Mit ‘Bisex’ getaggte Artikel

Junghomos leben in “Parallelwelten”!

Donnerstag, 14. März 2013

Viele Hetero- und Homosexuelle glauben, man könne “nur schnell ins Internet gehen”, um diese oder jene zu finden. Ausserdem bieten sich Menschen im Internet auch wie Waren an, was beim Kauf zu grossen Enttäuschungen und Missverständnissen führen kann.

Die meisten Hetero/as glauben auch, Homosexualität gehe nur “die paar Schwulen” etwas an, obwohl ihre hetero Männer mehr Homosexualität praktizieren als alle Schwulen unter sich! Dieser Eindruck hat sich bei mir nach 10 Jahren verfestigt.

Und die meisten Schwulen nehmen nicht zu Kenntnis, dass der grösste Teil der Darsteller in den Gaypornos gar nicht schwul ist. So viele Gays sind dafür gar nicht zu bekommen. Und es macht den Darstellern offensichtlich Spass… (auch schon bevor es Viagra gab!)

Es gibt Junghomos, die andere als “alte Säcke” bezeichnen und Angst haben. Wovor eigentlich? Vor deren Sexualleben? Dabei ist das Sexualleben der Alten das, was die Junghomos auch in ihrer Zukunft haben werden! Gut, es im Voraus zu wissen. Und jede Anmache kann man höflich oder doch bestimmt auch zurückweisen.

Menschen, die einem  ”nicht passen” werden im Internet einfach “blockiert”. Mit wem ein Junghomo nicht ficken kann/will, mit dem ist auch ein normales Gespräch nicht möglich. Aber zudringliche “alte Säcke” habe ich in meiner Jugend auch real “überlebt”. (Und heute gibt es auch zudringliche “junge Säcke” im Internet, die es auf Alte abgesehen haben. Dies sei auch erwähnt!)

Wenn ich vom “Internet” schreibe hier, dann denke ich an Kontaktplattformen, Foren und Chats. An den “schwulen Markt”, wie viele meinen. Und an die gay Pornos kommt mann auch kostenlos… Ich will aber auch von der Realität im Milieu und im Leben schreiben, von der viele Junghomos einfach nicht Kenntnis nehmen wollen. Dabei gefährden sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Mitschwulen und dazu noch die “Boyschwulen” in der Zukunft… Doch eines nach dem andern.

Die Devise scheint zu sein: Wo keineR was sagt, wo nichts passiert, da ist ja auch keine Gefahr für die heimlich gelebte Homosexualität. Nach der Heterofamilien-Devise: Bei uns gibt es “sowas” nicht – und wir wollens auch nicht wissen. Schon in der “normalen” Gesellschaft gilt die bewusst gelebte Sexualität generell als “Anti-Kultur” und wird ins “private” Kämmerlein “zum spielen” verwiesen. Das geht ja Niemanden etwas an. Ich kann dem leider nicht zustimmen, denn ich muss in allen Medien über das Sexleben sehr vieler Heteros – ungewollt lesen und hören – ausser vielleicht auf der Börsenseite nicht!

Schon die Geschichte der Verfolgung von Homosexualität zeigt, wie öffentlich das ist und wie sehr sich Heteros dafür interessieren! Und selbstverständlich interessieren wir Schwulen uns auch für die Heterosexualität (?), denn noch selten sagt ein Schwuler zu Heten: “Interessiert mich denn das?” Umgekehrt dann schon eher!

Wir sind für die Gesellschaft nur interessant, wenn sie uns bestaunen, bestrafen oder uns diskriminieren kann. Ansonsten erwartet sie von uns eine “vorgelebte Asexualität” – von Kindsbeinen an. Früher nannten besonnene Männer sowas “Homophilie”. Interessanter-weise geht es dem verwandten Wort “Pädophilie” genau umgekehrt! Was als Begriff ohne Sexualität geschaffen wurde, wird gezielt “sexualisiert” und als Bezeichnung für sexuelle Übergriffe missbraucht. Im Strafgesetz finden sich aber ganz andere Begriffe – die keineR verwenden will. “Pädophilie” trifft gesellschaftspolitisch “besser”…

Nach gehäuften Morden an heimlichen Homosexuellen, die in den 60ern über Zeitungen an die Öffentlichkeit gelangten, kam in den 70er Jahren der Schritt von der “Homophilen-Organisation” zur Homosexuellen Arbeitsgruppe. Denn wer die Chance der damaligen Sexualstrafrechtsreform nutzen wollte, musste hart arbeiten und lobbyieren – auch öffentlich! (Schutzalter hetero: 16, homo: 20, von 1942-1992)

Auf dem Plakat, welches “homophobe Gewalt” thematisiert steht übrigens: “Was nicht gemeldet wird, ist nie geschehen. Und was nicht gemeldet wird, muss auch keineR zur Kenntnis nehmen. So einfach ist die Strategie des Heterrors.

Wenn ich darauf hinweise, dass Junghomos in Parallelwelten leben, dann meine ich auch, dass sie in einer Art “Anti-Realität” leben. Alles “Schöne, Gute, Liebe, Ehrliche und Treue” ist für sie reserviert und muss nur noch gefunden werden – im Internet. Der fiktiv Angebetete heisst “Mr.Right”. Dies hat eine religiöse Dimension – auch auf der “richtigen” Seite der Gesellschaftspolitik: Gewalt, Diskriminierung, Mobbing. Da braucht es weder Koran- noch Bibelverse dazu. Aber meistens dienen sie zur Rechtfertigung…

Aber das passiert Junghomos nicht – wenn sie nur genug “hetero-like” sind. Es heisst immer wieder auf Profilen: “Wer ficken will muss freundlich sein”. Ich sage aber, wer nicht mit Heteros “gesellschaftspolitisch ficken” will, muss freundlich sein und die eigene Anpassung perfektionieren. Aber ich kenne leider keinen Fall, bei dem sich die hetero Gesellschaft nachträglich als “dankbar” dafür erwiesen hätte…

Seltsamerweise erfahren wir aktuell nur übers Internet und schwule Medien über die Selbsttötungen schwuler Jugendlicher. Das passt nicht in die Vorstellungen von Heteros/as. Wie können Kinder schwul sein? Das können die noch gar nicht wissen, erhielt ich schon vor Jahren als Antwort auf dem Jugendamt, wo ich eine Studie über Jugendgewalt persönlich abgeholt hatte. Zurzeit ist das Thema in den USA aktuell. Nichts „wird besser“ – leider! Es nützt nichts, wenn “die Hoffnung zuletzt stirbt” – trotz ihr aber schon Dutzende sterben mussten.

Statt uns über irgendeine allgemeine Gewalt in der Gesellschaft – oder gar die von Migranten zu verbreiten, sollten wir uns erst mal über die eigene Gewaltgefährdung im Klaren werden. Wir können eben nur in theoretischen Überlegungen auf die Hilfe von Mitbürgern zählen. Denn so schnell sie uns diskriminieren können, so schnell verlässt sie der Mut, den man auch “Courage” nennt, einem Schwulen zu Hilfe zu eilen, weil jeder Hetero selber gefährdet ist, als Schwuchtel enttarnt zu werden. Ganz zu schweigen, dass Heteros auch in diesen falschen Verdacht kommen und quasi in ihrer eigenen Gewalt-Falle gefangen sind…

Dabei hat jede Art von Gewalt gegen Menschen etwas mit “Sexualität” zu tun. Nicht unbedingt mit den Genitalien, aber zumindest hat jedes Opfer ein Geschlecht und wird deswegen, oder gar damit geschädigt. Es gibt nicht nur “sexuelle Gewalt” (auch gegen Männer!), vielmehr gibt es auch “sexuell motivierte” Gewalt – auch ohne Einbezug von Genitalien (Penis wie Vagina!). Und weil die Genitalien da meist nicht direkt eingesetzt werden, wird das auch nur selten erkannt und benannt. Zudem ist es für Heteros/as “normal”, wenn sich Männer oder Jungs prügeln – aber nicht, wenn sie sich wixen oder küssen!

