“, nämlich die Kriege von 1914/18 und 1939/45.

Interessant auch, wie Matussek direkt Bezug auf den Holocaust nimmt: Mittlerweile hat Homophobie dem Antisemitismus als schlimmste ideologische Sünde den Rang streitig gemacht.“ Was seiner intendierten „Selbstaufopferung“ die Kappe aufsetzt! **

Heute können schreckliche Folgen, die speziell unsere Existenz betreffen, in den osteuropäischen, den arabischen und afrikanischen Völkern gesehen werden. Ursache ist aber nicht mehr der Glaube an den Patriotismus, sondern derjenige an eine Religion und den Heterosexualismus. Eine interessante Parallele wird dabei sichtbar. Die Juden waren sozusagen auch Kinder der Nichtjuden – und Homosexuelle sind ja eigentlich die Kinder der Heterosexuellen. Aber zu diesem differenzierten „Bewusstsein“ sind wohl Heterosexuelle wirklich nicht fähig.

Gerade las ich Joachim Bartholomae’s Essay über literarische Aussenseiter (3) und ihr Verhältnis zur Gesellschaft. „Baldwin wusste als Schwarzer wie als Schwuler genau wie Berührungsangst funktioniert – dieses letzte Tabu, das auch heute noch bei heterosexuellen Menschen die Befürchtung auslöst, sich durch Annäherung in Gefahr zu bringen.“ (S. 58)

Er zitiert auch Peter Rehberg: „Heten fragen vorm Sex: wollen wir was trinken? Homos hinterher. Erst Sex, dann saufen. So machen das die Homos. Korrekte Reihenfolge bitteschön beibehalten! Wenn Heten fragen: wollen wir was trinken? Wollen sie nichts als Sex. Heten sind Heuchler, nicht: wollen wir ficken, wollen wir was trinken? Fragen sie. Wenn Homos fragen: Wollen wir was trinken, dann ist der Sex schon rum (da muss man ja nicht fragen). (S. 71)

Diese Diskussionen liessen sich fortsetzen! Doch die „Schwulenbewegung“ ist in Pension gegangen. An ihre Stelle sind die Queers getreten und diese haben schon genug mit all den L G B T I Q Q A P  zu tun. Daher wird sie jetzt von den Heten gehörig aufgeweckt und aufgeschreckt! Das ist auch gut so!

Ich finde, über Homosexualität darf man streiten. Denn überwiegend wird sie von heterosexuell lebenden Männern ausgeübt, mehr noch als von Schwulen. Über die Schwulen sollte man nicht streiten, denn es gibt sie genauso wie die Frauen!

Peter Thommen-64, Schwulenaktivist, Basel

Über die Bedeutung der Identitätsstiftung in den homosexuellen Figuren bei Baldwin

Claudia Roth, Bündnis90/die Grünen. Über Homosexualität darf man nicht streiten

* Er lehrte am Kriminologischen Institut an der Universität Utrecht.

** Über die soziale Situation von Homosexuellen und Juden siehe: Parin, Paul: „The Mark of Oppression“, in: PSYCHE Nr. 3/1985, S. 194-219

(1) Siehe auch die beiden Gegenmeinungen! Stefan Anker und Lucas Wiegelmann

(2) S. 3 im PDF (im Original S. 4/5)

(3) Bartholomae, Joachim: Wie der Keim einer Südfrucht im Norden (Kleist, Kafka und andere Aussenseiter der Literatur), MS Verlag 2012, 80 S.

Thommen, Peter: Die Wurzeln des Spiessertums (> come out 3. Jg. Nr. 23, Juni 1990)

Der Protest des Klerikalismus* vor sei- nem Untergang

Samstag, Dezember 28th, 2013

Worte des Schwulenpapstes vom Kleinbasel

Wir männerliebenden Männer sollten uns nicht über jeden Hirtenbrief der katholischen Kirche aufregen. Das taten wir im letzten Jahrhundert schon zur Genüge. Und das „Zentralkomitee für die Homo-Ehe“ beginnt sich auch immer mehr als Führungsriege fürs schwule Leben oder lesbische Leben einzuschätzen. Denn je mehr wir die heterosexuellen Lebensformen annehmen, desto mehr werden wir zur Zielscheibe unserer „Vorbilder“ werden! Diese haben Angst, dass wir ihn ihnen, oder sie in uns „untergehen“ werden.

Bürgerliche Homosexuelle – vor allem die Junghomos – glauben, wenn sie die heterosexuellen Vorgaben möglichst korrekt übernehmen, könnten die Kirche und die Frauen „ja nichts“ mehr gegen sie haben. Also der Fehlschluss: Wenn die äussere Form stimmt, kann jeder Inhalt „Akzeptanz“ erwarten! Deshalb ist ihre Empörung ja auch so gross. Da haben sie sich doch so grosse Mühe gegeben…

Halt! Haben wir uns nicht auch immer grosse Mühe gegeben, der Mutter und der Familie zu Gefallen und zu Diensten zu stehen? Und trotzdem waren, sind und bleiben wir immer der Kuckuck im Nest des heterosexuellen Vogelpaares! 😉

 

Weil der „Hirtenbrief“ zum 10. Dezember 2013 des Bischofs Vitus Huonder in Chur die gängigsten, aber am wenigsten diskutierten Vorurteile und Fehleinschätzungen zusammengewürfelt hat, möchte ich auf die „tiefen Unwahrheiten“ und Theorien dieses Klerikers eintreten.

Also liebe warmen Brüder und „Schwestern“! (1)

Aus Verantwortung gegenüber der vergangenen Schwulenbewegung und Neugier auf eine selbstbestimmte Zukunft, sollten wir mehr Alternativen für uns, und diese breiter diskutieren und ausprobieren! Die Schwulenbewegung hatte sich von Staat und Kirche emanzipiert. (2)

„Natürlich“ gibt es für die Kirche nur eine akzeptable Form der Sexualität. Von dieser Einstellung wird sie auch nie herunter kommen. Da ändern auch die jahrzehnte-alten HuK-Gruppen und schwulen Theologen nichts daran.

