Archive for the ‘Gedanken in die Zeit’ Category

„Der Tempel isch wäg!“

Mittwoch, Oktober 12th, 2016

Ich sage immer wieder, dass jede Gruppengemeinschaft ihren Versammlungsort braucht. Die Juden die Synagoge, die Christen die Kirche und die Moslems die Moschee.

Auch die Schwulen brauchen einen Ort wo sie sich treffen können. Zum Klönen, zum Feiern, um sich zu ärgern und um damit zu drohen, dass sie an diesen Ort wegen diesem und jenem und dieser und jener nie mehr hingehen werden…

Diesen „täglichen“ (oder zunehmend nächtlichen) Ort gibt es in Basel nicht mehr. Die Öffnungszeiten sind eh immer mehr „nach hinten“ verschoben worden. So konnten die Schwestern erst überall bei Heteros herumschnuppern und wenn ihnen dann doch nichts passte, fanden sie sich endlich in der Gaybar ein. Und mit Gästen, die dreimal im Jahr vorbeischauen, ob’s es noch gibt, kann kein Lokal überleben. Der Ort sieht zurzeit aus wie die letzte Chnelle in einer Banlieue…

Mit Blumendekorationen wie an einer Abdankung liessen sich auch keine Gäste heranlocken, hiess es kürzlich. Doch jetzt ist es wie nach einer Beerdigung.

Das schwule Leben findet nächtens statt, zwischen heterosexueller Arbeit, Datingplattformen und privatem Schlafzimmer. Bemerkenswert ist, dass dies keinen interessiert. Als der Dupf vor 13 Jahren aufgegeben wurde, schuf Ronnette die „Untragbar“ im Keller des Hirscheneck. Aber auch nur Sonntagabends ab 21 Uhr.

Hier ist auch anzumerken, dass Gaytreffpunkte sehr Jugend- und Alten-UNfreundlich geworden sind. Zudem ist mann immer mehr gezwungen worden, in den Lokalen Ohrstöpsel zu tragen oder sich dem Musik-Lärm auszusetzen.

Ein Tagescafé wie es sie in Deutschland gibt, konnte sich in Basel nie halten. Auch nicht Darkrooms, wie seiner kurzerzeit im Keller des Dupf.

Peter Thommen_66, Schwulenaktivist Basel

Die Bar L39 hat ihren schwulen Schnauf wohl ausgehaucht. 1973 vermeldete der Spartacus-Guide aus Basel, dass die „Theres-Bar“ (im Bierkäller, Ochsengasse) ihr Domicil an einen anderen Ort verlegt und unter einem neuen Namen wiedereröffnet habe. In der Ausgabe von 1974 finde ich erstmals ein Inserat vom Elle&Lui an der Rebgasse 39.

Über vierzig Jahre sind Frauen und Männer aus allen „Buchstabenbereichen“ der heutigen Aufzählungen, inkl. der daran „fehlenden“ Hetero/as über die Schwelle dieses Lokals getreten. Viele Lebensschicksale sind sich dort begegnet. Es wurde viel gelacht und auch mal geweint.

Therese Ollari hatte mit Gartentischchen und vielen verschiedenen Stühlen und Hockern angefangen. Sie waren bekannt. Die „Giraffe“, der Freund von Erwin Schaller fuhr eines Tages mit einem Stecken über alle Glasperlen der Leuchter und rief: „Stimmung, Stimmung“ und machte einige damit kaputt… Auch an die „Blauphase“ mit Martin Rosenast und seinen veganen belegten Brötchen kann ich mich erinnern. Schliesslich wurden die „marokkanischen Bögen“ herausgerissen und im hinten anschliessenden Gärtchen haben einige Grillfeste stattgefunden. Die Zeit mit Michel Schwarz bleibt unvergessen. Es gäbe vieles um das Elle et Lui zu erzählen, ein ganzes Buch!

Leider fehlen mir Nachrichten über die endgültigen Entscheidungen über die Zukunft dieses Ortes und ich hoffe, sie baldmöglichst nachtragen zu können… P. Thommen im schwulen Gassenblatt Nr. 15/Sept. 2016

siehe auch meine Kolumne im Cruiser vom Oktober!

Aktuelles Interview mit  Peter Thommen_66  in der Sendung „Schwule Welle“, Radio Dreyeckland, Gruppe Rainbowstars 025.8.16

Strategien der Emanzipation gestern und heute – was bleibt zu tun? – Basiswissen für einfach denkende männerliebende Männer… – Diskriminierung und die Haltung von bisexuellen Männern – Schutzalter 20 in der Schweiz – Vorbilder für Schwule – 30 min. (anschliessend Interview mit Ben von der hp „Jungsfragen“)

Thommen auf gayradio.ch Bern 2008

Es sind sich ja heute nicht mehr alle so sicher, ob ein coming out nötig sei. Lies dazu den „Heteroflüsterer“  Und was die SVP-Homos betrifft, lies dazu die „Homos in der AfD“!

Das schwule Auge!

Donnerstag, April 28th, 2016

Ich habe in der ersten Ausgabe der Buchreihe „mein schwules Auge“ einen interessanten Briefwechsel zwischen den HerausgeberInneN und einem Fotografen gefunden (Nr. 1/2003, S. 4-9). Er dreht sich darum, ob es eine besondere „schwule“ Sicht auf den Mann gäbe. Es ist eine alte Diskussion, die sich früher vor allem um antike und „historische“ Kunstwerke gedreht hat.

Grundsätzlich sieht jede/r MenschIn anders, was die Aussenwelt betrifft. Interessant sind jeweils auch die Sichtweisen von Frauen…

(Eingeladener) Fotograf: Und so stellte sich mir zum Thema ’schwule Kunst‘ sogleich die Frage: Braucht man zum Konzertverständnis schwuler Cellisten auch ’schwule Cellos‘ und ’schwule Ohren‘? Oder beim Fotografieren nackter Männer einen ’schwulen Kodakfilm‘? Das „heimliche Auge“ (andere ältere Buchreihe desselben Verlages, pt) hat dem gegenüber doch eine sehr tiefsinnige Bedeutung.

Spontan kommt mir in den Sinn, dass Marienbildnisse ja auch nicht katholisch sein müssen, oder von Katholiken erstellt! Aber der Blick darauf ist unterschiedlich, ob jemand gläubig ist oder nicht!

(Fotograf) Die Akteure in meinen Fotos, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, die agieren, sind doch überwiegend Heteros. Die einfache Reduzierung auf eine ’schwule Betrachtung‘ führt zur völligen Auflösung der Konzeption, die Attraktivität und das Selbstverständnis eines Menschen allen zugänglich zu machen… Ein Hetero-Mann, dem derartige Fotos gefallen, müsste ja ebenfalls ein schwules Auge haben?

Nun, die meisten bildlich dargestellten ‚Models‘ sind Heteromänner, die sich einem schwulen Auge darstellen und wissen meistens nicht genau, wofür ihr Abbild gebraucht wurde/wird. Der entscheidende Unterschied ist eben nur für Heteros wichtig, nicht aber für Schwule. Ich erinnere an Herlinde Koelbl (*1939), die als Frau 1984 den allgemeinen Durchbruch für die „Männerfotografie“ schaffte, mit ihrem schwarz-weissen Band. Vorher war das eine allgemeine „schwule Domäne“ gewesen. Weil sie eine Frau ist, waren die Fotos „unverdächtiger“.

Solche Fragen plagen eigentlich nur Heteros. Homosexuelle Männer haben sich selten um sowas gekümmert. Sie geniessen auch ohne genaue Angabe der Orientierung oder des „Auges“! Wir kommen der Sache näher: Die Rezeption ist eine unterschiedliche, während die Darstellung eine „unbeschränkte“ ist.

Der Fotograf schwadroniert von einem „unerträglichen Sprachgewäsch“, wenn es um schwule Kunst gehe. Und so wird aus dem Bild einer Liebesszene zweier schwuler Männer ein schwules Bild.

So einen Schluss zu ziehen ist aber unzulässig, wie Kathrin Geyh nachweist in ihrem Buch: Das Helle braucht das Dunkle, U-Verlg. Konstanz 2011, 175 S. Das einzig beschreibbare an einem Bild ist eine Assoziation mit Homosexualität, von Schwul noch gar keine Rede. Bei letzterem müssten die Dargestellten befragt werden. Allerdings vergleicht sie die Bilder des Films „Brokeback Mountain“ mit biblischen Ikonen und weist darauf hin, dass in dem Film die Natürlichkeit der Heterosexualität in den Lebensbereich der ‚unnatürlichen‘ Stadt verweist und die Unnatürlichkeit der Homosexualität in die ’natürliche‘ Natur…

Es kann nicht die Rede sein von einem „schwulen Auge“, das von einem Körper zu sezieren sei, wie der Fotograf meint.

Aus der Antwort des Herausgebers: Ich stehe zwar sexuell auf Männer, bin aber doch heterosexuell sozialisiert und ordne mich auch nicht dem schwulen Mainstream zu, habe überwiegend heterosexuelle Freunde und sehe meine Sexualität nur als einen Teil meiner Persönlichkeit und definiere mich auch nicht ausschliesslich über sie.

Da sind wir beim Zitat von: „Ich bin ein ganz normaler Mann, habe aber da irgendwo so eine komische Sexualität“. (Ort gerade nicht zur Hand, pt)

Hier muss ich anmerken, dass es eine allgemeine Tendenz ist, sich „vom schwulen Mainstream“ zu distanzieren. Vom heterosexuellen Mainstream distanzieren sich im Vergleich nur wenige Hetero/as. Überhaupt ist interessant, wie sich die Distanzierung zwischen beiden Möglichkeiten immer wieder ähnlich begründen lässt! Auch von Männern, die behaupten, bisexuell zu sein und nur „den Menschen“ attraktiv zu finden…

Herausgeber: Ich möchte vor allem etwas Unterhaltsames machen, was schön anzuschauen ist, und es kann jeder sein schwules Auge aufmachen, jeder kann unabhängig von seiner Sexualität einen Beitrag machen, wenn er gut ist. Sicherlich gibt es einen „typischen“ Blick, der von schwulen Erfahrungen geprägt ist. Das Buch soll für Leute sein, die Männer erotisch finde und das werden Schwule, Bisexuelle und auch Frauen sein.

Die HerausgeberIn ist ihrerseits über den folgenden Satz des Fotografen gestolpert: „Ein Heteromann, dem derartige Fotos gefallen, müsste ja ebenfalls ein ’schwules Auge‘ haben.