Ich bin bei einem wichtigen Punkt angelangt, der den Schlüssel zu vielen Problemen von Junghomos und Klemmschwestern bietet. Jeder Heimlichtuer wird gestresst dafür, dass er sich dauernd anpassen darf. Aber jeder gefährdet da auch andere Schwule mit. Dadurch, dass sich die einseitige öffentliche Wahrnehmung nur von Tunten und Schwuchteln für viele verstärkt – selbst auch für Homosexuelle. Daraus folgt die Homophobie, von vielen Schwulen sogar selber “verinnerlicht”. Die Gesellschaft kann durch angepasste Klemmschwestern niemals erfahren, wie viele Männer anderen Männern für Sex nachrennen und dass das alles mit Weiblichkeit sehr wenig zu tun hat.

Zudem fehlt damit den Junghomos auch ein “normales” Homo-Bild, mit dem sie sich, wie die Heteros, auch identifizieren könnten. Schwulsein bedeutet nicht, “so werden zu müssen” wie die, “die man eh schon sieht”. Schwulsein bietet auch eigene Entwürfe, auch ohne “hetero-like“-ness! Die ganze Vielfalt an schwulen Männern muss öffentlich sichtbar werden. Dann lernen vielleicht auch die Klemmschwestern, diese Vielfalt selbst zu akzeptieren. Denn nur derjenige, der weiss wer er selber ist, muss keine Angst haben, “so wie jener” zu werden. (P. Thommen)

Die Homosexuellen Arbeitsgruppen und die Schwulenbewegung insgesamt hat übrigens nicht nur gekämpft für die Homosexualität als Orientierung, sie hat auch gearbeitet dafür, dass alle Anderen auch mal schwul sein dürfen, oder auch nur Homosex praktizieren – ohne dafür bestraft zu werden. Die Dummis habens nur noch nicht gemerkt. Und wir Schwulen sind dann der Blitzableiter für ihre Gewissensbisse.

Und genau da drin sind auch Junghomos und Klemmschwestern verstrickt. Da ist auch der “heterosexuelle” Damm aufgebaut, gegen “das Aussterben der Menschheit” und gegen den “homosexuellen Missbrauch von Kindern”, wobei damit meistens Knaben gemeint sind, denn Mädchen und Frauen haben ja nix, womit sie einander oder die Männer missbrauchen könnten (?). (Drum blieben die homosexuellen Aktivitäten von Frauen weitgehend straffrei in vielen Kulturen.)

Und nach der heterosexuellen Logik sind “schwule” Kinder eh von homosexuellen Männern missbraucht worden und werden dann wiederum zu Tätern an anderen Kindern. Aber bei dieser feministischen, männer-zentrierten Missbrauchsideologie vergessen alle, dass wenigstens bei den hetero Männern, vorher sehr viele Frauen am Werk gewesen sein müssten. (Über einige davon gibt es auch Literatur, die man aber suchen muss.)

Wenn ich aus heterosexueller Sicht davon ausgehe, dass Frauen den Knaben nur die “richtige Sexualität” zeigen würden – und darauf lassen viele Leserbriefe auf entsprechende Meldungen in der Presse schliessen, warum fragt dann niemand, was Frauen den homosexuellen Knaben anzutun imstande sind? Der heterosexuelle Familienkomplex wird nie hinterfragt. So wie Mütter über die sexuelle Orientierung der meisten schwulen Söhne einfach hinwegsehen, in der Hoffnung, “das vergehe” schon wieder.

Da wurde über Tiziano Ferros coming out berichtet. Die liebende Mutter wurde erwähnt, die “endlich froh” gewesen wäre, “ihn nicht mehr leiden sehen zu müssen”. Bei sowas krieg ich die Wut in den Hals! Warum hat denn die “liebende Mutter” nur zugesehen und ist nicht wie eine sprichwörtliche Wölfin mit ihrem Sohn den notwendigen Weg “hinaus” gegangen? Ach, er hat halt für seine Mutter gelitten? Einen grösseren Schwachsinn kann ich mir gar nicht mehr vorstellen!

Ich habe nun versucht, die wichtigsten Zusammenhänge aufzuzeigen, die ich verantwortlich dafür mache, dass nachrückende Generationen von Schwulen – also die Junghomos – den öffentlichen Raum immer weniger selbstbewusst und solidarisch betreten und in ihm leben – als Schwule verschiedenster Ausprägung, ja auch als Tunten – oder von mir aus auch als “Queers”. Es ist üblich geworden, der Schwulendiskussion auszuweichen, indem das Wort Queer verwendet wird. oder Abkürzungs-Monster wie LGBT*Q… Das ist cooler. Aber wem nützt das?

Den fast ausschliesslich “sichtbaren” Tunten nicht. Und auch den unsichtbaren Klemmschwestern nicht. Dieser öffentliche Raum und die offenen/öffentlichen Diskussionen mit den Heteros müssen wieder erobert und belebt werden. Das geht über die nächsten Verwandten und Bekannten hinaus, die “eh schon tolerant” sind. Denn sonst hinterlassen diese “stummen” Räume Gewaltbetroffene oder sogar Tote! Jeder ist zuviel!

Der Überfall mit Baseballschlägern vom 5. Januar 2012 am Stachelrain/Solitude ist von der Polizei auch nicht als Gewalt gegen einen Schwulen kommuniziert worden, obwohl ihr bekannt sein muss, dass dort ein Schwulentreffpunkt ist. Hätte aber ein einzelner Jugendlicher da einen Schwulen zum wixen getroffen, wäre das Urteil sehr leicht gefallen…

Wir sollten auch zur Kenntnis nehmen, dass in allen „Räumen“ – und besonders in „immer mehr Frauenräumen“, wie das am Frauentag 2013 verlangt worden ist, kein Platz für Homosexualität – schon gar nicht von heterosexuellen Männern ist! (Man lese das bitte zweimal laut!)

Es gibt nachgerade EINE öffentliche Schwulenbar in Basel – und erst noch in einem hetero Puff. Die Parties finden in hetero Locations statt und diese Stadt hat schon sehr lange keine Schwulendemo mehr gesehen. Ganz zu schweigen von Schwulen, die an öffentlichen Diskussionen teilnehmen würden. Gut. Die öffentlichen Sex-Diskussionen drehen sich auch meist um den “Missbrauch” von Kindern. Und da fühlen sich – trotz den erwähnten Selbsttötungen – natürlich Junghomos und Klemmschwestern nicht davon betroffen.

Ich fürchte darum, dass irgendwann irgendwelche Klemm-Heteros vor dem L39 auftauchen werden – trotz dem Bordell im übrigen Haus. Dass sie vor den Clubs auf schwule Partygäste warten werden…

1985 fand ich in einer italienischen Modezeitschrift diese beiden…

Dies alles, weil Schwule immer mehr abtauchen und aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden – oder nur noch als”herzige Pärchen” in einträchtiger, äh eingetragener Partnerschaft, in Erinnerung bleiben. Wollen wir das?

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel  (thommen(at)arcados.com)

Kommentare sind willkommen und werden auch anonym publiziert!

Thommen: Der ewige Abgesang auf die Szene, (dazu siehe auch Henschel, über Veränderungen in der Szene)

Thommen, schwules Leben in der  Stadt, 1977-97

Rückblick auf die Szenen-Entwicklungen des letzten Jahrhunderts: Verpass keine Party!

Gästebuch Th’Senf

Öffentliche Heucheleien über Sex zwi- schen Männern!

Samstag, 26. Januar 2013

Den Schwulen entgleitet die öffentliche Selbstdarstellung und Diskussion immer mehr! Und die homo- und heterosexuellen Männer sind nur daran interessiert, ihre Bedürfnisse ungestört – wenn auch heimlich leben zu können.

Dass aber immer mehr Frauen den öffentlichen Diskurs über die Sexualität zwischen Männern befrauschen ist für mich als Schwulen unakzeptabel! Ich würde mir nicht anmassen, über die Sexualität von Frauen, oder zwischen Frauen öffentlich zu mutmassen, oder diese gar öffentlich zu definieren.

Nichtsdestotrotz verfügen Frauen nicht nur über die Sexualität und Orientierung ihrer Söhne, indem sie wegschauen und ignorieren, wenn diese sich nicht an Frauen ausrichtet, sie befrauschen auch ihre Ehemänner und die Schwulen mit ihrer Moral. Die öffentliche Moral ist tendenziell eine weibliche und das Patriarchat steht letztlich auf dem Matriarchat. Das ist aus diversen kulturhistorischen Berichten erkennbar. Aber auch in den Jugendbüchern von AutorINNEN für homosexuelle Knaben und junge Männer. Der Penis fehlt auffällig in den erwähnten Texten! Frauen stellen sich schwule Kinder und Jugendliche sowohl ohne Penis, als auch ohne sexuelle Betätigung damit vor! Oder haben eben gerade überhaupt keine Vorstellung davon!

