Archiv für die Kategorie ‘Schwulenpolitik’

rütli und “weltschwulentum”

Freitag, 30. Juli 2010

Gedanken zur “Nation” und Spekulationen über die Homosexualität als Weltanschauung

Wahrscheinlich dachten die Eidgenossen auf der Rütliwiese nicht an Homosexuelle oder Lesben, als sie den Bund vor ihrem Gott schworen. Wohl aber war vielleicht der eine oder andere Feudalherr offen oder heimlich als “Penetrant” gehandelt worden, von denen sie sich zu befreien trachteten. Ueberhaupt hatten die gemeinen Leute keine Zeit für Männersex nach “italienischer” oder “griechischer” Art. Einige “taten” es bestimmt und mann redete damals einfach nicht darüber, wie heute bei der “türkischen” oder “marokkanischen” Art.

Die Weltanschauung – also die Art, wie mann die Welt an- und be-schaute – war bestimmt von Hierarchie, von Angst und von Unwissenheit. Die Kirche hatte das Informationsmonopol und lehrte alle Welt aus der Sicht ihrer Männer. Es konnte nicht sein, was nicht sein durfte…

Seit biblischen Zeiten durfte ein Mann nicht bei einem Knaben liegen wie bei einem Weibe. (Ueber die Zeiten vor der Bibel wissen wir höchstens etwas aus dem Gilgamesch-Epos, oder aus Keramikstücken vergangener Jahrtausende.) Aber wir wissen, dass anfangs des 2. Jahrtausends unserer Zeitrechnung schon 14jährige Knaben in den Krieg ziehen konnten und zu Mord und Totschlag gegenüber andern Männern durchaus fähig waren. Tausende von Kindersoldaten in Afrika und Asien sind auch dazu “missbraucht” worden! Was weniger verfolgt wird als die sexuellen Kontakte dieses Alters – getreu der heterosexuellen Sexualanschauung: Lieber ein Kalter Krieger” als ein warmer Bruder…

Sie konnten in ein Kloster eintreten, den Frauen und der Welt entsagen, oder sogar schon auf irgendeinem Fürstenthrone sitzen und über Leben und Tod entscheiden. Ich vermute sehr, dass Kinder (Knaben) damals mehr wussten über Sexualität, Leben und Tod, als es die Mehrheit von ihnen heute nur notgedrungen zu wissen bekommt.

Religionen, Gesetzesepochen, Königreiche und Familien hatten als Teil ihrer Weltanschauung die Vorstellung, dass Sex zwischen Männern sündig, krankhaft, gottlos und todeswürdig war. (Nur wenige kümmerten sich überhaupt um den Sex zwischen Frauen.) Deren Sexualempfindungsfähigkeit war bis ins 20. Jh. hinein nicht evident! Das erzählen uns Gesetzesparagraphen, Gerichtsprotokolle, Sagen und Kunstwerke. Es gibt auch einige Gegenbeispiele.

Die Kunst, ein richtiger Mann zu werden, hängt auch heute noch in erster Linie davon ab, zu verhindern, was unmännlich ist und erst in zweiter Linie davon, was einen Mann menschlich macht. Andere Männer sind für ihn Konkurrenten, beim arbeiten oder beim ficken. Frauen sind Liebespartner und in der Lage, ihre Ehemänner zu reproduzieren (und unserem Militärdepartement einen Soldaten zu liefern! Darum war Homosexualität auch bis 1992 in der Armee verboten.) Dies ist unzweifelhaft eine Weltanschauung, betrifft es doch etwas über die Hälfte der Menschheit.

