ARCHIV Politik u Schwule / mit Schwulen 1963-2010

Die folgenden Texte aus der hetero- und homosexuellen Presse, sowie aus ARCADOS-Publikationen, vermitteln kurze Eindrücke vom Klima und der sozialen Situation von Homosexuellen in diesen Jahren.

1963 Im September dieses Jahres erschien in der Zürcher Woche eine Serie über „Milieus“. Im Homosexuellenmilieu (PDF) herrsche das Schweigen, merkte Franz Disler an.

1963  Homosexuelle in der Presse 1963, 69 (PDF) In jenen Jahren machte die Polizei vermehrt Kontrollen auf Klappen/Toiletten und in Parks. In Zürich war man über „das exzessive Treiben…“ beunruhigt. In Basel beschwerten sich Schwule bereits darüber.

1969  Brunnenvergifter. Das Eidg. Militärdepartement publiziert ein Büchlein für die gesamte Zivilbevölkerung der Schweiz. Darin werden alle zur Mitarbeit mit der Abwehr aufgefordert. Unter „Sabotage und Spionage“ findet sich ein Text über den Diebstahl eines Reservoirschlüssels, mit dem sich ein Saboteur Zugang zur Trinkwasserversorgung von Kulmau verschafft: „In der Untersuchung gestand der Junggeselle, dass er den Schlüssel von einem Unbekannten erhalten habe, mit dem er widernatürliche Beziehungen pflegte und der ihm unter Drohung der Bekanntgabe dieser Beziehungen aufgetragen habe, das Öl in das Reservoir zu schütten.“ (Zivilverteidigung, S. 184)

Büchlein Zivilverteidigung, Eidg. Just.Poliz.Dept, BR L. von Moos, 1969, klick Vergr!

1969  New York CSD Geschichte Buch von Martin Gössl, erhältlich bei ARCADOS Basel, CHF 22.-

1972

Walder, 1972 Porn

Im Homo-Magazin du und ich wurde der oberste Bundesanwalt kritisiert, Homosexualität zu zensurieren. Klick vergr.

1973 hatte ich – als interessierter Staatsbürger – das „linke Magazin“ focus abonniert. Darin erschien eine Diskussion mit der Schwulenbewegung in Zürich (zwar schwul, aber ein guter Freisinniger, 1973 – (PDF). Das war für mich der Anfang meiner politisch-sexuellen Emanzipation.

1973  beklagte sich W. Ammann, Präsident SOH, Zürich (PDF) in der Zeitschrift „hey“ über die Pornozensur homosexueller Darstellungen und den damaligen Bezirksanwalt Bertschi (ex SP). Im weiteren kritisierte er, dass die damalige Stadträtin Emilie Lieberherr (SP) keine Zeit für die SOH hatte. (vermutlich war sie eine Lesbe, PT)

1973  Homosexuelles Doppelleben, klassisch (PDF). In der SOH-Zeitschrift beklagt man sich über die Situation der „Homophilen“. Vielleicht sollte doch in der Politik etwas geändert werden.

1977 Homos sind auch Menschen. (PDF) Im Doppelstab erschien ein Artikel zur Pressekonferenz der HABS, anlässlich ihres 5-jährigen Bestehens.

1977  erschien das „Anderschume-magazin“ (PDF Titelbild) mit dem Obelix auf dem Titelbild, worauf er einen Hinkelstein in Penisform trägt. Dieses Bild der ersten gemeinsamen Publikation der lokalen Homosexuellenbewegungen (PDF 21 MB) wurde von einem Gericht in SG zuerst als „unzüchtig“ verboten.

