Mit ‘Bisexuelle’ getaggte Artikel

“Spermiquien”

Sonntag, 01. Dezember 2013

Oder wie der Heterror das Denken von Schwulen und Homosexuellen beeinflussen kann. Heute ist wieder Welt-AIDS-Tag und die Aidshilfekampagne läuft wie immer: „ … zum zweiten behandelt diese Kampagne, die einen unvergleichlichen Erfolg aufweist, das Problem des Safer Sex und nicht die schwule Revolution.“ (Ruthmann, 1998)

Reliquien, das lernte ich kürzlich auf Deutschlandradio, sind ,verehrbare’ materielle Gegenstände, die den Gläubigen in einen meta-Zustand versetzen können. Entweder als einzelnes Glied in einer Kette von Traditionen, oder dann als greifbares metaphysisches Erlebnis, an dem teilzunehmen der Glaube oder die Pflicht besteht…

Die Hetero-Ehe partiziert insofern vom Spermiqium, als der Glaube an das genetisch „richtige“ Kind sie ideologisch überhaupt sinnvoll macht! Egal, dass Abraham seiner Sarah nicht fruchtbar beiwohnen konnte, weil sie im Schosse „trocken“ geblieben ist. Also durfte ihre Magd den Urvater in ihrerseits empfangen und ihm den ersten Sohn „schenken“. Dabei muss man/frau verstehen, dass die Magd der Ehefrau sozusagen als vollwertige Stellvertretung in Sexualangelegenheiten der Familie galt. Insofern verstehe ich weder die katholische Kirche, noch die CVP-Initiative, die heute „Familie“ auf „Mann und Ehefrau“ beschränken will. Der Ismael gilt übrigens als Stammvater der Araber…

Die jüngste zu verehrende Reliquie ist übrigens ein Tropfen Blut von Johannes Paul II. Der soll vom Privatsekretär des verstorbenen Papstes auf das Bistum Köln übergekommen sein. Er kann keine Verwandtschaft zum zukünftigen Heiligen gewähren, aber immerhin eine Verehrung für den Verstorbenen. Wie es ja auch in der Eucharistie und im Abendmahl zum Ausdruck kommt. Wir werden Teil eines mystischen Leibes, indem wir entweder das verwandelte Blut, oder einen Schluck Wein oder Traubensaft als Symbol trinken.

Soweit also Hetero-Tradition und Hetero-Ideologie. Zusammengefasst im Ausdruck „Heterror“, den K.E. Erstmals 1990 verwendet hat.

Ich kenne Sperma und seine Bedeutung für den Männersex auch aus eigener Erfahrung! Die ersten Male, bei denen ich im Twen-Alter das Unaussprechliche hinunterschlucken sollte, hätte ich mich fast übergeben. Dann war ich einige Zeit süchtig und lernte die verschiedenen Geschmäcker, wie süsslich, bitter und andere Varianten kennen. Es gibt Leute, die können bis heute nicht darauf verzichten…

Es stellt sich nun die geistreiche Frage: „Wie kann einer auf das Schlucken fremden Spermas verzichten?“

Dazu müssen wir uns an das homosexuelle coming out erinnern, das oftmals sehr mühsam, verklemmt und langwierig gewesen ist. Ebenso orientieren sich Männer, die mit Männern Sex haben (also egal wie sie längerfristig orientiert sind!) am virilen und potenten Mann, von dem sich damit etwas einzuverleiben gilt. Und nun könnt Ihr Euch selber vorstellen, was das in Bezug auf Sperma alles bedeutet!

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mit zunehmendem Bewusstsein und vermehrter Reflexionsmöglichkeit in der Schwulenbewegung, auf das Unaussprechliche nach und nach verzichten konnte. Meine Identität hängt nicht am Sperma, nicht an einer Frau und beides kann auch meine Persönlichkeit grundsätzlich nicht verändern. (Hier ist Gelegenheit, auf ein wichtiges Buch zu diesem Thema hinzuweisen: Phil Langer: Beschädigte Identität)

Aidshilfekampagnen richten sich seit einiger Zeit strategisch und informativ auf die Heteronormativität. Nach dem coming out-Management haben sie sich nun an ein „Risikomanagement“ herangewagt, welches versucht, die Abwehrreflexe von Betroffenen elastisch aufzufangen und den Leuten zu suggerieren, sie könnten tatsächlich „managen“, also Situationen einschätzen, Chancen ausrechnen, etc. Dazu kommt ein starker Druck zum Test. Denn je früher ein Test nach der Infektion gemacht wird, desto aussichtsreicher das Leben mit HIV-AIDS und den immer „besser werdenden“ Medikamenten. „Management“ setzt keine klaren Grenzen und bleibt offen „für alle Betroffenen“.

Die zweite geistreiche Frage: „Wieso müssen Männer sich ohne Kondom anal penetrieren?“

Da schauen wir doch erstmal bei den Heteros!

Wenn der Sex sinnlich ist, ist das was frau ohne Kondom spürt viel intensiver und befriedigender… Aber nur mit dem festen Partner, wenn man genug Vertrauen hat, dass er/sie ausshalb der Beziehung auch nur geschützt verkehrt.“ (weibl, 22, bi)

Kondome beengen mich schon am Schwanz. Daher habe ich gar kein Gefühl von Freiheit damit.“ (männl. 23, bi)

Nach einem gemeinsamen Test ist es ohne Kondome viel geiler und im gegenseitigen Vertrauen das höchste der Gefühle“. (männl. 24, bi)

Also ich steh nicht drauf und werde das wahrscheinlich nie. Ich bin jetzt in einer längeren festen Beziehung und da benutze ich keine.“ (männl. 23, bi)

Die Zitate sind aktuell von 2013, nicht repräsentativ, aber dafür beispielhaft! Die höchsten Gefühle werden also nicht in der Beziehung an sich, sondern im Sex in der Beziehung erlebt. Und dieser Sex sollte möglichst „grenzenlos“ sein – auch zu zweit. Es ist also der Glaube an das alte Versprechen unserer Vorfahren, dass Sex erst in der Ehe erlaubt sei und dann das Paradies sein würde…

Während Heterosexuelle sich nur indirekt über eine Frau (die sie natürlich ficken) eine „Fassaden-Identität“ konstruieren, zeigen die soziologischen Informationen und Umfragedaten, dass diese Fassade zunehmend verwittert und zerfällt. Hohe Scheidungsraten und Enttäuschungen über das erlebte „sexuelle Paradies“ – auch nicht mit Beate-Uhse-Hilfsmitteln – ändern offensichtlich nicht die Tradition und Ideologie des Heterrors. Das traditionelle Homosexualitätsverbot ist vor allem – und war schon immer – für „Heteros“ gedacht und funktionalisiert worden – mit dieser indirekten Identität – schon in der Bibel.

Wen wundert es, dass sich auch Schwule, Homosexuelle und andere Männer unter sich, an diesen Hetero-Normen orientieren? Ich darf nochmals auf Phil Langer und seine Untersuchung hinweisen, die über die entsprechenden Beschädigungen in der Männerpsyche berichtet. Und von den verschiedensten legalen und illegalen Drogen will ich hier gar nicht referieren. Aber die Aidshilfen sollten eigentlich zur Kenntnis nehmen, dass unter solchen Bedingungen ein „Risikomanagement“ sehr schwer oder gar nicht zu „managen“ ist. Aber vielleicht ist ihnen das auch gar nicht so wichtig.

Junge Homos erleben sich vor allem unter dem Familiendruck und anschliessend auf den Parties und im Internet unter dem Konkurrenzdruck, als „männerliebend“. Ein geschützter sozial-familiärer Freiraum ist nicht mehr in Sicht. Es kann unter diesen Bedingungen keine „schwul-normale“ Identität heranwachsen, aber meistens eben nur eine Art „Heteroabklatsch“. Aber die Homo-Ehe, das risikovolle Vertrauen und die Monogamie, die nur wenige „Mönche in ihrem Glauben“ erleben dürfen, schaffen die Verhältnisse, die dann auch heterosexuelle Probleme ergeben…

Es kann auch keine Solidarität als Gruppe mehr entstehen, die eine kollektiv „abgesicherte“ Identität herauszubilden erlaubt. Jeder ist für sich selbst verantwortlich? Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied – und was dergleichen ideologischer Sprüche mehr sind.

Die Identität klebt am Glauben – an Treue, Monogamie und den supergeilen Sex, der dann nur noch mittels Drogen gesteigert werden kann. Da gab es noch Beziehungen? Die spielen doch nur als äussere Form eine Rolle. Die richtige Form verspricht die richtige Geilheit.

Ich bin jetzt über 10 Jahre im Internet und in schwulen Portalen unterwegs. Also in der parallelen Welt von Junghomos, Bisexuellen und Althomos, sowie Altbisexuellen. Da findet man die Geilheiten und Fetische, die wichtiger als alles andere sind.

2013 heisst es zum Weltaidstag: „Eine Schweiz ohne AIDS“. Auch so ein Glaubenssatz. JedeR weiss, dass das unmöglich ist – besonder mit dem bekannten „Risikomanagement“. Aber das Unmögliche war schon immer religiös inspiriert und auf die Glaubensebene geschoben. Jedenfalls wollte ich mit diesem Essay darauf hinweisen, was alles vorgegeben wird und was tot geschwiegen wird.

Denn – wie Sirko Salka in seinem neuen Buch im Untertitel schreibt: „Wieso schwules Leben harte Arbeit ist.“ Sicher nicht stundenlanges Ficken ohne Kondom – um den Mann zu spüren. Oder weil er dann schmerzt, oder gar reissen könnte…

Der Kondom sollte dagegen eine Reliquie sein, die nicht den Glauben an die Spermiquie befördert, sondern das Gehirn rein wäscht vom Heterror. Aber wie oben schon angeführt: Aidshilfen kümmern sich um – äh neustens – das Risikomanagement und eben NICHT um die schwule Revoluton. Amen.

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

P.S. Wer sich jetzt über meine ideologische Auseinandersetzung mit der “Aidsprävention” ärgert und gar schon an “die Tablette statt das Kondom” glaubt (!), der vergisst, dass es noch andere sexuell übertragbare Krankheiten gibt und neue geben wird!

 

Ich erinnere an Siegfried Rudolf Dunde (1953-1993) und an zwei seiner Bücher:

Vater im Himmel – seine Söhne auf Erden. Männer und Religion, roromann 8203, 1986 (als Hg.)

Wenn ich nicht lieben darf, dürfen’s andere auch nicht. Vom Umgang der Männer mit sich und anderen, roromann 8227, 1987 (als Hg.)

Zudem werden Männer nur dann frei sein, mit ihrem Körper, ihrer Lust, ihrer Begeisterung über andere spielerisch und lebendig umzugehen, wenn sie die Fülle von Liebes- und Begehrensmöglichkeiten sehen und sich über diese Fülle freuen. Vielleicht müssen sie dann anderen nicht mehr die Liebe vermiesen oder untersagen, wenn sie ihnen selber (noch) zugänglich ist…“ (S. 10)

Ihm verdanke ich erste Einsichten über die Verhältnisse, unter denen Schwule nicht normal werden können.

Heterosexualität – der reine Sexismus!