Vitus Huonder hat zwar ins Fremdwörterbuch geschaut und die Erklärung von „gender“ (3) gefunden. Allerdings hat er sich nur teilweise darin bedient, denn „auf der Ebene der öffentlichen Darstellung (bedeutet es) die soziale Geschlechtsrolle“

Wenn Kleriker öffentlich oder in der Kirche auftreten, dann haben sie heutzutage einen transvestitischen Habitus. Selber fordern sie aber geschlechtseindeutige Kleidung im Namen des Herrn. Während sich die Kleidung der Männer und Frauen früher nur wenig unterschieden haben und Männer noch bis in geschichtliche Zeiten Röcke trugen, so hält die „mater ecclesiae“ (Mutter Kirche) bis heute daran fest. Während sie also in männlichen Zusammenhängen und Ritualen auftreten, zeigen sie gleichzeitig ein weibliches Kostüm-Bild. Die Kirche muss ja auch Mutter spielen, damit die heterosexuellen Männer von ihr ideologisch „gut genährt“ werden und sie ihrerseits „begehren“.

Mir geht es darum, den Klerikern zu zeigen, dass auch sie eine Gender-Kultur betreiben!

„El Schaddaj“ ist ein uralter Name, mit dem Gott sich Abraham offenbart hatte. Er bedeutet zugleich: Gewalt und Mutterbrüste. Er weist auf matriarchale Spuren hin. Die Gläubigen benehmen sich auch folgsam, weibisch und unkritisch gegenüber dem Obermacho im Himmel. Sie „spielen“ also Frau gegenüber dem „stärksten Mann“. Das hat mit der sozialen Rolle von Männern im religiösen Bereich zu tun.

Bischof Huonder verschweigt in seinem Text auch, dass es verschiedene Schöpfungsmythen in der Bibel gibt. Während er von Bipolarität schwadroniert, finden sich in der Bibel noch ganz andere Verhältnisse und Zusammenhänge beschrieben. Lilith gilt in der jüdisch-feministischen Theologie als eine Frau, die sich nicht Gottes, sondern Adams Herrschaft entzieht und im Gegensatz zu Eva, sogar resistent gegen den Teufel ist. In einer anderen Version brachte Lilith als erste Frau Adams, Gott dazu, ihr seinen heiligen Namen zu verraten. Dass die Bibel eine Auswahl genehmer Schriften ist, wird spätestens klar, wenn wir Einblick in die jüdischen Schriften erhalten, die vom Christentum konsequent ignoriert werden.

Huonders biologischer Bipolaritäts-Appell findet spätestens da seine Grenzen, wo Eva angeblich aus der Rippe Adams gebildet wird. Wahrscheinlich war es sogar umgekehrt. Ganz zu schweigen, dass es da mit den X und Y-Chromosomen schwierig wird.

Die Zerstörung von Ehe und Familie hat nichts mit „Gender-Studies“ zu tun. Das gab es schon in altbiblischen Zeiten, in denen es unfruchtbare Frauen gab, die dann ihre Mägde oder die Sklavin für den biologischen Fortbestand einsetzten. (1. Mose 16, 3-4 – „Wort des Herrn“!) Dabei wurden zwar keine Geschlechter, sehr wohl aber die „Gebärmütter“ vertauscht. Das übersieht Bischof Huonder geflissentlich…

Der Bischof übersieht auch völlig, dass alle die künstlichen Reproduktionsformen ursprünglich für heterosexuelle Paare erfunden worden sind, die unbedingt sich biologisch fortpflanzen wollten. Dies jetzt den lesbischen und schwulen Paaren vorzuwerfen ist perfid!

Huonder fällt voll in die bürgerliche Sicht des Gleich-Begriffes. Die Bedeutung bezieht sich nicht auf das „gleich Sein“, sondern auf das „gleichwertig Sein“ des jeweils „anderen“ Mannes oder der „anderen“ Frau. Wenn denn beide gleichwertig sind, bedarf es auch keiner besonderen Belohnung für Mutterschaft und Kindererziehung mehr. Wenn der Staat für die Wirtschaft (!) die Produktion neuer Arbeitskräfte fördern und belohnen will, tut er das nicht wegen des „Mutterseins“, sondern wegen der Aufzucht solcher Arbeitskräfte. Wo ist da übrigens der finanzielle Beitrag der Kirche?

Nicht der „Genderismus“ schadet dem Manne, sondern die Macht, die er inne hat. Es ist aber folgerichtig, dass mit der Emanzipation der Frau ihre ausschliessliche Opferrolle verlorengeht und sie in entsprechenden Frauschaftsstrukturen immer mehr auch zur Täterin werden wird. Das war schon in der Bibel so.

Der Schaden für ein Kind ergibt sich nicht aus „Genderismus“, sondern aus der Machtstruktur einer Familie, besonders der unnatürlichen Kleinfamilie, die ein Produkt der Industrialisierung ist. Wir können froh sei, dass der Staat Ersatzstrukturen aufgebaut hat, in welchen Kinder aus den Fingern unfähiger Eltern herauskommen und sie mit anderen vergleichen können. Alles was er gleichgeschlechtlichen Paaren anhängen will, gibt es schon lange in den zerrütteten Verhältnissen heterosexueller Paare und Familien, oder durch wirtschaftliche oder kriegerische Verhältnisse.

Wenn sich der Klerikalismus in die Ecke gedrängt fühlt, dann beklagt er sich lauthals über die „totalitären Züge“ der Anderen. Seine eigene sieht er natürlich nicht – auch diejenigen Menschen nicht, die er seit Jahrhunderten selber bisher ausgegrenzt hat, als Ketzer, Sodomiter und Häretiker…

Wir erleben das heute aktuell am Islamismus. So wie nur ein Gott sein kann, so kann nur eine Ideologie herrschen oder frauschen – und die Glücklichen sind immer diejenigen, die grad die Oberhand haben und die meisten Gläubigen hinter sich wähnen – dank ihrem Gott.