Dazu passt die Ignoranz in den öffentlichen Medien über die gehäuften Selbstmorde und Mobbingerlebnisse von schwulen Kindern und Jugendlichen in den USA. Denn das passt nicht in den „pädophilen“, hetera-politisch-korrekten Blick. (Sophinette Becker über Pädophilie)

Frau kann sich nicht vorstellen, was sie damit bei schwulen Kindern und Jugendlichen mit feministisch-politischer Korrektheit anrichtet. Männer sind potenzielle Missbraucher und Vergewaltiger und des Knaben Lustobjekt ist ein verdammenswertes Glied! Und mit sowas sollen sich die jungen Schwulen identifizieren? Und wir sollen glauben, dass Mütter es „doch immer nur gut mit uns meinen“!?

Viele Frauen und Lesben ignorieren vorwiegend die historisch unterschiedliche Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Sie sehen Knaben als gefährdete „Mädchen“ und glauben, diese ebenso vor Penissen und Männern „schützen“ zu müssen. Keine der Anklägerinnen von sexuellem Missbrauch hat sich bis heute für eine wirksame Prävention eingesetzt. Weder bei Mädchen, noch bei Knaben! Denn dann müssten sie sich mit deren Sexualität auseinandersetzen, wie das schon Sigmund Freud versucht hatte. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese Politik dazu dient, die Machtverhältnisse zu ändern, aber nicht auf Gleichwertigkeit, sondern auf Umkehr derselben hin.

Ich muss feststellen, dass 20 Jahre verplempert wurden, um Jugendlichen keine Selbstbestimmung und Verhandlungsfähigkeit in der Sexualität beizubringen. Das wollte wohl auch keineR!

Das zeigt sich schon daran, dass nicht mehr der Nachweis einer Handlung oder Tat wichtig ist, sondern allein schon der Verdacht auf sexuellen Missbrauch genügt, um sogenannte „Täter für immer wegzusperren“ Dass dabei „irrtümlich“ auch einige Existenzen zu Grunde gehen, wird als „Kollateralschaden“ achselzuckend hingenommen. Was Männer mit Waffen anrichten, richten Frauen also mit der Sexualität an…

Was an heterosexuellem Missbrauch an Schwulen und den homosexuellen Bedürfnissen von Männern, von Kindheit bis in die Ehen angerichtet wird, ist kein Thema. Dass es „pädophile“ Frauen und Täterinnen gibt, ist politisch-feministisch inkorrekt und wird tabuisiert. Dabei wird verhindert, dass das heterosexuelle System angegriffen wird, das sowohl Frauen als auch Männern die „TäterInnen“-Schaft und die Opfer-Innen-Schaft ermöglicht. Und damit eine Politik der gegenseitigen Destruktion und des heterosexuellen Spiels/Krieges um Macht und Einfluss in Familie und Gesellschaft.

Mein Zorn entzündet sich an der Interpretation der männlichen Prostitution durch Frauen und zum anderen an der Interpretation von HomoSEXualität durch bisexuelle und hetera Frauen.

Als Schwuler kann ich nur staunend zuschauen, wie arme junge und heterosexuelle Männer aus Osteuropa mittels Homosexualität Geld bei heterosexuell lebenden Männern verdienen, die Freundinnen, Ehefrau und Familie haben. Politisch korrekt: Diese (schwulen, hetero lebenden) Männer beuten, diese (hetero) Jungen aus. KeineR fragt sich, was da unmittelbar mit der Homosexualität als solches geschieht. Die Homosexualität wird von heterosexuellen Männern ökonomisch ausgebeutet. Aber hinter diesen Männern stehen einerseits auch junge Frauen, die vom Einkommen der Callboys profitieren und andererseits die Ehefrauen, die davon überzeugt sind, dass Männer ihre sexuellen Bedürfnisse grundsätzlich nur auf Frauen richten können – oder auf andere Fachfrauen des Rotlichtgewerbes. Dass die Callboys (aktiv und passiv) wohl einen anderen Service anbieten, den Frauen nicht liefern können, fragt sich keineR! Auch nicht woher es kommt, dass verheiratete und hetero lebende Männer ihre natürlichen homosexuellen Bedürfnisse in Ghettos entsorgen müssen – nur nicht daheim in der Familie!

Die ganzheitlichere Sexualität dieser Männer ist eine Gefahr für die Frauen und ihre Kinder, Jugendlichen und Freunde und Ehemänner. (Das Vorurteil in der Schlagzeile: „schwule Prostitution“) Für viele Frauen ist klar, dass Männer weibliche Bedürfnisse „niemals völlig“ befriedigen können. Aber dass Frauen ebenfalls die Lust der Männer niemals völlig befriedigen können, steht ausserhalb von allem für sie Denkbaren.

Auch in der Schwulenpolitik ist eine zunehmend schärfer werdende Heuchelei feststellbar. Einerseits geht es darum, gegenüber Heterosexuellen, Frauen und Männern zu beteuern: „Es geht um Liebe“ bei der Homosexualität. Davon zeugt auch, dass im Text des Gesetzes über die Eingetragene Partnerschaft das Wort Sex völlig fehlt! Wie der Penis im Kinder- und Jugendbuch.

Andererseits wird in der Prävention nur die Praktik der analen Penetration thematisiert, als wenn Männer und Schwule so blöd wären, immer nur zu ficken. Männer müssen weder ficken noch gefickt werden, sie dürfen. Das ist mit Frauen ganz anders…

Einerseits finden wir im Kinder- und Jugendbuchbereich vor allem Liebe, Schmusen, knuddeln und umarmen vor. Andererseits wird Jungs klar gemacht, dass Masturbation kein richtiger Sex ist und dass sie sich beim Fickenlassen gefährden, missbraucht zu werden – wie die Mädchen, die sie ja selber auch missbrauchen könnten. Von Eigenkompetenz, oder gar eigenen Wünschen kann keine Rede sein…

(1)

So wie das homosexuelle Begehren existiert, existiert neben der Pädophilie auch die Gerontophilie. Aber die „gibt es politisch-korrekt nicht“. Mir fehlen da gewisse Begriffe, für eine angebliche Ausgewogenheit, die ich nicht erkennen kann. Es gibt nicht nur Männer, die herrschen, sondern auch Frauen, die frauschen.

Und es gibt neben der Penetranz auch die Vaginanz. Und tragischerweise sind Frauen nicht am Penis, sondern am Phallos interessiert. Aber Männer zwar an der Vagina, aber nicht an der Venus! So verstehe ich Ganzheitlichkeit. Nicht nur einen fragmentierenden Heterror, der sich auch im Feminismus wiederfindet!  Napoléons Strafgesetz hiess: “Code Pénal” – einen Code Vaginal gibt es nicht.  Aber immerhin hat er die männliche Homosexualität in seinem europäischen Regierungsbereich entkriminalisiert.

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

 

Zu Emckes Buch ein ausführlicherer Text auf arcados.ch

(1)  Ich finde es tragisch, dass Carolin Emcke (in ihrem Buch „Wie wir begehren“, S.Fischer 2012) zwar formuliert, dass lesbisches Begehren NICHT kein Begehren sei, sondern – neben der vaginalen Bereitschaft gegenüber dem Mann – überhaupt ein weibliches Begehren, das nicht sichtbar (gemacht) wird, aber dass sie das homosexuelle Begehren bei Männern nicht auch entsprechend einordnen kann. In ihren Auslassungen über männliche Homosexualität ist weder von Analverkehr, noch von der Prostata die Rede. Besonders wichtig, wenn sie über Diskriminierung bei Arabern im Gazastreifen schreibt. * Doch beides gehört nun mal zum medizinischen Verständnis und zur kulturellen Einordnung! Tabuisieren und totschweigen ist Heuchelei!

Es gibt Knaben, die haben NICHT kein Begehren, sondern eben ein Begehren nach Männern, auch neben der Bereitschaft für Frauen! Aber das ist für Frau Emcke wiederum so unwichtig, wie ihr lesbisches Begehren es für die Heterosexualität ist. Und es gibt nicht nur Männer, die Knaben missbrauchen, sondern auch Knaben, die Männer ficken wollen! Doch das trauen sich viele Schwule nicht öffentlich auszusprechen! Damit nimmt man/Frau uns aber einfach einen Teil unserer sexuellen Biografie weg! Entsorgt in der Schublade „Missbrauch“!