Dienstag, 29. Oktober 2013

Aus langer Tradition gibt/gab es immer 95 % Heterosexuelle und „vielleicht höchstens“ 3-5 % Homosexuelle – beiderlei Geschlechts. Und obwohl Kinsey schon nach dem 2. Weltkrieg sehr viel mehr homosexuelle Aktivitäten abfragen konnte, wir das bis heute als unveränderbar aufrecht erhalten. Doch  Kinsey fragte nicht nach der Orientierung, sondern nach den Aktivitäten. Dabei ist er auf einen „sehr hohen“ Anteil gekommen, sodass viele Heteros meinten, dieser Kinsey müsse doch selber schwul sein – derweil sie unbekümmert „Lesbenpornos“ als zusätzliches Vergnügen konsumierten…

Seit über vierzig Jahren hat sich eine Homosexuellenbewegung (beiderlei Geschlechter) etabliert, die sich organisiert und rechtlich abgesichert hat. Dabei sind die „Schwulen“ immer mehr zur Minderheit geworden. Aber was sind „Schwule“ eigentlich? Keiner weiss das mehr so recht! Die Gruppen und Vereine sind zunehmend ein Teil des Mainstreams und des Warenmarktes geworden, der Ferienindustrie und der Immobilien…

Doch neben den selbständigen Formationen der Lesben haben sich in den letzten zwanzig Jahren neue Gruppen und Grüppchen gebildet, die von der „reinen Heterosexualität“ quasi „abgefallen“ sind. Und bemerkenswerterweise hat die Heterosexualität davon bis heute keine Notiz genommen! Wozu auch? Sie steht ja da mit felsenfesten 95 %!

Unter der „Verwaltung“ der Homosexuellenbewegungen und der Schwulen, die ja meistens sich selber finanzieren und ohne grosse staatliche Unterstützung auskommen müssen, obwohl sie ja eigentlich „leibliche Kinder“ der Heterosexuellen sind, hat sich nun ein interessanter „Abfall“ der Heterosexualität angesammelt. (Für die politische Korrektheit: Abfall kommt von abgefallen!)

Das sind nun also – neben den Schwulen und Lesben – noch die Bisexuellen, die Trans*was-auch-immer, Intersexuelle (und Hermaphroditen), des weiteren die Queers* , die Questionning (1) und die Asexuellen. Und ganz aktuell nun auch noch die Pansexuellen (2), wie ich mir habe erklären lassen. Somit sieht die „Familie des Abfalls“ – in Abkürzungen – zur Zeit wie folgt aus: LGBTIQQAP.

Das erinnert mich an die berühmte Formel des „Schwulen-Gens“ XQ28 oder so ähnlich! Nun sind wir also von einer ursprünglichen „Krankheit“ bei einer immer länger gewordenen „Formel“ gelandet. So etwas habe ich mir aber nie unter „Schwulenemanzipation“ vorgestellt. Auch nicht die Schwulen-Ehe. Und ich denke ganz politisch unkorrekt, dass ich als Schwuler mit allen anderen eigentlich nichts am Hut habe. Und was die Bisexuellen (was immer das auch für sie selber bedeutet) betrifft, so ist wohl der kleinste gemeinsame Nenner die Sexualität miteinander. Damit hat sich’s aber schon.Wir Schwulen hätten da also von denen noch sehr viel zugut – denn wir sind AUCH für sie auf die Strasse gegangen!

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

 

1) Das sind diejenigen, die selbst nicht wissen, wohin sie gehören!

2) Dass mit dem neuen P nicht die Pädophilen oder gar Pädosexuellen gemeint sein können, habe ich sofort begriffen. Aber wenn man das Wort Pan*… betrachtet, dann könnte man auch diese da drin noch mitnehmen! :P

P.S. Die Gerontophilen werden natürlich vergessen, denn das ist dann – politisch korrekt – „Vergewaltigung von alten Senioren“ oder so…

Es gibt auch sexuelle Menschenrechte (DGSS)

Das Bekenntnis an den Mann

Sonntag, 19. Mai 2013

Wir dürfen in der heterosexuellen Presse immer wieder davon lesen, dass wir Männer uns „zur Homosexualität bekennen“ würden. Das tönt immer ein wenig nach Religion. Dabei vergessen diese Heterosexuellen, dass sie sich in ihren monotheistischen Religionen dauernd oder ausdrücklich zum Mann – nämlich ihrem Gott und seinen Propheten bekennen…

Das Bekenntnis zum Mann muss irgendwie eine Art Religion darstellen. Auch dasjenige der Frauen zum Mann. Denn die Ehe steht unter dem besonderen Schutz, vom Glauben – bis zum Staat. Zur Mutter bedarf es keines Bekenntnisses, denn sie hat ein reales Verhältnis zu ihrem Kind. Nur über den jeweiligen Vater kann spekuliert werden…

So wie das Vaterschaftsverhältnis von Jesus zu Gott über ein Bekenntnis (durch den Heiligen Geist) ‚im Ohr Marias’ hergestellt wird, so wird auch das Verhältnis von Jesus zu seinem Vater wiederum über ein öffentliches Bekenntnis zu ihm hergestellt.

Zugleich ist das Verhältnis ein „weibliches“, denn der eifersüchtige Gott usurpiert die Bekennenden und lässt keinen Platz für weitere Männer neben ihm. Es ist eine spezifisch kulturelle – eben monotheistische – Moral, denn es gibt Frauen auf unserem Planeten, die ihre Männer selber wählen und sich nicht auf einen beschränken. So wie es auch immer Männer gab, die kulturell geprägt dasselbe umgekehrt taten…

Fünfzig Tage nach Ostern (dem öffentlichen Bekenntnis der Wiedererscheinung Jesu) folgt das öffentliche Bekenntnis des Verhältnisses von Gott zu seinen Jüngern, in symbolischer Form von „Wärme“ unter ihnen, oder als „Flammen über ihnen“. (Zur Zahl 50 siehe unten, Auszug aus Wikipedia!)

Penta (Pfingsten) ist hier also eine „Bekenntniszahl“. Pfingsten ist quasi der Gründungstag der Gemeinschaft von gläubigen Männern (und im Hintergrund dieser Lehre auch Frauen).*

Sosehr usurpieren diese Bekenntnisse von Juden, Christen und Moslems zum „Idealmann“ (Alter Ego) in irgendwelchen ideologischen Wolken (Gläubige/Ungläubige), dass Bekenntnisse zu realen Männern auf Erden sogar verfolgt worden sind. Historisch betrachtet haben eigentlich nur diejenigen Männer gesellschaftliche Probleme gemacht, die sich den Frauen völlig enthalten haben. Denn wer mit Frauen konnte, oder wollte, der hatte eigentlich kein Problem mit dem Sex mit Männern – ja ist eigentlich gar nicht aufgefallen… (2. Sam. 1, 27 – David und Jonathan)

Umgekehrt haben viele Frauen sehr wohl ein Problem mit Nebenmännern ihrer Ehepartner, eher noch als mit Nebenfrauen. (Siehe oben das „weibliche Verhältnis“!) **

Ich denke nun, dass es ziemlich verbreitet ist unter Männern, dass man zwar nur eine Mutter haben kann, aber durchaus – ausser dem Gott – mehrere Männer. Auch für die Frauen spielt es weniger eine Rolle, selber mehr als einen Mann im Leben zu haben…

Es kann also darüber spekuliert werden, wie religiös, oder welche religiöse Dimension die „Homo-Ehe“ ist, oder hat! Die Gemeinschaft der Männer um Jesus bildete jedoch auch eine Art Familie, oder „Lebensgemeinschaft“. Sie wurde an Pfingsten „gesegnet“ und initiiert.

Morton Smith (1915-1991) hat in seinen Veröffentlichungen auf die magischen Rituale in ihren Kreisen hingewiesen. (>Das geheime Markusevangelium)

Jedenfalls ist die orientalische Kultur nicht so fortpflanzungsreduziert, wie sie uns vermittelt wurde und noch wird. Die Männerliebe hatte immer ihren Platz neben der „Frauenliebe“ und ist uns – nach meiner Ansicht – historisch in Form der monotheistischen Religionen überliefert worden.

Vor vielen Jahren hat man mir ein Geburtshoroskop geschenkt. Darin konnte ich lesen, dass ich „zur Bildung religiöser Gemeinschaften neige“. Nun, wenn Männergesellschaft und Männerfreundschaft eine religiöse Dimension haben, dann trifft das wohl zu! (schmunzel!)

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

Frühere Pfingsttexte (2010, 1997)

* Interessante Bemerkung im Lexikon der Symbole. Dort finde ich den Hinweis, dass es am Anfang auch Kreise gab, die Gott als Einheit von Vater und Mutter sehen wollten. „Dass eine solche Meinung selbst heutzutage mitunter gefährlich sein kann, zeigt der frühe Tod Johannes Paul I. kurze Zeit nachdem er behauptet hatte: „Gott ist Vater. Noch mehr ist er Mutter.“ (Bauer/Dümotz/Golowin: Lexikon der Symbole, 1987/Heyne TB 1989, S. 185)

** (Es geht um den unerfahrenen Mann) “Nun verlangt aber auch gar kein vernünftiges und heil gebliebenes Weib solch Nonsens von ihrem Manne. Im Gegenteil wird sie bei der Sicherheit ihres Liebesinstinktes sehr misstrauisch sein gegen einen Mann, von dem sie das annehmen dürfte. Sie wird einen Geschlechtsinvaliden oder einen Narren in ihm wittern und ihn sicher bald zum Hahnrei machen. Ihr Ergeiz ist nämlich, gar nicht die Erste, sondern die Letzte zu sein, die Triumphatrix seines Geschlechtslebens… Während des Mannes Geschlechtsehrgeiz umgekehrt ist, der Erste zu sein, will sie gerade auf der letzten Sprosse seiner Liebesleiter thronen.” (Leo Berg, Das sexuelle Problem, 1901)

Zur Zahlenmagie:

50  Die erste biblische Schöpfungserzählung wird in Gen 2,3 abgeschlossen mit der Wendung ‚da diese geschaffen wurden’, hebr. behibaram, 2-5-2-200-1-40. Das sind dieselben Wort-/Zahlkomponenten wie bei Abraham, nur in anderer Reihenfolge: „Der neue Name Abraham war schon in der Struktur dieses Wortes ‚behibaram’ enthalten, womit die Schöpfung von Himmel und Erde ausgedrückt wird, und zwar schon so, wie er dann zustande kommen sollte. Erst ohne die 5, dann mit der 5, darum mit dieser kleinen He, der erst nur im Keim anwesenden He darin.“

„Der besondere Charakter dieser 5 an dieser Stelle bewirkt nun, dass diese Passage [Gen 2,3] in der Überlieferung gelesen wird als ‚mit der 5 schuf er sie’“ (die Welt). Die irdisch-materielle Welt und Zeit wird aber durch die Zahl 4 (40, 400) ausgedrückt (vgl. die 4 Mondphasen): „Die Zahl Fünf ist dann bereits von anderer Ordnung“, nämlich Zahl des Geistes und des Jenseitigen. Um die 5 hier auszudrücken, bedarf es des ‚Bundes’ als Verbindung der ‚weiblichen’ 4 (Welt, Nacht) mit der ‚männlichen’ 1 (Gott, Sonne). Daraus ergibt sich die für die Bibel zentrale Bedeutung der Zahl 5 sowie dann auch der Zahlen 50 und 500.

fünfzig = Mehr als die 49, => 7² als Zahl der 7-Tage-Schöpfung (die Arche Noah steigt bei der Flut auf 49 Ellen, die Öffnung der Dachluke = 1 Elle führt zur 50 – vgl. Gen 6,16). Josua, der Sohn des Nun (= 50), führt das Volk in das Gelobte Land der Einheit (Num 27,18.23); Jobeljahr (Jubeljahr, Gnadenjahr): Jedes fünfzigste Jahr soll die Freilassung für alle Bewohner des Landes ausgerufen werden (Lev 25,10; vgl. Lk 4,19); ähnlich das Sabbatjahr. Offenbarung der Thora mit den Zehn Geboten und der Erneuerung des Bundes am 50. Tag Schawuot nach dem Auszug aus Ägypten; an Pfingsten (= ’50. Tag’ nach Ostern) wird der Heilige Geist auf die Gläubigen ausgegossen, Beginn der Mission der Apostel (Apg 2). Die erzählte Zeit des öffentlichen Lebens Jesu im Markusevangelium (von Mk 1,15: „die Zeit ist erfüllt“) dauert 7 Wochen mit der Auferstehung am 1. Tag der 8. Woche oder am 50. Tag.