Sie antwortet ihm: Ja, das hat er auch, wenn ihm die Bilder mit (s)einem erotischen Blick gefallen. Der Punkt ist doch nicht die -zuweisung, sondern die Abgrenzung, oder? Erotisches Begehren zwischen zwei Männern ist schwul. Das glaubt sie, das muss aber nicht so sein! Es kann nur für kurze Momente, für Fantasien.. bei einem sonst sich als Hetero verstehenden Mann auftauchen… Also kann auch ein Hetero ein schwules Auge haben, so wie ich als Lesbe ein Hetero-Auge habe… Und überhaupt kann der Mensch doch viele Augen haben oder? Hier denkt sie heterA-weiblich, zeigt sich ein Bestreben, alle Verschiedenheiten unter einen Mainstream zu versammeln.

Gerade finde ich beim surfen eine Bemerkung zu Prince und seiner Ikone: Da erinnert sich einer an eine Begegnung mit Prince, dessen sexuelle Masken alle Geschlechter und Schwarze wie Weisse verunsichern konnte, und: „Wie ein Blick in dessen Augen ihn für zwei Sekunden zu einem Schwulen machte: Aber ich war nicht der Unterliegende, ich war der Dominierende, verwechselt das nicht! I d’haved fucked the shit out of that motherfucker. That troublet me tough, man.“ (Perlentaucher, über Harper’s Beitrag vom 25.4.16)

Sie meint auch noch, dass das schwule Auge auch die Frau mit ihrem heterosexuellen Blick auf attraktive Männer nicht ausschliessen sollte.

Leider versteht der Fotograf nichts von sinnlichen Parallelen oder Übertragungen. Er nimmt es „mechanisch“: Die Vielfalt von Emotionen und erotischen Spannungen ist so komplex, dass ich eine Einteilung in sexuelle Kategorien als sehr ungeeignet empfinde. Das wäre etwa so, als würde man Kochrezepte ausschliesslich nach den Farben der Zutaten entwickeln… Ein erotisches Begehren zweier Männer ist sicherlich schwul – aber reduziert sich die Betrachtung und Gefälligkeit eines (wenn auch erotischen) Bildes – bei allem Respekt – nur auf erotisches Begehren? Eine Frage mit sehr weitreichenden Antwortmöglichkeiten.

Weiter unten: Wenn Behinderte neue und eigene Massstäbe für Sportveranstaltungen schaffen, ist das eine ganz klare und erforderliche Sache. Wenn jedoch Schwule eigene Massstäbe für Kunstschaffen und Kunstverständnis erfinden, führt das zur freiwilligen Ausgrenzung und geistigen Selbstbehinderung.

Wir sind an einem zentralen Punkt angelangt: Wer grenzt wen aus? Dazu gibt es noch immer die geniale Antwort, die Giovanni Dall’Orto schon 1994* gegeben hat: Wir ‚Ghettoisierten‘ grenzen niemanden aus, wir lassen Heteros ebenso herein. Wir gehen auch an die Orte der Heteros. Es sind aber genau diese, die nie unsere Orte frequentieren würden, weil sie Angst haben, man würde sie „hier“ sehen und sie würden dann ebenso ausgegrenzt! (Sinngemäss)

Zum Schluss passt der neue Film von Andrè Téchiné: Quand on a 17 ans! Zwei Aussenseiter verschiedener Art im Gymnasium. Schon eine der ersten Szenen zeigt ihren Status in aller Härte: Im Sportunterricht sind sie die letzten, die in die Mannschaften gewählt werden. Thomas ist afrikanischer oder maghrebinischer Herkunft, etwas verstockt, etwas aggressiv, aber auch unverkennbar liebesbedürftig. Damien ist schwul und bis über beide Ohren verknallt in diesen hübschen Jungen. Jedes Wort, jeder Blick Damiens bringt Thomas zur Weißglut, sie prügeln sich, beleidigen sich, jede noch so schmerzhafte Nähe ist besser als gar keine Berührung. Um die Schläge besser aushalten zu können, lernt Damien boxen…

Als Drama in drei Trimestern erzählt Techiné seine Geschichte der jugendlichen Liebe und des erotischen Erwachens, mit einem feinem Gespür für die emotionalen Konfusionen, für die Sinnlichkeit und all die Schlichen, mit denen junge Menschen vom Leben kosten, wie bitter es auch schmecken mag. Mit großer Eleganz und Delikatesse zeigt er verstohlene Blicke, gestohlene Berührungen und die vor Verlangen berstenden Körper. (Thekla Dannenberg auf perlentaucher.de)

Wir zerstören alles, wenn wir über Feinheiten hinwegputzen. Wir sollten achtsam auf Verschiedenheiten sein, denn nur dann erlangen wir all die Feinheiten, die ein erfülltes Leben bieten kann. 

Wir sollten die grundsätzlichen Widersprüche, die sich aus der Hinwendung zum eigenen Geschlecht ergeben nicht ausblenden oder von anderen „Nebenwidersprüchen“ zudecken lassen. 

Peter Thommen_66, Schwulenaktivist, Basel

* Babilonia Nr. 120, März, S. 59-61, italienisch > giovannidallorto.com

 Über die schwule Scham, vom Zaunfink

über Brokeback Mountain

Der KREIS darf sich nicht schliessen!

Sonntag, Oktober 12th, 2014

Die Geschichte der legendären „Vereinigung“ und daraus hervorgegangen die romantische und vorbildliche Ehe von Röbi und Ernst, ist ein guter Einblick in unsere – ahem UNSERE – Vergangenheit und Genealogie.

Ja, Genealogie, denn die Jungen von heute sind unsere Söhne und Enkel und wir sind deren Väter und Grossväter – um es mit den ungewohnten „heterrorsexuellen“ Begriffen zu umschreiben.

Die abgerundete Geschichte ist nicht das Ende der Verfolgung und Diskriminierung, aber auch nicht das Vorbild von schwulen Beziehungen. Vielleicht für Mütter und FamilienpolitikerInnen, die sich nichts anderes vorstellen können! Klar, dass da vieles einfach „seltsam“ war, selbst in den Augen der damaligen „Homoeroten“.

Ich zitiere aus Florian Vocks Besprechung: „Rolf  (der Obervater), als schwuler Aktivist, ist gleichzeitig integer und unsicher; einerseits ein Fels, andererseits bedrohlich am Wanken. Denn auch Rolf kann nichts gegen die Sittenpolizei unternehmen. Seine anpasserische Art, im Zweiten Weltkrieg lebensrettend, wirkt in der Tabuwelt der fünfziger Jahre nicht.

Rolfs ambivalente Gefühle sind eine Parabel auf die heutige Bewegung: Wie viel Anpassung soll es sein? Wie anständig müssen Homos sein, um vom Parlament ein paar weitere Rechte geschenkt zu bekommen? Sollen wir uns denn von den schwulen Strichern distanzieren, die heute in Bars und an Partys einfach dazu gehören?

Sollen wir die promiskuitive Sexualität in Sexboxen verschieben und hinter dem Schleier der Doppelmoral perfekte Paare inszenieren, um die Anerkennung zu bekommen, die wir fordern?

Zugegeben: Das Liebesleben ist chaotisch. Aber die Freundschaften sind echt. Der Kreis ist der Anker zur Möglichkeit, Freundschaft in Liebe und Freiheit zu leben. Die Anker gibt es auch heute noch: Die Feste des Kreis sind die Partys von heute, die erotischen Frauendarstellerinnen die politischen Dragqueens von heute und die Abonnenten vom Kreis die Peergroups von heute.“

Die hetero-anpasserische Art der sogenannten „organisierten“ Schwulen in der Schweiz von heute, schwankt zwischen Eheforderung und Blindheit gegenüber der „Pädophilen“-Diskussion und der steten,  „unbeachteten“ Anpassung der Sexualgesetze an die politisch-feministische Korrektheit.

Eheforderung gegen stete Anpassung? (an die sozialen und wirtschaftlichen Probleme der Globalisierung der Hetero/as) „Wir sind ja nicht so wie jene, wir sind so wie Ihr – daher akzeptiert uns endlich!“

Mich ärgert die Unverschämtheit von Heteras, über Sex zwischen Männern zu befinden und die heterosexuellen Raster über unser Leben zu ziehen! Nämlich da, wo es keine Opferinnen und Täter nach Geschlechtsorganen gibt, wird es per Lebensalter „zugeteilt“. Das hatten wir aber schon nach 1942! Was damals nicht gut war, kann auch heute „nicht schon wieder“ gut sein! Die südländischen Stricher von gestern sind die „armen MigranntInnen“ von heute, die sexuell ausgebeutet werden! KeineR merkts!

Das Liebesleben ist auch heute noch chaotisch –  glücklicherweise! Aber die Freundschaften ermangeln der Gemeinschaftserlebnisse der Schwulenbewegung, die auf den Kreis folgte! Nein, ich meine nicht die Gruppenficks aus den heterosexuellen Fantasien! Ich meine die „Bettverwandtschaften“ unter Männern! Solche, die dem einen über Liebeskummer hinweghelfen, oder anderen erlauben, gewisse Bedürfnisse ausserhalb einer „Homo-Ehe“ zu befriedigen, um damit in Frieden zu leben.

Nun, die Parties von heute sind gerade nicht die Feste von gestern (Zschr. mann 1/78)! Und wo gestern Alkohol getrunken wurde, werden heute immer neue Drogen konsumiert. Es kümmert auch keineN, wohin die Einnahmen heute fliessen… Damals vor allem in die Töpfe und Schriften der Bewegung.

Der Film ist eigentlich politischer als er gewollt war. Schlau, wer sich nicht von der Romantik blenden lässt!

Peter Thommen_64, Schwulenaktivist, Basel

Es gibt immer noch zuviele Mütter und Frauenpolitikerinnen, die (ihre) Söhne vor Homosexuellen schützen möchten und es dabei noch gut meinen, obwohl sie nichts davon verstehen! Und Jungs haben ein Recht darauf, ihre Partner frei zu wählen, unabhängig von ihrer Orientierung!

