europride09 - die wurzeln unserer diskriminierung

Auf die Gefahr hin, mich als „schwulen Fundi“ zu outen, möchte ich an die Wurzeln unserer Diskriminierung erinnern! Immer öfter ist nicht mehr vom „schwulen Sex“ in der Oeffentlichkeit die Rede, sondern von der „homosexuellen Liebe“. Damit entfernt sich die Sprache von der Wirklichkeit und die Wirklichkeit von den davon Redenden.

Meistens wird ein „revolutionäres Ereignis“ über längere Zeit immer mehr verklärt und verändert, wie wir das auch aus der christlichen Religion kennen. Zeitzeugen sterben aus und die Informationen werden über zweite und dritte Hand überliefert.

In der heterosexuellen Kultur ist das schon Jahrhunderte alte Normalität. Heteros „werden Vater“ bekommen ein Kind. Frauen werden zu Müttern, „sind in guter Hoffnung“, „kommen nieder“ und „gründen eine Familie“. Die Ehe war traditionell die „Lizenz zum ficken“. Es ist noch nicht lange her, dass unverheiratete Heteros zusammen die Wohnung und das Bett teilen konnten. Schwulen war das noch später erst möglich. Da gab es ein Paar, welches in zwei Wohnungen wohnte und dazwischen eine Türe hatte einbauen lassen. Morgens und abends benutzte jeder seine eigene Wohnungstür…

Die „Asexualisierung“ von Sprache und Vorstellung über das Sexualleben bei den Heteros hat die Aufgabe, eine Intimsphäre zu schaffen, zu der die Kinder der Familie und die Oeffentlichkeit „keinen Zutritt“ haben. Im Vergleich dazu sind Begriffe wie „Homosexualität“ das völlige Gegenteil. Da haben Heteros noch den „normalen Zugang“ zur „natürlichen Vorstellung“ vom „Arschfick“, der im Vergleich sofort kerzengerade in ihrer Fantasie vorhanden ist…

Damit sind wir zum zentralen Grund für die Diskriminierung von Homosexualität und von Schwulen vorgestossen. Männerliebe gab es schon in der Bibel und sie war kulturell nie ein Problem. Es ist die Sexualität, die „abstösst“!

Die „rücksichtsvolle“ Diskussion über homosexuelle Liebe kann dazu führen, dass Toleranz verkündet wird und sich irgendwann mal keineR mehr klar darüber ist, warum wir eigentlich diskriminiert „wurden“.

Einer der wesentlichen – wohl meist unterbewussten – Argumente gegen die Adoption von Kindern durch männliche Homosexuelle ist noch immer die „Verführung“. Wenn Schwule so offen und klar über ihre Beziehungen, Kontakte und über ihre Sexualität reden, wie es eben die Lebenssituation erfordert, so kann das für Kinder eine Gefährdung darstellen. Die meisten von uns haben ihre Eltern nie bei Zärtlichkeiten oder Anmachen erleben können. Viele können sich Sexualität zwischen ihren Eltern schon gar nicht vorstellen.

Aber schwule Männer könnten dadurch, dass sie sich mal an den Arsch fassen, umarmen, oder gar leidenschaftlich küssen, oder die Hand auf den Schenkel des Anderen legen, sogar „sexuellen Missbrauch vor Kindern“ üben. Da sind Frauen und gar Lesben in der Vorstellungswelt der Heteros „ganz anders“ geartet.

Die heterosexuelle Kultur verweist die Sexualität klar in die Beziehung/Ehe hinein und übersieht die parallele „Rotlichtkultur“, in welcher der Mann bei den Fachfrauen/Nutten sich das holt, was er im Ehebett nicht bekomm(t)en kann. Frau redet nicht darüber, weil sonst „gibt es das tatsächlich“. Und schliesslich ist die Ehefrau so umfassend für die Sexualität ihres Ehemannes zuständig wie früher seine Mutter für dessen Wohl…

Schwule haben aber - auch während einer Beziehung - normalerweise Abwechslung zum Sexualpartner. Treten zwei in einen eingetragenen Partnerstand, so beginnt die gleiche Doppelmoral wie bei den Heteros! Glücklicherweise ist in dem Gesetz der „Seitensprung“ aber kein „Scheidungsgrund“!

Diese Doppelmoral wird auch von diversen (bürgerlichen) Homosexuellen vertreten, weil sie glauben, damit den Vorstellungen der vorherrschenden/vorfrauschenden Moral besser zu entsprechen und damit zu grösserer „Akzeptanz“ und Toleranz bei „den Heteros“ zu kommen. Diese Erkenntnis ist wichtig, um sie verstehen zu können, wenn Schwule mit ihnen diskutieren. Peter Thommen (59), Schwulenaktivist, Basel

Aus der Geschichte: Anita Bryant, Orangensaftwerberin und oberste “Kinderschützerin” 1978

http://www.youtube.com/watch?v=dS91gT3XT_A

Before Stonewall 1969

http://www.youtube.com/watch?v=UeHQRRUt46E

Siehe auch aktuell  Europride09-TV

 

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