Gerontophilie – die Liebe zu und der Sex mit älteren Männern *

Freitag, 19. April 2013

Eigentlich sollten wir alle „gerontophil“ sein, denn es ist unser Lebensziel, älter zu werden. Aber das ist nicht gemeint. Wer gemeinsam alt wird, ist nicht in dem Sinne „gerontophil“.

Die Gerontologie ist die Lehre vom Altwerden und  die Geragogik oder Gerontogogik ist ein junges Forschungsgebiet, welches die Pädagogik und die Erwachsenenbildung um die. Bildung der Älteren erweitert.

Unsere Kultur muss lernen zu akzeptieren, dass nicht alle Menschen über 70 „Pflegefälle“ sind und werden! Zudem haben nicht wenige Männer ein Sexualleben bis zum Todestag.

Beim Recherchieren im Internet stösst man auf „furchtbare“ Sachen. Da war eine Krankenschwester in einem Frage-Blog, die sich in eine Patientin verliebt hatte und nach Pflege-Ende völlig verzweifelt war.

Ich stiess auch auf einen jungen Mann, der auf Ältere steht und entsetzt darüber war, ob er sich jetzt „so einen Pädophilen“ suchen müsse. (Hier möchte ich klarstellen, dass ein solches Verhältnis nicht gleich gegensätzlich gesehen werden kann, wie zwischen „Mann“ und „Frau“ – in dieser typisch hetero/a Denkweise! Ein Heterosexueller sucht ja auch nicht einen Homosexuellen…)

Verlieben können wir uns lebenslang und nicht nur in „alters-adäquate“ Personen. Ich habe mich als Schüler auch in zwei meiner Lehrerinnen verliebt – und bin trotzdem, aber nicht deswegen, schwul geworden! ;)

Es stimmt mich sehr nachdenklich, wenn ich im Internet Texte finde wie folgt: „So wie man Pädophilie nicht mit Kinderliebe definieren kann, so hat auch Gerontophilie nichts mit Liebe zu tun. Gerontophilie steht am häufigsten mit Sadismus, Vergewaltigung und Nekrophilie in Verbindung. Sexuelle Erregung durch Geschlechtsverkehr mit einer älteren Frau oder einem älteren Mann ist lediglich ein liederlicher Wunsch nach Bestrafung, Rache und Anerkennung. Viele an Gerontophilie leidenden Menschen haben in ihrer Kindheit seitens strenger Eltern oder Grosseltern Gewalt erfahren müssen.“

Ich meine, wer so etwas schreibt, der hat nun wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank! Um das auf Homosexualität zu übertragen, würde das heissen: Es werden immer wieder Männer vergewaltigt, besonders auch im Krieg – und das nennt man dann Homosexualität. KeineR kommt auf die Idee, den Ort der meisten Gewalt, also das Ehebett oder eben die Ehe pauschal als Vergewaltigung zu bezeichnen. (Aber es ist bezeichnend, dass die gesellschaftspolitisch korrekte Sexualität von jeglicher Kritik ausgenommen wird.)

In der sogenannten Fachliteratur gibt es die Liebe zum Älteren gar nicht. Entweder hat man sie mit einer Ehefrau gehabt, oder ist ledig geblieben. Es ist aber bekannt, dass sich in Altersheimen auch ältere Pensionäre noch verlieben können. Doch sind auch ältere Schwule über 70 zu mir gekommen, die sich beklagten, dass sie sich von den „älteren Damen“ belästigt fühlen und ständig zum Kaffee eingeladen würden! ;)

Die genannte sexuelle Neigung ist Thema des Buches Pyromalion (2006) von Hugo Hammerfest, in dem ein 25-jähriger Mann nur Beziehungen mit weitaus älteren männlichen Partnern haben kann.

van Sant, Geron

Demnächst im Kino!

Einen einzigen fachwissenschaftlichen Artikel zum Thema habe ich bei Arnold Kutzinski 1879-1956) gefunden. „Über Gerontophilie“, (Mschr Psychiat Neurol 1930;74:86–94, S. Karger, Berlin) Doch der ist wenig hilfreich. Kutzinski hangelt sich neurotischen Befunden entlang. Aber Krankheiten fand man immer auch bei den Homosexuellen. Und die Fachärzte sahen immer nur die „kranken Homosexuellen“ in ihrer Sprechstunde!

(Otto)„Juliusburger spricht erst dann von Gerontophilie, wenn die Beziehungen zwischen Älteren und Jüngeren über das normale Mass der Achtung und Sympathie hinaus geht.“ (Kutzinski, S. 87)

Es gibt verschiedenste Kulturen, die die Achtung und den Respekt vor den Älteren/Ältesten kultivieren, so zB in Japan, Südamerika, Asien, Arabien und Afrika…

Das wird bekanntlich unter dem „Vaterkomplex“ diskutiert. Allerdings muss ich anmerken, dass Jungs und junge Männer dann eben KEINEN Komplex haben, wenn sie ungezwungen mit älteren Männern umgehen oder sogar Sex mit ihnen haben können. Ein Komplex besteht dann, wenn dies unmöglich ist, oder zu Konflikten führt.

Es gibt aber auch Kulturen, in welchen der Vater generell unbekannt oder unwichtig ist. Z.B. in Südchina. Die Familie definiert sich über die Mütter und Tanten. Zudem gibt es die „Alternativwahl der fehlenden Familienrollen“ ausserhalb. Ein Junge findet keinen Zugang zum leiblichen Vater, oder lehnt ihn ab. Also sucht er sich jemanden ausserhalb. Das kann die familiäre Struktur stören, finde ich aber legitim. Ein Junge konnte nicht mit dem Vater über seine Homosexualität reden – also bezeichnete er mich als „schwulen Vater“.

Ich erinnere an die Paten-Funktion innerhalb der Verwandtschaft. Bei den Griechen wurde ein einflussreicher Mann als Paten gewählt, damit er bei Verlust des Vaters für das Patenkind und die Familie sorgen konnte.

„So glaubt Steckel in einzelnen Fällen die Gerontophilie in einzelnen Fällen auf das Gefühl der Minderwertigkeit zurückführen zu müssen. Diese Individuen fühlen sich den Aufgaben der Liebe nicht gewachsen. Sie müssen unbedingt ein Gefühl der Überlegenheit haben, um sexuell empfinden zu können. Sowohl beim Kinde, als auch beim Greise sei es das Moment der Schwäche, welches in ihnen das Erhebende Bewusstsein der Überlegenheit ihrer Kraft hervorruft. (Kutzinski, S. 87)

Das kommt mir aber an anderer Stelle wieder bekannt vor. Männer sind Frauen auch überlegen und können sich in Schuldgefühlen gegenüber ihrer Mutter befinden. Der Vergleich mit dem Kinde hinkt, denn Frauen spielen in unserer Sexualkultur „das Kind“ und sie locken auch „das Kind im Manne“ hervor. Sonst könnte das Spiel mit der Heterosexualität gar nicht funktionieren. Als ich erstmals in hetero Chats eingetreten bin, hat mich das total verwirrt, wie kindisch und kindlich da miteinander umgegangen wurde: „Mausi, Schatzi, Süsser, etc.“

„Endlich gibt es Formen, in denen die Gerontophilie nur eine verkleidete Form der Homosexualität darstellt. So spricht Magnus Hirschfeld davon, dass homosexuellen Männern ältere Frauen häufig sehr sympathisch sind.“ (Kutzinski, S. 87)

Ich kann mir gut vorstellen, dass es ihnen dann wie den Mädchen und Frauen („fag hags“) ergeht, die sich unter Schwulen nicht ständig sexuellen Anforderungen ausgesetzt fühlen. ;)

Im Weiteren bietet Kutzinski in seinem Artikel einen Fall und dessen Darstellung, der überhaupt nicht als repräsentativ betrachtet werden kann. Er weist dann auf Freuds Vermutungen hin, dass sich „Invertierte“ mit der Mutter zu stark identifizieren können und dann einen Sexualpartner wählen, der ihr entsprechen könnte. Das ist die Theorie des Muttersöhnchens, das mit den möglichen Sexualpartnern der Mutter sexuell verkehrt, um SIE vor „diesen“ zu schützen! Eine typisch heterosexuelle Interpretation – aus dem traditionellen Ödipuskomplex! ;)

In den 30er Jahren spielten nicht nur pathologische Betrachtungen um sexuelle Abweichungen eine Rolle. Die sogenannten konstitutionsbiologischen Gesichtspunkte wurden stärker berücksichtigt, weil sie auch besser erkennbar waren. Letzter Vertreter dieser Theorie war Willhart S. Schlegel (1912-2001). Er versuchte, Homosexualität, oder „Weiblichkeit“ anhand des Beckendurchmessers „abzulesen“…

In der neueren Fachliteratur habe ich bei Peter Fiedler, 2004 (1) den Begriff „Gerontophilie“ nur in einer Aufstellung erwähnt (S. 47) gefunden, er schreibt aber nichts weiter dazu.

Brigitte Vetter schreibt noch 2007: „Tiefenpsychologisch kann die Ursache der Gerontophilie neben der allen Perversionen, gemeinsamen Angst vor der Frau und der erwachsenen Sexualität in einer Regression (Zurückfallen), bzw. in einem Festhalten an Triebwünschen der kindlichen Entwicklungsstufen gesehen werden.“ (2)

Die Tiefenspychologie wurde von C.G. Jung und Alfred Adler weiterentwickelt. Sie steht auf der heterosexuellen Dualität von Animus und Anima. Die Diplompsychologin und psychologische Psychotherapeutin ist langjährige Fachdozentin für Pflegeberufe. Vetter referiert zwar Homosexualität als „nicht behandlungsbedürftig“ (solange es wohl unter gleichaltrigen vorkommt), aber bei der Gerontophilie hat sie offenbar nur die Heterosexualität im Blick:

„ … dass der Sexualpartner entweder durch sein Alter wehrlos oder durch Behinderung, Schlaf oder Tod, bewegungs- und reaktionsunfähig ist. Vermutlich verbirgt sich hinter diesen Präferenzstörungen die Angst vor einer ebenbürtigen Sexualität mit aktiven Partnern.“ (3) S. 269.

