Archive for the ‘Geschichte’ Category

der schleichende „Homocaust“!

Sonntag, April 16th, 2017

Am Gründonnerstag bin ich an die Demo gegen die Verhaftungswelle von Queers in Tschetschenien nach Bern gefahren. Ungefähr 200 Leute standen da um eine „Kunstaktion“ mit Menschen, die am Boden des Waisenhausplatzes lagen. Kreuz und queer, nur mit Slips bekleidet und mit roter Farbe am ganzen Körper verschmiert. Ums ganze herum drapiert lagen Regenbogenfahnen.

Die Aktion mahnt an die weltweite Verfolgung von queeren Menschen, nicht nur an die aktuelle in Tschetschenien, einem mehrheitlich moslemischen Staat in der Russischen Föderation.

Vor Jahrzehnten schon erfuhr ich aus Südamerika von Überfällen und gezielten Morden. In den 80gern habe ich mit meinem damaligen Freund auf der Rückreise von Sylt auch das Lager Neuengamme bei Hamburg besucht und war 1989, anlässlich der ILGA*-Konferenz in Wien im Lager Mauthausen.

In Mauthausen hatten die Mitglieder der ILGA eindrückliche Begegnungen. Wir hielten, zusammen mit unseren jüdischen Mitkonferenten, eine Gedenkfeier bei der steinernen Gedenktafel für die ermordeten Schwulen.

Simon Nkoli, ein Gayaktivist aus Südafrika wollte nicht in die Gebäude hinein. Er war kurze Zeit vor seiner Anreise nach Wien aus einem Gefängnis in seinem Heimatland entlassen worden. Er sagte, er wolle sich das nicht ansehen, er komme ja grad aus so einer Einrichtung. Da schlug die Geschichte die Gegenwart platt…

Was wir also uns „ansehen“ können, ist für viele auf der Welt noch Realität. Ich habe schon grausige Bilder von malträtierten Schwulen gesehen: Tot am Boden und die Beine verbrannt bis zu den Hüften.

Auch Shereen El Feki schrieb in ihrem Buch „Zitadelle“ (1) über die Gays in Nordafrika, dass sie nicht von der Homo-Ehe träumten, sondern „einfach nur normal“ leben wollten. Die haben schon Probleme mit der Hetero-Ehe.

Zurück auf den Berner Waisenhausplatz! Es redeten Queeraktivisten, Politikerinnen und Politiker. Ich habe von der BDP Rosmarie Quadranti mitbekommen und zuletzt noch den JuSP Cédric Wermuth. Vermisst habe ich übrigens solidarische Frauen mit Pussyhats…

PolitikerInnen, so habe ich mitbekommen, reden sehr gerne an solchen Anlässen, besonders linke. Aber sie machen immer Propaganda für ihre hetera Politik und verlieren keine Gedanken (2) zur Lage der Schwulen zuhause und zu den Ursachen unserer Diskriminierung. Auch Ständerätin Anita Fetz (BS) hat am ZüriPride 2016 nichts besonderes verlauten lassen…

(„Der homosexuellste Hetero“, Moritz Leuenberger, hat sich über diese Bezeichnung vor Jahren sogar geärgert! Es wäre eine Ehre für ihn gewesen, wenn er etwas von dieser Bezeichnung begriffen hätte! Von ihm ist nur noch die Begrüssung in Erinnerung: „Meine Damen und Damen und meine Herren und Herren!“)

Noch nie hat ein Soziologe oder ein Historiker oder eine IN an solchen Anlässen oder am 1. Mai über Politik und Homosexualität referiert, oder das auch nur erwähnt. Es ist nur eine „Sparte“ in die man/frau tritt, wenn es dem eigenen Renommé nützt. Amen

Peter Thommen_ 67, Schwulenpapst fürs Kleinbasel

Betroffene der Übergriffe berichten

Bundesregierung der BRD und Hilfe

*ILGA = International Lesbian and Gay Association

1) deutsch bei Hanser, 2013, aber auch in englisch und französisch!

2) Wenn es etwas gibt, was Heteros stört, dann ist es vielleicht nicht so sehr der Akt, sondern dass sie darüber nachdenken sollen.“ Egbert Hörmann: Hurra ein Junge! 1997, S. 14

Consoli, Massimo: Homocaust. Il nazismo e la persecuzione degli omosessuali, 1984

Beispiel Zimbabwe

Warum Schwule und Lesben heiraten (Radio SRF)

Charity-Bingo für Jugendgruppe anyway (Regio-TV)

Siehe auch das aktuelle Buchladen-Angebot! >

Ist es gut, wenn Schwule sich unter einen rosa „Pussyhat“ stellen?

Freitag, März 10th, 2017

Einige Schwule oder „Falschsexuelle“ haben sich dieses Jahr freudig der „Pussyhat“-Aktion angeschlossen und sich eine rosa Strickmütze mit zwei Ecken aufgesetzt, mit der sie am Tag der Frau auftreten wollen. Rosa ist die Farbe für Mädchen, wiewohl minu vor vielen Jahren einmal geschrieben hat, in Basel sei das anders gewesen!

Rosa war auch die Markierungsfarbe für Schwule im Konzentrationslager der Nationalsozialisten (1). Das aber dürften die Junghomos heute nicht mehr so genau wissen undwollten es die Frauen je wissen?

Ich habe von Kathrin Küchler vor Jahren (LIBS*) gelernt, dass die Lesben bei den Frauen/Organisationen nicht unbedingt willkommen gewesen sind. Lesben waren in der Schwulenbewegung immer wieder dabei, als „Einzel-masgge“, wie in Basel gesagt würde. Ich habe es noch erlebt, wie an einer der ersten HACH*-Versammlungen in Zürich die Lesben unter Protest die Konferenz verlassen haben. Und nach 40 Jahren ist die LOS* auch wieder aus gemeinsamen Räumlichkeiten mit Pink Cross ausgezogen.

Wir Schwulen sind in den letzten paar Jahren immer wieder für Solidarität mit anderen Gruppen angegangen worden. (LGBTI….) Aber die Frauen – quasi als historisch einzige Alternative zur Männlichkeit – sind nie für sowas mit Schwulen angefragt worden. Es gab meines Wissens auch nie eine Diskussion mit den Frauen darüber. Ich habe als Jungschwuler nur mitbekommen, dass Frauen „unsere Verbündeten“ seien im Kampf! Meine Lebenserfahrungen haben das Schritt für Schritt wieder relativiert. Die ersten Schwulendemos 1972ff in der Bundesrepublik Deutschland predigten damals „die Befreiung der Frau im Mann“.