Mädchen können da viel mehr spielen damit als Jungs, weil sie einfach nicht ernst genommen werden. Jungs werden sofort so ernst genommen, dass sie nicht mal damit spielen können.“ (swissgay.info Nr. 3, Okt. 2014)

Es ist politisch bedenklich, wenn nach aussen immer von „Liebe“ die Rede ist, während ja nur der Sex strafbar/straffrei war und ist! Andererseits geht es den Hetero/as immer vor allem um den Sex, denn ohne ihn hätte ihre Liebe ja keinen Sinn! 😉

Nationalrat HIRNLAPPEN

Donnerstag, Juni 12th, 2014

Wir sollten nicht immer wieder Toni Bortoluzzi wie einen Eber durch die Medien jagen. Was er in der Schule und im Leben nicht gelernt hat, das wird er nie mehr aufholen können! Bei „Bildungsdirektor“ Oskar Freysinger ist das genauso! Peter Thommen

Toni Bortoluzzi und Aids, 2007

P.S. Wer sich über „exotische Schwule“ aufregt, sollte sich mal überlegen, wie idiotisch heterosexuelle Männer daherkommen können: An der Fasnacht, als Burschenschaften, Krieger, Tonsur der Mönche… Zurzeit kleiden sich die Fans ziemlich skurril für die Weltmeisterschaften in Brasilien…

Darüber gibt’s das Buch „Kerlekulte“

Warten auf den Odem eines Mannes

Mittwoch, Januar 1st, 2014

… auf dass der Alltag einer grossen Liebe weichen möge!

Der überwiegende Teil des Lebens eines homosexuell empfindenden Mannes besteht aus WARTEN!

Schwule warten auf alles Mögliche: auf einen Spielkameraden der ihnen gefällt, auf den ersten Sex, darauf immer wieder einen Kameraden zu haben, der „eingeweiht“ ist. Auf die Strafe der Eltern, Gottes, der Mitschüler…

Wir warten auf jeden Fall auf die grosse Liebe!

Meist ist uns unbekannt, dass das Warten auf etwas Bestimmtes genau der Grund ist, warum „nichts kommt“! Du wartest im Tram darauf, wann der hübsche Bengel endlich aussteigen wird. Ob der Junge da vorne wohl ins Elle&Lui oder in den Dupf einbiegen wird. Ob der hübsche Mann in der Zeitung oder im Film vielleicht nicht doch schwul ist?

Wir Schwulen sind aufs Warten programmiert. Wir haben nie gelernt, unsere Bedürfnisse anzubringen. Wir hätten es nicht gewagt, einem Banknachbarn in die Hose zu greifen, oder einen Mann aktiv zu verführen… Weil wir Angst haben.

Als Angsthasen sind wir auf die Welt gekommen und da wir unser Schwulsein vor allem als persönliches Problem zu begreifen gelernt haben, werden wir die Angst vor den „andern“ – der Mehrheit – auch alleine nie überwinden.

Wieviel Angst braucht es noch für viele Jungen, die Schwelle einer Schwulenbar oder des Buchladens zu überschreiten. HEUTE noch!

Diese Angst muss anscheinend jedem einzelnen in der Familie und in seiner Umgebung eingeimpft worden sein. Aber auch ältere Schwule haben noch im Rentenalter Angst, man könnte sie diskriminieren, obwohl sie da doch wirklich nichts mehr zu verlieren haben?

Diese gesellschaftlich programmierte Angst verurteilt uns zum ewigen Warten. Wir warten auf einer Klappe, ob irgend einer der Männer sich sexuell interessiert zeigt. Wir warten im Park auf einen interessanten und geilen Mann. Wir warten in der Sauna auf den Sex, den wir doch so nötig haben, weil wir dauernd nur warten, statt organisieren!

Sex soll doch über einem hereinbrechen – und mit ihm die „grosse Liebe“. So etwas selbst anzubahnen, wäre doch ein Verbrechen!

Wir warten stundenlang in einer Bar, drehen regelmässig den Kopf zur Seite, wenn sich die Toilettentür oder die Eingangstür öffnet und schliesst. Wir tanzen im Club wie verrückt und warten darauf, dass der Auserwählte unter den Gästen irgendwie hängenbleibt.

Wir warten während der Arbeitszeit, bis es Abend wird und wir wieder Ausschau halten können. Wir warten, bis endlich der „Richtige“ kommt.

Die Juden warten heute noch auf den Messias. Die Christen haben einen gefunden und ganze 2000 Jahre lang ‚was schönes auf der Welt angerichtet‘. Aber auch die warten schon wieder auf dessen „Wiederkunft“. Viele Menschen warten darauf, dass „etwas passiert“. Sie vergessen, oder wollen nicht wahrhaben, dass SIE es sind, die zur Aktivität gefordert sind!

Wenn die Leute vom Isola-Club nichts gewagt hätten, wäre der Dupf* heute noch geschlossen, oder ein Hetero-Lokal. Wenn Werni und Ronny nicht im letzten Augenblick einen Tuntenball ausgerufen hätten, würde der tolle Weihnachtsabend im Keller des Hirscheneck niemals stattgefunden haben.

Und was tut das „schwule Volk“? Es zieht sich zurück und wartet auf das nächste Ereignis! Da kann es warten, bis es rosa wird…

Ich denke, wenn sich die Leute anfangen, selbst zu „verunstalten“, sich umzumodeln, sich einen Arm oder ein Bein abzuschrauben, um es gegen etwas anderes auszutauschen – sich die Klamotten verkehrt herum anzuziehen – , ihr allseitiges Suchtverhalten zu pflegen, dann sind sie nicht mehr von dieser Welt! Dann können wir sie als „tot“ abschreiben.

Ich habe zwischen den letzten Feiertagen Dutzende Menschen und Gesichter gesehen, die das ganze Jahr über nicht existent sind. Einige wollten ihre Beziehungen oder langjährigen Freunde vorzeigen, einige kamen auch nur, um schnell eine Bestandesaufnahme zu machen…

Sie warten anscheinend immer bis Ende Jahr. Allen diesen Wartenden fällt anscheinend nicht auf, dass in den verschidensten Aktivitäten eines bunten und sehr verschiedenen Völkleins von Schwulen ein gemeinsames Zeitverbringen steckt, das die wahre Gelegenheit des unsensationellen Kennenlernens birgt. Aber was ist schon eine Liebe, die leise wächst, gegen das wagnerische Donnergrollen eines grossen, schönen, dunklen Mannes, der fest entschlossen auf uns zu schreitet?!

Einige entwickeln zwar schon Aktivitäten, aber sie suchen eigentlich nur die Anerkennung im bürgerlichen Kuchen (z.B. Theater), wo man sich zwar sieht, aber ausser Kultur nichts am Hut hat. Man geht da auch mit seinem Lover hin. Und wenn das dann öfters geschieht, dann fühlt man sich anscheinend von dieser Art High Society in seiner so lange ersehnten Beziehungskiste bestätigt. Wenn man dann wieder alleine ist, was wir ja nicht hoffen wollen, dann können wir schon mal wieder in die Niederungen des Milieus abtauchen…

Vielleicht liegt im alltäglichen erkennen von Bez(iehungs)ugspersonen eine bessere Chance für deren Beurteilung, als im hochgeschwappten Gefühl sensationeller Liebe? (Und bis die da wieder von ihren rosa Wölklein herunterfallen, vergehen mindestens Wochen, wenn nicht Monate! Und damit hat sich’s dann auch meistens!)

Vielleicht liegt auch im alltäglichen und gemeinsamen Bewältigen des Lebens und seiner Probleme etwas unsensationell Angstmachendes: Die schleichende Erkenntnis, dass es eigentlich der Zeit egal ist, wie sie zerrinnt. Aber wenn Du einmal dreissig bist, dann erschaust Du die Zeitlache auf dem Boden Deines Lebens… und es ergreift Dich das Fürchten!

Peter Thommen, geschrieben im zarten Alter von 45 Jahren (Thommens Senf, 4. Jg. Nr. 1, 6. Januar 1995)

* Lokale aus den 90ern

kein Sex ohne Kinder! *

Mittwoch, September 18th, 2013

Ein Beitrag zur ideologischen Auseinandersetzung. Es ist auffällig, wie in der Heterrorgesellschaft der politische Kampf um Kinder – ihre Zeugung und ihre zeugungslose, mechanische Produktion, sowie um „ihre Sexualität“ und ihre Asexualität immer skurrilere Formen annimmt

Der Hauptteil des Themas wird von Müttern „belegt“. Von denjenigen, die zwar Kinder haben, aber selbst auch über deren Leben und Tod entscheiden wollen (und auch können!), und von denjenigen, die auf natürliche Weise keine empfangen (1) oder gebären können (und manchmal auch nicht wollen).

Lange haben Mann und Frau den Homosexuellen vorgeworfen, sie würden die Fortpflanzung verweigern und sollen dafür geächtet werden. Interessanterweise aber sind die „unnatürlichen“ Fortpflanzungstechniken gerade NICHT für diese entwickelt worden, sondern für Frauen und Männer, die UNBEDINGT Kinder haben möchten!

Wenn sie dann aber auch von Homosexuellen „mitgenutzt“ werden wollen, ist es auch wieder nicht recht! Das ist ein sanfter Hinweis auf den Stand unserer „Akzeptanz“ bei ihnen…

Wir erleben nun ja seit längerer Zeit auch den Kampf UM die Sexualität von Kindern. Genauer gesagt, einen Kampf von Erwachsenen untereinander, mit „Beschlagnahmung der Sexualität“ ihrer Kinder! Z. Beispiel missbräuchlich bei Trennungen und Scheidungen.

Dabei fällt mir auf, dass Kindern in gängigen Sexualinformationen schon beigebracht wird (wenn überhaupt), Sex im Hinblick auf die Fortpflanzung zu „lernen“. Obwohl es doch nicht Sache von Kindern sein kann, selber Kinder zu zeugen oder zu gebären. Auch nicht mit Erwachsenen, obwohl sie biologisch schon dazu fähig wären.

Ideologisch unauffällig, aber dafür umso interessanter ist die Tatsache, dass allen Jungs die Heterosexualität der Erwachsenen „nahegebracht“ wird, aber nicht die „gemeinsame homosexuelle Betätigung“ unter Jungs, die eigentlich alle Männer vereint. ** Aber schon 12jährige schwärmen von der Verdoppelung ihrer Partnerinnen und lesbischem Sex! Daher redet auch keineR offen über die verbreitete homosexuelle Betätigung unter Männern, denn das ist offiziell „schwul“. Und als älterer Schwuler lerne ich, dass wir später die erst heterosexuell lebenden Männer, mit Schmärbauch und Falten, so ab fünfzig dann ruhig haben können. Mich wundert es eigentlich nicht, dass sich ältere Männer „pädophil“ betätigen, denn das wurde ihnen ja als Kind und Jugendlicher damals verwehrt… (1a)

Nun ist es schon in Ordnung, wenn Kinder keine perversen Fantasien über Sex und Kinderzeugung entwickeln müssen – wie das in der Geschichte der Psychoanalyse oft aus Therapien erwähnt worden ist. Sie sollen wissen, was ihre Eltern so „Schmutziges“ treiben und unter welchen Umständen sie selber entstanden sind. Aber die meisten Mütter und viele Eltern schämen sich eben selber dieser Tatsachen. Darum sind sie unfähig, ihre Informationspflicht zu erfüllen. Dr. Jeanne Stephani-Cherbuliez („Mutter und Ärztin“) formulierte das – unter dem Stichwort „Scham und falsche Scham“ – in ihrem Buch von 1947 (2) bereits folgendermassen: „ … gibt es viele Eltern, die auf den Rat, ihre Kinder mit den Lebenstatsachen bekannt zu machen, in aller Aufrichtigkeit antworten: Ich weiss nicht warum, aber ich kann es einfach nicht.“

Da wirken besorgte Eltern, die sich gegen „die Sexualisierung von Kindern“ wenden, also heute – fünfundsechzig Jahre später und im Zeitalter des Internets – nur noch skurril. Ich selber bezeichne das sogar als „kriminell“!