*) Interessanterweise finde ich auf der hp von Emcke dann ein Video mit Diskussionsfetzen über Analverkehr. Und der jüdische Glaubensvertreter erzählt sinnigerweise, dass Mann und Frau im Bett zu Dritt – nämlich mit Gott seien… (> Streitraum: Religion und Sexualität)   Dass da der Schwule (schwule Sex) in die Quere kommt, lässt sich zwingend daraus folgern!

Carolin Emcke: Wie wir begehren, S.Fischer 2012

Interview mit Emcke in SRF, Reflexe 3.4.12 30′

Wer sich darüber aufregt, dass Jungs gerne mit Männern ficken würden, der/die sollte sich mal fragen, wozu denn Jungs und Mädchen im Teeniealter schon miteinander die Fortpflanzung üben sollen, denn sie machen ja auch „erwachsene“ Sexualität, die „ihnen nicht entspricht“. Kinder waren nie dazu da, Kinder zu machen! Es ist egal ob Kinder miteinander ficken. Oder Erwachsene. Es sollte möglichst politisch korrekt sein. Aber das Machtgefälle lässt sich eben nur innerhalb des eigenen Geschlechtes relativieren oder umkehren und ausserhalb heterosexueller Normen! Das versucht auch Emcke zu schreiben, aber sie benennt es nicht!  ;)

Zum Thema Mütter:

Mütter und Homosexualität, eine lustige Kolumne

Über eine “feministisch korrigierte” Studie in Südafrika, betreffend sexuell motivierte Gewalt

Braun:  Ein aufschlussreiches Interview mit einer Mutter (PDF)

Alexander Markus Homes: Von der Mutter missbraucht. Frauen und die sexuelle Lust am Kind, 2005, 458 S. (nicht zu verwechseln mit der US-Schriftstellerin A.M. Homes!)

- Prügel vom lieben Gott. Eine Heimbiografie, 141 S. NA 2012,  ISBN 978-3-86569-023-4

NDR: Von der Mutter missbraucht, Beitrag 45 min.

Louis Schützenhöfer: In aller Liebe. Wie Mütter ihre Kinder unglücklich machen, Ueberreuter 2004, 176 S.

Christiane Olivier: Jokastes Kinder. Die Psyche der Frau im Schatten der Mutter, Claassen 1987, Paris 1980 (später TB bei dtv, sh. PDF Inhaltsverzeichnis)

Renate Juras: 41 und 14, edition a, 2011

Zeitgeist und Homosexualität

Donnerstag, 23. Februar 2012

Die meisten “Normalen”, Homosexuellen und Schwulen glauben selbst, dass es nur wenige davon gäbe. Dabei hängt Homosexualität überhaupt nicht von der entsprechenden sexuellen Hauptorientierung ab. Es wird wohl mehr Homosex zwischen Männern gemacht, als nur unter Schwulen.

Die meisten vergessen auch, dass es soviele homosexuelle Männer für die ganze Pornoproduktion gar nicht gibt. Es sind zum grossen Teil heterosexuell orientierte, die das nebenbei und nicht nur fürs Geld machen…

Daher gehe ich davon aus, dass es weit mehr “Betroffene” gibt, als wir wahrhaben wollen. Aber das hatte schon Kinsey in den 40er Jahren des 20. Jh. festgestellt. Es können nur mehr geworden sein! ;)

Wir haben es erlebt, dass der Faschismus der 30er Jahre die Homosexualität vereinnahmt hatte, so sehr, dass es um Leben und Tod ging, sowohl in der Ideologie der Faschisten, als auch in der Lebensrealität der Betroffenen. Damals wusste man einfach zu wenig darüber.

Heute haben wir die Chance, die Homosexualität nicht nur verdeckt, oder im Geheimen zu leben, wie es die meisten Nicht-Orientierten bis heute tun müssen, sondern sie für ALLE Männer individuell zu integrieren. Verpassen wir diese Chance im neuen Jahrhundert, kann es nur wieder in einer Katastrophe enden!  Schon heute ist wieder sehr viel Körperlichkeit unter Männern in Form von Gewalt wiederzufinden…

Der Artikel unten als PDF, geschrieben für die Zeitschrift LUST  Winter 2011/12

Zeitgeist Homosexualität, 2011  PDF (1 MB)

Verklemmte HETEROS: “An alle, die meinen, dass es “cool” wäre, mit der Hose unterm Hintern durch die Gegend zu laufen – hier mal eine kurze Erklärung:
Dieser Trend entstand in den Gefängnissen der USA. Gefangene, die Sex mit anderen Mithäftlingen haben wollten, benötigten ein Zeichen, mit dem sie dies zeigen konnten, ohne dass die Wärter etwas davon bemerkten, und ohne dass es irgendwelche Konsequenzen haben konnte. Durch das teilweise Zeigen des Hinterns wurde signalisiert, dass dieser Häftling für das “Eindringen” durch andere zur Verfügung steht.”

Ein sieht das schon lange so, ohne in einem Gefängnis gewesen zu sein! :P

Der Schwule muss wieder weg!

Samstag, 01. Januar 2011

Etwas Theorie: Er muss weg, weil er stört. Nämlich heterosexuelle, feministische, und bisexuelle Vorstellungen und Lebenskonzepte. Diese sind mit dem heterosexuellen Mann als Sexualpartner für Frauen entworfen. “Schwule (eigenständige) Lebenskonzepte” sind zwar auch mit dem Mann als Sexualpartner gedacht, lassen sich aber nicht nach vor-herrschenden/frauschenden Vorstellungen gestalten.

Die Homosexualität kann heute nicht mehr geleugnet werden, aber entweder “sollte” sie sich in eingetragene Partnerschaften zurückziehen, oder in irgendwelche Subkulturen, wo sie niemannden/niefrauden stören kann. Sie darf vor allem die heterosexuellen Ehen – und jetzt natürlich auch die „eingetragenen Partnerschaften“ nicht stören. Das war wohl ein Hintergedanke der heterosexuellen PolitikerInnen…

Allerdings wird dabei vergessen, dass die Subkulturen auch von hetero- und bisexuellen Männern aufgesucht werden – mit ihren homosexuellen Bedürfnissen!

Hier vollziehen Junghomos eine verhängnisvolle Logik. Sie glauben, wenn “sie sich niemandem aufdrängen” würden, wäre das Problem der Diskriminierung gelöst. Sie übersehen die Tatsache, dass Homosexualität schon immer ein Teil der Heterosexualität war – einfach nur ausgeblendet. Gerade weil die Heterosexualität eigentlich weiss, dass es sie “in Reinheit” gar nie gab, versuchen die Bisexuellen und die “notorischen” Heterosexuellen, dieses Phantombild immer wieder herzustellen: Durch Ausgrenzung und Diskriminierung der homosexuellen Aktivitäten (auch derjenigen der eigenen Heteros), sowie durch militanten oder mobbingartigen Kampf gegen die “notorischen Homosexuellen”, die – meist als “Schwule” – diese Sexualität zum Lebensmittelpunkt machen wollen. Dies ist eine verhängnisvolle Strategie, an der sich Junghomos und auch Schwule auf keinen Fall beteiligen dürfen!

“Die Homosexualität” ist zwar in der Gesellschaft angekommen, aber “das Schwule” als etwas eigenständiges soll wieder verschwinden. Sehr schön lässt sich das an der Ehediskussion ablesen. Die Schweiz hat eine – durch Volksabstimmung legitimierte – “Eingetragene Partnerschaft” für gleichgeschlechtliche Paare. Spanien und andere Länder haben einfach die “heterosexuelle Ehe” für Gleichgeschlechtliche geöffnet…

Eine “Oeffnung der Ehe für einen gleichgeschlechtlichen Partner“ heterosexueller Paare wurde meines Wissens noch nirgendwo ernsthaft diskutiert. Und bei uns war auch immer klar, dass es eingetragene Partnerschaften mit mehr als zwei Männern, oder gar Frauen gar nicht gibt. Es war immer alles so klar!