Logisch ist es politisch vernünftig, „das Weibliche“ in der Gesellschaft vor Diskriminierung und Abwertung zu verteidigen! Aber bekommen wir von dort jemals etwas „zurück“? In der Diskussion um den Frauentag geht es auch immer wieder um die Gewalt gegen Frauen. Nur ist dann dies die Gewalt des Schweigens, die sehr oft bei sexuell motivierter Gewalt auf homosexuelle Söhne und auch Töchter in- und ausserhalb der heterosexuellen Familie eine grosse Rolle spielt. (2) Nach meiner begrenzten Erfahrung entziehen sich Frauen am liebsten den Diskussionen um die Homosexualität und sind auch nur schwer von gesellschaftlichen Parallelen zu überzeugen (3) Ich habe als Jungschwuler noch gelernt, dass nicht die Väter die Gefährlichen sind in der heterosexuellen Familie – es sind die auf ihre Söhne eifersüchtigen Mütter!

Kehren wir zurück auf die gesellschaftliche Ebene. Nach den Schwulen und den Lesben als „bewegte Minderheiten“ (oder auch umgekehrt!) 😉 kamen die Bisexuellen und Transmenschen dazu. So erweiterte sich in den letzten Jahrzehnten die Minderheit um weitere Buchstaben… Alle diese Buchstaben-Menschen stellen eine selbstverständliche Forderung an Schwule um Solidarität.

Alle diejenigen „Minderheiten“, die also von Frauen geboren worden sind und dann weggeschoben wurden, hängen jetzt an den Schwulen – und von mir aus auch an den Lesben. Denn eigentlich wäre es von allem Weltanfang Sache der Eltern gewesen, sich um JEDES Stück Fleisch und seine Lebensaussichten zu kümmern, egal ob es „behindert“ oder „krank“ oder irgendwie falschsexuell ist. Und jetzt sollen die Schwulen – mit allen Buchstabenmenschen – die quasi diesen „Abschaum aufgenommen haben“, mit Frauen solidarisch sein!?

Aber wollen das denn die Frauen auch? Oder wen von den Buchstabenmenschen wollen sie und wen wollen sie partout nicht – und warum? Gibt es Solidarität nur mit den „gebürtigen Frauen“ oder auch mit „feminisierten“ oder transsexuellierten Männern, oder nur mit denen, die „richtig unter dem Messer umgewandelt“ worden sind? Fragen über Fragen, die keineR stellt im Enthusiasmus der politischen Solidarität! Wenn schon Schwule Mühe bekunden, andere Buchstabenmenschen zu verstehen und sich mit ihnen zu solidarisieren, wie diese es ganz heftig wünschen, haben dann Frauen keine Probleme mit der „aufgedrängten Solidarität“ von Schwulen mit Anhang?

Von anderen Hautfarben und Ethnien gar nicht zu schreiben. Ich will daran erinnern, dass zurzeit der „bekämpfteste Bock“ im Sexismus, der hetero-sexuelle/Cis-sexuelle weisse Mann ist. Aber gibt es die gleichen Probleme nicht auch mit den hetero Böcken in den verschiedenen Hautfarben? (Und sind das in Sexualität und Politik nicht auch die begehrtesten/gewähltesten?)

Schon Hugo Loetscher hat übrigens darauf hingewiesen, dass unter den farbigen Menschen in deren Kultur immer diejenigen als „Wertvorbild“ dienen, die am „hellsten gefärbt“ seien.

Ich will keiner Entsolidarisierung irgendwelcher Art hier nach dem Mund schreiben. Aber in Bezug auf James Baldwin und seinen neuesten biografischen Film sage ich: Ich bin nicht Euer Schwulo! (4)

Peter Thommen_67, Schwulenaktivist

P. S. „Wenn es etwas gibt, was Heteros stört, dann ist es vielleicht nicht so sehr der Akt, sondern dass sie darüber nachdenken sollen.“ Egbert Hörmann: Hurra ein Junge! 1997, S. 14

Bei einer Fifa-Podiumsdiskussion in Zürich (2017) wurde Thomas Hitzlsperger etwas wichtiges gefragt. Ob es nötig sei, dass man aufsteht und über seine homosexuelle Orientierung redet, wollte Clarence Seedorf wissen. Er sehe keine Heterosexuellen, die das machen: «Warum ist es etwas, über das man reden muss?»

„Weibliche Homosexuelle sind nicht nur psychologisch von den männlichen verschieden: die Dimension gesellschaftlicher Diskriminierung ist bei ihnen ebenfalls nicht mit jener gleichzusetzen, der homosexuelle Männer ausgesetzt sind.“ (Paul Parin: „The Mark of Oppression“, Psyche Heft 3/1985, S. 198)

„Ach, er konnte es nicht ausstehen, dieses Wort, schwul. Für ihn war es eine befremdliche Kategorie, beschrieb einen Lebensstil, der wenig lebensbejahend war. Nein, er bevorzugte das Wort Schwuchtel, das hatte Schlagkraft, Biss, war geradlinig, streckte selbstbewusst das Kinn nach oben, und es war gegenwärtig auch nicht selbstabwertender als beispielsweise „Amerikaner“. (Larry Kramer, Faggots/Schwuchteln S. 31)

„Ein Menschenleben bekommt durch die ambivalente Einstellung destruktiven Charakter. Die ganze Existenz ist von zunehmender Selbstzerstörung geprägt. Der Homosexuelle, der das innere „coming out“ geschafft und die zur Ambivalenz führende Illusion einer austauschbaren Identität durchschaut und aufgegeben hat, empfindet es als tiefes Glück, „anders“ zu sein, denn dieses Anderssein ist für ihn das Siegel seiner Besonderheit.“ (Schellenbaum: Abschied von der Selbstzerstörung, Kreuz 1987, S. 106/107)

„Immer wieder sehe ich in meiner Praxis die Verletzungen und Schäden, die entstehen, wenn schwule Männer sich selbst nicht annehmen können und – schlimmer noch – sich selbst und andere nach heterosexuellen Massstäben beurteilen. Verinnerlichte Homophobie zwingt schwule Männer oft, grausam gegen sich und andere zu sein.“ (Kort: schwul und cool, S. 20)

Die Krise des Heteromannes beginnt mit der Angst vor dem ‚weiblichen‘ Element, das er sich bei Homos immer zurecht phantasiert. die Angst vor der Frau wird auf Schwule projiziert, denn vor dem Schwulen muss ER das fürchten, was er ständig an der Frau vornimmt, aber niemals an sich selbst gestatten würde.

