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Ist es gut, wenn Schwule sich unter einen rosa „Pussyhat“ stellen?

Freitag, März 10th, 2017

Einige Schwule oder „Falschsexuelle“ haben sich dieses Jahr freudig der „Pussyhat“-Aktion angeschlossen und sich eine rosa Strickmütze mit zwei Ecken aufgesetzt, mit der sie am Tag der Frau auftreten wollen. Rosa ist die Farbe für Mädchen, wiewohl minu vor vielen Jahren einmal geschrieben hat, in Basel sei das anders gewesen!

Rosa war auch die Markierungsfarbe für Schwule im Konzentrationslager der Nationalsozialisten (1). Das aber dürften die Junghomos heute nicht mehr so genau wissen undwollten es die Frauen je wissen?

Ich habe von Kathrin Küchler vor Jahren (LIBS*) gelernt, dass die Lesben bei den Frauen/Organisationen nicht unbedingt willkommen gewesen sind. Lesben waren in der Schwulenbewegung immer wieder dabei, als „Einzel-masgge“, wie in Basel gesagt würde. Ich habe es noch erlebt, wie an einer der ersten HACH*-Versammlungen in Zürich die Lesben unter Protest die Konferenz verlassen haben. Und nach 40 Jahren ist die LOS* auch wieder aus gemeinsamen Räumlichkeiten mit Pink Cross ausgezogen.

Wir Schwulen sind in den letzten paar Jahren immer wieder für Solidarität mit anderen Gruppen angegangen worden. (LGBTI….) Aber die Frauen – quasi als historisch einzige Alternative zur Männlichkeit – sind nie für sowas mit Schwulen angefragt worden. Es gab meines Wissens auch nie eine Diskussion mit den Frauen darüber. Ich habe als Jungschwuler nur mitbekommen, dass Frauen „unsere Verbündeten“ seien im Kampf! Meine Lebenserfahrungen haben das Schritt für Schritt wieder relativiert. Die ersten Schwulendemos 1972ff in der Bundesrepublik Deutschland predigten damals „die Befreiung der Frau im Mann“.

Logisch ist es politisch vernünftig, „das Weibliche“ in der Gesellschaft vor Diskriminierung und Abwertung zu verteidigen! Aber bekommen wir von dort jemals etwas „zurück“? In der Diskussion um den Frauentag geht es auch immer wieder um die Gewalt gegen Frauen. Nur ist dann dies die Gewalt des Schweigens, die sehr oft bei sexuell motivierter Gewalt auf homosexuelle Söhne und auch Töchter in- und ausserhalb der heterosexuellen Familie eine grosse Rolle spielt. (2) Nach meiner begrenzten Erfahrung entziehen sich Frauen am liebsten den Diskussionen um die Homosexualität und sind auch nur schwer von gesellschaftlichen Parallelen zu überzeugen (3) Ich habe als Jungschwuler noch gelernt, dass nicht die Väter die Gefährlichen sind in der heterosexuellen Familie – es sind die auf ihre Söhne eifersüchtigen Mütter!

Kehren wir zurück auf die gesellschaftliche Ebene. Nach den Schwulen und den Lesben als „bewegte Minderheiten“ (oder auch umgekehrt!) 😉 kamen die Bisexuellen und Transmenschen dazu. So erweiterte sich in den letzten Jahrzehnten die Minderheit um weitere Buchstaben… Alle diese Buchstaben-Menschen stellen eine selbstverständliche Forderung an Schwule um Solidarität.

Alle diejenigen „Minderheiten“, die also von Frauen geboren worden sind und dann weggeschoben wurden, hängen jetzt an den Schwulen – und von mir aus auch an den Lesben. Denn eigentlich wäre es von allem Weltanfang Sache der Eltern gewesen, sich um JEDES Stück Fleisch und seine Lebensaussichten zu kümmern, egal ob es „behindert“ oder „krank“ oder irgendwie falschsexuell ist. Und jetzt sollen die Schwulen – mit allen Buchstabenmenschen – die quasi diesen „Abschaum aufgenommen haben“, mit Frauen solidarisch sein!?

Aber wollen das denn die Frauen auch? Oder wen von den Buchstabenmenschen wollen sie und wen wollen sie partout nicht – und warum? Gibt es Solidarität nur mit den „gebürtigen Frauen“ oder auch mit „feminisierten“ oder transsexuellierten Männern, oder nur mit denen, die „richtig unter dem Messer umgewandelt“ worden sind? Fragen über Fragen, die keineR stellt im Enthusiasmus der politischen Solidarität! Wenn schon Schwule Mühe bekunden, andere Buchstabenmenschen zu verstehen und sich mit ihnen zu solidarisieren, wie diese es ganz heftig wünschen, haben dann Frauen keine Probleme mit der „aufgedrängten Solidarität“ von Schwulen mit Anhang?

Von anderen Hautfarben und Ethnien gar nicht zu schreiben. Ich will daran erinnern, dass zurzeit der „bekämpfteste Bock“ im Sexismus, der hetero-sexuelle/Cis-sexuelle weisse Mann ist. Aber gibt es die gleichen Probleme nicht auch mit den hetero Böcken in den verschiedenen Hautfarben? (Und sind das in Sexualität und Politik nicht auch die begehrtesten/gewähltesten?)

Schon Hugo Loetscher hat übrigens darauf hingewiesen, dass unter den farbigen Menschen in deren Kultur immer diejenigen als „Wertvorbild“ dienen, die am „hellsten gefärbt“ seien.

Ich will keiner Entsolidarisierung irgendwelcher Art hier nach dem Mund schreiben. Aber in Bezug auf James Baldwin und seinen neuesten biografischen Film sage ich: Ich bin nicht Euer Schwulo! (4)

Peter Thommen_67, Schwulenaktivist

P. S. „Wenn es etwas gibt, was Heteros stört, dann ist es vielleicht nicht so sehr der Akt, sondern dass sie darüber nachdenken sollen.“ Egbert Hörmann: Hurra ein Junge! 1997, S. 14

Bei einer Fifa-Podiumsdiskussion in Zürich (2017) wurde Thomas Hitzlsperger etwas wichtiges gefragt. Ob es nötig sei, dass man aufsteht und über seine homosexuelle Orientierung redet, wollte Clarence Seedorf wissen. Er sehe keine Heterosexuellen, die das machen: «Warum ist es etwas, über das man reden muss?»

„Weibliche Homosexuelle sind nicht nur psychologisch von den männlichen verschieden: die Dimension gesellschaftlicher Diskriminierung ist bei ihnen ebenfalls nicht mit jener gleichzusetzen, der homosexuelle Männer ausgesetzt sind.“ (Paul Parin: „The Mark of Oppression“, Psyche Heft 3/1985, S. 198)

„Ach, er konnte es nicht ausstehen, dieses Wort, schwul. Für ihn war es eine befremdliche Kategorie, beschrieb einen Lebensstil, der wenig lebensbejahend war. Nein, er bevorzugte das Wort Schwuchtel, das hatte Schlagkraft, Biss, war geradlinig, streckte selbstbewusst das Kinn nach oben, und es war gegenwärtig auch nicht selbstabwertender als beispielsweise „Amerikaner“. (Larry Kramer, Faggots/Schwuchteln S. 31)

„Ein Menschenleben bekommt durch die ambivalente Einstellung destruktiven Charakter. Die ganze Existenz ist von zunehmender Selbstzerstörung geprägt. Der Homosexuelle, der das innere „coming out“ geschafft und die zur Ambivalenz führende Illusion einer austauschbaren Identität durchschaut und aufgegeben hat, empfindet es als tiefes Glück, „anders“ zu sein, denn dieses Anderssein ist für ihn das Siegel seiner Besonderheit.“ (Schellenbaum: Abschied von der Selbstzerstörung, Kreuz 1987, S. 106/107)

„Immer wieder sehe ich in meiner Praxis die Verletzungen und Schäden, die entstehen, wenn schwule Männer sich selbst nicht annehmen können und – schlimmer noch – sich selbst und andere nach heterosexuellen Massstäben beurteilen. Verinnerlichte Homophobie zwingt schwule Männer oft, grausam gegen sich und andere zu sein.“ (Kort: schwul und cool, S. 20)

Die Krise des Heteromannes beginnt mit der Angst vor dem ‚weiblichen‘ Element, das er sich bei Homos immer zurecht phantasiert. die Angst vor der Frau wird auf Schwule projiziert, denn vor dem Schwulen muss ER das fürchten, was er ständig an der Frau vornimmt, aber niemals an sich selbst gestatten würde.

Drum wäre schon längst eine Diskussion zwischen der Frauen- und der Schwulenbewegung fällig. Die beiden gefallen sich aber im ‚blinden‘ Kampf gegen die Heteromänner, deren heutige Generation nicht mehr geändert werden kann, deren Söhne und Töchter aber um diesen Dialog einmal froh sein könnten. Peter Thommen (Basler Gay Zeitung Nr. 15, 10.03.1984, S. 6)

* HACH Homosexuelle Arbeitsgruppen der Schweiz (1974-1995, sh. schwulengeschichte.ch!)

LIBS (Lesbische Initiative Basel)

LOS (Lesben Organisation Schweiz)

1)  Ich bevorzuge das ausgeschriebene Wort. Die Polizei verwendet übrigens zum Teil bis heute immer noch gerne die Abkürzung „Homo“. 😉

2)  siehe auch meinen Text zum Frauentag vom 8. März 2011! und über Frauen und Schwänze aus 2012!

3)  Claudia Müller: Mein Sohn liebt Männer (Buchbesprechung)

4)  „I Am Not Your Negro!“

Schwule heilen!

Donnerstag, Dezember 25th, 2014

Gerade um Weihnachten herum können wir dieses Wort am besten verwenden. Wenn der „Heiland“ kommen soll, dann soll derjenige kommen, der alles wieder „ganz“ macht. Daher sollten wir das Wort in richtigem Sinne verwenden: Schwule wachsen so fragil und mangelhaft auf, dass sie der Heilung, also des Ganzwerdens bedürfen!

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich auch an „Reparativtherapien“, bei denen mir letztlich klar geworden ist, dass sie für Schwule durchaus einen Sinn machen können! Natürlich geht es nicht darum, sie von Homosexualität zu „heilen“, oder sie zu einer Heterosexualität zur „reparieren“. Aber es geht darum, eine Heilung zum ganzen Schwulen und eine Reparatur von der Beschädigung als Nur-Heterosexueller zu erreichen. Dies gilt natürlich auch für Bisexuelle und Heterosexuelle.

Auch unter Fortpflanzungs-Sicht wird der nur hetero Mann von der Mutter alleine ja nicht zum ganzen Mann gemacht. Aber bedarf ihrer lebenslang und sucht daher immer nach einer Frau, die ihn „ganz“ machen soll. Das könnte man die „heterosexuelle Gefangenschaft“ nennen. Das was als „Ganzheit“ begriffen wird, weil für die Fortpflanzung absolut notwendig, wird uns als Natürlichkeit und in hervorragender Absolutheit dargestellt. Nun aber „pflanzt“ sich der Mensch nicht andauernd „fort“, wie wir heute alle wissen. Die Arbeit ist genauso wichtig. Denn ohne Arbeit ist die erfolgreiche Fortpflanzung und Aufzucht von Kindern nicht möglich. Wir leben nicht mehr im Paradiesesgarten. Und in dieser alten Geschichte wurde ja auch nicht fortgepflanzt, sondern gearbeitet, erschaffen. Dies wird immer einfach vergessen. (Mir geht es hier nicht um Tatsachen, sondern um kulturelle Träume, die unhinterfragt propagiert werden!)

Die Fortpflanzung mussten die Menschen ausserhalb bewerkstelligen und auch erst lernen. Und um dies anzuregen, war sie mit Lust verbunden. Der „Preis“ war die Mühsal der Arbeit. Doch vorerst blieb die Lust den Männern vorbehalten! Bis vor hundert Jahren wurde den Frauen keine Lust zugestanden. Das störte die Fortpflanzung und leugnet noch heute die allgemeine und körperliche Lust von Kindern, die ja gerade das Produkt davon sind! Also nicht nur der Lust des Mannes!