Männer, die mit Männern Sex haben, sehen das etwas anders. Folglich haben sie auch eine etwas andere Weltanschauung. Sie lassen sich in Liebesverhältnisse mit Männern ein und sind doch keine Frauen, weil sie keine Kinder bekommen können. Und richtige Frauen sind sowieso nur solche, die ein Kind bekommen haben…

Oekonomische und kulturelle Veränderungen, sowie die Friedenszeit nach zwei Weltkriegen, haben den Homosexuellen in den letzten hundert Jahren Chancen geboten, sich im Welttheater um Rollen zu bemühen. Aber erst die Homosexuellenbewegung der Neuzeit gab uns Möglichkeiten der Sichtbarkeit! Wir haben uns heute über die Homosexuellen hinaus bis zu den Schwulen entwickelt.

Schwule tun nicht nur etwas, was Homosexuelle auch tun, nämlich Sex haben mit Männern und sich mit heterosexuellen Männern herumschlagen. Schwule denken auch darüber nach, was sie tun, wie sie es tun (zB. wegen AIDS) und sie fragen sich, im Gegensatz zu den Heten, warum sie es denn tun! Und hier ist der Beginn der schwulen Weltanschauung zu suchen und in Ansätzen auch zu finden.

Ein Teil versucht, das von den Heten erlernte Zusammenleben nachzuleben und zu beweisen, dass sie es auch wie sie können. Es steht in der bewährten Tradition der Homosexuellen, die seit Jahrhunderten in die Frauenrolle schlüpften, um heterosexuelle Männer anzumachen und zum richtigen Sex zu kommen. Weil es in der fixen Rollenteilung einfach nicht anders zu machen war. Es ist für viele auch heute nicht anders zu machen, als sich mit dem vorhandenen Rollenangebot zu beschäftigen und damit zu experimentieren. Sollen sie es tun!

Ein anderer Teil knüpft an die Traditionen der gleichgeschlechtlichen Bruderschaften an, die sich homosozial organisierten und in kirchlichen Institutionen eine gleichgeschlechtliche Welt erbauten (um dem späteren Heil im Himmel näher zu sein?). In dieser Strömung finden wir auch die heute typischen SM- und Leder-Beziehungen. Sollen sie es tun!

Wieder ein anderer Teil sucht neue Wege aus der Erkenntnis heraus, dass die sozialen Lebensmöglichkeiten in dieser Welt schon immer vielfältig und nicht hetero-einfältig gewesen sind! Sie rücken ab von lebenslangen, monogamen und sexual-treuen Beziehungen, sowie vom weiter vererben von Vermögen.

Sie stellen sich auf einen Wechsel von Partnern, Lebensumständen, sozialen Gruppen, “Familien”, oder Lebensgemeinschaften ein. Sie versuchen, statt an der Nichterfüllung traditioneller Vorstellungen zu leiden, die neuen Lebensbedingungen bewusster zu organisieren und in ihre Leben zu integrieren. Sollen sie es tun?

Ich setze hier bewusst ein Fragezeichen, weil spätestens hier eine gesellschaftliche Dimension sichtbar wird, die in eine ungewisse Zukunft verweist! Ich habe den Eindruck, dass in der schwulen Minderheit schon lange brodelt, was in der heterosexuellen Mehrheit erst zu blubbern angefangen hat.

Wir müssen damit leben, dass es Homosexuelle gibt und Schwule und die sind fast genausowenig unter einen Hut zu bringen, wie die Schweizer, die Juden, “die Neger”, oder die Menschen überhaupt. Und solange es noch kein Informationsmonopol gibt, können wir uns unter den Völkern und auf den Kontinenten umschauen und voneinander lernen. Das heisst aber, dass viele von uns präsent sein müssen in der Oeffentlichkeit und teilhaben sollten am Dialog in den Medien. Sie müssen, wie die Heten auch, oft auf bürgerliche Werte und “Familie” verzichten und sich damit abfinden. Es gibt ideelle Werte zu erschaffen und eine Familie, die nicht auf Zweier- oder Blutsbeziehungen aufbaut!