Ich habe mir die neuesten Erkenntnisse vor einiger Zeit selber zu Gemüte geführt und festgestellt, dass darin vor allem biologische und empfängnisverhütende Informationen präsentiert werden. Allenfalls noch sexuelle Orientierung. (3) Das Buch ist übrigens ab 10 Jahren „zugelassen“. Das heisst, dass im Allgemeinen den Kindern „Erwachsenen-Sexualität“ gelehrt wird.

Nach der konservativen Logik haben ja „Kinder kein Sexualleben“. Wir finden es alle normal, dass sich Kinder an den Eltern oder Erwachsenen ein Vorbild fürs Leben nehmen. Aber ja nicht in der Sexualität! Und ein kindliches Sexualleben existiert nicht. Ein Widerspruch in sich selbst.

Während nun der Schutz der Kinder immer konsequenter gefordert wird, ist aber deren altersmässiges Sexualbewusstsein in dieser Zeit ständig gesunken. Der Widerspruch zwischen Realität und gesellschaftlicher Ideologie wird also immer grösser! Inzwischen werden sogar schon Kinder als „Sexualtäter“ verhaftet. Logischerweise männliche, denn nur diese haben ja einen Penis!

Nicht nur daran wird ein politischer Sexismus erkennbar. Auch im Umgang mit der (vor allem männlichen) Homosexualität (4) lugt er (oder „sie“) überall hervor. Vorerst gibt es auch keine „homosexuellen“ Kinder, denn Homosexualität ist nichts für Kinder. Das zeigen verschiedene informelle Zensuren im Jugendbereich deutlich an! Broschüren werden verboten, oder deren Verbreitung verhindert (5) und altersmässig eingeschränkt. So kommen Jungs, die sich gedanklich oder praktisch mit Homosexualität befassen, einfach wieder in „Schwulitäten“.

Während in den 60er Jahren für Kinder und Jugendliche die Homosexualität als „ihre Phase“ stillschweigend toleriert wurde, da sie ja vorübergehen würde und keine Empfängnisverhütung erforderte, sieht die Welt heute ziemlich anders aus! Während Eltern bis in die 70er Jahre davon ausgehen konnten, dass ihre Kinder vorsichtig mit ihrem „Körper“ umgehen würden, bevor sie verheiratet waren, ist das heute schon längst „Geschichte“. Es gibt die Pille für Mädchen und Viagra ist nicht mehr nur beim Arzt erhältlich.Auch die Homosexualität ist keine ausschliessliche „Phase“ mehr für ein paar Wenige, bis zum Ende der Pubertät…

Kinder und Jugendliche stehen in einer sich widersprechenden Gesellschaft, in der sie einerseits geschützt werden sollen, politisch korrekten Sex lernen und vielleicht auch praktizieren sollen, und andererseits in ihren ganz persönlichen Wünschen, in denen auch Homosexualität enthalten sein kann und deren sexuelle Vorbilder und Partner bereits in der Erwachsenenwelt gesucht werden.

Mit den jüngsten Gesetzesänderungen (Lazarote Konvention) und der Erweiterung der „Kinderpornographie“ auf unter 18, schleicht sich der Kinderschutz auch in die Sexualinformationen ein! Welche „Informationen“ und Darstellungen sind für unter 18jährige noch erlaubt? Mit den „seriösen“ Schutzbestrebungen für die Mädchen und vor den bösen Männern, kommen auch die Jungs in die geschützte Schublade.Wenn sie aber mehr als drei Jahre Unterschied aufweisen, sind sie auch schon Täter.

Damit weichen diese sexistischen Politiken die Einheit der Materie auf. Unter 16 bestimmen die 3 Jahre, über 16 dürfen Jugendliche zwar sexuell aktiv sein mit Erwachsenen, aber sich selbst nicht mehr in Darstellungen zuschauen, da diese neu harte Pornografie ist, oder nicht mehr mit unter 18jährigen produziert und konsumiert werden darf.

Ausserdem ist der bezahlbare Sex zwischen 16 und 18 auch nicht mehr erlaubt. Und bestraft werden sexistisch nur die Jungs oder Männer, was unserer Bundesverfassung (Gleichverantwortung vor dem Gesetz) widerspricht! Für Jugendliche wahrlich ein kompliziertes Terrain, das zu den ganzen Sexualinformationen hinzukommt.

Wohl eher nicht, nur wenige werden sich wohl um diese Details kümmern und die Dummen haben das Nachsehen vor Gericht und in den Zeitungsschlagzeilen.

Nachdem wir ab 1992 endlich alle „gleich bestraft“ – für andere „gleichberechtigt“ – worden sind, holt uns das abgeschaffte Gesetz von 1942 teilweise schon wieder ein.

Es dürfte Frau BR Sommaruga und der EU-Kommission unbekannt, und den schwulen Organisatoren und den Politikern „einfach nicht wichtig genug“ sein, dass viele Jungs und junge Männer mittels gleichgeschlechtlicher Prostitution ein „Vor-Coming out“ für ihre homosexuellen Bedürfnisse, oder ihre homosexuelle Orientierung machen. Umso mehr die vielen heterosexuellen Jungs, die es sich „leisten können“, einen Service zu beanspruchen, für Bedürfnisse, zu denen sie nicht offen stehen können. Die zu „bestrafenden“ Freier sind also nicht ausschliesslich unter den über 18jährigen zu suchen!

Und wer – Frau Bundesrätin Sommaruga – entscheidet dann, ob Transsexuelle als Männer und Freier, oder als Frauen und Opfer vor Gericht zu gelten haben? Alles Fragen, die wohl nie von Frauen beantwortet werden wollen.

Peter Thommen, Schwulenaktivist, Basel

Ich erinnere daran, dass bei der Strafrechtsrevision in den 70er Jahren, die Expertenkommission die Kindlichkeit der Sexualität bei 14 Jahre, die Rechtskommission bei 15 Jahre begrenzen wollte.

Sh. auch einen Kommentar von André, zur Revisio, im come out vom Dezember 1991

Über die Kompetenz von 16jährigen Jugendlichen für Wahlen und Abstimmen über Gesetze,  siehe André Weissen, Arzt und Grossrat in Basel – aber natürlich nicht für Sexualität, oder gar Prostitution…

 

 

*  Die Zeit, in der es „ohne Kinder(zeugung) keine Sexualbetätigung geben durfte, ist noch nicht lange her…

**  „Die sexuelle Präferenz ist bei Jugendlichen noch nicht abschliessend festgelegt.“ (Cornelia Bessler, Jugendforensikerin/Gerichtsmedizinerin, Schweizamsonntag, 22.9.13, S. 5)

1) Dass es auch „unfruchtbare“ Männer/Spermien gibt, wird meistens nur in einem Nebensatz erwähnt.

1a) Nicht wenige von diesen fangen mit 40 noch an, mit anderen Männern Daddy-Son zu spielen.

2) Dr. Jeanne Stephani-Cherbuliez. Dem Geschlecht sein Recht. Gedanken einer Mutter und Ärztin über sexuelle Aufklärung und Erziehung, Müller Rüschlikon, 1947

3) Robie Harris / Michael Emberley: Total normal.Was du schon immer über Sex wissen wolltest, Beltz 2012

4) Ich verlasse hier das gemeinsame Thema mit Mädchen und beschränke mich auf Jungs, da ich selber ein Mann bin.

5) 2005 wurde die Broschüre “selbstverständlich schwul” (PDF) der Aidshilfe und von PinkCross so heftig von Konservativen kritisiert, dass sie nicht mehr an Schulen verteilt werden durfte, wegen des “darin dargestellten “Lebensstils” (PDF) – Ich mag mich erinnern, dass die Beschreibung einer Szene auf einer Toilette politischen Anstoss in Bern erregte. Man kann es nun mal den Heteros nie recht machen. Auf eine parlamentarische Anfrage hin, gab der Bundesrat am 31.8.05 eine “Unbedenklichkeitserklärung”ab. (Das Geschäft wurde auf parlament.ch unter dem Stichwort “sexuelle Minderheiten” archiviert…)

 

Was ist Kinderpornografie?

„Das gesunde Volksempfinden macht sich wieder breit – wie die Ambrosia…“ (PT)

NR Toni Bortoluzzi „wettert“ wieder gegen Sexualaufklärung! (bevorzugt auch immer gegen Homosexualität) Wie 20min am 19.9.2013 berichtet.

Hotnights, Schulverlag, Schweiz

Zu dem Thema sei auch an César Keiser erinnert: My Sohn, nimm Platz!

Homo-Ehe, Liebes Geschichten…

Mittwoch, April 10th, 2013

Ich habe in den letzten Jahrzehnten den Eindruck gewonnen, gewisse Männer und Frauen wollten vor dem endgültigen Verschwinden der heterosexuellen Ehe auch noch etwas davon erhaschen. Anders kann ich mir den „unbedingten Wunsch nach Gleichstellung“ nicht erklären. Dabei hat die historische hetero Ehe soviel historischen Ballast im Rucksack wie die katholische Kirche Verbrechen in ihrer Geschichte.

Und wie immer spielen die Kinder dabei eine übersymbolisierte tragische Rolle! Sie waren schon immer die Leidtragenden in den „guten Ehen“ und werden erneut politisch instrumentalisiert für die „gute heterosexuelle Ehe“ und gegen gleichgeschlechtliche Paare. Kinder werden von Heterosexuellen für alles Mögliche vorgewiesen und gerechtfertigt, sie sollen jetzt wieder die (heterosexuelle) Welt (= das Abendland) vor dem Untergang wegen der Homo-Ehe retten. Und was besonders auffällt. Sie können das nur, schon damals und auch wieder heute, wenn sie in sexueller Unschuld/Unwissenheit gehalten werden.

