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rütli und “weltschwulentum”

Freitag, 30. Juli 2010

Gedanken zur “Nation” und Spekulationen über die Homosexualität als Weltanschauung

Wahrscheinlich dachten die Eidgenossen auf der Rütliwiese nicht an Homosexuelle oder Lesben, als sie den Bund vor ihrem Gott schworen. Wohl aber war vielleicht der eine oder andere Feudalherr offen oder heimlich als “Penetrant” gehandelt worden, von denen sie sich zu befreien trachteten. Ueberhaupt hatten die gemeinen Leute keine Zeit für Männersex nach “italienischer” oder “griechischer” Art. Einige “taten” es bestimmt und mann redete damals einfach nicht darüber, wie heute bei der “türkischen” oder “marokkanischen” Art.

Die Weltanschauung – also die Art, wie mann die Welt an- und be-schaute – war bestimmt von Hierarchie, von Angst und von Unwissenheit. Die Kirche hatte das Informationsmonopol und lehrte alle Welt aus der Sicht ihrer Männer. Es konnte nicht sein, was nicht sein durfte…

Seit biblischen Zeiten durfte ein Mann nicht bei einem Knaben liegen wie bei einem Weibe. (Ueber die Zeiten vor der Bibel wissen wir höchstens etwas aus dem Gilgamesch-Epos, oder aus Keramikstücken vergangener Jahrtausende.) Aber wir wissen, dass anfangs des 2. Jahrtausends unserer Zeitrechnung schon 14jährige Knaben in den Krieg ziehen konnten und zu Mord und Totschlag gegenüber andern Männern durchaus fähig waren. Tausende von Kindersoldaten in Afrika und Asien sind auch dazu “missbraucht” worden! Was weniger verfolgt wird als die sexuellen Kontakte dieses Alters – getreu der heterosexuellen Sexualanschauung: Lieber ein Kalter Krieger” als ein warmer Bruder…

Sie konnten in ein Kloster eintreten, den Frauen und der Welt entsagen, oder sogar schon auf irgendeinem Fürstenthrone sitzen und über Leben und Tod entscheiden. Ich vermute sehr, dass Kinder (Knaben) damals mehr wussten über Sexualität, Leben und Tod, als es die Mehrheit von ihnen heute nur notgedrungen zu wissen bekommt.

Religionen, Gesetzesepochen, Königreiche und Familien hatten als Teil ihrer Weltanschauung die Vorstellung, dass Sex zwischen Männern sündig, krankhaft, gottlos und todeswürdig war. (Nur wenige kümmerten sich überhaupt um den Sex zwischen Frauen.) Deren Sexualempfindungsfähigkeit war bis ins 20. Jh. hinein nicht evident! Das erzählen uns Gesetzesparagraphen, Gerichtsprotokolle, Sagen und Kunstwerke. Es gibt auch einige Gegenbeispiele.

Die Kunst, ein richtiger Mann zu werden, hängt auch heute noch in erster Linie davon ab, zu verhindern, was unmännlich ist und erst in zweiter Linie davon, was einen Mann menschlich macht. Andere Männer sind für ihn Konkurrenten, beim arbeiten oder beim ficken. Frauen sind Liebespartner und in der Lage, ihre Ehemänner zu reproduzieren (und unserem Militärdepartement einen Soldaten zu liefern! Darum war Homosexualität auch bis 1992 in der Armee verboten.) Dies ist unzweifelhaft eine Weltanschauung, betrifft es doch etwas über die Hälfte der Menschheit.

Männer, die mit Männern Sex haben, sehen das etwas anders. Folglich haben sie auch eine etwas andere Weltanschauung. Sie lassen sich in Liebesverhältnisse mit Männern ein und sind doch keine Frauen, weil sie keine Kinder bekommen können. Und richtige Frauen sind sowieso nur solche, die ein Kind bekommen haben…

Oekonomische und kulturelle Veränderungen, sowie die Friedenszeit nach zwei Weltkriegen, haben den Homosexuellen in den letzten hundert Jahren Chancen geboten, sich im Welttheater um Rollen zu bemühen. Aber erst die Homosexuellenbewegung der Neuzeit gab uns Möglichkeiten der Sichtbarkeit! Wir haben uns heute über die Homosexuellen hinaus bis zu den Schwulen entwickelt.