Interessant an der Diskussion um die Sexualinformationen an Kindern ist die Einstellung von Eltern, die ein persönliches Recht darauf beanspruchen, was eh die wenigsten einlösen – und besonders von Müttern, die soweit gehen, dass die allgemeine Lust der Kinder solange wie möglich „unter Kontrolle der Mutter“ bleiben soll. Kürzlich hat eine solche in einer Zeitung von „der Intimität mit der Mutter“ schwadroniert, die solange wie möglich nicht „aufgebrochen“ werden soll…

In der gleichgeschlechtlichen Kombination mit Töchtern kann ich mir so etwas vielleicht noch vorstellen. Aber was diese Intimität mit ihren Söhnen soll, die möglichst lange, nämlich bis zur Partnerinnenwahl aufrechterhalten werden solle, das ist nicht einsichtig.

Ich frage mich schon lange, woraus die Gewalt gegen Frauen gespiesen wird. Die Schwulen mussten sich – zwangsläufig – mit der Gewalt gegen deren Formen von Weiblichkeit auseinandersetzen, um sie wenigstens ein wenig steuern, oder um sie sogar überleben zu können. Eine Diskussion darum mit den Frauen hat so recht eigentlich nie stattgefunden. Dieses Tabu hält sich trotz „Schwulenfreundinnen“ hartnäckig bis heute. Ja, in der Genderdiskussion wurde schon kritisiert, wie Tunten die Weiblichkeit verhöhnen würden…

Meine Eindrücke von allen Seiten lassen mich vermuten, dass durch das stete nicht Loslassen von Seiten von Müttern, Freundinnen und Ehefrauen, die Männer nicht heil oder ganz werden können. Die ewige Abhängigkeit von ihnen in zentralen Lebensbedürfnissen im Sex, muss zu gewaltsamen Abtrennungen, zur Revolten führen. Gleichzeitig wird das „schlechte Gewissen“ aufgebaut, das diese Befreiung verurteilen und verhindern soll. „Verschleierte Abhängigkeiten“ hat das mal eine Frau genannt, ohne direkten Bezug hierauf zu nehmen. (1)

Die Intimität, die gewisse Mütter wünschen, mit ihren Kindern und Söhnen, zeigt auch die Abhängigkeit von Frauen von ihren Kindern an. Aber wann sollen sie denn selbständig werden und auf eigene Füsse kommen – wie die Schwulen? Ist es nicht so, dass Mütter nicht mehr eigenständig und auf eigene Füsse kommen wollen? Und woher nehmen sie sich dieses Recht auf die Söhne, was sie als Naturrecht für sich beanspruchen? Am Punkt, an welchem die Mütter von ihren Söhnen (vor allem) geliebt werden wollen, bauen sich bei Schwulen einige Probleme auf. Denn noch deutlicher als die heterosexuell Ausgerichteten, wollen diese mit der Homosexualität auch weg von der Frau als der Leitfigur ihres Lebens! Bei den „Schwulenfreundinnen“ ist die Grenze nämlich dann erreicht, wenn der Schwule auch der Ehemann oder der Sohn ist!

Vergessen sind die Zimmermänner und Handwerksburschen, die auf Wanderschaft gehen mussten und sich von Müttern und Familien trennten! Auch schon bald vergessen ist die Schwulengruppe der 80er Jahre, die den Mann von seiner Frauenabhängigkeit befreien und ihn in der Männergruppe heilen wollte. Die Junghomos von heute werden mit den üblichen „heterosexuellen“ Ängsten beladen und in den Konsum gezwungen, um Aussicht auf einen anderen Mann zu haben. Speziell geschulte Psychotherapeuten und Coachinghelfer sollen die Probleme aus den bürgerlichen Widersprüchen individuell lösen helfen. Gegen gutes Geld natürlich.

Wenn das Geld im Kasten klingt, die arme schwule Seele in Therapie und Luxusferien entspringt. Frei nach Martin Luther. Amen

Peter Thommen_64, Schwulenaktivist, Basel

Über Konversions-„Therapien“

1) Hedda Herwig: „Sanft und verschleiert ist die Gewalt“, Rowohlt 1992. Herwig weist auf  S. 40 auf Verschleierungstaktiken von zwei Frauen gleichzeitig hin. Die erste ist Alice Miller, in einem Bezug auf das Verhältnis von Franz Kafka zu seinem Vater, sowie Kafkas Mutter, die einen Brief an den Vater an dessen Sohn zurückschickt und sich weigert, die Botin zu spielen. Seilschaften, die wohl erst noch aufgedeckt werden müssen.

Wie Millers Sohn kürzlich enthüllt hat, war Alice selber privat weitgehend fern von den Prinzipien, die sie nach aussen vertreten hat!

P. S. Was die Sexualität von Kindern betrifft, sollen mir keine Heteros/as was vormachen!  Und die Erwachsenen machen da voll mit – beim Spielen…

Schon Kinder können wissen, wie fabelhaft  sie werden können! 😛

Stalinismus und Putinismus, 1934/2014

Dienstag, März 11th, 2014

Die russische Oktober-Revolution hatte die alten antihomosexuellen Gesetze und die klassische Ehe aufgehoben.

„Die neuen Herrscher im Land nahmen zunächst keine eindeutige Haltung in der Frage der homosexuellen Emanzipation ein. In Russland, Weissrussland und in der Ukraine wurde das zarische Sodomie-Verbot einfach aufgehoben.“ (1)

Die sowjetischen Behörden umwarben die Reformbewegung des Berliner Sexualforschers Magnus Hirschfeld, der sich für die Rechte Homosexueller einsetzte. … Andererseits inszenierten die Bolschewiki Schauprozesse gegen den Klerus, in denen Fälle von „Päderastie“ aufgedeckt und angeprangert wurden.“

Heute dürfen Schwule zwar weitgehend „heiraten“ aber Jugendliche werden auch bei uns wieder strenger geschützt vor Homosexualität, selbst noch vor sich selber.

Entsprechend der anfänglich mit dogmatischer Schärfe betonten freien Moralauffassung des Kommunismus auf dem Gebiet der geschlechtlichen Sittlichkeit (freie Liebe, Kündbarkeit der Ehe, unbegrenzte Zulassung der Schwangerschaftsunterbrechung, Kindererziehung durch den Staat) war die gleichgeschlechtliche Unzucht ohne Qualifikationsmerkmale * in der Sowjet-Union anfangs straflos. Erst im Jahr 1934 wurde die Strafbarkeit der einfachen Homosexualität ohne vorausgegangene Diskussion und ohne Begründung eingeführt.“ (2)

Diese Änderung kann durchaus als Folge des Aufstiegs von Josef Stalin angesehen werden. Stalin war ein Georgier und kam somit aus einer alt-christlichen Kultur. Davon war er um die Jahrhundertwende geprägt!

Aus jener Zeit ist ein Text von Klaus Mann erhalten, der sich als politisch bewusster Schwuler damit auseinandersetzte:

In der Sowjet-Union gibt es neuerdings ein Gesetz, das die Homosexualität unter schwere Strafe stellt. Es klingt überraschend, und man fragt sich, mit welcher Logik und mit welcher Moral eine sozialistische Regierung die Entrechtung und Diffamierung einer bestimmten Menschengruppe rechtfertigt, deren „Verschulden“ in ihrer naturgegebenen Veranlagung besteht: aber es ist so. Übelstände und Skandale in den östlichen Gebieten der Union sollen den Anlass gegeben haben zu der Einführung des beschämenden Paragraphen – gegen den in mitteleuropäischen und westlichen Ländern die Linke seit Jahrzehnten erbittert kämpft.“ (3)

… meine ich nicht nur und nicht vor allem die in der Sowjet-Union immer deutlicher werdende Neigung, in den erotischen Fragen wieder strenger und konservativer zu denken und zu urteilen … „

Ich meine vielmehr jenes Misstrauen und jene Abneigung gegen alles Homoerotische, die in den meisten antifaschistischen und fast allen sozialistischen Kreisen einen starken Grad erreicht haben. Man ist nicht mehr weit davon, die Homosexualität und den Faschismus miteinander zu identifizieren. Hierzu darf nicht länger geschwiegen werden. Wir bekämpfen Rassenvorurteile. Und inzwischen wollen wir das unvernünftigste Vorurteil gegen eine bestimmte geschlechtliche Veranlagung überhand nehmen lassen?“

Dazu kann direkt in die Gegenwart verwiesen werden! Heute werden die Verlängerung des Prostitutionsverbotes und der „Kinderpornografie“ bis zum 18. Lebensjahr bis weit in linke Kreise hinein kritiklos hingenommen! Aus lauter „Besorgtheit“ über neue Medien und Migranten glauben die Leute, sie könnten die Sexualentwicklung von Jugendlichen „aufhalten“! Dabei hätten wir Jahre Zeit gehabt, sie zu informieren und zu begleiten. Und die Ausbeutung mit dem Sex wird bekämpft, damit die Ausbeutung WEGEN dem Sex nicht abgeschafft werden muss! Checksch es?

Woher kommt es denn, dass wir in antifaschistischen Zeitungen die Wortzusammenstellung „Mörder und Päderasten“ beinahe ebenso häufig lesen, wie in den Naziblättern die von den „Volksverrätern und Juden“? Das Wort „Päderast“ als ein Schimpfwort, nur weil es in nationalsozialistischen Verbänden viele geben soll, die junge Männer lieben, statt Frauen!“ (3)

Auch dies kommt mir heute sehr bekannt vor! Während die meisten Kinder von ihren Eltern oder in ihrer Familie misshandelt werden, geilen sich die Medien an „Pädophilen“ auf, die an jeder Ecke lauern sollen…

“ … wenn Blätter, die sich mit Vorliebe ‚liberal und aufgeklärt‘ nannten, plötzlich anfingen ‚Knabenschänder‘ zu schreien, wie eine hysterische Pastorengattin.“ (3)

Und die Schwulen, sowie alle anderen LGBT..s  regen sich über den „Putinismus“ auf, der doch nur mit der russisch-orthodoxen Kirche den Aufputz erledigt, den er früher mit dem KGB durchgeführt hatte. Vom Stalinismus bis heute sind nicht mal hundert Jahre vergangen. Die Politik mit dem Sex, den Homosexuellen und den Kindern bewährt sich von neuem! Die heutigen Linken haben nix gelernt, sorry!

Peter Thommen_64, Schwulenaktivist, Basel

 

* Qualifikationsmerkmale sind zum Beispiel Kontakte unter Zwang, Gewalt, oder als Prostitutionserwerb, oder Überschreitung von Schutzaltersgrenzen

(1) Healey, Dan: Beredtes Schweigen, in: Osteuropa Spektralanalyse, Homosexualität und ihre Feinde, S. 1

(2) Jescheck, Hans-Heinrich, in: Die Behandlung der Homosexualität im ausländischen Strafrecht, in: Homosexualität oder Politik mit dem § 175, roro 943, 1967, S. 96

(3) Mann, Klaus in: Homosexualität und Faschismus, erschienen in: DIE NEUE WELTBÜHNE, Prag 1934

Ulrike Lunacek: Homosexualität in Russland

Die Linke und der Sex, klassische Texte, Promedia 2011

Nachtrag: „Denn in der Ukraine, so Putin, hätten Neonazisten, Antisemiten und Russophobe die Oberhand gewonnen. “ (Bericht dlr.de)

Das Ende der Toleranz der Schwulen!

Freitag, Februar 21st, 2014

Oder: Wer nicht begeistert von der Heterosexualität ist oder spricht, ist gleich ein Heterophober!?

