Archiv für die Kategorie ‘Gedanken in die Zeit’

Homo-Ehe, Liebes Geschichten…

Mittwoch, 10. April 2013

Ich habe in den letzten Jahrzehnten den Eindruck gewonnen, gewisse Männer und Frauen wollten vor dem endgültigen Verschwinden der heterosexuellen Ehe auch noch etwas davon erhaschen. Anders kann ich mir den „unbedingten Wunsch nach Gleichstellung“ nicht erklären. Dabei hat die historische hetero Ehe soviel historischen Ballast im Rucksack wie die katholische Kirche Verbrechen in ihrer Geschichte.

Und wie immer spielen die Kinder dabei eine übersymbolisierte tragische Rolle! Sie waren schon immer die Leidtragenden in den „guten Ehen“ und werden erneut politisch instrumentalisiert für die „gute heterosexuelle Ehe“ und gegen gleichgeschlechtliche Paare. Kinder werden von Heterosexuellen für alles Mögliche vorgewiesen und gerechtfertigt, sie sollen jetzt wieder die (heterosexuelle) Welt (= das Abendland) vor dem Untergang wegen der Homo-Ehe retten. Und was besonders auffällt. Sie können das nur, schon damals und auch wieder heute, wenn sie in sexueller Unschuld/Unwissenheit gehalten werden.

Als ich kürzlich etwas über das biblische Kinderopfer von Isaak schrieb, recherchierte ich im Buch „Menschenopfer“, von Nigel Davies (1) und stiess dabei auf ungeahnte Opferungen von Kindern von vorgeschichtlicher Zeit bis in die nicht zu ferne Vergangenheit. Alles im Dienste des Erwachsenenwohls. Bei der Recherche nach Büchern mit schwulem Inhalt bin ich zufällig auf einen Band der „Mandingo Romane“ (2) gestossen, der in der Zeit der Sklaverei in den USA spielt und eine solche Episode enthält. Aber darin werden auch, unter anderen Gräueln, Arbeitssklaven mit schwarzen Mädchen gezüchtet! (3)

Ich will damit sagen, dass auch viel Schreckliches an dem schwarzen Frack und dem weissen Schleier von heterosexuellen Ehen hängt! Wollen wir uns mit all dem auch identifizieren? Ich sage nein! Aber trotzdem sollen auch Männer mit Männern und Frauen mit Frauen sich letztlich „verehelichen“ können, wenn sie das unbedingt wollen…

Kürzlich wurde übrigens in Kwazulu-Land eine Ehe zwischen zwei schwarzen Männern geschlossen, mit allem traditionellen Drum und Dran!

Hier zwei Männer in Papua-Neuguinea

Zurück – zur „eingetragenen Partnerschaft“. Diese, in der Schweiz institutionalisierte Form einer gleichgeschlechtlichen „Ehe“ droht bereits jetzt durch eine „Öffnung der Ehe“ für Schwule und Lesben überholt zu werden. Dabei wäre auch dieses Gesetz sicher bald korrektur- und überholungsbedürftig, wie das seit längerem schon dauernd mit dem Strafgesetzbuch und den Verjährungsfristen geschieht…

Liebesgeschichten von Homosexuellen haben sich bereits seit Jahren in Filmen niedergeschlagen. Auch die weitere Entwicklung wird filmisch gestaltet und überliefert werden. Nach Jahren der „coming out“ – Filme und Beziehungsdramen, bis zu „Cage aux Folles“, um ein Extrem zu nennen, kommen neue Regisseure mit neuen Geschichten und Inszenierungen. Das Interessante an der ganzen Entwicklung ist die Bemühung um „Gleichheit“ – mit dem Bestreben, eine ersehnte Gleichwertigkeit zu erreichen. Doch schon bei der „Gleichstellung“ von Frauen mit Männern herrscht und frauscht das bürgerliche Missveständnis der Gleichmacherei. Um gleichwertig zu sein, müssen nicht beide Hosen tragen, oder eine Burka, oder sich Bärte wachsen lassen…

Das Geheimnis der Natur, der Religiosität und der Philosophie liegt darin, dass VERSCHIEDENES gleichwertig sei! Neger malen sich deswegen ja auch nicht weiss an, ja nicht mal wie ein Zebra!

David Lambert bringt nun eine neue Film-Version mann-männlicher Liebe. Die Geschichte, die  Jenseits der Mauern  erzählt, ist eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern, „die zwar – wie jede Liebesgeschichte – ihre Eigenheiten hat, einen eigenen Ton, eine eigene Art der Kommunikation etc., und die sicher auch deswegen eigen ist, weil sie sich zwischen zwei Männern ereignet, die sich jedoch so ähnlich genauso gut zwischen zwei Frauen oder zwischen einer Frau und einem Mann abspielen könnte“. (Christoph Meyring zitiert David Lambert, den Regisseur dieses neuen Films, in Sissy 17/2013, S. 6)

Ich fürchte bis zur Gewissheit, dass Lambert hier Birnen mit Äpfeln und Zitronen mit Orangen vergleicht! Vielleicht lässt sich eine Liebesgeschichte wirklich in den obigen Kombinationen „ab-spielen“. Dann ist sie aber nur gespielt. Ohne Sicht auf Inneres, oder auf Identitäten. Und ich fürchte, die ZuschauerInnen glauben das auch alles!

Niemals kann sich etwas erotisch-sexuelles „gleich“ in Männern und in Frauen abspielen und schon gar nicht in Männer- oder Frauenpaaren. Homosexualität kann nicht einfach nur die homo Version der Heterosexualität von hinten sein! Ich weiss, Vielen erscheint das so. Und viele Männer und Frauen haben das auch lebenslänglich so gespielt. Und viele Frauen spielen „Lesben“, um Männern zu gefallen. Aber wenn Männer „auf den Hund“ kommen und unterwürfig „Doggie“ spielen, wollen sie noch lange nicht einen realen Hund heiraten!

Heteras können nicht glauben, dass es psychische und kulturelle Absichten und Erlebnisqualitäten zwischen Männern geben kann, bei denen sie aus-serhalb bleiben müssen. Die Frauenbewegung hat zwar zu zeigen versucht, dass sie „es“ auch ohne Männer kann. Das gleiche aber mutet sie Männern nicht zu. Und es gibt ja auch keine ernsthafte Männerbewegung oder so was…

Ich kann nur aus der Sicht eines Mannes beschreiben, was mich mit anderen Männern verbindet – nicht nur mit Schwulen oder Bisexuellen. Das geht über das gegenseitige Verständnis und Wissen um Körper und Sexualität hinaus. Ich denke da gar nicht an geheime Sachen. Es gibt keine Geheimnisse mehr um die Sexualität! Jedenfalls ficken wir niemals ausserhalb der Gesellschaft, sondern mitten unter den Hetero/as. Es wirkt auf mich zurück, wenn ich der sexuell motivierten Gewalt gegen „Weiblichkeit“ ausgesetzt bin. Aber auch, wenn ich dem sexuell motivierten Terror zum Sex mit dem anderen Geschlecht ausgesetzt bin. Und das kann von beiden Geschlechtern/Eltern ausgehen, von Kindheit an.

Es nützt also nichts, wenn sexuelle Praktiken verglichen werden. Eine Frau anal penetrieren hat nicht die gleiche Bedeutung, wie einen Mann. Auch kann ein Männerpenis in einem Männeranus nicht verglichen werden mit einem Strap-on (Umschnalldildo und einer Frau daran) am selben Ort. Mich erstaunt schon, wie schnell gewisse Frauen das gleichsetzen können. Auch die anale Penetration einer Frau durch einen Strap-on ist nicht das gleiche. Und wenn Männer Frauen anal penetrieren, dann praktizieren sie zwar Homosexualität, aber allein schon den Gedanken daran, weisen sie weit von sich. Wie kann Frau also ihre Passivität mit derjenigen eines Mannes vergleichen?

So einfach also entwickelt sich die Psyche von Männern und Frauen nicht in die gleiche Erlebnisqualität, so dass sich alles „ebenso gut zwischen allen abspielen“ könnte, wie oben behauptet. Und Kinder spielen da auch noch eine differenziertere Rolle dabei!

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

Sybille Berg und die Homo-Ehe

Papst Johannes Paul II. 1979 über Ehe und Homosexualiät

(1) Nigel Davies: Opfertod und Menschenopfer, Ullstein 1981/83, 390 S.

(2) Lance Horner, Kyle Onstott (hier konkret): Der Mandingo von Falconhurst, Heyne, 1966/1977, 390 S.

(3) Bereits bekannt waren mir die „Schwarze Pädagogik“ von Katharina Rutschky, sowie „Hört ihr die Kinder weinen (Lloyd deMause, (Hg.).

Katharina Rutschky: Schwarze Pädagogik. Quellen zur Naturgeschichte bür-gerlicher     Erziehung, Ullstein 1977, 600 S.

Lloyd deMause (Hg.): Hört ihr die Kinder weinen. Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit. Suhrkamp 1974/78, 600 S.

China: Geld macht Ehe (DLF)

Homosexuelle als Sündenböcke in der Homo-Ehe-Diskussion, von David Signer, NZZ

Bettina Weber im TA: Die Ehe ist gar nicht mehr so attraktiv, wie ihre Verteidiger tun!

P.S. Eine Mutter, die in Frankreich ihren dreijährigen Sohn mit einem T-Shirt mit der Aufschrift “Ich bin eine Bombe” und “Jihad, geboren am 11. September” in den Kindergarten schickte, ist einer Strafe entgangen – dank dem Gericht in Avignon.  Das Gericht sprach die 35-Jährige frei vom Vorwurf der “Verherrlichung von Verbrechen”, da keine unmissverständ-lichen Hinweise dafür vorgelegen hätten. Der Junge sei am 11. September 2011 zur Welt gekommen und Jihad getauft worden. (SDA, BaZ 11.4.2013, S. 14)

P.S. Eine 41-jährige Mutter (im katholischen Polen, PT) hat drei ihrer neugeborenen Babies getötet und zu Hause in einer Tiefkühltruhe aufbewahrt. Die Frau, die noch vier weitere Kinder im Alter von 6 bis 22 Jahren hat, wurde verhaftet und hat gestanden.  (AP, NZZ 11.4.2013, S. 24)

Diese Meldungen sind fast immer unter “in Kürze” oder “Diverses” zu finden. Obwohl ich Zeitungen unregelmässig lese, stosse ich immer wieder darauf.