Schwule tun nicht nur etwas, was Homosexuelle auch tun, nämlich Sex haben mit Männern und sich mit heterosexuellen Männern herumschlagen. Schwule denken auch darüber nach, was sie tun, wie sie es tun (zB. wegen AIDS) und sie fragen sich, im Gegensatz zu den Heten, warum sie es denn tun! Und hier ist der Beginn der schwulen Weltanschauung zu suchen und in Ansätzen auch zu finden.

Ein Teil versucht, das von den Heten erlernte Zusammenleben nachzuleben und zu beweisen, dass sie es auch wie sie können. Es steht in der bewährten Tradition der Homosexuellen, die seit Jahrhunderten in die Frauenrolle schlüpften, um heterosexuelle Männer anzumachen und zum richtigen Sex zu kommen. Weil es in der fixen Rollenteilung einfach nicht anders zu machen war. Es ist für viele auch heute nicht anders zu machen, als sich mit dem vorhandenen Rollenangebot zu beschäftigen und damit zu experimentieren. Sollen sie es tun!

Ein anderer Teil knüpft an die Traditionen der gleichgeschlechtlichen Bruderschaften an, die sich homosozial organisierten und in kirchlichen Institutionen eine gleichgeschlechtliche Welt erbauten (um dem späteren Heil im Himmel näher zu sein?). In dieser Strömung finden wir auch die heute typischen SM- und Leder-Beziehungen. Sollen sie es tun!

Wieder ein anderer Teil sucht neue Wege aus der Erkenntnis heraus, dass die sozialen Lebensmöglichkeiten in dieser Welt schon immer vielfältig und nicht hetero-einfältig gewesen sind! Sie rücken ab von lebenslangen, monogamen und sexual-treuen Beziehungen, sowie vom weiter vererben von Vermögen.

Sie stellen sich auf einen Wechsel von Partnern, Lebensumständen, sozialen Gruppen, “Familien”, oder Lebensgemeinschaften ein. Sie versuchen, statt an der Nichterfüllung traditioneller Vorstellungen zu leiden, die neuen Lebensbedingungen bewusster zu organisieren und in ihre Leben zu integrieren. Sollen sie es tun?

Ich setze hier bewusst ein Fragezeichen, weil spätestens hier eine gesellschaftliche Dimension sichtbar wird, die in eine ungewisse Zukunft verweist! Ich habe den Eindruck, dass in der schwulen Minderheit schon lange brodelt, was in der heterosexuellen Mehrheit erst zu blubbern angefangen hat.

Wir müssen damit leben, dass es Homosexuelle gibt und Schwule und die sind fast genausowenig unter einen Hut zu bringen, wie die Schweizer, die Juden, “die Neger”, oder die Menschen überhaupt. Und solange es noch kein Informationsmonopol gibt, können wir uns unter den Völkern und auf den Kontinenten umschauen und voneinander lernen. Das heisst aber, dass viele von uns präsent sein müssen in der Oeffentlichkeit und teilhaben sollten am Dialog in den Medien. Sie müssen, wie die Heten auch, oft auf bürgerliche Werte und “Familie” verzichten und sich damit abfinden. Es gibt ideelle Werte zu erschaffen und eine Familie, die nicht auf Zweier- oder Blutsbeziehungen aufbaut!

Und die monogamen Homosexuellen und Schwulen müssen sich damit abfinden, wenn sie in eine Beziehung investiert haben, dass sie ihnen nicht das erhoffte Glück oder zusätzliches Vermögen gebracht hat. Sie können nach einer Schwulenehe nicht wieder von vorne anfangen. Genauso wie die Homosexuellen, die eine heterosexuelle Ehe geführt haben. Die gay community aber träumt nicht wie die Heten von einem Mehrheitsanspruch, sie ist nicht irre damit beschäftigt, sich zahllos zu vermehren. Die Schwulen könnten aber irre daran werden, dass ihre Minderheit eben auch nur aus homosexuellen Minderheiten, wie Pädos, “Heiratos”, “Treuelos”, SMs, Leder- und Fummelschwestern, sowie Bisexuellen, Ambisexuellen und Stereosexuellen besteht.