In den letzten zehn Jahren haben sich die öffentlichen „Erscheinungen“ von Homosexuellen und die Berichte über Schwule ziemlich verändert! Nicht nur im Internet. In dieser Zeit sind auch die Bisexuellen vermehrt, und andere „Fetischisten“ laufend, dazugestossen. Eigentlich alles, was bei den Heterosexuallen so „abfällt“, hat sich irgendeiner „Schwulencommunity“ beigeordnet, daher hat sich auch das Wort „queer“ immer mehr eingebürgert. Wir Schwulen sind – mit den Lesben und ihrem Anhang und den „heterosexuellen Abfällen“ – zu einer in der Gesellschaft unübersehbaren Gruppe angewachsen. Das beunruhigt die Mehrheit. Und auch viele Schwule!

Viele Diskussionen werden von Frauen (z. B. Barbara Höfler, NZZaS) angestossen – aber auch wertkonservative Männer melden sich vermehrt zu Wort: 2009 tat dies Philipp Gut in der Weltwoche und in der zeit.de – ihm antwortete Marko Martin. Letztes Jahr Ralf Schuler. Nun Matthias Matussek als aktuelles Beispiel. (1)

Zufällig bin ich in meiner Bibliothek auf einen Essay von Prof. Dr. G. Th. Kempe * gestossen, der aus der Sicht der 1950er Jahre eine Einschätzung der Situation von homophilen Männern gibt und über deren Verhältnis zu den Heterophilen schreibt.

Vergleichen wir es mit dem Dasein verschiedener Völker, dann ist diese Tatsache ebenfalls bekannt, aber mit diesem Wissen hängt die Anerkennung eng zusammen. Jedem Menschen ist das Dasein dieser Gruppe praktisch bekannt, aber anerkannt wird sie im allgemeinen nicht.“

Meines Erachtens besteht kein Zweifel, dass der durchschnittliche Heterophile unserer Zeit zu einer solchen Anerkennung einfach nicht fähig ist, wahrscheinlich nicht fähig sein kann, und das führt oft zu schrecklichen Folgen.“ (2)

Kempe sieht schon 1954, was wir heute aktuell erleben können! Niemand/Niefrau würde heute die Existenzberechtigung von Franzosen oder Engländern in Frage stellen. Anfangs letzten Jahrhunderts aber hatte diese Anerkennungsverweigerung „schreckliche Folgen“, nämlich die Kriege von 1914/18 und 1939/45.

Interessant auch, wie Matussek direkt Bezug auf den Holocaust nimmt: Mittlerweile hat Homophobie dem Antisemitismus als schlimmste ideologische Sünde den Rang streitig gemacht.“ Was seiner intendierten „Selbstaufopferung“ die Kappe aufsetzt! **

Heute können schreckliche Folgen, die speziell unsere Existenz betreffen, in den osteuropäischen, den arabischen und afrikanischen Völkern gesehen werden. Ursache ist aber nicht mehr der Glaube an den Patriotismus, sondern derjenige an eine Religion und den Heterosexualismus. Eine interessante Parallele wird dabei sichtbar. Die Juden waren sozusagen auch Kinder der Nichtjuden – und Homosexuelle sind ja eigentlich die Kinder der Heterosexuellen. Aber zu diesem differenzierten „Bewusstsein“ sind wohl Heterosexuelle wirklich nicht fähig.

Gerade las ich Joachim Bartholomae’s Essay über literarische Aussenseiter (3) und ihr Verhältnis zur Gesellschaft. „Baldwin wusste als Schwarzer wie als Schwuler genau wie Berührungsangst funktioniert – dieses letzte Tabu, das auch heute noch bei heterosexuellen Menschen die Befürchtung auslöst, sich durch Annäherung in Gefahr zu bringen.“ (S. 58)

Er zitiert auch Peter Rehberg: „Heten fragen vorm Sex: wollen wir was trinken? Homos hinterher. Erst Sex, dann saufen. So machen das die Homos. Korrekte Reihenfolge bitteschön beibehalten! Wenn Heten fragen: wollen wir was trinken? Wollen sie nichts als Sex. Heten sind Heuchler, nicht: wollen wir ficken, wollen wir was trinken? Fragen sie. Wenn Homos fragen: Wollen wir was trinken, dann ist der Sex schon rum (da muss man ja nicht fragen). (S. 71)

Diese Diskussionen liessen sich fortsetzen! Doch die „Schwulenbewegung“ ist in Pension gegangen. An ihre Stelle sind die Queers getreten und diese haben schon genug mit all den L G B T I Q Q A P  zu tun. Daher wird sie jetzt von den Heten gehörig aufgeweckt und aufgeschreckt! Das ist auch gut so!

Ich finde, über Homosexualität darf man streiten. Denn überwiegend wird sie von heterosexuell lebenden Männern ausgeübt, mehr noch als von Schwulen. Über die Schwulen sollte man nicht streiten, denn es gibt sie genauso wie die Frauen!

Peter Thommen-64, Schwulenaktivist, Basel

Über die Bedeutung der Identitätsstiftung in den homosexuellen Figuren bei Baldwin

Claudia Roth, Bündnis90/die Grünen. Über Homosexualität darf man nicht streiten

* Er lehrte am Kriminologischen Institut an der Universität Utrecht.

** Über die soziale Situation von Homosexuellen und Juden siehe: Parin, Paul: „The Mark of Oppression“, in: PSYCHE Nr. 3/1985, S. 194-219

(1) Siehe auch die beiden Gegenmeinungen! Stefan Anker und Lucas Wiegelmann

(2) S. 3 im PDF (im Original S. 4/5)

(3) Bartholomae, Joachim: Wie der Keim einer Südfrucht im Norden (Kleist, Kafka und andere Aussenseiter der Literatur), MS Verlag 2012, 80 S.

Thommen, Peter: Die Wurzeln des Spiessertums (> come out 3. Jg. Nr. 23, Juni 1990)

Der Protest des Klerikalismus* vor sei- nem Untergang

Samstag, Dezember 28th, 2013

Worte des Schwulenpapstes vom Kleinbasel

Wir männerliebenden Männer sollten uns nicht über jeden Hirtenbrief der katholischen Kirche aufregen. Das taten wir im letzten Jahrhundert schon zur Genüge. Und das „Zentralkomitee für die Homo-Ehe“ beginnt sich auch immer mehr als Führungsriege fürs schwule Leben oder lesbische Leben einzuschätzen. Denn je mehr wir die heterosexuellen Lebensformen annehmen, desto mehr werden wir zur Zielscheibe unserer „Vorbilder“ werden! Diese haben Angst, dass wir ihn ihnen, oder sie in uns „untergehen“ werden.

Bürgerliche Homosexuelle – vor allem die Junghomos – glauben, wenn sie die heterosexuellen Vorgaben möglichst korrekt übernehmen, könnten die Kirche und die Frauen „ja nichts“ mehr gegen sie haben. Also der Fehlschluss: Wenn die äussere Form stimmt, kann jeder Inhalt „Akzeptanz“ erwarten! Deshalb ist ihre Empörung ja auch so gross. Da haben sie sich doch so grosse Mühe gegeben…

Halt! Haben wir uns nicht auch immer grosse Mühe gegeben, der Mutter und der Familie zu Gefallen und zu Diensten zu stehen? Und trotzdem waren, sind und bleiben wir immer der Kuckuck im Nest des heterosexuellen Vogelpaares! 😉

 

Weil der „Hirtenbrief“ zum 10. Dezember 2013 des Bischofs Vitus Huonder in Chur die gängigsten, aber am wenigsten diskutierten Vorurteile und Fehleinschätzungen zusammengewürfelt hat, möchte ich auf die „tiefen Unwahrheiten“ und Theorien dieses Klerikers eintreten.

Also liebe warmen Brüder und „Schwestern“! (1)

Aus Verantwortung gegenüber der vergangenen Schwulenbewegung und Neugier auf eine selbstbestimmte Zukunft, sollten wir mehr Alternativen für uns, und diese breiter diskutieren und ausprobieren! Die Schwulenbewegung hatte sich von Staat und Kirche emanzipiert. (2)

„Natürlich“ gibt es für die Kirche nur eine akzeptable Form der Sexualität. Von dieser Einstellung wird sie auch nie herunter kommen. Da ändern auch die jahrzehnte-alten HuK-Gruppen und schwulen Theologen nichts daran.

Vitus Huonder hat zwar ins Fremdwörterbuch geschaut und die Erklärung von „gender“ (3) gefunden. Allerdings hat er sich nur teilweise darin bedient, denn „auf der Ebene der öffentlichen Darstellung (bedeutet es) die soziale Geschlechtsrolle“

Wenn Kleriker öffentlich oder in der Kirche auftreten, dann haben sie heutzutage einen transvestitischen Habitus. Selber fordern sie aber geschlechtseindeutige Kleidung im Namen des Herrn. Während sich die Kleidung der Männer und Frauen früher nur wenig unterschieden haben und Männer noch bis in geschichtliche Zeiten Röcke trugen, so hält die „mater ecclesiae“ (Mutter Kirche) bis heute daran fest. Während sie also in männlichen Zusammenhängen und Ritualen auftreten, zeigen sie gleichzeitig ein weibliches Kostüm-Bild. Die Kirche muss ja auch Mutter spielen, damit die heterosexuellen Männer von ihr ideologisch „gut genährt“ werden und sie ihrerseits „begehren“.

Mir geht es darum, den Klerikern zu zeigen, dass auch sie eine Gender-Kultur betreiben!

„El Schaddaj“ ist ein uralter Name, mit dem Gott sich Abraham offenbart hatte. Er bedeutet zugleich: Gewalt und Mutterbrüste. Er weist auf matriarchale Spuren hin. Die Gläubigen benehmen sich auch folgsam, weibisch und unkritisch gegenüber dem Obermacho im Himmel. Sie „spielen“ also Frau gegenüber dem „stärksten Mann“. Das hat mit der sozialen Rolle von Männern im religiösen Bereich zu tun.

Bischof Huonder verschweigt in seinem Text auch, dass es verschiedene Schöpfungsmythen in der Bibel gibt. Während er von Bipolarität schwadroniert, finden sich in der Bibel noch ganz andere Verhältnisse und Zusammenhänge beschrieben. Lilith gilt in der jüdisch-feministischen Theologie als eine Frau, die sich nicht Gottes, sondern Adams Herrschaft entzieht und im Gegensatz zu Eva, sogar resistent gegen den Teufel ist. In einer anderen Version brachte Lilith als erste Frau Adams, Gott dazu, ihr seinen heiligen Namen zu verraten. Dass die Bibel eine Auswahl genehmer Schriften ist, wird spätestens klar, wenn wir Einblick in die jüdischen Schriften erhalten, die vom Christentum konsequent ignoriert werden.

Huonders biologischer Bipolaritäts-Appell findet spätestens da seine Grenzen, wo Eva angeblich aus der Rippe Adams gebildet wird. Wahrscheinlich war es sogar umgekehrt. Ganz zu schweigen, dass es da mit den X und Y-Chromosomen schwierig wird.

Die Zerstörung von Ehe und Familie hat nichts mit „Gender-Studies“ zu tun. Das gab es schon in altbiblischen Zeiten, in denen es unfruchtbare Frauen gab, die dann ihre Mägde oder die Sklavin für den biologischen Fortbestand einsetzten. (1. Mose 16, 3-4 – „Wort des Herrn“!) Dabei wurden zwar keine Geschlechter, sehr wohl aber die „Gebärmütter“ vertauscht. Das übersieht Bischof Huonder geflissentlich…

Der Bischof übersieht auch völlig, dass alle die künstlichen Reproduktionsformen ursprünglich für heterosexuelle Paare erfunden worden sind, die unbedingt sich biologisch fortpflanzen wollten. Dies jetzt den lesbischen und schwulen Paaren vorzuwerfen ist perfid!