Die weltlichen juristischen Sanktionen kennen in der Gleichwertigkeit der Menschen keine Sondergesetze für die Kirche und die Gläubigen, die selber Sondergesetze für Abweichler geschaffen hat.

Bischof Huonder vergisst auch, dass Maria den Jesus „durchs Ohr – also mit dem Wort“ vom heiligen Geist empfangen hat. Das entspricht einem Gender und gar nicht so der bischöflich verteidigten Biologie.

„Das Wort ward Fleisch“. Auch in der Abendmahlsfeier vertritt die katholische Kirche immer noch die Version, dass sich das Brot und der Wein in reales Fleisch und Blut von Jesus verwandeln würden.

Den Begriff „Genderismus“ gibt es gar nicht in der wisschenschaftlichen Diskussion. Den Begriff Klerikalismus aber in der Ideologie-Diskussion schon. Sehr schnell werden dabei auch deren Kampfmittel eingesetzt und Gender als „Ismus“ verunglimpft. Nur weil die traditionellen Ansichten um neue erweitert werden – und nicht ausgegrenzt.

Wenn es darum geht Beziehungen zwischen Kirche und Jesus zu „erklären“ greifen die Kleriker selber zum Gender („eheliche Liebe“) und zu symbolischen Vergleichen wie „Braut und Bräutigam“ bei Gott und den Gläubigen. Ich habe gelernt, das Nonnen massenweise mit Jesus „verheiratet“ werden, indem sie einen Ehering tragen und einen symbolischen Harem um Jesus bilden. Aber auch Mönche werden mit Jesus „verheiratet“, tragen einen Ehering und „der Vollzug der Ehe“(!), der soll dann symbolisch erst am Todestag erfolgen…

Letztlich, wenn Gott das Ebenbild des Menschen, also Mann und Frau, darstellen soll, ist das auch ein Gender in der Doppelgeschlechtlichkeit.

Im Kampf um die biologische Familie habe ich oben schon erwähnt, dass es da mit Ersatzmüttern und Ersatzvätern auch nicht so streng biologisch genommen wird. Oftmals werden Ersatzmütter „verwendet“ (Bei der anfangs unfruchtbaren Sarah hatte die ägyptische Magd Hagar die Fortpflanzung übernehmen müssen).

Wie oft wurde und wird der Satz von Huonder umgedreht! „dass dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst.“ > Indem dort, wo (noch) nicht geglaubt wird, erst gar keine Würde des Menschen anerkannt wird! AMEN

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist und 1. Schwulenpapst des Kleinbasels

 

 

* Klerikalismus (von Klerus) bezeichnet das Bestreben, der Geistlichkeit einer Religion mehr Einfluss in einem Staat zu verschaffen (im Gegensatz zu Laizismus), oder das Bestreben, der Geistlichkeit innerhalb einer Religion im Vergleich zu den Laien mehr Gewicht zu geben. (Wikipedia)

 

1) Martin Dannecker auf einer Schwulendemo in Münster, 1972: „Brüder und Schwestern warm oder nicht, Kapitalismus bekämpfen ist unsere Pflicht!“

2) Die vergangene Schwulenbewegung der 70er bis 90er

3) Pschyrembel Wörterbuch Sexualität, de Gruyter 2003, S. 168 (gender)

 

 

Heterosexualität – der reine Sexismus!

Dienstag, Oktober 29th, 2013

Aus langer Tradition gibt/gab es immer 95 % Heterosexuelle und „vielleicht höchstens“ 3-5 % Homosexuelle – beiderlei Geschlechts. Und obwohl Kinsey schon nach dem 2. Weltkrieg sehr viel mehr homosexuelle Aktivitäten abfragen konnte, wir das bis heute als unveränderbar aufrecht erhalten. Doch  Kinsey fragte nicht nach der Orientierung, sondern nach den Aktivitäten. Dabei ist er auf einen „sehr hohen“ Anteil gekommen, sodass viele Heteros meinten, dieser Kinsey müsse doch selber schwul sein – derweil sie unbekümmert „Lesbenpornos“ als zusätzliches Vergnügen konsumierten…

Seit über vierzig Jahren hat sich eine Homosexuellenbewegung (beiderlei Geschlechter) etabliert, die sich organisiert und rechtlich abgesichert hat. Dabei sind die „Schwulen“ immer mehr zur Minderheit geworden. Aber was sind „Schwule“ eigentlich? Keiner weiss das mehr so recht! Die Gruppen und Vereine sind zunehmend ein Teil des Mainstreams und des Warenmarktes geworden, der Ferienindustrie und der Immobilien…

Doch neben den selbständigen Formationen der Lesben haben sich in den letzten zwanzig Jahren neue Gruppen und Grüppchen gebildet, die von der „reinen Heterosexualität“ quasi „abgefallen“ sind. Und bemerkenswerterweise hat die Heterosexualität davon bis heute keine Notiz genommen! Wozu auch? Sie steht ja da mit felsenfesten 95 %!

Unter der „Verwaltung“ der Homosexuellenbewegungen und der Schwulen, die ja meistens sich selber finanzieren und ohne grosse staatliche Unterstützung auskommen müssen, obwohl sie ja eigentlich „leibliche Kinder“ der Heterosexuellen sind, hat sich nun ein interessanter „Abfall“ der Heterosexualität angesammelt. (Für die politische Korrektheit: Abfall kommt von abgefallen!)

Das sind nun also – neben den Schwulen und Lesben – noch die Bisexuellen, die Trans*was-auch-immer, Intersexuelle (und Hermaphroditen), des weiteren die Queers* , die Questionning (1) und die Asexuellen. Und ganz aktuell nun auch noch die Pansexuellen (2), wie ich mir habe erklären lassen. Somit sieht die „Familie des Abfalls“ – in Abkürzungen – zur Zeit wie folgt aus: LGBTIQQAP.