Und die monogamen Homosexuellen und Schwulen müssen sich damit abfinden, wenn sie in eine Beziehung investiert haben, dass sie ihnen nicht das erhoffte Glück oder zusätzliches Vermögen gebracht hat. Sie können nach einer Schwulenehe nicht wieder von vorne anfangen. Genauso wie die Homosexuellen, die eine heterosexuelle Ehe geführt haben. Die gay community aber träumt nicht wie die Heten von einem Mehrheitsanspruch, sie ist nicht irre damit beschäftigt, sich zahllos zu vermehren. Die Schwulen könnten aber irre daran werden, dass ihre Minderheit eben auch nur aus homosexuellen Minderheiten, wie Pädos, “Heiratos”, “Treuelos”, SMs, Leder- und Fummelschwestern, sowie Bisexuellen, Ambisexuellen und Stereosexuellen besteht.

Wir sollten uns wirklich die Worte unserer Regierung zu Herzen nehmen:

“Die Schweiz definiert sich nicht wie andere Nationen durch eine gemeinsame Abstammung, Sprache, Religion und Kultur. Ihre Grundlage liegt vielmehr in den gemeinsamen Auffassungen von Rechten, Pflichten und Werten, sowie im Willen zur Verbundenheit in der Vielfalt.”

(Der Bundesrat zur Abstimmung über den 1.August-Feiertag, 1993)

Die gay community definiert sich nicht wie die heterosexuelle Familie durch eine gemeinsame Abstammung, Sprache, Religion und Kultur…

Peter Thommen

(Thommens Senf-Wochenblatt vom 26. Juli 1996, 5. Jg. Nr. 29/30) Text kursiv = Zusatz von 2010!

zwar schwul – aber ein guter svp-ler…

Dienstag, 01. Juni 2010

Ist die gay svp nur ein Pfahl im mütterlichen Fleisch, oder kann sie bei den sieben Vätern auch missionieren? (= eindringen)

Die vierzig wackeren Gründungsmitglieder sind davon wohl ebenso überzeugt wie die Gründer der „Homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich“ im Jahr 1972. Letztere konnten damals schon auf ein sympathisierendes Ohr der NZZ und des Tagesanzeigers zählen…

Im linken Magazin „focus“ erschien 1973 eine öffentliche politische Diskussion unter dem Titel: „schwul – aber ein guter Freisinniger“. Die „bürgerlichen Schwulen“ waren nämlich schon am Anfang der öffentlichen Schwulenbewegung ein Thema. Doch hat es jetzt 40 Jahre gedauert – bis kurz nach Einführung der „Eingetragenen Partnerschaft“ als bürgerliches Lebensmodell, bis sie sich getraut haben, sich öffentlich in bürgerliche Parteien „einzunisten“. Um die SVP hat das natürlich Staub aufgewirbelt.

Ich bin 1973 zur Schwulenbewegung gestossen, über einen Artikel, den ich im linken Magazin „focus“ gelesen hatte. Ich zitiere diejenigen Punkte, die auch heute noch diskutiert werden müssen!

(1973) „In den politischen Parteien haben wir noch keine eigentliche Unterstützung gefunden, obwohl man annehmen sollte, dass eine so grosse Gruppe wie die der Homosexuellen ein gewisses Potential darstellt. Es gibt Gruppen, die viel kleiner sind als wir, für die setzt man sich ein.“

„Ich gehe vom sozialpolitischen Standpunkt aus, weil ich aus eigener Erfahrung weiss, dass viele Schwule aus katastrophalen familiären Situationen herauskommen, an denen unser herrschendes System Schuld ist. Ich unterstütze jede Organisation, die auch in der Beziehung dafür sorgt, dass ein Mindestmass vorhanden ist, der es dem Geringsten von uns ermöglicht, ein menschenwertes Leben zu leben.“ (Edi, SOH, in focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

focus: „Das sind Forderungen, die so auch das fortschrittliche Kapital auf seine Fahnen schreiben kann, weil sie langfristig durchaus in seinem Interesse liegen.“ (Peter Baumann, focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

Vielleicht erhellt nachfolgende Stelle Gründe für eine „verspätete bürgerliche Politisierung“ etwas mehr…