Das Osterei als schwules Symbol

Donnerstag, 28. März 2013

gewidmet René Reinhard, 18.11.1939 – 5.4.2013 *

Während die Heteros seit über zweitausend Jahren von der Fruchtbarkeit schwafeln und die Hühner und Gockel für unfähig betrachten, ihre eigenen Produkte zu verteilen, haben sie auch noch den „sexbesessenen“ Hasen für diese Aufgabe erwählt.

Doch so fruchtbar ist die ganze Angelegenheit gar nicht! Denn Ostereier sind ja „unbefruchtet“, sonst sind sie nicht essbar! Und für Leute, denen die bemalten Eier schon lange auf den Sack gehen, ein Färbetipp: Eier mit Bindfaden umwickeln oder darunter noch Blätter und Gräser beigeben, oder alte abfärbende Krawattenstücke – und diese in einem Sud von Kaffee oder Zwiebelschalen (drum wickeln) kochen.

Aber ich sehe schon, dass Einige sich jetzt den Vogel machen! (lol) Was haben Ostereier mit Schwulen zu tun? Naja, bunt wie ein Regenbogen sind sie meistens schon. Und Eiertütschen findet nicht nur unten statt, sondern mittels verbalen Stössen auch oben durch, was zeigt, wie gemein und wie „eindrücklich“ Schwestern sein können…

Ich habe allerdings kein Hodentrauma, wie man vermuten könnte. Obwohl ich mich an eine Begegnung in einer Klappe erinnern kann, bei welchem der geile Kerl nicht dahin griff, wo ich es gerne gehabt hätte, sondern an meine Eier – und kräftig drückte. Aber in diesem Bereich gibt es noch ganz andere Fetische…

Den Ostereiern wird also die Fortpflanzung vorenthalten, damit sie als „unfruchtbare“ Delikatesse bei Menschen auf den Tisch kommen! So ähnlich wie man/frau es den Schwulen vorwerfen tut – aber das kommt nicht auf den hetero Tisch. Weder Hühner noch Hähne beschweren sich. Fürs wirt-schaftliche Eierlegen braucht es zwar einen Gockel, aber er soll die Hühner nicht besteigen. Allein die Vorstellung der Hühner, was der durch einen Drahtzaun von ihnen getrennte Gockel mit ihnen alles anstellen würde, ist schon wieder sehr „schwulenfreundlich“.

Die dünne Schale des Eies, zwischen innen und aussen, symbolisiert für mich auch die Nähe von Männersex und Fortpflanzung. Mit anderen Worten: Die Homophobie ist ein zerbrechlicher Schutz vor der Neugier aufs andere Ufer, jenseits der Fortpflanzung. So frönen denn viele menschliche Gockel der ho-mosexuellen Lust, ohne dass es die Hühner bemerken, oder überhaupt zur Kenntnis nehmen wollen.

So dünn wie die Schale ist auch die Maske der Junghomos gegenüber der Familie und der Gesellschaft. Jederzeit kann sie einbrechen und ihr schwules Gedankenparadies zerdeppern. Bei vielen Junghomos kleben Reste davon noch hinter ihren Ohren, die ihnen den Selbsthass und die Homophobie in Erinnerung behalten, denen sie ungefragt immer wieder begegnen müssen.

Auch die sogenannte „Toleranz“ ist nur so dünn wie Eierschalen, denn sie hat strenge politische Altersgrenzen. Wie schnell wollen Mütter, PolitikerInnen und Staatsanwältinnen einen Schwulen „für immer wegsperren“, während es normal ist, dass junge Mädchen von erwachsenen Männern „eingeführt“ wer-den – oder junge Knaben von erwachsenen Frauen. Da träumen die letzteren schon mal öffentlich in Leserbriefen zu Berichten über „Sexualtäterinnen“ davon, dass sie „es“ schon immer mit ihrer Lehrerin, Nachbarin, etc. gewollt hätten. Ich wage nicht, mir vorzustellen, wenn Schwule in aller Öffentlichkeit ebenso von Lehrern, Erziehern, Sozialarbeitern träumen, mit denen sie in ihrer Jugend so gerne…

Hingegen ist es „normal“, wenn Eltern, Schule und andere Gruppen die schwulen Eierschalen eines Junghomos unabsichtlich oder auch absichtlich eindrücken, bis der ganze Inhalt ausgelaufen ist. Die MoralistInnen entscheiden schliesslich, wer das Opfer zu sein hat, unbekümmert darum, ob der Kontakt „einvernehmlich“ war oder nicht. Meistens ist eben schon die Homosexualität an sich „der Missbrauch“. Dieser Umstand ist immer von Anfang an abzu-fragen, bevor Schuldzuweisungen aufgehäuft werden.

Der neue Feminismus bekämpft den Penis und vergöttert die Jungfrau Vagina. Sie ist heilig und kann bereits über Leben und Tod – auch von Schwulen ent-scheiden, denn wir haben ihm die Abtreibung überantwortet. In Indien werden Mädchen durch Ultraschalluntersuchungen festgestellt und anschliessend ab-getrieben. Nicht zuletzt auch unter dem Druck von Schwiegermüttern. Was hat das mit Schwulen zu tun?

Bevor ich darauf eingehe, möchte ich daran erinnern, dass es auch im weib-lichen Körper Eier hat, die befruchtet werden können.

Und nun zu Jonathan Tolins, einem Theaterautor aus den USA. Er schrieb das Stück „Der letzte der Golds“, 1993 uraufgeführt am Booth Theatre in New York. Später aufgeführt in der Komödie Basel. 1994 adaptiert als Hörspiel für SRF von Claude Pierre Salmony.

Die Geschichte handelt in einer fiktiven Zeit, in der die sexuelle Orientierung genetisch ablesbar ist. Dean Hamer hatte 1993 angeblich ein „Schwulen-gen“ (XQ28) gefunden. Tolins führte dessen Theorie in ein konkretes Drama über. Darin erwartet die Schwester eines Schwulen einen homosexuellen Sohn. Die Diskussion führte darum, ob er abgetrieben werden sollte oder nicht. Ich war Zeuge der Publikumsdiskussion, die nach der Aufführung angesetzt worden war. Es wurde behauptet, das zentrale Thema sei gar nicht die Homosexualität, sondern die Abtreibung. Man könnte mir jetzt wie immer unterstellen, ich sei „frauenfeindlich“. Aber es fällt schon immer wieder auf, wie soziale Stress-Situationen beschrieben werden, wenn Frauen „beteiligt“ sind, oder wie deren Verantwortlichkeit „entschärft“ wird.

Der jüdische Autor beschreibt eine kulturell doppelt „gebundene“ Situation. Einerseits wird man nur jüdisch durch eine jüdische Mutter, andererseits zieht diese Kultur die Männer vor. Einerseits hat die „Mutter“ einen schwulen Bruder und andererseits soll sie einen „unfruchtbaren“ Sohn austragen. Sie steht also in einem familiären UND kulturellen Dilemma! Soll die jüdische Mutter ihren Bruder für eine Abtreibung um Verzeihung bitten? Oder ihre Familie für einen schwulen Sohn?

„Die Eltern und Rob drängen Suzanne zur Abtreibung. Suzannes schwuler Bruder David kann es nicht fassen, dass seine bis dahin so liberalen Ver-wandten so denken. Er kämpft um das Leben seines ungeborenen Neffen. Schließlich überzeugt er Suzanne, das Kind auszutragen. Aber unter dem Druck ihres Mannes und ihrer Eltern entschließt sie sich doch zur Abtreibung – viel zu spät: Sie wird nie wieder ein Kind bekommen können. „ (aus dem Inhalt)

Und einmal mehr geht es „heterofriendly“ ab: „Entscheidend ist dabei nicht immer die Homosexualität an sich, sondern die Bedeutung, welche die einzelne Mutter der gesellschaftlichen Meinung und Erwartung beimisst.“ (Claudia Mül-ler: Mein Sohn liebt Männer, 2008, S. 98)

Peter Thommen_63, Buchhändler, Schwulenaktivist, Basel

Gästebuch

 

* er hätte geschmunzelt über diese Ostereier…

Junghomos leben in “Parallelwelten”!

Donnerstag, 14. März 2013

Viele Hetero- und Homosexuelle glauben, man könne “nur schnell ins Internet gehen”, um diese oder jene zu finden. Ausserdem bieten sich Menschen im Internet auch wie Waren an, was beim Kauf zu grossen Enttäuschungen und Missverständnissen führen kann.

Die meisten Hetero/as glauben auch, Homosexualität gehe nur “die paar Schwulen” etwas an, obwohl ihre hetero Männer mehr Homosexualität praktizieren als alle Schwulen unter sich! Dieser Eindruck hat sich bei mir nach 10 Jahren verfestigt.

Und die meisten Schwulen nehmen nicht zu Kenntnis, dass der grösste Teil der Darsteller in den Gaypornos gar nicht schwul ist. So viele Gays sind dafür gar nicht zu bekommen. Und es macht den Darstellern offensichtlich Spass… (auch schon bevor es Viagra gab!)

Es gibt Junghomos, die andere als “alte Säcke” bezeichnen und Angst haben. Wovor eigentlich? Vor deren Sexualleben? Dabei ist das Sexualleben der Alten das, was die Junghomos auch in ihrer Zukunft haben werden! Gut, es im Voraus zu wissen. Und jede Anmache kann man höflich oder doch bestimmt auch zurückweisen.

Menschen, die einem  ”nicht passen” werden im Internet einfach “blockiert”. Mit wem ein Junghomo nicht ficken kann/will, mit dem ist auch ein normales Gespräch nicht möglich. Aber zudringliche “alte Säcke” habe ich in meiner Jugend auch real “überlebt”. (Und heute gibt es auch zudringliche “junge Säcke” im Internet, die es auf Alte abgesehen haben. Dies sei auch erwähnt!)

Wenn ich vom “Internet” schreibe hier, dann denke ich an Kontaktplattformen, Foren und Chats. An den “schwulen Markt”, wie viele meinen. Und an die gay Pornos kommt mann auch kostenlos… Ich will aber auch von der Realität im Milieu und im Leben schreiben, von der viele Junghomos einfach nicht Kenntnis nehmen wollen. Dabei gefährden sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Mitschwulen und dazu noch die “Boyschwulen” in der Zukunft… Doch eines nach dem andern.

