Der Staat hatte sein coming out!

„Der 11. Oktober 1987 bleibt in der amerikanischen Gay Community unvergessen: Mehr als 600’000 Lesben und Schwule versammelten sich in den Strassen von Washington, um zusammen für ihre Rechte einzustehen. Dann treten Schwule und Lesben immer wieder an die Öffentlichkeit, um mit ihrer Präsenz für einen Tag lang das Geheimnis schwul-lesbischen Lebens zu lüften. Oder sie entschliessen sich zu einem Coming out in ihrer näheren Umgebung.

200 Delegierte von schwulen uind lesbischen Organisationen erklären den 11. Oktober zum ersten Schweizer Coming out-Tag. Sie wollen damit eine Möglichkeit schaffen, selber aktiv zu sein und ein freundliches, positives Bild der Gay Community zu zeigen.“   (nach Roland Grüter, Cruiser 10/91, S. 11 – kleine Premiere)

In die Schweiz geholt hatte diese Veranstaltung Daniel Wiedmer vom «anderschume/Kontiki», samt Logo (von Keith _Haring): Eine offene Tür mit herauskommendem Mensch. Die Jugendgruppen engagierten sich stark an diesem Tag und gingen mit Aktionen auf Strassen und Plätze, um den Dialog mit Passanten zu suchen, oder gar „InteressentINNen“.

Einige Jahre später drehte ich den Spiess um und schrieb in meinem Blatt, dass eigentlich die Hetero/as ihr coming out machen sollten gegenüber uns! Wann haben sie sich schon mal als offen für Minderheiten erklärt? Ich finde sowieso, dass nicht wir unser coming out machen müssten, sondern unsere Eltern, Verwandten und Bekannten.

Am 26.09.2021 fand die Abstimmung über die „Ehe für alle“ statt. Damit hatten das Parlament und die Stimmberechtigten mit 64,1 % Ja-Stimmen und auch der Mehrheit als Kantone ihr coming out.

Peter Thommen_71, Schwulenaktivist Basel

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*1950, Buchhändler, Schwulenaktivist, ARCADOS Archiv für schwule Studien
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