Huonder fällt voll in die bürgerliche Sicht des Gleich-Begriffes. Die Bedeutung bezieht sich nicht auf das „gleich Sein“, sondern auf das „gleichwertig Sein“ des jeweils „anderen“ Mannes oder der „anderen“ Frau. Wenn denn beide gleichwertig sind, bedarf es auch keiner besonderen Belohnung für Mutterschaft und Kindererziehung mehr. Wenn der Staat für die Wirtschaft (!) die Produktion neuer Arbeitskräfte fördern und belohnen will, tut er das nicht wegen des „Mutterseins“, sondern wegen der Aufzucht solcher Arbeitskräfte. Wo ist da übrigens der finanzielle Beitrag der Kirche?

Nicht der „Genderismus“ schadet dem Manne, sondern die Macht, die er inne hat. Es ist aber folgerichtig, dass mit der Emanzipation der Frau ihre ausschliessliche Opferrolle verlorengeht und sie in entsprechenden Frauschaftsstrukturen immer mehr auch zur Täterin werden wird. Das war schon in der Bibel so.

Der Schaden für ein Kind ergibt sich nicht aus „Genderismus“, sondern aus der Machtstruktur einer Familie, besonders der unnatürlichen Kleinfamilie, die ein Produkt der Industrialisierung ist. Wir können froh sei, dass der Staat Ersatzstrukturen aufgebaut hat, in welchen Kinder aus den Fingern unfähiger Eltern herauskommen und sie mit anderen vergleichen können. Alles was er gleichgeschlechtlichen Paaren anhängen will, gibt es schon lange in den zerrütteten Verhältnissen heterosexueller Paare und Familien, oder durch wirtschaftliche oder kriegerische Verhältnisse.

Wenn sich der Klerikalismus in die Ecke gedrängt fühlt, dann beklagt er sich lauthals über die „totalitären Züge“ der Anderen. Seine eigene sieht er natürlich nicht – auch diejenigen Menschen nicht, die er seit Jahrhunderten selber bisher ausgegrenzt hat, als Ketzer, Sodomiter und Häretiker…

Wir erleben das heute aktuell am Islamismus. So wie nur ein Gott sein kann, so kann nur eine Ideologie herrschen oder frauschen – und die Glücklichen sind immer diejenigen, die grad die Oberhand haben und die meisten Gläubigen hinter sich wähnen – dank ihrem Gott.

Die weltlichen juristischen Sanktionen kennen in der Gleichwertigkeit der Menschen keine Sondergesetze für die Kirche und die Gläubigen, die selber Sondergesetze für Abweichler geschaffen hat.

Bischof Huonder vergisst auch, dass Maria den Jesus „durchs Ohr – also mit dem Wort“ vom heiligen Geist empfangen hat. Das entspricht einem Gender und gar nicht so der bischöflich verteidigten Biologie.

„Das Wort ward Fleisch“. Auch in der Abendmahlsfeier vertritt die katholische Kirche immer noch die Version, dass sich das Brot und der Wein in reales Fleisch und Blut von Jesus verwandeln würden.

Den Begriff „Genderismus“ gibt es gar nicht in der wisschenschaftlichen Diskussion. Den Begriff Klerikalismus aber in der Ideologie-Diskussion schon. Sehr schnell werden dabei auch deren Kampfmittel eingesetzt und Gender als „Ismus“ verunglimpft. Nur weil die traditionellen Ansichten um neue erweitert werden – und nicht ausgegrenzt.

Wenn es darum geht Beziehungen zwischen Kirche und Jesus zu „erklären“ greifen die Kleriker selber zum Gender („eheliche Liebe“) und zu symbolischen Vergleichen wie „Braut und Bräutigam“ bei Gott und den Gläubigen. Ich habe gelernt, das Nonnen massenweise mit Jesus „verheiratet“ werden, indem sie einen Ehering tragen und einen symbolischen Harem um Jesus bilden. Aber auch Mönche werden mit Jesus „verheiratet“, tragen einen Ehering und „der Vollzug der Ehe“(!), der soll dann symbolisch erst am Todestag erfolgen…

Letztlich, wenn Gott das Ebenbild des Menschen, also Mann und Frau, darstellen soll, ist das auch ein Gender in der Doppelgeschlechtlichkeit.

Im Kampf um die biologische Familie habe ich oben schon erwähnt, dass es da mit Ersatzmüttern und Ersatzvätern auch nicht so streng biologisch genommen wird. Oftmals werden Ersatzmütter „verwendet“ (Bei der anfangs unfruchtbaren Sarah hatte die ägyptische Magd Hagar die Fortpflanzung übernehmen müssen).

Wie oft wurde und wird der Satz von Huonder umgedreht! „dass dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst.“ > Indem dort, wo (noch) nicht geglaubt wird, erst gar keine Würde des Menschen anerkannt wird! AMEN

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist und 1. Schwulenpapst des Kleinbasels

 

 

* Klerikalismus (von Klerus) bezeichnet das Bestreben, der Geistlichkeit einer Religion mehr Einfluss in einem Staat zu verschaffen (im Gegensatz zu Laizismus), oder das Bestreben, der Geistlichkeit innerhalb einer Religion im Vergleich zu den Laien mehr Gewicht zu geben. (Wikipedia)

 

1) Martin Dannecker auf einer Schwulendemo in Münster, 1972: „Brüder und Schwestern warm oder nicht, Kapitalismus bekämpfen ist unsere Pflicht!“

2) Die vergangene Schwulenbewegung der 70er bis 90er

3) Pschyrembel Wörterbuch Sexualität, de Gruyter 2003, S. 168 (gender)

 

 

Das Bekenntnis an den Mann

Sonntag, Mai 19th, 2013

Wir dürfen in der heterosexuellen Presse immer wieder davon lesen, dass wir Männer uns „zur Homosexualität bekennen“ würden. Das tönt immer ein wenig nach Religion. Dabei vergessen diese Heterosexuellen, dass sie sich in ihren monotheistischen Religionen dauernd oder ausdrücklich zum Mann – nämlich ihrem Gott und seinen Propheten bekennen…

Das Bekenntnis zum Mann muss irgendwie eine Art Religion darstellen. Auch dasjenige der Frauen zum Mann. Denn die Ehe steht unter dem besonderen Schutz, vom Glauben – bis zum Staat. Zur Mutter bedarf es keines Bekenntnisses, denn sie hat ein reales Verhältnis zu ihrem Kind. Nur über den jeweiligen Vater kann spekuliert werden…

So wie das Vaterschaftsverhältnis von Jesus zu Gott über ein Bekenntnis (durch den Heiligen Geist) ‚im Ohr Marias’ hergestellt wird, so wird auch das Verhältnis von Jesus zu seinem Vater wiederum über ein öffentliches Bekenntnis zu ihm hergestellt.

Zugleich ist das Verhältnis ein „weibliches“, denn der eifersüchtige Gott usurpiert die Bekennenden und lässt keinen Platz für weitere Männer neben ihm. Es ist eine spezifisch kulturelle – eben monotheistische – Moral, denn es gibt Frauen auf unserem Planeten, die ihre Männer selber wählen und sich nicht auf einen beschränken. So wie es auch immer Männer gab, die kulturell geprägt dasselbe umgekehrt taten…

Fünfzig Tage nach Ostern (dem öffentlichen Bekenntnis der Wiedererscheinung Jesu) folgt das öffentliche Bekenntnis des Verhältnisses von Gott zu seinen Jüngern, in symbolischer Form von „Wärme“ unter ihnen, oder als „Flammen über ihnen“. (Zur Zahl 50 siehe unten, Auszug aus Wikipedia!)

Penta (Pfingsten) ist hier also eine „Bekenntniszahl“. Pfingsten ist quasi der Gründungstag der Gemeinschaft von gläubigen Männern (und im Hintergrund dieser Lehre auch Frauen).*

Sosehr usurpieren diese Bekenntnisse von Juden, Christen und Moslems zum „Idealmann“ (Alter Ego) in irgendwelchen ideologischen Wolken (Gläubige/Ungläubige), dass Bekenntnisse zu realen Männern auf Erden sogar verfolgt worden sind. Historisch betrachtet haben eigentlich nur diejenigen Männer gesellschaftliche Probleme gemacht, die sich den Frauen völlig enthalten haben. Denn wer mit Frauen konnte, oder wollte, der hatte eigentlich kein Problem mit dem Sex mit Männern – ja ist eigentlich gar nicht aufgefallen… (2. Sam. 1, 27 – David und Jonathan)

Umgekehrt haben viele Frauen sehr wohl ein Problem mit Nebenmännern ihrer Ehepartner, eher noch als mit Nebenfrauen. (Siehe oben das „weibliche Verhältnis“!) **

Ich denke nun, dass es ziemlich verbreitet ist unter Männern, dass man zwar nur eine Mutter haben kann, aber durchaus – ausser dem Gott – mehrere Männer. Auch für die Frauen spielt es weniger eine Rolle, selber mehr als einen Mann im Leben zu haben…

Es kann also darüber spekuliert werden, wie religiös, oder welche religiöse Dimension die „Homo-Ehe“ ist, oder hat! Die Gemeinschaft der Männer um Jesus bildete jedoch auch eine Art Familie, oder „Lebensgemeinschaft“. Sie wurde an Pfingsten „gesegnet“ und initiiert.

Morton Smith (1915-1991) hat in seinen Veröffentlichungen auf die magischen Rituale in ihren Kreisen hingewiesen. (>Das geheime Markusevangelium)

Jedenfalls ist die orientalische Kultur nicht so fortpflanzungsreduziert, wie sie uns vermittelt wurde und noch wird. Die Männerliebe hatte immer ihren Platz neben der „Frauenliebe“ und ist uns – nach meiner Ansicht – historisch in Form der monotheistischen Religionen überliefert worden.

Vor vielen Jahren hat man mir ein Geburtshoroskop geschenkt. Darin konnte ich lesen, dass ich „zur Bildung religiöser Gemeinschaften neige“. Nun, wenn Männergesellschaft und Männerfreundschaft eine religiöse Dimension haben, dann trifft das wohl zu! (schmunzel!)

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

Frühere Pfingsttexte (2010, 1997)

* Interessante Bemerkung im Lexikon der Symbole. Dort finde ich den Hinweis, dass es am Anfang auch Kreise gab, die Gott als Einheit von Vater und Mutter sehen wollten. „Dass eine solche Meinung selbst heutzutage mitunter gefährlich sein kann, zeigt der frühe Tod Johannes Paul I. kurze Zeit nachdem er behauptet hatte: „Gott ist Vater. Noch mehr ist er Mutter.“ (Bauer/Dümotz/Golowin: Lexikon der Symbole, 1987/Heyne TB 1989, S. 185)

** (Es geht um den unerfahrenen Mann) „Nun verlangt aber auch gar kein vernünftiges und heil gebliebenes Weib solch Nonsens von ihrem Manne. Im Gegenteil wird sie bei der Sicherheit ihres Liebesinstinktes sehr misstrauisch sein gegen einen Mann, von dem sie das annehmen dürfte. Sie wird einen Geschlechtsinvaliden oder einen Narren in ihm wittern und ihn sicher bald zum Hahnrei machen. Ihr Ergeiz ist nämlich, gar nicht die Erste, sondern die Letzte zu sein, die Triumphatrix seines Geschlechtslebens… Während des Mannes Geschlechtsehrgeiz umgekehrt ist, der Erste zu sein, will sie gerade auf der letzten Sprosse seiner Liebesleiter thronen.“ (Leo Berg, Das sexuelle Problem, 1901)

Zur Zahlenmagie:

50  Die erste biblische Schöpfungserzählung wird in Gen 2,3 abgeschlossen mit der Wendung ‚da diese geschaffen wurden’, hebr. behibaram, 2-5-2-200-1-40. Das sind dieselben Wort-/Zahlkomponenten wie bei Abraham, nur in anderer Reihenfolge: „Der neue Name Abraham war schon in der Struktur dieses Wortes ‚behibaram’ enthalten, womit die Schöpfung von Himmel und Erde ausgedrückt wird, und zwar schon so, wie er dann zustande kommen sollte. Erst ohne die 5, dann mit der 5, darum mit dieser kleinen He, der erst nur im Keim anwesenden He darin.“