„Ich möchte da mal noch auf einen anderen Punkt zu sprechen kommen: Wir sind sehr progressiv im Reden. Dabei wissen wir aber ganz genau, dass unter den Schwulen der grösste Teil stock-konservativ ist, stock-konservativ erzogen wurde und sich auch stock-konservativ verhält. Vor allem zwei Dinge fallen da auf: Es gibt bei uns Typen, sagen wir mal Direktoren, die den ganzen Tag die Möglichkeit haben (und von dieser Möglichkeit auch Gebrauch machen) mal einen Linken, Langhaarigen aus der Bude rauszuschmeissen, weil der schwul ist, und die dann am Abend im Park genau diesen Gay aufreissen und der ihnen für die ganze Nacht recht ist. Zum anderen haben wir die Erfahrung gemacht, gerade in unserer Organisation, dass diese Direktoren und andere sogenannte “gutgestellten Leute” sich vehement dagegen sträuben, dass junge Leute da in den Club (hey, ehem. Nähe Bellevue, PT) kommen und etwas Neues zu machen versuchen. Daran sind sie nicht interessiert.“ (Erwin, SOH, in focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

Je bürgerlicher also, desto „angepasster“ an diese Normen, welche „von Natur aus“ die sichtbare Homosexualität ausgrenzen. Das beobachte ich auch bei den Bisexuellen. Bis jetzt hat sich keine öffentliche Sichtbarkeit dieser „Sexualpräferenz“ ergeben. Die Metrosexualität ist nur ein modisches Klischee, hinter dem mann allenfalls seine homosexuellen Bedürfnisse verbergen kann. Wichtiger ist immer noch, als Hetero aufzutreten! Und als „halb-hetero“ ist er ja „noch nicht ganz verloren“… Bürgerlich gesehen ist eben Männlichkeit wichtiger als irgendwelche Formen von „Weiblichkeit“, die an Homosexuellen und in der Homosexualität (anale Penetration) vermutet werden. Mir ist in den letzten Jahren auch aufgefallen, dass Bisexuelle auch nicht bereit sind, das „Stigma“ mitzutragen und einen Beitrag zu leisten an einen Abbau der Diskriminierung. Wichtig aber auch, festzuhalten, dass Bisexuelle vor allem von (ihren) Frauen diskriminiert werden!

„Aber noch zur konservativen Haltung der Schwulen: Das hängt mit dieser Unsicherheit zusammen, mit dieser fundamentalen sexuellen Unsicherheit. Diese Zwangssituation im Ghetto führt im übrigen Bereich zu einer Ueberanpassung. Wenn man da etwas lockern kann im sexuellen Bereich, dann hört auch die Ueberanpassung auf.“ (Martin, HAZ, in focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

Ich denke, der Zusammenhang ist richtig, aber die Schlussfolgerung hat sich bis heute als falsch erwiesen! Weder die Lockerung des „schwulen Ghettos“ (also auch seine Kommerzialisierung), noch die Lockerung der sexuellen Vorschriften haben die „Ueberanpassung“ an die bürgerliche Gesellschaft verhindert.

„Dass die meisten Schwulen im Moment überangepasst sind und eine konservative Haltung einnehmen, hängt damit zusammen, dass sie in allen Bereichen, wo sie nicht so vital betroffen sind – oder wo sie meinen, nicht so vital betroffen zu sein -mit den Wölfen heulen wollen und päpstlicher als der Papst zu sein versuchen, wenn die Leute dann nur wenigstens zur Haltung kommen: “Er ist zwar schwul, aber er ist ein guter Freisinniger.” (Michael, HAZ, in focus Nr. 43, Juli/August 1973, S. 8-15)

