Archive for the ‘Kurzpredigten’ Category

Homophobie – was ist das genau?

Sonntag, April 26th, 2015

Nicht alle Leute, die gegen Homosexualität und gegen Schwule an rennen, sind wirklich homophob. Es gibt andere gute Gründe, vor allem die derjenigen Leute, die Verachtung empfinden und glauben, uns wie Minderwertige bekämpfen zu müssen.

Dabei ist das wesentliche Element der Homophoben ihr GLAUBE! Der Glaube ist der Grund, warum diese sich nicht mehr in der Gesellschaft spiegeln, sehen und sich relativieren können!

Es gibt übrigens sehr viele Erscheinungweisen von Antihomosexualismus in den Medien, die im Zusammenhang mit Juden, Schwarzen und anderen Minderheiten UNDENKBAR wären, aber mit den Schwulen (vor allem) wieder NEU denk- und aktivierbar sind!

Die Frontseite des Kirchenboten zum Thema „Trauung gleichgeschlechtlicher Paare“ hat mich verärgert und traurig gestimmt. M. schreibt, dass es vor rund 20 Jahren mutig war, Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare in unsere Kirchenordnungen aufzunehmen.

Ich fand das damals gar nicht mutig, sondern schwach. Mutig wäre es, wenn wir als reformierte Kirche Gottes Wort die Bibel mit ihren Aussagen als verbindlich betrachten würden. Segnungsfeiern und eingetragene Partnerschaft sind als Etappenziel schon längst erreicht. Jetzt geht es um die Ehe, morgen dann um das Recht auf Adoption von Kindern und übermorgen werden Firmen wohl boykottiert, die nicht mindestens einen Quotenanteil von 30% an schwul-lesbischen Mitarbeitern nachweisen können.“ A. A. Pfarrer

Hier wird drastisch sichtbar und „erfahrbar“, wie ein Mensch sogar seine Ängste über die Verhältnismässigkeit hinaus mobilisieren kann. Gleichermassen könnte er mit Farbigen – oder wieder mit jüdischen Menschen – argumentieren.

Diese Homophobie ist allgemein verbreitet und lässt sich auch immer wieder mobilisieren. Wir Schwulen und auch die Lesben haben ein grosses Interesse, alle Minderheiten im Auge zu behalten. Denn überall da, wo keineR seinen Mund auftut, glauben solche „Gläubigen“, es sei wieder alles erlaubt: „Man wird doch noch sagen dürfen…“

Was mich am allermeisten ärgert, ist die Tatsache, dass immer wieder Schwule glauben, sie müssten den Mehrheiten gegenüber brav und ruhig bleiben, um diese nicht zu brüskieren. Denn nur dann würden wir endlich akzeptiert. Meine – und anderer Minderheiten – Erfahrung ist, dass genau dann es immer „Wichtigeres“ als Schwule und Lesben gibt und keine Gründe bestehen, sich mit uns auseinanderzusetzen, geschweige zu akzeptieren, dass es uns auch gibt! Und wenig wissende und geschulte Schwule „verwandeln“ sich dann auch in so einen Pfarrer A.A. – ohne dass sie es merken!

Und das genau ist das Ziel von Gläubigen – sie haben uns dann auch indirekt in ihrem Glaubenszirkel mit drin! Es kommt dann so eine Atmosphäre auf wie: Nicht dem Schuldigen muss bewiesen werden, sondern er muss seine eigene Unschuld beweisen! 😉

Peter Thommen_65

queerpredigt 03

Samstag, Oktober 5th, 2013

In der Geschichte von Adam und Eva – oder je nach Lesart auch: Adam und Steve, oder Alma und Eve – begehen Menschen ihre erste Sünde = Ungehorsam gegen das Himmelsmonster. Wenn wir uns die kulturellen Bilder in dieser Geschichte vergegenwärtigen, dann war das ein bemerkenswertes Drama. Ich versuche, das ganze etwas queer zu sehen.

Eva wurde angeblich aus der Rippe von Adam erschaffen, sie war also genuin männlich. Ursprünglich also ein gleichgeschlechtliches Paar! Was denn Evas „Fraulichkeit“ ausgemacht hat, wird nicht erwähnt.

Das corpus delicti war ein Apfel, ein männliches Symbol. Eva oder Evo hat also Adam mit dem Symbol eines Mannes verführt, indem sie ihm einen Mann (und damit gleichgeschlechtliches Begehren = ‚Freund, Kamerad‘) vorgaukelte. Zudem symbolisiert die Szene die Verführung zum Logos, zum Denken, was mythologisch nicht Sache von Frauen war, sondern den Männern zugeteilt.

Wieso die Schlange im Deutschen weiblich ist, kommt von wohl von den ihr kulturell zugeschriebenen Eigenschaften her. In anderen Sprachen ist „sie“ nämlich männlich (le serpent) – und auch ein männliches Symbol! Allgemein gesehen ist das ganze Szenenbild „männlich“. Man könnte annehmen, dass es die kindlich-homosexuelle Vorstellung von „den Geschlechtern“ ist. (> Psychoanalyse) (Lilith war übrigens auch eine Frau Adams)

queerpredigt 02

Dienstag, Dezember 4th, 2012

In unserer christlichen Kultur kennen wir den Begriff: „Wie in Abrahams Schoss…“

Er ist Symbol für Ruhe und Geborgenheit. Wenn wir davon ausgehen, dass dieser Schoss in einer Männergesellschaft seine Symbolik für die Männer gehabt hat – und davon gehe ich aus – dann bedeutet dies, dass der Mann seine Geborgenheit und Ruhe im männlichen Schoss finden soll, denn im weiblichen ist/war er zum Stress und zur Produktion verurteilt.

Vielleicht findet er da auch sein Spielzeug, mit dem er richtig spielen kann und soll und wo er sich auch vergleichen kann. Und aus der Ruhe des männlichen Schosses könnte er sich dann auch gezielt um die Bedürfnisse der Frauen kümmern, da seine eigenen  nicht eigentlich im weiblichen Schosse zu suchen sind! Amen

queerpredigt 01

Montag, August 27th, 2012

Wir kommen unaufhaltsam in die Zeit des Erntedanks. Die Bauern bringen von jedem Ertrag eine Handvoll in die Kirche und opfern ihn symbolisch ihrem Gott, den sie für Fruchtbarkeit, oder Hungersnot verantwortlich machen!

In früheren Jahrtausenden wurden nicht nur Tiere, sondern auch Menschen geopfert. Vorzugsweise Mädchen und Knaben – nicht die Alten und Gebrechlichen. Wobei die Knaben kulturell-religiös als die Wertvolleren galten.

Da wurde also auch von Abraham gefordert, er solle seinen eingeborenen Sohn Isaak opfern. Es gibt da mehr als eine Version dieser Geschichte…  Ich glaube jedenfalls, dass Abraham eine emanzipierte Frau gewesen ist, der sich letztlich darauf besann, dem Himmelsmonster auf keinen Fall seinen Nachkommen zu opfern. Die alte Sarah hat ihn ja offenbar zu keiner Zeit daran gehindert!  Amen.

Empfohlene Lektüre: Friedrich Hacker, Aggression. Die Brutalisierung der modernen Welt, 1971 (Für bis zu 10 Euro bei zvab.de)