Die Devise scheint zu sein: Wo keineR was sagt, wo nichts passiert, da ist ja auch keine Gefahr für die heimlich gelebte Homosexualität. Nach der Heterofamilien-Devise: Bei uns gibt es “sowas” nicht – und wir wollens auch nicht wissen. Schon in der “normalen” Gesellschaft gilt die bewusst gelebte Sexualität generell als “Anti-Kultur” und wird ins “private” Kämmerlein “zum spielen” verwiesen. Das geht ja Niemanden etwas an. Ich kann dem leider nicht zustimmen, denn ich muss in allen Medien über das Sexleben sehr vieler Heteros – ungewollt lesen und hören – ausser vielleicht auf der Börsenseite nicht!

Schon die Geschichte der Verfolgung von Homosexualität zeigt, wie öffentlich das ist und wie sehr sich Heteros dafür interessieren! Und selbstverständlich interessieren wir Schwulen uns auch für die Heterosexualität (?), denn noch selten sagt ein Schwuler zu Heten: “Interessiert mich denn das?” Umgekehrt dann schon eher!

Wir sind für die Gesellschaft nur interessant, wenn sie uns bestaunen, bestrafen oder uns diskriminieren kann. Ansonsten erwartet sie von uns eine “vorgelebte Asexualität” – von Kindsbeinen an. Früher nannten besonnene Männer sowas “Homophilie”. Interessanter-weise geht es dem verwandten Wort “Pädophilie” genau umgekehrt! Was als Begriff ohne Sexualität geschaffen wurde, wird gezielt “sexualisiert” und als Bezeichnung für sexuelle Übergriffe missbraucht. Im Strafgesetz finden sich aber ganz andere Begriffe – die keineR verwenden will. “Pädophilie” trifft gesellschaftspolitisch “besser”…

Nach gehäuften Morden an heimlichen Homosexuellen, die in den 60ern über Zeitungen an die Öffentlichkeit gelangten, kam in den 70er Jahren der Schritt von der “Homophilen-Organisation” zur Homosexuellen Arbeitsgruppe. Denn wer die Chance der damaligen Sexualstrafrechtsreform nutzen wollte, musste hart arbeiten und lobbyieren – auch öffentlich! (Schutzalter hetero: 16, homo: 20, von 1942-1992)

Auf dem Plakat, welches “homophobe Gewalt” thematisiert steht übrigens: “Was nicht gemeldet wird, ist nie geschehen. Und was nicht gemeldet wird, muss auch keineR zur Kenntnis nehmen. So einfach ist die Strategie des Heterrors.

Wenn ich darauf hinweise, dass Junghomos in Parallelwelten leben, dann meine ich auch, dass sie in einer Art “Anti-Realität” leben. Alles “Schöne, Gute, Liebe, Ehrliche und Treue” ist für sie reserviert und muss nur noch gefunden werden – im Internet. Der fiktiv Angebetete heisst “Mr.Right”. Dies hat eine religiöse Dimension – auch auf der “richtigen” Seite der Gesellschaftspolitik: Gewalt, Diskriminierung, Mobbing. Da braucht es weder Koran- noch Bibelverse dazu. Aber meistens dienen sie zur Rechtfertigung…

Aber das passiert Junghomos nicht – wenn sie nur genug “hetero-like” sind. Es heisst immer wieder auf Profilen: “Wer ficken will muss freundlich sein”. Ich sage aber, wer nicht mit Heteros “gesellschaftspolitisch ficken” will, muss freundlich sein und die eigene Anpassung perfektionieren. Aber ich kenne leider keinen Fall, bei dem sich die hetero Gesellschaft nachträglich als “dankbar” dafür erwiesen hätte…

Seltsamerweise erfahren wir aktuell nur übers Internet und schwule Medien über die Selbsttötungen schwuler Jugendlicher. Das passt nicht in die Vorstellungen von Heteros/as. Wie können Kinder schwul sein? Das können die noch gar nicht wissen, erhielt ich schon vor Jahren als Antwort auf dem Jugendamt, wo ich eine Studie über Jugendgewalt persönlich abgeholt hatte. Zurzeit ist das Thema in den USA aktuell. Nichts „wird besser“ – leider! Es nützt nichts, wenn “die Hoffnung zuletzt stirbt” – trotz ihr aber schon Dutzende sterben mussten.

Statt uns über irgendeine allgemeine Gewalt in der Gesellschaft – oder gar die von Migranten zu verbreiten, sollten wir uns erst mal über die eigene Gewaltgefährdung im Klaren werden. Wir können eben nur in theoretischen Überlegungen auf die Hilfe von Mitbürgern zählen. Denn so schnell sie uns diskriminieren können, so schnell verlässt sie der Mut, den man auch “Courage” nennt, einem Schwulen zu Hilfe zu eilen, weil jeder Hetero selber gefährdet ist, als Schwuchtel enttarnt zu werden. Ganz zu schweigen, dass Heteros auch in diesen falschen Verdacht kommen und quasi in ihrer eigenen Gewalt-Falle gefangen sind…

Dabei hat jede Art von Gewalt gegen Menschen etwas mit “Sexualität” zu tun. Nicht unbedingt mit den Genitalien, aber zumindest hat jedes Opfer ein Geschlecht und wird deswegen, oder gar damit geschädigt. Es gibt nicht nur “sexuelle Gewalt” (auch gegen Männer!), vielmehr gibt es auch “sexuell motivierte” Gewalt – auch ohne Einbezug von Genitalien (Penis wie Vagina!). Und weil die Genitalien da meist nicht direkt eingesetzt werden, wird das auch nur selten erkannt und benannt. Zudem ist es für Heteros/as “normal”, wenn sich Männer oder Jungs prügeln – aber nicht, wenn sie sich wixen oder küssen!

Ich bin bei einem wichtigen Punkt angelangt, der den Schlüssel zu vielen Problemen von Junghomos und Klemmschwestern bietet. Jeder Heimlichtuer wird gestresst dafür, dass er sich dauernd anpassen darf. Aber jeder gefährdet da auch andere Schwule mit. Dadurch, dass sich die einseitige öffentliche Wahrnehmung nur von Tunten und Schwuchteln für viele verstärkt – selbst auch für Homosexuelle. Daraus folgt die Homophobie, von vielen Schwulen sogar selber “verinnerlicht”. Die Gesellschaft kann durch angepasste Klemmschwestern niemals erfahren, wie viele Männer anderen Männern für Sex nachrennen und dass das alles mit Weiblichkeit sehr wenig zu tun hat.

Zudem fehlt damit den Junghomos auch ein “normales” Homo-Bild, mit dem sie sich, wie die Heteros, auch identifizieren könnten. Schwulsein bedeutet nicht, “so werden zu müssen” wie die, “die man eh schon sieht”. Schwulsein bietet auch eigene Entwürfe, auch ohne “hetero-like“-ness! Die ganze Vielfalt an schwulen Männern muss öffentlich sichtbar werden. Dann lernen vielleicht auch die Klemmschwestern, diese Vielfalt selbst zu akzeptieren. Denn nur derjenige, der weiss wer er selber ist, muss keine Angst haben, “so wie jener” zu werden. (P. Thommen)

Die Homosexuellen Arbeitsgruppen und die Schwulenbewegung insgesamt hat übrigens nicht nur gekämpft für die Homosexualität als Orientierung, sie hat auch gearbeitet dafür, dass alle Anderen auch mal schwul sein dürfen, oder auch nur Homosex praktizieren – ohne dafür bestraft zu werden. Die Dummis habens nur noch nicht gemerkt. Und wir Schwulen sind dann der Blitzableiter für ihre Gewissensbisse.

Und genau da drin sind auch Junghomos und Klemmschwestern verstrickt. Da ist auch der “heterosexuelle” Damm aufgebaut, gegen “das Aussterben der Menschheit” und gegen den “homosexuellen Missbrauch von Kindern”, wobei damit meistens Knaben gemeint sind, denn Mädchen und Frauen haben ja nix, womit sie einander oder die Männer missbrauchen könnten (?). (Drum blieben die homosexuellen Aktivitäten von Frauen weitgehend straffrei in vielen Kulturen.)

Und nach der heterosexuellen Logik sind “schwule” Kinder eh von homosexuellen Männern missbraucht worden und werden dann wiederum zu Tätern an anderen Kindern. Aber bei dieser feministischen, männer-zentrierten Missbrauchsideologie vergessen alle, dass wenigstens bei den hetero Männern, vorher sehr viele Frauen am Werk gewesen sein müssten. (Über einige davon gibt es auch Literatur, die man aber suchen muss.)

Wenn ich aus heterosexueller Sicht davon ausgehe, dass Frauen den Knaben nur die “richtige Sexualität” zeigen würden – und darauf lassen viele Leserbriefe auf entsprechende Meldungen in der Presse schliessen, warum fragt dann niemand, was Frauen den homosexuellen Knaben anzutun imstande sind? Der heterosexuelle Familienkomplex wird nie hinterfragt. So wie Mütter über die sexuelle Orientierung der meisten schwulen Söhne einfach hinwegsehen, in der Hoffnung, “das vergehe” schon wieder.

Da wurde über Tiziano Ferros coming out berichtet. Die liebende Mutter wurde erwähnt, die “endlich froh” gewesen wäre, “ihn nicht mehr leiden sehen zu müssen”. Bei sowas krieg ich die Wut in den Hals! Warum hat denn die “liebende Mutter” nur zugesehen und ist nicht wie eine sprichwörtliche Wölfin mit ihrem Sohn den notwendigen Weg “hinaus” gegangen? Ach, er hat halt für seine Mutter gelitten? Einen grösseren Schwachsinn kann ich mir gar nicht mehr vorstellen!

Ich habe nun versucht, die wichtigsten Zusammenhänge aufzuzeigen, die ich verantwortlich dafür mache, dass nachrückende Generationen von Schwulen – also die Junghomos – den öffentlichen Raum immer weniger selbstbewusst und solidarisch betreten und in ihm leben – als Schwule verschiedenster Ausprägung, ja auch als Tunten – oder von mir aus auch als “Queers”. Es ist üblich geworden, der Schwulendiskussion auszuweichen, indem das Wort Queer verwendet wird. oder Abkürzungs-Monster wie LGBT*Q… Das ist cooler. Aber wem nützt das?

Den fast ausschliesslich “sichtbaren” Tunten nicht. Und auch den unsichtbaren Klemmschwestern nicht. Dieser öffentliche Raum und die offenen/öffentlichen Diskussionen mit den Heteros müssen wieder erobert und belebt werden. Das geht über die nächsten Verwandten und Bekannten hinaus, die “eh schon tolerant” sind. Denn sonst hinterlassen diese “stummen” Räume Gewaltbetroffene oder sogar Tote! Jeder ist zuviel!