Die einzige Möglichkeit, diese Zweierkiste aufzubrechen besteht logischerweise darin, ein Kind zu adoptieren, oder für Frauen, eines zu gebären. Aber dann vermischt sich das Heterosexuelle wieder mit dem Homosexuellen und das sollte doch durch die eP gerade verhindert werden! Schlagenderweise wird dann mit den Kindern argumentiert, die doch mit beiden Geschlechtern aufwachsen müssten. Dass viele Heterosexuelle dies – wegen mannigfaltiger Eheprobleme – gar nicht schaffen, steht natürlich nicht zur Diskussion. Ich denke hier auch explizit an das Recht eines Kindes, als Sexualwesen akzeptiert zu werden, auch wenn es medizinisch transsexuelliert und nicht “eindeutig zugewiesen” werden kann. Von der sexuellen Orientierung will ich erst gar nicht anfangen. Immerhin weise ich auf die monotheistischen Religionen hin, die darauf bestehen, dass es “ausschliessliche” Männer und Frauen gibt und die dies auch mit entsprechenden Kleidervorschriften zementieren wollen. Dieses duale System beherrscht also die kulturelle und individuelle Weiterentwicklung der Menschheit völlig.

Wäre es “konservativ”, wenn wir wieder zu alten Zuständen zurückkehren würden? Shere Hite (USA) erwähnt da eine “alte Form” der Familie:

 

“Selbst die Verteidigung der Heterosexualität (als die “einzige” natürliche Form von Sexualität), als die Basis der Familie, kann aufgrund historischer Tatsachen hinterfragt werden. Die frühesten “Familien” waren keine “heterosexuellen” Kleinfamilien, wie wir sie kennen, sondern schlossen Mutter, Schwestern, Brüder, Tanten Onkel usw. in einer losen Gruppe zusammen. Es gab keinen “Vater”, und die Beziehungen zwischen Mutter und Kind waren keineswegs so elementar, wie wir heute annehmen; Tatsache ist, dass Kinder, Mütter und Schwestern oftmals nicht wussten, wem welches Kind gehörte… Das frühe Indogermanisch verfügte über kein Wort für “Vater” und jahrhundertelang war es nicht bekannt, dass Geschlechtsverkehr die Ursache für Schwangerschaft ist. Während dieser Jahrhunderte war die Grossfamilie eine überlebensfähige soziale Einrichtung…” (Shere Hite: Das sexuelle Erleben des Mannes (2), 1978/1991, S. 290)

Die Eheideologie, mit der wir uns heue abmühen, ist gar noch nicht so alt und schon gar nicht seit Adam und Eva “eingeführt” worden. Und das Allgemeinwissen über die verschiedenen Sexualkulturen und ihre Geschichte auf der Erde ist praktisch null…

Ich hatte einen jungen Mann heute im Chat, der von seinem ersten spontanen Sex mit einem Mann berichtete (es war ein blowjob gewesen). Er war eigentlich sehr zufrieden damit und meinte zwischendurch: “Das geilste daran ist – ich bin gar nicht schwul!”

Peter Thommen, Schwulenaktivist, Basel

Wie sehr sich heterosexuelles mit homosexuellem Leben mischt, ist auch aus dem neuen Buch von Helga Boschitz zu erfahren, über das späte coming out von Männern und Frauen.

Stefan Niggemeier vertieft das Thema noch am Beispiel eines Artikels von Gut in der Weltwoche!Vor allem die Kommentare sind ein Studium in Politikwissenschaft! ;)

zwar schwul – aber ein guter svp-ler…

Dienstag, 01. Juni 2010

Ist die gay svp nur ein Pfahl im mütterlichen Fleisch, oder kann sie bei den sieben Vätern auch missionieren? (= eindringen)

Die vierzig wackeren Gründungsmitglieder sind davon wohl ebenso überzeugt wie die Gründer der „Homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich“ im Jahr 1972. Letztere konnten damals schon auf ein sympathisierendes Ohr der NZZ und des Tagesanzeigers zählen…

Im linken Magazin „focus“ erschien 1973 eine öffentliche politische Diskussion unter dem Titel: „schwul – aber ein guter Freisinniger“. Die „bürgerlichen Schwulen“ waren nämlich schon am Anfang der öffentlichen Schwulenbewegung ein Thema. Doch hat es jetzt 40 Jahre gedauert – bis kurz nach Einführung der „Eingetragenen Partnerschaft“ als bürgerliches Lebensmodell, bis sie sich getraut haben, sich öffentlich in bürgerliche Parteien „einzunisten“. Um die SVP hat das natürlich Staub aufgewirbelt.

Ich bin 1973 zur Schwulenbewegung gestossen, über einen Artikel, den ich im linken Magazin „focus“ gelesen hatte. Ich zitiere diejenigen Punkte, die auch heute noch diskutiert werden müssen!

(1973) „In den politischen Parteien haben wir noch keine eigentliche Unterstützung gefunden, obwohl man annehmen sollte, dass eine so grosse Gruppe wie die der Homosexuellen ein gewisses Potential darstellt. Es gibt Gruppen, die viel kleiner sind als wir, für die setzt man sich ein.“

„Ich gehe vom sozialpolitischen Standpunkt aus, weil ich aus eigener Erfahrung weiss, dass viele Schwule aus katastrophalen familiären Situationen herauskommen, an denen unser herrschendes System Schuld ist. Ich unterstütze jede Organisation, die auch in der Beziehung dafür sorgt, dass ein Mindestmass vorhanden ist, der es dem Geringsten von uns ermöglicht, ein menschenwertes Leben zu leben.“ (Edi, SOH, in focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

focus: „Das sind Forderungen, die so auch das fortschrittliche Kapital auf seine Fahnen schreiben kann, weil sie langfristig durchaus in seinem Interesse liegen.“

(Peter Baumann, focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

Vielleicht erhellt nachfolgende Stelle Gründe für eine „verspätete bürgerliche Politisierung“ etwas mehr…

„Ich möchte da mal noch auf einen anderen Punkt zu sprechen kommen: Wir sind sehr progressiv im Reden. Dabei wissen wir aber ganz genau, dass unter den Schwulen der grösste Teil stock-konservativ ist, stock-konservativ erzogen wurde und sich auch stock-konservativ verhält. Vor allem zwei Dinge fallen da auf: Es gibt bei uns Typen, sagen wir mal Direktoren, die den ganzen Tag die Möglichkeit haben (und von dieser Möglichkeit auch Gebrauch machen) mal einen Linken, Langhaarigen aus der Bude rauszuschmeissen, weil der schwul ist, und die dann am Abend im Park genau diesen Gay aufreissen und der ihnen für die ganze Nacht recht ist. Zum anderen haben wir die Erfahrung gemacht, gerade in unserer Organisation, dass diese Direktoren und andere sogenannte “gutgestellten Leute” sich vehement dagegen sträuben, dass junge Leute da in den Club (hey, ehem. Nähe Bellevue, PT) kommen und etwas Neues zu machen versuchen. Daran sind sie nicht interessiert.“

(Erwin, SOH, in focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

Je bürgerlicher also, desto „angepasster“ an diese Normen, welche „von Natur aus“ die sichtbare Homosexualität ausgrenzen. Das beobachte ich auch bei den Bisexuellen. Bis jetzt hat sich keine öffentliche Sichtbarkeit dieser „Sexualpräferenz“ ergeben. Die Metrosexualität ist nur ein modisches Klischee, hinter dem mann allenfalls seine homosexuellen Bedürfnisse verbergen kann. Wichtiger ist immer noch, als Hetero aufzutreten! Und als „halb-hetero“ ist er ja „noch nicht ganz verloren“… Bürgerlich gesehen ist eben Männlichkeit wichtiger als irgendwelche Formen von „Weiblichkeit“, die an Homosexuellen und in der Homosexualität (anale Penetration) vermutet werden. Mir ist in den letzten Jahren auch aufgefallen, dass Bisexuelle auch nicht bereit sind, das „Stigma“ mitzutragen und einen Beitrag zu leisten an einen Abbau der Diskriminierung. Wichtig aber auch, festzuhalten, dass Bisexuelle vor allem von (ihren) Frauen diskriminiert werden!

„Aber noch zur konservativen Haltung der Schwulen: Das hängt mit dieser Unsicherheit zusammen, mit dieser fundamentalen sexuellen Unsicherheit. Diese Zwangssituation im Ghetto führt im übrigen Bereich zu einer Überanpassung. Wenn man da etwas lockern kann im sexuellen Bereich, dann hört auch die Überanpassung auf.“ (Martin, HAZ, in focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

Ich denke, der Zusammenhang ist richtig, aber die Schlussfolgerung hat sich bis heute als falsch erwiesen! Weder die Lockerung des „schwulen Ghettos“ (also auch seine Kommerzialisierung), noch die Lockerung der sexuellen Vorschriften haben die „Überanpassung“ an die bürgerliche Gesellschaft verhindert.