Drum wäre schon längst eine Diskussion zwischen der Frauen- und der Schwulenbewegung fällig. Die beiden gefallen sich aber im ‚blinden‘ Kampf gegen die Heteromänner, deren heutige Generation nicht mehr geändert werden kann, deren Söhne und Töchter aber um diesen Dialog einmal froh sein könnten. Peter Thommen (Basler Gay Zeitung Nr. 15, 10.03.1984, S. 6)

* HACH Homosexuelle Arbeitsgruppen der Schweiz (1974-1995, sh. schwulengeschichte.ch!)

LIBS (Lesbische Initiative Basel)

LOS (Lesben Organisation Schweiz)

1)  Ich bevorzuge das ausgeschriebene Wort. Die Polizei verwendet übrigens zum Teil bis heute immer noch gerne die Abkürzung „Homo“. 😉

2)  siehe auch meinen Text zum Frauentag vom 8. März 2011! und über Frauen und Schwänze aus 2012!

3)  Claudia Müller: Mein Sohn liebt Männer (Buchbesprechung)

4)  „I Am Not Your Negro!“

„Der Tempel isch wäg!“

Mittwoch, Oktober 12th, 2016

Ich sage immer wieder, dass jede Gruppengemeinschaft ihren Versammlungsort braucht. Die Juden die Synagoge, die Christen die Kirche und die Moslems die Moschee.

Auch die Schwulen brauchen einen Ort wo sie sich treffen können. Zum Klönen, zum Feiern, um sich zu ärgern und um damit zu drohen, dass sie an diesen Ort wegen diesem und jenem und dieser und jener nie mehr hingehen werden…

Diesen „täglichen“ (oder zunehmend nächtlichen) Ort gibt es in Basel nicht mehr. Die Öffnungszeiten sind eh immer mehr „nach hinten“ verschoben worden. So konnten die Schwestern erst überall bei Heteros herumschnuppern und wenn ihnen dann doch nichts passte, fanden sie sich endlich in der Gaybar ein. Und mit Gästen, die dreimal im Jahr vorbeischauen, ob’s es noch gibt, kann kein Lokal überleben. Der Ort sieht zurzeit aus wie die letzte Chnelle in einer Banlieue…

Mit Blumendekorationen wie an einer Abdankung liessen sich auch keine Gäste heranlocken, hiess es kürzlich. Doch jetzt ist es wie nach einer Beerdigung.

Das schwule Leben findet nächtens statt, zwischen heterosexueller Arbeit, Datingplattformen und privatem Schlafzimmer. Bemerkenswert ist, dass dies keinen interessiert. Als der Dupf vor 13 Jahren aufgegeben wurde, schuf Ronnette die „Untragbar“ im Keller des Hirscheneck. Aber auch nur Sonntagabends ab 21 Uhr.

Hier ist auch anzumerken, dass Gaytreffpunkte sehr Jugend- und Alten-UNfreundlich geworden sind. Zudem ist mann immer mehr gezwungen worden, in den Lokalen Ohrstöpsel zu tragen oder sich dem Musik-Lärm auszusetzen.

Ein Tagescafé wie es sie in Deutschland gibt, konnte sich in Basel nie halten. Auch nicht Darkrooms, wie seiner kurzerzeit im Keller des Dupf.

Peter Thommen_66, Schwulenaktivist Basel

Die Bar L39 hat ihren schwulen Schnauf wohl ausgehaucht. 1973 vermeldete der Spartacus-Guide aus Basel, dass die „Theres-Bar“ (im Bierkäller, Ochsengasse) ihr Domicil an einen anderen Ort verlegt und unter einem neuen Namen wiedereröffnet habe. In der Ausgabe von 1974 finde ich erstmals ein Inserat vom Elle&Lui an der Rebgasse 39.

Über vierzig Jahre sind Frauen und Männer aus allen „Buchstabenbereichen“ der heutigen Aufzählungen, inkl. der daran „fehlenden“ Hetero/as über die Schwelle dieses Lokals getreten. Viele Lebensschicksale sind sich dort begegnet. Es wurde viel gelacht und auch mal geweint.

Therese Ollari hatte mit Gartentischchen und vielen verschiedenen Stühlen und Hockern angefangen. Sie waren bekannt. Die „Giraffe“, der Freund von Erwin Schaller fuhr eines Tages mit einem Stecken über alle Glasperlen der Leuchter und rief: „Stimmung, Stimmung“ und machte einige damit kaputt… Auch an die „Blauphase“ mit Martin Rosenast und seinen veganen belegten Brötchen kann ich mich erinnern. Schliesslich wurden die „marokkanischen Bögen“ herausgerissen und im hinten anschliessenden Gärtchen haben einige Grillfeste stattgefunden. Die Zeit mit Michel Schwarz bleibt unvergessen. Es gäbe vieles um das Elle et Lui zu erzählen, ein ganzes Buch!

Leider fehlen mir Nachrichten über die endgültigen Entscheidungen über die Zukunft dieses Ortes und ich hoffe, sie baldmöglichst nachtragen zu können… P. Thommen im schwulen Gassenblatt Nr. 15/Sept. 2016

Die gaybar ist wieder geöffnet! Mo 20-02 h, Di 18-02 h, Mi 20-02 h, Do 18-02 h, Fr+Sa 20-04 h, So 20-02 h (aktualisiert 8.2.17)

Die Ärgernisse des Jahres 2015

Dienstag, Dezember 1st, 2015

Nachdem Toni Bortoluzzi (SVP, nicht mehr zur Wahl angetreten) bereits 2014 über die Schwulen befand, sie hätten einen „Hirnlappen, der verkehrt herum läuft“, stach Hans Fehr (SVP)* 2015 nach, mit dem Vorschlag, das Alter von Flüchtlings-Kindern mit „Penismessungen“ zu bestimmen.

Einige MitGlieder dieser Partei haben sehr wohl verkehrt herumlaufende Hirnlappen! (Man sollte sie „ausschaffen“!)

Das erste Ärgernis bildete eine Arena im Februar 2015, in welcher über die „Homo-Ehe“ diskutiert worden ist. Darin diskutierten Schwule erst in zweiter Reihe mit. Da legte sich von rechts Verena Herzog (NR TG, SVP) ins Zeug , sowie der Mediensprecher Gracia des Bistums Chur (Huonder) und von links Jaqueline Fehr (NR ZH, SP). Wobei Leonard an ihrer Seite als „bürglicher Homo“ recht schwach wirkte.