Der Überfall mit Baseballschlägern vom 5. Januar 2012 am Stachelrain/Solitude ist von der Polizei auch nicht als Gewalt gegen einen Schwulen kommuniziert worden, obwohl ihr bekannt sein muss, dass dort ein Schwulentreffpunkt ist. Hätte aber ein einzelner Jugendlicher da einen Schwulen zum wixen getroffen, wäre das Urteil sehr leicht gefallen…

Wir sollten auch zur Kenntnis nehmen, dass in allen „Räumen“ – und besonders in „immer mehr Frauenräumen“, wie das am Frauentag 2013 verlangt worden ist, kein Platz für Homosexualität – schon gar nicht von heterosexuellen Männern ist! (Man lese das bitte zweimal laut!)

Es gibt nachgerade EINE öffentliche Schwulenbar in Basel – und erst noch in einem hetero Puff. Die Parties finden in hetero Locations statt und diese Stadt hat schon sehr lange keine Schwulendemo mehr gesehen. Ganz zu schweigen von Schwulen, die an öffentlichen Diskussionen teilnehmen würden. Gut. Die öffentlichen Sex-Diskussionen drehen sich auch meist um den “Missbrauch” von Kindern. Und da fühlen sich – trotz den erwähnten Selbsttötungen – natürlich Junghomos und Klemmschwestern nicht davon betroffen.

Ich fürchte darum, dass irgendwann irgendwelche Klemm-Heteros vor dem L39 auftauchen werden – trotz dem Bordell im übrigen Haus. Dass sie vor den Clubs auf schwule Partygäste warten werden…

1985 fand ich in einer italienischen Modezeitschrift diese beiden…

Dies alles, weil Schwule immer mehr abtauchen und aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden – oder nur noch als”herzige Pärchen” in einträchtiger, äh eingetragener Partnerschaft, in Erinnerung bleiben. Wollen wir das?

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel  (thommen(at)arcados.com)

Kommentare sind willkommen und werden auch anonym publiziert!

Thommen: Der ewige Abgesang auf die Szene, (dazu siehe auch Henschel, über Veränderungen in der Szene)

Thommen, schwules Leben in der  Stadt, 1977-97

Rückblick auf die Szenen-Entwicklungen des letzten Jahrhunderts: Verpass keine Party!

Gästebuch Th’Senf

Kinder dürfen SO und “anders” lieben!

Freitag, 22. Februar 2013

Udo Rauchfleisch ist ein ausgewiesener Fachmann im Bereich sexueller Orientierung und Psychotherapie. Seine Bücher sind Marksteine in der Diskussion um die Entpathologisierung von Homosexualität. Aber auch zur Transsexualität trägt er wichtige Informationen bei.

Ich selbst bin schwuler Buchhändler und ein Kind der neueren Schwulenbewegung. Es ist für mich wichtig, Fachliteratur in gesellschaftliche Zusammenhänge zu setzen und sie auch zu kritisieren. Weniger vom Fachlichen her, als vielmehr von den gesellschaftspolitischen Wirkungsmöglicheiten ausgehend. Ich bin daher mit meiner ersten Kritik auf gaybasel.ch beim Autor auf Erstaunen gestossen.

Es gibt zwei grundlegende Prinzipien sich mit Homosexualität zu befassen. Das eine sind Fachleute, die über das Thema und die daran Beteiligten* schreiben oder referieren und das andere ist das direkte Gespräch mit ihnen. Fachleute wie Rauchfleisch haben geholfen, das Thema aus der Krankheits-Ecke herauszuholen und die Schwulenbewegung hat es fertiggebracht, dasselbe aus den Toiletten auf die Strasse und in die Medien zu holen. Das reicht aber überhaupt noch nicht aus! Wir sind heute an dem Punkt, an welchem es klar werden muss, dass Homosexualität nicht allein eine „Orientierung“, „ein Fetisch“, oder eine „sexuelle Praktik“ einer vernachlässigbaren Minderheit ist. Denn damit sind Schwule das Stigma noch nicht los!

Ich bin 1950 geboren und somit in einer Zeit, in welcher „die homosexuelle Phase“ ganz normal der Kindheit und Jugend zugestanden worden ist, indem man/frau hoffte, diese sei eine „vorübergehende“. Die strafrechtliche Verfolgung und die gesellschaftliche Verfemung setzten ein, wenn diese „Phase“ definitiv bis ins Erwachsenenalter beibehalten wurde. Dann begann sie zu „stören“. Das frühere „Schutzalter“ von 20 Jahren – von 1942-1992 – brachte dies auch kriminalpolitisch zum Ausdruck! (Jungs und Mädchen durften damals schon ab 16 Jahren miteinander!)

Der erste Schritt bestand also darin, die homosexuellen Erfahrungen der Heranwachsenden zu entkriminalisieren und dieses Schutzalter für Sexualität allgemein und für alle Beteiligten, also die einverständliche „Jugendsexualität“, auf 16 Jahre herabzusetzen. Doch wir haben nicht damit gerechnet, dass sich die Politik und Justiz noch längere Zeit für den „politisch korrekten“ (hetero) Sex engagieren würde! Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass der Jugendschutz nach wie vor ein wichtiges Anliegen in weiten Kreisen der „korrekten“ Bevölkerung ist, während das Alter der sexuellen Aktivitäten stetig sinkt! Gleichzeitig sind die Grenzen zwischen den hetero und homosexuellen Aktivitäten ebenfalls gefallen und können nicht nur mit Orientierung und Identität verbunden werden!

„Es gibt viele heterosexuell orientierte Menschen, die ebenfalls homosexuelle Bedürfnisse haben und diese unter ebenso schwierigen Bedingungen befriedigen müssen, wie Schwulis. Es geht eben nicht nur darum, dass heterosexuell lebende Menschen sich plötzlich in einen des gleichen Geschlechts „verlieben“ können. Sie können gelegentlich, oder regelmässig, mit dem gleichen Geschlecht auch Sex machen. Und nach über zehn Jahren Internet behaupte ich, dass dies mindestens ein Drittel der Männer auch tut.“ (Th.)

„Aber was nützt einer Mutter der Begriff der „Kern-Geschlechtsidentität“, wenn sie Angst hat, ihr Sohn werde anal vergewaltigt? Diese Angstbilder vermeidet er geflissentlich. Frauen haben keine Prostata und kennen die anale Lust nicht aus dieser Erfahrung!“ (Th.)

Mit dem Titel „Mein Kind liebt anders“ wird für Eltern niemals klar werden, dass es auch eine Homosexualität „jenseits“ einer „Fixierung“ darauf gibt und dass das Kind die Freiheit haben sollte, sie auch „neben seiner heterosexuellen oder bisexuellen Orientierung“ zu nutzen. Es gibt sehr viele Schwule, die öfters und regelmässig sexuelle Erfahrungen mit Heterosexuellen machen, diskret und anonym natürlich. Und der bekannteste Spruch der Bisexuellen lautet: „Ich bin verheiratet.“ Oder „Ich habe eine Freundin.“ – „und das soll sich auch nicht ändern.“

Mit der Einschränkung der Homosexualität auf eine „Orientierung“ und deren Fixierung auf ein ganzes Leben, wie bei der Heterosexualität, werden gesellschaftliche Tatsachen ignoriert. Ganz zu schweigen davon, dass es viele hetero orientierte Männer gibt, die sich tatsächlich nach 20 bis 30 Jahren „umorientieren“, aber damit nicht plötzlich zu „Schwulen“ werden.

Ich möchte dem Autor die Anregung geben, die Joachim Braun und Beate Martin schon im Jahr 2000 im Rowohlt Verlag umgesetzt hatten, mit ihrem Buch „Gemischte Gefühle“. Darin bekommen Heterosexuelle vorgesetzt, dass sie selber auch ein „coming out“ haben, eine „Szene“ und eine „Orientierung“. Und nicht wenige homosexuell Orientierte können oder wollen sich auch fortpflanzen…

Nun, inzwischen haben wir ein Gesetz über die „eingetragene Partnerschaft“, Forderungen nach Adoptionsmöglichkeiten wie bei der Hetero-Ehe und sind an einem öffentlich wahrnehmbaren Punkt angelangt, der die faktische Durchmischung von Heterosexualität und Homosexualität aufhebt und sie jeweils in eine Ausschliesslichkeit zwingt, die jenseits aller empirischen Daten ist! Naiv ist, der sich nichts dabei denkt…

„Im Allgemeinen haben Frauen mit Homosexualität wesentlich weniger Probleme als Männer.“ (Rauchfleisch)

Es gibt keine realen Befunde, die das erhärten würden, nur Äusserungen. So manche Frau gibt sich „tolerant“, wenn es aber um ihren Ehemann oder ihren Sohn geht, sieht alles wieder anders aus. Das habe ich an einigen Beispielen, die ich hier nicht referieren kann, schon sehr eindrücklich erlebt!

„Die Ergebnisse dieser Untersuchung verdeutlichen, dass die Formen, in denen sich die mütterliche Einstellung ausdrückt, dem Einfluss eines gesellschaftlichen Stigmas unterliegen. … Entscheidend ist dabei nicht immer die Homosexualität an sich, sondern die Bedeutung, welche die einzelne Mutter der gesellschaftlichen Meinung und Erwartung beimisst.“ (1)

Dies der Befund von Claudia Müller in ihrer nichtrepräsentativen Arbeit „Mein Sohn liebt Männer“, eine qualitative Studie über einige Mütter. Nicht zuletzt habe ich die Erfahrung gemacht, dass sehr viele Jungs es nicht wagen, mit ihren Müttern über Sexualität zu reden und sich – gemäss einer vergangenen Studie – 30 % der Bisexuellen eher das Leben nehmen würden, als mit ihren Frauen über ihre homosexuellen Bedürfnisse zu sprechen.