Das erinnert mich an die berühmte Formel des „Schwulen-Gens“ XQ28 oder so ähnlich! Nun sind wir also von einer ursprünglichen „Krankheit“ bei einer immer länger gewordenen „Formel“ gelandet. So etwas habe ich mir aber nie unter „Schwulenemanzipation“ vorgestellt. Auch nicht die Schwulen-Ehe. Und ich denke ganz politisch unkorrekt, dass ich als Schwuler mit allen anderen eigentlich nichts am Hut habe. Und was die Bisexuellen (was immer das auch für sie selber bedeutet) betrifft, so ist wohl der kleinste gemeinsame Nenner die Sexualität miteinander. Damit hat sich’s aber schon.Wir Schwulen hätten da also von denen noch sehr viel zugut – denn wir sind AUCH für sie auf die Strasse gegangen!

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

 

1) Das sind diejenigen, die selbst nicht wissen, wohin sie gehören!

2) Dass mit dem neuen P nicht die Pädophilen oder gar Pädosexuellen gemeint sein können, habe ich sofort begriffen. Aber wenn man das Wort Pan*… betrachtet, dann könnte man auch diese da drin noch mitnehmen! 😛

P.S. Die Gerontophilen werden natürlich vergessen, denn das ist dann – politisch korrekt – „Vergewaltigung von alten Senioren“ oder so…

Es gibt auch sexuelle Menschenrechte (DGSS)

Das Bekenntnis an den Mann

Sonntag, Mai 19th, 2013

Wir dürfen in der heterosexuellen Presse immer wieder davon lesen, dass wir Männer uns „zur Homosexualität bekennen“ würden. Das tönt immer ein wenig nach Religion. Dabei vergessen diese Heterosexuellen, dass sie sich in ihren monotheistischen Religionen dauernd oder ausdrücklich zum Mann – nämlich ihrem Gott und seinen Propheten bekennen…

Das Bekenntnis zum Mann muss irgendwie eine Art Religion darstellen. Auch dasjenige der Frauen zum Mann. Denn die Ehe steht unter dem besonderen Schutz, vom Glauben – bis zum Staat. Zur Mutter bedarf es keines Bekenntnisses, denn sie hat ein reales Verhältnis zu ihrem Kind. Nur über den jeweiligen Vater kann spekuliert werden…

So wie das Vaterschaftsverhältnis von Jesus zu Gott über ein Bekenntnis (durch den Heiligen Geist) ‚im Ohr Marias’ hergestellt wird, so wird auch das Verhältnis von Jesus zu seinem Vater wiederum über ein öffentliches Bekenntnis zu ihm hergestellt.

Zugleich ist das Verhältnis ein „weibliches“, denn der eifersüchtige Gott usurpiert die Bekennenden und lässt keinen Platz für weitere Männer neben ihm. Es ist eine spezifisch kulturelle – eben monotheistische – Moral, denn es gibt Frauen auf unserem Planeten, die ihre Männer selber wählen und sich nicht auf einen beschränken. So wie es auch immer Männer gab, die kulturell geprägt dasselbe umgekehrt taten…

Fünfzig Tage nach Ostern (dem öffentlichen Bekenntnis der Wiedererscheinung Jesu) folgt das öffentliche Bekenntnis des Verhältnisses von Gott zu seinen Jüngern, in symbolischer Form von „Wärme“ unter ihnen, oder als „Flammen über ihnen“. (Zur Zahl 50 siehe unten, Auszug aus Wikipedia!)

Penta (Pfingsten) ist hier also eine „Bekenntniszahl“. Pfingsten ist quasi der Gründungstag der Gemeinschaft von gläubigen Männern (und im Hintergrund dieser Lehre auch Frauen).*

Sosehr usurpieren diese Bekenntnisse von Juden, Christen und Moslems zum „Idealmann“ (Alter Ego) in irgendwelchen ideologischen Wolken (Gläubige/Ungläubige), dass Bekenntnisse zu realen Männern auf Erden sogar verfolgt worden sind. Historisch betrachtet haben eigentlich nur diejenigen Männer gesellschaftliche Probleme gemacht, die sich den Frauen völlig enthalten haben. Denn wer mit Frauen konnte, oder wollte, der hatte eigentlich kein Problem mit dem Sex mit Männern – ja ist eigentlich gar nicht aufgefallen… (2. Sam. 1, 27 – David und Jonathan)

Umgekehrt haben viele Frauen sehr wohl ein Problem mit Nebenmännern ihrer Ehepartner, eher noch als mit Nebenfrauen. (Siehe oben das „weibliche Verhältnis“!) **

Ich denke nun, dass es ziemlich verbreitet ist unter Männern, dass man zwar nur eine Mutter haben kann, aber durchaus – ausser dem Gott – mehrere Männer. Auch für die Frauen spielt es weniger eine Rolle, selber mehr als einen Mann im Leben zu haben…

Es kann also darüber spekuliert werden, wie religiös, oder welche religiöse Dimension die „Homo-Ehe“ ist, oder hat! Die Gemeinschaft der Männer um Jesus bildete jedoch auch eine Art Familie, oder „Lebensgemeinschaft“. Sie wurde an Pfingsten „gesegnet“ und initiiert.

Morton Smith (1915-1991) hat in seinen Veröffentlichungen auf die magischen Rituale in ihren Kreisen hingewiesen. (>Das geheime Markusevangelium)

Jedenfalls ist die orientalische Kultur nicht so fortpflanzungsreduziert, wie sie uns vermittelt wurde und noch wird. Die Männerliebe hatte immer ihren Platz neben der „Frauenliebe“ und ist uns – nach meiner Ansicht – historisch in Form der monotheistischen Religionen überliefert worden.