„Dass die meisten Schwulen im Moment überangepasst sind und eine konservative Haltung einnehmen, hängt damit zusammen, dass sie in allen Bereichen, wo sie nicht so vital betroffen sind – oder wo sie meinen, nicht so vital betroffen zu sein -mit den Wölfen heulen wollen und päpstlicher als der Papst zu sein versuchen, wenn die Leute dann nur wenigstens zur Haltung kommen: “Er ist zwar schwul, aber er ist ein guter Freisinniger.”

(Michael, HAZ, in focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

Die gay-svp beruft sich auf das Programm iher Väterpartei: Erstmal wird die Freiheit, die als Gegensatz zum Staat verstanden wird, gross geschrieben. Obwohl nicht die SVP unsere Rechte und Grundfreiheiten garantiert, sondern der Staat, an dem sie ja als „grösste Partei“ auch immer mehr teilhaben will… ;)

gay-svp: „Wir stehen zur Politik der SVP und unterstützen das Parteiprogramm vollumfänglich. Wir sind für die Ausschaffung krimineller Ausländer, sind gegen den EU-Beitritt und stehen ein für eine unabhängige Schweiz und ihre traditionellen Werte ein.“

Also genauso wenig wie die Heteros wollen sie sich überlegen, woher und warum „kriminelle Ausländer zu uns kommen und ob diese Migration vielleicht selbst mit verursachte, wirtschaftliche Gründe haben könnte. Und genauso wenig wie viele „Scheinehen“ können damit „Scheinpartnerschaften“ verhindert werden!

Unklar ist, was die traditionellen Werte der Schweiz sein sollen. Wahrscheinlich die Werte der SVP (ehemals Bauern- Gewerbe- und Bürgerpartei). Vielleicht sind sie aus dieser alten Bezeichnung ableitbar.

Die gay-svp unterstützt die Petition für die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare – und das geht wohl am besten in einer eingetragenen Partnerschaft. Ok. Aber was soll dieser Satz: „Auch gleichgeschlechtliche Paare werden ihre Kinder somit eher aus dem Ausland adoptieren. Diese Kinder erhalten damit eine Chance anstatt auf der Strasse oder in schlecht geführten Kinderheimen in einer geborgenen Atmosphäre aufwachsen zu dürfen.“

Völlig übersehen wird die Tatsache, dass Homosexuelle aus schlecht geführten Kinderheimen wohl eher in der Lage sind, über die traditionell-heterosexuelle Familie hinauszudenken und die in „einer geborgenen Atmosphäre“ aufgewachsenen Homosexuellen wissen auch, dass sie mit ihrer Orientierung darin etwa genauso wie „auf der Strasse“ oder in einem „schlecht geführten“ Kinderheim aufwachsen“ durften… (Ich pauschalisiere absichtlich! Ihr wisst schon, was ich meine.)

„In vielen Ländern sind Homosexuelle Verfolgung und Bedrohung an Leib und Leben ausgesetzt. Wir unterstützen Bestrebungen, diesen Menschen mit allen unseren Möglichkeiten (Aussenpolitik, Förderungsprogramme, Aufnahme in der Schweiz) gezielt zu helfen und sie zu unterstützen.“

Das ist sehr lobenswert und in deren Heimatländern langfristig auch wirksam. Aber wer entscheidet, wer und wie viele davon „Aufnahme in der Schweiz“ erfahren dürfen? Es sind Heteros – und ich kenne keine der Stellen, in denen vielleicht irgendwo eine Regenbogenfahne steht, die signalisiert, dass auch Homosexuelle willkommen wären, denn homosexuelle Flüchtlinge werden – aus ihrer Erfahrung zuhause – mit ihrer Orientierung hier keine Flagge zeigen!

„Es ist unsere Überzeugung, dass der schleichenden Islamisierung unserer Gesellschaft entschieden entgegen zu treten ist. Die Intoleranz gegenüber Homosexuellen, welche vor Verfolgung bis hin zur Tötung nicht zurückschreckt, ist gerade in islamistischen Kreisen besonders stark. Und deshalb muss das Minarett, als Machtsymbol für die Unterdrückung Andersdenkender, verboten werden.“

Da kann ich als einheimischer evangelischer Schwuler nur meine Augen aus dem Kopf staunen, wie geschichtslos und ignorant die gay-svp gegenüber der eigenen christlich-katholischen Kultur und ihren Machtsymbolen mit Türmen, Kathedralen und sogar Glocken, ist. (Stichworte: Kriminalgeschichte des Christentums. Mormonen, Zeugen Jehovas und alle diese Jubelkirchen in den USA – und neustens auch in Afrika/Uganda!) Ich erinnere auch daran, dass alle die Gruppierungen wie „Homosexuelle und Kirche“ (HuK) in Jahrzehnten vielleicht Bewegung in die evangelische Kirche, aber keine Rasierklinge zwischen das Gestein der katholischen Kirche gebracht haben.

„Wir sind besorgt über Entwicklungen, die die traditionelle Familie bedrohen. Diese Initiative verlangt die Gleichberechtigung fremd betreuender Eltern mit solchen, die ihr Kind zu Hause aufziehen. Beide Familienformen sollen Anspruch auf Steuerabzüge haben. Auch als Homosexueller kann man für eine traditionelle Familie einstehen.“

Diese traditionelle – hier vor allem Klein- Familie, die ihr Kind zu Hause aufzieht, es vielleicht gerade noch zur Schule gehen lässt, aber sonst „gut behütet“, erlaubt es gerade NICHT, einem homosexuell orientierten Kind Alternativen zur Heterosexualität kennen zu lernen. Denn diese traditionelle Familie ist homophob und vor allem an der weiteren Fortpflanzung interessiert, damit das eigene Leben in die „Ewigkeit“ verlängert wird, wie es die Religion auch verspricht! Unter diesem Aspekt ist die Behandlung der Homosexualität an Schulen eine lobenswerte Unterstützung der gay-svp, aber letztlich nicht im Interesse einer „traditionellen Familie“. Gerade, weil „fremd betreute“ Kinder auch mal Kinder aus „anderen Familien“ zu sehen bekommen, wären Erziehungsabzüge bei den Traditionellen keine wirkliche Investition in die „soziale Bildung“.

Mein Eindruck von der gay-svp ist eher einer von einem Pfahl im Fleisch, mit Konzessionen an verschiedene Werte, die auch das Selbstbewusstsein von Homosexuellen – gerade in der Familie – anfressen. Dabei wird Sexualität – in gewohnter typischer Art als „Privatsache“ erklärt, um die Widersprüche nicht sichtbar werden zu lassen – genauso wie bei den Heteros. Hier die Familie und dort die Langstrasse… Das Eine hat angeblich mit dem Anderen ebenso nichts zu tun, wie ein schwuler Direktor mit einem schwulen Angestellten. Erst beim Fick im Park oder der Sauna. Aber das haben wir doch schon 1973 diskutiert.

Die Erfahrungen mit schwulen Kandidaten auf hetero Parteilisten haben gezeigt, dass von ihnen mehrheitlich heterosexuell geprägte Politik gemacht wird. Da versickern schwule Anliegen gleich durch Anpassung – auch bei den Linken!! Und soll mir einer glaubhaft erklären, ob das Gesetz über die „eingetragene Partnerschaft“ unter Bundesrat Christoph Blocher (Justiz) bis heute jemals geboren worden wäre! Das habt Ihr vor allem der CVP und ganz persönlich der Ruth Metzler zu verdanken!

Peter Thommen60, Schwulenaktivist, Basel

 

Hier der Link zur focus-Diskussion 1973

Hier der Link zum Programm der gay-SVP

Hier der Link zur HAZ (Homosexuelle Arbeitsgruppen Zürich) auf  http://www.schwulengeschichte.ch

In der Suchfunktion kannst Du alle Infos darüber auflisten!

SOH (siehe auch in der Suchfunktion!)