Mir missfällt grundsätzlich, wenn ÜBER Schwule diskutiert wird und nicht MIT ihnen! Und es gibt ein falsches Bild, wenn nur über weibliche Romantik diskutiert wird und nicht auch über die wahren Gründe der Schwulendiskriminierung, besonders im Zusammenhang mit der katholischen Kirche. Das ist auseinanderzuhalten und nicht zu vermischen! Frauen werden anders diskriminiert als Männer und einer Mutter wird schwerlicher ein Kind das sie geboren hat, weggenommen als einem Vater.

Sind wir also schon wieder hinter die Telearena von 1978 zurückgefallen, in welcher historisch ERSTmals öffentlich MIT Schwulen (leider nicht auch mit Lesben) diskutiert worden ist?

Ich muss auch feststellen, dass die jüngeren Schwulen gar nicht mehr wissen, weswegen sie diskriminiert werden – nur noch, dass sie nicht diskriminiert werden dürften.

Bischof Huonder hat im Sommer sich schön hinter einem Bibelzitat versteckt, um die wahre Gottferne des schwulen Aktes nur anzudeuten! Und die Schwestern von PinkCross haben mit ihren Flügeln wie wild geflattert und in Aufregung gemacht. Das Thema der analen Penetration kam aber nirgendwo auf den Tisch der öffentlichen Diskussion! Und das im 21. Jahrhundert!! (siehe auch: swissgay.info Nr. 4, vom September 2015!)

Zuletzt ist die politische Dummheit von Homosexuellen zu kritisieren, die doch tatsächlich glaubten, einen Bischof wegen eines Bibel-Zitates vor Gericht bringen zu können! Der weiss eben schon, wie er sich aus der Schusslinie nimmt! Und die Schwulen haben ihn gar nicht öffentlich in die Diskussion genommen! Schämt Euch!

Ende September war ich an einer Diskussion der Grün-Liberalen Partei, Sektion Basel über die Öffnung der Ehe. Nebst mässigem Aufmarsch waren doch immerhin eine Handvoll Homosexuelle auch anwesend. Aber was ich mir da anhören musste, war einfach ärgerlich! Eine Frau reklamierte die „Öffnung der Ehe“ deswegen, weil sie sich für eine Universitätsstelle beworben hatte und als Zivilstand „Eingetragene Partnerschaft“ angeben musste. Dadurch fühlte sie sich „diskriminiert“ Sie hätte lieber gleich „verheiratet“ angegeben. Bei den Frauen ist das so eine Sache. Sie kamen zu den Männern und wollten Hilfe bei der Kampagne für diesen „dritten Zivilstand“. Und nachdem wir ihn hatten (Dank Ruth Metzler, CVP, BR 1999-2003), „verschwanden“ sie einfach wieder aus der Öffentlichkeit. Vergessen werde ich auch nicht, die Reklamationen von Seiten von Lesben, als die neuen Steuerformulare in Basel mit der Angabe des neuen Zivilstandes ausgestattet worden waren. Frau fühlte sich „diskriminiert“. Man könnte auch noch ans SchleZ erinnern und die damalige Diskussion um die Aids-Präventionsplakate, die Lesben nicht aufgehängt haben wollten.

Ihr seht, die Diskussionen mit den Frauen stehen noch immer an. Es gab an der Telearena 1978 keine Zeit und in all den Jahren nachher auch nicht! Und es scheint auch kein Bedarf vorzuliegen! Mir scheint aber – nach diversen Diskussion in meinem Umfeld – dass Frauen weder die Gründe der Schwulendiskriminierung, noch die Gründe für ihre eigene Diskriminiung (als penetrierte Menschen) erkennen können oder wollen. Diskussion darüber ist ihnen meist peinlich! Es soll alles unter dem Nebel von „wir sind doch alle Menschen“ verschwinden. Das ist politisch inakzeptabel!

Mir scheint auch, dass die Aids-Prävention sich in diese Richtung entwickelt hat. Es wird nicht über die Notwendigkeit der analen Penetration diskutiert, sondern „durchgetestet“ und wo irgend nur möglich, die kondomlose Variante möglich und akzeptabel gemacht. Gerade nach der Aidskatastrophe der Achtziger mit Ebola-Ausmassen, die offenbar bereits vergessen ist, kann ich als Schwuler diese Politiken noch einmal NICHT akzeptieren.

Da ist eine arabisch-moslemische Feministin etwas genauer in der Unterscheidung zu den Männern: „Lesbische Frauen werden im Übrigen milder behandelt. Über sie wird keine Todesstrafe verhängt, aber auch ihnen droht die Strafe durch auspeitschen.“ (Dr. Elham Manea, Politologin, forscht im islamischen Recht, in Genderfragen und Islamismus in Pink Mail Nr. 4, 2015, S. 24)

„Weibliche Homosexuelle sind nicht nur psychologisch von den männlichen verschieden: die Dimension gesellschaftlicher Diskriminierung ist bei ihnen ebenfalls nicht mit jener gleichzusetzen, der homosexuelle Männer ausgesetzt sind.“   (Paul Parin: „The Mark of Oppression“, Psyche Heft 3/1985, S. 198)

 

Peter Thommen_65, Schwulenaktivist, Basel

*  „Für Fehr (SVP) gibt es auch keinen Grund, Schwule und Lesben vor Diskriminierung zu schützen. «Wer heute Homosexuelle öffentlich beleidigt, wird doch sowieso sofort als ‹Spinner› qualifiziert und nicht mehr ernst genommen.» Die Bevölkerung entscheide  selber, wann es zu Diskriminierung kommt und würde diese auch sofort bekämpfen. «Dafür brauchen wir doch keine Gesetze».  (20min 12.3.15)

Die bzbasel schreibt als einziges Medium, worum es eigentlich bei der Schwulendiskriminierung geht!  Ausgabe vom 24.12.15

Wegen Pause des Tuntenballs: Erinnerungen an den von 1992

P.S. Das schwule Gassenblatt vom Dezember ist hier zu lesen

 

Nachtrag

Mit einem Beitrag von Fanny Jiménez in der Sonntagszeitung vom 15.11.2015 „erlebte das Schwulen-Gen XQ28“ eine Neuauflage. Die „Wissenschaftsjournalistin“ konnte der SoZ eine längst überholte Theorie verkaufen. Sie ist inzwischen 20 Jahre alt und nie in Gebrauch gekommen. Diese genetischen Untersuchungen sind immer zu eng begrenzt, um als repräsentativ gelten zu können. Im Übrigen sind die „homosexuellen Aktivitäten“ viel grösser als nur diese „Orientierung“ und sehr viele heterosexuell Orientierte nutzen diese Variante gerne „mit“.