Die gay-svp beruft sich auf das Programm iher Väterpartei: Erstmal wird die Freiheit, die als Gegensatz zum Staat verstanden wird, gross geschrieben. Obwohl nicht die SVP unsere Rechte und Grundfreiheiten garantiert, sondern der Staat, an dem sie ja als „grösste Partei“ auch immer mehr teilhaben will… ;)

gay-svp: „Wir stehen zur Politik der SVP und unterstützen das Parteiprogramm vollumfänglich. Wir sind für die Ausschaffung krimineller Ausländer, sind gegen den EU-Beitritt und stehen ein für eine unabhängige Schweiz und ihre traditionellen Werte ein.“

Also genauso wenig wie die Heteros wollen sie sich überlegen, woher und warum „kriminelle Ausländer zu uns kommen und ob diese Migration vielleicht selbst mit verursachte, wirtschaftliche Gründe haben könnte. Und genauso wenig wie viele „Scheinehen“ können damit „Scheinpartnerschaften“ verhindert werden!

Unklar ist, was die traditionellen Werte der Schweiz sein sollen. Wahrscheinlich die Werte der SVP (ehemals Bauern- Gewerbe- und Bürgerpartei). Vielleicht sind sie aus dieser alten Bezeichnung ableitbar.

Die gay-svp unterstützt die Petition für die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare – und das geht wohl am besten in einer eingetragenen Partnerschaft. Ok. Aber was soll dieser Satz: „Auch gleichgeschlechtliche Paare werden ihre Kinder somit eher aus dem Ausland adoptieren. Diese Kinder erhalten damit eine Chance anstatt auf der Strasse oder in schlecht geführten Kinderheimen in einer geborgenen Atmosphäre aufwachsen zu dürfen.“

Völlig übersehen wird die Tatsache, dass Homosexuelle aus schlecht geführten Kinderheimen wohl eher in der Lage sind, über die traditionell-heterosexuelle Familie hinauszudenken und die in „einer geborgenen Atmosphäre“ aufgewachsenen Homosexuellen wissen auch, dass sie mit ihrer Orientierung darin etwa genauso wie „auf der Strasse“ oder in einem „schlecht geführten“ Kinderheim aufwachsen“ durften… (Ich pauschalisiere absichtlich! Ihr wisst schon, was ich meine.)

„In vielen Ländern sind Homosexuelle Verfolgung und Bedrohung an Leib und Leben ausgesetzt. Wir unterstützen Bestrebungen, diesen Menschen mit allen unseren Möglichkeiten (Aussenpolitik, Förderungsprogramme, Aufnahme in der Schweiz) gezielt zu helfen und sie zu unterstützen.“

Das ist sehr lobenswert und in deren Heimatländern langfristig auch wirksam. Aber wer entscheidet, wer und wie viele davon „Aufnahme in der Schweiz“ erfahren dürfen? Es sind Heteros – und ich kenne keine der Stellen, in denen vielleicht irgendwo eine Regenbogenfahne steht, die signalisiert, dass auch Homosexuelle willkommen wären, denn homosexuelle Flüchtlinge werden – aus ihrer Erfahrung zuhause – mit ihrer Orientierung hier keine Flagge zeigen!

„Es ist unsere Überzeugung, dass der schleichenden Islamisierung unserer Gesellschaft entschieden entgegen zu treten ist. Die Intoleranz gegenüber Homosexuellen, welche vor Verfolgung bis hin zur Tötung nicht zurückschreckt, ist gerade in islamistischen Kreisen besonders stark. Und deshalb muss das Minarett, als Machtsymbol für die Unterdrückung Andersdenkender, verboten werden.“

Da kann ich als einheimischer evangelischer Schwuler nur meine Augen aus dem Kopf staunen, wie geschichtslos und ignorant die gay-svp gegenüber der eigenen christlich-katholischen Kultur und ihren Machtsymbolen mit Türmen, Kathedralen und sogar Glocken, ist. (Stichworte: Kriminalgeschichte des Christentums. Mormonen, Zeugen Jehovas und alle diese Jubelkirchen in den USA – und neustens auch in Afrika/Uganda!) Ich erinnere auch daran, dass alle die Gruppierungen wie „Homosexuelle und Kirche“ (HuK) in Jahrzehnten vielleicht Bewegung in die evangelische Kirche, aber keine Rasierklinge zwischen das Gestein der katholischen Kirche gebracht haben.