Wir sollten uns wirklich die Worte unserer Regierung zu Herzen nehmen:

“Die Schweiz definiert sich nicht wie andere Nationen durch eine gemeinsame Abstammung, Sprache, Religion und Kultur. Ihre Grundlage liegt vielmehr in den gemeinsamen Auffassungen von Rechten, Pflichten und Werten, sowie im Willen zur Verbundenheit in der Vielfalt.”

(Der Bundesrat zur Abstimmung über den 1.August-Feiertag, 1993)

Die gay community definiert sich nicht wie die heterosexuelle Familie durch eine gemeinsame Abstammung, Sprache, Religion und Kultur…

Peter Thommen

(Thommens Senf-Wochenblatt vom 26. Juli 1996, 5. Jg. Nr. 29/30) Text kursiv = Zusatz von 2010!

die heiligenbilder ehrlichkeit und treue

Dienstag, 25. Mai 2010

Schon lange wollte ich darüber etwas schreiben. Kürzlich hatte ich wieder eine dieser typischen Diskussionen! ;)   Worum ging es? Um monogame Beziehungen und Treue…

Langsam komme ich meinen Reaktionen auf die Schliche! Und ich lerne, zu verstehen, warum es Leute gibt, die sich so gerne an diese Begriffe halten. Vorerst reagiere ich immer ablehnend und zurückweisend. Dies wiederum verstehen Andere nicht, weil sie ja „ihre Argumente“ auch einbringen möchten. Verständlich.

Nach Jahrzehnten der Erfahrung mit Schwulen und Heteros, sowie mit dem ach so hmhm Milieu, bin immer noch nicht bereit, Heiligenbilder an die Wand zu nageln. Andererseits sind viele Jungs dabei, sich an heterosexuelle Vorbilder zu halten, aber über die praktischen Konsequenzen dieser „Heiligen-Heterovorbilder“ nicht nachzudenken. Sie sehen jeweils auch nur an die Fassaden dieser Vorbilder, aber nicht durch sie hindurch. Dazu später mehr.

Ich gehe – übrigens schon sehr lange und seit den Anfängen der Schwulenbewegung – von praktizierbaren Verhaltensweisen aus. Mir ist wichtig, was für ALLE praktikabel und anwendbar wäre – und nicht, was Heilige und Mönche als Ideal propagieren! Alex Comfort, ein Engländer, schrieb mal ein Buch über eine „menschenfreundiche Sexualmoral“. Das war noch in den 70ern, der Zeit der menschen-feindlichen Religionsmoral.

In den Jahrzehnten vom Aufbruch bis zu Aids, wie auch in den Jahren des Internets habe ich eines von Männern und über die Homosexualität ganz klar gelernt: Die meisten wollen nicht schwul sein, aber Sex mit Männern haben. Viele haben ein niedriges Bildungsniveau – so 9. Schuljahr plus evtl. noch Lehre/Ausbildung. Aber dann stehen sie still. Wie viele Heteros auch, übrigens! Damit aber kann keineR einem „heiligen“ Vorbild nachleben – egal ob hetero oder homo!

Vielleicht denkst Du jetzt: Ach mann muss einfach Glück haben! Tja, wer baut sein ganzes Leben auf einem Glücksmoment auf??

Für eine hetero-orientierte, hetero-ideale, monogame Dauerbeziehung (Beim „Dauerfreund“ muss ich immer an einen Dauerkaffeefilter denken!) braucht es mehr als diese Grundlage! Gut, ich habe mich weitergebildet. In einem Sozialberuf. Anschliessend habe ich mich weiter-informiert. Dabei habe ich hinter Fassaden schauen können und ich habe – vor allem anhand der Sozialinstitutionen, gemerkt, dass diese Fassaden nur verlässlich funktionieren, wenn es „dazu noch“ Beratungsstellen, Einrichtungen, Hilfe, Renten, etc. gibt. Von alleine funktioniert diese Heterogesellschaft auch nicht. Und erst recht nicht die ach so vereinzelten und privaten Homosexuellen für welche „die Anderen ja nichts angeht“, was sie tun, oder wie sie orientiert sind. Das zeigt sich dann an den praktischen Lebensproblemen für homosexuelle Paare. Die werden einfach nur „heterosexuell verwaltet“, weil das Andere geht ja niemanden was an. Dafür gibt es bei den Heteros aber vieles für deren Kinder, was ja auch eine sexuelle Orientierung ausmacht, aber alle etwas angeht! ;)