Als ich kürzlich etwas über das biblische Kinderopfer von Isaak schrieb, recherchierte ich im Buch „Menschenopfer“, von Nigel Davies (1) und stiess dabei auf ungeahnte Opferungen von Kindern von vorgeschichtlicher Zeit bis in die nicht zu ferne Vergangenheit. Alles im Dienste des Erwachsenenwohls. Bei der Recherche nach Büchern mit schwulem Inhalt bin ich zufällig auf einen Band der „Mandingo Romane“ (2) gestossen, der in der Zeit der Sklaverei in den USA spielt und eine solche Episode enthält. Aber darin werden auch, unter anderen Gräueln, Arbeitssklaven mit schwarzen Mädchen gezüchtet! (3)

Ich will damit sagen, dass auch viel Schreckliches an dem schwarzen Frack und dem weissen Schleier von heterosexuellen Ehen hängt! Wollen wir uns mit all dem auch identifizieren? Ich sage nein! Aber trotzdem sollen auch Männer mit Männern und Frauen mit Frauen sich letztlich „verehelichen“ können, wenn sie das unbedingt wollen…

Kürzlich wurde übrigens in Kwazulu-Land eine Ehe zwischen zwei schwarzen Männern geschlossen, mit allem traditionellen Drum und Dran!

Hier zwei Männer in Papua-Neuguinea

Zurück – zur „eingetragenen Partnerschaft“. Diese, in der Schweiz institutionalisierte Form einer gleichgeschlechtlichen „Ehe“ droht bereits jetzt durch eine „Öffnung der Ehe“ für Schwule und Lesben überholt zu werden. Dabei wäre auch dieses Gesetz sicher bald korrektur- und überholungsbedürftig, wie das seit längerem schon dauernd mit dem Strafgesetzbuch und den Verjährungsfristen geschieht…

Liebesgeschichten von Homosexuellen haben sich bereits seit Jahren in Filmen niedergeschlagen. Auch die weitere Entwicklung wird filmisch gestaltet und überliefert werden. Nach Jahren der „coming out“ – Filme und Beziehungsdramen, bis zu „Cage aux Folles“, um ein Extrem zu nennen, kommen neue Regisseure mit neuen Geschichten und Inszenierungen. Das Interessante an der ganzen Entwicklung ist die Bemühung um „Gleichheit“ – mit dem Bestreben, eine ersehnte Gleichwertigkeit zu erreichen. Doch schon bei der „Gleichstellung“ von Frauen mit Männern herrscht und frauscht das bürgerliche Missveständnis der Gleichmacherei. Um gleichwertig zu sein, müssen nicht beide Hosen tragen, oder eine Burka, oder sich Bärte wachsen lassen…

Das Geheimnis der Natur, der Religiosität und der Philosophie liegt darin, dass VERSCHIEDENES gleichwertig sei! Neger malen sich deswegen ja auch nicht weiss an, ja nicht mal wie ein Zebra!

David Lambert bringt nun eine neue Film-Version mann-männlicher Liebe. Die Geschichte, die  Jenseits der Mauern  erzählt, ist eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern, „die zwar – wie jede Liebesgeschichte – ihre Eigenheiten hat, einen eigenen Ton, eine eigene Art der Kommunikation etc., und die sicher auch deswegen eigen ist, weil sie sich zwischen zwei Männern ereignet, die sich jedoch so ähnlich genauso gut zwischen zwei Frauen oder zwischen einer Frau und einem Mann abspielen könnte“. (Christoph Meyring zitiert David Lambert, den Regisseur dieses neuen Films, in Sissy 17/2013, S. 6)

Ich fürchte bis zur Gewissheit, dass Lambert hier Birnen mit Äpfeln und Zitronen mit Orangen vergleicht! Vielleicht lässt sich eine Liebesgeschichte wirklich in den obigen Kombinationen „ab-spielen“. Dann ist sie aber nur gespielt. Ohne Sicht auf Inneres, oder auf Identitäten. Und ich fürchte, die ZuschauerInnen glauben das auch alles!

Niemals kann sich etwas erotisch-sexuelles „gleich“ in Männern und in Frauen abspielen und schon gar nicht in Männer- oder Frauenpaaren. Homosexualität kann nicht einfach nur die homo Version der Heterosexualität von hinten sein! Ich weiss, Vielen erscheint das so. Und viele Männer und Frauen haben das auch lebenslänglich so gespielt. Und viele Frauen spielen „Lesben“, um Männern zu gefallen. Aber wenn Männer „auf den Hund“ kommen und unterwürfig „Doggie“ spielen, wollen sie noch lange nicht einen realen Hund heiraten!

Heteras können nicht glauben, dass es psychische und kulturelle Absichten und Erlebnisqualitäten zwischen Männern geben kann, bei denen sie aus-serhalb bleiben müssen. Die Frauenbewegung hat zwar zu zeigen versucht, dass sie „es“ auch ohne Männer kann. Das gleiche aber mutet sie Männern nicht zu. Und es gibt ja auch keine ernsthafte Männerbewegung oder so was…

Ich kann nur aus der Sicht eines Mannes beschreiben, was mich mit anderen Männern verbindet – nicht nur mit Schwulen oder Bisexuellen. Das geht über das gegenseitige Verständnis und Wissen um Körper und Sexualität hinaus. Ich denke da gar nicht an geheime Sachen. Es gibt keine Geheimnisse mehr um die Sexualität! Jedenfalls ficken wir niemals ausserhalb der Gesellschaft, sondern mitten unter den Hetero/as. Es wirkt auf mich zurück, wenn ich der sexuell motivierten Gewalt gegen „Weiblichkeit“ ausgesetzt bin. Aber auch, wenn ich dem sexuell motivierten Terror zum Sex mit dem anderen Geschlecht ausgesetzt bin. Und das kann von beiden Geschlechtern/Eltern ausgehen, von Kindheit an.

Es nützt also nichts, wenn sexuelle Praktiken verglichen werden. Eine Frau anal penetrieren hat nicht die gleiche Bedeutung, wie einen Mann. Auch kann ein Männerpenis in einem Männeranus nicht verglichen werden mit einem Strap-on (Umschnalldildo und einer Frau daran) am selben Ort. Mich erstaunt schon, wie schnell gewisse Frauen das gleichsetzen können. Auch die anale Penetration einer Frau durch einen Strap-on ist nicht das gleiche. Und wenn Männer Frauen anal penetrieren, dann praktizieren sie zwar Homosexualität, aber allein schon den Gedanken daran, weisen sie weit von sich. Wie kann Frau also ihre Passivität mit derjenigen eines Mannes vergleichen?

So einfach also entwickelt sich die Psyche von Männern und Frauen nicht in die gleiche Erlebnisqualität, so dass sich alles „ebenso gut zwischen allen abspielen“ könnte, wie oben behauptet. Und Kinder spielen da auch noch eine differenziertere Rolle dabei!

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

Homo-Ehe privat um 1970, Magazin JASMIN 81970-73)

Sybille Berg und die Homo-Ehe

Papst Johannes Paul II. 1979 über Ehe und Homosexualiät

(1) Nigel Davies: Opfertod und Menschenopfer, Ullstein 1981/83, 390 S.

(2) Lance Horner, Kyle Onstott (hier konkret): Der Mandingo von Falconhurst, Heyne, 1966/1977, 390 S.

(3) Bereits bekannt waren mir die „Schwarze Pädagogik“ von Katharina Rutschky, sowie „Hört ihr die Kinder weinen (Lloyd deMause, (Hg.).

Katharina Rutschky: Schwarze Pädagogik. Quellen zur Naturgeschichte bür-gerlicher     Erziehung, Ullstein 1977, 600 S.

Lloyd deMause (Hg.): Hört ihr die Kinder weinen. Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit. Suhrkamp 1974/78, 600 S.

China: Geld macht Ehe (DLF)

Homosexuelle als Sündenböcke in der Homo-Ehe-Diskussion, von David Signer, NZZ

Bettina Weber im TA: Die Ehe ist gar nicht mehr so attraktiv, wie ihre Verteidiger tun!

Hannes Stein: über die Ehe gestern und heute, NZZ 26-9-13

P.S. Eine Mutter, die in Frankreich ihren dreijährigen Sohn mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Ich bin eine Bombe“ und „Jihad, geboren am 11. September“ in den Kindergarten schickte, ist einer Strafe entgangen – dank dem Gericht in Avignon.  Das Gericht sprach die 35-Jährige frei vom Vorwurf der „Verherrlichung von Verbrechen“, da keine unmissverständ-lichen Hinweise dafür vorgelegen hätten. Der Junge sei am 11. September 2011 zur Welt gekommen und Jihad getauft worden. (SDA, BaZ 11.4.2013, S. 14)

P.S. Eine 41-jährige Mutter (im katholischen Polen, PT) hat drei ihrer neugeborenen Babies getötet und zu Hause in einer Tiefkühltruhe aufbewahrt. Die Frau, die noch vier weitere Kinder im Alter von 6 bis 22 Jahren hat, wurde verhaftet und hat gestanden.  (AP, NZZ 11.4.2013, S. 24)

Diese Meldungen sind fast immer unter „in Kürze“ oder „Diverses“ – in kleinen Ecken – zu finden. Obwohl ich Zeitungen unregelmässig lese, stosse ich immer wieder darauf.

Das Osterei als schwules Symbol

Donnerstag, März 28th, 2013

gewidmet René Reinhard, 18.11.1939 – 5.4.2013 *

Während die Heteros seit über zweitausend Jahren von der Fruchtbarkeit schwafeln und die Hühner und Gockel für unfähig betrachten, ihre eigenen Produkte zu verteilen, haben sie auch noch den „sexbesessenen“ Hasen für diese Aufgabe erwählt.

Doch so fruchtbar ist die ganze Angelegenheit gar nicht! Denn Ostereier sind ja „unbefruchtet“, sonst sind sie nicht essbar! Und für Leute, denen die bemalten Eier schon lange auf den Sack gehen, ein Färbetipp: Eier mit Bindfaden umwickeln oder darunter noch Blätter und Gräser beigeben, oder alte abfärbende Krawattenstücke – und diese in einem Sud von Kaffee oder Zwiebelschalen (drum wickeln) kochen.