1978  Am 12. April fand zu bester Sendezeit die Telearena, eine live Diskussion MIT Homosexuellen und den Exponenten der Homosexuellen Arbeitsgruppen im Schweizer Fernsehen, statt. Eine Auswahl von Zeitungsdokumenten (PDF 2 MB)

TeleA-Werren, 78

WERREN in der Tat vom 14.4.1978

 

1978  Telearena  (bei youtube) – Homosexuelle zeigen sich an der Fernseh-diskussion

Der Anfang mit der Gnädinger-Szene 

Ausschnitt aus der Sendung

17 min. Ausschnitt im Archiv von SRF.  Alexander Ziegler spielte eine doppeldeutige Rolle als Provokateur, obwohl bekannt als Homosexueller. Das kam in der Sendung schlecht an… (Ganze Sendung als DVD in Schwublio-theken oder bei ARCADOS ausleihbar!)

1978  Die Polizei und die Homosexuellen. Zu dem Thema schrieb ich einen Beitrag im hey 6’78. (PDF)

1978  Der erste CSD in der Schweiz fand im Sommer 1978 in Zürich statt. Kundgebung hinter dem Landesmuseum.

1. CSD der Schweiz in ZH, hinter dem Landesmuseum, Foto: P.Thommen, Schwulenarchiv

Hier der Bericht der NZZ 78, CSD ZH

1978  Harvey Milk, Ermordung des offen schwulen Stadtrats in San Francisco

1979 Erster nationaler Schwulenbefreiungstag in Bern, unter dem Motto: „Bärn hett Schwuli gärn“

Im November 1979 holzte die Stadtverwaltung den „Homopark“ in Luzern ab, was ein landesweites Echo auslöste.

1980 beklagte sich Werner Wollenberger (PDF) über das Theaterstück „Jagdszenen aus Niederbayern“. Das Stück sei nicht mehr aktuell und biete keine realen Informationen für die öffentliche Diskussion mehr.

1981 publizierten die Schwulengruppen (HACH) einen „anderschume Katalog“, (21 MB)der die wichtigsten Informationen und Zusammenhänge ums Schwulsein in der Schweiz zur Darstellung brachte. „schwulsein ist schön. Verschiedentlich sind in letzter Zeit in der Schweiz Schwulenclubs vermehrt von Nichtschwulen frequentiert worden. Diese Tendenz war bisweilen so stark, dass selbst an diesen Orten Männer, die sich küssen und Frauen, die miteinander schmusen, neugierige Blicke auf sich ziehen. Nachdem Schwule und Lesben in der Öffentlichkeit nicht zärtlich sein können, ohne von Umstehenden angeglotzt zu werden, ist es für sie besonders wichtig, dass ihre Freiräume, die sie sich in ihren Clubs und mit ihren Festen geschaffen haben, nicht zerstört werden. Schwule wollen auch mal, wenn sie von einem anderen Mann fasziniert sind, oder Lesben von anderen Frauen, nicht die Angst haben müssen, dass dieser oder diese sich als Heterosexuell(er) entpuppt.“ (HACH in: tell 36, 27.3.1981, S. 9) 

1983 Publizierte das Bundesamt für Justiz die eingegangenen Antworten auf die Vernehmlassung zu den Revisionsvorschlägen der Kommission, insbesondere Gleichstellung HS mit HT (PDF), die unbestritten war, und den Strafrahmen. Art. 187 StGB i Rev, 1983 (PDF) Schutzalter 16 (Die URLs können direkt hierher verlinkt werden!) Die Experten-Kommission schlug 14, die Rechtskommission 15 Jahre vor. Hier die Die Parteien zum Schutzalter 16 (PDF)

In den öffentlichen Diskussionen sollte nicht übersehen werden, dass staatliche Institutionen, wie Gerichte und Strafverfolgungsbehörden sich uneinig waren. Das Parlament hat letztlich beschlossen und dies wurde durch Abstimmung entschieden.

Trotzdem wurden in den letzten Jahren öffentliche Diskussionen und Kampagnen geführt, die wesentliche Teile dere Revision wieder rückgängig machten, oder sogar „verschlimmbesserten“.  Es wäre interessant, die Begründungen für die Revision und diejenigen der Rücknahmen zu vergleichen. Die Unterlagen sind im ARCADOS Archiv, sowie im Bundesarchiv vorhanden!