„Der besondere Charakter dieser 5 an dieser Stelle bewirkt nun, dass diese Passage [Gen 2,3] in der Überlieferung gelesen wird als ‚mit der 5 schuf er sie’“ (die Welt). Die irdisch-materielle Welt und Zeit wird aber durch die Zahl 4 (40, 400) ausgedrückt (vgl. die 4 Mondphasen): „Die Zahl Fünf ist dann bereits von anderer Ordnung“, nämlich Zahl des Geistes und des Jenseitigen. Um die 5 hier auszudrücken, bedarf es des ‚Bundes’ als Verbindung der ‚weiblichen’ 4 (Welt, Nacht) mit der ‚männlichen’ 1 (Gott, Sonne). Daraus ergibt sich die für die Bibel zentrale Bedeutung der Zahl 5 sowie dann auch der Zahlen 50 und 500.

fünfzig = Mehr als die 49, => 7² als Zahl der 7-Tage-Schöpfung (die Arche Noah steigt bei der Flut auf 49 Ellen, die Öffnung der Dachluke = 1 Elle führt zur 50 – vgl. Gen 6,16). Josua, der Sohn des Nun (= 50), führt das Volk in das Gelobte Land der Einheit (Num 27,18.23); Jobeljahr (Jubeljahr, Gnadenjahr): Jedes fünfzigste Jahr soll die Freilassung für alle Bewohner des Landes ausgerufen werden (Lev 25,10; vgl. Lk 4,19); ähnlich das Sabbatjahr. Offenbarung der Thora mit den Zehn Geboten und der Erneuerung des Bundes am 50. Tag Schawuot nach dem Auszug aus Ägypten; an Pfingsten (= ’50. Tag‘ nach Ostern) wird der Heilige Geist auf die Gläubigen ausgegossen, Beginn der Mission der Apostel (Apg 2). Die erzählte Zeit des öffentlichen Lebens Jesu im Markusevangelium (von Mk 1,15: „die Zeit ist erfüllt“) dauert 7 Wochen mit der Auferstehung am 1. Tag der 8. Woche oder am 50. Tag.

Homo-Ehe, Liebes Geschichten…

Mittwoch, April 10th, 2013

Ich habe in den letzten Jahrzehnten den Eindruck gewonnen, gewisse Männer und Frauen wollten vor dem endgültigen Verschwinden der heterosexuellen Ehe auch noch etwas davon erhaschen. Anders kann ich mir den „unbedingten Wunsch nach Gleichstellung“ nicht erklären. Dabei hat die historische hetero Ehe soviel historischen Ballast im Rucksack wie die katholische Kirche Verbrechen in ihrer Geschichte.

Und wie immer spielen die Kinder dabei eine übersymbolisierte tragische Rolle! Sie waren schon immer die Leidtragenden in den „guten Ehen“ und werden erneut politisch instrumentalisiert für die „gute heterosexuelle Ehe“ und gegen gleichgeschlechtliche Paare. Kinder werden von Heterosexuellen für alles Mögliche vorgewiesen und gerechtfertigt, sie sollen jetzt wieder die (heterosexuelle) Welt (= das Abendland) vor dem Untergang wegen der Homo-Ehe retten. Und was besonders auffällt. Sie können das nur, schon damals und auch wieder heute, wenn sie in sexueller Unschuld/Unwissenheit gehalten werden.

Als ich kürzlich etwas über das biblische Kinderopfer von Isaak schrieb, recherchierte ich im Buch „Menschenopfer“, von Nigel Davies (1) und stiess dabei auf ungeahnte Opferungen von Kindern von vorgeschichtlicher Zeit bis in die nicht zu ferne Vergangenheit. Alles im Dienste des Erwachsenenwohls. Bei der Recherche nach Büchern mit schwulem Inhalt bin ich zufällig auf einen Band der „Mandingo Romane“ (2) gestossen, der in der Zeit der Sklaverei in den USA spielt und eine solche Episode enthält. Aber darin werden auch, unter anderen Gräueln, Arbeitssklaven mit schwarzen Mädchen gezüchtet! (3)

Ich will damit sagen, dass auch viel Schreckliches an dem schwarzen Frack und dem weissen Schleier von heterosexuellen Ehen hängt! Wollen wir uns mit all dem auch identifizieren? Ich sage nein! Aber trotzdem sollen auch Männer mit Männern und Frauen mit Frauen sich letztlich „verehelichen“ können, wenn sie das unbedingt wollen…

Kürzlich wurde übrigens in Kwazulu-Land eine Ehe zwischen zwei schwarzen Männern geschlossen, mit allem traditionellen Drum und Dran!

Hier zwei Männer in Papua-Neuguinea

Zurück – zur „eingetragenen Partnerschaft“. Diese, in der Schweiz institutionalisierte Form einer gleichgeschlechtlichen „Ehe“ droht bereits jetzt durch eine „Öffnung der Ehe“ für Schwule und Lesben überholt zu werden. Dabei wäre auch dieses Gesetz sicher bald korrektur- und überholungsbedürftig, wie das seit längerem schon dauernd mit dem Strafgesetzbuch und den Verjährungsfristen geschieht…

Liebesgeschichten von Homosexuellen haben sich bereits seit Jahren in Filmen niedergeschlagen. Auch die weitere Entwicklung wird filmisch gestaltet und überliefert werden. Nach Jahren der „coming out“ – Filme und Beziehungsdramen, bis zu „Cage aux Folles“, um ein Extrem zu nennen, kommen neue Regisseure mit neuen Geschichten und Inszenierungen. Das Interessante an der ganzen Entwicklung ist die Bemühung um „Gleichheit“ – mit dem Bestreben, eine ersehnte Gleichwertigkeit zu erreichen. Doch schon bei der „Gleichstellung“ von Frauen mit Männern herrscht und frauscht das bürgerliche Missveständnis der Gleichmacherei. Um gleichwertig zu sein, müssen nicht beide Hosen tragen, oder eine Burka, oder sich Bärte wachsen lassen…

Das Geheimnis der Natur, der Religiosität und der Philosophie liegt darin, dass VERSCHIEDENES gleichwertig sei! Neger malen sich deswegen ja auch nicht weiss an, ja nicht mal wie ein Zebra!

David Lambert bringt nun eine neue Film-Version mann-männlicher Liebe. Die Geschichte, die  Jenseits der Mauern  erzählt, ist eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern, „die zwar – wie jede Liebesgeschichte – ihre Eigenheiten hat, einen eigenen Ton, eine eigene Art der Kommunikation etc., und die sicher auch deswegen eigen ist, weil sie sich zwischen zwei Männern ereignet, die sich jedoch so ähnlich genauso gut zwischen zwei Frauen oder zwischen einer Frau und einem Mann abspielen könnte“. (Christoph Meyring zitiert David Lambert, den Regisseur dieses neuen Films, in Sissy 17/2013, S. 6)

Ich fürchte bis zur Gewissheit, dass Lambert hier Birnen mit Äpfeln und Zitronen mit Orangen vergleicht! Vielleicht lässt sich eine Liebesgeschichte wirklich in den obigen Kombinationen „ab-spielen“. Dann ist sie aber nur gespielt. Ohne Sicht auf Inneres, oder auf Identitäten. Und ich fürchte, die ZuschauerInnen glauben das auch alles!

Niemals kann sich etwas erotisch-sexuelles „gleich“ in Männern und in Frauen abspielen und schon gar nicht in Männer- oder Frauenpaaren. Homosexualität kann nicht einfach nur die homo Version der Heterosexualität von hinten sein! Ich weiss, Vielen erscheint das so. Und viele Männer und Frauen haben das auch lebenslänglich so gespielt. Und viele Frauen spielen „Lesben“, um Männern zu gefallen. Aber wenn Männer „auf den Hund“ kommen und unterwürfig „Doggie“ spielen, wollen sie noch lange nicht einen realen Hund heiraten!

Heteras können nicht glauben, dass es psychische und kulturelle Absichten und Erlebnisqualitäten zwischen Männern geben kann, bei denen sie aus-serhalb bleiben müssen. Die Frauenbewegung hat zwar zu zeigen versucht, dass sie „es“ auch ohne Männer kann. Das gleiche aber mutet sie Männern nicht zu. Und es gibt ja auch keine ernsthafte Männerbewegung oder so was…

Ich kann nur aus der Sicht eines Mannes beschreiben, was mich mit anderen Männern verbindet – nicht nur mit Schwulen oder Bisexuellen. Das geht über das gegenseitige Verständnis und Wissen um Körper und Sexualität hinaus. Ich denke da gar nicht an geheime Sachen. Es gibt keine Geheimnisse mehr um die Sexualität! Jedenfalls ficken wir niemals ausserhalb der Gesellschaft, sondern mitten unter den Hetero/as. Es wirkt auf mich zurück, wenn ich der sexuell motivierten Gewalt gegen „Weiblichkeit“ ausgesetzt bin. Aber auch, wenn ich dem sexuell motivierten Terror zum Sex mit dem anderen Geschlecht ausgesetzt bin. Und das kann von beiden Geschlechtern/Eltern ausgehen, von Kindheit an.

Es nützt also nichts, wenn sexuelle Praktiken verglichen werden. Eine Frau anal penetrieren hat nicht die gleiche Bedeutung, wie einen Mann. Auch kann ein Männerpenis in einem Männeranus nicht verglichen werden mit einem Strap-on (Umschnalldildo und einer Frau daran) am selben Ort. Mich erstaunt schon, wie schnell gewisse Frauen das gleichsetzen können. Auch die anale Penetration einer Frau durch einen Strap-on ist nicht das gleiche. Und wenn Männer Frauen anal penetrieren, dann praktizieren sie zwar Homosexualität, aber allein schon den Gedanken daran, weisen sie weit von sich. Wie kann Frau also ihre Passivität mit derjenigen eines Mannes vergleichen?

So einfach also entwickelt sich die Psyche von Männern und Frauen nicht in die gleiche Erlebnisqualität, so dass sich alles „ebenso gut zwischen allen abspielen“ könnte, wie oben behauptet. Und Kinder spielen da auch noch eine differenziertere Rolle dabei!

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

Homo-Ehe privat um 1970, Magazin JASMIN 81970-73)

Sybille Berg und die Homo-Ehe

Papst Johannes Paul II. 1979 über Ehe und Homosexualiät

(1) Nigel Davies: Opfertod und Menschenopfer, Ullstein 1981/83, 390 S.

(2) Lance Horner, Kyle Onstott (hier konkret): Der Mandingo von Falconhurst, Heyne, 1966/1977, 390 S.

(3) Bereits bekannt waren mir die „Schwarze Pädagogik“ von Katharina Rutschky, sowie „Hört ihr die Kinder weinen (Lloyd deMause, (Hg.).

Katharina Rutschky: Schwarze Pädagogik. Quellen zur Naturgeschichte bür-gerlicher     Erziehung, Ullstein 1977, 600 S.

Lloyd deMause (Hg.): Hört ihr die Kinder weinen. Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit. Suhrkamp 1974/78, 600 S.

China: Geld macht Ehe (DLF)

Homosexuelle als Sündenböcke in der Homo-Ehe-Diskussion, von David Signer, NZZ

Bettina Weber im TA: Die Ehe ist gar nicht mehr so attraktiv, wie ihre Verteidiger tun!