Aber ich sehe schon, dass Einige sich jetzt den Vogel machen! (lol) Was haben Ostereier mit Schwulen zu tun? Naja, bunt wie ein Regenbogen sind sie meistens schon. Und Eiertütschen findet nicht nur unten statt, sondern mittels verbalen Stössen auch oben durch, was zeigt, wie gemein und wie „eindrücklich“ Schwestern sein können…

Ich habe allerdings kein Hodentrauma, wie man vermuten könnte. Obwohl ich mich an eine Begegnung in einer Klappe erinnern kann, bei welchem der geile Kerl nicht dahin griff, wo ich es gerne gehabt hätte, sondern an meine Eier – und kräftig drückte. Aber in diesem Bereich gibt es noch ganz andere Fetische…

Den Ostereiern wird also die Fortpflanzung vorenthalten, damit sie als „unfruchtbare“ Delikatesse bei Menschen auf den Tisch kommen! So ähnlich wie man/frau es den Schwulen vorwerfen tut – aber das kommt nicht auf den hetero Tisch. Weder Hühner noch Hähne beschweren sich. Fürs wirt-schaftliche Eierlegen braucht es zwar einen Gockel, aber er soll die Hühner nicht besteigen. Allein die Vorstellung der Hühner, was der durch einen Drahtzaun von ihnen getrennte Gockel mit ihnen alles anstellen würde, ist schon wieder sehr „schwulenfreundlich“.

Die dünne Schale des Eies, zwischen innen und aussen, symbolisiert für mich auch die Nähe von Männersex und Fortpflanzung. Mit anderen Worten: Die Homophobie ist ein zerbrechlicher Schutz vor der Neugier aufs andere Ufer, jenseits der Fortpflanzung. So frönen denn viele menschliche Gockel der ho-mosexuellen Lust, ohne dass es die Hühner bemerken, oder überhaupt zur Kenntnis nehmen wollen.

So dünn wie die Schale ist auch die Maske der Junghomos gegenüber der Familie und der Gesellschaft. Jederzeit kann sie einbrechen und ihr schwules Gedankenparadies zerdeppern. Bei vielen Junghomos kleben Reste davon noch hinter ihren Ohren, die ihnen den Selbsthass und die Homophobie in Erinnerung behalten, denen sie ungefragt immer wieder begegnen müssen.

Auch die sogenannte „Toleranz“ ist nur so dünn wie Eierschalen, denn sie hat strenge politische Altersgrenzen. Wie schnell wollen Mütter, PolitikerInnen und Staatsanwältinnen einen Schwulen „für immer wegsperren“, während es normal ist, dass junge Mädchen von erwachsenen Männern „eingeführt“ wer-den – oder junge Knaben von erwachsenen Frauen. Da träumen die letzteren schon mal öffentlich in Leserbriefen zu Berichten über „Sexualtäterinnen“ davon, dass sie „es“ schon immer mit ihrer Lehrerin, Nachbarin, etc. gewollt hätten. Ich wage nicht, mir vorzustellen, wenn Schwule in aller Öffentlichkeit ebenso von Lehrern, Erziehern, Sozialarbeitern träumen, mit denen sie in ihrer Jugend so gerne…

Hingegen ist es „normal“, wenn Eltern, Schule und andere Gruppen die schwulen Eierschalen eines Junghomos unabsichtlich oder auch absichtlich eindrücken, bis der ganze Inhalt ausgelaufen ist. Die MoralistInnen entscheiden schliesslich, wer das Opfer zu sein hat, unbekümmert darum, ob der Kontakt „einvernehmlich“ war oder nicht. Meistens ist eben schon die Homosexualität an sich „der Missbrauch“. Dieser Umstand ist immer von Anfang an abzu-fragen, bevor Schuldzuweisungen aufgehäuft werden.

Der neue Feminismus bekämpft den Penis und vergöttert die Jungfrau Vagina. Sie ist heilig und kann bereits über Leben und Tod – auch von Schwulen ent-scheiden, denn wir haben ihm die Abtreibung überantwortet. In Indien werden Mädchen durch Ultraschalluntersuchungen festgestellt und anschliessend ab-getrieben. Nicht zuletzt auch unter dem Druck von Schwiegermüttern. Was hat das mit Schwulen zu tun?

Bevor ich darauf eingehe, möchte ich daran erinnern, dass es auch im weib-lichen Körper Eier hat, die befruchtet werden können.

Und nun zu Jonathan Tolins, einem Theaterautor aus den USA. Er schrieb das Stück „Der letzte der Golds“, 1993 uraufgeführt am Booth Theatre in New York. Später aufgeführt in der Komödie Basel. 1994 adaptiert als Hörspiel für SRF von Claude Pierre Salmony.

Die Geschichte handelt in einer fiktiven Zeit, in der die sexuelle Orientierung genetisch ablesbar ist. Dean Hamer hatte 1993 angeblich ein „Schwulen-gen“ (XQ28) gefunden. Tolins führte dessen Theorie in ein konkretes Drama über. Darin erwartet die Schwester eines Schwulen einen homosexuellen Sohn. Die Diskussion führte darum, ob er abgetrieben werden sollte oder nicht. Ich war Zeuge der Publikumsdiskussion, die nach der Aufführung angesetzt worden war. Es wurde behauptet, das zentrale Thema sei gar nicht die Homosexualität, sondern die Abtreibung. Man könnte mir jetzt wie immer unterstellen, ich sei „frauenfeindlich“. Aber es fällt schon immer wieder auf, wie soziale Stress-Situationen beschrieben werden, wenn Frauen „beteiligt“ sind, oder wie deren Verantwortlichkeit „entschärft“ wird.

Der jüdische Autor beschreibt eine kulturell doppelt „gebundene“ Situation. Einerseits wird man nur jüdisch durch eine jüdische Mutter, andererseits zieht diese Kultur die Männer vor. Einerseits hat die „Mutter“ einen schwulen Bruder und andererseits soll sie einen „unfruchtbaren“ Sohn austragen. Sie steht also in einem familiären UND kulturellen Dilemma! Soll die jüdische Mutter ihren Bruder für eine Abtreibung um Verzeihung bitten? Oder ihre Familie für einen schwulen Sohn?

„Die Eltern und Rob drängen Suzanne zur Abtreibung. Suzannes schwuler Bruder David kann es nicht fassen, dass seine bis dahin so liberalen Ver-wandten so denken. Er kämpft um das Leben seines ungeborenen Neffen. Schließlich überzeugt er Suzanne, das Kind auszutragen. Aber unter dem Druck ihres Mannes und ihrer Eltern entschließt sie sich doch zur Abtreibung – viel zu spät: Sie wird nie wieder ein Kind bekommen können. „ (aus dem Inhalt)

Und einmal mehr geht es „heterofriendly“ ab: „Entscheidend ist dabei nicht immer die Homosexualität an sich, sondern die Bedeutung, welche die einzelne Mutter der gesellschaftlichen Meinung und Erwartung beimisst.“ (Claudia Mül-ler: Mein Sohn liebt Männer, 2008, S. 98)

Peter Thommen_63, Buchhändler, Schwulenaktivist, Basel

Gästebuch

 

* er hätte geschmunzelt über diese Ostereier…

Junghomos leben in „Parallelwelten“!

Donnerstag, März 14th, 2013

Viele Hetero- und Homosexuelle glauben, man könne „nur schnell ins Internet gehen“, um diese oder jene zu finden. Ausserdem bieten sich Menschen im Internet auch wie Waren an, was beim Kauf zu grossen Enttäuschungen und Missverständnissen führen kann.

Die meisten Hetero/as glauben auch, Homosexualität gehe nur „die paar Schwulen“ etwas an, obwohl ihre hetero Männer mehr Homosexualität praktizieren als alle Schwulen unter sich! Dieser Eindruck hat sich bei mir nach 10 Jahren verfestigt.

Und die meisten Schwulen nehmen nicht zu Kenntnis, dass der grösste Teil der Darsteller in den Gaypornos gar nicht schwul ist. So viele Gays sind dafür gar nicht zu bekommen. Und es macht den Darstellern offensichtlich Spass… (auch schon bevor es Viagra gab!)

Es gibt Junghomos, die andere als „alte Säcke“ bezeichnen und Angst haben. Wovor eigentlich? Vor deren Sexualleben? Dabei ist das Sexualleben der Alten das, was die Junghomos auch in ihrer Zukunft haben werden! Gut, es im Voraus zu wissen. Und jede Anmache kann man höflich oder doch bestimmt auch zurückweisen.

Menschen, die einem  „nicht passen“ werden im Internet einfach „blockiert“. Mit wem ein Junghomo nicht ficken kann/will, mit dem ist auch ein normales Gespräch nicht möglich. Aber zudringliche „alte Säcke“ habe ich in meiner Jugend auch real „überlebt“. (Und heute gibt es auch zudringliche „junge Säcke“ im Internet, die es auf Alte abgesehen haben. Dies sei auch erwähnt!)

Wenn ich vom „Internet“ schreibe hier, dann denke ich an Kontaktplattformen, Foren und Chats. An den „schwulen Markt“, wie viele meinen. Und an die gay Pornos kommt mann auch kostenlos… Ich will aber auch von der Realität im Milieu und im Leben schreiben, von der viele Junghomos einfach nicht Kenntnis nehmen wollen. Dabei gefährden sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Mitschwulen und dazu noch die „Boyschwulen“ in der Zukunft… Doch eines nach dem andern.

Die Devise scheint zu sein: Wo keineR was sagt, wo nichts passiert, da ist ja auch keine Gefahr für die heimlich gelebte Homosexualität. Nach der Heterofamilien-Devise: Bei uns gibt es „sowas“ nicht – und wir wollens auch nicht wissen. Schon in der „normalen“ Gesellschaft gilt die bewusst gelebte Sexualität generell als „Anti-Kultur“ und wird ins „private“ Kämmerlein „zum spielen“ verwiesen. Das geht ja Niemanden etwas an. Ich kann dem leider nicht zustimmen, denn ich muss in allen Medien über das Sexleben sehr vieler Heteros – ungewollt lesen und hören – ausser vielleicht auf der Börsenseite nicht!

Schon die Geschichte der Verfolgung von Homosexualität zeigt, wie öffentlich das ist und wie sehr sich Heteros dafür interessieren! Und selbstverständlich interessieren wir Schwulen uns auch für die Heterosexualität (?), denn noch selten sagt ein Schwuler zu Heten: „Interessiert mich denn das?“ Umgekehrt dann schon eher!

