Die Ärgernisse des Jahres 2015

Nachdem Toni Bortoluzzi (SVP, nicht mehr zur Wahl angetreten) bereits 2014 über die Schwulen befand, sie hätten einen „Hirnlappen, der verkehrt herum läuft“, stach Hans Fehr (SVP)* 2015 nach, mit dem Vorschlag, das Alter von Flüchtlings-Kindern mit „Penismessungen“ zu bestimmen.

Einige MitGlieder dieser Partei haben sehr wohl verkehrt herumlaufende Hirnlappen! (Man sollte sie „ausschaffen“!)

Das erste Ärgernis bildete eine Arena im Februar 2015, in welcher über die „Homo-Ehe“ diskutiert worden ist. Darin diskutierten Schwule erst in zweiter Reihe mit. Da legte sich von rechts Verena Herzog (NR TG, SVP) ins Zeug , sowie der Mediensprecher Gracia des Bistums Chur (Huonder) und von links Jaqueline Fehr (NR ZH, SP). Wobei Leonard an ihrer Seite als „bürglicher Homo“ recht schwach wirkte.

Mir missfällt grundsätzlich, wenn ÜBER Schwule diskutiert wird und nicht MIT ihnen! Und es gibt ein falsches Bild, wenn nur über weibliche Romantik diskutiert wird und nicht auch über die wahren Gründe der Schwulendiskriminierung, besonders im Zusammenhang mit der katholischen Kirche. Das ist auseinanderzuhalten und nicht zu vermischen! Frauen werden anders diskriminiert als Männer und einer Mutter wird schwerlicher ein Kind das sie geboren hat, weggenommen als einem Vater.

Sind wir also schon wieder hinter die Telearena von 1978 zurückgefallen, in welcher historisch ERSTmals öffentlich MIT Schwulen (leider nicht auch mit Lesben) diskutiert worden ist?

Ich muss auch feststellen, dass die jüngeren Schwulen gar nicht mehr wissen, weswegen sie diskriminiert werden – nur noch, dass sie nicht diskriminiert werden dürften.

Bischof Huonder hat im Sommer sich schön hinter einem Bibelzitat versteckt, um die wahre Gottferne des schwulen Aktes nur anzudeuten! Und die Schwestern von PinkCross haben mit ihren Flügeln wie wild geflattert und in Aufregung gemacht. Das Thema der analen Penetration kam aber nirgendwo auf den Tisch der öffentlichen Diskussion! Und das im 21. Jahrhundert!! (siehe auch: swissgay.info Nr. 4, vom September 2015!)

Zuletzt ist die politische Dummheit von Homosexuellen zu kritisieren, die doch tatsächlich glaubten, einen Bischof wegen eines Bibel-Zitates vor Gericht bringen zu können! Der weiss eben schon, wie er sich aus der Schusslinie nimmt! Und die Schwulen haben ihn gar nicht öffentlich in die Diskussion genommen! Schämt Euch!

Ende September war ich an einer Diskussion der Grün-Liberalen Partei, Sektion Basel über die Öffnung der Ehe. Nebst mässigem Aufmarsch waren doch immerhin eine Handvoll Homosexuelle auch anwesend. Aber was ich mir da anhören musste, war einfach ärgerlich! Eine Frau reklamierte die „Öffnung der Ehe“ deswegen, weil sie sich für eine Universitätsstelle beworben hatte und als Zivilstand „Eingetragene Partnerschaft“ angeben musste. Dadurch fühlte sie sich „diskriminiert“ Sie hätte lieber gleich „verheiratet“ angegeben. Bei den Frauen ist das so eine Sache. Sie kamen zu den Männern und wollten Hilfe bei der Kampagne für diesen „dritten Zivilstand“. Und nachdem wir ihn hatten (Dank Ruth Metzler, CVP, BR 1999-2003), „verschwanden“ sie einfach wieder aus der Öffentlichkeit. Vergessen werde ich auch nicht, die Reklamationen von Seiten von Lesben, als die neuen Steuerformulare in Basel mit der Angabe des neuen Zivilstandes ausgestattet worden waren. Frau fühlte sich „diskriminiert“. Man könnte auch noch ans SchleZ erinnern und die damalige Diskussion um die Aids-Präventionsplakate, die Lesben nicht aufgehängt haben wollten.