Hannes Stein: über die Ehe gestern und heute, NZZ 26-9-13

P.S. Eine Mutter, die in Frankreich ihren dreijährigen Sohn mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Ich bin eine Bombe“ und „Jihad, geboren am 11. September“ in den Kindergarten schickte, ist einer Strafe entgangen – dank dem Gericht in Avignon.  Das Gericht sprach die 35-Jährige frei vom Vorwurf der „Verherrlichung von Verbrechen“, da keine unmissverständ-lichen Hinweise dafür vorgelegen hätten. Der Junge sei am 11. September 2011 zur Welt gekommen und Jihad getauft worden. (SDA, BaZ 11.4.2013, S. 14)

P.S. Eine 41-jährige Mutter (im katholischen Polen, PT) hat drei ihrer neugeborenen Babies getötet und zu Hause in einer Tiefkühltruhe aufbewahrt. Die Frau, die noch vier weitere Kinder im Alter von 6 bis 22 Jahren hat, wurde verhaftet und hat gestanden.  (AP, NZZ 11.4.2013, S. 24)

Diese Meldungen sind fast immer unter „in Kürze“ oder „Diverses“ – in kleinen Ecken – zu finden. Obwohl ich Zeitungen unregelmässig lese, stosse ich immer wieder darauf.

Das Osterei als schwules Symbol

Donnerstag, März 28th, 2013

gewidmet René Reinhard, 18.11.1939 – 5.4.2013 *

Während die Heteros seit über zweitausend Jahren von der Fruchtbarkeit schwafeln und die Hühner und Gockel für unfähig betrachten, ihre eigenen Produkte zu verteilen, haben sie auch noch den „sexbesessenen“ Hasen für diese Aufgabe erwählt.

Doch so fruchtbar ist die ganze Angelegenheit gar nicht! Denn Ostereier sind ja „unbefruchtet“, sonst sind sie nicht essbar! Und für Leute, denen die bemalten Eier schon lange auf den Sack gehen, ein Färbetipp: Eier mit Bindfaden umwickeln oder darunter noch Blätter und Gräser beigeben, oder alte abfärbende Krawattenstücke – und diese in einem Sud von Kaffee oder Zwiebelschalen (drum wickeln) kochen.

Aber ich sehe schon, dass Einige sich jetzt den Vogel machen! (lol) Was haben Ostereier mit Schwulen zu tun? Naja, bunt wie ein Regenbogen sind sie meistens schon. Und Eiertütschen findet nicht nur unten statt, sondern mittels verbalen Stössen auch oben durch, was zeigt, wie gemein und wie „eindrücklich“ Schwestern sein können…

Ich habe allerdings kein Hodentrauma, wie man vermuten könnte. Obwohl ich mich an eine Begegnung in einer Klappe erinnern kann, bei welchem der geile Kerl nicht dahin griff, wo ich es gerne gehabt hätte, sondern an meine Eier – und kräftig drückte. Aber in diesem Bereich gibt es noch ganz andere Fetische…

Den Ostereiern wird also die Fortpflanzung vorenthalten, damit sie als „unfruchtbare“ Delikatesse bei Menschen auf den Tisch kommen! So ähnlich wie man/frau es den Schwulen vorwerfen tut – aber das kommt nicht auf den hetero Tisch. Weder Hühner noch Hähne beschweren sich. Fürs wirt-schaftliche Eierlegen braucht es zwar einen Gockel, aber er soll die Hühner nicht besteigen. Allein die Vorstellung der Hühner, was der durch einen Drahtzaun von ihnen getrennte Gockel mit ihnen alles anstellen würde, ist schon wieder sehr „schwulenfreundlich“.

Die dünne Schale des Eies, zwischen innen und aussen, symbolisiert für mich auch die Nähe von Männersex und Fortpflanzung. Mit anderen Worten: Die Homophobie ist ein zerbrechlicher Schutz vor der Neugier aufs andere Ufer, jenseits der Fortpflanzung. So frönen denn viele menschliche Gockel der ho-mosexuellen Lust, ohne dass es die Hühner bemerken, oder überhaupt zur Kenntnis nehmen wollen.

So dünn wie die Schale ist auch die Maske der Junghomos gegenüber der Familie und der Gesellschaft. Jederzeit kann sie einbrechen und ihr schwules Gedankenparadies zerdeppern. Bei vielen Junghomos kleben Reste davon noch hinter ihren Ohren, die ihnen den Selbsthass und die Homophobie in Erinnerung behalten, denen sie ungefragt immer wieder begegnen müssen.

Auch die sogenannte „Toleranz“ ist nur so dünn wie Eierschalen, denn sie hat strenge politische Altersgrenzen. Wie schnell wollen Mütter, PolitikerInnen und Staatsanwältinnen einen Schwulen „für immer wegsperren“, während es normal ist, dass junge Mädchen von erwachsenen Männern „eingeführt“ wer-den – oder junge Knaben von erwachsenen Frauen. Da träumen die letzteren schon mal öffentlich in Leserbriefen zu Berichten über „Sexualtäterinnen“ davon, dass sie „es“ schon immer mit ihrer Lehrerin, Nachbarin, etc. gewollt hätten. Ich wage nicht, mir vorzustellen, wenn Schwule in aller Öffentlichkeit ebenso von Lehrern, Erziehern, Sozialarbeitern träumen, mit denen sie in ihrer Jugend so gerne…

Hingegen ist es „normal“, wenn Eltern, Schule und andere Gruppen die schwulen Eierschalen eines Junghomos unabsichtlich oder auch absichtlich eindrücken, bis der ganze Inhalt ausgelaufen ist. Die MoralistInnen entscheiden schliesslich, wer das Opfer zu sein hat, unbekümmert darum, ob der Kontakt „einvernehmlich“ war oder nicht. Meistens ist eben schon die Homosexualität an sich „der Missbrauch“. Dieser Umstand ist immer von Anfang an abzu-fragen, bevor Schuldzuweisungen aufgehäuft werden.

Der neue Feminismus bekämpft den Penis und vergöttert die Jungfrau Vagina. Sie ist heilig und kann bereits über Leben und Tod – auch von Schwulen ent-scheiden, denn wir haben ihm die Abtreibung überantwortet. In Indien werden Mädchen durch Ultraschalluntersuchungen festgestellt und anschliessend ab-getrieben. Nicht zuletzt auch unter dem Druck von Schwiegermüttern. Was hat das mit Schwulen zu tun?

Bevor ich darauf eingehe, möchte ich daran erinnern, dass es auch im weib-lichen Körper Eier hat, die befruchtet werden können.

Und nun zu Jonathan Tolins, einem Theaterautor aus den USA. Er schrieb das Stück „Der letzte der Golds“, 1993 uraufgeführt am Booth Theatre in New York. Später aufgeführt in der Komödie Basel. 1994 adaptiert als Hörspiel für SRF von Claude Pierre Salmony.

Die Geschichte handelt in einer fiktiven Zeit, in der die sexuelle Orientierung genetisch ablesbar ist. Dean Hamer hatte 1993 angeblich ein „Schwulen-gen“ (XQ28) gefunden. Tolins führte dessen Theorie in ein konkretes Drama über. Darin erwartet die Schwester eines Schwulen einen homosexuellen Sohn. Die Diskussion führte darum, ob er abgetrieben werden sollte oder nicht. Ich war Zeuge der Publikumsdiskussion, die nach der Aufführung angesetzt worden war. Es wurde behauptet, das zentrale Thema sei gar nicht die Homosexualität, sondern die Abtreibung. Man könnte mir jetzt wie immer unterstellen, ich sei „frauenfeindlich“. Aber es fällt schon immer wieder auf, wie soziale Stress-Situationen beschrieben werden, wenn Frauen „beteiligt“ sind, oder wie deren Verantwortlichkeit „entschärft“ wird.

Der jüdische Autor beschreibt eine kulturell doppelt „gebundene“ Situation. Einerseits wird man nur jüdisch durch eine jüdische Mutter, andererseits zieht diese Kultur die Männer vor. Einerseits hat die „Mutter“ einen schwulen Bruder und andererseits soll sie einen „unfruchtbaren“ Sohn austragen. Sie steht also in einem familiären UND kulturellen Dilemma! Soll die jüdische Mutter ihren Bruder für eine Abtreibung um Verzeihung bitten? Oder ihre Familie für einen schwulen Sohn?

„Die Eltern und Rob drängen Suzanne zur Abtreibung. Suzannes schwuler Bruder David kann es nicht fassen, dass seine bis dahin so liberalen Ver-wandten so denken. Er kämpft um das Leben seines ungeborenen Neffen. Schließlich überzeugt er Suzanne, das Kind auszutragen. Aber unter dem Druck ihres Mannes und ihrer Eltern entschließt sie sich doch zur Abtreibung – viel zu spät: Sie wird nie wieder ein Kind bekommen können. „ (aus dem Inhalt)

Und einmal mehr geht es „heterofriendly“ ab: „Entscheidend ist dabei nicht immer die Homosexualität an sich, sondern die Bedeutung, welche die einzelne Mutter der gesellschaftlichen Meinung und Erwartung beimisst.“ (Claudia Mül-ler: Mein Sohn liebt Männer, 2008, S. 98)

Peter Thommen_63, Buchhändler, Schwulenaktivist, Basel

Gästebuch

 

* er hätte geschmunzelt über diese Ostereier…

Junghomos leben in „Parallelwelten“!

Donnerstag, März 14th, 2013

Viele Hetero- und Homosexuelle glauben, man könne „nur schnell ins Internet gehen“, um diese oder jene zu finden. Ausserdem bieten sich Menschen im Internet auch wie Waren an, was beim Kauf zu grossen Enttäuschungen und Missverständnissen führen kann.

Die meisten Hetero/as glauben auch, Homosexualität gehe nur „die paar Schwulen“ etwas an, obwohl ihre hetero Männer mehr Homosexualität praktizieren als alle Schwulen unter sich! Dieser Eindruck hat sich bei mir nach 10 Jahren verfestigt.

Und die meisten Schwulen nehmen nicht zu Kenntnis, dass der grösste Teil der Darsteller in den Gaypornos gar nicht schwul ist. So viele Gays sind dafür gar nicht zu bekommen. Und es macht den Darstellern offensichtlich Spass… (auch schon bevor es Viagra gab!)

Es gibt Junghomos, die andere als „alte Säcke“ bezeichnen und Angst haben. Wovor eigentlich? Vor deren Sexualleben? Dabei ist das Sexualleben der Alten das, was die Junghomos auch in ihrer Zukunft haben werden! Gut, es im Voraus zu wissen. Und jede Anmache kann man höflich oder doch bestimmt auch zurückweisen.

Menschen, die einem  „nicht passen“ werden im Internet einfach „blockiert“. Mit wem ein Junghomo nicht ficken kann/will, mit dem ist auch ein normales Gespräch nicht möglich. Aber zudringliche „alte Säcke“ habe ich in meiner Jugend auch real „überlebt“. (Und heute gibt es auch zudringliche „junge Säcke“ im Internet, die es auf Alte abgesehen haben. Dies sei auch erwähnt!)

Wenn ich vom „Internet“ schreibe hier, dann denke ich an Kontaktplattformen, Foren und Chats. An den „schwulen Markt“, wie viele meinen. Und an die gay Pornos kommt mann auch kostenlos… Ich will aber auch von der Realität im Milieu und im Leben schreiben, von der viele Junghomos einfach nicht Kenntnis nehmen wollen. Dabei gefährden sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Mitschwulen und dazu noch die „Boyschwulen“ in der Zukunft… Doch eines nach dem andern.

Die Devise scheint zu sein: Wo keineR was sagt, wo nichts passiert, da ist ja auch keine Gefahr für die heimlich gelebte Homosexualität. Nach der Heterofamilien-Devise: Bei uns gibt es „sowas“ nicht – und wir wollens auch nicht wissen. Schon in der „normalen“ Gesellschaft gilt die bewusst gelebte Sexualität generell als „Anti-Kultur“ und wird ins „private“ Kämmerlein „zum spielen“ verwiesen. Das geht ja Niemanden etwas an. Ich kann dem leider nicht zustimmen, denn ich muss in allen Medien über das Sexleben sehr vieler Heteros – ungewollt lesen und hören – ausser vielleicht auf der Börsenseite nicht!

