schwul – das wort

schwul – warm, oder der verbissene Kampf um Worte

Das Wort “schwul” wurde im 19. Jh. in der Berliner Mundart und im Rotwelschen in Anlehnung an warm auf “homosexuell” übertragen. Das Wort ist verwandt mit “schwelen” (schwache Glut).
Das Wort kommt also aus unserer Muttersprache und es kommt nicht von ungefähr, dass gerade Bettler, Landstreicher und Gauner diese Sinnesübertragung vornahmen. Sie hatten sicher das ideale Sprachgefühl. Die Verwandtschaft mit schwelen scheint mir näher als mit “schwül” = drückend heiss. Die warme Glut spürt man eben gerade noch, obwohl es kein Feuer mehr hat.
Wärme ist ein sehr strapaziertes Wort aber durchaus positiv anzunehmen. Ueberall wo Menschlichkeit, angenehmes Beisammensein, Wohligkeit, Behaglichkeit usw. gewünscht wird, sucht man nach Wärme. Man sucht sie für Kinder, bei Frauen, für Familien, aber eben kaum bei Männern. Sogar Tiere tragen zu ihrer Körper-Wärme Sorge und nutzen sie gemeinsam in Höhlen und Nestern.
Schwul ist eine Wahrnehmung also, die man erst in der Nähe spürt. In der Nähe der Menschen, des Ofens, der Liebe und des Sex.

Ich frage mich wirklich, was denn so schlecht an diesem Wort sein soll. Indianer sind stolz auf ihre Eigenart, Zigeuner sind es ebenso. Wir Schwulen sind mit einer Eigenschaft ausgestattet und bezeichnet, die so nötig ist zum Leben wie die Sonne. Was solls, wenn das Wort ein schlechtes Ansehen hat, das können WIR verändern. Peter Thommen (FA 39, 23.01.1982)