Mit Verlaub, Frau Vetter, inwiefern ist denn die Heterosexualität in sich „ebenbürtig“? (4) Von der Kindersexualität, über die Jugendsexualität, bis in die hetero Familie hinein wird immer nur in hetero Kombinationen gedacht und diskutiert – und auch straf-gerichtet! Gleichgeschlechtliches Zusammensein wird nicht einmal „mitgedacht“ – es fällt unter den Tisch – die Partner sind aber auf gleicher Augenhöhe zueinander!

„… altersbedingte Merkmale wie Weisshaarigkeit, greisenhafte Magerkeit, Hirnleistungsschwäche, aber auch klimakteriumsbedingte Veränderungen (können) Auslöser für das sexuelle Verlangen“ (sein). (S. 270) ) – [Im Pschyrembel© Sexualität Verweis auf Fetischismus!]

Es ist klar, dass die Fachleute/frauen immer nur in ihrem Bereich etwas von sexuellen „Präferenzen“ mitbekommen, dann wenn sie sich als Störungen manifestieren! Aber es gibt auch „harmlose“ Gerontophile mitten unter uns.

Wir sollten in der Geschichte und in der Psychologie auch generell nicht immer nur von der neueren Kleinfamilie ausgehen, die sich durch die Industrialisierung herausgebildet hat. Und auch nicht nur von der Romeo/Julia/ -Julius Beziehung zu zweit…

„Die frühesten “Familien” waren keine “heterosexuellen” Kleinfamilien, wie wir sie kennen, sondern schlossen Mutter, Schwestern, Brüder, Tanten Onkel usw. in einer losen Gruppe zusammen. Es gab keinen “Vater”, und die Beziehungen zwischen Mutter und Kind waren keineswegs so elementar, wie wir heute annehmen; Tatsache ist, dass Kinder, Mütter und Schwestern oftmals nicht wussten, wem welches Kind gehörte… Das frühe Indogermanisch verfügte über kein Wort für “Vater” und Jahrhunderte lang war es nicht bekannt, dass Geschlechtsverkehr die Ursache für Schwangerschaft ist. Während dieser Jahrhunderte war die Grossfamilie eine überlebensfähige soziale Einrichtung…” (Shere Hite: Das sexuelle Erleben des Mannes [2], 1978/1991, S. 290)

In Zentralafrika gab es Jahrzehnte lang Minenarbeiter, die weit weg von ihren Angehörigen und ihren Ehepartnern und Familie lebten. In der Zeit der Abwesenheit bildeten sich unter den Männern neue Formen des Zusammenlebens am Arbeitsort. Meistens ergaben sich gleichgeschlechtliche eheähnliche Verhältnisse zwischen Älteren und Jüngeren, mit entsprechender Rollenteilung im Haushalt.

Ich habe aber auch schon von gleichgeschlechtlichen Verhältnissen unter Frauen in Afrika gelesen, bei denen die Eine die Männerrolle übernahm, die auch sozial wie bei einem richtigen Mann anerkannt wurde. **

Die Ethnologie könnte der Psychologie und Psychoanalyse Beispiele liefern, die deren Beschränktheit auf die Kleinfamilie aufbrechen und neue Zusammenhänge eröffnen würde.

Ich referiere nun aktuell einen 30jährigen, der im Internet aktiv nach älteren Männern sucht. Die meisten von ihnen kennen das Wort Gerontophilie gar nicht! ;)

„Mit 13 habe ich gemerkt, dass ich auf ältere Lehrer stehe. Das zog sich weiter bis jetzt. Bei mir fängt ein Mann erst an interessant zu werden ab 55-70. In diesem Alter waren auch all meine Partner, und ich genieße es … Da ich nur Sex mit Älteren habe, brauchte ich mich nie umzustellen. Ich bevorzuge eh die Zärtlichkeit und nicht das Rammeln. Mir geht’s ums Küssen, Kuscheln und auch etwas um Sex, aber nur so, dass es beiden Spass macht. Ich bin nie gross von diesem Alter weggekommen. Meine Vorliebe zu Männern hat sich über die Jahre nicht verändert.“

Ein 19jähriger verriet mir, dass er mit 18 zum erstenmal in eine Gaysauna gegangen sei und dort seine Anziehung zu älteren Männern erlebt habe: „ich lasse mich einfach gern unterwerfen… Es muss nur ein Mann sein.“ Auf meine Frage, wie er’s denn mit Frauen habe: „Ich find die zwar geil, aber überzeugt war ich selbst von keiner, die ich ficken konnte oder so…“

Ein weiterer: „Bin 19 Jahre jung und unerfahren! Suche Erfahrungen mit älteren Herren zwischen 50 und 80. Suche Lehrer! Möchte dein Schüler sein! Bin gehorsam und willig!“ ***

Mann kann auch bis in die Dreissiger und Vierziger Jahre auf noch ältere Männer stehen: „Am Anfang fand ich (14) es komisch, dass mich dieser “Daddy” scharf macht. Danach, bzw. gleichzeitig fingen die Fantasien an. Hatte leider nie den Mut ihn anzusprechen… wäre zu gerne nochmals in dieser Situation… wüsste ich doch heute was zu tun ist. Naja, die Situation war für mich geil damals. ER würde sich strafbar gemacht haben, daher er auch nichts mit mir anfangen würde. Obwohl ich es mir damals gewünscht hätte.“ (29)

Das Motivationsspektrum ist also ein weites, genauso wie üblicherweise auch zwischen Mann und Frau, oder umgekehrt! In Wikipedia wird Magnus Hirschfeld erwähnt, der von einem Altersunterschied von mindestens 50 Jahren zwischen Beteiligten ausgegangen ist. Nun, damals wurden die Menschen selten so alt wie heute! ;)   Und da wir heute immer häufiger „hochbetagt“ werden, wird es die Gerontophilie auch öfter geben…

Hier könnten jetzt noch andere biografische Texte stehen. Ich würde sie gerne sammeln für einen Überblick. Es gibt nach meinen Recherchen zwei Hauptgruppen von Gerontophilen. Diejenigen, die sich mit Älteren identifizieren und deren Nähe suchen, sowie diejenigen, die nur „spielen“ wollen: Daddies, Masters, Lehrer-Schüler, etc.

Spielen können wir vieles, sogar Windelbaby. Aber diese sind hier nicht gesucht, weil es sich dann lediglich um eine Art Fetisch handelt. Beim Fetisch wird das Personale, die Person unwichtig.

Peter Thommen_63

Letzte Ergänzung am 26.4.13

thommen(at)arcados.ch

 

1) Peter Fiedler: Sexuelle Orientierung und sexuelle Abweichung, Beltz 2004 (bisher keine NA!

2) Zitat aus: Psychiatrie – ein systematisches Lehrbuch, Schattauer 2007, S. 147.

3) Brigitte Vetter: Pervers, oder? Sexualpräferenzstörungen. 100 Fragen…, Huber Bern, 2009

4) Das Wort ebenbürtig kommt aus der Zeit der unterschiedlichen sozialen „Stände“ vergangener Jahrhunderte. Es bezog sich auf die Geburt in einem bestimmten Stande, in welchem, oder nächst höherem dann auch geheiratet werden musste!

 

* Diejenige mit einer jüngeren/älteren Frau als Partnerin ist bei Heteros ein ziemlich beachtetes Thema. Die schwule/lesbische Kombination hingegen nicht.

** Die Amerikanerin Denise O. Brien von der Temple Universität fand bei mindestens 20 afrikanischen Bevölkerungen den höchst eigenartigen Brauch der Frauenehe. Dabei handelt es sich um eine sozial und wirtschaftlich begründete Einrichtung und nicht etwa um gleichgeschlechtliche Beziehungen. Vielmehr hat die Ehefrau das Recht oder sogar die Pflicht zur Wahl männlicher Partner, und als Vater der von ihr zur Welt gebrachten Kinder gilt – rechtlich wie sozial – ihr weiblicher “Ehemann”. …

O’Brien, Denise and Sharon W. Tiffany: Rethinking Women’s Role Perspectives from the Pacific, University of California Press 1984, 236 S.  (zvab.de)

*** (Gewisse Leute vermeiden das Wort „ich“ am Anfang eines Satzes! ;)

 

Die “queere Version” von Harald and Maude!

Gerontophilie bei Wikipedia

GERONTOPHILIA, ein Projekt von Bruce La Bruce

Über Dreharbeiten in Kanada

Preview aus dem gedrehten Film

Bilder aus dem Film

Was denken alte Schwule und Lesben über gaysex?

Rechtliche Probleme bei körp. oder geistiger Behinderung (BRD)

Der homosexuelle Mann im Alter (Wilfran Nicols, Kreis 1/1958)

Schwule Männer im Alter, Fachkongress 2008

Eine Schwulensauna als Rückzugsbiotop für ältere Männer

Kinder dürfen SO und “anders” lieben!

Freitag, 22. Februar 2013

Udo Rauchfleisch ist ein ausgewiesener Fachmann im Bereich sexueller Orientierung und Psychotherapie. Seine Bücher sind Marksteine in der Diskussion um die Entpathologisierung von Homosexualität. Aber auch zur Transsexualität trägt er wichtige Informationen bei.

Ich selbst bin schwuler Buchhändler und ein Kind der neueren Schwulenbewegung. Es ist für mich wichtig, Fachliteratur in gesellschaftliche Zusammenhänge zu setzen und sie auch zu kritisieren. Weniger vom Fachlichen her, als vielmehr von den gesellschaftspolitischen Wirkungsmöglicheiten ausgehend. Ich bin daher mit meiner ersten Kritik auf gaybasel.ch beim Autor auf Erstaunen gestossen.

Es gibt zwei grundlegende Prinzipien sich mit Homosexualität zu befassen. Das eine sind Fachleute, die über das Thema und die daran Beteiligten* schreiben oder referieren und das andere ist das direkte Gespräch mit ihnen. Fachleute wie Rauchfleisch haben geholfen, das Thema aus der Krankheits-Ecke herauszuholen und die Schwulenbewegung hat es fertiggebracht, dasselbe aus den Toiletten auf die Strasse und in die Medien zu holen. Das reicht aber überhaupt noch nicht aus! Wir sind heute an dem Punkt, an welchem es klar werden muss, dass Homosexualität nicht allein eine „Orientierung“, „ein Fetisch“, oder eine „sexuelle Praktik“ einer vernachlässigbaren Minderheit ist. Denn damit sind Schwule das Stigma noch nicht los!

Ich bin 1950 geboren und somit in einer Zeit, in welcher „die homosexuelle Phase“ ganz normal der Kindheit und Jugend zugestanden worden ist, indem man/frau hoffte, diese sei eine „vorübergehende“. Die strafrechtliche Verfolgung und die gesellschaftliche Verfemung setzten ein, wenn diese „Phase“ definitiv bis ins Erwachsenenalter beibehalten wurde. Dann begann sie zu „stören“. Das frühere „Schutzalter“ von 20 Jahren – von 1942-1992 – brachte dies auch kriminalpolitisch zum Ausdruck! (Jungs und Mädchen durften damals schon ab 16 Jahren miteinander!)