Vor vielen Jahren hat man mir ein Geburtshoroskop geschenkt. Darin konnte ich lesen, dass ich „zur Bildung religiöser Gemeinschaften neige“. Nun, wenn Männergesellschaft und Männerfreundschaft eine religiöse Dimension haben, dann trifft das wohl zu! (schmunzel!)

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

Frühere Pfingsttexte (2010, 1997)

* Interessante Bemerkung im Lexikon der Symbole. Dort finde ich den Hinweis, dass es am Anfang auch Kreise gab, die Gott als Einheit von Vater und Mutter sehen wollten. „Dass eine solche Meinung selbst heutzutage mitunter gefährlich sein kann, zeigt der frühe Tod Johannes Paul I. kurze Zeit nachdem er behauptet hatte: „Gott ist Vater. Noch mehr ist er Mutter.“ (Bauer/Dümotz/Golowin: Lexikon der Symbole, 1987/Heyne TB 1989, S. 185)

** (Es geht um den unerfahrenen Mann) „Nun verlangt aber auch gar kein vernünftiges und heil gebliebenes Weib solch Nonsens von ihrem Manne. Im Gegenteil wird sie bei der Sicherheit ihres Liebesinstinktes sehr misstrauisch sein gegen einen Mann, von dem sie das annehmen dürfte. Sie wird einen Geschlechtsinvaliden oder einen Narren in ihm wittern und ihn sicher bald zum Hahnrei machen. Ihr Ergeiz ist nämlich, gar nicht die Erste, sondern die Letzte zu sein, die Triumphatrix seines Geschlechtslebens… Während des Mannes Geschlechtsehrgeiz umgekehrt ist, der Erste zu sein, will sie gerade auf der letzten Sprosse seiner Liebesleiter thronen.“ (Leo Berg, Das sexuelle Problem, 1901)

Zur Zahlenmagie:

50  Die erste biblische Schöpfungserzählung wird in Gen 2,3 abgeschlossen mit der Wendung ‚da diese geschaffen wurden’, hebr. behibaram, 2-5-2-200-1-40. Das sind dieselben Wort-/Zahlkomponenten wie bei Abraham, nur in anderer Reihenfolge: „Der neue Name Abraham war schon in der Struktur dieses Wortes ‚behibaram’ enthalten, womit die Schöpfung von Himmel und Erde ausgedrückt wird, und zwar schon so, wie er dann zustande kommen sollte. Erst ohne die 5, dann mit der 5, darum mit dieser kleinen He, der erst nur im Keim anwesenden He darin.“

„Der besondere Charakter dieser 5 an dieser Stelle bewirkt nun, dass diese Passage [Gen 2,3] in der Überlieferung gelesen wird als ‚mit der 5 schuf er sie’“ (die Welt). Die irdisch-materielle Welt und Zeit wird aber durch die Zahl 4 (40, 400) ausgedrückt (vgl. die 4 Mondphasen): „Die Zahl Fünf ist dann bereits von anderer Ordnung“, nämlich Zahl des Geistes und des Jenseitigen. Um die 5 hier auszudrücken, bedarf es des ‚Bundes’ als Verbindung der ‚weiblichen’ 4 (Welt, Nacht) mit der ‚männlichen’ 1 (Gott, Sonne). Daraus ergibt sich die für die Bibel zentrale Bedeutung der Zahl 5 sowie dann auch der Zahlen 50 und 500.

fünfzig = Mehr als die 49, => 7² als Zahl der 7-Tage-Schöpfung (die Arche Noah steigt bei der Flut auf 49 Ellen, die Öffnung der Dachluke = 1 Elle führt zur 50 – vgl. Gen 6,16). Josua, der Sohn des Nun (= 50), führt das Volk in das Gelobte Land der Einheit (Num 27,18.23); Jobeljahr (Jubeljahr, Gnadenjahr): Jedes fünfzigste Jahr soll die Freilassung für alle Bewohner des Landes ausgerufen werden (Lev 25,10; vgl. Lk 4,19); ähnlich das Sabbatjahr. Offenbarung der Thora mit den Zehn Geboten und der Erneuerung des Bundes am 50. Tag Schawuot nach dem Auszug aus Ägypten; an Pfingsten (= ’50. Tag‘ nach Ostern) wird der Heilige Geist auf die Gläubigen ausgegossen, Beginn der Mission der Apostel (Apg 2). Die erzählte Zeit des öffentlichen Lebens Jesu im Markusevangelium (von Mk 1,15: „die Zeit ist erfüllt“) dauert 7 Wochen mit der Auferstehung am 1. Tag der 8. Woche oder am 50. Tag.

Gerontophilie – die Liebe zu und der Sex mit älteren Männern *

Freitag, April 19th, 2013

Eigentlich sollten wir alle „gerontophil“ sein, denn es ist unser Lebensziel, älter zu werden. Aber das ist nicht gemeint. Wer gemeinsam alt wird, ist nicht in dem Sinne „gerontophil“.

Die Gerontologie ist die Lehre vom Altwerden und  die Geragogik oder Gerontogogik ist ein junges Forschungsgebiet, welches die Pädagogik und die Erwachsenenbildung um die. Bildung der Älteren erweitert.

Unsere Kultur muss lernen zu akzeptieren, dass nicht alle Menschen über 70 „Pflegefälle“ sind und werden! Zudem haben nicht wenige Männer ein Sexualleben bis zum Todestag.

Beim Recherchieren im Internet stösst man auf „furchtbare“ Sachen. Da war eine Krankenschwester in einem Frage-Blog, die sich in eine Patientin verliebt hatte und nach Pflege-Ende völlig verzweifelt war.