„Wir sind besorgt über Entwicklungen, die die traditionelle Familie bedrohen. Diese Initiative verlangt die Gleichberechtigung fremd betreuender Eltern mit solchen, die ihr Kind zu Hause aufziehen. Beide Familienformen sollen Anspruch auf Steuerabzüge haben. Auch als Homosexueller kann man für eine traditionelle Familie einstehen.“

Diese traditionelle – hier vor allem Klein- Familie, die ihr Kind zu Hause aufzieht, es vielleicht gerade noch zur Schule gehen lässt, aber sonst „gut behütet“, erlaubt es gerade NICHT, einem homosexuell orientierten Kind Alternativen zur Heterosexualität kennen zu lernen. Denn diese traditionelle Familie ist homophob und vor allem an der weiteren Fortpflanzung interessiert, damit das eigene Leben in die „Ewigkeit“ verlängert wird, wie es die Religion auch verspricht!

Unter diesem Aspekt ist die Behandlung der Homosexualität an Schulen eine lobenswerte Unterstützung der gay-svp, aber letztlich nicht im Interesse einer „traditionellen Familie“. Gerade, weil „fremd betreute“ Kinder auch mal Kinder aus „anderen Familien“ zu sehen bekommen, wären Erziehungsabzüge bei den Traditionellen keine wirkliche Investition in die „soziale Bildung“.

Mein Eindruck von der gay-svp ist eher einer von einem Pfahl im Fleisch, mit Konzessionen an verschiedene Werte, die auch das Selbstbewusstsein von Homosexuellen – gerade in der Familie – anfressen. Dabei wird Sexualität – in gewohnter typischer Art als „Privatsache“ erklärt, um die Widersprüche nicht sichtbar werden zu lassen – genauso wie bei den Heteros. Hier die Familie und dort die Langstrasse… Das Eine hat angeblich mit dem Anderen ebenso nichts zu tun, wie ein schwuler Direktor mit einem schwulen Angestellten. Erst beim Fick im Park oder der Sauna. Aber das haben wir doch schon 1973 diskutiert.

Die Erfahrungen mit schwulen Kandidaten auf hetero Parteilisten haben gezeigt, dass von ihnen mehrheitlich heterosexuell geprägte Politik gemacht wird. Da versickern schwule Anliegen gleich durch Anpassung – auch bei den Linken!! Und soll mir einer glaubhaft erklären, ob das Gesetz über die „eingetragene Partnerschaft“ unter Bundesrat Christoph Blocher (Justiz) bis heute jemals geboren worden wäre! Das habt Ihr vor allem der CVP und ganz persönlich der Ruth Metzler zu verdanken!

Peter Thommen60, Schwulenaktivist, Basel

Hier der Link zur focus-Diskussion 1973

Hier der Link zum Programm der gay-SVP

Hier der Link zur HAZ (Homosexuelle Arbeitsgruppen Zürich) auf  http://www.schwulengeschichte.ch

In der Suchfunktion kannst Du alle Infos darüber auflisten!

SOH (siehe auch in der Suchfunktion!)

und hier noch der Link zum Brief der Gaynossinnen and die gay-svpler

1. Mai: Komm, gehen wir Kapitalisten ficken!?

Dienstag, 27. April 2010

Vor einiger Zeit las ich über den Sigmund Freud, den Begründer der Psychoanalyse, dass er “auch nur ein Kind seiner Zeit” gewesen sei, die den Kapitalismus heraufkommen sah und die Produktion zur Pflicht machte. Einerseits Produktion von Waren oder Maschinen, andererseits Produktion von Menschen, die diese bedienen konnten. Beides natürlich zu billigstem Lohn-Preis!