Nehmen wir also die „Homosexualität“ aus der „Orientierung“ heraus und stellen sie ALLEN Männern zur Bedürfnisbefriedigung zur Verfügung, dann enthält dies erheblichen gesellschaftspolitischen Sprengstoff. Von der Reaktion von Frauen ganz zu schweigen. Ich habe einige kulturgeschichtliche Werke zur Sexualität gelesen und dabei gelernt, dass es immer das Bestreben der Gesellschaft war, erstens die Frauen zu „versorgen“, denn früher gab es für Unverheiratete, ledige Mütter und Geschiedene oft nur niedrige Arbeit, schlechte Bezahlung, oder die Prostitution, und zweitens die Männer unter „die Haube“ ** zu bringen, damit sie sexuell versorgt und keine Gefahr mehr für andere Frauen seien…

So erscheint mir die „Schwulen-Ehe“ historisch den gleichen politischen Weg zu nehmen, obwohl eigentlich alle wissen, dass diese Ideologie im Leben für die Allgemeinheit nichts taugt! Und schon sind PolitikerInnen daran, die MigrantINNen-Prostitution zu instrumentalisieren und die sexuelle Freiheit ab 16 Jahren für beide Geschlechter weiter einzuschränken. Dabei werden die aktuellen wirtschaftlichen Probleme galant unter den Tisch gewischt!   Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

P.S. Eine detaillierte Rezension von Rauchfleischs Buch auf arcados.ch

 

* Ich schreibe hier absichtlich nicht „Betroffenen“

** kann übrigens auch in Zusammenhang mit der Kopfbedeckung von Muslimas gesehen werden! Wir hatten auch solche Traditionen.

1)  Claudia Müller (Pädagogin): Mein Sohn liebt Männer, 2008, eine qualitative Studie über 5 Mütter)

Glaube und Vernunft

Mittwoch, 20. Februar 2013

Der Mensch ist weitgehend ein „Glaubenstier“ und nur schwer zur Vernunft zu bringen. Dies zeigt die Geschichte der Zivilisationen ganz eindrücklich. Übrigens auch die Geschichte der Finanzwirtschaft und des Geldes. Nicht umsonst wurde letzteres im Rahmen von religiösen Riten, Tempeln und Führern entwickelt.

Wir sollten uns mehr darüber bewusst werden, dass wir nicht nur eine eigene und individuelle Kindheit haben. Auch die Zivilisationen und Kulturen haben eine Kindheit (gehabt). Wer nicht an ein Leben in einem stillstehenden Kreis glaubt, sollte annehmen, dass wir sowohl als Individuen, als auch als Gruppen die jeweiligen „Kindheiten“ verlassen und selbstverantwortlich werden.

Leider zeigt sich dasselbe Problem auch in der Sexualität. Hier frauscht und schwult der Glaube an irgendetwas Romantisches noch viel mehr! Nicht umsonst ist der mentale Missbrauch durch die religiöse Ideologie die Voraussetzung für sexuelle Übergriffe jeglicher Art, nicht nur bei Kindern. Und im Bereich der Sexualität ist zusätzlich der mentale Missbrauch durch die romantische Liebe (erst seit dem 18. Jh. sich verbreitendes Ideal!) die Voraussetzung für überhöhte Erwartungen an eine Zweierbeziehung.

Es gibt in der Bibel hunderte von Vorschriften über alles Mögliche, an welche heute niemand mehr glaubt. Einfach weil die Erfahrung und Vernunft anderes gelehrt haben! Im Zusammenhang von Männerbeziehungen will ich das Beispiel anführen, das immer „vergessen“ wird:

Die Liebe zwischen David und Jonathan* (1. Sam. 19.1 – 1. Sam. 14.42 – hier wird sie gegründet) Es steht nirgendwo was von sexueller Vereinigung. Aber immerhin wird diese Liebe klar abgegrenzt zur „Frauenliebe“, die sonst nie so benannt wird.

„Es ist mir Leid um dich, mein Bruder Jonathan: ich habe große Freude und Wonne an dir gehabt; deine Liebe ist mir sonderlicher gewesen, denn Frauenliebe ist.“ (2. Samuel 1.26)

Es ist historisch-kulturell eine Tatsache, dass orientalische Männer andere Männer lieben und mit Frauen Sex haben. Das eine schliesst das andere nicht aus. Und daraus erklärt sich auch, warum wir männliche Götter überliefert bekamen. Und es passt dazu, dass Frauen in diesen Religionen eine untergeordnete Rolle spielen. Daher kommt die strikte Geschlechtertrennung und deren unterschiedliche Bewertung – bis heute. In Gesellschaften mit strikter Geschlechtertrennung hat diese Liebe unter Männern am ehesten ihren Platz, weil sie nicht – wie bei uns heute – von der heterosexuellen Beziehung völlig dominiert wird!

Heute Morgen hörte ich im Deutschlandfunk interessante Interviews und Diskussionen zum Verfassungsgerichtsbeschluss über die Adoption in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Als besonderer Eiferer dagegen hat sich schon immer Norbert Geis (CSU) exponiert. Er beschwor die „natürliche Familie“ von Mann und Frau, die nicht vergleichbar wäre mit gleichgeschlechtlichen Elternpaaren…

Gerade anschliessend folgte ein Interview mit der FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Darin wurde kritisiert, dass die Hilfe für Opfer sexueller Übergriffe in der heterosexuellen Familie seit über zwei Jahren darauf warten, Entschädigung und Hilfe vom Staat zu bekommen. Verjährungsfristen sollen verlängert werden und es soll ein Fonds mit 100 Millionen €uro für Therapiekosten eingerichtet werden…

Da frage ich mich ernsthaft wie man/frau mental so gespalten sein kann, um beides nicht in einen Zusammenhang zu bringen. Heterosexualität und Glaube machen anscheinend schizophren!

Klar dürfte sein, dass Geis den Balken im eigenen Auge nicht sieht, aber dafür die Splitter bei den gleichgeschlechtlichen Partnerschaften!

Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt stille, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuvor den Balken aus deinem Auge und siehe dann zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest! (Lukas 6.42)

Klar dürfte auch sein, warum Christoph Darbellay (CVP) dazu sagte  „Nur weil etwas existiert, heisst das noch lange nicht, dass es legalisiert werden muss.“

Wenn homosexuelle Kinder von Heterosexuellen adoptiert werden dürfen, dann sollten auch Gleichgeschlechtliche Paare heterosexuelle Kinder adoptieren dürfen. 

Ich ziehe die Vernunft dem Glauben weitgehend vor. Aber es wird weiterhin viele Leute geben, die das was sie nicht wissen (können/wollen), einfach mit dem Glauben füllen. Wie sie es als Kind gelernt haben. Und auch als Erwachsener kann man immer noch „Gottes Kind“ sein! Amen.

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

 

* Es gibt hier ein noch älteres Beispiel als in der Bibel!

Öffentliche Heucheleien über Sex zwi- schen Männern!

Samstag, 26. Januar 2013

Den Schwulen entgleitet die öffentliche Selbstdarstellung und Diskussion immer mehr! Und die homo- und heterosexuellen Männer sind nur daran interessiert, ihre Bedürfnisse ungestört – wenn auch heimlich leben zu können.

Dass aber immer mehr Frauen den öffentlichen Diskurs über die Sexualität zwischen Männern befrauschen ist für mich als Schwulen unakzeptabel! Ich würde mir nicht anmassen, über die Sexualität von Frauen, oder zwischen Frauen öffentlich zu mutmassen, oder diese gar öffentlich zu definieren.

Nichtsdestotrotz verfügen Frauen nicht nur über die Sexualität und Orientierung ihrer Söhne, indem sie wegschauen und ignorieren, wenn diese sich nicht an Frauen ausrichtet, sie befrauschen auch ihre Ehemänner und die Schwulen mit ihrer Moral. Die öffentliche Moral ist tendenziell eine weibliche und das Patriarchat steht letztlich auf dem Matriarchat. Das ist aus diversen kulturhistorischen Berichten erkennbar. Aber auch in den Jugendbüchern von AutorINNEN für homosexuelle Knaben und junge Männer. Der Penis fehlt auffällig in den erwähnten Texten! Frauen stellen sich schwule Kinder und Jugendliche sowohl ohne Penis, als auch ohne sexuelle Betätigung damit vor! Oder haben eben gerade überhaupt keine Vorstellung davon!

Dazu passt die Ignoranz in den öffentlichen Medien über die gehäuften Selbstmorde und Mobbingerlebnisse von schwulen Kindern und Jugendlichen in den USA. Denn das passt nicht in den „pädophilen“, hetera-politisch-korrekten Blick. (Sophinette Becker über Pädophilie)

Frau kann sich nicht vorstellen, was sie damit bei schwulen Kindern und Jugendlichen mit feministisch-politischer Korrektheit anrichtet. Männer sind potenzielle Missbraucher und Vergewaltiger und des Knaben Lustobjekt ist ein verdammenswertes Glied! Und mit sowas sollen sich die jungen Schwulen identifizieren? Und wir sollen glauben, dass Mütter es „doch immer nur gut mit uns meinen“!?

Viele Frauen und Lesben ignorieren vorwiegend die historisch unterschiedliche Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Sie sehen Knaben als gefährdete „Mädchen“ und glauben, diese ebenso vor Penissen und Männern „schützen“ zu müssen. Keine der Anklägerinnen von sexuellem Missbrauch hat sich bis heute für eine wirksame Prävention eingesetzt. Weder bei Mädchen, noch bei Knaben! Denn dann müssten sie sich mit deren Sexualität auseinandersetzen, wie das schon Sigmund Freud versucht hatte. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese Politik dazu dient, die Machtverhältnisse zu ändern, aber nicht auf Gleichwertigkeit, sondern auf Umkehr derselben hin.

Ich muss feststellen, dass 20 Jahre verplempert wurden, um Jugendlichen keine Selbstbestimmung und Verhandlungsfähigkeit in der Sexualität beizubringen. Das wollte wohl auch keineR!

Das zeigt sich schon daran, dass nicht mehr der Nachweis einer Handlung oder Tat wichtig ist, sondern allein schon der Verdacht auf sexuellen Missbrauch genügt, um sogenannte „Täter für immer wegzusperren“ Dass dabei „irrtümlich“ auch einige Existenzen zu Grunde gehen, wird als „Kollateralschaden“ achselzuckend hingenommen. Was Männer mit Waffen anrichten, richten Frauen also mit der Sexualität an…

Was an heterosexuellem Missbrauch an Schwulen und den homosexuellen Bedürfnissen von Männern, von Kindheit bis in die Ehen angerichtet wird, ist kein Thema. Dass es „pädophile“ Frauen und Täterinnen gibt, ist politisch-feministisch inkorrekt und wird tabuisiert. Dabei wird verhindert, dass das heterosexuelle System angegriffen wird, das sowohl Frauen als auch Männern die „TäterInnen“-Schaft und die Opfer-Innen-Schaft ermöglicht. Und damit eine Politik der gegenseitigen Destruktion und des heterosexuellen Spiels/Krieges um Macht und Einfluss in Familie und Gesellschaft.