Ich stiess auch auf einen jungen Mann, der auf Ältere steht und entsetzt darüber war, ob er sich jetzt „so einen Pädophilen“ suchen müsse. (Hier möchte ich klarstellen, dass ein solches Verhältnis nicht gleich gegensätzlich gesehen werden kann, wie zwischen „Mann“ und „Frau“ – in dieser typisch hetero/a Denkweise! Ein Heterosexueller sucht ja auch nicht einen Homosexuellen…)

Verlieben können wir uns lebenslang und nicht nur in „alters-adäquate“ Personen. Ich habe mich als Schüler auch in zwei meiner Lehrerinnen verliebt – und bin trotzdem, aber nicht deswegen, schwul geworden! 😉

Es stimmt mich sehr nachdenklich, wenn ich im Internet Texte finde wie folgt: „So wie man Pädophilie nicht mit Kinderliebe definieren kann, so hat auch Gerontophilie nichts mit Liebe zu tun. Gerontophilie steht am häufigsten mit Sadismus, Vergewaltigung und Nekrophilie in Verbindung. Sexuelle Erregung durch Geschlechtsverkehr mit einer älteren Frau oder einem älteren Mann ist lediglich ein liederlicher Wunsch nach Bestrafung, Rache und Anerkennung. Viele an Gerontophilie leidenden Menschen haben in ihrer Kindheit seitens strenger Eltern oder Grosseltern Gewalt erfahren müssen.“

Ich meine, wer so etwas schreibt, der hat nun wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank! Um das auf Homosexualität zu übertragen, würde das heissen: Es werden immer wieder Männer vergewaltigt, besonders auch im Krieg – und das nennt man dann Homosexualität. KeineR kommt auf die Idee, den Ort der meisten Gewalt, also das Ehebett oder eben die Ehe pauschal als Vergewaltigung zu bezeichnen. (Aber es ist bezeichnend, dass die gesellschaftspolitisch korrekte Sexualität von jeglicher Kritik ausgenommen wird.)

In der sogenannten Fachliteratur gibt es die Liebe zum Älteren gar nicht. Entweder hat man sie mit einer Ehefrau gehabt, oder ist ledig geblieben. Es ist aber bekannt, dass sich in Altersheimen auch ältere Pensionäre noch verlieben können. Doch sind auch ältere Schwule über 70 zu mir gekommen, die sich beklagten, dass sie sich von den „älteren Damen“ belästigt fühlen und ständig zum Kaffee eingeladen würden! 😉

Die genannte sexuelle Neigung ist Thema des Buches Pyromalion (2006) von Hugo Hammerfest, in dem ein 25-jähriger Mann nur Beziehungen mit weitaus älteren männlichen Partnern haben kann.

van Sant, Geron

Demnächst im Kino!

Einen einzigen fachwissenschaftlichen Artikel zum Thema habe ich bei Arnold Kutzinski 1879-1956) gefunden. „Über Gerontophilie“, (Mschr Psychiat Neurol 1930;74:86–94, S. Karger, Berlin) Doch der ist wenig hilfreich. Kutzinski hangelt sich neurotischen Befunden entlang. Aber Krankheiten fand man immer auch bei den Homosexuellen. Und die Fachärzte sahen immer nur die „kranken Homosexuellen“ in ihrer Sprechstunde!

(Otto)„Juliusburger spricht erst dann von Gerontophilie, wenn die Beziehungen zwischen Älteren und Jüngeren über das normale Mass der Achtung und Sympathie hinaus geht.“ (Kutzinski, S. 87)

Es gibt verschiedenste Kulturen, die die Achtung und den Respekt vor den Älteren/Ältesten kultivieren, so zB in Japan, Südamerika, Asien, Arabien und Afrika…

Das wird bekanntlich unter dem „Vaterkomplex“ diskutiert. Allerdings muss ich anmerken, dass Jungs und junge Männer dann eben KEINEN Komplex haben, wenn sie ungezwungen mit älteren Männern umgehen oder sogar Sex mit ihnen haben können. Ein Komplex besteht dann, wenn dies unmöglich ist, oder zu Konflikten führt.

Es gibt aber auch Kulturen, in welchen der Vater generell unbekannt oder unwichtig ist. Z.B. in Südchina. Die Familie definiert sich über die Mütter und Tanten. Zudem gibt es die „Alternativwahl der fehlenden Familienrollen“ ausserhalb. Ein Junge findet keinen Zugang zum leiblichen Vater, oder lehnt ihn ab. Also sucht er sich jemanden ausserhalb. Das kann die familiäre Struktur stören, finde ich aber legitim. Ein Junge konnte nicht mit dem Vater über seine Homosexualität reden – also bezeichnete er mich als „schwulen Vater“.

Ich erinnere an die Paten-Funktion innerhalb der Verwandtschaft. Bei den Griechen wurde ein einflussreicher Mann als Paten gewählt, damit er bei Verlust des Vaters für das Patenkind und die Familie sorgen konnte.

„So glaubt Steckel in einzelnen Fällen die Gerontophilie in einzelnen Fällen auf das Gefühl der Minderwertigkeit zurückführen zu müssen. Diese Individuen fühlen sich den Aufgaben der Liebe nicht gewachsen. Sie müssen unbedingt ein Gefühl der Überlegenheit haben, um sexuell empfinden zu können. Sowohl beim Kinde, als auch beim Greise sei es das Moment der Schwäche, welches in ihnen das Erhebende Bewusstsein der Überlegenheit ihrer Kraft hervorruft. (Kutzinski, S. 87)

Das kommt mir aber an anderer Stelle wieder bekannt vor. Männer sind Frauen auch überlegen und können sich in Schuldgefühlen gegenüber ihrer Mutter befinden. Der Vergleich mit dem Kinde hinkt, denn Frauen spielen in unserer Sexualkultur „das Kind“ und sie locken auch „das Kind im Manne“ hervor. Sonst könnte das Spiel mit der Heterosexualität gar nicht funktionieren. Als ich erstmals in hetero Chats eingetreten bin, hat mich das total verwirrt, wie kindisch und kindlich da miteinander umgegangen wurde: „Mausi, Schatzi, Süsser, etc.“

„Endlich gibt es Formen, in denen die Gerontophilie nur eine verkleidete Form der Homosexualität darstellt. So spricht Magnus Hirschfeld davon, dass homosexuellen Männern ältere Frauen häufig sehr sympathisch sind.“ (Kutzinski, S. 87)