Wie steh ich nun als Schwuler da? Ich erinnere mich an die Sendung TeleArena des Schweizer Fernsehens vom April 1978, in welchem ein Mann in braunem Anzug vorwurfsvoll in die Runde sagte: Sie machen nicht mal dem (Bundesrat, Militärdepartement) Gnägi einen Sohn! Damals war noch “Kalter Krieg” und Schwulsein im Militär verboten!

Es war noch die Zeit der “Saisonniers”, also von männlichen Arbeitskräften, die monatelang ohne Familie und Frauen in die Schweiz kamen, um “Gast-Produktionsarbeiter” zu spielen. Ende Jahr durften sie jeweils für drei Monate “nach Hause”, um ihre “sexuellen Produktionspflichten” zu erfüllen!

Damit möchte ich auch dieses Jahr wieder den Sexualaspekt in die Arbeitswelt einführen. Er besteht eben nicht nur aus “Mutterschaftsurlaub” und Betreuungsstätten für die Kinder der Arbeiterinnen. Aber damit geben sich die meisten Heten schon zufrieden…

Das Wort “ficken” ist nicht nur ein beliebtes und offiziell “vulgäres” Wort – übrigens nicht nur unter Männern -, sondern es imaginiert jene Machtverhältnisse in unseren Köpfen, mit denen es sich mechanisch “eindrückt”! Während die heterosexuelle Sprechweise sich hinter harmlosen Wörtern wie “Mutter werden” – “in der Hoffnung sein” versteckt, ist es bei einem Mann, der seinen Lebenspartner auch nur erwähnt, sehr schnell zur Stelle! Ficken produziert – lange vor der Fortpflanzung – schon Wirkungen und Lebensweisen, die sich sowohl privat, als auch in der Wirtschaft auswirken. Was in romantisierten Beziehungen und in geschlechtsunterschiedlichen Familienangehörigen und sozialen Gruppen wirkt, hat seine Entsprechung auch in der Oekonomie. Sei es die Geldwirtschaft, die theoretische Werte bis zu Unkenntlichkeit zusammenpappt, um ihnen dann den Stempel (ahem!) “subprime” aufzudrücken und diese dann zu “romantischen Preisen” zu verdealen. Sei es die Warenwirtschaft, die den Verkauf in immer grösseren Firmen organisiert, um die neuesten Produkte zu “romantischen Preisen” anzubieten, um noch mehr Gewinn zu machen und schon die Kids mit ihren “Labelprodukten” zu ködern…

“Gefickt” werden auch ganz bestimmte Gruppen von Arbeitskräften, indem sie die Macht des Marktes und der Globalisierung zu spüren bekommen. Nicht nur der “gewöhnliche Arbeiter” oder die Schwarzarbeiterinnen und “Sanspapiers” spüren den ökonomischen Druck und den Zwang, “entwertete – also abgelaufene – Produkte” in Billigläden zu kaufen. Auch die studierten und gut Ausgebildeten können sich nicht mehr sicher sein! Denn die Wirtschaft verändert sich unter dem Globalisierungsdruck so rasch, dass weder die “höhere Geburtenrate” bei der Produktion, noch die Anpassungsappelle durch Weiterbildung genügen können. Es ist also überflüssig, diesen traditionellen Möglichkeiten Vorbildfunktion zuzuweisen. Schnell werden für einen “Turm zu Babylon” in Arabien, oder den NEAT-Basistunnel unter der Schweiz riesige Kontingente – vor allem an Männern (ohne ihre Frauen!) gesucht. Ganz zu schweigen von den AusländerInnen, die über längere Zeit in fremden Städten und Kulturen wohnen und arbeiten müssen, möglichst mit einer Beziehung oder gar einer Familie. Oder für ein Chemieprojekt für eine Impfproduktion müssen schnell Menschen angestellt werden, die kurz nachher wieder “frei” sind, weil ja alles einmal ein Ende hat! In der abgelaufenen Zeit haben viele ProjektmitarbeiterInnen den Anschluss an die technologische Entwicklung schon wieder verpasst und oder müssen wieder einen neuen Job finden.