Wir sind für die Gesellschaft nur interessant, wenn sie uns bestaunen, bestrafen oder uns diskriminieren kann. Ansonsten erwartet sie von uns eine „vorgelebte Asexualität“ – von Kindsbeinen an. Früher nannten besonnene Männer sowas „Homophilie“. Interessanter-weise geht es dem verwandten Wort „Pädophilie“ genau umgekehrt! Was als Begriff ohne Sexualität geschaffen wurde, wird gezielt „sexualisiert“ und als Bezeichnung für sexuelle Übergriffe missbraucht. Im Strafgesetz finden sich aber ganz andere Begriffe – die keineR verwenden will. „Pädophilie“ trifft gesellschaftspolitisch „besser“…

Nach gehäuften Morden an heimlichen Homosexuellen, die in den 60ern über Zeitungen an die Öffentlichkeit gelangten, kam in den 70er Jahren der Schritt von der „Homophilen-Organisation“ zur Homosexuellen Arbeitsgruppe. Denn wer die Chance der damaligen Sexualstrafrechtsreform nutzen wollte, musste hart arbeiten und lobbyieren – auch öffentlich! (Schutzalter hetero: 16, homo: 20, von 1942-1992)

Auf dem Plakat, welches „homophobe Gewalt“ thematisiert steht übrigens: „Was nicht gemeldet wird, ist nie geschehen. Und was nicht gemeldet wird, muss auch keineR zur Kenntnis nehmen. So einfach ist die Strategie des Heterrors.

Wenn ich darauf hinweise, dass Junghomos in Parallelwelten leben, dann meine ich auch, dass sie in einer Art „Anti-Realität“ leben. Alles „Schöne, Gute, Liebe, Ehrliche und Treue“ ist für sie reserviert und muss nur noch gefunden werden – im Internet. Der fiktiv Angebetete heisst „Mr.Right“. Dies hat eine religiöse Dimension – auch auf der „richtigen“ Seite der Gesellschaftspolitik: Gewalt, Diskriminierung, Mobbing. Da braucht es weder Koran- noch Bibelverse dazu. Aber meistens dienen sie zur Rechtfertigung…

Aber das passiert Junghomos nicht – wenn sie nur genug „hetero-like“ sind. Es heisst immer wieder auf Profilen: „Wer ficken will muss freundlich sein“. Ich sage aber, wer nicht mit Heteros „gesellschaftspolitisch ficken“ will, muss freundlich sein und die eigene Anpassung perfektionieren. Aber ich kenne leider keinen Fall, bei dem sich die hetero Gesellschaft nachträglich als „dankbar“ dafür erwiesen hätte…

Seltsamerweise erfahren wir aktuell nur übers Internet und schwule Medien über die Selbsttötungen schwuler Jugendlicher. Das passt nicht in die Vorstellungen von Heteros/as. Wie können Kinder schwul sein? Das können die noch gar nicht wissen, erhielt ich schon vor Jahren als Antwort auf dem Jugendamt, wo ich eine Studie über Jugendgewalt persönlich abgeholt hatte. Zurzeit ist das Thema in den USA aktuell. Nichts „wird besser“ – leider! Es nützt nichts, wenn „die Hoffnung zuletzt stirbt“ – trotz ihr aber schon Dutzende sterben mussten.

Statt uns über irgendeine allgemeine Gewalt in der Gesellschaft – oder gar die von Migranten zu verbreiten, sollten wir uns erst mal über die eigene Gewaltgefährdung im Klaren werden. Wir können eben nur in theoretischen Überlegungen auf die Hilfe von Mitbürgern zählen. Denn so schnell sie uns diskriminieren können, so schnell verlässt sie der Mut, den man auch „Courage“ nennt, einem Schwulen zu Hilfe zu eilen, weil jeder Hetero selber gefährdet ist, als Schwuchtel enttarnt zu werden. Ganz zu schweigen, dass Heteros auch in diesen falschen Verdacht kommen und quasi in ihrer eigenen Gewalt-Falle gefangen sind…

Dabei hat jede Art von Gewalt gegen Menschen etwas mit „Sexualität“ zu tun. Nicht unbedingt mit den Genitalien, aber zumindest hat jedes Opfer ein Geschlecht und wird deswegen, oder gar damit geschädigt. Es gibt nicht nur „sexuelle Gewalt“ (auch gegen Männer!), vielmehr gibt es auch „sexuell motivierte“ Gewalt – auch ohne Einbezug von Genitalien (Penis wie Vagina!). Und weil die Genitalien da meist nicht direkt eingesetzt werden, wird das auch nur selten erkannt und benannt. Zudem ist es für Heteros/as „normal“, wenn sich Männer oder Jungs prügeln – aber nicht, wenn sie sich wixen oder küssen!

Ich bin bei einem wichtigen Punkt angelangt, der den Schlüssel zu vielen Problemen von Junghomos und Klemmschwestern bietet. Jeder Heimlichtuer wird gestresst dafür, dass er sich dauernd anpassen darf. Aber jeder gefährdet da auch andere Schwule mit. Dadurch, dass sich die einseitige öffentliche Wahrnehmung nur von Tunten und Schwuchteln für viele verstärkt – selbst auch für Homosexuelle. Daraus folgt die Homophobie, von vielen Schwulen sogar selber „verinnerlicht“. Die Gesellschaft kann durch angepasste Klemmschwestern niemals erfahren, wie viele Männer anderen Männern für Sex nachrennen und dass das alles mit Weiblichkeit sehr wenig zu tun hat.

Zudem fehlt damit den Junghomos auch ein „normales“ Homo-Bild, mit dem sie sich, wie die Heteros, auch identifizieren könnten. Schwulsein bedeutet nicht, „so werden zu müssen“ wie die, „die man eh schon sieht“. Schwulsein bietet auch eigene Entwürfe, auch ohne „hetero-like“-ness! Die ganze Vielfalt an schwulen Männern muss öffentlich sichtbar werden. Dann lernen vielleicht auch die Klemmschwestern, diese Vielfalt selbst zu akzeptieren. Denn nur derjenige, der weiss wer er selber ist, muss keine Angst haben, „so wie jener“ zu werden. (P. Thommen)

Die Homosexuellen Arbeitsgruppen und die Schwulenbewegung insgesamt hat übrigens nicht nur gekämpft für die Homosexualität als Orientierung, sie hat auch gearbeitet dafür, dass alle Anderen auch mal schwul sein dürfen, oder auch nur Homosex praktizieren – ohne dafür bestraft zu werden. Die Dummis habens nur noch nicht gemerkt. Und wir Schwulen sind dann der Blitzableiter für ihre Gewissensbisse.

Und genau da drin sind auch Junghomos und Klemmschwestern verstrickt. Da ist auch der „heterosexuelle“ Damm aufgebaut, gegen „das Aussterben der Menschheit“ und gegen den „homosexuellen Missbrauch von Kindern“, wobei damit meistens Knaben gemeint sind, denn Mädchen und Frauen haben ja nix, womit sie einander oder die Männer missbrauchen könnten (?). (Drum blieben die homosexuellen Aktivitäten von Frauen weitgehend straffrei in vielen Kulturen.)

Und nach der heterosexuellen Logik sind „schwule“ Kinder eh von homosexuellen Männern missbraucht worden und werden dann wiederum zu Tätern an anderen Kindern. Aber bei dieser feministischen, männer-zentrierten Missbrauchsideologie vergessen alle, dass wenigstens bei den hetero Männern, vorher sehr viele Frauen am Werk gewesen sein müssten. (Über einige davon gibt es auch Literatur, die man aber suchen muss.)

Wenn ich aus heterosexueller Sicht davon ausgehe, dass Frauen den Knaben nur die „richtige Sexualität“ zeigen würden – und darauf lassen viele Leserbriefe auf entsprechende Meldungen in der Presse schliessen, warum fragt dann niemand, was Frauen den homosexuellen Knaben anzutun imstande sind? Der heterosexuelle Familienkomplex wird nie hinterfragt. So wie Mütter über die sexuelle Orientierung der meisten schwulen Söhne einfach hinwegsehen, in der Hoffnung, „das vergehe“ schon wieder.

Da wurde über Tiziano Ferros coming out berichtet. Die liebende Mutter wurde erwähnt, die „endlich froh“ gewesen wäre, „ihn nicht mehr leiden sehen zu müssen“. Bei sowas krieg ich die Wut in den Hals! Warum hat denn die „liebende Mutter“ nur zugesehen und ist nicht wie eine sprichwörtliche Wölfin mit ihrem Sohn den notwendigen Weg „hinaus“ gegangen? Ach, er hat halt für seine Mutter gelitten? Einen grösseren Schwachsinn kann ich mir gar nicht mehr vorstellen!

Ich habe nun versucht, die wichtigsten Zusammenhänge aufzuzeigen, die ich verantwortlich dafür mache, dass nachrückende Generationen von Schwulen – also die Junghomos – den öffentlichen Raum immer weniger selbstbewusst und solidarisch betreten und in ihm leben – als Schwule verschiedenster Ausprägung, ja auch als Tunten – oder von mir aus auch als „Queers“. Es ist üblich geworden, der Schwulendiskussion auszuweichen, indem das Wort Queer verwendet wird. oder Abkürzungs-Monster wie LGBT*Q… Das ist cooler. Aber wem nützt das?

Den fast ausschliesslich „sichtbaren“ Tunten nicht. Und auch den unsichtbaren Klemmschwestern nicht. Dieser öffentliche Raum und die offenen/öffentlichen Diskussionen mit den Heteros müssen wieder erobert und belebt werden. Das geht über die nächsten Verwandten und Bekannten hinaus, die „eh schon tolerant“ sind. Denn sonst hinterlassen diese „stummen“ Räume Gewaltbetroffene oder sogar Tote! Jeder ist zuviel!

Der Überfall mit Baseballschlägern vom 5. Januar 2012 am Stachelrain/Solitude ist von der Polizei auch nicht als Gewalt gegen einen Schwulen kommuniziert worden, obwohl ihr bekannt sein muss, dass dort ein Schwulentreffpunkt ist. Hätte aber ein einzelner Jugendlicher da einen Schwulen zum wixen getroffen, wäre das Urteil sehr leicht gefallen…

Wir sollten auch zur Kenntnis nehmen, dass in allen „Räumen“ – und besonders in „immer mehr Frauenräumen“, wie das am Frauentag 2013 verlangt worden ist, kein Platz für Homosexualität – schon gar nicht von heterosexuellen Männern ist! (Man lese das bitte zweimal laut!)

Es gibt nachgerade EINE öffentliche Schwulenbar in Basel – und erst noch in einem hetero Puff. Die Parties finden in hetero Locations statt und diese Stadt hat schon sehr lange keine Schwulendemo mehr gesehen. Ganz zu schweigen von Schwulen, die an öffentlichen Diskussionen teilnehmen würden. Gut. Die öffentlichen Sex-Diskussionen drehen sich auch meist um den „Missbrauch“ von Kindern. Und da fühlen sich – trotz den erwähnten Selbsttötungen – natürlich Junghomos und Klemmschwestern nicht davon betroffen.