Mein Zorn entzündet sich an der Interpretation der männlichen Prostitution durch Frauen und zum anderen an der Interpretation von HomoSEXualität durch bisexuelle und hetera Frauen.

Als Schwuler kann ich nur staunend zuschauen, wie arme junge und heterosexuelle Männer aus Osteuropa mittels Homosexualität Geld bei heterosexuell lebenden Männern verdienen, die Freundinnen, Ehefrau und Familie haben. Politisch korrekt: Diese (schwulen, hetero lebenden) Männer beuten, diese (hetero) Jungen aus. KeineR fragt sich, was da unmittelbar mit der Homosexualität als solches geschieht. Die Homosexualität wird von heterosexuellen Männern ökonomisch ausgebeutet. Aber hinter diesen Männern stehen einerseits auch junge Frauen, die vom Einkommen der Callboys profitieren und andererseits die Ehefrauen, die davon überzeugt sind, dass Männer ihre sexuellen Bedürfnisse grundsätzlich nur auf Frauen richten können – oder auf andere Fachfrauen des Rotlichtgewerbes. Dass die Callboys (aktiv und passiv) wohl einen anderen Service anbieten, den Frauen nicht liefern können, fragt sich keineR! Auch nicht woher es kommt, dass verheiratete und hetero lebende Männer ihre natürlichen homosexuellen Bedürfnisse in Ghettos entsorgen müssen – nur nicht daheim in der Familie!

Die ganzheitlichere Sexualität dieser Männer ist eine Gefahr für die Frauen und ihre Kinder, Jugendlichen und Freunde und Ehemänner. (Das Vorurteil in der Schlagzeile: „schwule Prostitution“) Für viele Frauen ist klar, dass Männer weibliche Bedürfnisse „niemals völlig“ befriedigen können. Aber dass Frauen ebenfalls die Lust der Männer niemals völlig befriedigen können, steht ausserhalb von allem für sie Denkbaren.

Auch in der Schwulenpolitik ist eine zunehmend schärfer werdende Heuchelei feststellbar. Einerseits geht es darum, gegenüber Heterosexuellen, Frauen und Männern zu beteuern: „Es geht um Liebe“ bei der Homosexualität. Davon zeugt auch, dass im Text des Gesetzes über die Eingetragene Partnerschaft das Wort Sex völlig fehlt! Wie der Penis im Kinder- und Jugendbuch.

Andererseits wird in der Prävention nur die Praktik der analen Penetration thematisiert, als wenn Männer und Schwule so blöd wären, immer nur zu ficken. Männer müssen weder ficken noch gefickt werden, sie dürfen. Das ist mit Frauen ganz anders…

Einerseits finden wir im Kinder- und Jugendbuchbereich vor allem Liebe, Schmusen, knuddeln und umarmen vor. Andererseits wird Jungs klar gemacht, dass Masturbation kein richtiger Sex ist und dass sie sich beim Fickenlassen gefährden, missbraucht zu werden – wie die Mädchen, die sie ja selber auch missbrauchen könnten. Von Eigenkompetenz, oder gar eigenen Wünschen kann keine Rede sein…

(1)

So wie das homosexuelle Begehren existiert, existiert neben der Pädophilie auch die Gerontophilie. Aber die „gibt es politisch-korrekt nicht“. Mir fehlen da gewisse Begriffe, für eine angebliche Ausgewogenheit, die ich nicht erkennen kann. Es gibt nicht nur Männer, die herrschen, sondern auch Frauen, die frauschen.

Und es gibt neben der Penetranz auch die Vaginanz. Und tragischerweise sind Frauen nicht am Penis, sondern am Phallos interessiert. Aber Männer zwar an der Vagina, aber nicht an der Venus! So verstehe ich Ganzheitlichkeit. Nicht nur einen fragmentierenden Heterror, der sich auch im Feminismus wiederfindet!  Napoléons Strafgesetz hiess: “Code Pénal” – einen Code Vaginal gibt es nicht.  Aber immerhin hat er die männliche Homosexualität in seinem europäischen Regierungsbereich entkriminalisiert.

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

 

Zu Emckes Buch ein ausführlicherer Text auf arcados.ch

(1)  Ich finde es tragisch, dass Carolin Emcke (in ihrem Buch „Wie wir begehren“, S.Fischer 2012) zwar formuliert, dass lesbisches Begehren NICHT kein Begehren sei, sondern – neben der vaginalen Bereitschaft gegenüber dem Mann – überhaupt ein weibliches Begehren, das nicht sichtbar (gemacht) wird, aber dass sie das homosexuelle Begehren bei Männern nicht auch entsprechend einordnen kann. In ihren Auslassungen über männliche Homosexualität ist weder von Analverkehr, noch von der Prostata die Rede. Besonders wichtig, wenn sie über Diskriminierung bei Arabern im Gazastreifen schreibt. * Doch beides gehört nun mal zum medizinischen Verständnis und zur kulturellen Einordnung! Tabuisieren und totschweigen ist Heuchelei!

Es gibt Knaben, die haben NICHT kein Begehren, sondern eben ein Begehren nach Männern, auch neben der Bereitschaft für Frauen! Aber das ist für Frau Emcke wiederum so unwichtig, wie ihr lesbisches Begehren es für die Heterosexualität ist. Und es gibt nicht nur Männer, die Knaben missbrauchen, sondern auch Knaben, die Männer ficken wollen! Doch das trauen sich viele Schwule nicht öffentlich auszusprechen! Damit nimmt man/Frau uns aber einfach einen Teil unserer sexuellen Biografie weg! Entsorgt in der Schublade „Missbrauch“!

*) Interessanterweise finde ich auf der hp von Emcke dann ein Video mit Diskussionsfetzen über Analverkehr. Und der jüdische Glaubensvertreter erzählt sinnigerweise, dass Mann und Frau im Bett zu Dritt – nämlich mit Gott seien… (> Streitraum: Religion und Sexualität)   Dass da der Schwule (schwule Sex) in die Quere kommt, lässt sich zwingend daraus folgern!

Carolin Emcke: Wie wir begehren, S.Fischer 2012

Interview mit Emcke in SRF, Reflexe 3.4.12 30′

Wer sich darüber aufregt, dass Jungs gerne mit Männern ficken würden, der/die sollte sich mal fragen, wozu denn Jungs und Mädchen im Teeniealter schon miteinander die Fortpflanzung üben sollen, denn sie machen ja auch „erwachsene“ Sexualität, die „ihnen nicht entspricht“. Kinder waren nie dazu da, Kinder zu machen! Es ist egal ob Kinder miteinander ficken. Oder Erwachsene. Es sollte möglichst politisch korrekt sein. Aber das Machtgefälle lässt sich eben nur innerhalb des eigenen Geschlechtes relativieren oder umkehren und ausserhalb heterosexueller Normen! Das versucht auch Emcke zu schreiben, aber sie benennt es nicht!  ;)

Zum Thema Mütter:

Mütter und Homosexualität, eine lustige Kolumne

Über eine “feministisch korrigierte” Studie in Südafrika, betreffend sexuell motivierte Gewalt

Braun:  Ein aufschlussreiches Interview mit einer Mutter (PDF)

Alexander Markus Homes: Von der Mutter missbraucht. Frauen und die sexuelle Lust am Kind, 2005, 458 S. (nicht zu verwechseln mit der US-Schriftstellerin A.M. Homes!)

- Prügel vom lieben Gott. Eine Heimbiografie, 141 S. NA 2012,  ISBN 978-3-86569-023-4

NDR: Von der Mutter missbraucht, Beitrag 45 min.

Louis Schützenhöfer: In aller Liebe. Wie Mütter ihre Kinder unglücklich machen, Ueberreuter 2004, 176 S.

Christiane Olivier: Jokastes Kinder. Die Psyche der Frau im Schatten der Mutter, Claassen 1987, Paris 1980 (später TB bei dtv, sh. PDF Inhaltsverzeichnis)

Renate Juras: 41 und 14, edition a, 2011

Tuntenball statt Madonnenkult!

Dienstag, 25. Dezember 2012

Vor über zwanzig Jahren hatten in Basel immer gewisse Lokale über die „hohen“ christlichen Feiertage offen! Damit die „Einsamen“ auch eine gute Stube hatten…

Auch die gay Lokale profitierten von dieser Ausnahmebewilligung. Und da es auch keine Tanz- und Unterhaltungsveranstaltungen gab, sassen die Gays – nach dem Ritual mit der Familie – zu später und bis zu früher Stunde in den Schwulenbars.

An keinem Anlass klaffte das schwule Leben und das bürgerliche Familienritual immer so weit auseinander wie an Weihnachten. Dem Fest der Liebe und des Glaubens daran…

Madonna hatte das Knäblein geboren, was ja nun angebetet wurde. Ich denke, dies ist die übergeschnappte Form von Kinderliebe! Nicht alle Mütter sind mit ihren Kindern glücklich und fast alle von denen verklemmen es mit aller Gewalt. Frauen und Mütter, die ihre Kinder umbringen, sind selten ein grosses Thema in den Medien…

Grosses Thema hingegen waren immer die Schwulen! Mal wurden sie ausgeraubt, mal ermordet. Und die Heterosexuellen und Bisexuellen huschten durch gesellschaftliche Vorhänge und zweifelhafte Milieus.

Und nicht alle Mütter und Ehefrauen sind glücklich, wenn sie die Homosexualität ihrer Angehörigen akzeptieren sollten! Und auch Gott hasst angeblich alle Schwuchteln (sh. im PDF S. 3!)

Nun konnte mann auch selber Madonna spielen, die Frau in sich entdecken und ein fröhliches Fest feiern – an Weihnachten. Statt Esel und Kuh, die heiligen drei Könige und nur einer Madonna, stiefelten mehrere davon und höchst feierlich in den Keller des Hirscheneck hinab. Die Veranstaltung war am Anfang ja illegal. Ja und auch Esel und Kühe sind dabei, wenn mann es nicht so genau nimmt! :P

Seit 23 Jahren veranstaltet Ronny diesen Tuntenball im Hirscheneck. Bis heute ist er sogar darüber hinaus gewachsen. Im Bermuda-Dreieck zwischen L39, der Ihrsinn-Bar (ex Dupf) und dem Lindenberg sind Heteros und Homos jeden 25. Dezember unterwegs! Sogar die alten Tanten aus dem Letzten Jahrhundert, wie Tina Lord, sind noch immer dabei!