Ich kann mir gut vorstellen, dass es ihnen dann wie den Mädchen und Frauen („fag hags“) ergeht, die sich unter Schwulen nicht ständig sexuellen Anforderungen ausgesetzt fühlen. 😉

Im Weiteren bietet Kutzinski in seinem Artikel einen Fall und dessen Darstellung, der überhaupt nicht als repräsentativ betrachtet werden kann. Er weist dann auf Freuds Vermutungen hin, dass sich „Invertierte“ mit der Mutter zu stark identifizieren können und dann einen Sexualpartner wählen, der ihr entsprechen könnte. Das ist die Theorie des Muttersöhnchens, das mit den möglichen Sexualpartnern der Mutter sexuell verkehrt, um SIE vor „diesen“ zu schützen! Eine typisch heterosexuelle Interpretation – aus dem traditionellen Ödipuskomplex! 😉

In den 30er Jahren spielten nicht nur pathologische Betrachtungen um sexuelle Abweichungen eine Rolle. Die sogenannten konstitutionsbiologischen Gesichtspunkte wurden stärker berücksichtigt, weil sie auch besser erkennbar waren. Letzter Vertreter dieser Theorie war Willhart S. Schlegel (1912-2001). Er versuchte, Homosexualität, oder „Weiblichkeit“ anhand des Beckendurchmessers „abzulesen“…

In der neueren Fachliteratur habe ich bei Peter Fiedler, 2004 (1) den Begriff „Gerontophilie“ nur in einer Aufstellung erwähnt (S. 47) gefunden, er schreibt aber nichts weiter dazu.

Brigitte Vetter schreibt noch 2007: „Tiefenpsychologisch kann die Ursache der Gerontophilie neben der allen Perversionen, gemeinsamen Angst vor der Frau und der erwachsenen Sexualität in einer Regression (Zurückfallen), bzw. in einem Festhalten an Triebwünschen der kindlichen Entwicklungsstufen gesehen werden.“ (2)

Die Tiefenspychologie wurde von C.G. Jung und Alfred Adler weiterentwickelt. Sie steht auf der heterosexuellen Dualität von Animus und Anima. Die Diplompsychologin und psychologische Psychotherapeutin ist langjährige Fachdozentin für Pflegeberufe. Vetter referiert zwar Homosexualität als „nicht behandlungsbedürftig“ (solange es wohl unter gleichaltrigen vorkommt), aber bei der Gerontophilie hat sie offenbar nur die Heterosexualität im Blick:

„ … dass der Sexualpartner entweder durch sein Alter wehrlos oder durch Behinderung, Schlaf oder Tod, bewegungs- und reaktionsunfähig ist. Vermutlich verbirgt sich hinter diesen Präferenzstörungen die Angst vor einer ebenbürtigen Sexualität mit aktiven Partnern.“ (3) S. 269.

Mit Verlaub, Frau Vetter, inwiefern ist denn die Heterosexualität in sich „ebenbürtig“? (4) Von der Kindersexualität, über die Jugendsexualität, bis in die hetero Familie hinein wird immer nur in hetero Kombinationen gedacht und diskutiert – und auch straf-gerichtet! Gleichgeschlechtliches Zusammensein wird nicht einmal „mitgedacht“ – es fällt unter den Tisch – die Partner sind aber auf gleicher Augenhöhe zueinander!

„… altersbedingte Merkmale wie Weisshaarigkeit, greisenhafte Magerkeit, Hirnleistungsschwäche, aber auch klimakteriumsbedingte Veränderungen (können) Auslöser für das sexuelle Verlangen“ (sein). (S. 270) ) – [Im Pschyrembel© Sexualität Verweis auf Fetischismus!]

Es ist klar, dass die Fachleute/frauen immer nur in ihrem Bereich etwas von sexuellen „Präferenzen“ mitbekommen, dann wenn sie sich als Störungen manifestieren! Aber es gibt auch „harmlose“ Gerontophile mitten unter uns.

Wir sollten in der Geschichte und in der Psychologie auch generell nicht immer nur von der neueren Kleinfamilie ausgehen, die sich durch die Industrialisierung herausgebildet hat. Und auch nicht nur von der Romeo/Julia/ -Julius Beziehung zu zweit…

„Die frühesten “Familien” waren keine “heterosexuellen” Kleinfamilien, wie wir sie kennen, sondern schlossen Mutter, Schwestern, Brüder, Tanten Onkel usw. in einer losen Gruppe zusammen. Es gab keinen “Vater”, und die Beziehungen zwischen Mutter und Kind waren keineswegs so elementar, wie wir heute annehmen; Tatsache ist, dass Kinder, Mütter und Schwestern oftmals nicht wussten, wem welches Kind gehörte… Das frühe Indogermanisch verfügte über kein Wort für “Vater” und Jahrhunderte lang war es nicht bekannt, dass Geschlechtsverkehr die Ursache für Schwangerschaft ist. Während dieser Jahrhunderte war die Grossfamilie eine überlebensfähige soziale Einrichtung…” (Shere Hite: Das sexuelle Erleben des Mannes [2], 1978/1991, S. 290)

In Zentralafrika gab es Jahrzehnte lang Minenarbeiter, die weit weg von ihren Angehörigen und ihren Ehepartnern und Familie lebten. In der Zeit der Abwesenheit bildeten sich unter den Männern neue Formen des Zusammenlebens am Arbeitsort. Meistens ergaben sich gleichgeschlechtliche eheähnliche Verhältnisse zwischen Älteren und Jüngeren, mit entsprechender Rollenteilung im Haushalt.

Ich habe aber auch schon von gleichgeschlechtlichen Verhältnissen unter Frauen in Afrika gelesen, bei denen die Eine die Männerrolle übernahm, die auch sozial wie bei einem richtigen Mann anerkannt wurde. **

Die Ethnologie könnte der Psychologie und Psychoanalyse Beispiele liefern, die deren Beschränktheit auf die Kleinfamilie aufbrechen und neue Zusammenhänge eröffnen würde.