Ihr seht, die Diskussionen mit den Frauen stehen noch immer an. Es gab an der Telearena 1978 keine Zeit und in all den Jahren nachher auch nicht! Und es scheint auch kein Bedarf vorzuliegen! Mir scheint aber – nach diversen Diskussion in meinem Umfeld – dass Frauen weder die Gründe der Schwulendiskriminierung, noch die Gründe für ihre eigene Diskriminiung (als penetrierte Menschen) erkennen können oder wollen. Diskussion darüber ist ihnen meist peinlich! Es soll alles unter dem Nebel von „wir sind doch alle Menschen“ verschwinden. Das ist politisch inakzeptabel!

Mir scheint auch, dass die Aids-Prävention sich in diese Richtung entwickelt hat. Es wird nicht über die Notwendigkeit der analen Penetration diskutiert, sondern „durchgetestet“ und wo irgend nur möglich, die kondomlose Variante möglich und akzeptabel gemacht. Gerade nach der Aidskatastrophe der Achtziger mit Ebola-Ausmassen, die offenbar bereits vergessen ist, kann ich als Schwuler diese Politiken noch einmal NICHT akzeptieren.

Da ist eine arabisch-moslemische Feministin etwas genauer in der Unterscheidung zu den Männern: „Lesbische Frauen werden im Übrigen milder behandelt. Über sie wird keine Todesstrafe verhängt, aber auch ihnen droht die Strafe durch auspeitschen.“ (Dr. Elham Manea, Politologin, forscht im islamischen Recht, in Genderfragen und Islamismus in Pink Mail Nr. 4, 2015, S. 24)

„Weibliche Homosexuelle sind nicht nur psychologisch von den männlichen verschieden: die Dimension gesellschaftlicher Diskriminierung ist bei ihnen ebenfalls nicht mit jener gleichzusetzen, der homosexuelle Männer ausgesetzt sind.“   (Paul Parin: „The Mark of Oppression“, Psyche Heft 3/1985, S. 198)

 

Peter Thommen_65, Schwulenaktivist, Basel

*  „Für Fehr (SVP) gibt es auch keinen Grund, Schwule und Lesben vor Diskriminierung zu schützen. «Wer heute Homosexuelle öffentlich beleidigt, wird doch sowieso sofort als ‹Spinner› qualifiziert und nicht mehr ernst genommen.» Die Bevölkerung entscheide  selber, wann es zu Diskriminierung kommt und würde diese auch sofort bekämpfen. «Dafür brauchen wir doch keine Gesetze».  (20min 12.3.15)

Die bzbasel schreibt als einziges Medium, worum es eigentlich bei der Schwulendiskriminierung geht!  Ausgabe vom 24.12.15

Wegen Pause des Tuntenballs: Erinnerungen an den von 1992

P.S. Das schwule Gassenblatt vom Dezember ist hier zu lesen

 

Nachtrag

Mit einem Beitrag von Fanny Jiménez in der Sonntagszeitung vom 15.11.2015 „erlebte das Schwulen-Gen XQ28“ eine Neuauflage. Die „Wissenschaftsjournalistin“ konnte der SoZ eine längst überholte Theorie verkaufen. Sie ist inzwischen 20 Jahre alt und nie in Gebrauch gekommen. Diese genetischen Untersuchungen sind immer zu eng begrenzt, um als repräsentativ gelten zu können. Im Übrigen sind die „homosexuellen Aktivitäten“ viel grösser als nur diese „Orientierung“ und sehr viele heterosexuell Orientierte nutzen diese Variante gerne „mit“.

Interessierte mögen besser folgende Untersuchung lesen: Bell/Weinberg: Der Kinsey Institut Report über weibliche und männliche Homosexualität, dt bei Bertelsmann 1978, 540 S. Oder diejenige von Dannecker und Reiche aus 1974: Der gewöhnliche Homosexuelle.

Siehe auch: Welche Mehrheit darfs denn sein?

 

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