Der erste Schritt bestand also darin, die homosexuellen Erfahrungen der Heranwachsenden zu entkriminalisieren und dieses Schutzalter für Sexualität allgemein und für alle Beteiligten, also die einverständliche „Jugendsexualität“, auf 16 Jahre herabzusetzen. Doch wir haben nicht damit gerechnet, dass sich die Politik und Justiz noch längere Zeit für den „politisch korrekten“ (hetero) Sex engagieren würde! Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass der Jugendschutz nach wie vor ein wichtiges Anliegen in weiten Kreisen der „korrekten“ Bevölkerung ist, während das Alter der sexuellen Aktivitäten stetig sinkt! Gleichzeitig sind die Grenzen zwischen den hetero und homosexuellen Aktivitäten ebenfalls gefallen und können nicht nur mit Orientierung und Identität verbunden werden!

„Es gibt viele heterosexuell orientierte Menschen, die ebenfalls homosexuelle Bedürfnisse haben und diese unter ebenso schwierigen Bedingungen befriedigen müssen, wie Schwulis. Es geht eben nicht nur darum, dass heterosexuell lebende Menschen sich plötzlich in einen des gleichen Geschlechts „verlieben“ können. Sie können gelegentlich, oder regelmässig, mit dem gleichen Geschlecht auch Sex machen. Und nach über zehn Jahren Internet behaupte ich, dass dies mindestens ein Drittel der Männer auch tut.“ (Th.)

„Aber was nützt einer Mutter der Begriff der „Kern-Geschlechtsidentität“, wenn sie Angst hat, ihr Sohn werde anal vergewaltigt? Diese Angstbilder vermeidet er geflissentlich. Frauen haben keine Prostata und kennen die anale Lust nicht aus dieser Erfahrung!“ (Th.)

Mit dem Titel „Mein Kind liebt anders“ wird für Eltern niemals klar werden, dass es auch eine Homosexualität „jenseits“ einer „Fixierung“ darauf gibt und dass das Kind die Freiheit haben sollte, sie auch „neben seiner heterosexuellen oder bisexuellen Orientierung“ zu nutzen. Es gibt sehr viele Schwule, die öfters und regelmässig sexuelle Erfahrungen mit Heterosexuellen machen, diskret und anonym natürlich. Und der bekannteste Spruch der Bisexuellen lautet: „Ich bin verheiratet.“ Oder „Ich habe eine Freundin.“ – „und das soll sich auch nicht ändern.“

Mit der Einschränkung der Homosexualität auf eine „Orientierung“ und deren Fixierung auf ein ganzes Leben, wie bei der Heterosexualität, werden gesellschaftliche Tatsachen ignoriert. Ganz zu schweigen davon, dass es viele hetero orientierte Männer gibt, die sich tatsächlich nach 20 bis 30 Jahren „umorientieren“, aber damit nicht plötzlich zu „Schwulen“ werden.

Ich möchte dem Autor die Anregung geben, die Joachim Braun und Beate Martin schon im Jahr 2000 im Rowohlt Verlag umgesetzt hatten, mit ihrem Buch „Gemischte Gefühle“. Darin bekommen Heterosexuelle vorgesetzt, dass sie selber auch ein „coming out“ haben, eine „Szene“ und eine „Orientierung“. Und nicht wenige homosexuell Orientierte können oder wollen sich auch fortpflanzen…

Nun, inzwischen haben wir ein Gesetz über die „eingetragene Partnerschaft“, Forderungen nach Adoptionsmöglichkeiten wie bei der Hetero-Ehe und sind an einem öffentlich wahrnehmbaren Punkt angelangt, der die faktische Durchmischung von Heterosexualität und Homosexualität aufhebt und sie jeweils in eine Ausschliesslichkeit zwingt, die jenseits aller empirischen Daten ist! Naiv ist, der sich nichts dabei denkt…

„Im Allgemeinen haben Frauen mit Homosexualität wesentlich weniger Probleme als Männer.“ (Rauchfleisch)

Es gibt keine realen Befunde, die das erhärten würden, nur Äusserungen. So manche Frau gibt sich „tolerant“, wenn es aber um ihren Ehemann oder ihren Sohn geht, sieht alles wieder anders aus. Das habe ich an einigen Beispielen, die ich hier nicht referieren kann, schon sehr eindrücklich erlebt!

„Die Ergebnisse dieser Untersuchung verdeutlichen, dass die Formen, in denen sich die mütterliche Einstellung ausdrückt, dem Einfluss eines gesellschaftlichen Stigmas unterliegen. … Entscheidend ist dabei nicht immer die Homosexualität an sich, sondern die Bedeutung, welche die einzelne Mutter der gesellschaftlichen Meinung und Erwartung beimisst.“ (1)

Dies der Befund von Claudia Müller in ihrer nichtrepräsentativen Arbeit „Mein Sohn liebt Männer“, eine qualitative Studie über einige Mütter. Nicht zuletzt habe ich die Erfahrung gemacht, dass sehr viele Jungs es nicht wagen, mit ihren Müttern über Sexualität zu reden und sich – gemäss einer vergangenen Studie – 30 % der Bisexuellen eher das Leben nehmen würden, als mit ihren Frauen über ihre homosexuellen Bedürfnisse zu sprechen.

Nehmen wir also die „Homosexualität“ aus der „Orientierung“ heraus und stellen sie ALLEN Männern zur Bedürfnisbefriedigung zur Verfügung, dann enthält dies erheblichen gesellschaftspolitischen Sprengstoff. Von der Reaktion von Frauen ganz zu schweigen. Ich habe einige kulturgeschichtliche Werke zur Sexualität gelesen und dabei gelernt, dass es immer das Bestreben der Gesellschaft war, erstens die Frauen zu „versorgen“, denn früher gab es für Unverheiratete, ledige Mütter und Geschiedene oft nur niedrige Arbeit, schlechte Bezahlung, oder die Prostitution, und zweitens die Männer unter „die Haube“ ** zu bringen, damit sie sexuell versorgt und keine Gefahr mehr für andere Frauen seien…

So erscheint mir die „Schwulen-Ehe“ historisch den gleichen politischen Weg zu nehmen, obwohl eigentlich alle wissen, dass diese Ideologie im Leben für die Allgemeinheit nichts taugt! Und schon sind PolitikerInnen daran, die MigrantINNen-Prostitution zu instrumentalisieren und die sexuelle Freiheit ab 16 Jahren für beide Geschlechter weiter einzuschränken. Dabei werden die aktuellen wirtschaftlichen Probleme galant unter den Tisch gewischt!   Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

P.S. Eine detaillierte Rezension von Rauchfleischs Buch auf arcados.ch

 

* Ich schreibe hier absichtlich nicht „Betroffenen“

** kann übrigens auch in Zusammenhang mit der Kopfbedeckung von Muslimas gesehen werden! Wir hatten auch solche Traditionen.

1)  Claudia Müller (Pädagogin): Mein Sohn liebt Männer, 2008, eine qualitative Studie über 5 Mütter)

der “schwulentest” zum neuen jahr

Montag, 31. Dezember 2012

Nein, ich will nicht mit Fragen Eure Zeit verbrauchen! Ich habe hier einige interessante Reaktionen auf Testresultate gesammelt. Der eine oder andere wird sich darin wiederfinden!

50 %  was mache ich mit dem Rest von mir? will ihn jemand haben?

40% ! Aber immerhin: Ein bisschen Bi schadet nie!

ich habs schon länger geahnt, ich bin 95% schwul! also nicht mehr wirklich bi….

Überraschende 60%  -  Hehe, 60% gar nicht so abwegig :-)

huch 100 % – das dachte ich jetzt nicht  ;)

Huch – 90%! Wenn das meine Frau sieht *lach*

Ich bin auf  75 % gekommen. Trifft genau den Kern für mich als Hetero mit Neigung zum eigenen Geschlecht!

Hi – also ich bin 60%, aber wenn ich einen Schwanz im Mund habe kommt es mir doch deutlich mehr vor????!!!!

Bei mir lautete das Ergebnis 30 %. Kann aber nicht stimmen. Fühle mich 100 % schwul – und das schon sehr lange.

Sind doch 70% geworden ;)

also ich habe 45 % und bin schwul, jedoch lebe ich ganz normal, bin keine Tunte und nichts. Ich denke daher “nur so wenig?“, auch wenn ich schwul bin. Der Test passt halt eher zur rosaroten Tucke :- p

hi – bei mir sind es 25%…………na ja…..

Gratuliere, ist ja echt toll, du und ich in einem Zimmer mit/in nur einem Bett, wow das ergibt 100% Schwulität! Frag jetzt aber ja nicht, mit welchem Ergebnis ich aus dem Test kam!

Ich soll nur 20% sein. Aber wenn ich einen Schwanz lutsche, den aber zu 100%

Nach dem Test 55%. Was dann der Rest? Homo-asexuell wohl

Bin enttäuscht, nur 75%

40 % aber bei bi ist das kein Problem

Ich habe Glück gehabt 60%

Nach 2,5 Monaten den nächsten Versuch gemacht. Es bleibt bei 40 %.

Ich hab’s mir doch gedacht, der Test ergab 95% ! Geil….

Hab den Test noch mal gemacht, komme jetzt auf 90%! Also doch langsam eher schwul als bi?

70 %, schau schau

Ich bin gerade mal auf 55 % gekommen und das obwohl ich stockschwul bin!

Toll, 50%! Und jetz? :-D

85% – Oh… – ich hätte eher gedacht so um die 70%…

bei mir kamen 40 % raus als bi Typ perfekt

10%… bin ich krank?? :-)

60%… so habe ich’s erwartet.. :)

70 % und das ist gut so

85%  Bin Hetero ohne Berührungsängste zu Männern  (Masseur)

wie nicht anders erwartet: 100 %

Haha!  100% und das, obwohl ich bi bin.

funny test! Habt ihr mehr davon?

habs nur auf 25% gebracht, na ja reicht ja auch.

40 %. Bin aber in Wirklichkeit zu 95 % schwul. Man sieht halt, wie unsinnig Klischees sind.

Liege bei 85% mann, war mir gar nicht bewusst ;-) Ist aber schon etwas neurologisch auffällig der test

bei mir sind es 50% also passt es ganz gut, denn ein bisschen Bi schadet ja nie

So ein “Schwulentest” ist das letzte, was mann sich antun kann, im doppelten Wortsinne! Es tun ja hier oft Männer so, als ob das alles keine Bedeutung hätte und jeder so tun könne, wie ihm beliebt, aber einigen scheint die Versicherung der eigenen Einschätzung doch wichtig zu sein! Wer sich ernsthaft mit dem Thema befasst, der sollte sich klar sein, dass homosexuelle Lust, sexuelle Orientierung und Lebensweise nicht miteinander übereinstimmen müssen!

Diese Widersprüche zeigen sich vor allem an den Kommentaren. Weder können Männer und Frauen so locker mit ihren Sexualbedürfnissen umgehen, wie Schwule unter sich, ich meine jetzt diejenigen Homosexuellen, die nicht immer nur mit dem Schwanz oder dem Arsch dabei sind, noch können Männer aus einer/m heterosexuell bestimmten Welt oder Leben so locker mit Männerkontakten umgehen wie ein Masseur (85 % hetero), der aus beruflichen Gründen wohl seine Homophobie verloren hat.