Schon die Geschichte der Verfolgung von Homosexualität zeigt, wie öffentlich das ist und wie sehr sich Heteros dafür interessieren! Und selbstverständlich interessieren wir Schwulen uns auch für die Heterosexualität (?), denn noch selten sagt ein Schwuler zu Heten: „Interessiert mich denn das?“ Umgekehrt dann schon eher!

Wir sind für die Gesellschaft nur interessant, wenn sie uns bestaunen, bestrafen oder uns diskriminieren kann. Ansonsten erwartet sie von uns eine „vorgelebte Asexualität“ – von Kindsbeinen an. Früher nannten besonnene Männer sowas „Homophilie“. Interessanter-weise geht es dem verwandten Wort „Pädophilie“ genau umgekehrt! Was als Begriff ohne Sexualität geschaffen wurde, wird gezielt „sexualisiert“ und als Bezeichnung für sexuelle Übergriffe missbraucht. Im Strafgesetz finden sich aber ganz andere Begriffe – die keineR verwenden will. „Pädophilie“ trifft gesellschaftspolitisch „besser“…

Nach gehäuften Morden an heimlichen Homosexuellen, die in den 60ern über Zeitungen an die Öffentlichkeit gelangten, kam in den 70er Jahren der Schritt von der „Homophilen-Organisation“ zur Homosexuellen Arbeitsgruppe. Denn wer die Chance der damaligen Sexualstrafrechtsreform nutzen wollte, musste hart arbeiten und lobbyieren – auch öffentlich! (Schutzalter hetero: 16, homo: 20, von 1942-1992)

Auf dem Plakat, welches „homophobe Gewalt“ thematisiert steht übrigens: „Was nicht gemeldet wird, ist nie geschehen. Und was nicht gemeldet wird, muss auch keineR zur Kenntnis nehmen. So einfach ist die Strategie des Heterrors.

Wenn ich darauf hinweise, dass Junghomos in Parallelwelten leben, dann meine ich auch, dass sie in einer Art „Anti-Realität“ leben. Alles „Schöne, Gute, Liebe, Ehrliche und Treue“ ist für sie reserviert und muss nur noch gefunden werden – im Internet. Der fiktiv Angebetete heisst „Mr.Right“. Dies hat eine religiöse Dimension – auch auf der „richtigen“ Seite der Gesellschaftspolitik: Gewalt, Diskriminierung, Mobbing. Da braucht es weder Koran- noch Bibelverse dazu. Aber meistens dienen sie zur Rechtfertigung…

Aber das passiert Junghomos nicht – wenn sie nur genug „hetero-like“ sind. Es heisst immer wieder auf Profilen: „Wer ficken will muss freundlich sein“. Ich sage aber, wer nicht mit Heteros „gesellschaftspolitisch ficken“ will, muss freundlich sein und die eigene Anpassung perfektionieren. Aber ich kenne leider keinen Fall, bei dem sich die hetero Gesellschaft nachträglich als „dankbar“ dafür erwiesen hätte…

Seltsamerweise erfahren wir aktuell nur übers Internet und schwule Medien über die Selbsttötungen schwuler Jugendlicher. Das passt nicht in die Vorstellungen von Heteros/as. Wie können Kinder schwul sein? Das können die noch gar nicht wissen, erhielt ich schon vor Jahren als Antwort auf dem Jugendamt, wo ich eine Studie über Jugendgewalt persönlich abgeholt hatte. Zurzeit ist das Thema in den USA aktuell. Nichts „wird besser“ – leider! Es nützt nichts, wenn „die Hoffnung zuletzt stirbt“ – trotz ihr aber schon Dutzende sterben mussten.

Statt uns über irgendeine allgemeine Gewalt in der Gesellschaft – oder gar die von Migranten zu verbreiten, sollten wir uns erst mal über die eigene Gewaltgefährdung im Klaren werden. Wir können eben nur in theoretischen Überlegungen auf die Hilfe von Mitbürgern zählen. Denn so schnell sie uns diskriminieren können, so schnell verlässt sie der Mut, den man auch „Courage“ nennt, einem Schwulen zu Hilfe zu eilen, weil jeder Hetero selber gefährdet ist, als Schwuchtel enttarnt zu werden. Ganz zu schweigen, dass Heteros auch in diesen falschen Verdacht kommen und quasi in ihrer eigenen Gewalt-Falle gefangen sind…

Dabei hat jede Art von Gewalt gegen Menschen etwas mit „Sexualität“ zu tun. Nicht unbedingt mit den Genitalien, aber zumindest hat jedes Opfer ein Geschlecht und wird deswegen, oder gar damit geschädigt. Es gibt nicht nur „sexuelle Gewalt“ (auch gegen Männer!), vielmehr gibt es auch „sexuell motivierte“ Gewalt – auch ohne Einbezug von Genitalien (Penis wie Vagina!). Und weil die Genitalien da meist nicht direkt eingesetzt werden, wird das auch nur selten erkannt und benannt. Zudem ist es für Heteros/as „normal“, wenn sich Männer oder Jungs prügeln – aber nicht, wenn sie sich wixen oder küssen!

Ich bin bei einem wichtigen Punkt angelangt, der den Schlüssel zu vielen Problemen von Junghomos und Klemmschwestern bietet. Jeder Heimlichtuer wird gestresst dafür, dass er sich dauernd anpassen darf. Aber jeder gefährdet da auch andere Schwule mit. Dadurch, dass sich die einseitige öffentliche Wahrnehmung nur von Tunten und Schwuchteln für viele verstärkt – selbst auch für Homosexuelle. Daraus folgt die Homophobie, von vielen Schwulen sogar selber „verinnerlicht“. Die Gesellschaft kann durch angepasste Klemmschwestern niemals erfahren, wie viele Männer anderen Männern für Sex nachrennen und dass das alles mit Weiblichkeit sehr wenig zu tun hat.

Zudem fehlt damit den Junghomos auch ein „normales“ Homo-Bild, mit dem sie sich, wie die Heteros, auch identifizieren könnten. Schwulsein bedeutet nicht, „so werden zu müssen“ wie die, „die man eh schon sieht“. Schwulsein bietet auch eigene Entwürfe, auch ohne „hetero-like“-ness! Die ganze Vielfalt an schwulen Männern muss öffentlich sichtbar werden. Dann lernen vielleicht auch die Klemmschwestern, diese Vielfalt selbst zu akzeptieren. Denn nur derjenige, der weiss wer er selber ist, muss keine Angst haben, „so wie jener“ zu werden. (P. Thommen)

Die Homosexuellen Arbeitsgruppen und die Schwulenbewegung insgesamt hat übrigens nicht nur gekämpft für die Homosexualität als Orientierung, sie hat auch gearbeitet dafür, dass alle Anderen auch mal schwul sein dürfen, oder auch nur Homosex praktizieren – ohne dafür bestraft zu werden. Die Dummis habens nur noch nicht gemerkt. Und wir Schwulen sind dann der Blitzableiter für ihre Gewissensbisse.

Und genau da drin sind auch Junghomos und Klemmschwestern verstrickt. Da ist auch der „heterosexuelle“ Damm aufgebaut, gegen „das Aussterben der Menschheit“ und gegen den „homosexuellen Missbrauch von Kindern“, wobei damit meistens Knaben gemeint sind, denn Mädchen und Frauen haben ja nix, womit sie einander oder die Männer missbrauchen könnten (?). (Drum blieben die homosexuellen Aktivitäten von Frauen weitgehend straffrei in vielen Kulturen.)

Und nach der heterosexuellen Logik sind „schwule“ Kinder eh von homosexuellen Männern missbraucht worden und werden dann wiederum zu Tätern an anderen Kindern. Aber bei dieser feministischen, männer-zentrierten Missbrauchsideologie vergessen alle, dass wenigstens bei den hetero Männern, vorher sehr viele Frauen am Werk gewesen sein müssten. (Über einige davon gibt es auch Literatur, die man aber suchen muss.)

Wenn ich aus heterosexueller Sicht davon ausgehe, dass Frauen den Knaben nur die „richtige Sexualität“ zeigen würden – und darauf lassen viele Leserbriefe auf entsprechende Meldungen in der Presse schliessen, warum fragt dann niemand, was Frauen den homosexuellen Knaben anzutun imstande sind? Der heterosexuelle Familienkomplex wird nie hinterfragt. So wie Mütter über die sexuelle Orientierung der meisten schwulen Söhne einfach hinwegsehen, in der Hoffnung, „das vergehe“ schon wieder.

Da wurde über Tiziano Ferros coming out berichtet. Die liebende Mutter wurde erwähnt, die „endlich froh“ gewesen wäre, „ihn nicht mehr leiden sehen zu müssen“. Bei sowas krieg ich die Wut in den Hals! Warum hat denn die „liebende Mutter“ nur zugesehen und ist nicht wie eine sprichwörtliche Wölfin mit ihrem Sohn den notwendigen Weg „hinaus“ gegangen? Ach, er hat halt für seine Mutter gelitten? Einen grösseren Schwachsinn kann ich mir gar nicht mehr vorstellen!

Ich habe nun versucht, die wichtigsten Zusammenhänge aufzuzeigen, die ich verantwortlich dafür mache, dass nachrückende Generationen von Schwulen – also die Junghomos – den öffentlichen Raum immer weniger selbstbewusst und solidarisch betreten und in ihm leben – als Schwule verschiedenster Ausprägung, ja auch als Tunten – oder von mir aus auch als „Queers“. Es ist üblich geworden, der Schwulendiskussion auszuweichen, indem das Wort Queer verwendet wird. oder Abkürzungs-Monster wie LGBT*Q… Das ist cooler. Aber wem nützt das?

Den fast ausschliesslich „sichtbaren“ Tunten nicht. Und auch den unsichtbaren Klemmschwestern nicht. Dieser öffentliche Raum und die offenen/öffentlichen Diskussionen mit den Heteros müssen wieder erobert und belebt werden. Das geht über die nächsten Verwandten und Bekannten hinaus, die „eh schon tolerant“ sind. Denn sonst hinterlassen diese „stummen“ Räume Gewaltbetroffene oder sogar Tote! Jeder ist zuviel!

Der Überfall mit Baseballschlägern vom 5. Januar 2012 am Stachelrain/Solitude ist von der Polizei auch nicht als Gewalt gegen einen Schwulen kommuniziert worden, obwohl ihr bekannt sein muss, dass dort ein Schwulentreffpunkt ist. Hätte aber ein einzelner Jugendlicher da einen Schwulen zum wixen getroffen, wäre das Urteil sehr leicht gefallen…

Wir sollten auch zur Kenntnis nehmen, dass in allen „Räumen“ – und besonders in „immer mehr Frauenräumen“, wie das am Frauentag 2013 verlangt worden ist, kein Platz für Homosexualität – schon gar nicht von heterosexuellen Männern ist! (Man lese das bitte zweimal laut!)

Es gibt nachgerade EINE öffentliche Schwulenbar in Basel – und erst noch in einem hetero Puff. Die Parties finden in hetero Locations statt und diese Stadt hat schon sehr lange keine Schwulendemo mehr gesehen. Ganz zu schweigen von Schwulen, die an öffentlichen Diskussionen teilnehmen würden. Gut. Die öffentlichen Sex-Diskussionen drehen sich auch meist um den „Missbrauch“ von Kindern. Und da fühlen sich – trotz den erwähnten Selbsttötungen – natürlich Junghomos und Klemmschwestern nicht davon betroffen.

Ich fürchte darum, dass irgendwann irgendwelche Klemm-Heteros vor dem L39 auftauchen werden – trotz dem Bordell im übrigen Haus. Dass sie vor den Clubs auf schwule Partygäste warten werden…

1985 fand ich in einer italienischen Modezeitschrift diese beiden…

Dies alles, weil Schwule immer mehr abtauchen und aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden – oder nur noch als“herzige Pärchen“ in einträchtiger, äh eingetragener Partnerschaft, in Erinnerung bleiben. Wollen wir das?

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel  (thommen(at)arcados.com)

Kommentare sind willkommen und werden auch anonym publiziert!