Peter Thommen, Basel

Bericht vom Tuntenball 1992 im Thommens Senf 12-92

Videospeech von Gene Robinson, anglikanischer Bischof von New Hampshire und gay – zu Kindern und Jugendlichen!

queerpredigt 02

Dienstag, 04. Dezember 2012

In unserer christlichen Kultur kennen wir den Begriff: „Wie in Abrahams Schoss…“

Er ist Symbol für Ruhe und Geborgenheit. Wenn wir davon ausgehen, dass dieser Schoss in einer Männergesellschaft seine Symbolik für die Männer gehabt hat – und davon gehe ich aus – dann bedeutet dies, dass der Mann seine Geborgenheit und Ruhe im männlichen Schoss finden soll, denn im weiblichen ist/war er zum Stress und zur Produktion verurteilt.

Vielleicht findet er da auch sein Spielzeug, mit dem er richtig spielen kann und soll und wo er sich auch vergleichen kann. Und aus der Ruhe des männlichen Schosses könnte er sich dann auch gezielt um die Bedürfnisse der Frauen kümmern, die nicht eigentlich im weiblichen Schosse zu suchen sind! Amen

“schwule Prostitution” ?

Dienstag, 20. November 2012

Das Buch „Männer kaufen“ von Oliver Demont zieht durch die bürgerliche Presse, die sich genüsslich oder moralisierend daran delektiert. Wobei tunlichst verschwiegen wird, was die Prostitution unter Männern – die mit „homosexuell“ bezeichnet werden muss – in der Gesellschaft des Heterrors für eine Funktion hat. Mit der Bezeichnung „schwule Prostitution“ wird nämlich so vieles ausgeklammert, was diese Form der Prostitution aber beinhaltet.

Susann Sitzler, die sich schon mit dem Buch „Motherfucker“, von Dawson befasst hat, versuchte, sich auch diesem Thema anzunähern (Basler Zeitung vom 18. November 2012). Ich wundere mich immer wieder, wie wagemutig Frauen sich mit der männlichen Homosexualität befassen – das gilt vor allem für Vorträge und „Selbstvertiefungs-Arbeiten“ an Schulen.

Es frauscht das Vorurteil, dass Frauen Homosexuellen gegenüber „toleranter“ seien, als die Männer. Wenn ich aber bedenke, dass viel mehr Homosexualität unter Männern praktiziert wird als unter Schwulen überhaupt, dann wundert mich das nicht mehr – mit den Männern. Mich wundert auch nicht, dass die Toleranz der Frauen da plötzlich aufhört, wo es um ihre Ehemänner oder Söhne geht…

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass bürgerliche Männer gerne totschweigen, was sie hintenherum so treiben und dass bürgerliche Frauen auch gerne totschweigen, wenn sie Männer heiraten, die homosexuelle Bedürfnisse haben – verharmlosend als „Neigungen“ apostrophiert, oder Söhne besitzen (!) die den Männern nachschauen, egal ob Kind oder Jugendlicher.

Während in der Heterosexualität die Täter-Opferinnen-Symmetrie schnell klar „auszumachen“ ist, wird das „unter Tätern allein“ schon etwas schwieriger. Die schweizer Justiz hat das Problem 1942 „elegant zu lösen versucht“: Mit einem höheren Schutzalter bei der Homosexualität der Männer (bis 20 statt nur bis 16 wie bei den Heteros/as). Von Frauen als Täterinnen unter Frauen war keine Rede. Das war unvorstellbar. Die gleiche Lösung liegt auch jetzt wieder Frau Sommaruga vor: Für Prostitution soll das „Schutzalter“ generell wieder bis 18 Jahre gelten – und bestraft werden sollen nur Männer…  (Was damals wie heute gegen die Verfassung verstösst/verstossen würde!)

Ich erinnere mich gerade an Henriette Kuhrts Interview mit Roy F. Baumeister (Zitat): „Männer gehen mehr Risiken ein als Frauen“ (NZZaS, 18. November 2012, S. 77) und über das Weinen: „Tränen sind in einer engen Beziehung sehr hilfreich, aber in der Öffentlichkeit sind sie ein Problem. Politiker, die öffentlich weinen, beschädigen ihre Karriere.“

Kuhrt verschweigt aber geflissentlich, dass es viele Frauen gibt, die sich keine solchen Tränen-Männer wünschen! Erstens sind die Tränen für die Mutter vorbehalten und nicht auch gegenüber den Vätern erwünscht. Und zweitens muss es für die intime Beziehung mindestens eine andere Technik der Macht und Beeinflussung geben, als für die öffentliche Politik. Ob Frauen öffentlich auch weinen würden, stelle ich mal dahin. Jedenfalls wäre die Wirkung eine völlig andere als bei Männern…

Zu meiner Verärgerung besteht heute eine Tendenz, „politisch korrekt“ antibürgerliche und subversive Verhaltensweisen, oder sogar Sexualbedürfnisse „zurechtzurücken“ bis sie „passen“ – nach dem Motto: Wir sind doch alle nur Menschen – statt ehrlich bemüht Widersprüche offenzulegen wie das die Schwulenbewegung vor 40 Jahren noch überzeugend getan hat.

Leider dürfen wir weder von Henriette Kuhrt, noch von Susann Sitzler erwarten, dass sie einen Blick durch die rosa Brille werfen. Eher sind wir Männer angehalten, auch mal den Standpunkt der Frauen einzunehmen, egal ob wir schwul oder hetero, oder beides zusammen sind. Aber ich schwöre, es gibt eher eine „eheliche Prostitution“ als eine „schwule“…

Peter Thommen_62, Schwulenaktivist, Basel

P.S. siehe auch Claudius Babst: Sexualität im Leben… (in Medien), NZ 1983 – als Anregung zum Thema!

P.S. vom 26.11.2012: Der Passus über die 2. Runde Regierungsratswahlen in Basel wurde entfernt.

P.S. Zum Buch von Demont:  Ich habe heute darin gelesen, aber nichts neues erfahren, was nicht schon in vergangenen Jahren und auch aus anderen Teilen der Welt geschildert wurde. Neu sind die einfachere Reisemöglichkeit in andere Länder und die zentralen Kommunikations-möglichkeiten der neuen Elektronik.

Man kann das Buch kaufen wegen der Fotos von Walter Pfeiffer. Man kann das Buch kaufen wegen der grafischen Gestaltung. Wegen des textlichen Inhalts muss keineR dieses Buch kaufen…

Ich bin immer wieder beeindruckt, wie selbstverständlich die darin geschilderten Verhältnisse der jungen Männer akzeptiert werden, wenn es nicht um Sex als Erwerb geht. Sei es in einer Lehre, auf wechselnden Jobs, oder in wechselnden Familien- oder Beziehungsverhältnissen. Da schreit kein Huhn und kein Hahn! Erinnern möchte ich nur an die sogenannten “Verdingkinder”, für die man/frau sich aus heutiger Distanz ja problemlos entschuldigen kann. Andere mögen in Büchern von Jeremias Gotthelf weiterlesen…

Aber weibliche und männliche Medienleute, PolitikerInnen und GesetzeshüterInnen sind ausgezeichnet im Ausblenden der realen gesellschaftlichen Verhältnisse. Der Heterror diskriminiert die Homosexualität, produziert  ”TäterInnen” und “OpferInnen”, die je nach Ansicht oder Regie ihre Rollen wechseln können. Der gleiche Heterror beutet dazu noch Freier und Escorts/Stricher gemeinsam aus – also beide, wiederum in wechselnden Rollen. Mit Vorschriften und Kontrollen und Mitleid mal mit den Einen oder den Anderen…

Nur über die wirtschaftlichen Verhältnisse wird einfach geschwiegen. Da muss dann das Sexualstrafrecht herhalten und sich von der Politik ficken lassen. Was das Strafrecht wiederum unbenommen an die Betroffenen weitergibt. Wie es sich im hierarchischen und monetär bestimmenden Markt so richtig gehört. Der mediale Aufschrei macht betroffen, doch ausser Gesetzen ändert sich nie irgendetwas. Auch nicht die zunehmende fehlende Selbstbestimmung der Beteiligten.

Ich betrachte es als ein Menschenrecht, seinen Körper zu verkaufen, ob Kopf, Hände oder Schwanz. Auch ein “Schutzalter” von 30 Jahren ändert nichts an den ökonomischen Gründen. Aber nur moralischer Schutz ist politisch durchsetzbar. Die ökonomischen Verhältnisse sind nicht zu ändern! So stiehlt sich bürgerlich/feministische Politik aus der politischen Verantwortung! (Zusatz 10.1.13)

Es gibt persische und türkische Sprichwörter, die besagen, wie vorteilhaft es ist, der Geliebte eines grossen Herrn zu sein. Eins, das in freier Übersetzung lautet:

“Es gibt persische und türkische Sprichwörter, die besagen, wie vorteilhaft es ist, der Geliebte
eines Grossen zu sein, eins, das in freier Übersetzung lautet: „Das meiste erreicht ein Mann mit seinem Gesäss, entweder indem er sich darauf setzt und arbeitet, oder indem er es einem grossen Herrn zur Verfügung stellt.“ (Hirschfeld, 1914)

Peter Thommen_62, und alt geworden ohne Stricher  5.12.2012

P.S. in eigener Sache: Seit längerer Zeit mache ich den Arbeits-Strich vor der Rente, wie so viele Andere auch. Also neben dem Laden eine “unselbständige Erwerbstätigkeit” mit Billiglohn…

der ewige abgesang auf “die szene”

Montag, 22. Oktober 2012

Er erinnert mich an einen Kommentar in einer der alten deutschen “Zeitschriften für Freunde” (Der Weg, Die Freunde), in welchem diese gedruckten Blätter sich darüber beklagen, dass der rege Austausch übers Gedruckte und die zahlreichen Leserbriefe sich in den 60er Jahren reduzierte, weil durch die teilweise Entschärfung des § 175 (BRD) sich jetzt Clubs und Lokale bildeten, worin homosexuell “Veranlagte” sich real treffen und Bekanntschaft machen konnten. Der Abgesang also der “gedruckten Szene”. Noch lange Jahre war es in Deutschland üblich, “Szenelokale” nur auf Empfehlung, oder mittels Prüfung durch das heute verschwundene Guckloch, betreten zu können.