Ich referiere nun aktuell einen 30jährigen, der im Internet aktiv nach älteren Männern sucht. Die meisten von ihnen kennen das Wort Gerontophilie gar nicht! 😉

„Mit 13 habe ich gemerkt, dass ich auf ältere Lehrer stehe. Das zog sich weiter bis jetzt. Bei mir fängt ein Mann erst an interessant zu werden ab 55-70. In diesem Alter waren auch all meine Partner, und ich genieße es … Da ich nur Sex mit Älteren habe, brauchte ich mich nie umzustellen. Ich bevorzuge eh die Zärtlichkeit und nicht das Rammeln. Mir geht’s ums Küssen, Kuscheln und auch etwas um Sex, aber nur so, dass es beiden Spass macht. Ich bin nie gross von diesem Alter weggekommen. Meine Vorliebe zu Männern hat sich über die Jahre nicht verändert.“

Ein 19jähriger verriet mir, dass er mit 18 zum erstenmal in eine Gaysauna gegangen sei und dort seine Anziehung zu älteren Männern erlebt habe: „ich lasse mich einfach gern unterwerfen… Es muss nur ein Mann sein.“ Auf meine Frage, wie er’s denn mit Frauen habe: „Ich find die zwar geil, aber überzeugt war ich selbst von keiner, die ich ficken konnte oder so…“

Ein weiterer: „Bin 19 Jahre jung und unerfahren! Suche Erfahrungen mit älteren Herren zwischen 50 und 80. Suche Lehrer! Möchte dein Schüler sein! Bin gehorsam und willig!“ ***

Mann kann auch bis in die Dreissiger und Vierziger Jahre auf noch ältere Männer stehen: „Am Anfang fand ich (14) es komisch, dass mich dieser „Daddy“ scharf macht. Danach, bzw. gleichzeitig fingen die Fantasien an. Hatte leider nie den Mut ihn anzusprechen… wäre zu gerne nochmals in dieser Situation… wüsste ich doch heute was zu tun ist. Naja, die Situation war für mich geil damals. ER würde sich strafbar gemacht haben, daher er auch nichts mit mir anfangen würde. Obwohl ich es mir damals gewünscht hätte.“ (29)

Das Motivationsspektrum ist also ein weites, genauso wie üblicherweise auch zwischen Mann und Frau, oder umgekehrt! In Wikipedia wird Magnus Hirschfeld erwähnt, der von einem Altersunterschied von mindestens 50 Jahren zwischen Beteiligten ausgegangen ist. Nun, damals wurden die Menschen selten so alt wie heute! 😉  Und da wir heute immer häufiger „hochbetagt“ werden, wird es die Gerontophilie auch öfter geben…

Hier könnten jetzt noch andere biografische Texte stehen. Ich würde sie gerne sammeln für einen Überblick. Es gibt nach meinen Recherchen zwei Hauptgruppen von Gerontophilen. Diejenigen, die sich mit Älteren identifizieren und deren Nähe suchen, sowie diejenigen, die nur „spielen“ wollen: Daddies, Masters, Lehrer-Schüler, etc.

Spielen können wir vieles, sogar Windelbaby. Aber diese sind hier nicht gesucht, weil es sich dann lediglich um eine Art Fetisch handelt. Beim Fetisch wird das Personale, die Person unwichtig.

Peter Thommen_63

Letzte Ergänzung am 26.4.13

thommen(at)arcados.ch

 

1) Peter Fiedler: Sexuelle Orientierung und sexuelle Abweichung, Beltz 2004 (bisher keine NA!

2) Zitat aus: Psychiatrie – ein systematisches Lehrbuch, Schattauer 2007, S. 147.

3) Brigitte Vetter: Pervers, oder? Sexualpräferenzstörungen. 100 Fragen…, Huber Bern, 2009

4) Das Wort ebenbürtig kommt aus der Zeit der unterschiedlichen sozialen „Stände“ vergangener Jahrhunderte. Es bezog sich auf die Geburt in einem bestimmten Stande, in welchem, oder nächst höherem dann auch geheiratet werden musste!

 

* Diejenige mit einer jüngeren/älteren Frau als Partnerin ist bei Heteros ein ziemlich beachtetes Thema. Die schwule/lesbische Kombination hingegen nicht.

** Die Amerikanerin Denise O. Brien von der Temple Universität fand bei mindestens 20 afrikanischen Bevölkerungen den höchst eigenartigen Brauch der Frauenehe. Dabei handelt es sich um eine sozial und wirtschaftlich begründete Einrichtung und nicht etwa um gleichgeschlechtliche Beziehungen. Vielmehr hat die Ehefrau das Recht oder sogar die Pflicht zur Wahl männlicher Partner, und als Vater der von ihr zur Welt gebrachten Kinder gilt – rechtlich wie sozial – ihr weiblicher „Ehemann“. …

O’Brien, Denise and Sharon W. Tiffany: Rethinking Women’s Role Perspectives from the Pacific, University of California Press 1984, 236 S.  (zvab.de)

*** (Gewisse Leute vermeiden das Wort „ich“ am Anfang eines Satzes! 😉

 

Die „queere Version“ von Harald and Maude!

Gerontophilie bei Wikipedia

GERONTOPHILIA, ein Projekt von Bruce La Bruce

Über Dreharbeiten in Kanada

Preview aus dem gedrehten Film

Bilder aus dem Film

Was denken alte Schwule und Lesben über gaysex?

Rechtliche Probleme bei körp. oder geistiger Behinderung (BRD)

Der homosexuelle Mann im Alter (Wilfran Nicols, Kreis 1/1958)

Schwule Männer im Alter, Fachkongress 2008

Eine Schwulensauna als Rückzugsbiotop für ältere Männer