Zwar sind nicht mehr alle Homosexuellen und Schwulen in einem Ghetto eingesperrt, aber die Homosexualität an sich ist für viele Männer ein Ghetto, oder ist eben für Heteros/as so bedrohlich, dass sie hartnäckig ghettoisiert wird und nicht an jeder Ecke zu finden ist, wie die Kleidershops für Frauen…

Ein italienischer (die haben’s erfunden!) Schwuler schrieb dazu einmal sinngemäss: Wer ist denn im Ghetto? Homosexuelle (ich meine jetzt diejenigen, die nicht “auf Frau machen”) können sich ziemlich locker bei den Heterosexuellen und mit Frauen zusammen bewegen, ohne dass sie dafür diskriminiert werden.

Heteros hingegen können sich nicht so einfach in das Ghetto hinein begeben, das sie selbst dauernd verursachen (!), ohne “in irgendeinen Verdacht” zu kommen. Und die meisten Heteros/as kapieren gar nicht, dass sie selbst letztlich die Ursache von dem allem sind. Es gibt allerdings immer wieder “Normale”, die sich darüber wundern, wie leicht und angenehm man sich in dem vorher gefürchteten Ghetto bewegen kann, wenn man alle die heterosexuellen Ängste vergisst. Und sehr viele homosexuelle Männer erleben das sogar auch so…

Giovanni dall’Orto, so heisst dieser schlaue Mann und am Schluss seiner Überlegungen steht die sehr wichtige Frage: “Wer ist denn hier in einem Ghetto?” Derjenige, der immer wieder raus und rein kann, oder derjenige, der sich nicht wagt, seines zu verlassen? Unter anderem bildet das Internet für diese Angsthasen eben oft das einzige Türchen, durch das sie schlüpfen können! ;)

Im Weiteren hatte das jüdische Ghetto (das in Italien ausgeprägt war) immer zwei Schlüssel für die Tore bereit. Einmal um die Christen auszuschliessen und einmal für die Christen, um die Juden einzuschliessen, oder eben auszuschliessen aus dem eigenen christlichen, das nicht als Ghetto begriffen wurde.

Und wer mir folgen kann, wird den Satz “Ein bisschen bi schadet nie” vielleicht mit anderen Augen lesen. Denn in dem Wort bi ist sowohl das Ghetto der Heterosexuellen angedeutet, aber auch das Wort homosexuell, aber unsichtbar, eingeschlossen. Logischerweise sollte es heissen: Ein bisschen gay macht fray – oder so ähnlich! ;)

Dieser bi-Satz ist so typisch “schwul”, dass er mir wie eine Pirouette im Ballett, oder ein gedrechselter Handgriff an der Kellertreppe vorkommt, mit dem mann sich dem Fallbeil der Diskriminierung zu entwinden sucht. Ziemlich stümperhaft, wie ich finde und eines “richtigen” Mannes unwürdig, der sich grossmäulig sonst so seine Freiheiten bei Frauen nimmt…

Ich möchte diejenigen trösten, die von ihren Prozentzahlen enttäuscht waren: Egal welche Zahl sich ergibt, Homosexualität steht allen Männern zu und nicht wenige Schwule pflanzen sich mit Frauen fort…

Peter Thommen_62, Schwulenaktivist, Basel

2 doctors 78

Mütter sind be-rechnend, USA 1978

P.S. Ein witziger Text über das Schwulsein in der Familie

Christopher oder Christina?

Montag, 02. Juli 2012

Darüber stritten sich die Schwulen mit den Lesben vor einem Jahr in München. Der gutgemeinte Vorschlag, mal einen Christina-Street-Day zu feiern, prallte an zum Teil „wütenden“ Schwulen ab. Nun, es feiert ja auch keine einen „Nikolaus-Innen“-Tag am 6. Dezember… (Diese Debatte – „Wenn Schwule frauen hassen“ – ist zusammengefasst und nachzulesen bei Jürgen Voss)

Ich meine, dass die „Emanzipation“ der Lesben in der „Homosexuellen-Bewegung“  weder mit „Adam und Steve“, noch mit „Ada und Eve“ zu erreichen ist. Regelmässig kocht die Diskussion um die „männliche Bedeutung“ des Wortes „homosexuell“ hoch. Lesben „verschwinden“ meistens hinter diesem Wort und fühlen sich nicht „abgebildet“ darin.

Diese Diskussion zeugt von der Ignoranz unserer Geschichte und Vergangenheit: In den meisten Ländern sind homosexuelle Frauen nicht explizit (namentlich nicht erwähnt in Strafgesetzen) verfolgt worden – ganz einfach, weil sie nicht als „strafrechtlich ernst“ genug genommen worden sind! Frauen haben ganz allgemein erst seit ca. 100 Jahren eine eigenständige Sexualität zugestanden bekommen! Das sollte vor allem in den Diskussionen um historische Dokumente berücksichtigt werden. Wir tun meistens alles in einen Topf und sehen alles mit unseren heutigen Augen. Das ist unwissenschaftlich und ungerecht!

Auch die Lesben sollten berücksichtigen, dass die Opferperspektive eigentlich eine sexistische ist! Alles was einen Schwanz trägt und sich nicht penetrieren lässt (lassen darf!), ist Täter. Sogar Schwule machen da keine Ausnahme – auch wenn sie sich schon mal penetrieren lassen. (In den Strafgesetz-Texten sind Frauen mit „Täter“ immer nur theoretisch mitgemeint.) Die Nationalsozialisten mussten sich mit der „halbherzigen“ Bezeichnung  „Asoziale“  für Lesben behelfen…

Gerade kürzlich hatte ich eine Cousine im Gespräch, die – als Mutter von einem Sohn – auch als jetzt letztlich lesbisch lebende Frau diese hetera Sichtweise vertritt. Daher ist es recht schwierig, Frauen und Lesben als „Verbündete“ von homosexuellen Männern zu betrachten, die ihre Söhne ja vor uns schützen wollen. Doch wer schützt ihre Töchter vor den Frauen??

Ein weiteres Beispiel – aus Joachim Braun: schwul und dann? (Beratungs-Interview mit einer Mutter)

„Wie geht es Ihnen denn mit schwuler Sexualität?“ – (nachdenklich) „Ich weiss, es ist absurd, aber bei Heterosexuellen stört mich der Analverkehr nicht – bei Homosexuellen stösst er mich ab.“ 

„Warum“? – „Weil der passive Teil irgendwie degradiert wird; aber ein Mann, der sich degradieren lässt (zögert) … ist in meinen Augen unmännlich.“ (Querverlag 2006, S. 38-39)

Diese Mutter wird nicht die einzige sein, die diesen Sexismus einfach an ihre Söhne weitergibt, egal ob hetero oder homo.

Historisch-biblisch gesehen macht sich nicht nur der Penetrierer eines Mannes, sondern auch der penetrierte Mann selber eines „Verbrechens“ schuldig. Ähnlich wie das als Vorurteil gegenüber Frauen auch verwendet wird.  Aber es heisst nirgendwo, dass eine Frau nicht wie eine Frau bei einer Frau liegen darf…

Während also durch den Penetrierakt ein Mann seine Männlichkeit verlieren kann, gibt es juristisch und kulturhistorisch beim Sex zwischen Frauen keinen „Verlust“ zu beklagen. Eine Frau bleibt eine Frau – egal mit welchem Geschlecht sie Sex hat.

Wir müssen also aufpassen, dass wir uns nicht in unserem eigenen kulturellen Sexismus verfangen. Und nach der Feststellung der eigenen Sexualität von Frauen, konnten sie wohl trotzdem nicht als Täterinnen klassifiziert werden. Während das Schutzalter unter den Männern noch heute ein hochemotionales Thema ist, war davon zwischen Frauen niemals die Rede. Entweder „gab es das einfach nicht“, oder die sexuellen Übergriffe wurden nicht sicht- und definierbar. Aber logischerweise kann die Frau, mit fortschreitender Emanzipation, nicht weiterhin als Täterin einfach „übersehen“ werden. (Das gilt nicht nur für eine „Rote Armee Fraktion“!)

Ich habe schon in den 80er Jahren die gesamtschweizerische Statistik für die Bestrafung von „homosexuellen Übergriffen“ beobachtet. Dabei fallen die Frauen kaum auf. Mir war immer irgendwie unklar, wie die Lesben erst als erwachsene Frauen quasi vom Himmel fallen konnten und dann erst gesellschaftlich auftraten. Der ehemalige Art. 194 StGB CH galt von 1942-1992 für beide Geschlechter und schützte beide bis 20. Wichtig aber war nur der Schutz der Jungs!

Die Sexualität und das Sexualleben einer Frau werden bis heute anders beurteilt als bei den Männern! Einer leiblichen Mutter kann man heute nur schwer ihr Kind wegnehmen, was bei einem Vater durchaus leichter fällt. Ich will mich aber hier nicht dem Vorwurf aussetzen, Lesben würden nicht diskriminiert.

Aber WIE werden sie denn diskriminiert und worunter unterscheidet sich das von den Männern? Dieses Genderthema scheint keineN so richtig zu interessieren. Die Diskriminierung von Lesben wird „politisch korrekt“ öfter als „doppelt“ bezeichnet – einmal als Frau und zum zweiten als Lesbe. Nun, ich fühlte mich schon VOR meinem schwulen Bewusstsein als „anderer“ Mann diskriminiert – und dann letztlich auch als Schwuler. Eine doppelte Diskriminierung ist historisch korrekt nirgends auszumachen.

Jede Diskriminierung ist unannehmbar. Das hängt nicht davon ab, ob sie doppelt oder dreifach erfolgt. Wichtig ist die Tatsache, dass in der gesellschaftlichen Diskussion klar wird, worüber und wie im Detail sie erfolgt. Wenn heute schon vom „Schwulen-Dreieck“ (unter Verlust seiner vergangenen Bedeutung) gefaselt wird und davon, dass Basel „anstatt des CSD“ eine traditionelle Schiffsparty habe, dann werden damit historische Fakten ignoriert.

Ich begrüsse die „Schiffsparty“ als eine wichtige Veranstaltung, an der auch beide Geschlechter teilnehmen. So wie auch an der anderen wichtigen Veranstaltung, des „Tuntenballs“, an der auch beide Geschlechter und auch viele Hetero/as teilnehmen.

Aber weder die eine, noch die andere Veranstaltung kann einen CSD ersetzen. So wie auch der Tuntenball Weihnachten nicht ersetzen kann – höchstens die besonders homophobe Stimmung an Weihnachten in heterosexuellen Familien. Womit auch hiermit auf die historische Wurzel hingewiesen sei!

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass jüngere Schwulengenerationen sich das Wissen gar nicht mehr aneignen (können, wollen?), um die Hetero/as zu verstehen, die uns diskriminieren. Homosexualität sei für ihn „einfach interessant“, erklärte mir kürzlich ein Teenie, der noch in seinem Alter geschützt wird…

Es muss auch erwähnt werden, dass schwule und bisexuelle Männer sich für dieses Thema wenig interessieren. Auch von Seiten der Lesben ist das Interesse an Geschichte im Allgemeinen nicht besonders gross. Viele „spätere“ Lesben kommen aus heterosexuellen Beziehungen oder Ehen und haben damit ja bewiesen, dass sie „richtige Frauen“ sein können. Viele Lesben bestätigen dies mittels leiblichen Kindern – wenn auch als zwei Mütter! Sie geben also ein sehr „hetero-likes“ Bild in die Gesellschaft ab. Da bleiben die schwulen Väter und ihre heterosexuelle Vergangenheit sehr schnell ausser öffentlicher Wahrnehmung. Ja sie erweisen sich als „heterosexuelle Schlappschwänze“, die ihre Partnerinnen betrogen hätten…

Diese Andersheit ist es, die so schwer zu vermitteln ist: Einerseits zwischen den Geschlechtern der Homosexuellen und andererseits in die Gesellschaft hinaus.