Quentin Crisp, die grosse alte Tunte aus dem Vereinigten Königreich, die zuletzt in NY lebte und in einem Song von Sting verewigt wurde („An Englishman in NY“), redete in ihrer Biographie klar von den „Tatsachen des Lebens“. Und genau davon möchte ich auch immer wieder reden und schreiben. Nicht von den Aussenministern, den Präsidenten von Parlamenten, oder den Popstars, den Künstlern, Bischöfen, Päpsten und Genies! Da setz ich mich bewusst als „Schwulenpapst“ darüber.

Wir haben nun also ein heterosexuell orientiertes Gesetz über die eingetragene Partnerschaft „Gleichgeschlechtlicher“. Auch wieder so ein Wortmonstrum! Ich erinnere daran, dass in dem Gesetz nirgendwo ein Wort wie Sex oder homosexuell vorkommt. Auch schreibt es keine sexuelle Treue vor! Es hält sich also immerhin an eine Tatsache des Lebens! ;)

Ich bin nicht grundsätzlich gegen die eP, halte es aber für falsch, sein schwules Privatleben damit zu beginnen. Es sollte diese Möglichkeit für uns geben, in unserer Lebensmitte uns für eine Perspektive entscheiden zu können – sozial und materiell.

„Ehrlich und treu“ also wollen die vielen Junghomos sein – und es sogar auch versprechen. Die Absicht ist löblich. Aber was ist der tiefere Grund? Ich habe in Diskussionen mit Jungs viel Aggression erfahren, weil ich an diesen Begriffen „herumgezerrt“ habe. Letztlich ist mir klar geworden, dass vor allem das gesucht wird, was man selber nie in der Jugend erfahren hat, oder erfahren konnte. Will heissen: Nur wenige Jungs können in ihren Familien wirklich ehrlich sein und von ihrer Orientierung erzählen. Denn, würden sie dies einlösen, wäre ihnen ihre Familie, oder ihre Bezugspersonen nicht mehr treu! Tatsachen des Lebens! Diese Tatsache aber muss verdrängt werden und geleugnet. Denn im Grund wollten sie ja an ihre Familie glauben… Daraus hervor wächst ein Schuldbewusstsein, das völlig verkehrt und falsch ist!

Für Menschen, die nie eine Familie gehabt haben, mag es auch etwas Vielversprechendes sein, jemanden Treuen neben sich zu wissen. Und da mann nie eine Familie wie „die Anderen“ gehabt hat, möchte man es vielleicht jetzt mit einer homosexuellen „treuen und ehrlichen Beziehung“ versuchen. Aber wie in der Familie oben, schliessen sich allzu grosse Nähe und konsequente Ehrlichkeit und Treue meistens aus (Ausnahmen gibt’s eben nicht für alle!). Dazu mehr unten!

Wenn wir schon an Pfingsten sind, dann möchte ich erwähnen, dass gerade Jesus seinen Jüngern vorsagte, dass diese ihre Familien verlassen und ihr Hab und Gut zurücklassen würden, um ihm nachzufolgen. Jesus räumte auch auf mit der Vorstellung, dass wir unseren Eltern und anderen Vorfahren dankbar sein sollten für unser Leben. Er sagte einfach: Niemand kommt zum Vater, denn durch mich (Joh. 14,6). Durch den Glauben an einen „Freund“ also, wurde das Himmelreich „verdient“! Sehr un-heterosexuelle Tatsachen des Glaubens!