 

und hier noch der Link zum Brief der Gaynossinnen and die gay-svpler

ficken, ficken, fallen lassen

Montag, 12. April 2010

Vor einiger Zeit befand ein Weltwoche-Journalist, “die Gesellschaft” würde immer mehr von Schwulen „homosexualisiert“. Ich weiss nicht, wo ihn der Aff gebissen hat, jedenfalls war es kein schwuler – aber ein homophober! :P

Doch nun zum Ernst der Sache! Wer wird hier wie sexualisiert? Meine Beobachtungen und Erfahrungen sind zwar nicht repräsentativ – aber symptomatisch. Immerhin bewege ich mich seit gut 10 Jahren im Internet, das die aktuellsten Informationen und Diskussionen anbietet.

Ich bin nie ein Analerotiker gewesen. In meiner Jugend behaupteten auch die meisten Homosexuellen, dass sie „so was“ nie tun/lassen würden. Alles Lüge! In 40 Jahren Erfahrung habe ich lernen können und müssen, dass eigentlich Männer die Homosexualität quasi gleichsetzen mit Arschficken. Spätestens seit 30 Jahren ist es aber offensichtlich: Der Anus ist immer noch der gefährlichste Infektions-Ort für HIV. Und es ist nicht zu leugnen, dass die anale Penetration vielen Männern und Schwulen genauso „heilig“ ist als sexueller Tummeplatz, wie sie für die katholischen Kirche eine todeswürdige Sünde darstellt.

Der Arschfick ist sowohl den Heteros eine würdige Alternative zum vaginalen Koitus (mit jahrhundertealter Verhütungswirkung), als auch vielen homo- und bisexuellen Männern eine hetero-ver-gleichs-wertige Sexualpraktik. Sogar die historische Psychologie findet, die (vaginale) Penetration sei zugleich End- und Höhepunkt der psychosexuellen Entwicklung eines Menschen. Daher wurden auch andere Sexualpraktiken immer entwertet oder gar verboten, obwohl die Realität und die Sexualforschung gezeigt haben und weiterhin zeigen, dass die „Missionarsstellung“ zwar für die Fortpflanzung unersetzlich ist, aber für den Genuss weit herum nicht als einzig gilt.

Das Thema schlich sich gerade heute wieder in ein Gespräch beim Coiffeur ein, wobei ein 30jähriger Italiener bemerkte, dass es „da unten“ ja auch dreckig sei. Tja, für die Vaginalhygiene sind natürlich die Frauen verantwortlich und in früheren Jahren habe ich mich auch immer wieder gefragt, wieso Mütter, Freundinnen und Ehefrauen stinkende Pimmel und Phimosen bei den Boys und Männern einfach so akzeptiert oder „übersehen“ haben. Da bleibt wohl dann für den Darm und den Anus keine Zeit mehr übrig… Wer wird hier wie sexualisiert? Eben!

Nicht zu übersehen ist in den letzten Jahren der „Andrang“ von Hetero- und Bisexuellen in die Kontaktplattformen der Gays. Etwa 30 % beträgt der Anteil der „offen deklarierten“ Bi-User da drin und für die Klemmer, die nichts angeben, dürfen wir ruhig noch 20 % dazu rechnen, ohne unrealistisch zu sein. Wir Schwulen ficken also schon lange mit vielen Heteros und Bisexuellen herum. Aber dies wird von Schweigen gedeckt – wie in der katholischen Kirche. Diese Normalos tragen auch ihre Vorstellungen vom „richtigen Sex und Fick“ hinein in unsere „Szene“ – dokumentiert in Profilen und Foren im Internet!

Ich bin dagegen, dass alle Männer, die irgendwo und irgendwie einen anderen Schwanz in die Hand nehmen, den „Schwanz blasen und ficken lassen“ (alles nur aktiv – wie der hier zitierte „Yugo“) als Schwule gezählt werden. Genauso irreführend sind die Zahlen über die angeblich 95 % Heterosexuellen in unserer Gesellschaft! Homosexuelle Handlungen sind ein integrierender Bestandteil der heterosexuellen Kultur. Und keiner wird zum Schwulen, nur weil er einen Anderen bläst oder sich etwa gar ficken lässt! (Das behaupten nur die Bibel und der Koran! Und die hatten nie eine Ahnung von so was! Und die „göttlich inspirierten“ Übersetzer nie eine Ahnung von orientalischer Männerkultur!)

Es ist auffällig, wie Heteros und Bisexuelle zum grossen Teil ihre homosexuellen Bedürfnisse „entsorgen“! Meistens dann, wenn die Freundin weg ist, sie sturmfrei haben (Chatbeobachtung), oder die Ehefrau in der Kur. Dann möchten sie oft nicht in die komfortablen Einrichtungen von Gays gehen, weil ihnen das dann irgendwie doch zu schwul ist. Ein grosser Teil der Kontakte findet an anonymen Orten statt, die von Schwulen schon längst nicht mehr so intensiv frequentiert werden, wie Parks, Autos, Waldstücke; und die neuen öffentlichen Toiletten eignen sich auch nicht mehr für gleichgeschlechtlichen Sex. Es gibt zum Beispiel auf einer Google-Map für Bern eine grosse Übersicht über alle Treffpunkte und Toiletten in Bern und auf dem Land rund herum (in einem Forum anonym gefunden), die laufend aktualisiert wird. Man kann hier feststellen, dass „die Gesellschaft“ die homosexuellen Handlungen generell eben noch immer ausgrenzt und diskriminiert. Sie aber wenigstens bei „ den Homosexuellen/Schwulen“ toleriert.

Ich möchte aber auch darauf hinweisen, dass diese homosexuelle „Welt“ nicht nur in den Köpfen von Heteros und Bisexuellen aus ihren realen Lebenszusammenhängen abgespaltet ist. Diese Welt wird ganz offensichtlich und heimlich um alle Mütter, die Freundinnen und Ehefrauen herum gelebt! Und dies ist sehr oft mit Stress gekoppelt. Dass 30 % von befragten Bisexuellen in Australien (eine ältere Umfrage) lieber sich selber umbringen würden, als ihren Frauen gegenüber offen zu sein, passt – wie Ihr mir hier vorwerfen könnt – ganz gut da hinein!

Wie kann ein Schwuler aber gegenüber „diesen Frauen“ einen Vorwurf erheben, wenn diese „armen Betrogenen“ (?) doch von all dem nichts wissen und sehen können (wollen!)? Lasst es mich hämisch repetieren: Auch Phimosen und stinkige Pimmel interessieren niefrauden! Und um das Glas vollzumachen: Schon Shere Hite hat in den 80er Jahren festgestellt, dass es die wenigsten Mütter überhaupt schaffen, ihren Töchtern von der Periode zu erzählen, bevor diese sie bekommen haben. Viele Mädchen (die sie immer jünger bekommen) glauben, sie würden verbluten und müssten sterben dabei. Doch offenbar wird die dadurch verursachte Traumatisierung als nicht so schädlich betrachtet, wie spätere sexuelle Uebergriffe.

Weil der Analfick im Zentrum der heterosexuellen Homosexualität steht, bildet sich um ihn herum Stress, eine unbegründete Höherbewertung und viele falsche Vorstellungen über die Rolle des Mannes beim Fick! Viele Heteros haben nach einigen Jahren Mühe mit der fast ausschliesslichen Missionarsstellung in ihren Ehen und Beziehungen. Ihre persönlich entwickelten Vorstellungen über Frauen und Mannsein waren ein wesentlicher Teil ihres Rollenspiels beim Sex. Doch diese legen sich mit der Zeit – dann eben gegen die hetero Realität an. Auch werden „andere Bedürfnisse“ von Männern im Zusammensein mit Frauen niemals befriedigt. Und Frauen, die etwa darauf Bezug nehmen und sich auf „homosexuelle“ Spiele mit ihren Männern einlassen, sind sehr selten. Weil, auch sie finden das da unten meist „grusig“.

Sehr viele Männer haben die Heterosexualität so sehr psychisch verinnerlicht, dass sie sich selber nur in der Rolle einer Frau gegenüber der Sexualität eines anderen Mannes sehen können. Die verschiedenen „Damenaccessoires“, die weitherum von Männern „getragen“ werden (“Damenwäscheträger”), sind nur das Symptom einer verkorksten Identität und haben nichts mit Travestie oder Transsexualität zu tun. Wichtiger scheint mir deren innere Einstellung gegenüber anderen Männern und Homosexuellen zu sein. Dabei halte ich mich an die als „Fantasien“ und „Fetische“ definierten Erscheinungen und Verhaltensweisen von Männern „verschiedenster Orientierungen“.