1984 wurde im April die Sendung mit dem Thema Homosexualität aus der Serie „Motel“ wiederholt. Ulrich Kündig strich eine erotische Szene, wegen der „Vorabend-Kinder“…

1991  mobilisierten Evangelikale und Bürgerliche gegen eine Spezialbroschüre der AHS und des BAG zur Prävention bei Ledermännern!

1992. (come out! Januar) Nach den NR-Wahlen von 1991 blickte ich auf mein sexualpolitisches coming out zurück und erinnerte mich an psychische Erlebnisse. Sexualität zur Hand nehmen (PDF) „Im Zusammenhang mit den Nationalrats-Wahl-Beteiligung der Homosexuellen Liste Basel und ihrem Plakat vom Oktober 1991, sind mir ein paar Gedanken über unser Verhältnis zum schwulen Sex, zur Religion und zur Öffentlichkeit durch den Kopf gegangen.“ P. Thommen

1995  lancierten religiöse und rechte Kreise eine Petition zur Förderung gesunder Familien und gegen die gleichgeschlechtliche Partnerschaft.

2001 Am 11.5.2001 erschien im Schweizerischen Beobachter eine Reportage über „Arcados“. Darin wird behauptet, ich sei in „Pädophilie“ verwickelt. In der Pink Tube vom_18.5.2001 (PDF) reagierte ich darauf. Urs Rauber (*1948, heute bei der NZZaSonntag/Bücher) war wohl durch eine empörte Frau darauf gestossen. Er telefonierte kurz vorher mit mir, ohne mir offiziell die Vorhaltungen zu präsentieren. Er liess mich auch nicht Stellung nehmen. Im Herbst erschien der Text ohne Vorwarnung nochmals in der damaligen „Beobachter-Rubrik“ der BaZ. Der Mann hatte mich in die Pfanne gehauen.  Jedenfalls intervenierten ParlamentarierInnen von links bis zum SVP-Freysinger beim Bundesrat, der schliesslich verlauten liess, die damalige homepage auf meiner Domain (arcados.ch) verstiesse nicht gegen das Strafgesetz.

2004 Die Rolle der „Pädophilen“ in der Sexualpolitik. Der Sündenbock (PDF) unter den Sündenböcken. Das Schutzalter im StGB der Schweiz von 1942 und 1992 (Inkrafttreten)  P. Thommen

2004  Grossratswahlen Basel, Homosexuelle Liste  Kleinbasel (PDF)  Ergebnis zuunterst!

2005 Fragte ich nach den Wahlen, was schwule Politiker in BS denn für uns tun könnten (PDF)  P. Thommen

2005  (PDF) Eine Sexualität (über) die (mann) nicht redet ist tot. Gaynetaffäre, Kinderpornografie/Pädophilie-Verdacht (wiederholen sich periodisch), aber die Schwulen schweigen, statt dass sie die Regie im öffentlichen Disput übernehmen würden! Peter Thommen

2007 Wagte ich zum 1. August den Vergleich zwischen den Rechten und den Klemmschwestern. (PDF)  P. Thommen

2008 HS als Nebenwiderspruch? (PDF)  Nach den Anfängen des politischen Kampfes um Prävention gegen HIV und AIDS ist darin die Homosexualität wieder zum „Nebenwiderspruch“ degradiert worden. Wie schon bei den Linken in den 70ern.  P. Thommen

2008  Grossratswahlen Kleinbasel, HLB, Ergebnis (zuunterst)  PDF

2009  Harvey Milk, ein Film über den ersten offen schwulen Politiker der USA, in San Francisco, im Jahr 1977-78

2010 Unter Bezugnahme der früheren Diskussion über die FDPler,  eine Einschätzung der GAY-SVPler: zwar schwul, aber ein guter  svp-ler (PDF) von P. Thommen

(Korrekturen am 11.07.2013)

Diese Informationsseite wird mit weiteren Dokumenten ausgebaut!

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