Interessierte mögen besser folgende Untersuchung lesen: Bell/Weinberg: Der Kinsey Institut Report über weibliche und männliche Homosexualität, dt bei Bertelsmann 1978, 540 S. Oder diejenige von Dannecker und Reiche aus 1974: Der gewöhnliche Homosexuelle.

Siehe auch: Welche Mehrheit darfs denn sein?

 

enttäuscht von der Schwulenbewegung!

Freitag, Juli 18th, 2014

Die Schwulenbewegung (1) war – in der Folge der Studentenbewegungen – angetreten, um die bürgerlichen Widersprüche in Strafgesetzbuch und Gesellschaft aufzudecken. Die traditionell „unsichtbare“ Vereinigung der „Homophilen“ hielt sich bisher streng an das Gesetz und die bürgerliche Moral! Aber schliesslich geschahen in jenen Jahren einige spektakuläre Morde an Schwulen, die das Thema in die Medien und in die Öffentlichkeit brachten. Dies wiederum erforderte „unsere Stellungnahme“!

Doch wofür oder wogegen haben sich bewegte Schwule engagiert? Das scheint heute in einem „Meer“ von „queeren“ Aktivisten bereits nicht mehr bekannt zu sein!

Ehemalige politisch Aktive sind entweder in Pension, oder in eine eingetragene Partnerschaft „gegangen“, oder träumen vor ihrem Ableben noch von einer „Eheöffnung“! Gar nicht zu übersehen sind die neuen Junghomos von links bis rechts, die nicht warten können, dieses hetero Klischee als Hintertür für eine – wie auch immer geartete – „gesellschaftliche Toleranz“ politisch missbrauchen zu können. (2)

Ich glaube nicht daran, dass sich die „Hetero-Ehe“ an die künftigen wirtschaftlichen Bedingungen anpassen lässt. Eine „Eingetragene Partnerschaft“ allerdings schon. Was den Schutz der Kinder betrifft, so ist die Familie genau der Platz, in dem sie in den meisten Fällen Schaden nehmen. Das vergessen vor allem viele Schwulen. Sie vergessen ihre eigene Biografie. Aber die mainstream Politik besteht darin, solche Familien auf Kosten des „Kindeswohls“ und trotz vieler Widersprüche, um jeden Preis aufrecht zu erhalten. Weil das vor allem eine Glaubensfrage ist. Ich fürchte, dass „Homosexuelle“ dies den Hetero/as nachmachen!

Ich hoffe auch sehr, dass vielen Männerliebenden klar geworden ist, dass es in einer „globalisierten“ wirtschaftlichen Entwicklung nicht mehr nur darum gehen kann, mit einem Mann von irgendwoher zusammenwohnen und damit dem „bösen Milieu für immer entfliehen“ zu können! Aber das scheint noch nicht in Frage gestellt zu werden…

Mich bekümmert, dass die historischen Fakten der letzten Jahrzehnte einfach verdrängt und nicht aufgearbeitet werden: Homosexuelle haben – wie Juden auch – vielfach in politischen (/heterosexuellen) Kämpfen mitgemacht, in der Hoffnung, letztlich für sich selber einen besseren Platz abzubekommen. Doch dies ist selten wirklich erfolgt.

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Ein italienisches Männermodemagazin hatte 1981 die „Vorausschau“!

Vor allem darum, weil die gesellschaftlichen Widersprüche, an denen alle leiden, stetig weiterwachsen – und immer schneller.

Die Gesetzesgeschichte

Vor dem Inkrafttreten des eigenössischen StrGB 1942, gab es die einzelnen kantonalen Gesetzbücher! (3) (Siehe eine Liste bei Hirschfeld, S. 848 f!) Witzig ist die Tatsache, dass es Parlamentarier gab, die allen Ernstes die Masturbation auch bestrafen wollten. Aber davon hat man dann doch abgesehen.

Das erste schweizerische Strafgesetzbuch (4) (Als „das von 1937“ bezeichnet) galt offiziell von 1942 bis 1992, also ganze 50 Jahre! Alle glaubten daran, auch das Bundesgericht, denn es schützte den politischen Widerspruch zur Verfassung: Heteros sind gleicher als Andere, sie hatten Selbstbestimmung ab 16 Jahre, die Homosexuellen erst ab 20 Jahre! Zudem war die gleichgeschlechtliche Prostitution bis ans Lebensende verboten. (5) Der Gesetzestext enthielt zudem eine Ungenauigkeit in der Formulierung: „wer eine gleichgeschlechtliche Person … verführt“. Hier die Diskussion darum, wie oft denn hintereinander diese Person „verführt“ werden konnte… (hier im club68-Magazin vom Juli/Aug. 1968)

In den revidierten Artikeln (hier 187), die schliesslich 1992 in Kraft getreten sind, taten sich schnell neue Widersprüche auf. Bald wurden die „Verjährungsfristen“ verlängert – bis zur Unverjährbarkeit. Nach 50 Jahren Erfahrung hatten Justiz und die Fachleute kurze Verjährungsfristen empfohlen. Aber Aufklärung und Prävention waren an einem kleinen Ort geblieben. Wenn, dann wurde und wird aus verschiedensten Kreisen – vor allem aus der „Familie“ gegen Öffentlichkeitsarbeit an Schulen opponiert. Leider ist der „Tatort“ mit der grössten Gefahr eben diese Familie, die das aber nicht wahrhaben will! (6)

Die Geschichte des Schutzalters (7)

Die Bestimmung des „Schutzalters“ hat eine eigene kleine Geschichte. Verschiedene Kantone hatten früher ein tieferes als die 16 Jahre – oder gar keines. (Drum schnellten in den 40er Jahren die Strafverfahren erst in die Höhe!) (Hier finden sich noch Äusserungen aus der Vernehmlassung betreffend die Revision von 1992!)

Die Expertenkommission hatte 14 Jahre vorgeschlagen. Mindestens eine Kommission für Rechtsfragen des Parlamentes hatte sich auf 15 einigen können. Noch war auch die „Jugendliebe“ in der Diskussion, so dass der Vorschlag für die 3 Jahre Unterschied über das Schutzalter hinweg Gnade vor Parlament und in der Abstimmung gefunden hat. Immerhin meldete sich die HACH noch 1991 zum Thema Altersgrenze (Basler AZ, 20. Juni 1991) und eine „Initiative lesbisch schwule Jugend Schweiz“ äusserte sich begeistert.