Trotz allem haben die Frauen in den letzten Jahren immer mehr Plätze „zuvorderst“ belegt und beweisen, dass sie auch politisch und öffentlich aktiv sein können. Letztlich aber sollten wir uns bewusst bleiben, dass die Interessen zwischen Frauen und Männern, zwischen Schwulen und Lesben sich niemals vollständig decken können und werden.

Aber wer geht hin, um zu verstehen, „warum Schwule Frauen hassen“, wenn diese wiederum von hetero Männern für ihr „Frausein“ gehasst werden und heterosexuelle Mütter den Sexismus an ihre Söhne weitergeben ?

Und wer versteht letztlich, dass es Männer gibt, die einen voyeuristischen Blick auf „Lesben“ werfen und dabei nicht merken, dass sie da eigentlich gar nicht gefragt sein können!?  Mir sind keine Frauen bekannt, die beim Anblick zweier sich küssender Männer „heiss“ werden. Im Gegenteil! Wir stecken immer noch in der heterosexistischen Falle! Und mit drin sehr viele Lesben und Schwule.

Doch gibt es auch interessante Profile von hetero- oder bisexuellen Männern im Internet! Die einen suchen einen „hetero-liken“ Mann – und bitte nichts Tuntiges, Weibisches… Sie wollen diesen „richtigen“ Mann auch kennen- und sexen lernen. Dabei genügt ihnen das „Andere“ der Frauen vollauf, nämlich dann, wenn dieses „homo-like“ keinen Schwanz und dafür zwei Titten hat.

Die anderen suchen eine „Shemale“, ein „Schwanzmädchen“, eine Transe, eine DWT… ihnen sei gesagt, dass es gar keine Schwanzmädchen gibt, nur „Tittenbuben“. Aber diese Bezeichnung und die Attribute helfen ihnen, sozusagen den Graben des Sexismus zu überspringen – ohne sich einer Auseinandersetzung damit stellen zu müssen. Solange irgendwas von einer Frau dran ist, kann es einfach nicht schwul sein. Das muss genügen.

Für mich ist klar geworden, dass es als Mann eine Identität mit Müttern und Frauen nicht geben kann. Sie ist bei den anderen Männern zu holen. Und genau das verbietet die heterror Gesellschaft aufs schärfste und mit schärfsten Schutzaltern und der traditionellen Homophobie der Familie.

Andererseits sind die kompletten Bedürfnisse von Männern durch die Frauen niemals abzudecken, obwohl es noch immer öffentlich propagiert und individuell noch geglaubt wird!

Derweil erzählen uns doch „Emanzen“ schon seit Jahrzehnten das Gleiche über die Männer.

Aber was geht das nun die Hetero/a-Sexuellen an?

Ich glaube, dass die Gewalt gegen Schwule einen Teil der Gewalt gegen Frauen darstellt. Und sie entspringt der „falschen Identität“ von Jungs mit Müttern und Frauen, dieser letztlich gewalttätig abgewehrten „Teil-Identität“ mit Weiblichem bei Schwulen und der entsprechenden Homophobie der Väter gegenüber ihren Söhnen. Denn letztlich kann Weiblichkeit niemals voll akzeptiert werden, wenn sie von den Männern für sich selber abgelehnt werden muss!

Ich habe für mich dieses „heterosexuelle Spiel“ mit dem „Spass“ schon länger durchschaut und ich glaube viele Jungs und Männer merken das auch langsam, wenn sie sich das Problem auch noch nicht erklären können!

Peter Thommen_62, Buchhändler und Schwulenaktivist, Basel (Überarbeitete Fassung vom 11. Juli 2012)

Prof. Melanie C.  Steffens, (Jena) referiert eine Untersuchung über unbewusste Negativeinstellungen geg. Lesben und Schwulen (2006)

Lesben und Schwule alliierte Geschwister? Lambda Nachrichten 3’2012

Henn, Tino: Sind Lesben medial unterrepräsentiert? (2012)

Verhaltensregeln in der Schwulenkneipe (SüdtZ, 2005) für Männer und Frauen jeglicher Orientierung…

Was steht am Anfang eines aktuellen Buches über die Pubertät, das ich zufällig bestellt hatte?

„Für die Jungs, damit sie alles geben, und für die Mädels, damit sie ihren Spass dabei haben!“  (Jaromir Konecny: doktorspiele, cbt 2011)

Vielleicht musst Du diesen Satz mehrmals lesen, um den Zusammenhang mit meinem Text zu verstehen. Versuch es wenigstens!

P.S. Ein weiteres Jugendbuch titelt:  “Schlaue Mädchen – coole Jungs…”  (2011)

Mein Hetero! — warum hast du mich verlassen?

Freitag, 06. April 2012

KeineR sollte hier eine theologische Abhandlung erwarten. Aber im Rahmen von geschlechtspezifischem Verhalten unter Männern, gibt es noch viel zu entdecken. Und so wie Frauen die Welt anders sehen – und die Männer, so haben auch Schwule einen „anderen Blick“ auf die sexuell zweigeteilte Welt. Dabei geht es nicht immer nur um die gängigen Vorstellungen von „Homosexualität“, die wir in den letzten Jahrzehnten entwickeln konnten – trotz heftigem Widerstand der Mehrheit von hetero-gläubigen Frauen und Männern.

Es ist zwar allgemein bekannt, dass Frauen einen „fraulichen“ Umgang untereinander pflegen – in allen Kulturen. Wie der männliche Umgang unter Männern war und ist, muss erst hinter vielen Klischees und Geschichten hervorgeholt werden. Dabei ist zwar das sexuelle Verhältnis „überwichtig“ für die Einordnung in die hetero Sichtweise, aber für die Betrachtung von Männerbeziehungen eigentlich eher von minderem Rang. Besonders was die Penetration betrifft, die immer als die Messlatte von „richtiger Sexualität“ genommen wird.

Leider müssen wir auf ein wichtiges Element erzählerischer Technik aus vorgeschichtlicher Zeit verzichten: Wir können die geschilderten Personen und ihre Beweggründe nicht mehr befragen. Aber das konnten auch die ersten Aufschreiber talmudischer und evangelischer Geschichten schon nicht mehr, während uns deren Inhalt quasi noch immer als „Glaubenstatsachen“ serviert werden.

„Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (1), schrie Jesus, noch am Kreuz, bevor er das Bewusstsein aufgab. Dieser Satz wird in der Bibel auch noch andernorts zitiert oder verwendet.

Aber was sagt er einem Schwulen, der an die Männer glauben möchte und sich doch so verlassen unter den homophoben Heteros vorkommt? Für viele Jungs ist der Hetero das grosse „göttliche“ Vorbild. Je unmännlicher er sich vorkommt, desto grösser sein Glaube an die Heterosexualität. Für viele Jungs ist der Frauensex kein Problem, aber sie machen den Sex mit Männern zu einem. Andere Jungs wiederum blenden diesen Teil der Heterosexualität einfach aus.

Gewalt gegen Schwule ist immer auch Gewalt gegen Männer. Oft wird vergessen, dass immer wieder auch normale hetero Männer für schwul gehalten werden, was immer von den Fantasien und Zuschreibungen „normaler Täter“ abhängt und nicht von den von ihnen beschuldigten und verachteten Opfern…

Auch im Christentum ist die Gewalt ein göttliches Mittel, um die Ordnung der Geschlechter und ihrer Rollen zu garantieren. Abraham wurde von Gott „versucht“, indem er Gehorsam übte und seinen Sohn Isaak dafür opfern sollte. (1. Mose, 22) Das Opferfest hat bei den Moslems noch heute eine grosse Bedeutung und deswegen werden jährlich unzählige Schafe geschlachtet…

Interessant ist übrigens die Geschichte von Abrahams Knecht, der ihm einen Schwur „unter der Hüfte“ leisten musste. (1. Mose, 24) Das Ding das da unten hing oder stand (?) bekommt eine ungeheure Bedeutung für die beiden, denn es ging dabei um die Fortpflanzung der Ur-Familie nach dem Tod des Urvaters…

Nicht nur Frauen und Mütter tun alles für den Penis des Mannes und den Macker, der daran hängt. Und sie entwickeln meistens Gewaltfantasien, wenn es um (richtigen) Sex zwischen Männern geht. Wiederum aber ist Gewalt, die nicht „sexualisiert“ ist, für viele Feministinnen normal unter Jungs und Männern. Ich aber meine, dass Gewalt durch ehrliche Erotisierung zwischen Männern abgebaut werden könnte. Viele Männer können sich gar nicht näher als 15 Zentimeter kommen, ohne mit Gewalt zu reagieren. Der heutige Umgang von Jungs miteinander zeigt diese kumpelhafte Verklemmtheit mit Handschlag und Handdrehung, oder die polternde Schulterschlägerei anstelle ehrlicher Umarmung!

Peter I. Schwulenpapst vom Kleinbasel! ;-)

Das hat alles nichts mit der heutigen Auffassung von Homosexualität zu tun. Das alles aber verhindert die freie Entfaltung von Homophilie und auch von Sexualität zwischen Männern. Die Schwulenbewegung hat für alle Männer gekämpft und auch darum, dass jeder Mann seine Sicht, seine Erfahrung und seine Freude an anderen Männern haben kann. Sehr zum gesellschaftlich verhohlenen Unmut der Frauen!

Ich nehme die Geschichte von Gilgamesch und Enkidu als Beispiel für den freien Umgang mit einer Männerbeziehung in vorhistorischer Zeit. Vor ca. 5500 Jahren wurde der Kampf der Zivilisation mit der Natur in eine Männergeschichte gekleidet, die als Episode innerhalb eines „heterosexuellen“ Epos, auf Tontafeln überlebt hat. So sensationell war sie. Als nämlich Gilgamesch gegen Enkidu kämpfte, „erkannten“ sie einander und verliebten sich. In der Folge nahm der Vertreter der Natur, zur rechten Seite des Vertreters der Zivilisation auf dem Thron Platz. Diese Formulierung erinnert wiederum an die Rolle von Jesus, der auch „zur Rechten“ des Vaters auf einem Thron sitzen sollte – vielleicht als Preis für die Aufgabe seiner Erdverbundenheit mittels gewaltsamem Tod? (Die Erde ist übrigens weiblich)

Mich bewegt die Tatsache der „normalen Gewalt“ zwischen Männern sowohl als Schwuler, wie auch als Mann. Denn ich lasse mich nicht einfach ausgrenzen. Weder zu den Frauen, noch zu den Kindern. Gleichzeitig erfahre ich Verdächtigungen und Schuldzuweisungen als „Gewalttäter“, der ich nun wirklich nicht zwangsläufig sein muss. Und – obwohl Christus der Halbgott oder Prophet von Zöllnern und Huren gewesen ist, meine Heteros haben mich immer verlassen, sobald sie um die erotische Dimension meiner Empfindung gewusst haben. (Natürlich von einigen Freunden mit Köpfchen mal abgesehen!)

