„Der Tempel isch wäg!“

Ich sage immer wieder, dass jede Gruppengemeinschaft ihren Versammlungsort braucht. Die Juden die Synagoge, die Christen die Kirche und die Moslems die Moschee.

Auch die Schwulen brauchen einen Ort wo sie sich treffen können. Zum Klönen, zum Feiern, um sich zu ärgern und um damit zu drohen, dass sie an diesen Ort wegen diesem und jenem und dieser und jener nie mehr hingehen werden…

Diesen „täglichen“ (oder zunehmend nächtlichen) Ort gibt es in Basel nicht mehr. Die Öffnungszeiten sind eh immer mehr „nach hinten“ verschoben worden. So konnten die Schwestern erst überall bei Heteros herumschnuppern und wenn ihnen dann doch nichts passte, fanden sie sich endlich in der Gaybar ein. Und mit Gästen, die dreimal im Jahr vorbeischauen, ob’s es noch gibt, kann kein Lokal überleben. Der Ort sieht zurzeit aus wie die letzte Chnelle in einer Banlieue…

Mit Blumendekorationen wie an einer Abdankung liessen sich auch keine Gäste heranlocken, hiess es kürzlich. Doch jetzt ist es wie nach einer Beerdigung.

Das schwule Leben findet nächtens statt, zwischen heterosexueller Arbeit, Datingplattformen und privatem Schlafzimmer. Bemerkenswert ist, dass dies keinen interessiert. Als der Dupf vor 13 Jahren aufgegeben wurde, schuf Ronnette die „Untragbar“ im Keller des Hirscheneck. Aber auch nur Sonntagabends ab 21 Uhr.

Hier ist auch anzumerken, dass Gaytreffpunkte sehr Jugend- und Alten-UNfreundlich geworden sind. Zudem ist mann immer mehr gezwungen worden, in den Lokalen Ohrstöpsel zu tragen oder sich dem Musik-Lärm auszusetzen.

Ein Tagescafé wie es sie in Deutschland gibt, konnte sich in Basel nie halten. Auch nicht Darkrooms, wie seiner kurzerzeit im Keller des Dupf.

Peter Thommen_66, Schwulenaktivist Basel

Die Bar L39 hat ihren schwulen Schnauf wohl ausgehaucht. 1973 vermeldete der Spartacus-Guide aus Basel, dass die „Theres-Bar“ (im Bierkäller, Ochsengasse) ihr Domicil an einen anderen Ort verlegt und unter einem neuen Namen wiedereröffnet habe. In der Ausgabe von 1974 finde ich erstmals ein Inserat vom Elle&Lui an der Rebgasse 39.

Über vierzig Jahre sind Frauen und Männer aus allen „Buchstabenbereichen“ der heutigen Aufzählungen, inkl. der daran „fehlenden“ Hetero/as über die Schwelle dieses Lokals getreten. Viele Lebensschicksale sind sich dort begegnet. Es wurde viel gelacht und auch mal geweint.

Therese Ollari hatte mit Gartentischchen und vielen verschiedenen Stühlen und Hockern angefangen. Sie waren bekannt. Die „Giraffe“, der Freund von Erwin Schaller fuhr eines Tages mit einem Stecken über alle Glasperlen der Leuchter und rief: „Stimmung, Stimmung“ und machte einige damit kaputt… Auch an die „Blauphase“ mit Martin Rosenast und seinen veganen belegten Brötchen kann ich mich erinnern. Schliesslich wurden die „marokkanischen Bögen“ herausgerissen und im hinten anschliessenden Gärtchen haben einige Grillfeste stattgefunden. Die Zeit mit Michel Schwarz bleibt unvergessen. Es gäbe vieles um das Elle et Lui zu erzählen, ein ganzes Buch!

Leider fehlen mir Nachrichten über die endgültigen Entscheidungen über die Zukunft dieses Ortes und ich hoffe, sie baldmöglichst nachtragen zu können… P. Thommen im schwulen Gassenblatt Nr. 15/Sept. 2016

Die gaybar ist wieder geöffnet! Mo 20-02 h, Di 18-02 h, Mi 20-02 h, Do 18-02 h, Fr+Sa 20-04 h, So 20-02 h (aktualisiert 8.2.17)

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