Die Geschichte geht weiter!

Seit 1. Juli 2014 ist schon wieder eine Änderung in Kraft. KeineR fragte nach den aktuellen ökonomischen Bedingungen der Jugendlichen, MigrantINNen oder ZuwanderInnen/er. Keine Diskussion über den Leistungs- und Konsumdruck, unter dem sie stehen…

Bezahlsex“ ist jetzt von 16-18 auch verboten! Mit dem moralischen Kreuzzug gegen „sexuelle Ausbeutung“ werden sie nun „geschützt“ bis zum 18. Geburtstag.

(Derweil wurde – realistischerweise – in Bolivien das Gesetz im Parlament nach der Realität geändert und Kinder können nun ab 10 Jahre selbständig arbeiten, wie kürzlich berichtet wurde! Ganz gegen „internationale Vorschriften“!)

In der Schweiz wurde verschiedentlich der Vorschlag gemacht, das aktive Stimm- und Wahlrecht von 18 auf 16 Jahre zu senken (> googeln!). Sogar Bundesrat Didier Burkhalter findet das gut. (Hier die Diskussion im Kanton Luzern)

Interessant, dass im Sexualbereich diese Überlegungen dann nicht gelten! André Weissen, Arzt und CVP-Grossrat in Basel, wies am 26.01.2009 in der BaZ ausdrücklich darauf hin, dass 16jährige durchaus „urteilsfähig“ seien!

Die Tendenz, für Alkohol-Konsum und Fahrberechtigungen, das „Schutzalter“ zu senken, ist nicht zu übersehen. Die Kinder nehmen sich ja die Erwachsenen zum Vorbild!

Die Geschichte des Gesetzes zur Pornografie

Auch bei der rechtlichen Behandlung der Pornografie sind Änderungen vorgenommen worden: Zur „harten“ Pornografie zählen jetzt auch Darstellungen bis zum 18. Lebensjahr – neben Tieren und Gewalt. Weggefallen sind die „menschlichen Ausscheidungen“ (Dies hat das Schwulenbüro Pink Cross schon seit längerer Zeit gefordert und dies macht die Schweiz EU-kompatibel.) Die ParlamentarierInnen, die das damals „zur Wahrung der Würde der Frau“ gefordert und bekommen hatten, haben sich nicht mehr gemeldet.

In der Pornografie hat sich aber ein neuer Widerspruch aufgetan: 16jährige dürfen zwar mit Erwachsenen Sex haben, aber der Zugang zu diesen Darstellungen ist ihnen verboten.

Wenn Jugendliche von 16-18 nun untereinander Sex haben und dies festhalten, dann ist dies zwar für Erwachsene verboten, aber unter Gleichaltrigen erlaubt. Die galante Lösung:

8) Minderjährige von mehr als 16 Jahren bleiben straflos, wenn sie voneinander einvernehmlich Gegenstände oder Vorführungen im Sinne von Absatz 1 herstellen, diese besitzen oder konsumieren.“

Die Minderjährigen dürfen damit immerhin nicht handeln. Mich laust der Affe! Und die Strafverfolger halten sich die lästigen Jugendstrafverfahren vom Hals.

Das Recht um die Sexualität von Jugendlichen ab 16 Jahren wird Satz um Satz verlängert, um die auftretenden Widersprüche zu überkleistern. Und Schritt um Schritt gibt das Parlament nach und keineR ergreift natürlich mehr das Referendum!

Wir haben jetzt Selbstbestimmung ab 16 Jahren, aber mit Einschränkungen: Was zu tun erlaubt ist, darf nicht dargestellt werden bis 18. Und weil die Jugendlichen trotzdem appsen und filmen, dürfen sie dies zwischen 16 und 18 unter „gleichaltrigen“ besitzen und herumreichen…

Wir haben eine harte, eine „Jugend-“ und eine weiche Pornografie. Ich bin gespannt, welches der nächste Widerspruch sein wird, der geöffnet wird!

Die Schwulenbewegung war angetreten, genau diese Widersprüche zu benennen und sie zu bekämpfen und das erwarte ich auch noch heute von politischen, oder politisierten Schwulen! Aber das Schwulenbüro Schweiz hat sich längst davon abgekoppelt und favorisiert andere „Rechte“ wie öffnung der Ehe für Homosexuelle und es ist zunehmend damit beschäftigt, die Rechte weiterer sexueller Minderheiten einzufordern – und das auch mit zu finanzieren!

Ich frage mich schon lange, wieso die Homosexuellen auch noch für andere sexuelle Minderheiten verantwortlich sein sollen. Dafür sind die Heterosexuellen zuständig, die sie ja auch produzieren. Aber mit denen wollen diese nichts zu tun haben. Schon bei den Homosexuellen wären die Heten zuständig gewesen, aber sie haben sich erfolgreich davor gedrückt.

Peter Thommen_64, Schwulenaktivist, Basel

siehe auch swissgay.info Nr. 2/2014

1 Kein Mann, der Homosexualität praktiziert, muss bei einer „Bewegung“ sein. Die homosexuelle Praktik ist eh‘ viel mehr verbreitet unter Männern, die sich nicht als „Homosexuelle“ betrachten. Und so wie in den USA sich erst etwas geändert hatte, als Aktivisten nicht mehr im Anzug, mit hochgehaltenen Tafeln, vor dem Regierungsgebäude im Kreis herum geschritten, sondern in der Christopher Street gegen eine Razzia hervorgetreten sind, genauso hat sich in der Schweiz das (politische) Strafrecht erst richtig geändert, nachdem Schwule auf die Strasse gegangen sind! Danach mussten ParlamentarierInnen und darauf die Abstimmenden Farbe bekennen!

2 siehe auch einen kritischen Einwurf von lesbischer Seite!

3 Vor dem Inkrafttreten des StrG von 1942-1992 kannten die französisch sprechenden Kantone, der Tessin und Basel-Stadt diese Schutzalter gar nicht

4 (Chronologie)

5 „Dem sogenannten ‚Strichungen‘ muss allerdings die Gewerbsmässigkeit nachgewiesen werden, d.h. Also dass er keinem täglichen Beruf nach geht und seinen Lebensunterhalt aus dem Erlös seiner nächtlichen Abenteuer bestreitet.“ (Der Kreis 9’1964, S. 11 und 12)

Aus diesem Grunde fragte die Polizei bei Kontrollen jeweils nach dem Arbeitgeber! Da haben wir ab den 70er Jahren einfach die Angabe verweigert!