Es schiene theoretisch sogar, homosexuell orientierte Menschen würden unter diesen Bedingungen profitieren. Aber die gesellschaftlichen und ökonomischen Machtverhältnisse, der stete Wechsel und die persönliche Unsicherheit, zeigen sich auch innerhalb des gleichen Geschlechts. Und dies eben nicht nur an der grossen Reisefreudigkeit der Einkommensstarken. Unsere Wirtschaft drängt die Menschen mit dem Argument der Globalisierung noch mehr in die Vereinzelung. Statt ein Sportverein kommen Fitness-Studios zum Zug, die es ja überall auf der Welt gibt. Die Frauen sind nicht nur mit der Konkurrenz der Männer konfrontiert, sie stehen selber in Konkurrenz zu ihnen – in der Arbeitswelt. Der Heterror der heterosexuell geprägten (“produktiven”) Wirtschaft und Kultur hat längst auch die Homosexualität und die Schwulen vereinnahmt. Dieses System “fickt” uns!

Auch die private penetrationsbetonte Fickerei birgt seit über zwanzig Jahren gesundheitliche Gefahren. Der Anus ist der Ort der meisten Infektionen mit HIV. Auch hier regiert die Konkurrenz unter den Männern: Die einen wissen gar nicht, dass sie infiziert sind, die Anderen finden ungeschützten Sex gerade am geilsten…

Diese Unterwerfung unter “den Zufall” drückt sich heute in der resignierten Präventionsbotschaft “Risikomanagement” aus. Oder primitiver gesagt: Jeder ist seines eigenen Unglückes Schmied. So ist die vielbeschworene “Gay-Community” mit der verantwortungsvollen Solidarität schnell gestorben. Und auch hier spielen sie unter Männern das hetero Spiel mit der Schuldzuweisung – nachher. Immer wieder gibt es Gerichtsverfahren über Ansteckung auf der einen Seite, und über die Verteidigung der Rechte von HIV-Positiven auf der anderen Seite. So wie wir das auch zwischen Mann und Frau kennen.

Wir ficken niemals ausserhalb der Gesellschaft, wir (lassen) ficken – mittendrin!

Wir hätten Aussicht gehabt, eine andere Sexualkultur zu entwickeln. AIDS hat uns weggefegt. Erst mit dem Tod, dann mit der “Konkurrenz um den Virus”. Das Ueberleben mit HIV und AIDS hängt von der Wirtschaftskraft jedes Einzelnen und von der Solidarität untereinander ab. Ob die Krankenkassen weiterhin bezahlen werden, ist nicht garantiert. Und so einfach “weiterleben” mit HIV und AIDS ist tückischer als die meisten glauben. Denn die Pharmaindustrie verspricht uns immer mehr: Auch mit HIV lässt sich gut und gesund leben. Klar gegen Bares. Aber auf der einen Seite verlangen Lebensversicherer einen HIV-Test – und auf der anderen Seite sind Infizierte eine lukrative Zielgruppe, die intensiv in gay Magazinen beworben wird!

Darum lasst uns Kapitalisten ficken gehen, bevor sie neue Finanzpakete schnüren für die Börsen!

Peter Thommen60, Schwulenaktivist, Basel

Lafargue: Das Kapital ist Gott (Besprechung im Deutschlandfunk)

2009 Keine Schwulen am Tag der heterosexuellen Arbeit!

Texte 1996-1998

WETTBEWERB! “Lieber ein warmer Bruder als ein kalter Krieger!” Wer hat diesen Satz gesagt? Unter den Teilnehmern werden 5 Porno-DVDs – oder wahlweise ein Buch innerhalb CHF 30.- – verlost! email an bestellung@arcados.com   Genaue Adresse wird nur von den Losgewinnern verlangt!  Peter Thommen