Thommen: Der ewige Abgesang auf die Szene, (dazu siehe auch Henschel, über Veränderungen in der Szene)

Thommen, schwules Leben in der  Stadt, 1977-97

Rückblick auf die Szenen-Entwicklungen des letzten Jahrhunderts: Verpass keine Party!

Gästebuch Th’Senf

Politisch gesetztes Recht juristisch nach-relativiert…

Samstag, März 2nd, 2013

Geschichtliches aus den 50er Jahren

Zufällig – beim suchen im Blatt der „Homo-Eroten“, dem Kreis-Jahrgang von 1953, stiess ich auf einen Artikel, der mich an die heute aktuellen Bestrebungen zur Nach-Revision des 1992 „revidierten“ Strafgesetzbuches erinnerte (DarstellerInnen in Pornos sollen erst ab 18, statt 16 und Prostitution erst ab 18 erlaubt werden – siehe hier im Blog unter den Links „Jugend-prostitution!“). Als „Kinderporno“ soll neu gelten, wenn 16jährige schon dabei mitmachen.  Dazu interessant ist die ehemalige Botschaft des Bundesrates über die Änderung des unten diskutierten Art. 194, vom 26. Juni 1985! *

Ähnliches hatten wir doch schon in den 60ern…

Schauen wir also zurück in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts und in das damalige Strafgesetzbuch mit dem Art. 194, der generell homosexuelle Kontakte erst ab 20 Jahren erlaubte und die homosexuelle Prostitution auch über 20 Jahre hinaus verbot! Dieses Strafrecht, das 1942 in Kraft getreten ist, löste die kantonalen Strafgesetze mit zum Teil milderen Strafen definitiv ab.

Nachtrag: Die Plattform Romeo beklagt sich heute darüber, dass ihnen von Apple verboten wird, Männer mit „zuviel“ Haut auf dem App anzuzeigen. Ich könnte das bei Frauen verstehen. Aber wahrscheinlich haben die Amis vergessen, dass es mal Handwerker auf offener Strasse gegeben hat, die auch nur in der Körpermitte was an hatten und oben nackt gearbeitet haben. ..   Peter Thommen_63

 

Aus dem „Kreis“ 21. Jg. Nr. 5, Mai 1953  „In der neuesten Nummer der Schweizerischen Juristen-Zeitung, Jg. 1953 ist auf Seite 112 folgender Entscheid des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 3. Oktober 1952 publiziert worden:

„Art. 194 Strafgesetzbuch. Freizusprechen ist der Angeklagte, der mit einem unmündigen (= damals unter 20 J.) Knaben von mehr als 16 Jahren beischlafähnliche Handlungen begeht, sofern der Geschädigte früher schon mit andern Männern gegenseitige Onanie betrieben hatte.“ (1)

Der schweizerische Rechtsanwalt, der uns auf das sehr wichtige Urteil aufmerksam macht, führt dazu aus: Dieser Entscheid geht noch weiter als der vor einiger Zeit durch Herrn Dr. Krafft, Zürich, mitgeteilte, da es sich dort um einen jugendlichen Prostituierten handelte, während hier zum Freispruch schon die Tatsache genügte, dass der Junge sich vorher einmal mit Männern eingelassen hatte. Nur diese Auslegung wird ja auch in dem Sinne des Art. 194 gerecht, wonach nur die Verführung strafbar ist. Wer schon verführt wurde, kann es nicht noch einmal werden. Das Bundesgericht hat mit seiner bisherigen Interpretation eigentlich das Gesetz verletzt.

Wenn wir hier im „Kreis“ dem noch nicht Volljährigen keinen Zutritt gestatten, selbst wenn er eindeutig gleichgeschlechtlich empfindet – (aus Gründen, die wir schon oft auseinandergesetzt haben) – so freuen wir uns doch über eine Rechtssprechung, die dem neuen Gesetz durchaus gerecht wird. Umso bestürzter lesen wir eine Zeitungsnotiz, die uns ein Berner Kamerad zustellt:

„Endlich wagt es einer!“ Nationalrat Dr. Emil Bösch (SG, FDP-LdU*), hat in der Frühjahrssession der eidgenössischen Räte folgende Motion eingereicht: Die seit der Einführung des Schweizerischen Strafgesetzbuches bestehende Straflosigkeit der zwischen mündigen Personen männlichen Geschlechts begangenen widernatürlichen Unzucht hat auf den Gebieten des Jugendschutzes und der Verbrechensbekämpfung schwerste Nachteile nach sich gezogen. In diesem Zusammenhang mahnen in einigen Kantonen auch gewisse Erscheinungen des gesellschaftlichen Lebens nachgerade zum Aufsehen. Der Bundesrat wird daher eingeladen, der Bundesversammlung über eine Revision von Art. 194 StGB Bericht und Antrag zu stellen.

Hier handelt es sich um den Versuch, einen rechtsgültigen Gesetzesparagraphen, der seit zehn Jahren in Kraft ist und, wie wir schon verschiedentlich von massgebenden Stellen gehört haben, dem Erpressertum den Boden entzogen hat, ins Wanken zu bringen, zu verschärfen und damit wieder ähnliche Zustände zu schaffen, wie sie in den Ländern um uns fast jede Woche zur Genüge bekannt werden. Die Motion richtet sich zwar nicht gegen unsere Zeitschrift und die damit verbundene Abonnentenvereinigung, aber sie greift die Grundlage an, auf der Beides überhaupt erst möglich ist.

Wir haben in unserer Zeitschrift und an unseren Klubabenden schon zur Genüge betont, dass wir geschlechtliche Beziehungen zu Kindern verurteilen, mögen sie nun Knaben oder Mädchen betreffen, wobei noch zu sagen wäre, dass bei einem Mädchen weit mehr zerstört wird als bei einem Knaben je möglich ist (er meint wohl nicht die lesbische, sondern die hetero Kombination? Th.), sofern eine Handlung nicht gerade zu körperlichen Verletzungen führt. Unlösbar mit unserem Geschlechtlichen ist und bleibt aber unsere Seele verhaftet und wenn das Geschlechtliche mit dem noch Jugendlichen in einer schmutzigen und seelenlosen Art begegnet, so bleibt es verwerflich, ob es vom Gesetz je erfasst wird oder nicht. Hier ist von Jahrtausenden her die persönliche Verantwortung das einzige Richtmass. Es gibt siebzehn- oder achtzehnjährige Mütter, die später prächtige Frauen geworden sind und es gibt Mädchen dieses Alters, die durch einen gewissenlosen Freund zu Dirnen herabsanken. Es gibt Jünglinge, die vor ihrer Volljährigkeit einen Freund fanden, der Vaterstelle an ihm vertrat, ihn ausbilden liess und zu einem vortrefflichen Manne machte – und es gibt junge Kerle, die durch frühzeitige Erlebnisse in der Strafanstalt endeten. Es lässt sich nie, in diesen entscheidenden Jahren ein für alle gültiges Gesetz schaffen; in der Wirklichkeit wird immer wieder Höhe und Abgrund nebeneinander stehen und es ist in den Willen jedes Einzelnen gelegt, was er daraus macht. Dass der Jugendliche geschützt werden muss, der sich verletzt fühlt, dessen persönliches Recht angetastet wurde, ist wohl allen klar. Was soll aber eine Motion, die so formuliert: „Die … Straflosigkeit zwischen mündigen Personen männlichen Geschlechts begangenen widernatürlichen Unzucht hat auf den Gebieten des Jugendschutzes … schwerste Nachteile nach sich gezogen…“ !?!  (2)

Seit wann muss der selbstverantwortliche junge Mann von Gesetzes wegen – („zwischen erwachsenen Männern“) in seiner Geschlechtlichkeit geschützt werden? Kann er das nicht mit einer kräftigen Ohrfeige selbst besorgen, wenn in seiner Wesensart nichts zum mannmännlichen Eros neigt? Wieso soll hier der neue Paragraph des StGB schädigend gewirkt, das jugendliche Verbrechertum begünstigt haben? Der Minderjährige, der die gleichgeschlechtliche Betätigung nicht will, ist ja geschützt, weit mehr als das Mädchen. Ist es nicht ein offenes Geheimnis, dass die Schwangerschaftsunterbrechungen bei minderjährigen Mädchen in erschreckendem Masse zugenommen haben? (Also schon damals! Th.) Wird hier nicht unendlich mehr zerstört als bei einem Achtzehnjährigen, der mit einem wirklichen Freund in gegenseitiger Zuneigung sich geschlechtlich entspannt? Ist es nicht heute so, dass die Welt trotz zwei furchtbaren Kriegen schon wieder übervölkert ist und die Lenker der Staaten, auch unseres Landes, eigentlich froh sein müssten, wenn Kinder nur von verantwortungsvollen Personen gezeugt und geboren werden? Wann endlich wird man die Dinge so zu sehen wagen, wie sie wirklich sind? Könnte sich nicht doch langsam die Anschauung Bahn brechen, dass auch das Homoerotische in der Welt nicht sinnlos ist, wie einige Hochgelehrte behaupten, sondern gerade diese nicht zeugende Geschlechtlichkeit ihren Sinn haben kann im grossen Plan der Natur, vielleicht sogar eines Gottes? Wir jedenfalls wagen diese Frage zu stellen.

Die uns unverständliche Motion ist eingereicht; ob sie durch Straffälle, die auch wir verurteilen müssen, diktiert worden ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Wir können nur der Hoffnung Ausdruck geben, dass sie von Männern in Erwägung gezogen wird, die sich der Verantwortung einem vorurteilslosen Leben gegenüber bewusst sind. Wir können aber auch zum sondusovielten Male immer wieder nur erneut die Mahnung aussprechen, alles zu unterlassen, was dieser Motion auch nur die leiseste Begründung zur Änderung des Gesetzes geben könnte. Wir müssen uns tausendmal mehr bewähren vor den Augen der Öffentlichkeit als die Glücklicheren, deren Eros nicht fragwürdig erscheint durch immer wieder neue Entstellungen in eigenen und fremden Reihen. Bleiben wir uns immer bewusst, dass auch die grösste Freiheit, die jemals erreicht würde, nie das eine ausschliesst, das den Menschen erst zu einem sittlichen Wesen macht. Die Verantwortung dem Du gegenüber, die immer wieder in der christlichen Forderung mündet, dem Bruder auf dem Weg des Lebens nichts Böses zu tun, sondern ihn einzuschliessen in die Liebe, die grösser ist als wir selbst. Rolf.

Anmerkungen

*) „Auf den Verführungstatbestand von Absatz 1 im Artikel 194 StGB ver-zichten wir. Nach der neueren Forschung, auf die sich die Expertenkommission stützte, darf angenommen werden, dass für über 16jährige Jugendliche (für jüngere Kinder greift Art 187) des Entwurfs ein) keine Gefahr mehr besteht, durch homosexuelle Kontakte in ihrem Sexualverhalten beeinflusst zu werden. Die sexuelle Entwicklung junger Menschen scheint jedenfalls in diesem Alter hinsichtlich hetero-, homo- oder bisexueller Richtung festgelegt zu sein. Homo-sexuelles Verhalten unter nahezu gleichaltrigen Jugendlichen kann überdies eine pubertäts- oder entwicklungsbedingte Erscheinung sein, die keine nachhaltigen Folgen zeitigt; in solchen Fällen sollten daher auch jugendstrafrechtliche Mass-nahmen ausser Betracht bleiben.“  (Botschaft des BR vom 26. Juni 1985, S. 79)

1)  als PDF

2) Wir befinden uns hier in der Zeit der „gefallenen Mädchen“ und der „ledigen Mütter“ – des kein-Sex-vor-der-Ehe und lange vor der Pille! Zudem hat Rolf richtig bemerkt, dass es einerseits nur um Erwachsene unter sich geht, es nichts mehr mit dem Jugendschutz zu tun hat! Hier entblösst sich die gesellschaftliche Moral in einer verbrämten politischen Aktion! Th.)