Als ich selber in der Schule die Zielscheibe männlicher Aggressionen war, die sich vor allem auf dem Schulweg zeigte, hatte mein Vater keine heterosexuellere Empfehlung als: „Du musst Dich halt wehren“ parat. Nur: Wie konnte ich mich mit anderen Jungs prügeln, wenn ich denn lieber an ihren Schwanz gegriffen hätte?

Dies wurde bei mir kürzlich erneut aktualisiert, als sich über gaynet ein alter Schulkollege aus der Jugendzeit meldete, der den Kontakt zu mir suchte. Er habe eine Familie und zwei Kinder, aber in letzter Zeit hätten sich bei ihm so Gefühle entwickelt für Männer, für die er jetzt meine Hilfe suchte. Er ist zwar in all den Wochen seither nie wirklich bei mir aufgetaucht. Aber was zum Teufel kommt er jetzt zu mir, wo ich nie etwas mit alten Männern anfangen konnte?  Damals hätte ich wohl noch so gern mit einem Gleichaltrigen Sex gehabt. Aber damals war er eben homofeindlich und hetero. Ich fühlte mich damals auch schon verlassen!

Nun, mein Vater war zwar homophob, aber er gestand mir durchaus eine “Variante” von Männlichkeit zu. Ich verlor sehr schnell das Bewusstsein (es übermannte mich), wenn ich geimpft wurde oder viel eigenes Blut sah. Er tröstete mich damit, dass es dem besten Metzger auch so gehen könne, wenn er sein eigenes Blut sehe…

Peter Thommen_62, Schwulenaktivist, Basel

1) „Eli, Eli lama asabthani?“ (u.a. Markus 15, 34)

Hier habe ich noch eine interessante Betrachtung gefunden (siehe weiter unten auf der verlinkten Seite 2.3). Sie bestätigt meine Vermutung, dass das heterosexuelle System (die Ordnung Gottes/Oberhetero) auf einem schlauen Diskriminierungssystem beruhen, das sich entlang des Penetrationsverbotes und der Penetrationspflicht (zur Fortpflanzung) etabliert hat. Frauen sind darin zur Passivität verurteilt und spielen die Rolle, zwischen den Männern Konkurrenz um sie zu erzeugen und aufrechtzuerhalten. Dabei sind sie über dieses – sie zwar selber diskriminierende – System indirekt an der Macht beteiligt. Woraus sich eine klare Gegensätzlichkeit zu Homosexuellen ableiten lässt, die dieses ausgeklügelte archaische Landwirtschafts-, Erb-, Macht- und Politsystem durch unerwünschte “Gefühle” unterminieren könnten. Denn mit den Gefühlen – egal ob wahr oder vorgespielt – “politisieren” ja bereits die Frauen – auch gegen andere Frauen!  PT

Eine der ersten, die “theologisches Verständnis” zur Situation von Homosexuellen beitrugen war Else Kähler (1917-2011), mit einer Exegese (PDF 2 MB) zweier neutestamentlicher Stellen, in Bovet, Th: Probleme der Homophilie, Huber 1965

«Brokeback Mountain» als “biblischer” Sündenfall

Montag, 27. Februar 2012

Viele haben den Film gesehen und wurden darin bestätigt, dass Liebe und Sex zwischen Männern sehr schön sein kann, dass sie aber in unserer Kultur keine Chance, respektive keinen Platz hat…

Doch in dem Film wird nicht nur die Sexualität überspielt, der Regisseur Ang Lee spielte auch mit den Urkonflikten aus der Bibel. Dies gesehen und beschrieben hat Kathrin Geyh, eine junge Filmemacherin. Studium der Kommunikationswissenschaften und Arbeit bei Amalia-Film.de

(hier der ganze Text auf   arcados.ch)

Siehe auch: Thommen, hallo “bisexueller” Boy! 

die katholische kirche schlägt zurück

Dienstag, 19. Juli 2011

Die aktuelle endgültige Beurteilung der Homosexualität lautet nach katholischem Verständnis “objektiv ungeordnet”. Diese zwei Wörter bezeichnen die verfahrene ideologische Situation dieser Kirche. Ihre Definition ist nicht objektiv, sondern subjektiv. Aber im Verständnis eines sogenannten “Pluralis majestatis”, mit dem diese Kirche davon aus geht, dass ihre Sicht auch die Sicht aller Anderen sei, versucht sie, sowohl die Definitionsmacht, als auch ihre Ordnungsmacht zu verteidigen. Denn die sexuelle Ordnung dieser Religion ist identisch mit der Fortpflanzung. Abgesehen von der Beurteilung der Tötung ungeborenen Lebens und der völlig “jenseitigen” Beurteilung von AIDS, gibt es noch ganz andere Irrtümer in dieser Glaubenslehre!

Ein typisches Beispiel im Sexualbereich stellt die Geschichte um Onan und seine angebliche Selbstbefriedigung dar. Die Tatsache, dass verschiedentlich behauptet wird, Onan sei auch wegen Kindestötung verurteilt worden, weist daraufhin, wie rudimentär die damalige Kultur um die Fortpflanzungs-zusammenhänge wusste und im Namen ihres “allwissenden” Gottes urteilte. Es war gar noch nicht bekannt, dass der Anteil der Frau mit ihrem Eierstock ein sehr wesentlicher ist. Mann dachte sich, die Spermien seien bereits die Kinder, die nur noch in das Nest im Körper einer Frau gelegt werden müssten…

Im Angedenken daran, dass diese Kirche sich Jahrhunderte lang eingebildet hat, die Erde sei das Zentrum der Welt und nicht die Sonne, sollten wir alle objektiv daran zweifeln, ob ihr Glaubensgebäude bis in die Ewigkeit Gültigkeit behalten wird. Ganz abgesehen davon, dass die Menschen Jahrtausende vor Abraham und Jesus sich schon fortgepflanzt haben und glücklich gewesen sind, ohne die “objektive Ordnung” dieser Kirche, die übrigens von Fischern am See Genezareth wesentlich initiiert worden ist.

Ich will hier nicht aufzählen, wie viele Menschen unter der katholischen Sexualmoral gelitten haben, oder wegen ihr gescheitert sind. Jedenfalls ist die wissenschaftliche und objektive Erkenntnis so erdrückend und international geworden, dass – nicht nur diese katholische Kirche – in den ideologischen Notstand gerutscht ist. Verzweifelt versuchen ihre Repräsentanten nun, zurückzuschlagen und sich selber als diskriminierte Opfer darzustellen, um von ihrer Verantwortung für die Gesellschaft abzulenken.

Meiner Ansicht nach bringt es nichts, mit der katholischen Kirche zu streiten. Vielmehr bin ich der Meinung – wie ich das einleitend schon dargelegt habe -, dass es darum geht, noch viel mehr Leuten die Aufklärung über die ideologischen Gründe nahezubringen. So kann jedeR selber beurteilen – ohne des Lateinischen mächtig sein zu müssen – was von der neusten Strategie der katholischen Kirche zu halten ist.

Diese Strategie ist die Folge der “Errungenschaft” der Homo-Ehe, die international von bürgerlichen Schwulen “erkämpft” werden will. Es ist die Folge des “Gleichseinwollens” mit den Heteros, die die meisten Kräfte in die heterosexuellen Lebensformen abzieht, wo diese dann in ähnlichem Masse verbürgerlicht und gesellschaftlich wirkungslos werden, wie – eben bei Heteros üblich: Blut und Boden-Denken, Clanwirtschaft, politisch konservativ und ausgrenzend alles, was nicht so ist wie man selber ist…

Ich mag jedem seine Schwulenehe gönnen. Aber ich lasse mich nicht in einen kollektiven Kampf gegen eine weltweite Ideologie und Institution einspannen, während die Kultur von Menschen, die homosexuell glücklich werden wollen, seit Jahren am Boden liegt. Während Männer ihr Leben und ihren Charakter, sowie ihre individuelle Persönlichkeit dekonstruieren oder gar zerstören – sogar mit Hilfe von AIDS.

Ganz zu schweigen von all den Hetero- und Bisexuellen, die feige ihren Mund halten und trotzdem ihr Sexualleben mit homosexuellen Handlungen “anreichern” wollen – “ein bisschen bi schadet nie”. Klar, wenn die gesellschaftliche und politische Verantwortung dafür keiner übernehmen will und muss. Das sollen dann die Schwulen erledigen, mit denen diese Männer “im normalen Leben ja eigentlich nichts zu tun” haben…

Was soll ich mich aufregen, wenn ich in den Augen der Religiösen ein armer Sünder bin? Ich werfe das denen auch nicht vor. Ich weise nur darauf hin, dass es nicht um “Gleichheit” geht, sondern um die allgemeine und säkulare Gleichwertigkeit – wie bei den Frauen auch schon immer! Der Rückzug von Ideologien in ihre eigenen Subkulturen hat begonnen. Sie fühlen immer mehr selber, wie es solchen ergeht, die schwul sind, eine andere Hautfarbe haben, oder eine andere Sprache…

Die schwulen Medien – ob gedruckt oder virtuell – führen uns den ideologischen Unsinn verschiedenster Prälaten und Bischöfe täglich genüsslich vor und profitieren wirtschaftlich in ihren Medien von dieser Hetze. Dabei bleiben unsere wichtigsten und lebenswichtigen Anliegen einfach liegen. Denn wenn es um unsere ureigensten psychischen und sozialen Interessen geht, will keiner damit das grosse Geld machen.

Eine klare Sicht über die aktuellen Macht- und Interessenverhältnisse zeigt sich dann, wenn bei all den Missbrauchsdiskussionen – die schon längst für ebendiese Verhältnisse missbraucht werden -, erwähnt wird, dass sich offenbar nur Wenige über die Selbstmordversuche und Selbstmorde junger und jüngster Schwuler – oder auch Bisexueller – aufregen. Denn diese Tragödien finden wegen des herrschenden und frauschenden Heterrors statt. Und Missbrauch jeglicher Art (nicht nur des sexuellen!) findet nur unter bestimmten Umständen statt, die familiär und gesellschaftlich verantwortet werden müssen! Auch wenn es ums Wegwerfen des eigenen Lebens geht.

Führe ich die beiden Themen aber zusammen, dann heisst es (zB aus der Zentrale der SPSchweiz) nur, man solle das eine nicht gegen das andere ausspielen. Damit ist politisch klar, wie die Verhältnisse sind: Die Opfer sind (hier auch ideologisch) definiert – und verantwortlich sind “die Anderen” als Täter auch. Basta! Wer seine gesellschaftliche Mitverantwortung an der misslichen Situation Jugendlicher – seien sie Opfer irgendwelcher Verhältnisse – aber nicht erkennen kann, hat meiner Ansicht nach politisch versagt. Da helfen keine verlängerten Verjährungsfristen, keine “schärferen Gesetze” und schon gar nicht das “Wegschliessen für immer”.

Peter Thommen_61, Schwulenaktivist, Basel.

siehe auch:  eswirdbesser?? (Ostern 2011)