Ich fürchte darum, dass irgendwann irgendwelche Klemm-Heteros vor dem L39 auftauchen werden – trotz dem Bordell im übrigen Haus. Dass sie vor den Clubs auf schwule Partygäste warten werden…

1985 fand ich in einer italienischen Modezeitschrift diese beiden…

Dies alles, weil Schwule immer mehr abtauchen und aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden – oder nur noch als“herzige Pärchen“ in einträchtiger, äh eingetragener Partnerschaft, in Erinnerung bleiben. Wollen wir das?

Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel  (thommen(at)arcados.com)

Kommentare sind willkommen und werden auch anonym publiziert!

Thommen: Der ewige Abgesang auf die Szene, (dazu siehe auch Henschel, über Veränderungen in der Szene)

Thommen, schwules Leben in der  Stadt, 1977-97

Rückblick auf die Szenen-Entwicklungen des letzten Jahrhunderts: Verpass keine Party!

Gästebuch Th’Senf

Kinder dürfen SO und „anders“ lieben!

Freitag, Februar 22nd, 2013

Udo Rauchfleisch ist ein ausgewiesener Fachmann im Bereich sexueller Orientierung und Psychotherapie. Seine Bücher sind Marksteine in der Diskussion um die Entpathologisierung von Homosexualität. Aber auch zur Transsexualität trägt er wichtige Informationen bei.

Ich selbst bin schwuler Buchhändler und ein Kind der neueren Schwulenbewegung. Es ist für mich wichtig, Fachliteratur in gesellschaftliche Zusammenhänge zu setzen und sie auch zu kritisieren. Weniger vom Fachlichen her, als vielmehr von den gesellschaftspolitischen Wirkungsmöglicheiten ausgehend. Ich bin daher mit meiner ersten Kritik auf gaybasel.ch beim Autor auf Erstaunen gestossen.

Es gibt zwei grundlegende Prinzipien sich mit Homosexualität zu befassen. Das eine sind Fachleute, die über das Thema und die daran Beteiligten* schreiben oder referieren und das andere ist das direkte Gespräch mit ihnen. Fachleute wie Rauchfleisch haben geholfen, das Thema aus der Krankheits-Ecke herauszuholen und die Schwulenbewegung hat es fertiggebracht, dasselbe aus den Toiletten auf die Strasse und in die Medien zu holen. Das reicht aber überhaupt noch nicht aus! Wir sind heute an dem Punkt, an welchem es klar werden muss, dass Homosexualität nicht allein eine „Orientierung“, „ein Fetisch“, oder eine „sexuelle Praktik“ einer vernachlässigbaren Minderheit ist. Denn damit sind Schwule das Stigma noch nicht los!

Ich bin 1950 geboren und somit in einer Zeit, in welcher „die homosexuelle Phase“ ganz normal der Kindheit und Jugend zugestanden worden ist, indem man/frau hoffte, diese sei eine „vorübergehende“. Die strafrechtliche Verfolgung und die gesellschaftliche Verfemung setzten ein, wenn diese „Phase“ definitiv bis ins Erwachsenenalter beibehalten wurde. Dann begann sie zu „stören“. Das frühere „Schutzalter“ von 20 Jahren – von 1942-1992 – brachte dies auch kriminalpolitisch zum Ausdruck! (Jungs und Mädchen durften damals schon ab 16 Jahren miteinander!)

Der erste Schritt bestand also darin, die homosexuellen Erfahrungen der Heranwachsenden zu entkriminalisieren und dieses Schutzalter für Sexualität allgemein und für alle Beteiligten, also die einverständliche „Jugendsexualität“, auf 16 Jahre herabzusetzen. Doch wir haben nicht damit gerechnet, dass sich die Politik und Justiz noch längere Zeit für den „politisch korrekten“ (hetero) Sex engagieren würde! Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass der Jugendschutz nach wie vor ein wichtiges Anliegen in weiten Kreisen der „korrekten“ Bevölkerung ist, während das Alter der sexuellen Aktivitäten stetig sinkt! Gleichzeitig sind die Grenzen zwischen den hetero und homosexuellen Aktivitäten ebenfalls gefallen und können nicht nur mit Orientierung und Identität verbunden werden!

„Es gibt viele heterosexuell orientierte Menschen, die ebenfalls homosexuelle Bedürfnisse haben und diese unter ebenso schwierigen Bedingungen befriedigen müssen, wie Schwulis. Es geht eben nicht nur darum, dass heterosexuell lebende Menschen sich plötzlich in einen des gleichen Geschlechts „verlieben“ können. Sie können gelegentlich, oder regelmässig, mit dem gleichen Geschlecht auch Sex machen. Und nach über zehn Jahren Internet behaupte ich, dass dies mindestens ein Drittel der Männer auch tut.“ (Th.)

„Aber was nützt einer Mutter der Begriff der „Kern-Geschlechtsidentität“, wenn sie Angst hat, ihr Sohn werde anal vergewaltigt? Diese Angstbilder vermeidet er geflissentlich. Frauen haben keine Prostata und kennen die anale Lust nicht aus dieser Erfahrung!“ (Th.)

Mit dem Titel „Mein Kind liebt anders“ wird für Eltern niemals klar werden, dass es auch eine Homosexualität „jenseits“ einer „Fixierung“ darauf gibt und dass das Kind die Freiheit haben sollte, sie auch „neben seiner heterosexuellen oder bisexuellen Orientierung“ zu nutzen. Es gibt sehr viele Schwule, die öfters und regelmässig sexuelle Erfahrungen mit Heterosexuellen machen, diskret und anonym natürlich. Und der bekannteste Spruch der Bisexuellen lautet: „Ich bin verheiratet.“ Oder „Ich habe eine Freundin.“ – „und das soll sich auch nicht ändern.“

Mit der Einschränkung der Homosexualität auf eine „Orientierung“ und deren Fixierung auf ein ganzes Leben, wie bei der Heterosexualität, werden gesellschaftliche Tatsachen ignoriert. Ganz zu schweigen davon, dass es viele hetero orientierte Männer gibt, die sich tatsächlich nach 20 bis 30 Jahren „umorientieren“, aber damit nicht plötzlich zu „Schwulen“ werden.

Ich möchte dem Autor die Anregung geben, die Joachim Braun und Beate Martin schon im Jahr 2000 im Rowohlt Verlag umgesetzt hatten, mit ihrem Buch „Gemischte Gefühle“. Darin bekommen Heterosexuelle vorgesetzt, dass sie selber auch ein „coming out“ haben, eine „Szene“ und eine „Orientierung“. Und nicht wenige homosexuell Orientierte können oder wollen sich auch fortpflanzen…

Nun, inzwischen haben wir ein Gesetz über die „eingetragene Partnerschaft“, Forderungen nach Adoptionsmöglichkeiten wie bei der Hetero-Ehe und sind an einem öffentlich wahrnehmbaren Punkt angelangt, der die faktische Durchmischung von Heterosexualität und Homosexualität aufhebt und sie jeweils in eine Ausschliesslichkeit zwingt, die jenseits aller empirischen Daten ist! Naiv ist, der sich nichts dabei denkt…

„Im Allgemeinen haben Frauen mit Homosexualität wesentlich weniger Probleme als Männer.“ (Rauchfleisch)

Es gibt keine realen Befunde, die das erhärten würden, nur Äusserungen. So manche Frau gibt sich „tolerant“, wenn es aber um ihren Ehemann oder ihren Sohn geht, sieht alles wieder anders aus. Das habe ich an einigen Beispielen, die ich hier nicht referieren kann, schon sehr eindrücklich erlebt!

„Die Ergebnisse dieser Untersuchung verdeutlichen, dass die Formen, in denen sich die mütterliche Einstellung ausdrückt, dem Einfluss eines gesellschaftlichen Stigmas unterliegen. … Entscheidend ist dabei nicht immer die Homosexualität an sich, sondern die Bedeutung, welche die einzelne Mutter der gesellschaftlichen Meinung und Erwartung beimisst.“ (1)

Dies der Befund von Claudia Müller in ihrer nichtrepräsentativen Arbeit „Mein Sohn liebt Männer“, eine qualitative Studie über einige Mütter. Nicht zuletzt habe ich die Erfahrung gemacht, dass sehr viele Jungs es nicht wagen, mit ihren Müttern über Sexualität zu reden und sich – gemäss einer vergangenen Studie – 30 % der Bisexuellen eher das Leben nehmen würden, als mit ihren Frauen über ihre homosexuellen Bedürfnisse zu sprechen.

Nehmen wir also die „Homosexualität“ aus der „Orientierung“ heraus und stellen sie ALLEN Männern zur Bedürfnisbefriedigung zur Verfügung, dann enthält dies erheblichen gesellschaftspolitischen Sprengstoff. Von der Reaktion von Frauen ganz zu schweigen. Ich habe einige kulturgeschichtliche Werke zur Sexualität gelesen und dabei gelernt, dass es immer das Bestreben der Gesellschaft war, erstens die Frauen zu „versorgen“, denn früher gab es für Unverheiratete, ledige Mütter und Geschiedene oft nur niedrige Arbeit, schlechte Bezahlung, oder die Prostitution, und zweitens die Männer unter „die Haube“ ** zu bringen, damit sie sexuell versorgt und keine Gefahr mehr für andere Frauen seien…

So erscheint mir die „Schwulen-Ehe“ historisch den gleichen politischen Weg zu nehmen, obwohl eigentlich alle wissen, dass diese Ideologie im Leben für die Allgemeinheit nichts taugt! Und schon sind PolitikerInnen daran, die MigrantINNen-Prostitution zu instrumentalisieren und die sexuelle Freiheit ab 16 Jahren für beide Geschlechter weiter einzuschränken. Dabei werden die aktuellen wirtschaftlichen Probleme galant unter den Tisch gewischt!   Peter Thommen_63, Schwulenaktivist, Basel

P.S. Eine detaillierte Rezension von Rauchfleischs Buch auf arcados.ch

 

* Ich schreibe hier absichtlich nicht „Betroffenen“

** kann übrigens auch in Zusammenhang mit der Kopfbedeckung von Muslimas gesehen werden! Wir hatten auch solche Traditionen.

1)  Claudia Müller (Pädagogin): Mein Sohn liebt Männer, 2008, eine qualitative Studie über 5 Mütter)