Wobei ich immer mehr anzweifle, ob diese Orientierung/en (nach dem einen oder anderen, oder beiden Geschlechtern) wirklich vorwiegend und entscheidend sind, und nicht vielmehr Sexualpraktiken und sogenannte Fantasien und Fetische dieselben wie Dominosteine abgelöst haben.

Es könnte durchaus sein, dass die eigene fantasierte Rolle aus den heterosexuellen Realitäten viel wichtiger geworden ist, als ein Sexualpartner oder eine Sexualpartnerin als Person. Egal ob homo-, bi- oder heterosexuell praktiziert. Dass viele Heteros die Frauen weniger als reale Sexualpartner sehen, als vielmehr Trägerinnen ihrer eigenen irgendwie „erschaffenen“ Fantasien über Frauen, haben wir in den letzten 40 Jahren kritischer Reflexion – auch von Frauen – gelernt.

Die Veränderung der Männer ist aber viel unbeachteter und ohne das generelle Interesse der Gesellschaft und ihrer Einrichtungen erfolgt. Es ist zwar offensichtlich, dass mehr Männer (nicht nur Jüngere und dann wieder ab 50 Jahren) ihre homosexuellen Bedürfnisse (auch noch) befriedigen wollen, aber die Art und Weise, wie dies so verschraubt und verklemmt geschieht – trotz Emanzipation der Homosexuellen – ist bedenklich.

Vielleicht fällt mir als Schwuler die Egozentrik der Männer mehr auf als Anderen? Die Flucht in sogenannte Rollenspiele, die Verbreitung des Fetischs “Schuhe und Socken”, was auf eine passive Rolle schliessen lässt, und nicht zuletzt der neueste Trend, sich nicht nur Körperhaare, sondern auch gerade noch die Schamhaare abzurasieren. Diese Suche im typisch weiblichen Rollenverhalten zeigt sich nicht nur an Kleidern und Accessoires und an den trendig gestylten Frisuren! Auch hier ist anzumerken, dass dies nichts mit Travestie oder Transsexualität zu tun hat!

Es ist ein alter Hut, dass immer mehr sichtbar schöne Männer in der Gesellschaft auch die Männer nicht unberührt lassen können, nicht nur die Frauen. Aber es gibt inzwischen auch „neue Hüte“! Wie wirkt eine gewisse Art von selbstverständlicher Homosexualität auf alle diese verschiedenen Männer? Wie wirken die heterosexuell geprägten Vorstellungen von Penetration auf verschiedene Orientierungen und Psychen zurück. Wie setzen sich heterosexuelle Normen in der Homosexualität durch und wie wirken die heimlichen homosexuellen Erfahrungen auf Männer zurück, die als Heteros aufgewachsen und „sexualisiert“ (sozialisiert) worden sind?

Es zeigt sich eine verschärfte Auseinandersetzung mit Homosexualität im sogenannten Schutzalter. Auch hier ist es ein alter Hut, dass Schwule immer wieder berichteten, dass sie schon als Kinder und Schüler von sexuellen Kontakten mit älteren Jungs oder gar Männern geträumt oder fantasiert haben. Schon nur die offene Diskussion solcher Tatsachen hat heute in der hysterisierten Oeffentlichkeit scharfe Konsequenzen. So ähnlich kriminalisierend wie das Reden nur über Homosexualität vor 50-60 Jahren. Dabei stelle ich oft fest, dass schon alleine die Vorstellung von Homosexualität oder homosexuellen Kontakten in der Kindheit oder Jugend, von den heterosexuellen Normen geprägt wird und ein Junge sehr schnell zu einem „missbrauchten Kind“ – mit Bezug auf die allgemeine Situation der Mädchen gemacht wird.

Diese „Dramatisierung“ von Homosexualität im Kindes- und Jugendalter – weil Sexualität schliesslich den Erwachsenen vorbehalten, und nichts für Kinder ist – wird auch seine Wirkungen auf die Biografien anderer Knaben, Homosexuellen und Heterosexuellen haben! Ich denke jetzt wieder ganz scharf an Mütter, die weder Sexualität, noch eine mögliche homosexuelle Orientierung bei ihren Söhnen in den vergangenen Jahrzehnten gesehen haben, oder sehen woll(t)en. Ganz zu schweigen von den homosexuellen Neugierden oder Bedürfnissen aller Art, die sich eben nicht alle nur um den „erwachsenen Fick“ drehen. Die Penetration aber regiert die Vorstellungen der „erwachsenen” sexuell Aktiven. Besonders blühen sie, wenn es sich um schwule Väter, oder gar Paare handelt. Frauen sind da weniger in der Diskussion, denn einer lesbischen Mutter kann heute kaum mehr ein Kind weggenommen werden und Frauen sind keine penetrative Bedrohung…

Das gibt mir jetzt die Brücke zur immer noch offenen Frage: „Wie werden wir Männer sexualisiert?“ Jeder Mann beginnt sein Leben mit einer Frau. Jede Frau auch. Aber das ist doch normal oder? Ja, für Heteros! :P

Ich will hier nicht die Frage nach dem Hahn oder dem Ei diskutieren. Jedenfalls ist es wohl schwieriger, sich als Junge an einem (homophoben) Vater körperlich-sportlich und psychisch zu orientieren, als an der (homo-blinden) Mutter. Ich habe das selbst erlebt. Dabei war die Mutter nicht das eigentliche Problem. Die Brüder meines Vaters waren nicht gerade zimperlich mit mir, wenn ich bei ihnen in den Ferien war. Beim einen habe ich einmal meinen Cousin verführt und beim anderen war ich schlichtweg „kein richtiger Mann“, durch seine Ablehnung bekam ich Heimweh und weinte…

Die Homophobie von Vätern und Onkeln ist das eine. Der Heterror durch die Mütter das andere, was späteren Schwulen zu schaffen machen kann. Die Erforschung solcher Zusammenhänge steht ganz am Anfang. Und sie ist – genauso wie die Missbrauchsforschung bei Frauen – abhängig vom öffentlichen Interesse und der gesellschaftspolitischen Dramatisierung. (sh. Phil Langer: Beschädigte Identität, VS-Verlag 2009. Ueber Zusammenhänge zwischen Identität und sexuellem Risikoverhalten bei homo- und bisexuellen Männern)

Ficken, ficken, fallen lassen. Wir sind entsetzt über das Risikoverhalten vieler Männer, die mit Männern Sex haben. Aber nur Wenige sind bereit, sich über die Gründe dieses Verhaltens Gedanken zu machen. Und vor allem über die Rolle der heterosexuellen Kultur und deren Zwänge, die auf sie einwirken. Entweder ein grosser Ficker zu sein – bei Frauen und/oder Männern. Oder sich fallen zu lassen wie eine „Fickschlampe“, eine „Blashure“ und ein „Spermaschlucker“, wie sie in vielen Chats oder als Profile im Internet zu finden sind. Selbst wenn ein Teil davon „nur Phantasie ist, die ausgelebt“ wird, die Frage bleibt stehen, wie Männer auf solche Rollenvorstellungen in der Homosexualität kommen! Die Schwulenbewegung hat an ihrem historischen Anfang den Ausstieg aus all diesen Zwängen versprochen – die „Entheterosexualisierung“!

Die Homosexualität ist keine Krankheit mehr – seit vielen Jahren. Aber in den letzten Jahren haben sich so viele „Fetische“ – neben den traditionellen – entwickelt, dass ich nicht umhin komme, diese als Symptome zu begreifen – wie in der Zeichnung eines Kindes. Hinschauen und fragen ist das Mindeste. Noch besser wäre, (Homo)Sexualität vom Kindergarten (Situationen, Kontakte) bis ins Altersheim normal zu sehen – und besonders für Männer, die mit Männern Sex haben, sie dauernd zu thematisieren, um Selbstverantwortung zu fordern. Wir brauchten alle die Skandale nicht, aber unsere immer noch bürgerlich orientierte Gesellschaft hat kein Interesse an den realen Gründen, weil das System der Terror ist und stets neue Opfer produziert. Egal ob in Familien, hierarchischen Einrichtungen, städtischen Subkulturen, oder jetzt im Internet.

Peter Thommen60, Schwulenaktivist, Basel

Siehe auch meinen Essay von 1988: Ist der Sex am Arsch?

oder von 2010: barebacking als indiz für eine gescheiterte emanzipation!

Und hier sind die Texte vom alten Blog