Wir müssen aus unseren Lebenszusammenhängen heraus erst stark werden können, um zu lernen, auch immer mehr ehrlich zu sein. Es nützt nichts, dies als Heiligenbild an die Wand zu nageln, oder in Profilen und auf Foren wie eine weisse Fahne (der Ergebenheit) voran zu tragen. Was ich sehe, so sind die meisten, die Ehrlichkeit in der Beziehung erwarten, dann gegen aussen und die Welt nicht mehr so ehrlich. Dafür wächst dann der Zwang in der Beziehung. Es geht nicht darum, einander zu betrügen, sondern einander auch ein Eigenleben zu lassen, um nicht in einer Beziehung zu verdorren. Keiner muss alles über den Anderen wissen, sonst hat man sich ja auch nichts zu erzählen. Aber wenn auch ein „unbekannter Raum/Bereich“ vorhanden ist, dann ist „die Beziehung“ wenigstens anders als die mit den eigenen Familienmitgliedern gelebte, über die man sehr viel weiss. Aber auch diese sagen einander nicht alles ehrlich, sonst würde diese Klein-Familie als Organisation auseinander fallen! Eine zwiespältige Praxis also, diese Ehrlichkeit. Tatsache des Lebens ist: Wir müssen lernen, sie umsichtig zu verwalten.

Viele vergessen beim Begriff der Treue, dass er auch Abhängigkeit bedeuten kann. Vor allem wenn es um sexuelle Handlungen geht, die man dann nur noch mit einer Person ausführen soll… Du erinnerst Dich sicher noch an Deine Kindheit und Jugend, wo Deine Sexualität völlig von Dir allein abhängig war. Du hattest vielleicht längere Zeit niemanden, mit dem Du Lust erleben konntest. Dann war vielleicht das erste Erlebnis so überwältigend, dass Du quasi gleich „lebenslang“ darauf abfahren wolltest. Damit hast Du auch erkannt, wie zentral die sexuellen Erlebnisse – besonders für junge Männer – sind. Und wie bei der Ernährung auch, ist es bei emotionalen und sexuellen Erlebnissen wichtig, Abwechslung und “Relation” zu haben und zu erkennen, dass nicht ein einziger Mensch alle Deine Bedürfnisse lebenslang befriedigen kann. Mütter tun dies ja auch nicht! Das wäre eine Selbstüberschätzung und gegenüber den Anderen eine Anmassung. Ich meine jetzt nicht die anfängliche Treue, die in der “Uebereilung der Gefühle” (alter Ausdruck für Verliebtheit) keinen Platz mehr lässt. Da ist die sexuelle Treue noch kein Thema. Erst da, wo mann wieder auf die eigenen Beine kommen soll! ;)

Männer, die in einer grösseren Familie aufgewachsen sind, haben auch ihre Lieblingscousins und Lieblingsonkels gehabt, die sie sich quasi selber gewählt hatten. Ohne es zu merken, haben sie ihren Horizont erweitert und das Fehlende ausserhalb der eigenen Kernfamilie gefunden. Dies fehlt völlig in der modernen Kleinfamilie. Gerade die Homosexuellen können unter sich ideale Familien bilden (oder Gemeinschaft), die sich nicht nach Enttäuschungen in Beziehungen richtet, sondern nach den guten und lockeren Kontakten, die man gerne hat. So pickt man sich wie ein Hahn (ahem), die nötigen Körner zusammen, die man im Leben braucht. Dazu können auch ehemalige Geliebte, oder ehemalige „Superficker“ gezählt werden. Und es muss nicht immer Sex sein…

Dazu braucht es die Erkenntnis, dass nicht jeder Kontakt anschliessend in den Abfallkübel geworfen werden kann, denn Erfahrungen – gute und schlechte – schleppen wir als Rucksack mit uns durchs Leben. Auch in jede neue Beziehung hinein!

In den Auffassungen von Treue und Ehrlichkeit, sollten wir nicht in Fundamentalismus verfallen, sondern auch diese „Ideale“ nach praktischen und sozialverträglichen Gesichtspunkten „verwalten“.

So entstehen also Denkmuster von Moral und Gesetzen. Ich sehe viele, die an irgendwelchen Idealen scheitern und sich an ihrem Erreichenwollen verzehren, oder kaputt gehen. Indessen gäbe es Möglichkeiten, es anders zu versuchen, einfachere Strukturen zu leben und AUCH glücklich zu werden – ohne den Richtigen, den „verheissenen Messias“, den Allesproblemlöser. So wie wir Menschen es ja auch tun, seit Tausenden von Jahren neben den Religionen – aber auf eigene Verantwortung! ;)

Peter Thommen60, Schwulenaktivist, Basel