Und weil es schwierig ist, so etwas nachzuweisen, hat man die „Jugendprostitution“ heute einfach grad ganz verboten!

6Jeden Tag werden in Deutschland mehr als 500 Kinder von Erwachsenen aus ihrem familiären Umfeld misshandelt. Fast jeden Tag wird ein Kind durch körperliche Gewalt getötet. Und erschreckend hoch ist die Zahl der Opfer, die später selbst zu Tätern werden.“ Wobei die Rolle der TäterINNEN meistens heruntergespielt wird!

7 Meines wissens hat nur Frau Bundesrätin Kopp als Beamte jemals in der Öffentichkeit von der „sexuellen Selbstbestimmung“ Jugendlicher gesprochen! (TV SRF)

siehe auch Kapitalismus pink, taz

siehe auch Jens Dobler: Wie öffentliche Moral gemacht wird, am Beispiel des deutschen Schwulenparagrafen

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Beat Kraushaar zu diesem Thema

Und Steven Milvertons Kommentar auf ihn

Siehe auch Porträt in der tageswoche.ch

Politisch gesetztes Recht juristisch nach-relativiert…

Samstag, März 2nd, 2013

Geschichtliches aus den 50er Jahren

Zufällig – beim suchen im Blatt der „Homo-Eroten“, dem Kreis-Jahrgang von 1953, stiess ich auf einen Artikel, der mich an die heute aktuellen Bestrebungen zur Nach-Revision des 1992 „revidierten“ Strafgesetzbuches erinnerte (DarstellerInnen in Pornos sollen erst ab 18, statt 16 und Prostitution erst ab 18 erlaubt werden – siehe hier im Blog unter den Links „Jugend-prostitution!“). Als „Kinderporno“ soll neu gelten, wenn 16jährige schon dabei mitmachen.  Dazu interessant ist die ehemalige Botschaft des Bundesrates über die Änderung des unten diskutierten Art. 194, vom 26. Juni 1985! *

Ähnliches hatten wir doch schon in den 60ern…

Schauen wir also zurück in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts und in das damalige Strafgesetzbuch mit dem Art. 194, der generell homosexuelle Kontakte erst ab 20 Jahren erlaubte und die homosexuelle Prostitution auch über 20 Jahre hinaus verbot! Dieses Strafrecht, das 1942 in Kraft getreten ist, löste die kantonalen Strafgesetze mit zum Teil milderen Strafen definitiv ab.

Nachtrag: Die Plattform Romeo beklagt sich heute darüber, dass ihnen von Apple verboten wird, Männer mit „zuviel“ Haut auf dem App anzuzeigen. Ich könnte das bei Frauen verstehen. Aber wahrscheinlich haben die Amis vergessen, dass es mal Handwerker auf offener Strasse gegeben hat, die auch nur in der Körpermitte was an hatten und oben nackt gearbeitet haben. ..   Peter Thommen_63

 

Aus dem „Kreis“ 21. Jg. Nr. 5, Mai 1953  „In der neuesten Nummer der Schweizerischen Juristen-Zeitung, Jg. 1953 ist auf Seite 112 folgender Entscheid des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 3. Oktober 1952 publiziert worden:

„Art. 194 Strafgesetzbuch. Freizusprechen ist der Angeklagte, der mit einem unmündigen (= damals unter 20 J.) Knaben von mehr als 16 Jahren beischlafähnliche Handlungen begeht, sofern der Geschädigte früher schon mit andern Männern gegenseitige Onanie betrieben hatte.“ (1)

Der schweizerische Rechtsanwalt, der uns auf das sehr wichtige Urteil aufmerksam macht, führt dazu aus: Dieser Entscheid geht noch weiter als der vor einiger Zeit durch Herrn Dr. Krafft, Zürich, mitgeteilte, da es sich dort um einen jugendlichen Prostituierten handelte, während hier zum Freispruch schon die Tatsache genügte, dass der Junge sich vorher einmal mit Männern eingelassen hatte. Nur diese Auslegung wird ja auch in dem Sinne des Art. 194 gerecht, wonach nur die Verführung strafbar ist. Wer schon verführt wurde, kann es nicht noch einmal werden. Das Bundesgericht hat mit seiner bisherigen Interpretation eigentlich das Gesetz verletzt.

Wenn wir hier im „Kreis“ dem noch nicht Volljährigen keinen Zutritt gestatten, selbst wenn er eindeutig gleichgeschlechtlich empfindet – (aus Gründen, die wir schon oft auseinandergesetzt haben) – so freuen wir uns doch über eine Rechtssprechung, die dem neuen Gesetz durchaus gerecht wird. Umso bestürzter lesen wir eine Zeitungsnotiz, die uns ein Berner Kamerad zustellt:

„Endlich wagt es einer!“ Nationalrat Dr. Emil Bösch (SG, FDP-LdU*), hat in der Frühjahrssession der eidgenössischen Räte folgende Motion eingereicht: Die seit der Einführung des Schweizerischen Strafgesetzbuches bestehende Straflosigkeit der zwischen mündigen Personen männlichen Geschlechts begangenen widernatürlichen Unzucht hat auf den Gebieten des Jugendschutzes und der Verbrechensbekämpfung schwerste Nachteile nach sich gezogen. In diesem Zusammenhang mahnen in einigen Kantonen auch gewisse Erscheinungen des gesellschaftlichen Lebens nachgerade zum Aufsehen. Der Bundesrat wird daher eingeladen, der Bundesversammlung über eine Revision von Art. 194 StGB Bericht und Antrag zu stellen.

Hier handelt es sich um den Versuch, einen rechtsgültigen Gesetzesparagraphen, der seit zehn Jahren in Kraft ist und, wie wir schon verschiedentlich von massgebenden Stellen gehört haben, dem Erpressertum den Boden entzogen hat, ins Wanken zu bringen, zu verschärfen und damit wieder ähnliche Zustände zu schaffen, wie sie in den Ländern um uns fast jede Woche zur Genüge bekannt werden. Die Motion richtet sich zwar nicht gegen unsere Zeitschrift und die damit verbundene Abonnentenvereinigung, aber sie greift die Grundlage an, auf der Beides überhaupt erst möglich ist.