Als ich 1970 die Basler Szene kennenlernte, war der Eintritt in den Homo-Club Isola im Gerbergässlein nur auf Empfehlung eines Mitglieds möglich. Glücklicherweise war ich da schon im Februar 20 Jahre alt geworden und hatte also das offizielle schweizer Schutzalter verlassen. Doch was bot sich mir sonst in Basel? Es gab diverse Klappen, Parks und das St. Margrethen-Luft-und-Sonnenbad mit der Abteilung nur für Männer… Die internationale Zeitschrift “Der Kreis” aus Zürich – wichtiges Bindeglied in Kriegszeiten – hatte sein Erscheinen eingestellt. Geblieben waren die von ihm geförderten und empfohlenen “privaten Clubs” in den Städten der Deutschschweiz. Darin fanden “bombige” Feste statt, wie Frühlingsball und Herbstball, sowie besinnliche Weihnachtsfeiern für “Einsame”… Der Kreis war nie öffentlich verkauft worden, wegen des Vorwurfs der “homosexuellen Propaganda” – und vor allem wegen des Jugendschutzes!

Aus den verbliebenen ehemaligen Kreis-Mitstreitern und jüngerem Nachwuchs entstand ein neues Blatt und später der Club “Hey” in Zürich. Der ursprüngliche nichtöffentliche “Conti-Club” war in der Presse aufgeflogen, weil sich – nach etlichen Verbrechen an Schwulen und Verstösse von Homosexuellen gegen das höhere Schutzalter (16-20) die Aufmerksamkeit der Medien darauf richtete. In der Schweiz war es der § 194, der uns rechtlich bis 1992 diskriminierte – mit aktiver Unterstützung bis zum Bundesgericht. 1974 hatte die Schweiz die Europäische Menschenrechtskonvention unterzeichnet, aber nicht das 12. Protokoll gegen Diskriminierungen. (Damals standen das Jesuitenverbot und das Schächtverbot noch in der Verfassung, aber auch Strafprozessordnungen von Kantonen waren nicht EMR-konform) Ein unterschiedliches “Schutzalter” für Homosexuelle hätte dieses Protokoll nicht mehr zugelassen.

Ähnlich wie heute in verschiedenen Oststaaten, wehrten sich unsere Vorkämpfer gegen Vorwürfe wie “Jugendverführung, Propaganda für Homosexualität, homosexuelle Prostitution” (Totalverbot!) und sexuelle Darstellungen waren höchstens privat und in künstlerisch anerkannter Darstellung möglich.

Diese Szene änderte sich, als in der Nachfolge von Stonewall 1969 auch in Zürich Homosexuelle auf die Strasse gingen und sich selber sichtbar machten. Mit der Organisierung von Vorträgen und der Suche nach, nicht kommerziell ausgerichteten, Treff- und Unterhaltungslokalen brachten sie die herkömmlichen “bürgerlichen” Homosexuellen in Zugzwang.

In Basel suchten Schwule nach Alternativen zum Club und zur öffentlichen Cruising-Szene der Parks und Toiletten. Die Homosexuellen Arbeitsgruppen Basel stellten an die Stadt Forderungen nach einem Lokal. 1992 schliesslich wurde das “Schwulen- und Lesbenzentrum” eröffnet. Mit Mitteln aus der legendären Ausstellung “Männergeschichten” 1988 in der Kaserne und einem Zuschuss vom Staat.

Soweit ein rudimentärer Überblick über die frühe Entstehung und Entwicklung von homosexuellen Szenen im letzten Jahrhundert, der gewöhnlichen Schwulen Zugang bot. Daneben wuchsen und gedeihten auch private Zirkel und “schwule Seilschaften” über die es weitestgehend keine Aufzeichnungen gibt. Höchstens noch erzählte Geschichten und Gerüchte.

Das wäre der Bereich und Bewegungsraum welchen sich ein heutiger Gay unter “Szene” vorstellt. Das da wären, die Clubs, Bars, Saunen, Parties und die “schwulen Badestrände” im Sommer, sowie die öffentlichen Toiletten als Spezialszene. Nicht zu vergessen die Ferienreisen und der Besuch anderer Städte…

Es ist normal, dass  durch die Veränderungen der Wirtschaft, der Einkommen, der Transportmittel und der politisch-juristischen Situation, sowie der Migration diese SzeneN sich dauernd ändern. Früher innerhalb von Jahrzehnten, heute innerhalb von Jahren! Ist es denn sinnvoll darauf immer “Abgesänge” zu halten?

Vielleicht ist bei der Darstellung aufgefallen, dass privates Leben zu zweit nicht so im Vordergrund steht, obwohl die Sehnsucht nach einem Freund und der ewig währenden Liebe mit ihm früher noch stärker war als vielleicht heute. Begüterte Homosexuelle hatten immer viel mehr Möglichkeiten in Szenen zu gehen, oder sich “einen Freund zu halten”. Aber das ist mir heute nicht von Belang. Trotzdem wird der Abschied von der allgemein bekannten “Szene” immer wie ein Verschwinden eines Paradieses zelebriert.

Jeder Fussballverein hat ein Stadion oder ein Vereinslokal, in welchem er sich darstellen kann und wo Heterosexuelle auch ihre PartnerInnen finden können. Jeder grössere Häuserblock enthält Kids, die sich in der Nachbarschaft, in einem Hauseingang treffen und mit verschiedenen Absichten und Interessen eine unbemerkte Szene bilden, von der keineR Notiz nimmt, solange sie nicht auffällt. Als die Italiener kamen um hier zu arbeiten, die Portugiesen und die Spanier, bildeten auch sie Szenen. Zum Zweck der Heimatverbundenheit und der Pflege von Gebräuchen. Sogar Vereine von Zuzügern aus anderen Kantonen waren bei der frühen innerschweizerischen Mobilität im letzten Jahrhundert entstanden. Letztlich hat auch jeder Kriminelle und jeder Gläubige irgendeine Szene, die er beeinflusst oder der er sich anschliesst. Nicht nur im Sport.

Letztlich, wer sich “der Szene” verweigert, oder ihr fern bleibt, bildet einfach eine eigene Szene. Aber da er in seinem eigenen Heim oder Bekanntenkreis zuhause ist, empfindet er es nicht als solche. Vielen Homo-Ehen ist das auch nicht bewusst. Ein Teil macht Einladungen oder gibt Parties – auch Sextreffs zu Dritt oder Viert (swingen), oder geht auf gemeinsame Reisen. Ich meine jetzt nicht nur den Fickstrand auf Gran Canaria.

Wir selbst kommen aus unserer Familienszene, aus der wir uns notgedrungen loslösen mussten, weil da keine Aussichten auf Schwulitäten waren. Das ist auch gut so, weil sich in festgefahrenen Lebensgemeinschaften/Verwandt- schaften aufgrund der Nähe und Machtverhältnisse eben auch sexuelle “Übertretungen” ergeben und Missverständnisse einschleichen können. (zB wenn es unter Brüdern abgeht.)

In dem Buch “Gemischte Gefühle” der Autoren Braun/Martin (rowohlt 60853, 2000) wird genau beschrieben, dass es auch eine “Heteroszene” gibt, mit ihren ebenfalls dunklen Flecken. Ich erinnere an die sexuellen Belästigungen zwischen Männern und Frauen (oder auch mal umgekehrt!) am Arbeitsplatz, in Vereinen, an Anlässen, in Verkehrsmitteln…

Da lob ich mir hingegen eine klar homoSEXuelle Szene, in der alle darin Wandelnden wissen sollten, was sie wollen und welche Möglichkeiten sich bieten. Zwar muss da auch für verschiedene Dienstleistungen bezahlt werden, wie Gastronomie, Gesundheit, körperliche Reinigung und Entspannung, Unterhaltung und Information. Aber – im Gegensatz zu heterosexuellen Szenen – für die persönliche sexuelle Begegnung noch nicht so konsequent! Und seien wir mal ehrlich und offen. So eine Beziehung, oder ein Freund kostet oft auch eine Stange Geld, die sich nicht jeder leisten kann! Auch wenn es die gross Liebe, oder die langjährige Beziehung sein sollte.

Schlussfolgerung: Wer sich irgendwelchen Szenen entzieht, oder ihnen entflieht, landet ganz normal in einer neuen! Und wenn es nur seine neue “schöne” Wohnung ist! Und darin haben sich bereits Internetportale per Computer etabliert. Da ist es herzig, immer wieder zu lesen, der eine oder andere sei „kein Szenegänger“. ;)

Ich finde es wichtig, noch etwas anzufügen. Für viele, die in jungen Jahren die Szene genossen oder darin konsumiert haben, kommt einmal der Tag und das Alter, in welchem keiner mehr für sie schaut und ihnen dient. Dann wäre es an der Zeit, mit Anderen zusammen bedürfnis-angepasste Szenen zu schaffen, in denen sich auch Ältere Schwule noch wohlfühlen können. Seien sie Single oder befreundet, oder auch nach einem Verlust des Partners. Daher braucht es eine Infrastruktur, die sich nicht am Kommerz orientiert, sondern am Zusammen- sein. Doch schwierig wird es, wenn die Leute dann ihren Konsumismus und ihre hohen Erwartungen nicht mehr ablegen können. Und schwierig ist es, wenn keiner uns zeigt, dass Männer/Schwule auch bis ins Alter vergnügt und interessiert sein können, ohne verbandelt oder vermögend zu sein.

Ab 30 bist Du vielleicht raus aus der Jugendszene, aber ein schwules Leben kann mit 40 – etwas anders – durchaus weitergeführt, oder neu angefangen werden. Aber bitte nicht als ewige Wiederholung aus der Jugendzeit, sondern als Weiterentwicklung eines Lebens oder Zusammenlebens mit Anderen. Was übrigens auch bei den Heteros ein Problem ist, wenn sie mal eine Familie „gegründet“ haben. Nur wird nicht darüber geredet.

Peter Thommen_62, Schwulenaktivist, Basel

 

P.S. Der ganze Drogenkonsum von Männern jeglicher Orientierung wird seine “krankhaften” Folgen haben, und die Szenen der barebacker und HIV-posiviten können wir auch nicht einfach der Medizin und den Heteros überlassen! Für Arbeit und Arbeitsgruppen – auch eine gemeinschaftliche Szene – wird es immer etwas zu tun geben. Statt gemeinsam einsamen, oder einsam gemein sein zu Anderen

Zu diesem Text ist eine ausführliche Reaktion eingetroffen, die ich Euch in sieben Seiten PDF anfügen möchte!

Thomas Henschel, “Szene-Updates”  (bitte die Autorenrechte auch auf diesem Blog beachten!)