Wir haben in unserer Zeitschrift und an unseren Klubabenden schon zur Genüge betont, dass wir geschlechtliche Beziehungen zu Kindern verurteilen, mögen sie nun Knaben oder Mädchen betreffen, wobei noch zu sagen wäre, dass bei einem Mädchen weit mehr zerstört wird als bei einem Knaben je möglich ist (er meint wohl nicht die lesbische, sondern die hetero Kombination? Th.), sofern eine Handlung nicht gerade zu körperlichen Verletzungen führt. Unlösbar mit unserem Geschlechtlichen ist und bleibt aber unsere Seele verhaftet und wenn das Geschlechtliche mit dem noch Jugendlichen in einer schmutzigen und seelenlosen Art begegnet, so bleibt es verwerflich, ob es vom Gesetz je erfasst wird oder nicht. Hier ist von Jahrtausenden her die persönliche Verantwortung das einzige Richtmass. Es gibt siebzehn- oder achtzehnjährige Mütter, die später prächtige Frauen geworden sind und es gibt Mädchen dieses Alters, die durch einen gewissenlosen Freund zu Dirnen herabsanken. Es gibt Jünglinge, die vor ihrer Volljährigkeit einen Freund fanden, der Vaterstelle an ihm vertrat, ihn ausbilden liess und zu einem vortrefflichen Manne machte – und es gibt junge Kerle, die durch frühzeitige Erlebnisse in der Strafanstalt endeten. Es lässt sich nie, in diesen entscheidenden Jahren ein für alle gültiges Gesetz schaffen; in der Wirklichkeit wird immer wieder Höhe und Abgrund nebeneinander stehen und es ist in den Willen jedes Einzelnen gelegt, was er daraus macht. Dass der Jugendliche geschützt werden muss, der sich verletzt fühlt, dessen persönliches Recht angetastet wurde, ist wohl allen klar. Was soll aber eine Motion, die so formuliert: „Die … Straflosigkeit zwischen mündigen Personen männlichen Geschlechts begangenen widernatürlichen Unzucht hat auf den Gebieten des Jugendschutzes … schwerste Nachteile nach sich gezogen…“ !?!  (2)

Seit wann muss der selbstverantwortliche junge Mann von Gesetzes wegen – („zwischen erwachsenen Männern“) in seiner Geschlechtlichkeit geschützt werden? Kann er das nicht mit einer kräftigen Ohrfeige selbst besorgen, wenn in seiner Wesensart nichts zum mannmännlichen Eros neigt? Wieso soll hier der neue Paragraph des StGB schädigend gewirkt, das jugendliche Verbrechertum begünstigt haben? Der Minderjährige, der die gleichgeschlechtliche Betätigung nicht will, ist ja geschützt, weit mehr als das Mädchen. Ist es nicht ein offenes Geheimnis, dass die Schwangerschaftsunterbrechungen bei minderjährigen Mädchen in erschreckendem Masse zugenommen haben? (Also schon damals! Th.) Wird hier nicht unendlich mehr zerstört als bei einem Achtzehnjährigen, der mit einem wirklichen Freund in gegenseitiger Zuneigung sich geschlechtlich entspannt? Ist es nicht heute so, dass die Welt trotz zwei furchtbaren Kriegen schon wieder übervölkert ist und die Lenker der Staaten, auch unseres Landes, eigentlich froh sein müssten, wenn Kinder nur von verantwortungsvollen Personen gezeugt und geboren werden? Wann endlich wird man die Dinge so zu sehen wagen, wie sie wirklich sind? Könnte sich nicht doch langsam die Anschauung Bahn brechen, dass auch das Homoerotische in der Welt nicht sinnlos ist, wie einige Hochgelehrte behaupten, sondern gerade diese nicht zeugende Geschlechtlichkeit ihren Sinn haben kann im grossen Plan der Natur, vielleicht sogar eines Gottes? Wir jedenfalls wagen diese Frage zu stellen.

Die uns unverständliche Motion ist eingereicht; ob sie durch Straffälle, die auch wir verurteilen müssen, diktiert worden ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Wir können nur der Hoffnung Ausdruck geben, dass sie von Männern in Erwägung gezogen wird, die sich der Verantwortung einem vorurteilslosen Leben gegenüber bewusst sind. Wir können aber auch zum sondusovielten Male immer wieder nur erneut die Mahnung aussprechen, alles zu unterlassen, was dieser Motion auch nur die leiseste Begründung zur Änderung des Gesetzes geben könnte. Wir müssen uns tausendmal mehr bewähren vor den Augen der Öffentlichkeit als die Glücklicheren, deren Eros nicht fragwürdig erscheint durch immer wieder neue Entstellungen in eigenen und fremden Reihen. Bleiben wir uns immer bewusst, dass auch die grösste Freiheit, die jemals erreicht würde, nie das eine ausschliesst, das den Menschen erst zu einem sittlichen Wesen macht. Die Verantwortung dem Du gegenüber, die immer wieder in der christlichen Forderung mündet, dem Bruder auf dem Weg des Lebens nichts Böses zu tun, sondern ihn einzuschliessen in die Liebe, die grösser ist als wir selbst. Rolf.

Anmerkungen

*) „Auf den Verführungstatbestand von Absatz 1 im Artikel 194 StGB ver-zichten wir. Nach der neueren Forschung, auf die sich die Expertenkommission stützte, darf angenommen werden, dass für über 16jährige Jugendliche (für jüngere Kinder greift Art 187) des Entwurfs ein) keine Gefahr mehr besteht, durch homosexuelle Kontakte in ihrem Sexualverhalten beeinflusst zu werden. Die sexuelle Entwicklung junger Menschen scheint jedenfalls in diesem Alter hinsichtlich hetero-, homo- oder bisexueller Richtung festgelegt zu sein. Homo-sexuelles Verhalten unter nahezu gleichaltrigen Jugendlichen kann überdies eine pubertäts- oder entwicklungsbedingte Erscheinung sein, die keine nachhaltigen Folgen zeitigt; in solchen Fällen sollten daher auch jugendstrafrechtliche Mass-nahmen ausser Betracht bleiben.“  (Botschaft des BR vom 26. Juni 1985, S. 79)

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2) Wir befinden uns hier in der Zeit der „gefallenen Mädchen“ und der „ledigen Mütter“ – des kein-Sex-vor-der-Ehe und lange vor der Pille! Zudem hat Rolf richtig bemerkt, dass es einerseits nur um Erwachsene unter sich geht, es nichts mehr mit dem Jugendschutz zu tun hat! Hier entblösst sich die gesellschaftliche Moral in einer verbrämten politischen Aktion! Th.)